Porsche Aktie Prognose Porsche Vz.: Aufwärtswende abgebrochen – oder nur unterbrochen?

News: Aktuelle Analyse der Porsche Aktie

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Gestern senkte die Porsche AG die 2024er-Prognose-Eckdaten, heute kommt die Halbjahres-Bilanz. Nachdem die Aktie am Dienstag mit -5,09 Prozent der grösste Verlierer im DAX war, dürften sich einige für heute warm angezogen haben. Aber muss man das wirklich?

Wie die Halbjahreszahlen ausfallen werden, war zum Zeitpunkt der Fertigstellung dieser Analyse am Dienstagabend zwar noch offen. Aber wenn man sich überlegt, dass der Gesamtjahresausblick bereits gesenkt wurde und die Reaktion auf diese Senkung bereits am Dienstag erfolgte, ist zumindest offen, ob die Anleger heute erneut aussteigen und die Aktie dadurch womöglich sogar unter das bisherige Rekord-Verlaufstief bei 65,66 Euro drücken, das Anfang des Monats markiert wurde.

Denn die Aktie stand ja nicht ohne Grund seit April unter Druck. Die Marktteilnehmer realisierten, dass 2024 für Porsche keine neuen Bestmarken bringen wird, nachdem die Sportwagenschmiede selbst unterstrich, dass 2024 wegen der zahlreichen Modellwechsel (fünf von sechs Modellreihen sehen einen Modellwechsel im laufenden Jahr) ein „Übergangsjahr“ werde. Ein Jahr also, in dem Massnahmen Umsatz und Gewinn bremsen, die darauf ausgelegt sind, dafür 2025 und 2026 umso mehr Wachstum zu generieren.

Das ist also bereits im Kurs eskomptiert, was also sollte die Trader heute beim Blick zurück auf das erste Halbjahr noch schrecken, jetzt, nachdem der Ausblick bereits vorher gesenkt wurde? Vor allem, wenn man sich die Sache mal genauer ansieht.

Expertenmeinung: Denn ja, die Prognose wurde durchaus spürbar zurückgenommen. Den Umsatz sieht Porsche jetzt bei 39 bis 40 statt bei 40 bis 42 Milliarden Euro, die operative Gewinnmarge zwischen 14 und 15 statt wie bisher zwischen 15 und 17 Prozent. Das wird den Gewinn spürbar drücken. Doch über diese blanken Zahlen hinaus ist ja entscheidend, warum es zu dieser Anpassung kam. Und da sieht man umgehend:

Es liegt keineswegs daran, dass die Nachfrage stockt oder sich Porsche in Bezug auf die Umstellung der Modelle verzettelt hätte. Es liegt daran, dass die Überflutungen der vergangenen Wochen in vielen Regionen Deutschlands auch einen wichtigen Zulieferer des Unternehmens getroffen hatten, was dazu führt, dass sich Porsche einem Engpass bei Aluminium-Bauteilen für Karosserien ausgesetzt sieht. Kurz: Das sind einfach nur ärgerliche Umstände, für die aber wenn, dann eben das Wetter etwas kann, nicht aber die Porsche AG. Die Ursache der Prognose-Senkung ist damit eine, die ein vorübergehendes Problem darstellt.

Ob die heutige Halbjahresbilanz noch irgendwelche weiteren Haare in der Suppe birgt, lässt sich am späten Dienstagabend zwar nicht vorhersehen, aber wenn, hätte man das vermutlich im Rahmen dieser einen Tag davor angesetzten Prognose-Senkung bereits angedeutet. So gesehen kann dieser Doji, den der Dienstag im Chartbild hinterlassen hat, durchaus zu einem Sprungbrett werden.

Sollte die Porsche-Aktie das Verlaufstief bei 65,66 Euro testen oder sogar unterbieten, wäre diese Möglichkeit zwar umgehend vom Tisch. Aber legt die Aktie heute zu, wäre die Chance, dass die Aufwärtswende nur unterbrochen wurde, mit Händen zu greifen und würde, sobald das vorherige Zwischenhoch bei 76,14 Euro bezwungen wird, den Weg in Richtung der mittelfristig wichtigen Zone 81,00/82,50 Euro freigeben.

