MDAX Prognose MDAX: Wieso läuft er so viel schlechter als der DAX?

News: Aktuelle Analyse des MDAX Index

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Der MDAX markierte sein bisheriges Rekordhoch am 2.9.2021. Heute notiert er fast 30 Prozent tiefer, während der DAX den damaligen Kurslevel längst deutlich überschritten hat. Eine solche Schere ist äusserst untypisch und wirft die Frage auf: Welcher Index spiegelt die Realität wider?

Gestern meldete das Statistische Bundesamt für das vierte Quartal ernüchternde Zahlen: Die deutsche Wirtschaftsleistung, gemessen als Bruttoinlandsprodukt (BIP), ging im vierten Quartal 2023 um 0,3 Prozent zurück. Für das Gesamtjahr beläuft sich die Veränderung des BIP auf -0,2 Prozent. Und das ifo-Institut sieht das deutsche BIP im laufenden Quartal erneut sinken, konkret erwartet man einen Rückgang um 0,3 Prozent. Und der IWF (Internationaler Währungsfonds) senkte die 2024er-Wachstumsprognose für Deutschland am Dienstag von 0,9 auf 0,6 Prozent, während die Erwartungen für China und die USA nach oben genommen wurden.

Die 50 Unternehmen im MDAX sind ein Querschnitt der deutschen Wirtschaft. Zwar sitzen die ganz grossen Konzerne im DAX, der MDAX hat dafür aber viele Zulieferer. Auch der Immobiliensektor ist stark vertreten, die Software, die Dienstleister. Vieles hängt von einem starken Export ab, der einer der Hauptprobleme in Bezug auf die Wachstumsschwäche darstellt, anderes von gut situierten Verbrauchern. Es ist also eigentlich nicht überraschend, dass der MDAX so schwach ist und momentan Gefahr läuft, ein neues „Bein“ im übergeordneten Abwärtstrend auszubilden. Aber wieso ist der DAX dann stärker, um nicht zu sagen das krasse Gegenteil, was die Performance angeht?

Den aktuellen Kurs und Chart des MDAX sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Expertenmeinung: Weil im DAX einige Unternehmen gelistet sind, bei denen viele auch internationale Investoren glauben, dass sie sich in schwierigen Zeiten nicht nur gegen kleinere Konkurrenten durchsetzen werden, sondern sogar wachsen könnten, beispielsweise SAP. Oder Unternehmen, die von Sondersituationen profitieren wie Rheinmetall. Und die beiden grossen Rückversicherer Münchener Rück und Hannover Rück, von denen man glaubt, die könne man im Zweifel immer kaufen. Hinzu kommt, dass die grossen internationalen Investoren bei der Ausrichtung des Kapitals, das sie in Deutschland investieren wollen, selten bis in die zweite Reihe der MDAX-Aktien vordringen, man kauft einfach den Blue Chip-Index und belasst es dabei.

MDAX: Tageschart vom 30.01.2024, Kurs 26.012,33 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
MDAX: Tageschart vom 30.01.2024, Kurs 26.012,33 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS

Dabei ist es, zumindest bislang, auch korrekt, dass die ganz Grossen mehrheitlich besser dastehen als die etwas kleineren Unternehmen des MDAX. Aber da man beim DAX massiv Optimismus eingepreist hat, beim MDAX aber nicht, sollte man eher nicht erwarten, dass sich die breite Schere zwischen DAX und MDAX schliesst, indem der MDAX auf einmal wie eine Rakete davon schiesst. In ihm steckt die für die deutsche Wirtschaft nun einmal graue Realität. Und nüchtern betrachtet könnte dieses Grau sogar noch ein wenig dunkler werden, bevor Licht am Ende des Tunnels auftaucht.

