Dow Jones Prognose Dow Jones: Die „Fed“ bleibt vage, die Bullen ziehen zurück

News: Aktuelle Analyse des Dow Jones Index

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Zur Dow Jones

Im Vorfeld der US-Notenbankentscheidung kam es zwei Tage lang zu Aufholjagden grösserer Verluste. Gestern versuchte man zudem, den Dow Jones im Vorfeld der Entscheidung so ins Plus zu ziehen, dass ein Befreiungsschlag in Reichweite wäre. Doch der blieb aus.

Was hatten diejenigen, die hofften, am Mittwochabend das Ruder herumreissen zu können, eigentlich von der US-Notenbank („Fed“) erwartet? Unerwartete Horror-Szenarien hatte die „Fed“ weder im um 20 Uhr unserer Zeit veröffentlichten Statement noch im Zuge der Pressekonferenz mit „Fed“-Chef Jerome Powell abgeliefert. Weder wurden die Stützungskäufe am US-Anleihemarkt sofort beendet, noch hob man den Leitzins sofort an. Und es gab auch keine Aussage dahingehend, dass die Notenbank die Zinsen womöglich in grösseren, 0,5 Prozent umfassenden Schritten anheben wolle oder, was auch befürchtet wurde, ihre gigantischen, durch die Aufkäufe aufgehäuften Anleihebestände im Eiltempo in den Markt geben könnte. Warum also wurde aus dem satten Plus im Vorfeld der Sitzung ein Minus?

Man könnte bemängeln, dass die „Fed“ absolut vage blieb, was vorgenannte Aspekte angeht. Man legte sich weder in Sachen Abbau der Anleihebestände noch hinsichtlich Tempo, Umfang und Dauer der Zinserhöhungen fest. Was indes eigentlich niemand hätte erwarten dürfen, denn wie „Fed“-Chef Powell richtig betonte: Man muss sich letztlich an der Lageentwicklung orientieren, von Mal zu Mal die Lage neu bewerten und dann entscheiden. Einen Fahrplan vom Reissbrett kann es nicht geben und den, und das muss auch den Tradern klar sein, hat es noch nie gegeben. Warum also der Abverkauf der Kursgewinne, warum diese erneut grosse Handelsspanne von fast 1.000 Punkten, warum das Handelsende im Minus?

Den aktuellen Kurs und Chart des Dow Jones sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Expertenmeinung: Das erklärt sich aus der Ausgangsbasis, mit der man in diesen Tag ging. Der Dow Jones kam unter Druck, weil immer mehr Akteuren klar wird, dass der entschlossene Kurs der „Fed“ aufgrund der besonderen, angebotsinduzierten Art der Inflation dazu führen könnte, dass eine fatale Stagflation entsteht, bei der zwar das Wachstum durch höhere Zinsen abgewürgt wird, die Inflation aber bleibt. Vor allem mit Blick auf die ungewöhnlich stark gestiegenen Löhne. Diese Sorge konnte „Fed“-Chef Powell nicht ausräumen – wie auch. Ein von ihm angeführter starker Arbeitsmarkt als Argument, dass das Wachstum steigende Leitzinsen verkraften kann, würde sogar eher für Lohninflation sprechen.

Diejenigen, die am Montag und Dienstag in die herben Verluste hinein gekauft und den Dow Jones im Vorfeld der „Fed“-Entscheidung höher gezogen hatten, sind nicht der Ansicht, dass die Notenbank das richtige tut, die Inflation dadurch verschwinden und das Wachstum stark bleiben wird. Sie hatten gekauft, um noch Schlimmeres zu verhindern. Es ging darum, diese im Chart auf Tagesbasis dick grün markierte Unterstützungszone zu halten, weil man fürchten muss, dass deren Bruch alle Dämme brechen lässt. Damit waren sie – obwohl sie als Käufer antraten – letztlich in der defensiven Position, in der der Hoffenden.

