EURO STOXX 50 aktuell Euro Stoxx 50: Vorsicht Falltür – zum Ausstieg wird nicht geklingelt

News: Aktuelle Analyse des EURO STOXX 50 Index

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EURO STOXX 50
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Zum EURO STOXX 50

Es war zwar nicht wie beim DAX ein neuer Verlaufsrekord, aber der Euro Stoxx 50 erreichte gestern immerhin den höchsten Stand seit über 13 Jahren. Die Hausse scheint in Stein gemeisselt zu sein. Aber da ist eine Falltür im Weg, die sich zwar nicht auftun muss, aber kann.

Sieht man sich den europäischen Leitindex im ganz langfristigen Chartbild auf Monatsbasis an, könnte es nicht besser laufen. Der Euro Stoxx 50 verliess im April die jahrelange, breite Seitwärtsspanne nach oben, testete deren obere, jetzt zum Support gewordene Begrenzungszone im Mai erfolgreich und zog darauf auf neue 13-Jahres-Hochs an. Das charttechnische Kursziel wäre damit der Bereich der Hochs des Jahres 2008 in der Region 4.500/4.573 Punkte. Gut zehn Prozent Luft wäre da also, wenn alles glatt laufen würde. Wenn.

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 14.06.2021, Kurs 4.132,67 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Es ist keineswegs so, dass die Ambitionen der Bullen scheitern müssen. Wichtig ist nur zu realisieren, dass diese Möglichkeit durchaus besteht. Und dass der Weg hin zu einem solchen Scheitern womöglich schon morgen geebnet werden könnte. Falls die US-Notenbank das aus Sicht des bullischen Lagers Falsche tut und beginnt, die Politik des billigen Geldes langsam zu beenden.

Den aktuellen Kurs und Chart des EURO STOXX 50 sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Würde sie das nicht tun, würde sie die mittlerweile fünf Prozent betragende US-Inflation weiterhin als temporär und damit als unproblematisch abtun, könnte das ein Freibrief für die Bullen werden. Die derzeit weit verbreitete Sorglosigkeit könnte weitergehen, sich steigern, den Euro Stoxx 50 schnell, womöglich sogar sehr schnell in diese Kursziel-Region 4.500/4.573 Punkte tragen.

Aber sollte die US-Notenbanksitzung eine negative Reaktion am US-Aktienmarkt nach sich ziehen, würde der Euro Stoxx 50 mit hoher Wahrscheinlichkeit hinterher fallen. Denn wenn die „Fed“ beginnt, die Geldflut einzugrenzen, hätte die EZB die Rückendeckung, bei ihrer nächsten Sitzung ähnliches zu tun oder es, ob der hier noch niedrigeren Inflationsraten, zumindest zu avisieren.

Daher sollte man sich meiner Ansicht nach hüten, das gestern erzielte, neue Hoch als Beweis der Unverwundbarkeit der Hausse anzusehen. Diese US-Notenbanksitzung ist die Falltür, auf die die Bullen jetzt fröhlich zu tanzen. Sie kann geschlossen bleiben. Sie kann sich aber auch öffnen und den Weg in die Tiefe bedeuten. Dagegen feit ein neues Hoch nicht. Denn eines sollte man sich immer vergegenwärtigen:

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 14.06.2021, Kurs 4.132,67 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Der Beginn eines Abwärtstrends ist, logisch, immer „oben“, immer an einem Hoch. Wo ein solches Hoch am Ende gelegen hat, weiss man immer erst nachher, denn an der Börse wird zum Ausstieg eben nicht geklingelt. Und dass die Marktstimmung weiter positiv ist, dass es wirkt, als würde kaum jemand ob dieser anstehenden Entscheidung der US-Notenbanker nervös, hat nichts zu sagen. Zum einen, weil niemand weiss, wie viele Akteure, die gerade nicht aktiv handeln, bereits einen Finger über der Verkaufstaste haben. Zum anderen, weil die Stimmung an einem Hoch immer am besten ist … sonst würde es ja nicht zustande kommen.

