Evotec Aktie aktuell Evotec: Warum tut sich die Aktie auf einmal schwer?

News: Aktuelle Analyse der Evotec Aktie

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Zur Evotec Aktie

Nach einer extrem volatilen Phase zu Jahresbeginn bewegt sich die Evotec-Aktie zwar seit Anfang März wieder aufwärts, liegt aber noch weit unter dem bisherigen Jahreshoch. Warum tut sich die Aktie auf einmal so schwer?

Wer sich die Kursentwicklung seit vergangenem Herbst genauer ansieht, erkennt, dass der Kurs sich derzeit in dem gleichen Tempo sukzessiv höher bewegt, wie das bis Ende letzten Jahres der Fall war. Das heisst: Eigentlich ist die Anomalie nicht das aktuell, zäh wirkende Tempo, sondern die Phase zwischen Ende Januar und Anfang März, in der die Aktie ungewöhnlich starke Schwankungen zeigte. Dass sich diese mittlerweile wieder zu Gunsten der Normalität verabschiedet haben, liegt daran, dass eine kurzzeitige, emotionale Spekulationswelle aus der Aktie heraus ist.

Basis des extremen Kurssprungs Ende Januar war die Meldung, dass eine US-Tochter von Evotec einen Auftrag vom US-Verteidigungsministerium erhalten hatte. Das wertete man zu Recht als wichtig, denn oft folgen solchen Aufträgen, die nur handverlesene Unternehmen erhalten, weitere. Doch die Kursexplosion der Evotec-Aktie war komplett überzogen, weil das Volumen dieses Auftrags im Verhältnis zu den ohnehin erwarteten Umsätzen des Biotech-Unternehmens kein „Gamechanger“ ist. Also kam man zeitnah zur vorherigen Normalität zurück – was aber den grundsätzlichen Aufwärtsperspektiven des Kurses keinen Abbruch tut.

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Evotec Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Dass die Aktie nicht rasant davonzieht, wie man das bei manchen Hightech-Aktien erlebt, liegt daran, dass die Biotech-Branche in den vergangenen Jahren eine Ebene erreicht hat, in der viele Unternehmen sich bereits etabliert haben und es daher weniger um ein „was wäre wenn“ geht als um die tatsächliche Umsatz- und Gewinnentwicklung. Und die geht oft, so auch bei Evotec, schwankend vonstatten.

Evotec ist ein Wirkstoff-Forschungsunternehmen, das anderen Unternehmen, vornehmlich aus der Pharmabranche, eine wachsende Palette von Entwicklungsdiensten anbietet. Diese Partnerschaften ebenso stetig auszubauen wie die Breite möglicher Dienste, gelingt Evotec seit Jahren hervorragend. Doch während der Umsatz stetig, wenngleich nicht rasant zulegt, schwankt der Gewinn über die Jahre deutlich. Zum einen, weil die Zahlungen der Geschäftspartner von entsprechenden Entwicklungserfolgen abhängen (sogenannte Meilenstein-Zahlungen), zum anderen, weil sich Evotec stetig vergrössert. Das stützt die mittelfristige Gewinnperspektive, kurzfristig aber bleibt der Gewinn überschaubar. Das erinnert an den langen Weg von Amazon zu hohen Gewinnen – die Anleger brauchen da Geduld.

Auch für 2021 avisiert Evotec bislang kein rasantes Wachstum. Der Umsatz soll entsprechend der bislang vorliegenden Unternehmensprognose zwischen 10 und 14 Prozent zulegen, der Gewinn auf EBITDA-Basis nach 107 Millionen im Jahr 2020 und 123 Millionen im Jahr 2019 zwischen 105 und 120 Millionen liegen. Was auch daran liegt, dass Evotec 2021 mit 50 bis 60 Millionen einen beträchtlichen Teil der Einnahmen in Forschung und Entwicklung investieren will. Das sind gute Perspektiven, aber nichts, das hochspekulative Trader anlocken würde. Die hatten in früheren Jahren aus dieser Aktie eine Achterbahn gemacht und sich im Zuge des oben genannten US-Auftrags noch einmal gezeigt. Aber solange es so ruhig zugeht, wie derzeit und der Aufwärtstrend insgesamt hält, ist Evotec jetzt eine Aktie, mit der man seine Nerven schont.

