DAX: Stark zum „Hexensabbat“ … aber was kommt danach?

von |
In diesem Artikel

DAX
ISIN: DE0008469008
|
Ticker: DAX --- %

---
---% (1D)
1 W ---
1 M ---
1 J ---
Zur DAX

Keines der Risiken, das den DAX in den vergangenen Wochen in die Knie gezwungen hatte, wurde in den letzten Tagen kleiner oder gar bereinigt. Trotzdem stieg der deutsche Leitindex am Mittwoch und Donnerstag wie entfesselt. Hat die Terminbörse ihre Hände im Spiel?

Wenn man nach dem Hintergrund starker Kursbewegungen sucht, um ermessen zu können, ob diese nachhaltig sein können oder im Gegenteil nur kurzlebige Gegenbewegungen sind, geht der erste Blick zur Nachrichtenlage. Hat sich dort etwas nennenswert verändert, im Fall des plötzlich durchstartenden DAX natürlich zum Positiven? Nein.

Die US-Inflationsdaten fielen zwar am Mittwoch und Donnerstag einen Hauch weniger negativ aus als prognostiziert, die Wahrscheinlichkeit weiter anziehender Verbraucherpreise und höherer Kosten für die Unternehmen sank dadurch aber nicht. Zum Damoklesschwert des chinesischen Immobilienmarkts gab es nichts Neues, auch nicht in Sachen Lieferprobleme und Materialknappheit. Und das US-Notenbankprotokoll, das am Mittwochabend auf den Tisch kam, barg keine Überraschungen.

Über die bisherigen Vorab-Zahlen aus Deutschland und (wie erwartet) gut ausgefallene Quartalsergebnisse der US-Banken hinaus, die wie immer die ersten in der Reihe der meldenden Branchen sind, tat sich auch in Sachen Unternehmensmeldungen nichts, das einen ganzen Aktienmarkt aus dem Stand wieder in Fahrt bringen müsste.

DAX: Tages-Chart vom 14.10.2021, Kurs 15.462,72 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Also, was geht da vor sich, wieso wirkt der DAX auf einmal, als hätte er nie etwas anderes tun können als zu steigen? Zwei Faktoren bleiben: die Charttechnik und der Terminkalender.

The current price and chart of the DAX as well as price information and all stocks in the index can be found here.

Expertenmeinung: Die Charttechnik bietet in der Tat eine perfekte Basis für Käufe, denn der DAX hatte in der vergangenen Woche genau die Zone gehalten, die halten musste, um einen weiteren Abverkauf zu stoppen: Den Supportbereich 14.816/14.845 Punkte.

Die aktuell bereits auf 15.067 Zähler nach oben gelaufene 200-Tage-Linie sowie der Bereich um 15.000 Punkte wurden dabei zwar kurz unterboten, durch die Verteidigung dieses „Sprungtuchs“ knapp über 14.800 Punkte aber schnell zurückerobert. Die 200-Tage-Linie wurde dann am Dienstag durch einen schwachen Wochenstart erneut getestet und hielt. Das ist eine tadellos bullische Vorlage, kein Wunder also, dass man zur Attacke blies. Aber geht es nicht ein wenig schnell voran? Das wirkt, als gäbe es all die obengenannten negativen Faktoren nicht, die den DAX erst in diese Situation brachten, mittelfristige Unterstützungen halten zu müssen.

Und das ist in der Tat ein Aspekt, der vorsichtig stimmen sollte, vor allem, wenn man nicht bei der Charttechnik aufhört, nach Gründen für die Kaufwelle zu suchen, sondern noch einen Blick in den Terminkalender wirft. Denn heute steht die Abrechnung der Aktien- und Index-Optionen mit Oktober-Laufzeit an den Terminbörsen weltweit an. Auch in den USA, wo keine 200-Tage-Linien getestet wurden und die negativen Faktoren ebenso gelten wie am deutschen Markt.