 

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Vorherige Analysen des EURO STOXX 50 Index

Besser hätte es für das bullische Lager nicht laufen können. Der Angstmonat Mai ist bezwungen, dem Euro Stoxx 50 ein Monats-Plus nicht mehr zu nehmen. Und auch, wenn die Käufe des Freitags „angeschoben“ wirken: Jetzt wäre Luft nach oben.

Dass die Risikofaktoren eines verflachenden Wachstums bei zeitgleich anziehender Inflation fortbestehen, weiss man in den Kreisen der grossen Adressen natürlich. Aber dort weiss man eben auch, dass nicht die Datenlage, sondern der Strom des Geldes den Trend macht. Und solange die normalen Anleger, die oft in Sachen volkswirtschaftlicher Faktoren weniger versiert sind, den Eindruck haben, dass der Trend weiter aufwärts weist, können diejenigen, die das Geld passiv agierender Sparer verwalten, darauf hoffen, dass dieser Geldstrom nicht abreisst. Und genau dafür, für diesen Eindruck eines intakten Aufwärtstrends, waren die Käufe zum Wochenschluss Gold wert.

Sie sehen im Chart auf Tagesbasis, dass der europäische Leitindex Euro Stoxx 50 dadurch aus seiner wochenlangen Seitwärtsrange nach oben hinausgetragen wurde, nachdem die Notierungen zuvor drei Handelstage lang zwar in Schlagdistanz für einen Ausbruch nach oben waren, aber Kraft und Motivation fehlten, diesen auch zu vollziehen. Dadurch sehen wir im Chart auf Monatsbasis ein perfektes Bild:

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 28.05.2021, Kurs 4.070,56, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Wir sehen einen Euro Stoxx 50, der signifikant aus einer über sechs Jahre währenden, grossen Seitwärtsspanne nach oben ausgebrochen ist, nachdem die Kurse im Monatsverlauf noch einmal die obere Begrenzungszone dieser Range getestet und von dort aus nach oben gedreht hatten. Damit wäre der Weg jetzt erst einmal frei, denn die nächsten Charthürden von Bedeutung warten, wie dieser langfristige Chart zeigt, erst im Bereich 4.503/4.573 Punkte. Kann der Index wirklich bis dorthin laufen, in einem Umfeld, in dem eine sukzessiv anziehende Inflation immer breiter diskutiert wird und auch den Anlegern nicht entgehen kann, die sich ansonsten um solche fundamentalen Aspekte nicht kümmern?

Möglich wäre es allemal, solange es gelingt, das Momentum der Aufwärtsbewegung hoch zu halten. Denn in solchen Phasen siegt dann bei genügend Tradern die Gier über den Verstand, zumal es, solange der Trend dynamisch bleibt, letztlich gar nicht unvernünftig ist, mit dem Trend zu laufen – solange man sich konsequent für den Fall absichert, dass eine solche Rallye schlagartig endet. Denn das ist ein Risiko, das man in Phasen, in denen die Schere zwischen Kursen und Fakten wächst, immer einkalkulieren muss.

Wichtig wäre, dass dieser am Freitag vollzogene Ausbruch Anschlusskäufe sieht, idealerweise entweder gleich heute oder morgen zum Start in den neuen Börsenmonat. Gelingt das, bleibt Long die richtige Seite. Aber es wäre opportun, Long-Trades knapp unterhalb des Ausbruchslevels aus der im April begonnenen Seitwärtsrange abzusichern, wobei sich die zuletzt bis auf 4.000 Zähler mitgelaufene 20-Tage-Linie als Orientierung anbieten würde.

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 28.05.2021, Kurs 4.070,56, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Denn würde der Euro Stoxx 50 nennenswert in diese Handelsspanne zurückfallen, dieser Ausbruch also zur Bullenfalle, hätte das markant negative, psychologische Konsequenzen, die dazu führen könnten, dass alle auf einmal versuchen würden, ihr Geld aus dem Markt abzuziehen. Für aggressive Positionen wäre daher sogar eine Absicherung über Stop Loss-Verkaufsorders zu erwägen, um im Fall der Fälle umgehend zu reagieren.