Diejenigen, die entschlossen waren, in Gegenbewegungen nach oben weiter zu verkaufen und/oder Short zu gehen, blieben nach der „Fed“-Entscheidung in der besseren Position, denn es kam nicht zu einer grossen, positiven Überraschung durch die Notenbank. Ihre Gründe, um zu verkaufen, bleiben somit erhalten. Was fehlte, war ein Zeichen der Schwäche, das Ausbleiben erneuter, massiver Käufe, um sie wieder ins Spiel zu bringen. Dazu der Blick auf den Kursverlauf des Dow Jones auf 5-Minuten-Basis seit Wochenbeginn:

Dow Jones: Intraday-Chart vom 26.01.2022, Kurs 34.168,09 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Sie sehen hier, dass der Index unmittelbar nach dem „Fed“-Statement um 20 Uhr unserer Zeit an das unmittelbar nach Handelsbeginn erreichte Tages-Verlaufshoch knapp über 34.800 Punkten heranlief, dort aber abgewiesen wurde. Das löste erste Abgaben aus … und die Sache begann, sich zu verselbständigen. Erst fiel die am Montag/Dienstag etablierte Aufwärtstrendlinie, dann rutschte der Dow aus der bisherigen Handelsspanne des Tages nach unten heraus … und die Bullen zogen blitzschnell zurück. Dass der Index seine Verluste in den letzten 40 Handelsminuten etwas eingrenzte, ist dabei eher auf Eindeckungen kurzfristiger Short-Positionen als auf die Rückkehr derer zurückzuführen, die den Dow Jones in den Tagen zuvor aus dem Gröbsten herausgepaukt hatten. Und jetzt?

Jetzt, nachdem dieser wichtige Termin über die Bühne ist, entscheiden wieder vor allem Emotionen und Charttechnik. Wobei das bullische Lager momentan einen schweren Stand hat. Denn dass es ihnen nicht gelungen ist, mit einer Rallye nach der US-Notenbankentscheidung die im Chart auf Tagesbasis schwarz markierte 200-Tage-Linie bei 34.970 Punkten zurück zu erobern, die schon so nahe war, ist natürlich kein „Mutmacher“ für die kommenden Tage. Aber wer am Ende die Nase vorn haben wir, muss man nicht in der Glaskugel suchen, denn die Ankerpunkte im Chart sind klar definiert:

Dow Jones: Tages-Chart vom 26.01.2022, Kurs 34.168,09 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Damit die Bullen wieder Land sehen, müsste der Dow Jones nicht nur über die 200-Tage-Linie, sondern auch über die im Chart hellblau gefärbte 100-Tage-Linie bei derzeit 35.350 Punkten hinaus. Ideal wäre, wenn sogar die rote 50-Tage-Linie überwunden würde, die momentan bei 35.600 Punkten zu finden ist. Sollten die Käufer jetzt aber nach dieser gestrigen Ernüchterung ausbleiben oder aber der Index an diesen gleitenden Durchschnitten nach unten abgewiesen werden, kann es sein, dass wir schon sehr bald diese so wichtige Supportzone 33.270/33.475 erneut testen, die am Montag so entschlossen verteidigt wurde. Sollte sie im zweiten Anlauf fallen, wäre man gut beraten, erst einmal nicht in das fallende Messer zu greifen.

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Vorherige Analysen des Dow Jones Index

Der September war kein guter Monat für den Dow Jones, aber im Oktober kommen die Käufer mit Macht zurück. Dass das Umfeld kritischer wird, hält sie bislang nicht ab. Das kann sich jederzeit ändern, aber wenn es für die Bullen nach Plan läuft, stehen vorher neue Rekorde an.

Die Konjunkturdaten fielen zuletzt immer problematischer aus: Das Wachstum lässt nach, die Inflation bleibt dennoch hartnäckig. Das „Flaschenhals“-Problem lässt sich weiterhin nicht einfangen, Chinas Immobilienmarkt ist ein ziemlich scharfes Damoklesschwert. Und noch ist das Gros der Quartalsbilanzen nicht auf dem Tisch und damit vor allem offen, wie die grossen US-Unternehmen im Licht dieser Herausforderungen die Perspektive für das laufende, vierte Quartal sehen.

In dieser Gemengelage den Ausbruch auf neue Rekorde anzustreben, wirkt gewagt. Aber solange die Käufer die Bären vor sich hertreiben können, weil sie unbeirrt mit dem grösseren Kapital antreten und viele am Aktienmarkt die Gefahren entweder nicht sehen oder nicht einordnen können, kann sogar das funktionieren. Allerdings …

Dow Jones: Tages-Chart vom 21.10.2021, Kurs 35.603,08 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

… wäre die Wirkung umso fataler, wenn ein solcher Ausbruchsversuch scheitern und zur Bullenfalle würde, daher kann es gut sein, dass die bullische Seite versucht, den „Über Nacht“-Trick einzusetzen. Was momentan besonders lukrativ wäre, weil nicht nur der Dow Jones, sondern auch der S&P 500 auf dem Sprung zu neuen Rekordhochs ist. Wie geht das vor sich?