Diese Abrechnungstermine führen im Vorfeld oft zu sprunghaften Bewegungen, nicht umsonst werden sie auch „Hexensabbat“ genannt. Der letzte Abrechnungstermin am 17. September endete für den DAX bei 15.490 Punkten. Gut möglich, dass es kein Zufall ist, dass er auf einmal genau dorthin zurückläuft. Welche Motivation die grossen Adressen an der Terminbörse jeweils haben, um den DAX bzw. die anderen deutschen Indizes sowie die Einzelaktien zur Abrechnung hin höher zu ziehen oder im Gegenteil zu drücken, kann man nicht ermessen. Da reicht es keineswegs, sich die noch offenen Positionen am Optionsmarkt anzusehen, denn es kommt immer auch darauf an, wer welche Kombinationen aus Positionen hält, die nicht selten auch über andere Assets wie die Futures miteinander verwoben sind. Undurchschaubar. Aber:

Es ist schon einmal hilfreich zu erkennen, dass die Terminbörse eine wichtige Rolle dabei spielen dürfte, dass der DAX am Mittwoch und Donnerstag derart stark stieg. Denn all die Ziele, die man seitens der Terminbörse dabei erreichen will, enden mit der heutigen Abrechnung. Am Montag bleiben dann die kritischen Rahmenbedingungen und ein DAX, der auf Monatsbasis immer noch eine überkaufte Situation zeigt und auf Tagesbasis noch eine Abwärtstrendlinie vor sich hätte, die er klar und auf Schlusskursbasis überwinden müsste. Denn erst, wenn das gelingt, würden wir hier ein bullisches Signal sehen und damit mehr als eine Rallye, die trotz ihrer Dynamik bislang noch den Status einer Gegenbewegung hat.

DAX: Monats-Chart vom 14.10.2021, Kurs 15.462,72 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX
Sie möchten täglich vor Börsenstart unsere Chartanalysen per E-Mail erhalten?

Dann abonnieren Sie jetzt unseren kostenlosen Börsennewsletter mit aktuellen Börsennews.

--- ---

--- (---%)
Mkt Cap
Vol
Tageshoch
Tagestief
---
---
---
---

Displaying the --- chart

Heutigen Chart anzeigen


Nachricht schicken an Ronald Gehrt
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.

Mit der 15.000er-Marke fiel am Mittwochmorgen auch die 200-Tage-Linie. Aber der nächste Support, das Sicherungsnetz der Bullen, hielt fast punktegenau. Es begann eine Aufholjagd, die den DAX zurück in die Region 15.000 führte. Aber die Gefahr ist noch nicht vorbei.

Auf einmal ist es nicht der Bereich um 15.000 Punkte nebst der dort angekommenen 200-Tage-Linie, der den entscheidenden Level darstellt, unter dem die Bullen die Beine in die Hand nehmen und die Bären zur Attacke blasen dürften, sondern das Tagestief des 13. Mai bei 14.816,35 Punkten. Denn fast punktgenau dort drehte der DAX gestern (konkret bei 14.818,71 Punkten) nach oben, nachdem er da bereits ein Minus von 375 Punkten hinnehmen musste. Zum Handelsende sieht der charttechnische Flurschaden damit schon weit weniger problematisch aus.

Und würde es gelingen, die beiden gescheiterten Rettungsversuche der Bullen vom vergangenen Freitag und vom Dienstag, die sofort durch erneute Verkäufe torpediert wurden, zu heilen, indem der deutsche Leitindex das Tageshoch des Freitags bei 15.262,75 Punkten auf Schlusskursbasis überwindet, wäre die Gefahr erst einmal gebannt, dass der Oktober zum „Grusel-Monat“ werden und der DAX deutlich weiter abrutschen könnte.

DAX: Tages-Chart vom 06.10.2021, Kurs 14.973,33 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Das hoffen zumindest diejenigen, die am Mittwoch zum dritten Mal binnen weniger Tage Geld in die Hand nahmen, um ein mittelfristig relevantes, massives Short-Signal zu verhindern. Aber werden sie damit auch Recht bekommen?