Solange der Kurs die am Montag erfolgreich getestete 20-Tage-Linie bei aktuell 32,65 Euro nicht unterbietet, kann der Anfang März wieder aufgenommene Aufwärtstrend durchaus bis an den nächsten, markanteren Widerstand bei 37,62 Euro führen, nur sollte man nicht erwarten, dass die Aktie das im D-Zug-Tempo schafft. Ein wichtiger Termin, der den geruhsamen Trend beschleunigen, im ungünstigen Fall aber auch beenden kann, ist die Bilanz des ersten Quartals, die, sofern keine Vorab-Informationen lanciert werden, am 11. Mai ansteht.

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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen der Evotec Aktie

Die Nachricht über einen lukrativen Auftrag des US-Verteidigungsministeriums führte bei der Evotec-Aktie zu einer kurzfristigen, extremen Übertreibung nach oben. Diese brach in sich zusammen und mittlerweile haben die Marktteilnehmer wiederum mit den Verkäufen überzogen. Die Aktie ist überverkauft und nah an einer massiven Unterstützungszone. Ist das eine Einstiegschance?

Zumindest verbessern sich die Chancen für das bullische Lager. Sie sehen im Chart, dass der zweite Korrekturimpuls nach dieser Ende Januar aufgelaufenen Nachricht, dass eine US-Tochter einen grossen Auftrag vom US-Verteidigungsministerium erhalten habe, bereits deutlich unter den Level geführt hat, von dem aus die kurze, aber heftige Kaufwelle ausging, mit der die Trader auf diese Nachricht reagiert hatten. Das alleine macht die Sache interessant. Denn andere Nachrichten, die diese „good news“ hätten relativieren können, gab es nicht.

Es bleibt bei der Perspektive sukzessiv wachsender Gewinne als Ergebnis einer konsequenten Expansionspolitik und erfolgreicher Kooperationen. Und es bleibt dabei, dass die Gewinne sich schwankend darstellen, weil die Meilensteinzahlungen der Kooperationspartner unregelmässig einlaufen und unterschiedlich gross ausfallen. Doch das weiss man seitens der Analysten und der Investoren. Und immerhin geht es bei Evotec um ein Biotech-Unternehmen, das anders als viele Branchenkollegen seit Jahren solide in den schwarzen Zahlen ist. Unter dem Strich bleibt: Evotec wächst. Grund genug, um sich die Aktie genauer anzusehen …

Expertenmeinung: … und das insbesondere jetzt. Denn nachdem die Aktie das potenzielle Ziel einer Korrektur in Form der Unterstützungszone 31/32 Euro mit Schwung durchschlagen hat, nähert sie sich der mittelfristig entscheidenden Auffangzone, die sich aus dem Hoch der Aktie vor dem „Corona-Crash“ im Februar 2020, dem Monatshoch vom Juli sowie aus der mittelfristigen Aufwärtstrendlinie und der 200-Tage-Linie zusammensetzt.

Dabei bildet das Hoch vom Februar 2020 bei 26,77 Euro die obere, die mittelfristige Trendlinie bei 25 Euro die untere Grenze dieses wichtigen Unterstützungsbereichs. Das untere Ende dieser Zone würde sich im Wochenverlauf zudem mit einer Parallelen zur steilen, kurzfristigen Abwärtstrendlinie kreuzen. Hinzu kommen markttechnische Indikatoren, die bereits nahe der überverkauften Zone rangieren wie der hier mit abgebildete Stochastik-Oszillator.