Dr. Ing. h.c. F. Porsche Vorzugsaktie: Chart vom 23.07.2024, Kurs 68,94 Euro, Kürzel: P911 | Quelle: TWS | Online Broker LYNX

Quellenangaben: Anpassung der 2024er-Prognose, 23.07.2024:
https://investorrelations.porsche.com/de/announcements/20240701-222859-die-dr-ing-h-c-f-porsche-aktiengesellschaft-passt-prognose-fuer-das-geschaeftsjahr-2024-an

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Vorherige Analysen der Porsche Aktie

Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Befürchtungen über mögliche Absatzprobleme in China sorgten im gestrigen Handel erneut für herbe Abschläge bei der Porsche-Aktie. Dabei hatte sich der Titel zuletzt gerade erst von der Talfahrt der letzten Monate erholt.

Von April weg sahen wir hier einen klar definierten Abwärtstrend, welcher durch eine Serie von tieferen Hochs und tieferen Tiefs definiert wurde. Diese Serie konnte erst im Laufe der vorigen Woche gebrochen werden. Somit befindet sich die Aktie derzeit zwar in einer neutralen Kaufphase, doch der entscheidende Sprung über die 50-Tage-Linie wollte bislang nicht gelingen.     

Expertenmeinung: Im gestrigen Handel bildete die Aktie das Schlusslicht im DAX. Nun bleibt abzuwarten, ob ein höheres Tief gebildet werden kann. Dies wäre ein weiteres Signal für eine mögliche dauerhafte Bodenbildung.

Bei Kursen unter der Marke von 66 EUR würde sich das Gesamtbild hingegen erneut eintrüben. Noch sind die Bullen also nicht geschlagen, wenngleich die kommenden Tage wohl eher von weiterem Verkaufsdruck dominiert sein dürften.

Aussicht: NEUTRAL

Porsche AG Aktie: Chart vom 16.07.2024, Kurs: 71.76 EUR, Kürzel: P911 | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Porsche AG Aktie: Chart vom 16.07.2024, Kurs: 71.76 EUR, Kürzel: P911 | Quelle: TWS

Der VW-Konzern senkte seine 2024er-Prognose, Porsche selbst meldete gestern einen Absatzrückgang von sieben Prozent im ersten Halbjahr zum Vorjahreszeitraum … und die Aktie steigt? Ja, denn dieses Minus sehen viele Anleger zu Recht von der positiven Seite.

Sieben Prozent weniger, das gilt für die verkauften Fahrzeuge weltweit. Im Prinzip ist das zwar nicht gut, aber im Fall von Porsche zugleich nicht unerwartet, denn die Sportwagenschmiede hatte die Investoren schon im Rahmen des 2024er-Ausblicks auf weniger Absatz und weniger Gewinn eingestellt. Indes nicht, weil man fürchtet, dass die Porsche-Klientel zur Konkurrenz abwandern könnte, sondern weil das Unternehmen im laufenden Jahr Modellwechsel bei fünf der sechs Modellreihen durchführt.

Dass bedingt Wartezeiten bei Auslieferungen und natürlich auch „Löcher“ bei den Bestellungen, weil Kunden auf die Verfügbarkeit des neuen Modells warten. Und nicht nur aus dieser Warte heraus ist diese heute gemeldete Absatzzahl von -7 Prozent für das erste Halbjahr eine ordentliche Leistung.

Denn es ist eigentlich nur China, das bremst. Dort brach der Verkauf gegenüber dem Vorjahr um 33 Prozent ein. Zwar lag der prozentuale Anteil Chinas im ersten Halbjahr bei 20 Prozent des Gesamtabsatzes, das ist also keineswegs zu vernachlässigen. Aber es ist kein „Porsche-eigenes“ Problem, die europäischen Autobauer haben dort alle zu kämpfen. Dafür legte er Absatz in Europa aber zu, in Europa ohne Deutschland um sechs Prozent, in Deutschland selbst sogar um 22 Prozent – trotz des laufenden Modellwechsels. Und das sind Zahlen, die bei einer im Vorfeld derart massiv verkauften Aktie natürlich einschlagen.

Expertenmeinung: Dass das Absatzminus auf die Anleger wirkte, als hätte man ein Plus verkündet, wundert daher nicht. Und es könnte allemal auch Basis einer Wende sein, denn die positive Reaktion der Aktie am Mittwoch war aus charttechnischer Sicht ein „big point“:

Porsche Vz.: Chart vom 10.07.2024, Kurs 75,24 Euro, Kürzel: P911 | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Porsche Vz.: Chart vom 10.07.2024, Kurs 75,24 Euro, Kürzel: P911 | Quelle: TWS

Hoffnung machte bereits, dass das Anfang des Monats bei 65,66 Euro markierte Allzeit-Verlaufstief auf Käufe traf, die in den Folgetagen weitergingen. So gelang es, sich wieder an das markante Zwischentief des Januars bei 72,12 Euro heran zu retten. Doch entscheidend war die gestrige, positive Reaktion. Denn dadurch konnte sich die Porsche-Aktie nach oben absetzen und ein, wenngleich „hängendes“, Doppeltief vollenden.