Nichts scheint die Bullen aufzuhalten: Vergangene Woche wurden anfangs deutlich fallende Kurse aufgefangen, am Ende notierte der Euro Stoxx 50 in Schlagdistanz für einen Ausbruch nach oben. Aber es gibt Warnsignale, die man besser nicht unterschätzen sollte.

Sieht man sich den europäischen Leitindex im Chart auf Tagesbasis an, könnte die Lage für die Bullen eigentlich nicht günstiger sein. Der Euro Stoxx 50 bewegt sich seit Anfang April in einer Seitwärtsrange. Zwar liegen die Zwischentiefs sukzessiv tiefer, aber immer wieder kehren die Notierungen schnell ans obere Ende der Handelsspanne zurück. Und vergangene Woche wurde dabei auch noch die wichtige Unterstützung in Form des Jahreshochs 2020 bei 3.867 Punkten getestet und verteidigt.

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 17.05.2021, Kurs 4.009,29 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Ein Ausbruch nach oben wäre damit jederzeit möglich, auch, wenn der Index diese Hürde, das Jahres-Verlaufshoch bei 4.041 Punkten, am Montag zunächst nicht angegangen ist. Aber am Freitag werden an der Terminbörse die Optionen auf Aktien und Indizes abgerechnet. Das könnte dazu beitragen, den Euro Stoxx 50 über diese Hürde hinaus zu ziehen. Doch man sollte zumindest vorsichtig sein mit dem Glauben, dass ein solcher Ausbruch nach oben die Basis eines grösseren Rallye-Impulses werden muss.

Die Konjunkturdaten sind eher gemischt, das Inflationsproblem nicht zu unterschätzen und die Reaktionen auf die Quartalsbilanzen mittlerweile über die Bühne. Der Euro ist sehr fest, vor allem zum US-Dollar, was die Perspektiven der Exporteure behindert. Und ein positiver Impuls für das Wachstum durch die nach und nach erfolgende Normalisierung innerhalb der Eurozone ist seit Monaten eingepreist. Sollte also ein Ausbruch nach oben gelingen, würde es den Bullen an frischen Argumenten seitens der Rahmenbedingungen fehlen.

Hinzu kommt, dass man erkennen kann, dass sich viele auf Seiten des bullischen Lagers dessen sehr wohl bewusst sind. Denn gerade das sture Wegkaufen kleinster Korrekturen zeugt davon, dass man nervös wird, fürchtet, dass aus einer Konsolidierung in einem solchen Umfeld, in dem fortbestehende Risiken auf Hochs am Aktienmarkt treffen, leicht eine Verkaufslawine werden kann. Sieht man sich den Chart auf Wochenbasis an, manifestiert sich das in der Candlestick-Kerze der vergangenen Woche:

Euro Stoxx 50: Wochen-Chart vom 17.05.2021, Kurs 4.009,29 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Diese Kerze, ein Doji mit einem langen unteren und einem fehlenden oberen Docht, stellt einen sogenannten „hanging man“ dar. Nach einer Abwärtsbewegung wäre eine solche Kerze bullisch, aber am oberen Ende einer Handelsspanne manifestiert sie genau das Vorgenannte: Die Angst der Bullen vor der Korrektur, die sie dazu bringt, jeden Rücksetzer aufzukaufen, um andere vom Ausstieg abzuhalten. Anders wäre es, hätte die zweite Hälfte der Vorwoche Daten oder Nachrichten gebracht, die diese Käufe hätten begründen können. So aber wird klar: Das Bild ist weniger bullisch, als es auf den ersten Blick scheint. Zwar kann die anstehende Terminbörsen-Abrechnung die Motivation bringen, um den Index aus seiner Handelsspanne nach oben hinauszutragen. Aber da besteht ein höheres Risiko als sonst, dass dann, vor allem nach dieser Abrechnung am Freitag, die Anschlusskäufe ausbleiben. Das muss nicht so kommen, aber in einem solchen Gesamtumfeld sollte man das im Hinterkopf haben und Käufe bzw. Zukäufe auf der Long-Seite in jedem Fall eng absichern.