Die Chance, dass diese Zone 25/26,77 Euro standhält, steht also nicht schlecht. Wer gezielt risikofreudig und aggressiv agiert, würde sich hier bereits bei einem Eintauchen des Kurses in diese Zone an den Einstieg heranwagen und einen konsequent engen Stop Loss um die 24 Euro platzieren, um ein kurzzeitiges Unterschreiten der Zone zu erlauben. Wer die Sache mit mehr Behutsamkeit angehen wollte, würde dann aktiv, wenn diese gerade erst durchbrochene Supportzone 31/32 Euro, die jetzt als Widerstand wirkt, zurückerobert und damit dann zugleich die steile, kurzfristige Abwärtstrendlinie überboten ist.

Der Test charttechnisch relevanter Unterstützungen ist immer eine ideale Gelegenheit, einen erneuten Aufwärtsimpuls zu starten, der über die vorherigen Hochs hinausführt und damit deutlich macht, dass man bei einer solchen Aktie mit Short-Trades schief gewickelt wäre, wenn ein solcher Test erfolgreich abläuft. Was sich bei der Evotec-Aktie aber erst herausstellen muss.

Als Ende Januar bekannt wurde, dass eine US-Tochter des deutschen Biotechunternehmens Evotec einen lukrativen Auftrag des US-Verteidigungsministeriums erhalten hatte, explodierte die Aktie förmlich. Doch diese extremen Gewinne innerhalb kürzester Zeit riefen Gewinnmitnahmen auf den Plan. Nach kurzem, hektischem Auf und Ab fing sich die Aktie im Bereich von 32 Euro. Das war positiv, denn damit wurde noch über dem vorherigen 20-Jahres-Hoch vom Dezember bei 31 Euro wieder gekauft. Und dass es diesmal langsamer aufwärts ging zeigte nur, dass jetzt mit Bedacht und nicht aus dem Affekt heraus gekauft wurde.

Doch binnen drei Handelstagen wurde der zweite, behutsamere Anstieg jetzt fast vollkommen abverkauft. Das ist weniger gut, wenngleich bislang alle entscheidenden Unterstützungen halten. Eine tadellose Chance für das bullische Lager, dieses höhere Kursniveau durch effektive Käufe auf Höhe dieser Unterstützungen zu zementieren. Nur ist die Frage, ob die Käufer zahlreich und willens genug sind, diese Supportlinien auch zu verteidigen, falls die Abgaben weitergehen. Denn noch ist das offen, da diese Linien bislang nicht getestet wurden.

Expertenmeinung: Dass die Aktie so schnell zurückkam und das vorherige Hoch genau dort lag, wo der erste Versuch, den Abverkauf nach der o.g. Nachricht zu drehen, gestoppt wurde (37,72 Euro), dämpft zwar allzu grossen Optimismus. Aber das bedeutet erst einmal nur, dass Akteure an diesem Punkt einen sinnvollen Level sahen, ihren Gewinn zu sichern. Es kann sein, dass diese drei schwachen Tage zusätzlich durch gezielte Short-Trades hervorgerufen wurden, aber das wissen wir erst, wenn es jetzt um die nahe gekommene, erste potenzielle Verteidigungslinie der Bullen geht: die Kreuzunterstützung aus Dezember-Hoch, dem Zwischentief von Anfang Februar und der November-Aufwärtstrendlinie im Bereich zwischen 31 und 32 Euro.

Hält diese Zone, wäre das ein ideales Sprungbrett für einen erneuten, grösseren Aufwärtsschub. Und es wäre allemal möglich, dass bei 31/32 Euro zugreift, wer knapp unter 37,72 Euro den Gewinn kassiert hat. Käme es so, wäre das der Ritterschlag für diesen Aufwärtstrend.

Rutscht Evotec allerdings da durch, wäre bis zur nächsten, dann mittelfristig relevanten Supportzone einiges an Spielraum nach unten. Wenn hier aktiv Short gegangen wird, wird man genau deswegen versuchen, durch die 31/32 Euro-Zone durchzugehen. Denn diese mittelfristige Auffangzone wartet dann erst zwischen 24,50 und 26,77 Euro, zusammengesetzt aus der März 2020-Aufwärtstrendlinie und dem Hoch vom Februar 2020. Die Bullen täten also gut daran, jetzt Flagge zu zeigen.