Die nächste, unmittelbare Widerstandslinie wartet bei 78,20 Euro, die muss aber nicht das Ende der Aufwärtsbewegung markieren. Denn dieser massive Abstieg des Kurses hatte ein „Worst Case-Szenario“ eingepreist, das jetzt angesichts des nur moderaten Minus bei den Verkäufen erst einmal nicht eingetreten ist. Eine Rückkehr an die „Schlüsselzone“ 81,00/82,50 Euro bzw. die knapp darüber verlaufende 200-Tage-Linie bei derzeit 82,70 Euro wäre daher denkbar. Solange das zurückeroberte Januar-Tief bei 72,12 Euro nicht wieder deutlicher und auf Schlusskursbasis unterboten würde (was das positive Setup, das gestern entstanden ist, umgehend eliminieren würde), hätte die Porsche-Aktie jetzt also Chancen, noch ein ordentliches Stück Boden gutzumachen.

Quellenangaben: Auslieferungszahlen 1. Halbjahr, 10.07.2024: https://newsroom.porsche.com/de/2024/unternehmen/porsche-auslieferungen-2024-erstes-halbjahr-36746.html

Gestern wurde bei Porsche die Dividende ausgezahlt. Das pflegt der Aktienkurs mit dem sogenannten Dividendenabschlag einzupreisen, so gesehen war es eigentlich ganz normal, dass die Aktie fiel. Aber das spielte sich auf einem für die Bullen äusserst kritischen Level ab.

Ausgeschüttet wurde für das Geschäftsjahr 2023 eine Dividende von 2,31 Euro. Würde die Aktie der Sportwagenschmiede um diese 2,31 Euro zurückkommen, wäre also aufgrund des Umstands, dass die Ausschüttung üblicherweise am Tag der Auszahlung vom Kurs „abgeschlagen“ wird, nichts passiert. Am Tagestief notierte die Porsche-Aktie 3,18 Euro tiefer, zum Handelsschluss waren es dann nur noch 1,78 Euro und damit sogar weniger als der Dividendenabschlag. Also, alles im Lot?

Einerseits ja, denn dadurch wurde das bisherige Rekordtief der Aktie, das im Januar bei 72,12 Euro erreicht wurde, verteidigt. Bei 72,20 Euro drehte die Aktie, begann aufzuholen und schloss dann immerhin zwei Prozent über diesem Verlaufstief vom Januar. Daher könnte man hoffen, dass von hier aus eine solide Aufwärtsbewegung startet, idealerweise sogar eine dauerhafte Aufwärtswende gelingt. Doch es gibt ein „aber“:

Expertenmeinung: Wenngleich die Dividendenrendite nicht so stattlich ist wie bei den grossen Automobilkonzernen, so ist deren Auszahlung dennoch etwas, was zweifelnde Anleger bei der Stange halten kann. Jetzt wäre dieses Argument, um doch noch dabei zu bleiben, vom Tisch … und die Aktie in Schlagdistanz zu neuen Rekordtiefs. Ein Szenario, mit dem wohl niemand gerechnet hatte, als diese Aktie im September 2022 an die Börse kam – auch und gerade nicht diejenigen, die sie damals gezeichnet und bekommen bzw. danach gekauft hatten.

Porsche Vz.: Chart vom 10.06.2024, Kurs 73,60 Euro, Kürzel: P911 | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Porsche Vz.: Chart vom 10.06.2024, Kurs 73,60 Euro, Kürzel: P911 | Quelle: TWS

Damit darf man unterstellen, dass diese Situation viele Porsche-Aktionäre nervös macht. Und ein unerwartet kritisches Chartbild in Verbindung mit dem Wegfall dieser Stütze namens Dividendenausschüttung macht einen Kurs auf der Unterseite fragil.