Beim MDAX gegen den Trend und somit à la hausse zu spekulieren, hat daher derzeit keine allzu gute Erfolgsperspektive, den unterbewertet ist er trotz dem Umstands, dass er knapp 29 Prozent unter seinem Rekordhoch notiert, nicht. Ein bullisches Signal wäre dann gegeben, wenn der Index nicht nur die nach einem nur kurzen Ausflug darüber Anfang Januar wieder unterbotene 200-Tage-Linie zurückerobert, sondern auch das Zwischenhoch vom Dezember bei 27.371 Punkten. Bevor das nicht gelungen ist, wären Long-Trades hier äusserst verwegen.

Und würde das Januar-Verlaufstief bei 25.076 Zählern unterboten, wäre diese Chance ohnehin erst einmal vom Tisch und ein Test des Ende Oktober markierten 2023er-Jahrestiefs bei 23.627 ein klares Ziel der hier weiterhin am Ruder stehenden Bären. Und die haben, eben weil der MDAX die Realität der deutschen Wirtschaft besser abbildet als der DAX, die Rahmenbedingungen im Rücken.

MDAX: Monatschart vom 30.01.2024, Kurs 26.012,33 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
MDAX: Monatschart vom 30.01.2024, Kurs 26.012,33 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS
Top Flop Aktien – Übersicht der Gewinner und Verlierer

Welche Aktien in den wichtigen Indizes sind in letzter Zeit am meisten gestiegen oder gefallen? Was sind die Top-Aktien 2024? Welche Aktien haben die beste Performance über die letzten 5 Jahre und welche Aktien sind stark gefallen? Hier finden Sie es heraus: DAX Top FlopMDAX Top FlopEuro Stoxx Top FlopDow Jones Top FlopNasdaq 100 Top Flop

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Vorherige Analysen des MDAX Index

Der MDAX war unter den grossen deutschen Aktienindizes der einzige, bei dem es in Sachen Hausse nicht recht laufen wollte. Daher war die Erleichterung gross, als er Mitte Dezember endlich über die 200-Tage-Linie stieg. Doch jetzt fiel er wieder darunter – und das mit Schwung.

Nachdem der „Index der zweiten Reihe“ die 200-Tage-Linie bezwang, war die Erwartung gross, dass der MDAX in Sachen Performance zu DAX und TecDAX aufschliessen würde. Dass das nicht passierte, sondern sich eine Seitwärtsbewegung etablierte, die nur knapp über diesem wichtigen gleitenden Durchschnitt der letzten 200 Börsentage blieb, war indes ein Warnsignal. Wer das ignorierte, dürfte jetzt unangenehm überrascht sein. Denn gleich am ersten Handelstag setzte der MDAX wieder auf die 200-Tage-Linie zurück, am zweiten, also gestern, durchbrach er sie signifikant.

MDAX Index: Tageschart vom 03.01.2024, Kurs 26.252,13 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
MDAX Index: Tageschart vom 03.01.2024, Kurs 26.252,13 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS

Dabei konnte man die Gewinner unter den 50 Titeln des Index an einer Hand abzählen. Und bei den Verlierern fanden sich alle Branchen: Medizintechnik, Logistik, Halbleiter, erneuerbare Energien, Chemie. Es scheint, als wäre die Zahl derer, die der Aufwärtsbewegung so lange zugesehen hatten, bis sie an Kraft verlor, um dann eigene Positionen abzubauen oder auf der Short-Seite aktiv zu werden, nicht gerade klein gewesen. Und damit verliert die unter den Bullen verbreitete, scheinbare Gewissheit, dass 2024 das Wachstum zurückkehren werde und damit der Weg für MDAX & Co. nach oben frei sei, gleich vom Start weg an Zugkraft. Die Frage ist: War das einfach nur ein Fehlstart, dem in Kürze wieder Käufe folgen … oder müsste man sich auf fortgesetzten Abgabedruck einstellen?

