DAX Prognose DAX: Unverhofft kommt oft … nimmt der DAX jetzt die 15.000?

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Wer schon lange als Trader agiert, weiss: Es gibt nichts Gefährlicheres, als an der Börse etwas auszuschliessen. Aber „nicht unmöglich“ und „wahrscheinlich“ sind dennoch zweierlei. Und es scheint, als würden das beim DAX momentan einige nicht sehen wollen. Wie dünn ist das Eis?

Es ist ausserordentlich dünn. Diese Rallye, die den DAX seit seinem Jahrestief fast 23 Prozent nach oben katapultiert hat, basiert auf einer Variante der Zukunft, die nicht wahrscheinlich ist … aber auch da ist nichts unmöglich. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Inflation jetzt rasant zurückkommt, die EZB ihre Zinserhöhungen sehr bald beendet und das Ganze nur eine kleine Delle in der Konjunktur nach sich zieht, die mit schnell wieder sinkenden Leitzinsen ruckzuck ausgebügelt ist, ohne dass die Inflation zurückkommt. Es ist nicht wahrscheinlich, aber:

Es war 2007 auch nicht wahrscheinlich, dass der Zusammenbruch der US-Immobilienblase ohne massiv negative Folgen für die gesamte Weltwirtschaft bleiben würde. Und natürlich kamen diese Auswirkungen auch. Trotzdem hatten die Anleger sich bis zum allerletzten Moment gegen die Realität gestemmt, die Aktienindizes auf neue Hochs gezogen und in Korrekturen immer wieder stur gekauft, bis am Ende klar wurde: Das Eis ist gebrochen. Dann wurde es zwar richtig bitter für diejenigen, die sich der Gefahr, in der man auf der Long-Seite war, nicht bewusst waren. Aber aus diesem historischen Beispiel lernt man eines: Dünnes Eis hat die brenzlige Eigenschaft, jederzeit brechen zu können. Aber es kann eben bis dahin auch verblüffend lange halten. Also, geht der DAX über die 15.000er-Marke?

Den aktuellen Kurs und Chart des DAX sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Expertenmeinung: Wer da jetzt anfangen würde, mit Wahrscheinlichkeiten zu hantieren, hätte die Problematik nicht erkannt. Man kann schlicht nicht vorhersagen, ob das gelingt oder der DAX binnen weniger Wochen wieder auf seinem Jahrestief landet. Einfach, weil wir hier von einer Situation reden, in der viele Marktteilnehmer entgegen der Wahrscheinlichkeit agieren, weil sie emotional handeln. Man will keine Rezession, man will keine Krise, also setzt man darauf, dass sie ausbleibt. Dass viele das tun, kann eine konjunkturelle Gefahrenlage nicht vertreiben. Aber solange der DAX weiter läuft, will man genau das glauben, bleibt am Ball und kauft ggf. sogar immer weiter zu.

DAX: Wochen-Chart vom 01.12.2022, Kurs 14.490,30 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Damit müsste man, wollte man vorhersagen können, wie weit und wie lange der DAX noch läuft, folgende Fragen beantworten können: Wie viel Kapital wartet noch an der Seitenlinie? Wie ist die Stimmungslage derer, die jetzt satte Long-Gewinne erzielt haben? Und werden sich all diejenigen, die sich das bislang nur angeschaut haben, auch einsteigen oder im Gegenteil die Situation nutzen, um bestehende Positionen zu verkaufen und Short zu gehen?

Da man diese Fragen nicht beantworten kann, bleibt nur eines als Wegweiser. Das, war im Zweifel immer funktioniert: die Charttechnik. Da sehen wir: Der DAX hängt momentan im Niemandsland, konsolidiert dort seit drei Wochen seitwärts, allerdings mit leicht aufwärts gerichteter Tendenz. Und von unten würde jetzt die im Chart auf Tagesbasis blau markierte 20-Tage-Linie als nächstgelegene Unterstützung langsam zum „Luftkissen“ werden, das die Käufer wieder aktivieren könnte. Es wäre also tatsächlich möglich, dass der DAX die markante Widerstandszone 14.709/15.060 Punkte angeht und im Idealfall auch überwindet. Aber sicher sein sollte man sich dessen eben lieber nicht. Sich mit einem Stop Loss knapp unter dem bei 14.150 Punkten gelegenen Tief der Seitwärts-Spanne abzusichern, wäre unbedingt angeraten!