Expertenmeinung: Hierfür versucht man, die Marktteilnehmer vor vollendete Tatsachen zu stellen, indem man den Index über den Future, der ja quasi rund um die Uhr und weltweit gehandelt wird, im asiatischen und europäischen Handel nach oben zieht. Das kommt billiger, weil da die Umsätze niedriger sind, so dass man das Ziel mit geringerem Kapitaleinsatz erreichen kann. Dieses Ziel wäre, den Future über das letzte Rekordhoch zu ziehen, damit der Dow Jones zum Handelsstart gleich klar über dem alten Hoch startet und dadurch die Trader vor die Wahl gestellt werden: Einsteigen oder riskieren, dass das dadurch erzeugte, bullische Signal eines neuen Hochs dazu führt, dass ihnen der Markt nach oben davonläuft. Wenn das klappt, würden zudem diejenigen, die Short-Positionen knapp über dem alten, im August bei 35.631 Punkten markierten Hoch platziert haben, eindecken müssen und die Kurse dadurch erst recht höher ziehen.

Das am Mittwoch erreichte, neue Verlaufshoch bei 35.670 Punkten hat dafür nicht gereicht, also müsste man den Index noch ein Stück weiter nach oben ziehen, den marktbreiten S&P 500, dessen bisheriges Hoch von 4.546 Punkten am Donnerstagabend sogar knapp überboten wurde, idealerweise gleich mit. Zuletzt klappte das vor genau einer Woche, als ein „Opening Gap“ den Dow über die Widerstandslinie bei 35.060 Punkten hob und damit eine Bodenbildung vollendete.

Es darf eben nur nicht schiefgehen. Nachbörslich zeigte sich der US-Markt nach Quartalszahlen, u.a. von Intel und Snap, wacklig. Und wenn ein solcher Ausbruchsversuch in einem Abwärts-Turnaround endet, kann das all diejenigen, die bereits mit frischem Geld an der Startlinie stehen, schnell dazu bringen, das Gegenteil zu tun und die Beine in die Hand zu nehmen. Das könnte heute ein äusserst spannender Tag an der Wall Street werden!

Dow Jones: Monats-Chart vom 21.10.2021, Kurs 35.603,08 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Was drei- oder viermal funktioniert, wird auch weiter funktionieren, sagen sich diejenigen, die in fallende Kurse hineingreifen und dabei ignorieren, dass die Zahl der Risikofaktoren immer weiter zunimmt. Aber die sind auch nicht die eigentliche Gefahr für die Bullen.

Mit dem Immobilienunternehmen Fantasia hat zu Wochenbeginn ein weiterer chinesischer Immobilienkonzern eine Zinszahlung nicht geleistet. Es scheint, als würde ein Domino-Effekt entstehen, wie man ihn 20078/2008 auch am US-Immobilienmarkt erlebt hatte. Aber wer am Dienstag kräftig auf der Long-Seite zulangte, geht davon aus, dass die beruhigenden Aussagen zahlreicher Analysten zutreffen, dass all das ein isoliertes Problem Chinas bleiben werde … und ignoriert die warnenden Stimmen, dass es sehr wohl auf die gesamte Weltwirtschaft wirken werde, wenn dieses Kartenhaus aus gewaltigen Schulden im chinesischen Immobiliensektor zusammenbrechen sollte.

Ebenso muss man als jetzt aktiv werdender Käufer ignorieren, dass man in Sachen Inflation derzeit nur die Perspektive hat, zwischen Pest und Cholera zu wählen. Entweder es gelingt der US-Notenbank, die Inflation zu bremsen, was dann aber den für den Aktienmarkt so wichtigen Fluss ultrabilligen Geldes austrockenen würde. Oder man tut nichts und riskiert, dass die Teuerung aus dem Ruder läuft und über eine markant sinkende Kaufkraft massiv die Unternehmensgewinne drückt, deren stetiger Anstieg das Rückgrat der Aktien-Hausse ist.