Expertenmeinung: Das kann in der Tat so funktionieren. Aber es muss nicht. Selbst wenn der DAX sich dann erst einmal Richtung der September-Abwärtstrendlinie bei knapp 15.600 Zählern absetzen sollte, bliebe die Frage offen, wie lange eine solche Rallye vorhalten könnte. Denn eine Rallye, die aus Käufen geboren wird, die nicht aus Überzeugung, sondern zur Schadensbegrenzung vorgenommen wurden, bräuchte dann positive Nachrichten, um sie zu unterfüttern, ihr ein Fundament nachzureichen. Und im Moment sieht es danach nicht aus.

Egal, welche derzeitige „Baustelle“ man da betrachtet, ob China (geopolitisch ebenso wie in Bezug auf den Immobilienmarkt), ob Inflation oder „Flaschenhals“: Derzeit sieht es eher danach aus, als ob es noch deutlich schlimmer wird, bevor es besser werden könnte. Damit stellt sich die Frage, wer da übernehmen, wer den DAX weiter nach oben kaufen soll, wenn der erst einmal stabiler aus dieser Gefahrenzone heraus ist, die von dem vorgenannten Mai-Tief bei 14.816 Punkten bis zum Juli-Tief bei 15.048 Punkten reicht. Und übernimmt dann keiner, würde der DAX sofort erneut nach unten abdrehen. Was die Sache zusätzlich brenzlig macht:

Die Short-Seller wissen das auch. Sie wissen, dass den Bullen die Argumente ausgegangen sind. Und sie sehen, dass das bullische Lager langsam von den Barreserven her in die Bredouille gerät. Zweimal in wenigen Tagen den DAX wieder „hochkaufen“ zu müssen, nur, um zu sehen, dass er danach gleich noch tiefer abrutscht und schon wieder „gerettet“ werden muss, das kostet Cash-Reserven und Nerven. Die Gefahr ist also noch nicht vorbei, denn jetzt sind es die Bären, die in der komfortableren Position sitzen. Bevor der Index nicht mindestens über 15.262,75 Punkten schliesst, kann diese Auffangzone 14.816 bis 15.048 Punkte jederzeit doch noch fallen.

DAX: Monats-Chart vom 06.10.2021, Kurs 14.973,33 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Der DAX konnte am Freitag die mittelfristig entscheidende Unterstützungszone um 15.000 Punkte halten. Aber ob sie damit bereits als verteidigt gelten darf, ist fraglich. Zum Handelsende kam schon wieder Druck auf … der Risikopuffer bleibt dadurch gefährlich klein.

Der DAX startete mit einer Aufwärts-Kurslücke in die Handelswoche. Doch diejenigen, die damit erreichen wollten, dass der deutsche Leitindex zum Quartalsende wieder nahe an den bisherigen Rekordlevel von 16.030 Punkten laufen würde, hatten auf Sand gebaut. Das „Gap Up“ wurde abverkauft – und am Dienstag gingen der Abgabedruck verstärkt weiter. Zwei Stabilisierungsversuche nacheinander blieben erfolglos, am Donnerstag war der Index schon wieder nahe am bisherigen Wochentief gelandet. Eine Wall Street, die den Donnerstag sehr schwach beendete, kam noch hinzu. Das reichte, um den DAX am Freitag mit einem „Gap Down“ ins Rennen zu schicken, der ihn genau dahin drückte, wo die Bullen hätten eingreifen müssen. Und das taten sie.