Aktie explodiert, abverkauft, stabilisiert: In den vergangenen gut zwei Wochen war bei Evotec allerhand geboten. Die Meldung, dass eine US-Tochter des deutschen Biotech-Unternehmens einen Auftrag des US-Verteidigungsministeriums erhalten hatte, führte dazu, dass die Aktie, die durch den Ausbruch über das vorherige Hoch ohnehin gerade ein bullisches Signal generiert hatte, am Morgen des 27. Januars von derart vielen Akteuren unlimitiert gekauft wurde, dass sie bis zu 33 Prozent über den Schlusskurs des Vortags hinausschoss. Zuviel des Guten für diejenigen, die genauer hingesehen hatten, denn:

Auch, wenn ein solcher Auftrag einem „Ritterschlag“ gleichkommt und dadurch die Chance besteht, einen Fuss in die Tür weiterer, lukrativer Aufträge zu erhalten, so belief sich das Volumen dieses Pentagon-Auftrags doch „nur“ auf etwa 24 Millionen Euro. Angesichts eines geschätzten Jahresumsatzes 2020 um die 500 Millionen Euro eine gute Sache, aber eben kein „Game Changer“, der eine Neubewertung der Aktie bedeuten würde. Kein Wunder also, dass Trader diesen Kurssprung als Geschenk ansahen, das man gerne annimmt – und ausstiegen.

Oft führt so etwas dazu, dass mehr Marktteilnehmer die Gunst der Stunde nutzen wollen als zuvor eingestiegen sind und der Kurs unter den vorherigen Ausbruchslevel durchgereicht wird. Doch das ist hier nicht der Fall … und damit lohnt ein genauerer Blick auf die Lage:

Expertenmeinung: Die Aktie hat zwar diesen verrückten 27. Januar eliminiert, ist aber nicht unter den Ausbruchslevel gerutscht, konkret unter des Ende Dezember markierte Hoch bei 31 Euro. Knapp darüber hat sich eine Stabilisierung ergeben, die deutlich macht, dass Anleger erkennen, dass Evotec grundsätzlich durchaus auf einem höheren Niveau als zuvor richtig angesiedelt wäre und Luft nach oben hätte. Denn richtig ist zwar einerseits, dass dieser Pentagon-Auftrag nicht alles auf den Kopf stellt. Aber er ist eine Bestätigung für die durchdachte Expansionspolitik des Unternehmens, das sich geschockt eine immer breitere Tätigkeitspalette aufgebaut hat, die immer mehr namhafte Kooperationspartner und Auftraggeber anzieht. Eine Bestätigung, die werbewirksam und auffällig genug ist, um auch neue Anleger für Evotec zu interessieren.

Was offen bleibt, ist die „Qualität“ der Käufe, die Evotec oberhalb der wichtigen Unterstützungszone zwischen 30,40 und 31,50 Euro, zusammengesetzt aus November-Aufwärtstrendlinie, Dezember-Hoch und 20-Tage-Linie, aufgefangen haben. Haben genug dieser Käufer ein mittel- bis langfristiges Ziel vor Augen … oder sind da so viele auf einen schnellen Gewinn aus, dass der jetzt erkennbare Versuch, sich in kleineren Schritten wieder auf den Weg nach oben zu machen, schnell durch Gewinnmitnahmen ausgebremst wird?

Der Vorteil der aktuellen Situation ist, dass diese o.g. Supportzone 30,40/31,50 Euro relativ nahe liegt und die Aktie durch den Abverkauf dieses gewaltigen Kurssprungs Ende Januar markttechnisch gut konsolidiert ist. Sollte diese Zone fallen, wäre das Minus überschaubar und die nächste Chance, die Aktie sukzessiv einzusammeln, ein Test der mittelfristigen Unterstützungszone 24,30/26,80 Euro. Fazit: Für Akteure, die entweder einen längeren Zeithorizont haben oder aber gezielt spekulativ nahe der aktuellen Supportzone traden wollten, wäre ein Einstieg einen Gedanken wert.