Man müsste darüber hinaus überzeugt sein, dass der „Flaschenhals“, der sich derzeit selbst intensiviert, indem die Lieferprobleme und die explodierenden Energiekosten immer mehr Branchen erfassen, von alleine verschwindet und all das, was heute nicht produziert und/oder geliefert werden kann, einfach später konsumiert wird.

Aber auch, wenn man schon ein sehr sonniges Gemüt haben müsste, zu glauben, dass sich all das schon von alleine wieder einrenkt (ohne zugleich sagen zu können, wie das wohl funktionieren soll), könnte dieser Versuch, den Dow Jones aus der charttechnischen Gefahrenzone zu ziehen, funktionieren. Denn wie lange werden seit der abrupten Aufwärtswende schon Risiken ignoriert, ohne dass der Trend gekippt wäre? Die Gefahr einer Abwärtswende einfach „wegzukaufen“, klappte seither mehrfach – warum also nicht erneut? Wenn sich das nur genug Akteure sagen, wird es auch gelingen … es sei denn, ihnen gehen die Barreserven aus. Denn da findet sich derzeit die eigentliche Achillesferse.

Expertenmeinung: Wenn wir uns den Chart des Dow Jones auf Tagesbasis einmal genauer anschauen, erkennen wir, wo das Problem liegt. Es mag sein, dass die Situation jetzt, zu Beginn des neuen Quartals, dadurch günstiger ist, weil viele passive Sparer frisches Geld an Fonds, ETFs oder Hedgefonds überwiesen haben. Aber normalerweise sind die Barreserven bei Fonds und Hedgefonds sehr niedrig, bei ETFs naturgemäss nahezu null. Das Geld, um Verkäufe aufzufangen und einen Index mit einer gigantischen Marktkapitalisierung wie den Dow Jones von charttechnischen Schlüsselzonen fernzuhalten, muss man erst einmal mobilisieren. Was umso kniffliger wird, je öfter man neu ansetzen muss, weil erste Versuche erfolglos blieben. Und genau das ist zuletzt der Fall gewesen.

Als das US-Index-Flaggschiff am 20. September schnell auf die mittelfristig entscheidende, durch die wichtige 200-Tage-Linie verstärkte Unterstützungszone 33.270/33.475 Punkte zu rutschte, gelang es noch relativ schnell, die Kurve nach oben zu kriegen. Ein erster Versuch, den Dow Jones gleich am Folgetag wieder nach oben zu ziehen, scheiterte zwar. Aber am zweiten Tag hatte man Erfolg. Das war für grosse Adressen mit ihren Barreserven wohl problemlos zu schaffen, zumal man ja vorhatte, diese aufzufüllen, wenn die Rallye den Index an und über die letzten Hochs führen würde. Aber ab da begann die Sache unrund zu laufen.

Der Dow Jones stieg nur vier Tage lang und blieb weit unter den alten Hochs hängen. Und er blieb nicht im charttechnischen Nirgendwo hängen, sondern an Widerständen in Form der 20-Tage-Linie und der zuvor gebrochenen, mittelfristigen Aufwärtstrendzone. Ob da alle, die eigentlich „oben“ mit gutem Gewinn ihre Barreserven wieder auffüllen wollten, rechtzeitig herausgekommen sind, bevor es dann schnell wieder abwärts ging, ist fraglich. Und aktuell wird die Sache noch teurer, denn:

Dow Jones: Tages-Chart vom 05.10.2021, Kurs 34.314,67, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Nachdem der Versuch, den Dow Jones am vergangenen Freitag erneut von dieser so entscheidenden Zone 33.270/33.475 Punkte weg zu bekommen, am Montag umgehend auf erneute Verkäufe traf, mussten die Bullen am Dienstag gleich noch einmal ordentlich Geld in die Hand nehmen. Denn der Index sollte ja nicht nur erneut stabilisiert werden, sondern es musste gelingen, ihn nach oben in Marsch zu setzen, damit die Verkäufe nicht gleich von vorne losgehen. Und das, ohne Gelegenheit gehabt zu haben, die Barreserven nennenswert wieder aufzufüllen. Möglich, dass genug „fresh money“ der passiven Anleger geflossen ist, um das zu ermöglichen. Aber wie viel Reserve da noch ist, weiss niemand sicher.