Der Start in den Mai schien ein kapitaler Fehlstart zu werden. Kräftige Abgaben, charttechnisch negative Signale: Der Optimismus geriet ins Wanken. Doch die Bullen entschieden sich zur Gegenwehr beim Euro Stoxx 50. Das kann funktionieren – aber ein Selbstläufer ist das nicht.

Der Beginn eines neuen Handelsmonats ist eine Art Lackmus-Test für das bullische Lager. Normalerweise bedeutet ein gesundes, bullisches Umfeld, dass die vielen passiven Anleger ihren Fonds und ETFs zur Monatswende einen Teil ihres Gehalts überweisen. Und die geben dieses frische Geld dann umgehend in den Markt. Bleibt das aus, ist etwas faul. Und ein solches Signal ausbleibenden Kapitalnachschubs kann dazu führen, dass ein Aufwärtstrend in sich zusammenfällt wie ein Kartenhaus. Vor allem dann, wenn er genau das ist, ein Kartenhaus, weil die Hoffnungen der Trader die Fakten längst überholt haben und man damit auf einem fragilen Gerüst grosser Erwartungen balanciert.

Genau diesen Eindruck gewann man am Dienstag, als nach einem verhaltenen ersten Handelstag am Montag kräftiger Abgabedruck aufkam, der darüber hinaus keine Entsprechung auf der Nachrichtenseite hatte. Die Mutmassung, dass den institutionellen Investoren wie Fonds, Hedgefonds, ETFs, Versicherungen oder Pensionskassen womöglich nicht nur relativ wenig frisches Kapital zugeflossen sein könnte, sondern es sogar zu Abflüssen gekommen ist, war naheliegend. Aber bisweilen taktieren die grossen Adressen auch nur.

Man schaut sich an, was die Konkurrenz tut. Verkaufen die ein wenig, tut man es auch, weil man als Verwalter grosser Summen zwar die eigenen Zu- und Abflüsse sieht, aber nicht die der anderen. Daher neigt man dazu, einem Impuls in dieser Anfangsphase eines Monats zügig zu folgen. Vor allem, wenn dadurch negative charttechnische Signale auftreten. Sie sehen im Chart des Euro Stoxx 50 auf Tagesbasis, dass das kräftige Minus des Dienstags die zuvor mehrfach getestete und dabei immer einigermassen gut verteidigte 20-Tage-Linie ebenso durchbrach wie die November-Aufwärtstrendlinie. Das alleine dürfte den Druck durch ausgelöste Stop Loss-Verkaufsorders intensiviert haben. Aber jetzt könnte sich dieser Abwärts-Ruck als Bärenfalle entpuppen.

Tageschart vom 05.05.2021, Kurs 4.002,79 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Der Euro Stoxx 50 startete am Mittwochmorgen ansatzlos durch und holte die Kursverluste des Vortages komplett wieder auf. Kommt jetzt also statt eines Korrektur-Impulses der Ausbruch nach oben?

Möglich ist es, sicher ist es aber erst, wenn es passiert ist. Denn was wir nicht wissen: Haben viele der institutionellen Investoren erst einmal nur taktiert, ihr frisches Kapital in der Hinterhand gehalten und greifen jetzt mit einem dicken Kapitalpolster an? Oder war der Kapitalzufluss tatsächlich mager und einige grosse Adressen bestreiten den Gegenangriff nur mit ihrer traditionell dünnen Kapitalreserve, so dass sie auf Anschlusskäufe normaler Trader angewiesen wären, um diesen Konter zum Erfolg zu führen?

Daher würde es sich anbieten, dem Braten noch nicht zu trauen. Der Euro Stoxx 50 muss über dem bisherigen Jahres-Verlaufshoch bei 4.041 Punkten schliessen, um diesen Gegenangriff erfolgreich zu gestalten. Würde das klappen, hätte der Index umgehend wieder Luft nach oben. Aber bevor das bisherige Hoch nicht geknackt wurde, kann sich diese Attacke der Bullen jederzeit noch als Fehlschlag erweisen. Sollte der europäische Leitindex das Dienstags-Tief bei 3.919 Punkten auf Schlusskursbasis unterschreiten, wäre der Weg nach unten frei, noch ist also Vorsicht geboten.

