Snap Inc. Aktie Prognose Die Nerven liegen blank. Nicht nur bei Snap

News: Aktuelle Analyse der Snap Inc. Aktie

von |
In diesem Artikel

Snap Inc.
ISIN: US83304A1060
|
Ticker: SNAP --- %

---
USD
---% (1D)
1 W ---
1 M ---
1 J ---
Zur Snap Inc. Aktie
Lassen Sie sich den Artikel vorlesen:

Anzeichen dafür, dass Anleger zutiefst verunsichert sind, findet man zurzeit täglich.
Wenn man sich die mediale Berichterstattung anschaut, ist das kein Wunder.

Einer Auswertung von Bloomberg zufolge hat die Anzahl an Artikeln mit dem Begriff „Bear Market“, also Bärenmarkt, geradezu ein historisches Hoch erreicht.
In den letzten zehn Jahren wurden nur im März 2020 mehr Artikel zu diesem Thema veröffentlicht.

Und noch eine Sache fällt auf: Die Autoren scheinen sich mit ihren Schreckensszenarien gegenseitig übertreffen zu wollen.

Bereits die Überschriften sind angsteinflössend. Hier nur die ersten drei Beispiele einer kurzen Google-Suche:
1.„Brutal Stock Selloff Is a Multitude of Bear Cases Coming True“
2. „It May Be a Bear Market, But It’s Not a Panic. That’s Worrisome“
3. „Gartman Advises Selling Rallies in This Year’s ‘Bear Market’“

In unseren Gefilden sieht es ähnlich aus, exemplarisch dieser Artikel:
Das Ende der Wunderbörse

Das sind verschiedene Dinge

Ich möchte den Autor keineswegs kritisieren, denn ich kenne ihn nicht. Er ist sicherlich ein hervorragender Professor für wirtschaftspolitischen Journalismus.
Das bedeutet aber nicht, dass er auch erfolgreich an der Börse ist. Das wissen wir nicht.

Das ist übrigens der Hauptgrund, warum ich keinerlei Börsenberichterstattung lese. Als Leser weiss ich nicht, was die Motivation hinter einem Artikel oder einem Researchbericht ist und mir ist auch nicht bekannt, ob der Verfasser überhaupt selbst erfolgreich investiert.

Das ist ein Problem.

Man nimmt sich auch keinen Tennislehrer, der selbst nicht Tennis spielen kann, egal wie viel er über Tennis gelesen hat.
Und eine Sache ist klar, wirtschaftspolitischer Journalismus, VWL und Erfolg an der Börse sind drei Paar Stiefel.
Sonst wären schliesslich alle Volkswirte Börsenmillionäre.

Das ist erst der Anfang

Kommen wir zum Inhalt des Artikels. Der Autor schreibt, dass die Kurse bröckeln, dass das aber erst der Anfang sein dürfte.

Es wird damit also eine eindeutige Haltung zum Ausdruck gebracht. Die Kurse werden weiter fallen. Das erzeugt beim Leser Angst. Hat man erst die zehnte Überschrift gelesen, wo über den Total-Zusammenbruch der Börse und unseres Wirtschaftssystems gesprochen wird, glaubt man es.

Dasselbe gilt für die vielen Vergleiche, die gezogen werden aber meines Erachtens nicht vollends zutreffend sind.

Es wird zum Beispiel behauptet, dass sich die Bewertung seit Anfang der 2010er Jahre verdoppelt hat.
Daraus wird weder klar, auf welchen Index sich die Aussage bezieht, noch wird der genaue Zeitpunkt genannt.

Da im nächsten Satz über den S&P500 gesprochen wird, kann man nur mutmassen, dass es um diesen Index geht.
Leider kann ich in meinen Daten aber keinen Zeitpunkt Anfang der 2010er Jahre finden, seitdem sich die P/E des Index verdoppelt hätte.

Am Jahrestief von 2011 lag das KGV bei 11,9 und heute bei 19,1.

Später im Artikel wird das KGV des amerikanischen Marktes mit 32 beziffert. Woher diese Zahl stammt, ich kann es Ihnen nicht sagen.
Doch das sind eher Nebensächlichkeiten, wir wollen nicht kleinlich sein.

Crash 1929

Der Autor zieht dann einen Vergleich zu 1929. Demnach seien die Bewertungen derzeit auf einem Niveau wie vor dem damaligen Crash.

Es wird also suggeriert, dass Aktien vom heutigen Niveau um 90% fallen könnten. Keiner kennt die Zukunft, vielleicht wird der Autor damit richtig liegen.