Angenommen, es gelingt, den Dow Jones jetzt effektiv nach oben zu drehen, indem er an den Zwischenhochs der Vorwoche vorbeikommt (35.061 Punkte) und damit über dieser so wichtigen Auffangzone ein Doppeltief vollendet, wäre es nicht ausgeschlossen, dass man eine weitere Runde „blinder Bulle“ spielt und all die Damoklesschwerter, die über dem Markt hängen, erneut vom Tisch wischt. Solange es dann nicht zu neuen „bad news“ grösserer Tragweite käme, wäre dann kurzfristig nach oben nichts unmöglich.

Aber es könnte womöglich schon reichen, wenn Kaufwelle Nummer zwei, die am Dienstag losgetreten wurde, erneut zu früh durch massive Verkäufe ausgebremst wird, um diejenigen, die gestern so beherzt zugegriffen haben, den Wind aus den Segeln zu nehmen. Wenn die Cash-Reserven jetzt zu knapp sind und die Käufer vom Freitag und Dienstag fürchten müssen, dass ihr massiver Kapitaleinsatz vergeblich ist, werden sie die ersten sein, die blitzschnell die Reissleine ziehen und alleine dadurch passieren könnte, was sie selbst aktiv zu verhindern versuchten: Der Bruch der Zwischentiefs der letzten sechs Monate nebst 200-Tage-Linie. Und sollte das tatsächlich passieren, könnte es äusserst schnell ungemütlich werden.

Dow Jones: Wochen-Chart vom 05.10.2021, Kurs 34.314,67, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Unverändert redet die US-Notenbank, handelt aber nicht. Zwar avisierte „Fed“-Chef Powell, dass die Anleihekäufe bereits ab dem 3. November reduziert werden könnten. Aber es scheint, dass die kurzfristigen Trader selbst diese kurze Zeit noch nutzen wollen. Ein gefährliches Spiel.

Bereits im Vorfeld der „Fed“-Entscheidung kamen die Käufer zurück. Nachdem der US-Aktienmarkt eine Erholungsbewegung am Dienstag nicht halten konnte, wollten die Bullen diesmal den Rückenwind der US-Notenbank nutzen, um den Dow Jones aus der charttechnischen Gefahrenzone zu bekommen. Und obwohl sie richtig gewettet hatten, da die „Fed“ schon wieder zögerte, auch nur die Anleihekäufe zu reduzieren, ist diese Kaufwelle mit sehr heisser Nadel gestrickt.

Denn auch, wenn niemand wirklich sagen könnte, wie gross die Auswirkungen eines ersten Schritts der Notenbank sein würden, scheint es doch, als könnte auch nur ein bisschen mehr Luft für den US-Anleihemarkt zum Problem werden, weil dieser dann überhaupt mal wieder eine Rolle spielen könnte. Denn mit den inklusive der 40 Milliarden am Hypothekenmarkt monatlich 120 Milliarden US-Dollar, mit denen die „Fed“ den Bondmarkt förmlich leerkauft, ist ein derartiges Ungleichgewicht entstanden, dass die US-Banken erst am Dienstag für 1,24 Billionen (!) US-Dollar Geld bei der „Fed“ über Reverse Repo-Facilities geparkt haben.

Zugleich präsentierte die Notenbank sämtliche Voraussetzungen für erste Massnahmen. So wurde die 2021er-Inflationsprognose der Realität angepasst und liegt bei 4,2 Prozent, im Juni hatte man da noch 3,4 Prozent gesehen. Um nicht von Kritikern direkt an die Wand genagelt zu werden, blieb man dabei, die 2022er-Prognose dort hinzulegen, wo man keinen zwingenden Grund hätte, die Leitzinsen auch nur einen Tick anzuheben: bei 2,2 Prozent. Doch die erfahrenen Trader wissen ebenso wie die Volkswirte und Analysten: Niemand kann die Inflation korrekt prognostizieren (wie es sich ja gerade zeigt), auch die US-Notenbank nicht. Die Versuche, die Lage schönzureden, dürfte kaum jemand glauben.