Expertenmeinung: Das kommt entscheidend darauf an, ob es dem bullischen Lager in ausreichender Grössenordnung gelingt, an der bislang weit verbreiteten, scheinbaren Gewissheit festzuhalten, dass die Inflation besiegt ist, die EZB die Zinsen schnell und weit senken wird und dies sehr bald zu einem markant anziehenden Konsum und steigenden Unternehmensgewinnen führen wird.

An diesem Konstrukt können die Fakten ebenso rütteln wie die Kurse an sich. Bezüglich der Fakten könnten die heute erwarteten Vorab-Daten zur deutschen Inflation im Dezember wegweisend werden, auch die US-Arbeitsmarktdaten morgen könnten die bullischen Trader entweder wankend machen oder in ihrem Optimismus bestätigen. Denn noch wäre nichts verloren, noch dürften zwei schwache Tage nicht ausreichen, um die Bullen in Bären zu verwandeln. Allerdings …

MDAX Index: Wochenchart vom 03.01.2024, Kurs 26.252,13 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
MDAX Index: Wochenchart vom 03.01.2024, Kurs 26.252,13 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS

… ist da auch noch die charttechnische Komponente. Dass es misslang, den MDAX über der 200-Tage-Linie zu halten und die Notierungen dann derart dynamisch unter diese Linie zurückfielen, ist ein markant bärisches Signal, dass er dadurch an der 2021 etablierten Abwärtstrendlinie abdrehte, auch. Und durch die stetige Aufwärtsbewegung seit Ende Oktober fehlt es an Korrektur-Zwischentiefs, die jetzt als potenzieller Support herhalten könnten, so dass das bärische Lager im Prinzip das 2023er-Tief bei 23.627 Punkten als Kursziel ansehen könnte. Die einzige, markantere Linie, an der Short-Seller Gewinne mitnehmen und Käufer zugreifen könnten, wäre das März-Tief bei 25.723 Zählern. Diese Linie müsste halten … wenn nicht, könnte aus dem Fehlstart ins neue Jahr ein echter Baisse-Impuls werden!

Während der DAX neue Rekorde erreichte, wären die Bullen beim MDAX froh gewesen, wenn der wenigstens das bisherige Jahreshoch erreicht hätte, denn alleine davon ist er noch weit entfernt. Hat der MDAX also Aufholpotenzial – oder ist im Gegenteil der DAX zu weit gelaufen?

Eines fällt auf, wenn man sich DAX und MDAX genauer ansieht: Wenn es alleine um die Rallye geht, die den Markt seit Ende Oktober nach oben treibt, sind die beiden Indizes nahezu gleich weit gestiegen. Was den MDAX so auf die hinteren Plätze gedrückt hat ist der Umstand, dass er im vorherigen Abwärtstrend deutlich weiter fiel als der DAX. Die Frage ist nur, ob das etwas an der Gefahr verändert, dass die immense Performance-Schere des Gesamtjahres (DAX um die 20, MDAX etwa 8 Prozent Anstieg) mehr Risiko für den DAX als Chance für den MDAX bedeutet. Und auch, wenn man solche Beurteilungen auch nach Abwägung der Fakten am Ende subjektiv trifft, müsste man doch urteilen: eher nicht. Grund:

Auch, wenn weniger erfahrene Anleger ebenso wie internationale Investoren ihren Fokus auf die Blue Chips legen und das dem DAX einen Vorteil bringt: Es wäre zumindest überraschend, wenn sich da nicht genug Akteure finden würden, die eine daraus ableitbare Unterbewertung der 50 MDAX-Titel erkennen und mit massiven Käufen ausnutzen würden. Zumal zwar auch der Dow Jones und der von Mega-Cap-Technologietiteln dominierte Nasdaq 100 neue Rekorde erreicht haben und der marktbreite S&P 500, der auch die Aktien der zweiten Reihe beinhaltet, noch nicht. Aber beim S&&P 500 fehlen noch gut ein Prozent, beim MDAX würden zum Rekordhoch vom Sommer 2021 bei 36.429 Punkten noch ganze 34 Prozent fehlen! Also?