DAX: Tages-Chart vom 01.10.2021, Kurs 15.156,44 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Die 15.000er-Marke hat keineswegs nur psychologische Bedeutung. Zum einen setzte der DAX hier im Juli und September von oben auf und drehte beide Male sofort wieder nach oben, wodurch diese Linie charttechnisch immens relevant wird. Und jetzt wird sie von der viel beachteten 200-Tage-Linie verstärkt, die das letzte Mal vor knapp einem Jahr einem Test unterzogen wurde. Kein Wunder, dass diejenigen, die bei einem weiter abrutschenden DAX viel zu verlieren hatten, ihre Kräfte bündelten und die Verkäufe abfingen. Die Frage ist aber, wie weit das führt bzw. wie lange diese Verteidigung Wirkung zeigt.

Expertenmeinung: Denn all das, was die Marktteilnehmer sukzessiv nervös macht, gilt ja weiterhin: Eine zu hohe, von den Notenbanken ignorierte Inflation, die derzeit vor allem im Bereich Öl, Gas, Kohle und Strom wütet und damit alle trifft. Ein sich weiter hochschaukelnder „Flaschenhals“, der immer mehr Branchen bremst. Ein instabiles Wachstum, das durch diese Situation leicht ganz gekippt werden könnte. Und das Damoklesschwert des chinesischen Immobilienmarkts, von dem aktuell nur deswegen keine neuen „bad news“ kommen, weil in China gerade mehrere Feiertage nacheinander anstehen. Auf allen „Baustellen“ wird momentan nichts besser. Warum also sollten Akteure, die bereit waren, um 15.000 Punkte trotz des damit bereits deutlich unter seinem Hoch notierenden DAX auszusteigen, bei 15.200 oder 15.300 Punkten ihre Meinung ändern?

Hinzu kommt die Frage, warum die Short-Seller bereits die Flinte ins Korn werfen sollten, nur, weil der Index im ersten Anlauf nicht nach unten durchging. Dass der DAX eine Gegenbewegung nach dem am 20. September erfolgten, vorherigen Test der 15.000 Punkte-Zone nicht durchhalten konnte, obwohl der RSI-Indikator (siehe der DAX-Chart auf Tagesbasis) dabei die überverkaufte Zone touchiert hatte, dürfte die Bären mutig machen. Ebenso der Umstand, dass der deutsche Leitindex mit dem schwachen September genau an der oberen Begrenzung des langfristigen Aufwärtstrendkanals abdrehte, an der er schon in den Monaten zuvor nicht vorbei kam (siehe der DAX-Chart auf Monatsbasis).

Erst, wenn es gelingen würde, mehr zuwege zu bringen als die reine Verteidigung dieser Schlüsselzone um 15.000 Punkte, hätten die Käufer eine Chance, diese Zone als Support zu zementieren und den Fokus der Trader wieder auf die Oberseite zu lenken. Aufgrund des Tempos der Verkäufe müsste der DAX dazu klar über 15.700 Punkten und damit über dem Anfang letzter Woche markierten Zwischenhoch schliessen. Das zu schaffen ist nicht unmöglich, dürfte aber nicht einfach werden.

Sollte die 15.000er-Marke jedoch in den kommenden Tagen doch noch auf Schlusskursbasis fallen, wäre zwar im Bereich 14.800/14.850 gleich die nächste Auffangzone zu finden, die hat aber nicht die Bedeutung wie der Bereich um 15.000 Zähler. Sich dann darauf zu verlassen, dass die Zone 14.800/14.850 Punkte als Sicherungsnetz schon irgendwie halten wird, wäre daher riskant. Denn dazu bräuchte es Rückenwind, dazu müssten sich die vorgenannten Risikofaktoren abschwächen und idealerweise erste, positive Unternehmensmeldungen zum dritten Quartal einlaufen. Beides ist derzeit nichts, worauf man blind wetten könnte.

DAX: Monats-Chart vom 01.10.2021, Kurs 15.156,44 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Stark angefangen, nur, um dann stark nachzulassen: Der Tag 1 nach der Bundestagswahl erweckte den Eindruck, dass die Marktteilnehmer angesichts dessen, was die Wahl für die wirtschaftlichen Perspektiven bedeutet, gespalten sind. Welches Lager wird sich durchsetzen?