Wochenchart vom 05.05.2021, Kurs 4.002,79 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Ein kurzer „Schwächeanfall“ zum Wochenstart wurde in der zweiten Wochenhälfte grossenteils aufgeholt. Die Bullen verteidigten beim Euro Stoxx 50-Index bereits die erste relevante Unterstützung effektiv. Aber wie lange kann dieser Sturmlauf noch gutgehen?

Wer sich ansieht, was seit dem Herbst zusammen mit den Käufen an positiven Erwartungen in den europäischen Leitindex eingeflossen ist, mag die Stirn runzeln. Schliesslich dachte man, als Anfang November die grosse Kaufwelle begann, dass die Corona-Problematik angesichts der damals ersten, fertiggestellten Impfstoffe im Frühjahr erledigt sei und durch die massive Flutung der Märkte mit Geld eine Phase immensen Wachstums losgetreten würde, das die Wirtschaftsleistung vor der Corona-Phase überbieten würde. Es kam anders. Aber die Kurse steigen trotzdem weiter. Natürlich mögen da viele erwarten und manche auch gegen den Trend der Kurse darauf setzen, dass diese Hoffnungsblase über kurz oder lang in sich zusammenfällt.

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 23.04.2021, Kurs 4.012,32 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Würde der Aktienmarkt immer streng objektiv und logisch reagieren, wäre das im Prinzip richtig. Aber dass es nicht längst passiert ist, unterstreicht ja, dass es mit Objektivität und Logik nicht weit her ist. Die Kurse folgen dem Zustrom frischen Geldes. Und dieses Geld, das stetig neu an den Markt kommt, folgt Hoffnungen und nicht zuletzt Gier. Beides sind Emotionen, gegen die man mit Logik nicht ankommt. Der Spruch „die Hausse nährt die Hausse“ hat schon etwas für sich. Denn je weiter die Kurse steigen, desto sicherer fühlen sich viele Akteure, kaufen weiter und glauben, sich den Seitenblick auf die weit unter den Kursen zurück gebliebene Realität schenken zu können.

Eine solche Aufwärtsbewegung kann nur durch zwei Aspekte gestoppt werden. Entweder, weil dem Markt das frische Geld ausgeht, die ersten ihre Gewinne mitnehmen, erste, kurzfristige Supportlinien dadurch fallen und eine Verkaufslawine aus Stop Loss-Verkäufen und/oder unmittelbaren Gewinnmitnahmen beginnt. Oder durch eine wirklich dramatisch negative Wendung im Bereich der Rahmenbedingungen, die imstande ist, dem Gros der Anleger klarzumachen, dass es keinen Sinn mehr hat, Hoffnungen einfach auf der Zeitachse nach vorne zu schieben. Bislang sehen wir weder noch.

Das ist keine Garantie dafür, dass der Euro Stoxx 50 wirklich und auch noch bald das Kursziel erreicht, das er sich durch den Break über die Jahreshochs 2008, 2015 und 2020 erkämpft hat, nämlich das bisherige Rekordhoch des Index aus dem Jahr 2007 bei 4.573 Punkten, aber:

Dass der Rücksetzer zu Beginn der vergangenen Woche gleich an der 20-Tage-Linie gestoppt wurde und umgehend wieder Kaufinteresse aufkam, obwohl die untere Begrenzung des keilförmigen Aufwärtstrendkanals bei 3.929 und die wichtige Unterstützung in Form des Jahreshochs 2020 bei 3.867 Punkten nahe gelegen hätten, ist ein Zeichen, dass die Bullen sich bislang nicht Bange machen lassen. Solange sich dieses Bild weiter zeichnen lässt, sehen die Bären hier kein Land. Wichtig wäre aber, sich nicht blind darauf zu verlassen, dass diese Aufwärtsbewegung immer weitergeht, das Ziel 4.573 Punkte zwingend erreichen müsste.

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 23.04.2021, Kurs 4.012,32 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Sich konsequent abzusichern, wäre dringend anzuraten, derzeit wäre das 2020er-Hoch bei 3.867 Zählern dafür ein guter Ankerpunkt. Denn irgendwann wird es eben doch dazu kommen, dass zu viele bemerken, dass die Leiter, auf der sie immer höher klettern, wackelt.