Expertenmeinung: Also wäre der Rückschluss, dass der MDAX als weniger spannendes Ziel der derzeit massiv angestiegenen Risikobereitschaft eher ein realistisches Kursniveau ausweist als der DAX, zumindest nicht ganz von der Hand zu weisen. Immerhin wäre es doch überraschend, wenn die schiere Grösse der Marktkapitalisierung, die Unternehmen in den DAX befördert, zugleich bessere Chancen für den Unternehmensgewinn bedeuten würden, denn das eine hat mit dem anderen eben keineswegs zwingend etwas zu tun. Es wäre also wohl angebracht, in Sachen DAX und Long-Trades immer mit einem offenen Auge zu schlafen. Aber was ist mit dem MDAX selbst?

MDAX Index: Tageschart vom 19.12.2023, Kurs 27.156,95 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX

Dass es relativ gesehen seit seinem Rekordhoch zurückgeblieben ist, bietet zwar die Chance für eine Aufholjagd. Aber wenn er und nicht der DAX im mittel- und langfristigen Kontext korrekter dasteht, wäre der Spielraum nach oben begrenzt genug, um das nicht als zu sicher anzusehen und hier lieber öfter mal nach unten zu schauen, statt den Gipfel im Blick zu behalten und die drohenden Felsspalten aus den Augen zu lassen. Was hiesse:

Der Index hat jetzt genau dort leicht nach oben gedreht, wo es nötig war, um sich den Weg nach oben offen zu halten: Im Bereich der Kreuzunterstützung aus der 200-Tage-Linie und der horizontalen Unterstützungszone 26.815/26.970 Punkte. Dadurch bleibt auch die Chance, die übergeordnete Abwärtstrendlinie zu überwinden, die wir im Chart auf Wochenbasis sehen. Aber das müssten die Käufer umgehend nutzen. Denn würde die jetzt erst einmal verteidigte Kreuzunterstützung brechen, könnte das bereits ausreichen, damit sich die zuletzt in Deckung gebliebenen Bären umgehend wieder über den Index hermachen.

MDAX Index: Wochenchart vom 19.12.2023, Kurs 27.156,95 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX

Während der DAX gerade neue Rekordstände erreicht, wäre man beim MDAX froh, wenn man wenigstens über die 200-Tage-Linie hinauskäme. Und das Rekordhoch ist so weit entfernt, dass darüber kaum jemand nachdenkt. Wie wirkt dieser Nachzügler auf den Gesamtmarkt?

Es war im September 2021, als der MDAX, der sogenannte „Index der zweiten Reihe“, mit 36.429 Punkten seinen bisherigen Verlaufsrekord markierte. Derzeit notiert der Index fast 10.000 Punkte tiefer, während man beim DAX neue Allzeithochs feiert. Nimmt man sich beide Charts im direkten Vergleich seit dem MDAX-Rekord vom 2.9.2021 vor, ergibt sich folgendes Bild: MDAX – 26,6 Prozent, DAX + 5,1 Prozent. Das muss sich schon die Frage stellen: Wie ist das möglich?

Die 50 MDAX-Unternehmen agieren ja nicht in einem völlig anderen Wirtschaftsraum, exportieren nicht in andere Länder, unterliegen der gleichen Gesetzgebung und Besteuerung. Dass die 30 DAX-Unternehmen grösser sind und damit tendenziell besser imstande sind, zu Gunsten des eigenen Gewinns mit den Ellenbogen zu arbeiten, mag ja sein. Aber eine so extreme Schere ist dann doch äusserst ungewöhnlich. Und da drängt sich die Frage auf:

Expertenmeinung: Könnte der so stark zurückgebliebene MDAX den Sturmlauf der DAX-Bullen bremsen, eben weil diese grosse Schere die Sorge aufkommen lassen könnte, dass man beim DAX gerade ein wenig überzieht? Oder könnte es andersherum laufen, indem die Marktteilnehmer dem MDAX massives Nachholpotenzial zubilligen und ein schnell hinterher ziehender MDAX den DAX nur noch mehr befeuert?