Am Ende stand zwar wenigstens ein Plus von 42 Zählern, aber als der deutsche Leitindex am Montagmorgen startete, hatte er kurz nach dem Handelsstart solide 172 Pluspunkte gesehen. Der Abverkauf anfänglicher Gewinne fiel damit zwar nicht allzu dramatisch aus, aber er war im Zusammenhang mit dem Ergebnis der Bundestagswahl doch auffällig.

DAX: Tages-Chart vom 27.09.2021, Kurs 15.573,88 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Und dass es die Wahl war, die den DAX in Bewegung setzte, dürfte unbestritten sein, denn ansonsten blieb die Nachrichtenlage über das Wochenende dünn, selbst aus China gab es zum kritischen Thema Immobilienmarkt/Evergrande nichts Neues von Belang. Wie liesse sich diese zwiespältige Reaktion einordnen?

Expertenmeinung: Diejenigen, die gleich am Morgen zugriffen und auf eine grössere Rallye setzten, dürften positiv honoriert haben, dass die Kombination mit der Linken nicht möglich ist und die FDP mit grösster Wahrscheinlichkeit mit im Boot sitzen wird, da die Aussagen der SPD in Bezug auf eine neuerliche grosse Koalition eindeutig negativ ausfielen. Daraus erwächst die Hoffnung, dass es trotz einer rot/grünen Mehrheit in einer Ampel-Koalition gelingen wird, eine Politik zum Vorteil der Wirtschaft zu gestalten.

Wer indes diesen Kurssprung genutzt hat, um Positionen abzubauen, könnte das Problem in den Vordergrund gestellt haben, dass ein Dreierbündnis, sei es „Jamaika“ oder die „Ampel“, dazu führen dürfte, dass eine neue Regierung in Uneinigkeit und Streit erstickt. Und dass dadurch nicht auf den Weg kommt, was eilig auf den Weg gebracht werden muss, egal, ob es um fiskalpolitische, umweltpolitische, innen- und aussenpolitische Richtungsentscheide geht.

Letztere Befürchtung hat durchaus etwas für sich. Und da nicht zu erwarten ist, dass die Sondierungen und Verhandlungen in den kommenden vier, fünf Wochen zu Ende gehen, wird der Oktober wohl für die Skeptiker ein ums andere Mal die Bestätigung bringen, dass es der deutschen Wirtschaft nicht zuträglich ist, wenn sich immens gegensätzliche Ansichten in ein Boot zwängen müssen. Denn oft kommt dann das heraus, was niemandem hilft: ein fauler Kompromiss.

Sollte der DAX mit Schlusskursen über 15.800 Punkten über den kurzfristigen Widerstandsbereich hinauskommen, der unmittelbar vor dem jetzt wieder aufgekauften Rücksetzer galt, wäre das ein erster, wichtiger Schritt, sich aus dieser Phase potenzieller Skepsis zu befreien, der Weg zumindest an den bisherigen Rekordlevel von 16.030 Zählern wäre dann frei.

Aber sobald der deutsche Leitindex die in der Vorwoche gut verteidigte Zone von 15.000 Punkten klar unterschreitet, wo Ende dieser Woche dann auch die 200-Tage-Linie ankommen wird, würde deutlich, dass Skepsis und Zweifel überwiegen, dann könnten die kommenden Wochen alleine für die Bären zum Fest werden. Denn immerhin wären da ja auch noch die anderen Damoklesschwerter wie Wachstum, Corona, Inflation und China, die dann wieder ins Bewusstsein der Akteure rücken.

DAX: Monats-Chart vom 27.09.2021, Kurs 15.573,88 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Man könnte wetten, dass die Mehrheit der Anleger die letzten zwei Handelstage zwar mit einer gewissen Unruhe verfolgt hat, aber trotzdem davon ausgeht, dass der DAX schnell nach oben drehen wird, wie es im Mai und Juli auch gelang. Das könnte so kommen. Aber es muss nicht!