Hinzu kam, dass Fed-Chef Powell in seiner Pressekonferenz betonte, dass es keines superstarken Arbeitsmarkts als Voraussetzung für erste Schritte bedürfe. Die „Fed“ ist also bereit … und trotzdem blieb der Dow Jones deutlich im Plus. Doch das Eis ist dünn, wenn man sich den Verlauf des gestrigen Handelstages ansieht, den wir hier in einem Intraday-Chart über zwei Tage auf 5-Minuten-Basis zeigen:

Dow Jones: Intraday-Chart vom 22.09.2021, Kurs 34.258,32 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Expertenmeinung: Als die Trader sahen, dass ihre Wette auf eine erneut untätige „Fed“ aufging, schoss der Dow Jones zwar erst einmal noch höher, doch dieser Anstieg wurde im Zuge von Powell Pressekonferenz abverkauft. Gegen deren Ende kam der nächste Rallye-Versuch … und auch der wurde zum Handelsende hin abverkauft. Nachdem die Bullen, wie der Intraday-Chart zeigt, am Dienstag klar scheiterten, blieb ihnen zwar trotzdem ein sattes Plus. Aber seit der Bekanntgabe der Entscheidung um 20 Uhr unserer Zeit konnte kein weiterer Boden gutgemacht werden.

Es wird deutlich, dass denen, die jetzt glauben, noch sechs Wochen Zeit zu haben, um nochmal so richtig auf Hausse zu traden, nicht wenige gegenüberstehen, die diese Versuche nutzen, um ihre eigenen Positionen zu reduzieren. Sollte es heute zu einer dritten Rallye kommen, z.B., weil in China in Sachen Evergrande keine neuen „bad news“ kommen, könnten die Verkäufer zwar trotzdem überrannt werden. Aber sich mit Blick auf diesen Intraday-Chart darauf zu verlassen, dürfte keine gute Idee sein. Zumal die Zone, deren Bruch die Bären in Marsch setzen würde, alles andere als weit entfernt ist … auch nach dem Plus des Mittwochs nicht.

Diese Zone sehen Sie im Chart auf Tagesbasis. Es ist der Bereich, der durch die Zwischentiefs vom Mai und Juni sowie durch die knapp darunter verlaufende 200-Tage-Linie definiert wird. Nachdem der Dow durch die Aufwärtstrendzone, die Ende Januar etabliert wurde, bereits deutlich durchgerutscht ist, müsste er sich zügig wieder über diesen doppelten Aufwärtstrend, zumindest aber über die in dessen Bereich verlaufende 50-Tage-Linie bei derzeit 35.000 Punkten retten, um wieder bullisch zu werden. Und allzu viel weiter wäre der Weg für die Short-Seller nicht, um einen Coup zu landen:

Dow Jones: Tages-Chart vom 22.09.2021, Kurs 34.258,32 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Die 200-Tage-Linie verläuft aktuell um 33.230 Punkte … eine Linie, die schnell erreicht sein könnte, sollte der Dow Jones heute erneut wackeln. Denn diejenigen, die derzeit überlegen, ob es nicht langsam opportun wäre, den Markt auf der Short-Seite „anzuschubsen“, konnten mit diesem hektischen Hin und Her nach der Notenbank-Entscheidung gut erkennen, wie gefährlich das Spiel der kurzfristigen, bullischen Trader ist. Und wer hoch pokert, ohne starke Karten in der Hand zu halten, ist leicht in Panik zu versetzen.

Die Chancen stehen gut, dass sich der Dow Jones nach oben absetzen und die bislang noch umkämpfte runde Marke von 35.000 Punkten deutlicher bezwingen kann. Allerdings läuft die Uhr gegen die Bullen … und es gibt einige Faktoren, die vorsichtig stimmen sollten.

Betrachtet man die Sache ausschliesslich durch ein bullisches Auge, passt alles. Der Dow Jones notiert im Bereich seines Rekordlevels und hat gerade erst einen scharfen Rücksetzer komplett wieder aufgeholt. Dass das US-Index-Flaggschiff im Bereich vorheriger Rekordhochs ein wenig „tändelt“, ist normal. Dabei werden die Verkaufsorders derjenigen abgearbeitet, die dem Braten nicht trauen und zu Bestkursen ihre Gewinne mitnehmen wollen. Solange die Verkaufsorders nicht auf einmal deutlich grösser werden und damit von der bullischen Seite nicht mehr aufgenommen werden können, stünden einem klaren Ausbruch über diese 35.000er-Marke bzw. den bisherigen Verlaufsrekord von 35.150 Punkten nichts im Wege.

