MDAX aktuell MDAX: Das Momentum kann zum Zünglein an der Waage werden

News: Aktuelle Analyse des MDAX Index

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Wäre durch die Erweiterung des DAX auf 40 Aktien ein Ruck durch Aktienmarkt gegangen, hätte sich das im MDAX niederschlagen müssen, denn bis kommenden Montag sind die zehn DAX-Neulinge ja noch dort notiert. Aber es tut sich nichts. Worauf warten die Bullen?

Der MDAX ist aktuell so spannend wie ein Glas Leitungswasser. Dabei hätte man wirklich darauf hoffen können, dass die Benennung der zehn zukünftigen DAX-Mitglieder irgendetwas wachrütteln würde. Sei es der Beginn von Gewinnmitnahmen bei diesen zehn Noch-MDAX-Schwergewichten durch all diejenigen, die seit Monaten in der Erwartung eines grossen Sprungs vorgekauft hatten, sobald die Kandidaten feststehen. Oder kräftige Käufe bei den verbleibenden 50 MDAX-Titeln, weil man bei MDAX-Fonds und –ETFs durch den Verkauf der zehn DAX-Aufsteiger frei werdendes Kapital auf die verbleibenden Aktien verteilen muss.

MDAX: Monats-Chart vom 10.09.2021, Kurs 36.092,12 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Aber nein, man wünscht sich ja glatt das seichte Aufwärts-Schleichen der vorangegangenen drei Monate zurück. Besser das als das Nichts, das wir jetzt sehen. Worauf warten die Käufer? Was braucht es, um wieder Dynamik in den MDAX zu bekommen?

The current price and chart of the MDAX as well as price information and all stocks in the index can be found here.

Expertenmeinung: So banal es klingt, die meisten warten darauf, dass irgendjemand anderes etwas tut, damit man eine Vorlage hat. Die Argumente, die den MDAX in den vergangenen Monaten von einem Rekordhoch zum nächsten getragen hatten, sind verbraucht. Daraufhin ist längst eingestiegen, wer einsteigen wollte. Und jetzt zeichnet sich ab, dass man mit seinem Optimismus zu Jahresbeginn womöglich zu hoch gegriffen hatte. Der „Flaschenhals“ bremst die Produktion in vielen Branchen, Corona ist immer noch ein Thema und die Verbraucher agieren nicht so beherzt, wie man sich das mit dem Ende des letzten Lockdowns noch vorgestellt hatte. Damit dürften viele, die im MDAX hoch investiert sind, auf gepackten Koffern sitzen. Aber es geht eben auch nicht nach unten, denn dem Ausstieg steht ein „aber“ entgegen.

Noch ist der Geldhahn weit offen. Noch kann man darauf hoffen, dass der Umstand, dass eine über kosmetische Aktionen hinaus weiter untätige EZB den Effekt hat, dass sukzessiv weiteres Kapital in den Aktienmarkt wandert, weil es an Alternativen fehlt. Also warten die meisten Akteure darauf, dass sich eine Richtung durchsetzt. Wenn zu viele so denken, kann man da natürlich lange warten. Aber eine derart schmale Seitwärts-Spanne, wie wir sie seit drei Wochen sehen, wird auf Dauer nicht durchgehalten. Denkbar wäre, dass der am Freitag anstehende Abrechnungstermin für Futures und Optionen den Index noch in dieser Spanne hält, sofern genug grosse Adressen am Terminmarkt das Ziel einer Abrechnung nahe Rekordniveau haben, zugleich aber genug Call-Optionen verkauft haben, um einen Ausbruch nach oben nicht zu wollen. Aber spätestens nach dieser Abrechnung am 17. September sollte hier wieder Bewegung in den Markt kommen.

Achten Sie dabei unbedingt auf das Momentum. Sollte die im August etablierte, kurzfristige Abwärtstendenz des Indikators auf Tagesbasis durchbrochen werden, wäre es möglich, dass der MDAX einen Anlauf an die obere Begrenzung des mittelfristigen Aufwärtstrendkanals nimmt, die derzeit immerhin Spielraum bis 37.000 Punkte bieten würde. Sollte das Momentum jedoch so deutlich in negatives Terrain abgleiten, dass das Zwischentief vom Juli unterschritten wird, ist hier etwas angebrannt, dann müsste man zumindest mit einem Test der im vergangenen Herbst etablierten Aufwärtstrendlinie bei aktuell 34.700 Punkten rechnen.