Ich würde allerdings behaupten, dass die Wahrscheinlichkeit dafür gegen null tendiert.
Was bei solchen Crash-Fantasien scheinbar vergessen wird, ist die Tatsache, dass hinter den Kursen echte Unternehmen stehen.

Wie realistisch ist es, dass beispielsweise Google jetzt um weitere 90% fallen wird? Entweder liegt die P/E dann bei unter 2 oder der Gewinn muss komplett kollabieren.

Dass die P/E von Google auf 2 fällt, ist ausgeschlossen. Punkt.
Wer über einen Kurssturz von 90% spricht, muss also ein Szenario unterstellen, in dem die Gewinne massiv sinken.
Wie wahrscheinlich ist das in Anbetracht der Tatsache, dass das Ergebnis von Google weder in der Finanzkrise noch Corona jemals gesunken wäre?

Benutzen wir morgen alle keine Suchmaschinen mehr?

Das Beispiel ist nur exemplarisch. Bei vielen anderen Börsen-Schwergewichten könnte man dieselbe oder noch extremere Rechnungen aufmachen.

Qual der Wahl

Ferner stellt sich eine weitere Frage: Würden die Notenbanken all das zulassen?

Wenn die Notenbanken tatsächlich vor die Wahl zwischen einer vollständigen wirtschaftlichen Implosion (das wäre notwendig, um einen Kurssturz von 90% auszulösen) oder noch mehr billigem Geld stehen, wie werden sie sich entscheiden?

Ich denke, wir alle kennen die Antwort.

Crash 2000

Später wird im Artikel ein Szenario wie nach 2000 beschrieben. Demnach war die Bewertung in den letzten 140 nur einmal höher als derzeit, nämlich kurz vor dem Dot-Com-Crash.

Meine Daten bestätigen das nicht.
Die P/E des S&P500 war in den letzten fünf Jahren sogar den grössten Teil der Zeit höher als jetzt.
Doch auch darum geht es nicht.

Der Kernpunkt ist, dass ein Schreckensszenario nach dem anderen aufgezeigt wird. Alles scheint möglich zu sein, bis hin zu einem Crash von 90% und einem jahrelangen Bärenmarkt.

Jüngst wurde ich mit der Aussage konfrontiert, dass Aktien Ende des Jahrzehnts noch 90% unter dem heutigen Niveau notieren werden.
Wer daran glaubt, hat einen Vorteil: Er kann sich in den kommenden acht Jahren die Zeit sparen, sich mit der Börse zu beschäftigen.

Superlative

Wie bereits angeschnitten, hätten wir hunderte Artikel mit einem ähnlichen Tenor als Beispiel wählen können.
Was sie alle eint, sind Schreckensszenarien und Vergleiche mit den schlimmsten Börsencrashs der letzten 100+ Jahre.
Es werden also wahrlich Superlativen herangezogen.

Wir werden sehen, ob es dazu kommt. Aber womöglich sollte man sich nicht nur mit den Extremfällen der Geschichte beschäftigen.
Einen Crash von 90% gab es in über 100 Jahren mit gutem Grund nur einmal.

Im Durchschnitt dauern Bärenmärkte 6 Monate und die Verluste liegen bei 32%.

Derzeit ist der S&P500 18% vom Hoch entfernt, der Nasdaq 100 etwas mehr als 29%.

Der Technologiesektor hat also fast schon einen ganzen Durchschnitts-Bärenmarkt hinter sich, der S&P500 ist noch vergleichsweise weit davon entfernt.

Wahrscheinlichkeiten

Was fängt man mit all diesen Informationen an? Die Kernaussage ist, dass man sich nicht nur mit Schreckensszenarien beschäftigen sollte, die einmal im Jahrhundert auftreten, sondern mit dem, was andauernd passiert.

Bärenmärkte sind keine Seltenheit. Durchschnittlich kommt es in mehr als in jedem zweiten Jahr im Jahresverlauf zu einem Rücksetzer von mehr als 10%.

In mehr als jedem vierten Jahr kommt es statistisch zu einem Einbruch von über 20%, alle zehn Jahre müssen Anleger mit einem Minus von 30% rechnen und alle zwanzig Jahre mit mehr als 40%.

Es sollte also niemanden überraschen, wenn es mal wieder abwärts geht.

Das ist schlichtweg die Normalität. Doch wie wir im vorherigen Artikel (Panik. Kapitulation. Nachvollziehbar.) gesehen haben, hätte das den langfristigen Erfolg von Investments nicht infrage gestellt.