Der Freitag lief für die Bullen definitiv schief. Der DAX startete am „dreifachen Hexensabbat“, der Abrechnung der Optionen und Futures an der Terminbörse, zwar mit einem Plus. Er schloss dann aber im Minus, durchbrach dabei die im Juli noch relativ gut verteidigte 100-Tage-Linie (die hellblaue Linie im Chart auf Tagesbasis) deutlich und produzierte ein „bearish engulfing pattern“, indem der Kerzenkörper des Vortages durch die Freitags-Kerze komplett eingehüllt wurde. Ein Warnsignal, mehr nicht … es sei denn, es käme zu einer Bestätigung durch weitere Abgaben am folgenden Handelstag. Doch die kam eben auch.

DAX: Tages-Chart vom 20.09.2021, Kurs 15.132,06 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Der DAX verlor zum Wochenauftakt knapp 360 Punkte. Und das lag nicht an den zehn Neuzugängen, die reihten sich unauffällig in die lange Liste der 32 Verlierer des Montags ein. Es war die Angst, dass der wankende chinesische Immobilienriese Evergrande zahlungsunfähig sein und Chinas Regierung entscheiden könnte, das Unternehmen nicht aufzufangen, um so dem Rest des aufgeblasenen Immobilienmarkts das Signal zu liefern, dass niemand „too big to fail“ ist. Käme es so, kann das durchaus auch ausserhalb Chinas Wirkung zeigen. Ein Zusammenbruch von Evergrande würde das chinesische Wachstum bremsen, dürfte den Konsum negativ beeinflussen. Und das würde auch deutsche Unternehmen betreffen, z.B. die Autobauer, für die China der derzeit wichtigste Markt ist.

Die Frage ist damit: Wie geht es mit Evergrande weiter? Eine Frage, die man nicht beantworten kann, weil die Regierung in Peking sich bislang völlig bedeckt hält. Aber angenommen, dieses Kartenhaus fällt, wäre das der Tropfen, der das Fass überlaufen liesse, was den DAX angeht?

Expertenmeinung: Möglich wäre das deswegen, weil die Erfahrung lehrt, dass verdrängte Risiken gerne alle auf einmal ins Bewusstsein von Anlegern rücken, wenn die Masse dessen, was man in den blinden Fleck verfrachten muss, zu gross wird. Aber, das ist ebenso zwingend, die Kurse dürften dazu eben nicht umgehend wieder nach oben drehen und dadurch scheinbar beweisen, dass man gut daran tut, mit Scheuklappen auf der Überholspur unterwegs zu sein.

Würde Evergrande die diese Woche fälligen Zahlungen nicht leisten können, Peking dann aber sofort mit einem Auffangplan daher kommen, kann es sehr gut sein, dass genau das passiert: Ein scharfer Abverkauf, gefolgt von einer sofortigen Rallye. So, wie es im Mai und Juli auch gelang. Aber wenn nicht, kommt es für die Bullen zum Schwur. Dann stellt sich die Frage, ob diejenigen, die dann Geld in die Hand nehmen und den DAX auf der kurzfristigen Ebene in Schwung halten, nicht womöglich ein Bärenfell tragen. Denn eines ist klar: Wenn die „Shorties“ einen Coup landen wollen, wäre jetzt eine tadellose Gelegenheit dazu.

Viele rechnen fest damit, vor allem nach der „Corona-Crash-Wende“ im März/April 2020, dass „Augen zu und durch“ bzw. das Zukaufen in fallende Kurse weiterhin funktionieren wird. Wenn sich das zerschlägt, wenn der DAX einfach weiter fällt oder, was psychologisch noch effektiver für das Bären-Lager wäre, eine Gegenbewegung startet, diese dann aber vehement abverkauft wird, wird es ernst. Achten Sie da besonders auf die aktuell bei 14.915 Punkten verlaufende 200-Tage-Linie und das Mai-Verlaufstief bei 14.816 Zählern. Diese Zone darf nicht fallen, ansonsten ist die Perspektive für das Lager der Bären in Richtung Jahresende eine äusserst erfreuliche … und die Bullen werden zu Gejagten.