DAX: Tages-Chart vom 01.12.2022, Kurs 14.490,30 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX
Top Flop Aktien – Übersicht der Gewinner und Verlierer

Welche Aktien in den wichtigen Indizes sind in letzter Zeit am meisten gestiegen oder gefallen? Was sind die Top-Aktien 2022? Welche Aktien haben die beste Performance über die letzten 5 Jahre und welche Aktien sind stark gefallen? Hier finden Sie es heraus: DAX Top FlopMDAX Top FlopEuro Stoxx Top FlopDow Jones Top FlopNasdaq 100 Top Flop

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Vorherige Analysen des DAX Index

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Seit dem Kurssprung als Reaktion auf die US-Inflationsdaten bewegte sich der DAX in einer engen Spanne seitwärts. Gestern brach er nach oben aus. Aber es muss sich erst zeigen, ob der Ausbruch vorhält, denn viele wissen: Die Bullen haben den Zeitpunkt nicht zufällig gewählt.

Auf die Minute, mit Beginn des regulären Handels um 9 Uhr, begann der DAX gestern auf einmal zu steigen und lief über das Hoch der Handelsspanne der vorangegangenen knapp zwei Wochen hinaus. Wo er dann einfach wie festgezimmert stehen blieb. Rein charttechnisch gesehen ist das bullisch, damit wurde die Aufwärtsbewegung wieder aufgenommen. Aber es war eine ganz gezielte Aktion derer, die im bullischen Lager langsam das Gefühl bekamen, man müsse den DAX „anschieben“, damit die Trader nicht auf dumme Gedanken kommen, sprich verkaufen.

Ich weiss nicht, wie tief zweistellig die Zahl der Fälle ist, die ich diesen Trick schon gesehen habe. Der Hintergrund ist der US-Feiertag. Am Donnerstag war in den USA geschlossen, Thanksgiving wurde gefeiert. Was übrigens heute noch eine verkürzte US-Handelssitzung nach sich ziehen wird, das US-Handelsende wird um 19 Uhr MEZ sein. Der gestrige Ausbruch des DAX soll heute von Anschlusskäufen ausgebaut werden. Damit sollen die US-Akteure die bullischen Vorlagen aus Europa sehen, selber kräftig zulangen und so wiederum eine bullische Vorlage für weitere Käufe im DAX am Montag liefern. Das klappt oft, aber nicht immer. Aber die Frage ist nicht, ob der DAX heute und am Montag steigen wird. Die Frage ist, was danach passiert, denn:

Expertenmeinung: Auch, wenn viele das bei steigenden Kursen wunderbar ausblenden können, sind die Rahmenbedingungen keineswegs so, dass sie eine echte, nachhaltige Aufwärtstrendwende des DAX untermauern würden. Dass die US-Notenbank die Zinsschritte jetzt kleiner halten wird, heisst ja nur, dass der Gegenwind ein klein wenig weniger heftig würde. Und eine Rezession ist damit nicht vom Tisch, die Inflation nicht besiegt. Und selbst wenn sich das in den USA andeuten würde: Für das Wohl und Wehe des DAX ist entscheidend, was sich in der Eurozone abspielt.

DAX: ‚Wochen-Chart vom 24.11.2022, Kurs 14.539,56 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Und da finden sich unter den EZB-Mitgliedern nur sehr, sehr wenige, die eine Reduzierung der Zinsschritte aufgrund einer abflauenden Inflation andeuten. Vor allem, weil die Inflation in Europa eben nicht abflaut und das auch, wenn es Monate mit fallenden Preisen geben wird, vorerst auch nicht wird. Und wenn EZB-Ratsmitglied Schnabel gestern unterstrich, dass eine expansive Fiskalpolitik, d.h. das massive Unterstützen der Verbraucher durch öffentliches Geld, die Inflationsbekämpfung gefährdet, sollte man das als Warnsignal sehen. Wenn die Deutsche Bundesbank fest davon ausgeht, dass es im Winterhalbjahr zu einer Rezession kommt, ebenso. Viele grosse Adressen im bullischen Lager wissen das und versuchten daher mit diesem „Feiertags-Trick“, die Rallye wieder ins Laufen zu bekommen.