Wie so oft fällt mir dazu ein Zitat ein:

„Far more money has been lost by investors preparing for corrections, or trying to anticipate corrections, than has been lost in corrections themselves“

Diese Aussage stammt von Peter Lynch, ebenso wie die folgende Empfehlung:
„Never get out oft the market.“

Am Ende müssen Sie sich entscheiden, ob sie irgendwelchen Autoren vertrauen oder denjenigen, die ausserordentlichen Erfolg an der Börse hatten und haben.

Die Folgen

All die Artikel und Crash-Vorhersagen üben eine enorme Wirkung auf Anleger aus. Inzwischen haben wir es mit einer handfesten Panik zu tun.
Einzig die Volatilität ist noch nicht auf Crash-Niveau.

Vielleicht ist es das, was wir brauchen, um die Verunsicherung der Anleger auf ein absolutes Maximum zu treiben.
Sobald dieses Maximum erreicht wird, ist auch das kurstechnische Tief erreicht.

Mit welcher Panik Anleger derzeit reagieren, sehen wir tagtäglich. Das jüngste Beispiel ist Snap.

Ich möchte nicht behaupten, dass die Aktie auf diesem Niveau ein Investment-Case wäre, sie dient nur als Beispiel.

Aber wenn eine Aktie auf die Kürzung einer Quartalsprognose mit einem Einbruch von 43% reagiert, dann weiss man, dass die Nerven der Anleger blank liegen.

Chart vom 25.05.2022 - Kurs: 12,79 Kürzel: SNAP - Tageskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 25.05.2022 – Kurs: 12,79 Kürzel: SNAP – Tageskerzen

Mehr als 12.000 Investoren & Trader folgen mir und meinen täglichen Ausführungen auf Guidants.

Preisgekrönte Handelsplattform und niedrige Gebühren. Mein Broker ist LYNX.

Ab jetzt täglich die neuesten Börsenblick-Analysen per E-Mail erhalten
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.

--- ---

--- (---%)
Mkt Cap
Vol
T-Hoch
T-Tief
---
---
---
---

Displaying the --- chart

Heutigen Chart anzeigen

Alle Börsenblick-Artikel

Nachricht schicken an Tobias Krieg
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.

Vorherige Analysen der Snap Inc. Aktie

Die jüngsten Verlautbarungen von Snap haben eine regelrechte Panik ausgelöst. Ein Minus von knapp 20% über Nacht. Das muss man erstmal sacken lassen.
Wie geht es jetzt weiter?

Nur darauf kommt es an.

Bei Snap handelt es sich um einen hochvolatilen und hochspekulativen Wert. Die erste Aussage ist ein Fakt, die zweite Aussage dürfte viele Anleger überraschen.

Immerhin handelt es sich um eine der weltweit populärsten App. Im vergangenen Jahr schaffte es Snapchat in die Top10 der am meisten gedownloadeten Apps.   

Aus meiner Sicht ist die Aktie dennoch hochspekulativ. Und das hängt vor allem mit der Bewertung zusammen.
Nach einem ersten Hype um Snap während des Börsengangs 2018, wurde es eine lange Zeit still um die Aktie.

Die Kurse purzelten von knapp 30 auf unter 5 USD und es dauerte bis Mitte letzten Jahres, um die Aktie über den Ausgabepreis zu hieven.
Dann ging es allerdings umso eindrucksvoller aufwärts.

Ausgehend vom Vorjahrestief verzehnfachte sich der Kurs. Es kam zu einem vollkommenen Umdenken der Anleger.
Vor Corona wurde Snap zwar als schnell wachsendes Unternehmen gesehen, die Profitabilität war allerdings in weiter Ferne.

Im Geschäftsjahr 2019 erzielte man einen Umsatz von 1,72 Mrd. USD und einen Verlust von 1,03 Mrd. USD. Ständige Kapitalerhöhungen waren und sind bis heute die Folge.

Doch wie gesagt: Durch Corona kam es zu einem Umdenken. Snap wurde als Krisengewinner gefeiert. Plötzlich erschien der Sprung in die Profitabilität weitaus näher zu sein.

Daraus können wir eine Sache lernen: Das Sentiment kann ohne Vorwarnung komplett drehen. In die eine wie die andere Richtung.

Wahrnehmung und Realität

Und nur daran hängt der Kurs von Snap. Denn selbstverständlich hat sich die Aktie sehr viel stärker entwickelt als die wirtschaftliche Realität.
Der Umsatz ist 2020 um 46% auf 2,51 Mrd. USD gestiegen. Der Verlust ist allerdings nur um 9% auf -945 Mio. USD gesunken.

Die Frage, ob das eine Verzehnfachung des Kurses rechtfertigt, kann sich wohl jeder selbst beantworten.