Zwar weiss man, dass Porsche das laufende Jahr als eine Art „Übergangsjahr“ sieht, in der neue Strukturen und neue Modelle erst einmal für rückläufige Gewinne sorgen, sich aber ab 2025 auszahlen sollen. Aber an eine massiv bullische Gemengelage in der Zukunft zu glauben, während die entsprechende Aktie mit ihrem Rekordtief ringt, ist nun einmal nicht so einfach, daher:

Hier, nahe am bisherigen Tief, im Vertrauen auf eine kräftige Aufwärtsbewegung die Hand aufzuhalten, wäre eher gewagt. Ohne eine nahende Dividendenzahlung steht die Aktie auf einem Bein weniger, daher wäre der sicherere Weg um sich hier „einzukaufen“, abzuwarten, ob die Aktie auch wirklich die Kurve kriegt. Dazu müsste der Kurs mindestens die Widerstandszone 81,00/82,50 Euro zurückerobern. Solange man damit seitens der Käufer kein Zeichen setzen konnte, wäre ein Bruch des bisherigen Verlaufstiefs noch jederzeit möglich.

Die Diskussion über höhere Zölle auf chinesische Elektrofahrzeuge führte gestern dazu, dass die Porsche-Aktie kräftig unter Druck geriet. Gerüchte gingen um, dass China mit Zöllen auf EU-Fahrzeuge zurückschlagen könnte. Und jetzt sieht das Chartbild richtig kritisch aus.

2023 lag der Anteil an Fahrzeugen, die die Porsche AG in China verkaufte, bei 25 Prozent. Das macht sehr deutlich, dass sich höhere Einfuhrzölle in China erheblich auf die Umsatz- und Gewinnperspektive der Sportwagenschmiede auswirken würden.

So ist es nicht überraschend, dass Gerüchte den Kurs drückten, China könnte im Fall von höheren EU-Zöllen auf chinesische Fahrzeuge mit Zöllen von 25 Prozent auf EU-Autos mit grösseren Motoren kontern. Denn es sind zwei Faktoren, welche die Aktie bislang auf einem Level halten, der von der Bewertung über das Kurs/Gewinn-Verhältnis her höher liegt als bei den meisten anderen Automobilherstellern:

Zum einen die solvente, treue Kundschaft, zum anderen die hohe Gewinnmarge, die letztlich vor allem auf dem ersten Aspekt basiert. Wer sich einen Porsche leisten kann und will, kann in der Regel auch höhere Preise verkraften. Aber im Fall von derartig drastisch steigenden Kosten dürften da dann doch viele abspringen. Noch ist da zwar nichts entschieden, auch die EU denkt ja über „Strafzölle“ bislang nur nach, während die USA bereits vorgeprescht sind. Aber ob sich die ökonomische Vernunft da am Ende durchsetzen wird, ist zumindest offen.

Expertenmeinung: Klar ist, dass ein gegenseitiges Überziehen mit astronomischen Zöllen beiden Seiten nur schaden würde. Zumal höhere Zölle dann in den Staatskassen landen und nicht bei den Unternehmen, die nur am Ende beiderseits geringere Umsätze und massivsten Margendruck erleiden, weil so mancher Käufer sich dann sagt: Unter solchen Umständen tut’s der, der in der Garage steht, noch ein paar Jahre.

Da man aus der Handelskrieg-Phase der Trump-Ära noch weiss, dass die Politik da oft höchst unbesonnen entscheidet und Unternehmen wie Verbraucher die Suppe dann auslöffeln müssen, wundert es nicht, dass es vor allem die Porsche-Aktie traf. Denn deren bislang besonders lukrative Gewinnmargen würden schnell massiv sinken, wollte man in China als einem derart wichtigen Markt sein Standing behalten. Denn das ginge dann nur noch über massive Rabatte, die einen Gutteil der Strafzölle ausgleichen und zugleich einen Gutteil des Gewinns aufzehren. Zwar ist das alles wie gesagt bislang nur eine streitlustige Diskussion und keine beschlossene Sache. Aber das negative Signal, welches dadurch im Chartbild ausgelöst wurde, ist bereits Fakt:

Porsche Vz.: Chart vom 22.05.2024, Kurs 76,72 Euro, Kürzel: P911 | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Porsche Vz.: Chart vom 22.05.2024, Kurs 76,72 Euro, Kürzel: P911 | Quelle: TWS | Online Broker LYNX

Alles, was die Porsche-Aktie zwischen Ende Januar und Mitte April an Boden gutgemacht hat, droht jetzt komplett zu verpuffen. Zuerst endete der Ausbruchsversuch über die Widerstandszone 91,00/93,34 Euro als Bullenfalle. Dann wurde die 200-Tage-Linie wieder unterboten. Und seit Monatsbeginn brachen zuerst die kurzfristige Aufwärtstrendlinie und danach die wichtige Supportzone 81,00/82,50 Euro. Damit ist die Aktie wieder unter den ursprünglichen Ausgabekurs vom Herbst 2022 (82,50 Euro) gefallen und hat jetzt nur noch eine einzige Supportlinie unter sich:

Das bisherige, am 22. Januar bei 72,12 Euro erreichte Allzeittief. Und da hier die Politik eine entscheidende Rolle spielt, ist die Lage unberechenbar genug, um das Einsammeln der Aktie im Vertrauen auf einen Sturm im Wasserglas zu einer höchst verwegenen Sache zu machen.