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Aber sie taten das auch aus einem anderen Grund, der sich beim Blick auf die Charts nicht übersehen lässt: Der DAX ist deutlich überkauft. Acht Wochen mit Kursgewinnen am Stück, das gab es nicht einmal bei der Rallye nach dem Corona-Crash 2020. So hoch stand der RSI-Indikator auf Wochenbasis dieses Jahr noch nie, auf Tagesbasis ist er schon ungewöhnlich lange im roten Bereich, sprich in der überkauften Zone über 70, unterwegs. Damit nicht genug:

Der DAX hat jetzt die Krise ausgepreist, ohne dass es Gründe gäbe, sie auspreisen zu können. Er bewegt sich jetzt auf dem Level, das er unmittelbar vor dem Angriff auf die Ukraine am 24. Februar sah. Und auf einem Level, auf dem er Ende März und Anfang Juni nach unten drehte. Von den Argumenten her steht es für die Bullen also gerade nicht allzu gut. Da muss man gezielt anschieben. Das ist gestern passiert. Aber die Bullen wissen, dass auch die Bären wissen, dass das nicht aus Überzeugung, sondern aus Angst vor einem erneuten Abverkauf passierte. Es wäre daher ratsam, im Fall von Long-Positionen im Depot auf der Hut zu sein.

DAX: Wochen-Chart vom 24.11.2022, Kurs 14.539,56 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Offenlegung möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in dem besprochenen Wertpapier bzw. Basiswert zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse SHORT investiert.

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Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: In den letzten Wochen konnte sich der Deutsche Aktienindex unglaublich gut entwickeln und erstmals seit langem sahen wir eine Outperformance gegenüber den US-Indizes.

Der DAX kletterte in mittlerweile schwindelerregende Höhen und bislang war ich ein absoluter Fan dieser Aufwärtsbewegung. Nun aber ist der Abstand zur 50-Tage-Linie auf ein Maximum angewachsen und die Aufwärtsbewegung geht in eine überhitzte Phase über. Ob sich der Anstieg noch lange in dieser Art und Weise halten wird, ist mehr als fraglich. Dennoch bleibt festzuhalten, dass wir uns hier mittelfristig in einer bullischen Gesamtsituation befinden und aktuell gibt es noch keine Signale für eine mögliche Wende nach unten.  

Expertenmeinung: Übertreibungsphasen sind an den Börsen völlig normal und gerade in Bärenmärkten kann es immer wieder zu Überhitzungen nach unten als auch nach oben kommen.

Die letzten beiden Übertreibungsphasen, in welchen sich der DAX um mehr als 1.000 Punkte von der 50-Tage-Linie entfernt hatte, waren im Januar 2021 und im April 2021. In beiden Fällen kam es wenig später zu einem Rücklauf in Richtung des mittelfristigen Taktgebers. Es ist also sehr wahrscheinlich, wenngleich nicht in Stein gemeisselt, dass es hier bald zu einer heftigen Kehrtwende nach Süden kommen könnte. Ein Umfeld, wo man sich zumindest über Gewinnmitnahmen bei deutschen Titeln Gedanken machen sollte.

Aussicht: NEUTRAL

Chart vom 15.11.2022 Kurs:14.378,51 Kürzel: DAX | Online Broker LYNX

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Sechs Wochenschlusskurse am Stück über dem vorherigen, das könnte dem DAX heute gelingen. Das gab es dieses Jahr noch nie. Aber 2021 auch nicht: So etwas ist selten. Und in einem Umfeld wie diesem ist das mehr „tricky“ als ein Grund, die Füsse hochzulegen. Warum?

Sechs Wochen haben gereicht, um das charttechnische Bild des DAX auf den Kopf zu stellen. Er hat alles bezwungen, was ihm im Weg stand: die mittelfristige Abwärtstrendlinie, die Widerstandszone 13.381/13.566 Punkte, die 200-Tage-Linie und zuletzt auch noch das August-Hoch. Damit hat diese Rallye bereits jetzt die Grössenordnung der Kaufwelle vom März erreicht, nur ohne den damaligen, blitzschnellen Kurseinbruch im Vorfeld. Das ist charttechnisch gesehen ohne Wenn und Aber bullisch. Also, kaufen, was das Zeug hält?

Das sollte man sich besser genau überlegen. Dass der DAX auf Tagesbasis massiv überkauft ist, sollte zur Vorsicht mahnen, der RSI-Indikator ist erstmals überhaupt im Jahr 2022 in die überkaufte Zone gelaufen. Und auch, wenn er auf Wochenbasis noch nicht überhitzt ist: Den höchsten Level dieses Jahres hat er auch auf dieser Zeitebene erreicht. Rücksetzer sollte man also besser einkalkulieren. Aber ein anderer Aspekt bedingt, dass man sich lieber nicht darauf verlassen sollte, dass ein Rücksetzer eine kurze, räumlich begrenzte Episode bleibt. Denn ein Faktor fehlt völlig, um aus dieser so ungewöhnlich starken Kaufwelle eine glaubwürdige Wende zu machen: bullische Rahmenbedingungen.