Plötzlich -20%

Doch kommen wir zu den aktuellen Geschehnissen. Nach der Vorlage der Zahlen am Donnerstag ist die Aktie von Snap über Nacht um 20% abgestürzt.
Wenn Sie bis hierhin gelesen haben, dürfte es Sie nicht wundern, wenn ich Ihnen sage, dass es auch noch wesentlich tiefer gehen kann.

Denn die Hoffnung, vielleicht bald den Sprung in die Profitabilität zu schaffen, hat sich gehörig zerschlagen. All das Wachstum scheint erstaunlich wenig zu helfen. Darüber hinaus erfährt Snap auch noch an anderer Stelle Gegenwind.

In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres legte der Umsatz um sagenhafte 77% auf 2,82 Mrd. USD zu.
Der operative Verlust sank allerdings nur um 11% auf 676 Mio. USD. Am Ende blieb ein Nettoverlust von 510 Mio. USD.

Im dritten Quartal hat das Wachstum zwar auf +57% nachgelassen. Im Gegenzug wurde aber „nur“ noch ein Verlust von 72,0 Mio. USD eingefahren.
Je nachdem wie man es betrachtet, ist das eine Verbesserung oder eben eine Verschlechterung.

Wirklich überzeugend ist das für mich alles nicht. Das hätte aber sicherlich keinen Kurssturz von 20% ausgelöst.

Apple ändert Regeln

Das eigentliche Problem ist der Ausblick. Für das vierte Quartal stellt Snap nur einen Umsatz von 1,17 – 1,21 Mrd. USD in Aussicht.
Die Wachstumsraten würden demnach auf 29-33% sinken.

Bisher wurde ein Umsatzsprung um 50% auf 1,36 Mrd. USD erwartet.

Darüber hinaus dürfte der Verlust wieder auf das Vorjahresniveau steigen. Es ist schon erstaunlich, dass es Snapchat trotz der enormen Wachstumsraten nicht gelingt einen überzeugenden Weg in Richtung Profitabilität zu bestreiten.

Wird Snapchat jemals Geld verdienen, bevor die App auf dem Abstellgleis der Internet-Welt landet?
Es ist ja nicht so, als gäbe es keine aufstrebenden Konkurrenten. Eventuell haben Sie von TikTok gehört.

Darüber hinaus scheint Apple dem Unternehmen auch einen Strich durch die Rechnung zu machen. Die Änderungen im Tracking bezeichnete Snap selbst als „signifikanten Gegenwind“ („significant headwind“).

Ich bin dann mal raus

Ob das alles einen Börsenwert von knapp 100 Mrd. USD rechtfertigt, ist fragwürdig. Das KUV von Snap liegt aktuell bei 25 und somit auf demselben Niveau des Börsengangs. Damals folgte eine jahrelange Durststrecke.
Im Tief lag das KUV übrigens bei 6,5.

Die Führungsebene von Snap scheint zum selben Ergebnis zu kommen. In den letzten Wochen und Monaten ist es zu einem ausserordentlichen hohen Mass an Insiderverkäufen gekommen.

Allein seit Mitte September haben CEO, CFO, CBO, Direktoren & Co. für mehr als 70 Mio. USD Aktien abgestossen.
Dem steht kein einziger Kauf gegenüber.

Ähnlich sieht es schon das ganze Jahr aus. Ich habe die Daten bis in den Januar hinein geprüft. Kein einziger Kauf und unzählige Verkäufe.

CEO Evan Spiegel hat im Jahresverlauf für hunderte Millionen Dollar Snap-Aktien abgestossen. Bei Kursen von über 60 USD war er am aktivsten.
Im Endeffekt reduziert er seine Beteiligung aber schon seit längerer Zeit, und das sehr konsequent.
Es ist nicht lange her, da besass Spiegel noch mehr als 85 Millionen Aktien, zuletzt waren es 36,5 Millionen Stück.

Chart vom 22.10.2021 Kurs: 60 Kürzel: SNAP - Tageskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 22.10.2021 Kurs: 60 Kürzel: SNAP – Tageskerzen

Snap dürfte zur US-Eröffnung eine harte Landung nahe 60 USD hinlegen. Dort wird sich entscheiden, ob es zu einer Erholung kommt, oder man noch eine oder mehrere Etagen abrutscht.

Kann sich die Aktie bei 60 USD fangen, könnte es zu einer Gegenbewegung in Richtung 65 USD kommen. Darüber wäre sogar ein Anstieg bis 70 USD möglich.

Fällt Snap hingegen unter 60 USD, muss mit einer Ausdehnung der Korrektur in Richtung Aufwärtstrend sowie 53,50 und 50 USD gerechnet werden.

Unter 48 USD gehen für die Bullen die Lichter aus.