DAX: Monats-Chart vom 20.09.2021, Kurs 15.132,06 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Zehn MDAX-Schwergewichte wandern jetzt in den DAX. Noch ist die Umstellung nicht vollzogen, sondern nur die Kandidaten benannt. Aber müssten diese Aufsteiger jetzt nicht steigen und den MDAX, in dem sie noch notiert sind, höher ziehen? Und was ist mit dem DAX?

Man könnte erwarten, dass die grossen Fonds und ETFs, die ja erst seit Freitagabend sicher wissen, wer ab dem 20. September zusätzlich im DAX notiert sein und aus dem DAX 30 den DAX 40 machen wird, diese „Aufsteiger“ schon mal kräftig einsammeln. Man könnte vermuten, dass sich auch die Privatanleger speziell auf diese Titel stürzen in der Erwartung, dass diese zehn Aktien dann stark laufen, weil sie als DAX-Mitglieder eine höhere Aufmerksamkeit seitens der internationalen Investoren geniessen werden. Und da diese zehn Unternehmen, konkret sind das Airbus, Brenntag, HelloFresh, Porsche Automobil Holding, PUMA, Qiagen, Sartorius Vz, Siemens Healthineers, Symrise und Zalando, bis 20.9. noch im MDAX notiert sind, müsste dieser deswegen kräftig anziehen. Doch ein grosser Kurssprung findet sich da nicht. Warum?

Ebenso könnte man vermuten, dass der DAX zunächst sukzessiv schwächer tendiert. Denn wenn diese zehn „Neuen“ in knapp zwei Wochen de facto in den Index integriert sind, müssen die Gewichtungen der bisherigen 30 DAX-Titel ja sinken, um den Neuzugängen Platz zu machen. Schliesslich muss ja sichergestellt werden, dass der Index nicht auf einmal 10 oder 20 Prozent höher notiert. Mit der Anpassung der Gewichtung der einzelnen Unternehmen im DAX wird sichergestellt, dass es beim Index selbst an diesem 20. September nicht zu Verwerfungen kommt. Und wenn die institutionellen Investoren, die den DAX abbilden, diese neuen Aktien am 20.9. bereits im Portfolio haben wollen, müssten sie jetzt doch langsam anfangen, diese zu kaufen oder zumindest Barreserven für diese Käufe aufzubauen, indem sie ihre Exposition in den bisherigen 30 DAX-Titeln verringern. Aber auch da sahen wir am Montag nichts Ungewöhnliches. Warum?

Expertenmeinung: Weil so gut wie nichts wirklich eine Überraschung war. Diese Ausweitung auf 40 Werte ist zwar eine sehr ungewöhnliche, besondere Massnahme. Aber dass es gemacht wird und im September vollzogen werden soll, wussten alle bereits seit März. Und da das Aufnahmekriterium jetzt alleine die Marktkapitalisierung ist, das bisherige Verfahren dadurch noch vereinfacht wurde, konnten sich grosse Adressen und Privatanleger seit längerer Zeit selber ausrechnen, wer da wohl vermutlich in den DAX aufsteigen würde.

Acht, tendenziell sogar neun der zehn Aufsteiger konnte man seit Wochen als sicher einordnen. Und die meisten dieser Kandidaten sind im Vergleich zum MDAX seit Ende März deutlich besser gelaufen. Was andeutet, dass sich da viele längst im Vorfeld der am Freitagabend gefallenen Entscheidung positioniert haben. Was auch bedeuten kann, dass die beiden betroffenen Indizes DAX und MDAX womöglich nicht nur gestern, am Tag 1 nach der Entscheidung, sondern auch am Montag, den 20.9., nicht allzu starke Ausschläge zeigen werden. Wobei man dann ohnehin eher auf den DAX als auf den MDAX achten müsste, denn:

Den MDAX haben diese zehn Aufsteiger in den letzten Monaten tendenziell „gezogen“, das kann ein mit entscheidender Grund sein, wieso der zuletzt weit besser gelaufen ist als der DAX, wie Sie im Chartvergleich der beiden Indizes sehen können. Das heisst: Solange diese zehn Unternehmen noch da sind, wirkten sie als Stütze. Sobald sie aber „ausgebucht“ sind und die Gewichtung der 50 verbliebenen Aktien so angehoben wird, dass der MDAX am 20.9. grundsätzlich da startet, wo er am Freitag, den 17.9. geschlossen hat, können sie ihn nicht mehr drücken. Sollte es aufgrund der Vorkäufe der Akteure im Vorfeld des Aufstiegs dann zu Gewinnmitnahmen kommen (was sehr oft vorkommt, wenngleich das nie sicher ist), ist das nicht mehr das Problem des MDAX, sondern des DAX.

Der wäre also, wenn es so laufen würde, durch diese Erweiterung gleich doppelt gestraft. Die Vorkäufe in den Aufsteiger-Aktien ziehen den MDAX und bremsen den DAX … und wenn die zehn Aktien dann mit an Bord sind und es käme zu Gewinnmitnahmen, drücken die ihn gleich nochmal. Kommt es wirklich so? Das ist möglich, aber nie sicher absehbar, daher wäre der beste Weg, mit diesem besonderen Ereignis umzugehen, die beiden Indizes weiterhin stur pragmatisch anhand der Charttechnik anzugehen, was hiesse:

Der DAX ist weiterhin nicht aus seiner aktuellen Seitwärtsrange herausgekommen. Gelingt ein Ausbruch über das bisherige Verlaufs-Rekordhoch von 16.030 Punkten, der mindestens 100 Punkte ausmacht und sich länger als zwei Handelstage hält, wäre das ein klar bullisches Signal.

DAX: Chart vom 06.09.2021, Kurs 15.932,12 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Im Gegenzug sollte man auf der Unterseite mit Blick auf die Bärenfallen der vergangenen Monate vorsichtig sein. Weder die Unterstützung im Bereich 15.800 noch die um 15.300 Punkte haben sich wirklich als entscheidend erwiesen. Erst, wenn der deutsche Leitindex den Bereich um 14.800 Punkte durchbrechen sollte, der derzeit durch die wichtige 200-Tage-Linie verstärkt wird, wäre hier auch auf mittelfristiger Ebene etwas angebrannt.

Der MDAX hatte, wie oben erwähnt, zuletzt deutlich mehr Dynamik zu bieten. Daher haben wir es hier noch mit einer intakten Aufwärtstrendlinie zu tun, die den Index seit Ende Oktober 2020 begleitet und derzeit zusammen mit der parallel zu ihr laufenden 100-Tage-Linie (die hellblaue Linie im Chart) im Bereich 34.165/34.450 Punkte einen doppelten Leitstrahl bildet, an dem man sich hinsichtlich der Absicherung von Long-Positionen orientieren könnte.

MDAX: Chart vom 06.09.2021, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Fazit: Ob sich diese „Reform“ des DAX auf die beiden Indizes wirklich nennenswert auswirkt oder nicht, wird sich noch zeigen, unmittelbar nach der Nennung der zehn Aufsteiger ist noch keine grössere Resonanz zu erkennen. Aber letztlich bleibt es eben, wenn es um die eigenen Dispositionen geht, immer bei der Frage, ob die Trends sich fortsetzen oder nicht. Egal, ob der DAX 40 das ändert oder andere Gründe den Markt antreiben oder im Gegenteil ausbremsen: Bricht beim MDAX der Trend, fällt der DAX aus seiner Handelsspanne nach unten hinaus, sollte man nicht mehr Long sein … bis dahin aber gäbe es auf der Short-Seite noch nichts zu verdienen.