Expertenmeinung: Es war nicht unsere Wahl, aufgrund der der DAX im Vorfeld der Midterm Elections zulegte. Und die Wahl ging auch nicht so aus, wie sich die Bullen in den USA das gedacht hatten. Vor allem aber waren es nicht unsere Inflationsdaten, die die Kurse explodieren liessen. Der DAX lief halt mit den US-Indizes mit. Obwohl die heimische und die Eurozone-Inflation auf Rekordniveau liegen. Aber noch schwerer wiegt, dass diese gestern aus den USA gemeldeten Inflationsdaten alles sind, nur kein „Game Changer“, der belegen würde, dass die US-Notenbank ihr Ziel nunmehr erreicht hat und weitere Zinsanhebungen vom Tisch wären. Diese Karte spielte man zwar. Aber sie ist gezinkt.

DAX: Tages-Chart vom 10.11.2022, Kurs 14.146,09 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Denn dass die Jahresrate der Inflation sinkt, mag gut aussehen. Aber was die Wirtschaft braucht und die US-Notenbank mit höheren Zinsen erzwingen will, ist, dass der Preisanstieg an sich stoppt. Und um zu sehen, wie das vorangeht, ist diese Jahresrate wegen des tückischen Basiseffekts nicht besonders geeignet. Wichtiger ist, wie sich die Preise von Monat zu Monat entwickeln, da könnte man sehen, ob der Preisauftrieb gestoppt wurde. Und im Oktober sind die US-Verbraucherpreise um 0,4 Prozent gegenüber September gestiegen. Genau die gleiche Rate wie von August zu September. Zwar hatte man mit einer Monatsveränderung von 0,6 Prozent gerechnet, so dass man festhalten darf: Es hätte schlimmer sein können. Aber es ist eben auch alles andere als gut und kein Argument für die US-Notenbank, ihre Vorgehensweise zu ändern. Was man dort auch schon x-mal klargemacht hatte: Einzeldaten sind nicht entscheidend.

Aber genau darauf setzen diejenigen, die jetzt in diesen ohnehin schon schnell und weit gestiegenen DAX eingestiegen sind oder zugekauft haben. Dünnes Eis, zumal ja auch ansonsten noch genug Risiken existieren. Die deutschen Erzeugerpreise machen klar, dass die Preise hierzulande weiter steigen werden. Und auf unsere Inflation kommt es letztlich eben an, nicht auf die in den USA. Die Energielage ist weiter unsicher. Und von einer Entspannung in Sachen Geopolitik kann man derzeit nicht einmal träumen. Die Rahmenbedingungen passen also nicht zu dieser Super-Rallye. Und das heisst: Hier ist Vorsicht angezeigt.

Sollte der DAX wieder unter dem gestern überwundenen Hoch vom August bei 13.948 Punkten schliessen, wäre das bereits ein Warnsignal. Und sollte die bis Mittwoch noch umkämpfte 200-Tage-Linie bei aktuell 13.600 Zählern auf Schlusskursbasis um mindestens 100 Punkte unterboten werden, dann müsste man hier eine kapitale Bullenfalle konstatieren. Spätestens dann sollte man hier besser nicht mehr Long sein.

DAX: Wochen-Chart vom 10.11.2022, Kurs 14.146,09 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX
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Der DAX hat im Oktober die stärkste Monats-Performance seit dem November 2020 hingelegt. Aber in Bezug auf mittelfristig relevante Kaufsignale ist noch nichts erreicht. Diese Hürden kommen jetzt erst. Und das heisst auch: Wenn, dann melden sich die Bären genau jetzt zurück!

In einem bärischen Umfeld und in einem übergeordneten Abwärtstrend basieren Gegenbewegungen nach oben nicht auf Fakten, sondern auf Hoffnungen. Denn in dem Moment, in denen die Rahmenbedingungen wieder bullisch sind, ist die Wende schon längst über die Bühne. Das wissen die Trader und gehen daher Wetten ein, versuchen neue Tiefs als Basis zu nutzen, um gegen den Trend zu spekulieren in der Erwartung, früh genug auf den Zug aufgesprungen zu sein, um durch nachgezogene Stoppkurse auch dann noch einen Gewinn auf der Long-Seite einfahren zu können, wenn die Hoffnungen, auf die man bei der Rallye setzt, platzen.