Obwohl der 2024er-Ausblick nicht berauschend war, gelang bei dessen Vorlage im März ein markanter Intraday-Turnaround nach oben, der der Porsche-Aktie die Tür nach oben aufstiess. Aber nach den Zahlen zum 1. Quartal stehen die Bullen schon wieder in der Defensive.

Das, was die Porsche AG am Freitagabend nach Handelsende vorlegte, war definitiv nicht geeignet, von rasant steigenden Unternehmensgewinnen zu träumen und umgehend bei der Aktie zuzugreifen:

Die Zahl der in den ersten drei Monaten ausgelieferten Fahrzeuge lag knapp 3,9 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Umsatz fiel von 10,1 auf 9,01 Milliarden Euro und lag damit unter der durchschnittlichen Analysten-Prognose von 9,33 Milliarden. Das operative Ergebnis lag gut 30 Prozent unter dem des Vergleichszeitraums und mit 1,28 Milliarden recht deutlich unter der Analysten-Prognose von 1,39 Milliarden; die operative Gewinnmarge fiel von 18,2 auf 14,2 Prozent.

Zwar hatte die Sportwagenschmiede das Jahr 2024 zum Jahr der Modelloffensive erklärt und von vornherein avisiert, dass das erst einmal Geld kosten muss, bevor es Geld bringen kann. Daraus erklärt sich auch der überproportionale Rückgang der Marge. Selbst das Minus von zehn Prozent beim Umsatz kann grossenteils darauf basieren, dass Kunden auf die neuen Modelle warten. Aber wir sehen im Chart, dass der Aktie diesmal kein Intraday-Turnaround den Tag rettete.

Porsche Vz.: Chart vom 29.04.2024, Kurs 87,28 Euro, Kürzel: P911 | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Porsche Vz.: Chart vom 29.04.2024, Kurs 87,28 Euro, Kürzel: P911 | Quelle: TWS

Expertenmeinung: Da man die schwachen Zahlen mit den im laufenden Jahr anstehenden Modellwechseln und deren Kosten erklären könnte, ist dieses Minus durchaus bemerkenswert, immerhin ist das „Daumen hoch“ trotz mageren Ausblicks gerade einmal anderthalb Monate hier. Seitdem war die Porsche-Aktie zunächst weiter gestiegen, hatte sich dann aber, schon das musste ein Stirnrunzeln generieren, festgefahren, obwohl der Kurs zuvor die Widerstandszone 91,50/93,34 Euro überwunden hatte. Anschlusskäufe nach dem Bezwingen der Hürde blieben also aus, das war ein Warnsignal.

Zuletzt war die Aktie wieder unter diese Zone zurückgefallen und tauschte damit die zuvor bullische Einstufung in eine neutrale. Mit der negativen Reaktion auf die Ergebnisse des 1. Quartals fiel auch noch die aktuell bei 89,90 Euro verlaufende 200-Tage-Linie, mit der die Akteure in den Tagen zuvor noch gerungen hatten. Fazit:

Die Bereitschaft zu „blindem“ Optimismus scheint dahin zu sein. Das gestrige Minus und das Ausbleiben von umgehend die Hand aufhaltenden Käufern ist Spiegel wachsender Skepsis. Es ist zwar gut möglich, dass diese Käufer bereitstehen, wenn die Aktie die Aufwärtstrendlinie bei momentan 83,50 Euro bzw. die knapp darunter verlaufende, wichtige Supportzone 81,00/82,50 Euro testet. Aber angesichts dieses Chartbilds wäre man auf soliderem Terrain unterwegs, wenn man in Sachen Long-Trades abwarten würde, ob dieses „gut möglich“ auch Realität wird, statt bereits vor einem Test dieser potenziellen Auffangzone zuzugreifen.

Quellenangaben: Ergebnis 1. Quartal 2024, 26.04.2024:
https://a.storyblok.com/f/274296/x/56dac54381/quartalsmitteilung-q1-2024.pdf