Erst gestern hatte ich die Evotec-Aktie unter die Lupe genommen, heute muss dazu ein Update kommen, denn was da passierte, sieht man nicht alle Tage. Die Aktie stieg am Mittwoch erneut deutlich, diesmal um 9,6 Prozent. Aber Sie sehen es an den beiden Charts auf Wochen- und Tagesbasis: Das war im Vergleich zum Tageshoch gar nichts. In der Spitze hatte die Aktie 43 Euro erreicht und damit kurzzeitig unglaubliche 30 Prozent über dem Vortages-Schlusskurs notiert. Was war da los?

Was ich gestern als selten zutreffend bezeichnet hatte, wurde hier tatsächlich wahr: Offenbar war der am Nachmittag gemeldete Insider-Trade eines Evotec-Vorstands eben kein Zufall, sondern eine ideale Steilvorlage. Und damit lagen diejenigen goldrichtig, die am Dienstag einstiegen, weil sie sich an den letzten Insider-Trade aus der Evotec-Vorstandschaft vom 16.12.2020 erinnerten, der einen Tag vor positiven Meldungen erfolgte, die die Aktie danach mehrere Tage höher trieben. Und was wurde gemeldet?

Am Morgen gab Evotec bekannt, dass eine US-Tochterfirma einen grossen Auftrag vom US-Verteidigungsministerium ergattert habe, bei dem es um die Herstellung monoklonaler Antikörper für die Prävention bzw. die Behandlung von COVID 19 geht. Das ist schon etwas Besonderes, denn Experten wiesen darauf hin, dass die Markteintrittsbarrieren für einen solchen US-Regierungsauftrag überaus hoch seien. Es ist quasi ein Ritterschlag für Evotec … aber war er auch einen Kurssprung um 30 Prozent wert?

Wer sich das genauer anschaute, mag zu dem Schluss gekommen sein, dass dieser Anstieg dann doch zu viel des Guten sei. Denn auch, wenn es gut möglich ist, an Anschlussaufträge des Pentagons zu gelangen, wenn man erst einmal einen Fuss in der Tür hat, so umfasst dieser neue Auftrag doch „nur“ ein Volumen von 28,6 Millionen US-Dollar oder, auf den aktuellen Wechselkurs umgerechnet, knapp 24 Millionen Euro. Und setzt man das mit dem Umsatz von Evotec im Jahr 2020 von voraussichtlich etwa 480 Millionen Euro in Relation, stellt man fest: Das ist ein wichtiger, guter, erfreulicher Auftrag, aber es ist kein „Game Changer“, kein Auftrag, der eine Neubewertung der Aktie bedeuten würde.

Das dürfte die Motivation derer gewesen sein, die diese grandiose Chance nutzten, um die Aktie auf einem zuvor bestenfalls mittelfristig erreichbar scheinenden Kursniveau erst einmal zu verkaufen. Ich hatte Dienstagabend, in Unkenntnis dieser Meldung, geschrieben: „Daher wäre eine Idee, dieses Geschenk insofern anzunehmen, als man je nach Positionsgrösse bei einem Viertel oder ein Drittel der Aktien den Gewinn mitnimmt und bei der Restposition einfach den Stoppkurs auf Schlusskursbasis nachzieht.“

Damit wäre für diejenigen, die diesen Gedanken am Mittwoch nach der Lektüre der Analyse gleich umgesetzt hätten, eine Gewinnmitnahme höchst erfreulich ausgefallen. Hinsichtlich des Stoppkurses würde ich bei diesem Chartbild dazu tendieren, diesen jetzt knapp unter das gestrige Tages-Verlaufstief von 32,84 Euro anzuheben und ihn, sicher ist sicher, als Stop Loss-Verkaufsorder zu gestalten. Aber auch, wenn dieser Kurssprung eine „irrational exuberance“ war: Gedanken, hier vielleicht Short zu gehen, würde ich mir persönlich unbedingt verkneifen, denn dieser Auftrag bestätigt, dass von Evotec mittelfristig viel zu erwarten ist!