Im Gegenzug pflegen Trader, die nahe des letzten Tiefs Short-Gewinne mitgenommen haben und nicht der Ansicht sind, dass Long-Trades gegen den übergeordneten Trend lohnend wären, die sogenannte „Torero-Taktik“ einzusetzen. Was heisst: Sie lassen die Bullen machen, bis sie müde werden, sprich ihnen Geld und/oder Zuversicht ausgehen und schlagen erst dann zu. Man wartet, bis massive Charthürden erreicht sind, bis die Markttechnik heiss gelaufen ist und, idealerweise, Gewinnmitnahmen der Bullen auch noch auf negative Nachrichten treffen.

Erfahrene Trader wissen das alles. Aber viele, die am Markt agieren, haben die nötige Erfahrung nicht und ahnen gar nicht, dass sie auf der Long-Seite auf dünnem Eis unterwegs sind. Aber natürlich haben sie eine profane Erkenntnis im Rücken: Irgendwann wird eine Rallye, die als Gegenbewegung im Abwärtstrend begann, auch die Wende sein. Stellt sich also die Frage: Wird es diese sein? Wird dem starken Oktober ein starker November folgen?

Expertenmeinung: Dazu müssen zwei Dinge passieren. Erstens müssten aus den Hoffnungen der Käuferseite in den kommenden Wochen echte, positive Fakten werden. Zweitens müssten die Bären die Käufer einfach durch die jetzt angelaufene Widerstandszone durchwinken, statt dagegenzuhalten. Momentan ist das wenig wahrscheinlich.

DAX: Monats-Chart vom 31.10.2022, Kurs 13.253,74 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Natürlich sollte man sich hüten, irgendetwas an der Börse auszuschliessen. „Erwarten Sie das Unerwartete“ sollte über jedem Eingang eines Börsensaals stehen. Aber fragt man sich, wer in Kürze mit dem Unerwarteten konfrontiert wird, liegt die höhere Wahrscheinlichkeit eben doch beim bullischen Lager. Dass das Wachstum in den USA ebenso wie in Europa im dritten Quartal deutlich stärker ausfiel als im Vorfeld prognostiziert, ist zwar ein scheinbar bullischer Aspekt, aber bei genauem Hinsehen muss man zumindest einkalkulieren, dass sich das im vierten Quartal rächt. Und die Inflation ist eben bislang stärker als allgemein gedacht, in Sachen Leitzinserhöhungen kann mal also bislang nicht davon ausgehen, dass die Notenbanken den Gang herausnehmen.

Natürlich werden die Jahresraten der Inflation alleine aufgrund der statistischen Basiseffekte bald sinken. Natürlich werden die Notenbanken die derzeitige Grössenordnung der Leitzinsanhebungen nicht beibehalten. Und es ist auch möglich, dass auch im vierten Quartal im Bruttoinlandsprodukt noch ein kleines Plus erreicht wird. Aber wer das nötige Fachwissen hat, weiss: Das sind keine Signale dafür, dass die Krise vorbei wäre, nicht einmal dafür, dass man die Problematik unter Kontrolle hat. Dass vielen das nicht klar ist bzw. viele das nicht sehen wollen, ist zwar zu erwarten, das kann die Kurse grundsätzlich weitertreiben. Aber im bärischen Lager finden sich üblicherweise sehr viele, die solche Hoffnungen richtig einzuordnen wissen. Und sobald die Short-Seller wieder antreten, ist die Rallye nicht zu halten.

Die Zone, in der eine Short-Attacke lukrativ wird, ist jetzt langsam erreicht. Wir sehen im Chart, dass der DAX gestern zum Monatsultimo zwar minimal über die mittelfristige Abwärtstrendlinie lief, da aber auffallend wenig Bewegung innerhalb des Handels entstand. Und richtig massiv werden die Charthürden erst jetzt.

Das rechnerische Kursziel des im September/Oktober ausgebildeten Doppeltiefs liegt bei knapp 12.500 Punkten und wäre ebenso ein potenzieller Level, an dem die Short-Seller sich zurückmelden wie die Widerstandszone 13.381/13.565 Punkte, innerhalb derer dieses rechnerische Kursziel liegt. Oder, darüber, die 200-Tage-Linie bei 13.675 Punkten. Gelingt es, all diese Hürden zu überwinden, wäre das ein mächtiges, bullisches Signal. Aber in diesem Umfeld und angesichts der bereits jetzt überkauften Markttechnik wäre man wohl gut beraten, den Ausbruch über diese Widerstände nicht als sicher an- und vor allem, ihn nicht vorwegzunehmen.