MDAX: Tageschart vom 06.12.2023, Kurs 26.737,58 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
MDAX: Tageschart vom 06.12.2023, Kurs 26.737,58 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS

Die zweite Variante ist, wie alles an der Börse, zwar nicht unmöglich. Aber momentan wäre sie die weniger wahrscheinliche. Denn wäre es so, hätte er MDAX nicht schon längst durchstarten müssen? Warum sollte man warten, bis diese Schere über 30 Prozent gross ist, um dann auf einmal zu bemerken, dass der MDAX „billig“ ist … was er ohnehin nicht wäre, da sein Kurs/Gewinn-Verhältnis derzeit mit 17 in der Mitte der langjährigen Spanne liegt?

Wie der so relativ schwach daher kommende MDAX auf den Gesamtmarkt wirkt, ist vor allem Kopfsache, keine Frage. Ob jemand diese auffällige Schwäche als Bremsklotz oder Chance sieht, ist in erster Linie eine emotional/unbewusste Entscheidung. Aber man darf vermuten, dass der eingangs erwähnten 200-Tage-Linie dabei eine wichtige Rolle zukommt, denn:

In dem Augenblick, in dem es gelungen ist, diese momentan bei 26.948 Punkten verlaufende und mit den August-Tiefs einen Kreuzwiderstand bildende Linie zu überwinden, dürfte bei vielen vor allem das Empfinden der Chance, der Aufholjagd im Vordergrund stehen. Aber angenommen, der MDAX würde an oder sogar schon unterhalb dieser Linie mit Schwung nach unten abdrehen, dann könnte das auch die Akteure beim DAX unruhig werden lassen, weil dann die immens unterschiedliche Entwicklung dieser beiden Indizes noch deutlicher hervortritt. Was vor allem schwer wiegen würde, weil sie so unterschiedlich eben gar nicht sind. Achten Sie daher auf diese 200-Tage-Linie, sie könnte nicht nur für den MDAX, sondern für den Gesamtmarkt wichtig werden!

MDAX: Wochenchart vom 06.12.2023, Kurs 26.737,58 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
MDAX: Wochenchart vom 06.12.2023, Kurs 26.737,58 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS

Neuer Monat, neues Glück: August, September und Oktober liefen schlecht, aber kaum hatte der November begonnen, begann die Bullen-Stampede. Aber ab hier wird das Terrain für die Bullen schwieriger, jetzt erst wird sich zeigen, wie viel Kraft in der MDAX-Rallye steckt.

Die Bullen zeigen Steher-Qualitäten, wie man sieht. Die Bilanzen des dritten Quartals boten Licht und Schatten … aber mehr Schatten als üblich. Das hatten offenbar viele so nicht erwartet, aber da sich die Tiefschläge durch Vorab-Zahlen und Gewinnwarnungen über einen längeren Zeitraum verteilten und die Quartalsbilanzen jetzt auf dem Tisch liegen, passiert, was oft passiert, wenn die Hoffnung nicht unterzukriegen ist:

Die Käufer heben vorsichtig den Kopf, stellen fest, dass sie nicht alleine sind und legen los. Ob das klug ist oder nicht, spielt da eine höchst untergeordnete Rolle. Wenn die ersten anfangen zu kaufen, ziehen andere mit – die Hausse nährt die Hausse, heisst es nicht umsonst. Zumal die Käufer einen Vorteil haben:

Die nächsten Bilanzen sind mehrheitlich deutlich weiter entfernt als sonst, weil jetzt der Jahresabschluss ansteht. Da kommen Ende Januar nur wenige Zahlen, die Masse der Jahresabschlüsse nebst Ausblick auf 2024 wird erst im Februar, teilweise sogar erst im März kommen. Viel Zeit für Hoffnungsrallyes also, die nicht durch negative Fakten gestört werden. Auch ein Grund, warum die Aktienmärkte um die Jahreswende herum tendenziell gut laufen. Was indes oft, aber keineswegs immer so ist.