Genauso könnte es in der Tat laufen. Aber sich dessen gar zu sicher zu sein, wäre riskant. Denn es gibt einige Aspekte, die einem perfekt bullischen Bild zuwiderlaufen. Und die sind alles andere als unwesentlich.

Expertenmeinung: Denn genau in den Momenten, in denen grosse bullische Adressen den Index normalerweise „anschieben“ würden, passiert nichts. Im Zuge der Terminbörsen-Abrechnung am 16. Juli kam am Abrechnungstag Druck auf, der sich am darauffolgenden Montag noch deutlich intensivierte, Dass dieser Abverkauf nur kurz währte und in der zu Jahresbeginn etablierten Aufwärtstrend-Zone abgefangen wurde (im Chart die hellgrüne Zone), ist zwar grundsätzlich positiv. Dass es überhaupt zu diesen Abgaben kam, ist es nicht. Denn es waren genau die Faktoren, die normalerweise negativ wirken würden, derzeit von vielen Marktteilnehmern aber ignoriert werden, die als Verkaufsargumente genannt wurden:

Das zusehends eisiger werdende Verhältnis zu China, die nicht bekämpfte Inflation, die ausufernde Verschuldung und der Eindruck, dass die Geldflut der US-Notenbank am Ziel vorbeifliesst, was sich am immensen Anstieg der Overnight Repos erkennen lässt. Nun war der Dow zwar umgehend wieder „oben“, aber bislang sieht man dadurch ja nur, dass die Defensive funktioniert. Die Offensive tut sich hingegen schwer. Immerhin ist das mittlerweile der zweite Anlauf, das Mai-Hoch zu überwinden. Und dieser Versuch läuft mittlerweile seit vier Tagen. Wird der Dow Jones da wirklich nur von „normalen“ Verkaufsorders aufgehalten?

Dow Jones: Chart vom 28.07.2021, Kurs 34.930,93 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Möglich ist es, sicher ist es nicht. Denn in den vergangenen Tagen wäre der ideale Moment für die Bullen gewesen, den Sack zuzumachen. Die Quartalsbilanzen fielen grossenteils gut aus (auch, wenn man da besser nicht die Analystenschätzungen als Massstab nehmen sollte, dazu kommt am kommenden Montag ein Beitrag von mir im LYNX Wochenausblick). Und die US-Notenbank unternahm gestern Abend erneut nicht das Geringste, um die Inflation einzudämmen, so dass man erst einmal nicht mit einer verschärften Geldpolitik rechnen muss. Dass diese Matchbälle nicht genutzt wurden, ist auffällig. Und das sehen nicht nur diejenigen, die auf den Ausbruch warten. Das sehen auch diejenigen, die sich fragen, ob man nicht doch besser langsam Gewinne mitnehmen sollte. So gesehen läuft die Uhr jetzt gegen die Bullen. Die sollten diesen Ausbruch nach oben spätestens am Freitagabend geschafft haben, sonst könnten ihnen die Käufer von der Fahne gehen!

Am Donnerstag sah es so aus, als würde die vergangene Handelswoche für die Bullen zur Pleite. Doch am Freitag stieg der Dow Jones massiv an. Statt einer Verlustwoche steht jetzt ein Schluss auf wochenhoch zu Buche. Das wirkt äusserst bullisch. Aber ist es das wirklich?

Wem es ideal in die Karten spielt, dass die Kurse steigen und Rücksetzer sofort aufgeholt werden, wird eher nicht auf den Gedanken kommen, dass dieses Kursverhalten der vergangenen Wochen einen genauen Blick verdient. Denn man bekommt ja, was man sich wünscht: einen Aufwärtstrend, der vor wem auch immer sorgsam aufrechterhalten wird. Seit April ist das beim Dow Jones zwar eher eine Seitwärtsbewegung. Aber eine mit der Chance, jederzeit nach oben auszubrechen. Dass der Dow am Freitag aus einer zunächst sehr wackligen Woche doch noch mit einem Plus herausging, bestätigt diese Erwartung. Und ja, er könnte in der Tat nach oben ausbrechen. Die Frage ist aber, ob das dann nachhaltig wäre.