Warum ist die Evotec-Aktie am Dienstag unter immens hohen Umsätzen derart durch die Decke gegangen? Es gab an diesem Tag nichts Neues von den Analysten. Zuletzt hatte die Baader Bank am 20. Januar ihr Kursziel von 28 auf 33 Euro erhöht, einen Tag zuvor stufte die Deutsche Bank die Aktie von „Kaufen“ auf „Halten“ ab, Kursziel 29 Euro. Und vom Unternehmen kam nur am Nachmittag die Pflichtmeldung über Aktienkäufe eines Vorstandsmitglieds (Insider-Trade), der gestern ungefähr 6.000 Aktien erworben hatte. Im Vergleich zum Tagesumsatz völlig belanglos, auf XETRA und Tradegate gingen zusammen fast vier Millionen Stücke um.

Denkbar wäre, dass Marktteilnehmer sich dachten, dass dieser „Insider“ mehr weiss als die Allgemeinheit. Immerhin gab es den letzten gemeldeten Insider-Trade am 16. Dezember. Und das war ein recht grosser Kauf von 111.388 Aktien. Einen Tag später meldete Evotec eine wichtige Meilenstein-Zahlung und die Aktie stieg mehrere Tage lang weiter.

Dass Trader bei starken Kursbewegungen oft denken, jemand anderes wisse mehr als sie und deswegen auf den Zug aufspringen, ist meist tückisch. Denn je mehr das denken, desto mehr andere Trader steigen ein … so kann eine Kauflawine entstehen, ohne dass es wirklich eine Nachricht gäbe, die unmittelbar bevorsteht.

Expertenmeinung: Ob heute oder in den kommenden Tagen eine die Aktie massiv nach oben  bewegende Nachricht kommt oder nicht, ist zum Handelsende des Dienstags offen. Was wir hier haben, ist ein untypisch starker Kursanstieg, der eine solche Nachricht, so sie denn käme, dadurch zum Teil vorweggenommen hat. Zwar sehe ich diese Aktie mittelfristig noch mit einigem Aufwärtspotenzial, denn momentan spräche nichts dagegen, dass Evotec sein kontinuierliches, klug strukturiertes Wachstum fortsetzen wird. Aber ein Kursanstieg von fast 18 Prozent binnen einer Woche ist nun einmal nicht von Pappe … und die Aktie ist von der Markttechnik her (im Chart unten der RSI-Indikator) kurzfristig überkauft.

Was tun, wenn man nicht weiss, ob da jetzt doch etwas kommt, das die Aktie noch höher katapultiert oder ob wir hier nur eine Kaufwelle sehen, die ihre eigene Dynamik entwickelt hat und daher kurzlebig sein könnte? Charttechnische Kursziele drängen sich hier nicht auf. Zwar gibt es eine Widerstandszone um 34,50 Euro. Aber die reicht in die Jahre 2000/2001 zurück und hätte daher keine faktische Relevanz mehr. Und was die Kursziele der Analysten angeht, läge das höchste aktuelle Ziel zwar bei 36 Euro, am durchschnittlichen Target der Experten bei 31 Euro ist die Aktie aber soeben vorbei gesaust.

Daher wäre eine Idee, dieses Geschenk insofern anzunehmen, als man je nach Positionsgrösse bei einem Viertel oder ein Drittel der Aktien den Gewinn mitnimmt und bei der Restposition einfach den Stoppkurs auf Schlusskursbasis nachzieht, wofür sich als Orientierung momentan die November-Aufwärtstrendlinie anbieten würde, die aktuell bei 29,20 Euro angekommen ist und zügig der Rallye hinterher läuft.

22. Januar 2020

Evotec steigt und steigt