Die Frage, ob es diesmal ebenfalls gut laufen wird, der MDAX also erst einen kleinen Teil des Weges nach oben absolviert hat, könnte entscheidend davon abhängen, wann wie viele Investoren den nächsten Schritt denken. Den Schritt, mit dem sie erkennen, dass ein Rückgang der Inflationsraten und schwache Konjunkturdaten als Argument für die EZB, den Zins nicht mehr anzutasten, eventuell sogar erste Zinssenkungen anzudeuten, für Aktien nicht bullisch sind.

Denn wenn Verbraucher und Unternehmen sinkende Zinsen erwarten, ggf. sogar eine deflationäre Tendenz entsteht, warten sie logischerweise auf noch niedrigere Zinsen und Preise, bevor sie nicht zwingende Käufe und Investitionen tätigen. Sprich: Dann erst wird es für die Unternehmensgewinne als Leitstrahl des Aktienmarkts richtig eng. Zwar hätte die Käuferseite den Vorteil, dass Anleger die Zukunft zwar grundsätzlich gerne vorwegnehmen, aber nur, wenn sie davon ausgehen, dass sie positiv ist, aber:

Expertenmeinung: Wie viele Bären derzeit nur darauf warten, dass die Stampede der Bullen an Kraft verliert … man weiss es nicht. Das wird sich an den entsprechenden, charttechnischen Ankerpunkten weisen, an denen Gegenwehr des bärischen Lagers wahrscheinlich wäre. Um welche Bereiche geht es da? Der erste ist gerade erreicht:

Der Kreuzwiderstand aus der mittelfristigen Abwärtstrendlinie und einer Reihe unterer und oberer Wendepunkte seit September 2022 im Bereich 26.110/26.414 Punkte. Da ist der MDAX jetzt angekommen, bislang aber noch nicht durchgebrochen. Zugleich wurden jetzt um die 50 Prozent der vorherigen Abwärtsbewegung korrigiert, die reagibleren markttechnischen Indikatoren auf Tagesbasis nähern sich der überkauften Zone. Der Boden wird also langsam schwerer, jetzt müssen die Bullen zeigen, dass auch weiter mit ihnen zu rechnen ist.

MDAX: Tageschart vom 20.11.2023, Kurs 26.394,86 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
MDAX: Tageschart vom 20.11.2023, Kurs 26.394,86 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS

Gelingt es, diese Zone zu überwinden, wäre die nächste Station die 200-Tage-Linie bei aktuell 27.093 Punkten. Darüber stünde die Nackenlinien-Zone des Topps vom Jahresbeginn um 28.100/28.225 an, dann das Juli-Hoch bei 28.890 Zählern.

Aber auch, wenn der Index weiter Boden gutmacht und dadurch deutlich wird, dass die Bullen imstande sind, auch wichtige Hürden zu überwinden: Solange das Umfeld eine dauerhafte Aufwärtsbewegung nicht unterstützt, ist jeder kleine Sieg der Bullen einer auf Abruf. Wer mit der voran preschenden Herde mitläuft, sollte daher auf der Hut sein.

MDAX: Monatschart vom 20.11.2023, Kurs 26.394,86 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
MDAX: Monatschart vom 20.11.2023, Kurs 26.394,86 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS

Die Hoffnung, dass das vierte Quartal die Bullen zurück ins Spiel bringt, ist gross. Doch zumindest der erste Handelstag des Oktobers wurde beim MDAX ein Rohrkrepierer. Der Index startete stark, um dann aber stark nachzulassen. Muss man das schon als Fehlstart werten?