Dow Jones: Wochen-Chart vom 09.07.2021, Kurs 34.870,16 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Sicher ist das deshalb nicht zu beantworten, weil die Motivation der Käufe des Freitags ebenso wie die des Mittwochs, als schon einmal ein schwacher Tag aufgekauft wurde, nicht definitiv feststellbar ist. Es könnte zwar sein, dass Investoren den kleinsten Rücksetzer bereits als ideale Einstiegschance sehen. Aber das wäre, nachdem man den Index zwei Wochen zuvor noch 1.000 Punkte billiger bekommen konnte, nicht unbedingt logisch. Dass seitens der Sparer zu Monatsbeginn frisch in Richtung Fonds und ETFs zugeflossenes Kapital so lange zurückgehalten wurde, auch nicht. Und weder am Mittwoch noch am Freitag gab es Nachrichten, die eine solche Aufwärtswende in gerade abrutschende Kurse hinein hätten auslösen müssen.

Der Gedanke, dass bullische, grosse Adressen die Gefahr einer Korrektur gezielt „weggekauft“ haben, ist daher zumindest zulässig. Das ist zwar nicht beweisbar, aber ungewöhnlich wäre es nicht. Und diese Möglichkeit hätte deswegen etwas für sich, weil damit zwei Effekte erzielt werden:

Zum einen bleiben kurzfristig bärische Signale aus, die Anschlussverkäufe auslösen könnten. Im Juni gelang es sogar, den knappen Ausbruch aus der Handelsspanne nach unten sofort am Folgetag zur Bärenfalle zu machen. Jetzt wirkt es, als würde man bereits Ansätze zur Wiederholung eines solchen Rücksetzers an das untere Ende der Range aktiv angehen. Solange die grossen Adressen nicht auf eine Korrektur eingestellt sind, weil sie zu grosse Long-Expositionen aufweisen, die der Markt von der Nachfrage her nicht aufnehmen könnte, so man sie denn loswerden wollte, ist das schnelle Aufkaufen schwacher Tage das übliche Gegenmittel.

Zum anderen werden unerfahrene Anleger dadurch sukzessiv „konditioniert“, indem der Eindruck entsteht, dass man bei schwachen Tagen nicht reagieren muss, weil der Dow Jones sowieso sofort wieder zulegt. Es wirkt zudem, als wären enge Stoppkurse ein Fehler, weil man ein ums andere Mal unglücklich ausgestoppt würde und dann teurer zurückkaufen muss. Und es wirkt, als wolle der Markt nach oben hinaus, so dass es klug wäre, bereits vor dem Überwinden eines Widerstands zu kaufen. Kurz: Dieses Kursverhalten verleitet wenig erfahrene Akteure dazu, gegen alle Regeln des Investierens zu verstossen.

Dow Jones: Tages-Chart vom 09.07.2021, Kurs 34.870,16 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Wenn man sich indes ansieht, dass neue Hochs leicht in die Falle führen können, so z.B. im Februar und im Mai, wo Ausbrüche nach oben, kaum dass sie vollzogen waren, wieder komplett eliminiert wurden, sollte man hinter dieses Signal, welches die Rallye des Freitags sendet, ein Fragezeichen setzen. Ohne neue Argumente und pünktlich zum Wochenschluss entstanden, ist dadurch auf Wochenbasis ein sogenannter „Hanging Man“ im Candlestick-Chart entstanden: Ein Doji mit langem, unteren Docht. Was nach einer Abwärtsbewegung als „Hammer“ oder „Dragonfly Doji“ bezeichnet wird und bullisch ist, ist am Ende einer Aufwärtsbewegung ein Warnsignal, weil es die Angst der Bullen vor einer Korrektur ausdrückt. Man sagt, dass, wer auf einen „Hanging Man“ hin kauft, sich auch gleich aufhängen kann. Ein ziemlich spröder Spruch, zumal keineswegs alle „Hanging Men“ zu einer bösen Überraschung führen, beim Nasdaq 100 haben wir davon in den letzten Monaten einige gesehen, ohne dass der Trend deswegen gebrochen wäre. Aber: Sich nicht zu sicher zu sein, dass der Weg des Dow Jones immer nur nach oben führt, ist angebracht. Sollte er aus der Handelsspanne nach oben ausbrechen (Schlusskurse über 35.092 Punkte) und schnell wieder in diese Range zurückfallen, wäre äusserste Vorsicht angebracht!