MDAX: Tages-Chart vom 10.09.2021, Kurs 36.092,12 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX
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Vorherige Analysen des MDAX Index

Vergleicht man die Rallye des MDAX seit März 2020 mit der Hausse, die im Frühjahr 2009 begann, nimmt sich der aktuelle Anstieg klein aus. Und die hohe Bewertung und die überkaufte Markttechnik? Sie können die Hausse zu Fall bringen, das muss aber nicht so kommen.

Das hätte leicht eine Toppbildung werden könnten, was sich da beim MDAX, dem „Index der zweiten Reihe“, zwischen Februar und Mai abgespielt hat. Irgendwie war die Luft raus, es ging volatil seitwärts, wichtige Unterstützungen hätten da leicht fallen und dadurch die zuvor so positive Stimmung kippen können. Aber dann bekam der MDAX ab Mitte Mai die zweite Luft. Und die hält bis heute vor. Bis auf einen kurzen Schwächeanfall Mitte Juni, der aber zügig wieder „repariert“ wurde, steigt der Index wie auf Schienen. Und wenn es nach denen geht, die hier hoch investiert sind, wird sich daran auch so schnell nichts ändern. Die Frage ist:

MDAX: Tages-Chart vom 17.08.2021, Kurs 35.732,96 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Geht es nach den Bullen? Was ist mit dem auch nach den jetzt für das zweite Quartal eingelaufenen Bilanzen noch relativ hohen Bewertungsniveau? Was ist mit all denen, die schon seit Monaten dabei sind und so hohe Gewinne eingefahren haben, dass ihnen Verkäufe leicht von der Hand gehen würden? Was ist mit den markttechnischen Indikatoren, die nicht nur auf Tagesbasis, sondern auf Wochen- und sogar auf Monatsbasis indizieren, dass der MDAX jetzt langsam heiss gelaufen ist? Muss sich das nicht über kurz oder lang auswirken?

Expertenmeinung: Das muss es und das wird es, aber offen ist nun einmal, ob es „über kurz“ oder „über lang“ sein wird. Denn überkaufte markttechnische Indikatoren können sich lange in diesen Überhitzungszonen halten, wenn nur das Momentum des Trends noch positiv ist – was derzeit der Fall wäre. Und ein hohes Bewertungsniveau pflegt die meisten Trader erst dann zu interessieren, wenn der entsprechende Index bereits ins Wanken geraten ist und zu kippen droht. Was noch nicht der Fall ist. Und die vielen, die jetzt ihren Gewinn mitnehmen könnten?

Denen stellt sich die Frage: Wenn man verkauft, wohin dann mit dem Geld? Liegen lassen und dann billiger einsteigen, sicher, das klingt nach einem guten Plan. Aber was, wenn es eben doch nicht weit nach unten geht, man womöglich sogar später zu höheren Kursen wieder einsteigen müsste, weil einem der Markt davongelaufen ist? Dass so mancher hoch investierte Anleger seit einiger Zeit grundsätzlich auf gepackten Koffern sitzt, mag zwar sein. Aber solange die Akteure nicht sehen, dass nicht mehr funktioniert, was sie zuletzt fast als normal ansahen, nämlich, dass Rücksetzer sofort aufgekauft werden und in erneute Rekordhochs münden, werden sie nicht abreisen.

MDAX: Monats-Chart vom 17.08.2021, Kurs 35.732,96 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Genau das wäre es, wonach man, wenn man hier dem Trend folgend Long ist, Ausschau halten sollte: Nach einem Bruch dieser „Tradition“, das schwache Tage sofort in erneute Käufe münden. Wenn ein Rücksetzer auf einmal nicht sofort „weggekauft“ wird, eine Gegenbewegung nach oben scheitert und umgehend in erneute Verkäufe mündet, ist etwas faul. Das charttechnisch in Zahlen zu pressen, ist kaum möglich. Aber spätestens, wenn die wichtige Auffangzone 33.150/33.800 fallen sollte, ist es Zeit, hier lieber nicht in fallende Kurse weiter zu kaufen, denn dann kann der MDAX blitzschnell zu einem fallenden Messer werden.

Der MDAX wird heute den neunten Monat in Folge einen Monats-Schlussrekord verbuchen. Blickt man auf die grosse Aufwärtswende 2009 zurück, stellt man fest: Damals ging es über zwei Jahre fast am Stück aufwärts. Doch die Rahmenbedingungen sind nicht die gleichen!

Charttechnisch passt alles, keine Frage. Der „Index der zweiten Reihe“ hat in den vergangenen sechs Wochen mehrfach kurze, scharfe Rücksetzer souverän wieder ausgebügelt und jeweils oberhalb der alten Rekordlevels vom Februar und April wieder nach oben gedreht, wodurch diese Zone 33.160/33.410 Punkte zu einer soliden Unterstützungszone wurde, die aktuell noch durch die Ende Oktober etablierte, mittelfristige Aufwärtstrendlinie verstärkt wird. Dass die markttechnischen Indikatoren ebenso auf Tages- wie auf Wochenbasis in der überkauften Zone rangieren, ist zwar richtig, aber der Blick auf den Chart macht klar: Da können sie sich, solange das Momentum des Trends hoch bleibt, ziemlich lange aufhalten. Allein deswegen jetzt sukzessive Positionen abzubauen, erscheint daher verfrüht.

Einen anderen Aspekt sollte man aber besser nicht ausser Acht lassen: die Bewertung. Man kann es drehen und wenden wie man will, der MDAX ist ungewöhnlich teuer. Auf Basis der für 2021 geschätzten Gewinne der 60 im Index gelisteten Unternehmen käme man derzeit auf ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von knapp 40. Das wäre nicht wirklich etwas, bei dem eine Augenbraue nach oben gehen müsste, wenn die Gemengelage der aus dem Jahr 2009 gleichen würde. Das tut sie aber nur bedingt.

MDAX: Monatschart vom 29.07.2021, Kurs 35.272,92 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Das Chartbild ähnelt der aktuellen Phase durchaus, wie Sie im langfristigen, logarithmisch skalierten Monatschart sehen können: Es ging massiv abwärts, dann kam es im März 2009 zu einer vergleichbar abrupten und dynamischen Aufwärtswende wie im März 2020. Und damals ging es über zwei Jahre ohne nennenswerte Korrekturen aufwärts: bis Juni 2011. Aber die Rahmenbedingungen sind nicht dieselben, denn:

Damals waren die Gewinne der Unternehmen wirklich massiv unter Druck geraten, immerhin ging es da über anderthalb Jahre mit der Konjunktur bergab. Die Basis war fast bei null. 2020 jedoch hat die Corona-Problematik insgesamt bei den Unternehmensgewinnen nur einen überschaubaren Schaden hinterlassen. Einige Unternehmen gingen dramatisch in die Knie, so z.B. die Lufthansa und Airbus. Andere hingegen wie HelloFresh oder Medizintechnik-Unternehmen wie Carl Zeiss und Sartorius konnten 2020 sogar steigende Gewinne verbuchen. Die „Gewinndelle“ ist also diesmal weit kleiner und die Bewertung über das Kurs/Gewinn-Verhältnis dadurch schon jetzt ungewöhnlich hoch. Und:

Die Erholung damals lief zwar auch auf dem Rücken „billigen Geldes“ seitens Regierungen und Notenbanken, wurde jedoch nicht von einem vergleichbaren Inflationsproblem begleitet. Damals stiegen die Preise zwar ebenfalls mit. Aber im Vorfeld der Eurokrise, die den MDAX dann 2011 wieder drückte, hatte die deutsche Inflation gerade einmal 2,6 Prozent erreicht. Da konnte die EZB relativ gelassen bleiben und den für die Aktien-Hausse so wichtigen Geldhahn offenlassen. Aktuell sieht das hingegen anders aus: Gestern kamen die Juli-Inflationsdaten für Deutschland mit +3,8 Prozent zum Vorjahresmonat und +0,5 Prozent zum Vormonat herein. Seit Dezember sehen wir hier jeden Monat deutlich anziehende Preise zum Vormonat.

Der MDAX wurde zwar, so wie die anderen grossen Indizes weltweit ebenfalls, durch eine grosse Zahl neu hinzugekommener Anleger massiv höher getragen. Aber der Zustrom neuer Anleger und frischen Geldes ist, vor allem, da die Löhne nicht parallel zu den Preisen steigen, endlich. Wann er endet, wann die hohe Bewertung den MDAX kippt und/oder wann die EZB klein beigeben und doch am Geldhahn drehen muss, lässt sich nicht vorhersagen. Aber klar wird dadurch:

Dass diese Hausse zu einer exakten Kopie der Phase zwischen März 2009 und Juni 2011 wird und demnach noch fast ein Jahr weitergeht, ist fraglich. Es wäre unbedingt zu überlegen, sich für den Fall des „Unerwarteten“ in Form einer Abwärtswende zu wappnen, indem man seine Positionen auf den Index knapp unterhalb der jetzt entscheidenden Unterstützungszone 33.160/33.410 Punkte mit Stoppkursen absichert. Denn die alten Hasen wissen: Das Unerwartete ist an der Börse quasi zu Hause!

MDAX: Tageschart vom 29.07.2021, Kurs 35.272,92 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

In den letzten Monaten läuft der MDAX so, wie man es von einem tadellosen Aufwärtstrend erwarten darf, ohne dabei aber so steil davonzuziehen, dass dies Gewinnmitnahmen provozieren würde. Das darf gerne so weitergehen, sagen die Bullen. Wird es das?

Das wird vor allem auf zwei Dinge ankommen. Zum einen müsste die „Trenddisziplin“ erhalten bleiben: Neue Hochs werden immer wieder korrigiert, dabei entstehen sukzessiv höhere Zwischentiefs, die dann erneut zu neuen Hochs führen. Und das, ohne dass man von einer Kaufpanik sprechen könnte, weil der MDAX moderat, in ruhigen Bahnen zulegt. Bleibt das so, würde das Risiko, dass die Long-Seite zu „zockerhaltig“ würde und dies einen Selloff provoziert, überschaubar bleiben.

Zum anderen muss auf den Tisch kommen, was die Käuferseite erwartet: überzeugende Quartalsbilanzen nebst ebenso tadellosen Ausblicken auf den Rest des Jahres. Da darf es nicht allzu viele Enttäuschungen geben. Denn schon die Reaktionen auf die Ergebnisse des ersten Quartals unterstreichen, dass die Erwartungshaltung sehr hoch ist.

MDAX: Tages-Chart vom 02.07.2021, Kurs 34.462,97 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Und „billig“ ist der MDAX durchaus nicht, obgleich das bullische Lager gerne darauf verweist, dass die Gewinndynamik hier bei vielen Unternehmen höher ist als bei den Blue Chips des DAX. Was zwar stimmt, aber das gilt eben in beide Richtungen. Wenn das Wachstum nicht so dynamisch läuft und vor allem weitergeht, wie das momentan eingepreist ist, kann der Fahrstuhl auch schnell nach unten sausen. Denn schaut man sich das durchschnittliche Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) des MDAX auf Basis der geschätzten 2021er-Gewinne an (die ja erst einmal eingefahren werden müssten), liegt dieses KGV bei sagenhaften 39,6. Und dabei wurden die acht Unternehmen, die derzeit gar keinen Gewinn erzielen, nicht mitgerechnet.

Momentan liest man in einigen Börsenmedien, dass die Nebenwerte Nachholpotenzial hätten, weil sie deutlich weniger gelaufen seien als der DAX. Das stimmt … aber nur, wenn man sich einen Startzeitpunkt aussucht, für den diese Berechnung passt, nämlich entweder das Zwischentief von Ende November oder den letzten Kurs 2020. Dann läge der MDAX in der Tat hinter der Performance des DAX zurück. Allerdings nur zwei Prozent. Und misst man von Corona Crash-Tief im März 2020, läge der MDAX vorne. Daraus abzuleiten, dass jetzt aber mal die Aktien der „zweiten Reihe“ dran seien, ist ein wenig verwegen. Wer ohnehin bullisch ist, dürfte bei solchen Aussagen nicht so genau hinter den Vorhang schauen, nur:

Das sollte man besser tun, denn angesichts der offenen Frage, wie ein nachlassendes Wachstumstempo, noch skeptische Verbraucher und eine nicht angegangene Inflation auf die Unternehmen wirken, ist es zumindest fraglich, ob man auch in drei oder sechs Monaten vom MDAX sagen kann, er sei „der, der immer steigt“.

MDAX: Wochen-Chart vom 02.07.2021, Kurs 34.462,97 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Sich gegen den Fall, dass zu grosse Erwartungen in Enttäuschung und Abgabedruck umschlagen, mit konsequenten Stoppkursen abzusichern, wäre unbedingt zu überlegen. Bei 32.750 Punkten verläuft die übergeordnete, im März 2020 etablierte Aufwärtstrendlinie. Würde sie fallen, wären auch die Zwischenhochs vom Februar und April unterboten und das Chartbild auf einmal kritisch, daher würde sich zur Absicherung ein Level knapp darunter anbieten.

Man kann komplexe Rechenmodelle erstellen, sich die Bewertungen der 60 MDAX-Aktien einzeln anschauen, sich nächtelang den Kopf zerbrechen. Aber eigentlich ist die Antwort, ob und wie lange man beim MDAX Long sein sollte, einfach: Die Charttechnik weist den Weg.

Ja, es ist schon richtig, dass die Bewertung des MDAX auf Basis des durchschnittlichen Kurs/Gewinn-Verhältnisses der 60 dort gelisteten Aktien ungewöhnlich hoch ist. Das ist ein Risiko, das man kennen muss. Aber aus einem Risiko wird nicht automatisch ein Verkaufssignal. Solange die Mehrheit der anderen Marktteilnehmer dieses Risiko entweder ignoriert oder sich diesem nicht einmal bewusst ist, spielt es erst einmal keine Rolle. Was aber eine Rolle spielt, ist der Trend. Und da passt eben noch alles.

Im langfristigen Chartbild auf Monatsbasis sehen wir, dass der „Index der zweiten Reihe“, wie man ihn auch nennt, nur im Herbst 2020 eine kurze Auszeit nahm, die Hausse seit dem Tief im März 2020 aber ansonsten eine unglaubliche Erfolgsgeschichte ist. Von diesem Tief bei 17.715 Punkten hatte sich der MDAX zuletzt im Kurs fast verdoppelt.

MDAX: Monats-Chart vom 21.06.2021, Kurs 34.198,71 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Und rechnet man vom Hoch am 20. Februar 2020 aus, bevor Corona alles durcheinandergewirbelt hatte, notierte der Index am Freitag, als das bisherige Rekord-Verlaufshoch von 34.389 Punkten markiert wurde, immerhin stattliche 16,8 Prozent höher.

Da ist viel Hoffnung im Markt, vielleicht auch eine zu grosse Preise Leichtsinn. Aber erst, wenn beides aus dem Markt entweicht, wäre es Zeit, das Geld auf der Long-Seite vom Tisch zu nehmen und aufs Konto zu packen bzw. auf die Short-Seite zu wechseln. Und noch scheinen die bullischen Akteure zahlreich und entschlossen genug zu sein, um den Index höher zu tragen. Sehen wir uns dazu den Chart auf Tagesbasis an:

MDAX: Tages-Chart vom 21.06.2021, Kurs 34.198,71 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Anfang des Monats hatte sich der MDAX aus seiner breiten, vier Monate währenden Seitwärtsrange nach oben abgesetzt. Dass der Freitag, ausgerechnet der Abrechnungstag an der Terminbörse, von einem Verlaufsrekord aus zu einem bärischen Intraday-Reversal mutierte, ist zwar grundsätzlich ein Warnsignal. Aber dass die Bullen schon bei der nächstgelegenen Supportlinie in Form der 20-Tage-Linie (im Chart auf Tagesbasis blau) wieder zugriffen, zeigt: Die Kaufbereitschaft ist noch ungebrochen. Wobei ohnehin erst dann etwas anbrennen würde, wenn der Index die obere Zone der vorherigen Seitwärtsspanne, den Bereich 33.159/33.411 Punkte, auf Schlusskursbasis nach unten durchbrechen würde. Damit haben wir hier tadellose Ankerpunkte, an denen man sich hinsichtlich der Frage, wann es an der Zeit wäre, sich von Long-Trades zu verabschieden, orientieren kann. Schlusskurse unter 33.159/33.411 Punkten wären eine Grundlage, sich von aggressiven Long-Trades zu verabschieden. Wer mittelfristig agiert, sollte aber auch einen erneuten Test der unteren Begrenzung dieser alten Seitwärts-Spanne hinnehmen können. Erst, wenn diese Zone zwischen 30.534 und 30.688 Punkten fallen würde, wäre wirklich Feuer unter dem Dach, zumal diese Zone aktuell durch die wichtige 200-Tage-Linie verstärkt wird. Darunter wären Short-Trades einen Gedanken wert … solange sich der MDAX darüber hält, nicht.

34.000 erreicht, 35.000 im Visier: Während der DAX sich etwas schwertut und der TecDAX nicht vorankommt, markiert der MDAX einen Rekord nach dem anderen. Und solange man die Bullen nicht nervös macht, wären die 35.000 durchaus bis nächsten Freitag erreichbar.

Dass der Faktor Inflation ein Risiko darstellt, könnte grundsätzlich jeder Marktteilnehmer wissen. Dass die Gefahr besteht, dass das Wachstum verflacht, bevor es nachhaltig werden könnte, weil in Brüssel nicht genug unternommen wurde, um die Eurozone nach den in Relation zu den USA weit umfassenderen Einschränkungen wieder stabil auf die Schiene zu stellen, ebenso. Immerhin lag das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone in den beiden letzten Quartalen jeweils im Minus, rein vom Lehrbuch her ist die Rezession also wieder da. Trotzdem steigt der MDAX bislang immer weiter, als stünde alles zum Besten. Wieso?

Zum einen liegt das daran, dass viele MDAX-Unternehmen imstande waren, sich vom Sog der Corona-Krise effektiv zu lösen. Und für viele dieser Unternehmen bleibt auch die Perspektive bullisch. Zum anderen ist der Anteil unerfahrener Anleger, die erst in den letzten zwölf Monaten erstmals am Aktienmarkt investiert haben und daher grossenteils nicht das Hintergrundwissen haben, um die Damoklesschwerter zu erkennen, die über dem Markt hängen, derzeit ungewöhnlich hoch. Und eine Gefahr, die man als solche nicht erkennt, ist keine. Zumindest zunächst nicht.

MDAX: Tages-Chart vom 08.06.2021, Kurs 33.782,97 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Wenn man sich vergegenwärtigt, dass das Auf und Ab des Index nur von der Relation bei Angebot und Nachfrage derer abhängt, die gerade aktiv handeln, wundert man sich über diesen Anstieg daher nicht. Wenn erfahrene und/oder grosse Investoren die Risiken zwar erkennen, aber einfach gut abgesichert dem Aufwärtstrend folgen und nicht aussteigen, während die weniger erfahrenen Marktteilnehmer weiter kaufen, mag die Zahl derer, die beunruhigt und skeptisch sind, zwar die der Unbesorgten übersteigen; da erstere Gruppe aber nichts tut, läuft die Hausse eben weiter. Was bedeutet:

Solange die Käufer nicht nervös werden, ist nach oben grundsätzlich nichts unmöglich. Was man dabei aber im Hinterkopf haben sollte ist: Es gibt so einiges, womit man diese Klientel nervös machen könnte, wenn man das denn „anschieben“ wollte.

Vom Faktor Inflation abgesehen ist der MDAX insgesamt bereits recht teuer bewertet: Wenn man die bisher wirklich eingelaufenen Gewinne rechnet und nicht irgendwelche Prognosen für 2022, kommt man auf ein „sportliches“ Kurs/Gewinn-Verhältnis von knapp 38. Und dabei sind die sieben MDAX-Unternehmen schon ganz herausgerechnet, die derzeit keine Gewinne erzielen. Und die Charts zeigen: Der MDAX ist aktuell nicht nur auf Tagesbasis (siehe oben) von der Markttechnik her ziemlich überkauft, sondern, was die in beiden Charts unten miteingeblendete Stochastik angeht, sogar auf Monatsbasis.

MDAX: Monats-Chart vom 08.06.2021, Kurs 33.782,97 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Würden bärische und zugleich grosse Akteure es wollen, gäbe es also so einiges, womit man die momentan noch unbesorgten Akteure zu Wackelkandidaten oder gar zu Verkäufern machen könnte. Denkbar ist, dass da bis zur grossen Abrechnung an der Terminbörse am Freitag nächster Woche noch Waffenruhe herrscht, sofern die jetzt anstehenden US-Inflationsdaten nicht zu bärisch ausfallen. Aber wie es danach aussieht, weiss man nicht. Ein sanftes Ruhekissen ist der MDAX jedenfalls nicht. Richtig ist: Long ist da derzeit alternativlos. Aber sich konsequent mit Stoppkursen, bei aggressiven Long-Trades vorzugsweise mit Stop Loss-Verkaufsorders, abzusichern, ebenfalls. Der Vorteil: Durch den zu Monatsbeginn vollzogenen Ausbruch aus der monatelangen, breiten Seitwärtsspanne nach oben ist die vormalige Widerstandszone 33.159/33.411 Punkte zu einer Unterstützung geworden, die in Kürze auch von der heute um 32.900 Punkte verlaufenden, zügig steigenden 20-Tage-Linie verstärkt wird. Sich knapp darunter gegen das Risiko eines abrupten Abverkaufs abzusichern, kann wirklich nicht schaden.