Der MDAX startete mit einer kleinen Aufwärts-Kurslücke in den neuen Börsenmonat, schaffte im Tageshoch ein Plus von knapp einem Prozent … aber dann blieb er am Freitags-Verlaufshoch hängen, rutschte ab und schloss 1,16 Prozent im Minus. Womit der MDAX nicht alleine stand: Quer durch Europa endete der erste Handelstag des statistisch gesehen meist positiv verlaufenden vierten Quartals im Minus. Ein böses Omen?

Noch ist es zu früh, um die Bullen abzuschreiben. Es ist in einem eher seit- bis abwärts laufenden Markt eher normal, dass die grossen Akteure das Terrain erst einmal sondieren, die Sache vorsichtig angehen und erst dann mit grossen Summen antreten, wenn sich abzeichnet, dass steigende Kurse wirklich durchsetzbar und tragfähig sind. Was indes eines voraussetzt:

Expertenmeinung: Dass jetzt genug Marktteilnehmer imstande und bereit sind, mit frischem Kapital aktiv zu werden, statt nur an der Seitenlinie stehend zu hoffen, dass andere den Index nach oben bewegen. Dass das gestern erst einmal nicht der Fall war, ist, wie gesagt, noch nicht wegweisend. Ein Warnsignal ist es jedoch allemal, denn:

Allzu viele gute Argumente, um jetzt auf Basis der Rahmenbedingungen einzusteigen, finden sich nicht. Wenngleich es bis zu den Quartalsbilanzen noch einige Wochen hin ist, mutmassen viele zu Recht, dass sich positive Überraschungen dort rarmachen werden. Die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen ist vom Tisch. Und auch die Chance, dass China oder die USA durchstarten und Umsatz und Gewinn bei den MDAX-Unternehmen mitziehen, ist aktuell nicht gerade überwältigend. Hinzu kommt die charttechnische Ausgangslage:

MDAX Index: Monatschart vom 02.10.2023, Kurs 25.773,43 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
MDAX Index: Monatschart vom 02.10.2023, Kurs 25.773,43 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS

Der MDAX ist durch den schwachen September zum zweiten Mal in diesem Jahr an der Widerstandszone 27.525 zu 29.438 Punkte gescheitert und hat dabei auch noch an der im Chart auf Monatsbasis abgebildeten 1.000-Tage-Linie abgedreht. Sollte die aktuell umkämpfte Unterstützung nicht halten, wäre das nächste charttechnische Ziel die steilere der beiden langfristigen Aufwärtstrendlinien bei 24.700 Punkten … wobei diese Linie derzeit in etwa auf einer Höhe mit dem Dezember-Verlaufstief 2022 liegt. Das ist eine Gemengelage, die das bärische Lager in eine vorteilhafte Position bringt. Zumal der gestrige Handelstag für die „Shorties“ durchaus schon ein erster Punktsieg war, wie wir im Chart auf Tagesbasis sehen.

MDAX Index: Tageschart vom 02.10.2023, Kurs 25.773,43 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
MDAX Index: Monatschart vom 02.10.2023, Kurs 25.773,43 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS

Es gelang zwar am vergangenen Freitag, das zuvor nur marginal unterbotene März-Tief (25.723 Punkte) zurückzuerobern, aber dabei kam man erst einmal nicht an der Widerstandszone bei 26.300/26.450 Punkten vorbei. Das hätte man am Montag „nachbessern“ können, aber das Gegenteil war der Fall und der MDAX scheiterte erneut an dieser Zone und ist dadurch bereits wieder in Schlagdistanz, um das März-Tief erneut zu brechen.

Wenn, müsste das bullische Lager also schnell und entschlossen handeln, um das Risiko zu bannen, dass der Start in den Oktober tatsächlich ein Fehlstart wird. Denn würde dieses März-Tief signifikant unterboten, würde es immens schwer, genügend „Kaufwillige“ zu finden, um das Ruder dann noch herumzureissen.