Vor gut einer Woche näherte sich der Euro Stoxx 50 der runden Marke von 4.000 Punkten – zum ersten Mal seit Januar 2008. Doch es scheint, als wäre die Hürde nicht leicht zu überwinden. Was steckt dahinter?

Scheuen die Bullen beim Euro Stoxx 50 etwa vor der runden Marke von 4.000 Punkten zurück? Möglich wäre es schon, immerhin hat der Index jetzt den höchsten Level seit über 13 Jahren erreicht. Die Kombination aus ungewohnter Höhenluft und „magischen“ runden Marken kann da schon zu Gewinnmitnahmen verleiten. Aber ein Blick in den Terminkalender macht klar: Wahrscheinlicher wäre es, dass die übermorgen anstehende Abrechnung der Index-Optionen an der Terminbörse die Rallye bremst. Wenn für die Bullen nichts schiefgeht, wäre das also nur ein kurzfristiger Hemmschuh.

Grosse Akteure würden versuchen, den Euro Stoxx 50 bis Freitag nicht nennenswert über die 4.000er-Marke laufen zu lassen, wenn dort Derivate-Positionen existieren, die dann ideale Gewinne einbringen, wenn der Index zwar am oberen Ende der Handelsspanne seit der letzten Abrechnung am 19. März notiert, nicht aber über 4.000 Punkte läuft.

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 13.04.2021, Kurs 3.966,99 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Dass das denkbar ist, lässt sich an der hohen Zahl offener, übermorgen auslaufender Call-Optionen mit Basis 4.000 Punkten erkennen. Wer diese Calls an andere Akteure verkauft hat, sprich als Stillhalter fungiert, würde ordentlich zur Kasse gebeten, wenn diese Call-Optionen am Freitagmittag auf einmal einen echten Wert ausweisen sollten.

Ob das der einzige Grund ist, wieso der europäische Leitindex momentan vor dieser Hürde zurückscheut, ist nicht sicher zu ermitteln, zumal Derivate-Strategien grosser Adressen meist verschiedene Derivate in einer komplexen Struktur miteinander kombinieren. Aber was, wenn es so wäre? Dann käme es auf den Start in die kommende Woche an, wenn das Thema Terminbörsen-Abrechnung vom Tisch ist.

Dass sich die Bullen beim Euro Stoxx 50 in Relation zu den konjunkturellen Rahmenbedingungen weit aus dem Fenster gelehnt haben, wissen nicht nur die Bären, sondern auch sie selbst. Dass sie trotzdem stur Long gehen und bleiben, macht klar: Die Fakten ausserhalb der Börsensäle spielen derzeit eine geringere Rolle als der Trend bzw. die Charttechnik. Und damit wird die Sache wieder relativ einfach. Ob der Euro Stoxx 50 nach der Abrechnung der Index-Optionen durch die 4.000 geht oder aber abdreht und eine grössere Korrektur startet, weiss man zwar nicht vorher. Aber die Charts zeigen, wo die Punkte liegen, unter denen man sich umgehend überlegen sollte, auf der Long-Seite die Segel zu reffen:

Egal, ob man sich den Index auf Tages- oder auf Monatsbasis ansieht, es springt ins Auge, welcher Bereich von den Bullen gehalten werden muss, um die Rallye aufrechtzuerhalten. Es ist der Bereich zwischen 3.836 und 3.900 Punkten, bestehend aus den Jahreshochs 2015 und 2020 sowie den beiden Zwischenhochs der ersten Jahreshälfte 2008. Ein Bereich, der aktuell zusätzlich durch die Oktober 2020-Aufwärtstrendlinie verstärkt wird.

Chart vom 13.04.2021 Kurs: 20.70 Kürzel: FEYE | Online Broker LYNX

Solange diese Zone hält, wäre die Long-Seite weiterhin die richtige. Fällt sie, kann es angesichts der allen bewussten Schere ziwschen Kursen und Rahmenbedingungen schnell sehr ungemütlich für Akteure werden, die eisern auf der Long-Seite ausharren wollen.