DAX: Tages-Chart vom 31.10.2022, Kurs 13.253,74 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX
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Auf die Anleger kommen jetzt wegweisende Daten zu. Dass der DAX im Vorfeld von EZB-Sitzung, Inflationsdaten und Bruttoinlandsprodukt auf dem Weg ist, die vierte Woche in Folge zuzulegen, wirkt riskant. Wissen die Trader, was sie da tun – oder regiert hier der Leichtsinn?

Jetzt beginnt die Flut der Quartalsbilanzen, auch bei den im DAX notierten Unternehmen. Zu erwarten, dass nicht nur die Ergebnisse des dritten Quartals, sondern auch die Ausblicke erfreulich ausfallen, wäre gewagt. Hinzu kommen morgen die EZB-Sitzung und am Freitag die erste Berechnung des deutschen Bruttoinlandsprodukts des dritten Quartals und die Vorab-Zahlen zur Inflation im Oktober. Da der DAX in einem übergeordneten Abwärtstrend läuft, wäre es keineswegs eine Überraschung, wenn man im Vorfeld den Kopf einziehen und Käufe verschieben würde, bis man entsprechend positive Fakten auf dem Tisch hat. Aber:

Das Gegenteil passiert. Der DAX ist bereits gut zehn Prozent über das Ende September ausgebildete, bisherige Jahres-Verlaufstief bei 11.863 Punkten gestiegen. Das ist eine normale Dimension für eine Gegenbewegung in einem Abwärtstrend. Aber der Zeitpunkt ist gewagt. Vor den entscheidenden Daten und Ereignissen zu kaufen satt danach, das bedeutet: Man wettet auf positive Bilanzen, eine moderate Inflation, eine stabile Wirtschaft im dritten Quartal und eine EZB, die sich in Sachen Zinsanhebungen zurücknimmt. Denn nur dann, wenn all das mehrheitlich so laufen würde, hätte man eine realistische Chance, dass man jetzt nicht nahe an einem Zwischenhoch kauft, dem neue DAX-Tiefs folgen, sondern der Index danach erst so richtig davonzieht und den Käufern vor heute auch noch Gewinne einbringt. Das erscheint sehr riskant. Ist es das auch?

Expertenmeinung: Auf jeden Fall ist es das. Natürlich könnte es so laufen, der DAX könnte weiterlaufen, die übergeordnete Abwärtstrendlinie bei derzeit 13.250 Punkten bezwingen, danach über die Widerstandszone 13.381/13.578 Punkte laufen, die bei 13.728 Zählern laufende 200-Tage-Linie überbieten und damit einen massiven Befreiungsschlag generieren. Und immerhin läge jetzt sogar diese 200-Tage-Linie als äusserste Hürde näher als das bisherige Jahrestief. Aber was wäre nötig, damit das gelingt?

Tageschart vom 25.10.2022, Kurs 13.052,96 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Die anstehenden Daten müssten so stark ausfallen, dass deutlich mehr Akteure trotz der jetzt schon erreichten Kursgewinne neu einstiegen oder zukaufen als im Gegenzug Gewinne mitgenommen werden. Denn selbst, wenn alles nur im Rahmen der Erwartungen laufen würde, hätte der DAX nach oben wenig Spielraum, nach unten aber eine Menge Luft. Natürlich dürften nicht wenige Akteure noch nicht auf diesen Rallye-Zug aufgesprungen sein. Aber sich auszurechnen, was möglich wäre, wenn die weitere Käufer dazu stossen, ist müssig, solange fraglich ist, ob diejenigen, die sich weiterhin bedeckt halten, auch Argumente bekämen, um diese Zurückhaltung aufzugeben. Aus dieser Warte heraus kann man in der Tat behaupten:

Ja, auf dem jetzt erreichten Level, weit über dem Tief, knapp unter massiven Charthürden und im Vorfeld wegweisender Daten wäre es allerdings leichtsinnig, auf diesen Zug noch aufspringen zu wollen. Wer bereits drin sitzt, könnte die Position zwar halten. Aber das sollte man besser mit einem engen Stop Loss tun, den man derzeit knapp unter das bisherige Wochen-Verlaufstief bei 12.747 Punkten ansiedeln und bei einem weiter anziehenden Index engmaschig nachziehen könnte.

Wochenchart vom 25.10.2022, Kurs 13.052,96 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX