MDAX aktuell MDAX: Man darf die Bullen nur nicht nervös machen, dann …

News: Aktuelle Analyse des MDAX Index

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MDAX
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Zum MDAX

34.000 erreicht, 35.000 im Visier: Während der DAX sich etwas schwertut und der TecDAX nicht vorankommt, markiert der MDAX einen Rekord nach dem anderen. Und solange man die Bullen nicht nervös macht, wären die 35.000 durchaus bis nächsten Freitag erreichbar.

Dass der Faktor Inflation ein Risiko darstellt, könnte grundsätzlich jeder Marktteilnehmer wissen. Dass die Gefahr besteht, dass das Wachstum verflacht, bevor es nachhaltig werden könnte, weil in Brüssel nicht genug unternommen wurde, um die Eurozone nach den in Relation zu den USA weit umfassenderen Einschränkungen wieder stabil auf die Schiene zu stellen, ebenso. Immerhin lag das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone in den beiden letzten Quartalen jeweils im Minus, rein vom Lehrbuch her ist die Rezession also wieder da. Trotzdem steigt der MDAX bislang immer weiter, als stünde alles zum Besten. Wieso?

Zum einen liegt das daran, dass viele MDAX-Unternehmen imstande waren, sich vom Sog der Corona-Krise effektiv zu lösen. Und für viele dieser Unternehmen bleibt auch die Perspektive bullisch. Zum anderen ist der Anteil unerfahrener Anleger, die erst in den letzten zwölf Monaten erstmals am Aktienmarkt investiert haben und daher grossenteils nicht das Hintergrundwissen haben, um die Damoklesschwerter zu erkennen, die über dem Markt hängen, derzeit ungewöhnlich hoch. Und eine Gefahr, die man als solche nicht erkennt, ist keine. Zumindest zunächst nicht.

MDAX: Tages-Chart vom 08.06.2021, Kurs 33.782,97 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Wenn man sich vergegenwärtigt, dass das Auf und Ab des Index nur von der Relation bei Angebot und Nachfrage derer abhängt, die gerade aktiv handeln, wundert man sich über diesen Anstieg daher nicht. Wenn erfahrene und/oder grosse Investoren die Risiken zwar erkennen, aber einfach gut abgesichert dem Aufwärtstrend folgen und nicht aussteigen, während die weniger erfahrenen Marktteilnehmer weiter kaufen, mag die Zahl derer, die beunruhigt und skeptisch sind, zwar die der Unbesorgten übersteigen; da erstere Gruppe aber nichts tut, läuft die Hausse eben weiter. Was bedeutet:

Den aktuellen Kurs und Chart des MDAX sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Solange die Käufer nicht nervös werden, ist nach oben grundsätzlich nichts unmöglich. Was man dabei aber im Hinterkopf haben sollte ist: Es gibt so einiges, womit man diese Klientel nervös machen könnte, wenn man das denn „anschieben“ wollte.

Vom Faktor Inflation abgesehen ist der MDAX insgesamt bereits recht teuer bewertet: Wenn man die bisher wirklich eingelaufenen Gewinne rechnet und nicht irgendwelche Prognosen für 2022, kommt man auf ein „sportliches“ Kurs/Gewinn-Verhältnis von knapp 38. Und dabei sind die sieben MDAX-Unternehmen schon ganz herausgerechnet, die derzeit keine Gewinne erzielen. Und die Charts zeigen: Der MDAX ist aktuell nicht nur auf Tagesbasis (siehe oben) von der Markttechnik her ziemlich überkauft, sondern, was die in beiden Charts unten miteingeblendete Stochastik angeht, sogar auf Monatsbasis.

MDAX: Monats-Chart vom 08.06.2021, Kurs 33.782,97 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Würden bärische und zugleich grosse Akteure es wollen, gäbe es also so einiges, womit man die momentan noch unbesorgten Akteure zu Wackelkandidaten oder gar zu Verkäufern machen könnte. Denkbar ist, dass da bis zur grossen Abrechnung an der Terminbörse am Freitag nächster Woche noch Waffenruhe herrscht, sofern die jetzt anstehenden US-Inflationsdaten nicht zu bärisch ausfallen. Aber wie es danach aussieht, weiss man nicht. Ein sanftes Ruhekissen ist der MDAX jedenfalls nicht. Richtig ist: Long ist da derzeit alternativlos. Aber sich konsequent mit Stoppkursen, bei aggressiven Long-Trades vorzugsweise mit Stop Loss-Verkaufsorders, abzusichern, ebenfalls. Der Vorteil: Durch den zu Monatsbeginn vollzogenen Ausbruch aus der monatelangen, breiten Seitwärtsspanne nach oben ist die vormalige Widerstandszone 33.159/33.411 Punkte zu einer Unterstützung geworden, die in Kürze auch von der heute um 32.900 Punkte verlaufenden, zügig steigenden 20-Tage-Linie verstärkt wird. Sich knapp darunter gegen das Risiko eines abrupten Abverkaufs abzusichern, kann wirklich nicht schaden.

 

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Vorherige Analysen des MDAX Index

Ruhig kommt er daher, der MDAX. Und die unmittelbare Nähe zum bisherigen Verlaufshoch macht deutlich, dass er jederzeit nach oben ausbrechen könnte. Doch diese Ruhe ist trügerisch … und ausbrechen könnte er nach beiden Seiten.

Eine ganze Reihe an Quartalsbilanzen von MDAX-Unternehmen liegt, teilweise als vorläufige Ergebnisse, bereits vor. Und grossenteils waren diese Zahlen überzeugend, schlugen die Analysenerwartungen bisweilen sogar deutlich. Da könnte man mutmassen, dass der Ausbruch des momentan Wasser tretenden MDAX nur eine Frage der Zeit, aber letztlich vorprogrammiert ist. Doch da könnte man sich täuschen.

Denn es fällt auf, dass der Index selbst zwar relativ ruhig wirkt, innerhalb des Index mit seinen 60 Aktien aber durchaus einiges in Bewegung ist. Nur wechseln die Favoriten stetig, zugleich finden sich immer wieder einige schwache Titel, die verhindern, dass an einem Tag stark laufende Aktien imstande wären, den MDAX über das bisherige Rekordhoch zu tragen. Es gibt also sehr wohl eine gewisse Unruhe im Markt. Die Trader bleiben aktiv, nur haben ihre Aktionen momentan keine klare Struktur. Und das ist eine Warnung in Bezug auf die Erwartung, der „Index der zweiten Reihe“ müsste zwingend in Richtung neuer Rekorde davonziehen. Er kann, aber er muss nicht. Denn wenn sich bereits ein Bild abzeichnet, das hinter den Ergebnissen des ersten Quartals einen grünen Haken erlaubt und der MDAX trotzdem nicht in Fahrt kommt – wann dann?

Es wirkt, als wäre das Boot des bullischen Lagers bereits recht voll, als würde nicht mehr genug Kapital nachkommen, um neue Dynamik zu erzeugen. Der April geht heute zu Ende, wird damit mal wieder ein nennenswertes Plus ausgewiesen, nachdem die ersten drei Monate des Jahres zwar relativ viel Bewegung zeigten, wie wir im Chart auf Monatsbasis sehen, aber jeweils in etwa da endeten, wo sie begannen. Denkbar, dass ein starker Monat die Käufer wieder motiviert. Aber zu sicher sollte man sich, nicht zuletzt angesichts des Umstands, dass der MDAX auf Monatsbasis mittlerweile markttechnisch überkauft ist, nicht sein. Dass Vorsicht angebracht ist, wird auch im kurzfristigen Zeitfenster bestätigt:

MDAX: Monats-Chart vom 29.04.2021, Kurs 32.756,06 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Denn auch, wenn der Index am 19. April mit 33.411 Punkten das Rekordhoch des Februars überbot, dieses neue Hoch war nicht Basis eines neuen Rallye-Schubes, sondern wurde zur Bullenfalle, die Anschlusskäufe blieben aus. Das muss in einem erneuten Ausbruchsversuch nicht erneut passieren, aber wenn, sollte man gewappnet sein.

Der Chart auf Tagesbasis zeigt, dass wie so oft die 20-Tage-Linie den Leitstrahl der Bullen stellt. Dieser gleitende Durchschnitt wurde in der vergangenen Woche getestet und gestern erneut … einen Stop Loss Long knapp unter das Zwischentief der Vorwoche, d.h. des Tiefs beim ersten Test der Linie (32.234 Punkte) zu legen, wäre zumindest für aggressive Long-Trades daher zu überlegen.

MDAX: Tages-Chart vom 29.04.2021, Kurs 32.756,06 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Denn sollte die 20-Tage-Linie einem erneuten Test nicht standhalten, wäre es keine grosse Überraschung, wenn der MDAX die untere Begrenzung seiner seit drei Monaten geltenden Seitwärts-Range im Bereich 30.500730.700 Punkten anlaufen würde.

Oft reicht der Arm der Terminbörse nicht bis zu Indizes wie dem MDAX. Aber diesmal war der Einfluss der am Freitag absolvierten Terminmarkt-Abrechnung deutlich zu spüren. Jetzt werden die Karten neu gemischt: Wer bekommt die besseren?

Den meisten Investoren ist klar, dass die Hausse der Aktienmärkte eine mächtige Hypothek auf das bislang noch ausbleibende Durchstarten des Wachstums bedeutet. Aber nachdem man bereits so lange und eisern auf die Wende der Rahmenbedingungen gesetzt hat, bräuchte es schon neuer, negativer Argumente, um die Trader von ihrem bisherigen Kurs abzubringen.

Dabei spielen erneute Lockdowns oder neue Enttäuschungen beim Impf-Fortschritt eine weit geringere Rolle als die jetzt sukzessiv einlaufenden Unternehmensbilanzen und ggf. angepasste Ausblicke auf das Gesamtjahr. Denn natürlich wissen die Anleger, dass die Gesamtwirtschaft und die Entwicklung der einzelnen Unternehmen sehr unterschiedlich laufen können. Was vor allem auf zwei Faktoren basiert:

MDAX: Tages-Chart vom 16.04.2021, Kurs 33.263,21 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Zum einen sind viele der 60 im MDAX gelisteten Unternehmen sogenannte „Export-Weltmeister“, da ist es nicht unbedingt entscheidend, ob Deutschland gerade in Sachen Wachstumsdynamik innerhalb der Eurozone durchgereicht wird, wenn andere Regionen in Europa, Asien und die USA wieder in Fahrt kommen und diese Unternehmen einen starken Exportanteil in diese Regionen haben.

Zum anderen kommt es darauf an, wie schnell und effektiv sich die Unternehmen auf die komplexen Herausforderungen des Corona-Jahres 2020 eingestellt hatten und wie nachhaltig Restrukturierungen, Rationalisierungen und Investitionen wirken. So manches MDAX-Unternehmen hat da ganze Arbeit geleistet, so dass in der Tat die Chance besteht, dass viele MDAX-Aktien weiter bullische Perspektiven haben. Vorausgesetzt, die jetzt anstehenden Bilanzen bestätigen das.

Damit kommt den kommenden zwei bis drei Wochen besondere Bedeutung zu. Klar ist, bei einem Index auf Rekordhoch, dass in den Kursen ein „Best Case“-Szenario steckt, was bedeutet, dass selbst ein „wie erwartet“ bei zu vielen Bilanzen ausreichen kann, um eine Korrektur auszulösen. Hinzu kommt, dass man mit Händen greifen konnte, dass der Run des Index an und leicht über das vorherige, im Februar bei 33.159 Punkten markierte Rekordhoch zu grossen Teilen auf die Aktivitäten grosser Akteure am Terminmarkt mit Blick auf die am Freitag absolvierte Abrechnung der April-Optionen zurückging. Was bedeutet:

MDAX: Monats-Chart vom 16.04.2021, Kurs 33.263,21 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Die derzeit einlaufenden Vorab-Meldungen der Unternehmen zum ersten Quartal müssen die Marktteilnehmer motivieren, am Ball zu bleiben, idealerweise zuzukaufen, um zu verhindern, dass das neue Verlaufshoch, welches der MDAX am Freitag markierte, zur Bullenfalle wird. Allerdings sind die bislang eingelaufenen Vorab-Meldungen in der Tat vielversprechend: Gerade bei Publikumslieblingen wie z.B. Shop Apotheke, HelloFresh oder Sartorius gab es in den letzten Tagen und Wochen gute Nachrichten. Die Chance, dass das bullische Lager ab Montag, wenn das Thema Terminmarkt-Abrechnung vom Tisch ist und die Karten neu gemischt werden, erneut ein gutes Blatt in Händen hält, ist also da. Aber da unstrittig ist, dass man da hoch pokert, sollte in jedem Fall mit konsequenten Stoppkursen auf der Long-Seite agiert werden. Aktuell wäre die heute bei 32.230 Punkten ankommende 20-Tage-Linie eine sinnvolle Orientierung. Sobald es dem MDAX gelingen sollte, sich mindestens um ein Prozent über das Februar-Hoch von 33.159 Zählern nach oben abzusetzen, wäre es zu überlegen, den Stop Loss knapp unter dieses alte Hoch nachzuziehen.

Zwischen Anfang November und Mitte Februar haussierte der MDAX um sagenhafte 30 Prozent. Seither ist der Wurm drin, vor allem die bisherigen Publikumslieblinge sind massiv unter Druck geraten. Doch langsam nähert sich der Index wichtigen charttechnischen Unterstützungen. Ist das Gröbste bereits überstanden?

Nach einem ersten Korrekturimpuls pendelte der MDAX knapp zwei Wochen hektisch in der Spanne zwischen 31.000 und 32.000 Punkten. Am Freitag wurde diese Handelsspanne, die zuvor dreimal gehalten wurde, dann doch nach unten durchbrochen. Grundsätzlich ein markant bärisches Signal, das keine unmittelbare Wende erwarten liesse. Zumal der RSI-Indikator auf Tagesbasis, der durch seine negativen Divergenzen das Ungemach im Vorfeld angedeutet hatte, noch nicht in den überverkauften Bereich vorgedrungen ist, von dem aus eine Stabilisierung zu erwarten wäre. Und auf Wochenbasis hat der Trendfolgeindikator MACD erst jetzt, mit dem Minus der vergangenen Handelswoche, ein neues Short-Signal generiert. Also keine Chance auf ein baldiges Ende der Abwärtsbewegung?

Nordex Aktie: Chart vom 05.03.2021, Kurs 19,47 Euro, Kürzel NDX1 | Online Broker LYNX

Doch, eine Chance wäre durchaus da. Die Charts zeigen drei potenzielle Unterstützungslinien, auf deren Höhe der MDAX drehen könnte. Der ersten möglichen Wendemarke ist der Index bereits recht nahe gekommen, das ist das Monats-Verlaufstief des Januars bei 30.534 Punkten. Darunter wäre die mittelfristige, allerdings bislang nur durch zwei Punkte definierte und damit unbestätigte mittelfristige Aufwärtstrendlinie bei aktuell 30.000 Punkten, die Sie im Chart auf Wochenbasis sehen, eine denkbare Wendemarke. Und sollte es dort hindurchgehen, könnten sich die Bullen auf Höhe des „Prä Corona“-Hochs vom Februar 2020 bei 29.438 Zählern zeigen.

Kann man sich darauf verlassen, dass eine dieser Unterstützungen halten wird? Das sollte man nie tun, weil die Entscheidung, bei einer dieser Marken wieder zuzugreifen und den Bären damit den Schneid abzukaufen, immer eine Entscheidung aus dem Moment heraus ist. Es kommt auf die Gesamtsituation an den Märkten an, ob die bullischen Trader an einer potenziellen Wendemarke aktiv werden oder sicherheitshalber wegbleiben, bis das Umfeld bessere Chancen bietet. Oft erlebt man, dass ein ungünstiges Umfeld dazu führt, dass viele Trader, die sich vorgenommen haben, auf Höhe einer bestimmten Unterstützung Long zu gehen, diese Orders im letzten Moment streichen und die Kurse weiter durchgereicht werden.

Ein Vorteil wäre, dass diejenigen MDAX-Aktien, die in den Wochen vor Korrekturbeginn besonders stark gelaufen waren, jetzt bereits kräftige Korrekturen absolviert haben. Wenn die Abgaben dort aufhören, kann das für die Bullen Signalwirkung haben. Aber es wäre dennoch nicht empfehlenswert, in der Hoffnung, direkt am Tief einzusteigen, in das bislang noch fallende Messer zu greifen. Der bessere Weg wäre, den Beleg abzuwarten, dass das bullische Lager wieder in der Offensive ist. Dafür ist die Verteidigung von Unterstützungen zwar ein Hinweis, aber deutlich günstiger stellt man sich, wenn man abwartet, ob die Käufer auch stark genug sind, um Widerstände zu bezwingen. Denn erst dort trifft man gemeinhin auf verstärkte Gegenwehr der Bären.

Aktuell ist der MDAX noch zu knapp aus der Spanne 31.000/32.000 Punkte herausgelaufen, um deren untere Begrenzung als Ankerpunkt für einen zurückeroberten Widerstand anzusehen. Noch wäre die Zone um 32.000 Punkte der Lackmustest für eine potenzielle Aufwärtswende, zumal diese Linie jetzt durch die 20-Tage-Linie verstärkt wird, die in Abwärtsbewegungen meist aktiv von bärischen Tradern verteidigt wird. Im Fall eines erfolgreichen Tests der nächsten Auffanglinie bei 30.534 Punkten würde dann die Linie von 31.000 Punkten als Trigger „nachrücken“: Die 30.534 würde wiederum der Ankerpunkt werden, wenn der MDAX die mittelfristige Aufwärtstrendlinie bei 30.000 Punkten testen und verteidigen würde und so weiter. Eine solche Trading-Disziplin aufzubringen, fällt meist nicht leicht. Aber angesichts der derzeit zahlreichen und abrupten Richtungswechsel der grossen Aktienindizes könnte man ohne ein solch vorsichtiges Vorgehen äusserst heftig auf dem falschen Fuss erwischt werden.

Volkswagen Vz-Aktie: Chart vom 05.03.2021, Kurs 193,48 Euro, Kürzel VOW3 | Online Broker LYNX

Da war ein Hauch von Panik zu spüren, als der MDAX am Vormittag kurzzeitig an der 31.000 Punkte-Marke kratzte und damit über drei Prozent gegenüber dem Vortages-Closing verlor. Zum Handelsende wurde zwar einiges von den Verlusten wieder aufgeholt. Aber aus dem Schneider sind die Bullen damit nicht – das Gespenst einer grossen Korrektur hängt im Raum.

Was vielen dabei besonders zu schaffen machen dürfte ist, dass es keinen unmittelbaren, zwingenden Grund für diesen steigenden Abgabedruck gibt, den man mit einem „ja, aber“ niederreden könnte. Es ist einfach die „Schwerkraft“, die jetzt auf die Kurse einwirkt.

MDAX: Tages-Chart vom 23.02.2021, Kurs 31.643,84 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Viele Aktien im MDAX sind seit Anfang November ungewöhnlich weit gestiegen und haben dabei markant wachsende Unternehmensgewinne vorweggenommen. Jetzt laufen erste Perspektiven der Unternehmen für 2021 ein, die deutlich verhaltener sind als das, was viele Anleger und Analysten sich zuvor vorgestellt hatten. Und das drückt, je mehr von solchen defensiven Prognosen einlaufen, eben nicht mehr nur die Aktien der betroffenen Unternehmen selbst. Man erkennt, dass man den Bogen überspannt hat und verkauft auch dort, wo solche subjektiv als „bad news“ gesehenen Prognosen nicht oder noch nicht auftauchen.

Es läuft also, was die Entwicklung der Wirtschaft angeht, nichts schief. Dass die Rückkehr zum Wachstum nicht rasant vonstattengeht, dass dieser Weg ein steiniger sein würde, hätte sich jeder ausrechnen können. Nur wollten das viele nicht sehen, weil diese Rallye sie glauben liess, dass die Kurse auch dann einfach weiter steigen, wenn die Realität nicht hinterherkommt. Das funktioniert zwar – und oft auch lange – aber nie ewig. Jetzt ist offenbar in den Köpfen vieler Akteure ein Punkt erreicht, wo man nicht nur weiss, dass der Bogen eigentlich überspannt war, sondern zugleich realisiert, dass er zu brechen droht. Und da gilt nun einmal die Plattitüde: Wer zuerst verkauft, bekommt noch die besten Kurse.

Gesetzt den Fall, die Verkäufe würden unmittelbar weitergehen, wäre daher ein Test der 200-Tage-Linie, die sich im Sommer und Herbst 2020 dreimal als entscheidende Unterstützung bewährt hatte, eigentlich ganz normal. Dass der MDAX sich seit Anfang November untypisch weit von diesem gleitenden Durchschnitt entfernt hatte, ist dafür kein Hinderungsgrund. Immerhin würde ein Test dieser aktuell bei 28.130 Punkten verlaufenden Linie trotzdem nur etwa ein Drittel der Super-Hausse zwischen Ende März 2020 und Anfang Februar korrigieren. Zudem finden sich dort die markanten Zwischenhochs vom September und Oktober und bilden mit der 200-Tage-Linie eine Kreuzunterstützung, die sich ohne Zweifel so mancher potenzielle Short-Trader als mögliches Ziel ausgeguckt hat. Aber: Noch ist das nur ein denkbares, nicht aber das wahrscheinlichste Szenario. Dass der MDAX am Dienstag einiges seiner Verluste hat aufholen können zeigt, dass die Käuferseite bislang aktive und effektive Gegenwehr leistet. Die negative Divergenz des im Chart auf Tagesbasis mit eingeblendeten RSI-Indikators und der überkaufte Level des Stochastik-Oszillators auf Monatsbasis zeigt zwar, dass der Index heiss gelaufen und angeschlagen ist. Aber er ist auch relativ gut unterstützt. Erst, wenn die gestern zum Handelsende verteidigte kurzfristige Aufwärtstrendlinie klar fiele, indem der Index unter dem Dienstags-Verlaufstief von 31.017 Punkten schliesst, würde die Lage kritisch. Dann läge als markantere Auffanglinie nur noch das „alte“ Rekordhoch vom Februar 2020 bei 29.438 Zählern zwischen dem Index und einem solchen Test der Zone um 28.000 Punkte. Dann, unter 31.017 Punkten, würde aus einen solchen „Worst Case“ eben doch ein Szenario, mit dem zu rechnen wäre.

MDAX: Monats-Chart vom 23.02.2021, Kurs 31.643,84 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Der MDAX-Kurs hat den DAX seit den Tiefs vom März 2020 klar geschlagen und liegt in der Performance seither etwa zehn Prozent vorne. Aber dieser „Index der zweiten Reihe“ ist knifflig zu traden. Wie kommt man einem solchen „Biest“, das zu dynamische, weitreichende Trends aufweist, um es links liegen zu lassen, bei?

Die Ursache dieser „Unschärfe“ ist schnell gefunden: Der Index beinhaltet 60 und damit doppelt so viele Aktien wie der DAX, die teilweise recht markteng sind und daher nicht so „fliessen“ wie umsatzstarke Aktien. Hinzu kommt, dass hier der Umsatz im Derivatebereich weit niedriger ist als beim international als Flaggschiff dienenden DAX. Dieses Fehlen einer starken, zweiten Ebene als glättendes Element macht sich ebenfalls bemerkbar.

Grundsätzlich stützt man sich als Trader auf Trendlinien, auf horizontale Unterstützungen und Widerstände, auf gleitende Durchschnitte, Candlestick-Formationen und nicht zuletzt auf markttechnische Indikatoren. All diese Tools bieten Hinweise auf potenzielle Ein- und Ausstiegspunkte, egal, ob auf der Long- oder der Short-Seite. Was aber nur funktioniert, wenn sich auch genug andere Akteure an solchen Punkten orientieren. Bei einem Index wie dem MDAX, bei dem das Gros der Aktivität auf die 60 Einzelwerte und weniger auf den Index an sich ausgerichtet ist, ist das selten der Fall.

Sich hier auf fundamentale Analysen zu fokussieren, den Index insgesamt als günstig oder teuer einzuordnen und das als Entscheidungsbasis zu nehmen, bringt ebenso wenig. Denn auch hier gilt: Wenn es zu wenig andere Akteure interessiert, ob eine Aktie im MDAX eigentlich zu teuer oder zum Niederknien unterbewertet wäre, kommt man damit nicht weit, erst recht nicht, wenn man da 60 ganz unterschiedliche Aktien in einem Topf vereinen müsste. Und würde man sich den MDAX auf kurzfristigeren Zeitrastern als der hier gezeigten Tages- und Wochenbasis ansehen, würde man ebenfalls erkennen: Das sieht höchst unkoordiniert aus, da tradet es sich auch auf Stundenbasis schlecht. Also, was tun?

Ich würde bei solchen schwierigen, aber eben zugleich auch spannenden Problem-Indizes nach den Ankerpunkten suchen, die eben doch auffallend oft beachtet werden. Denn das dürfte dann vorerst auch so bleiben. Kurz: Man sollte nach dem suchen, was funktioniert und nicht auf etwas als Entscheidungsgrundlage bestehen, was funktionieren sollte, es aber nicht tut. Konkret:

Die 20-Tage-Linie ist zwar momentan eindeutig der Leitstrahl des seit November laufenden Rallye-Schubes, aber nach zwei erfolgreichen Tests der Linie kam es Ende Januar zu einer Bärenfalle. Will man diese Linie als Basis für einen Stopp Long beibehalten, wäre daher ein recht breiter Sicherheitspuffer von zwei Prozent auf Schlusskursbasis oder von drei Prozent im Fall einer Stop Loss-Verkaufsorder ratsam. Aber zwei weitere klassische Ankerpunkte haben sich hier in jedem Fall bewährt:

Zum einen das alte Rekordhoch vom Februar 2020 bei 29.438 Punkten, denn der Rücksetzer unmittelbar vor Weihnachten wurde genau dort gedreht. Das war kein Zufall … und damit werden sich viele Akteure diese Marke als wichtige Entscheidungsmarke notiert haben. Zum anderen die gute, alte 200-Tage-Linie. Sie sehen im Chart auf Wochenbasis, dass dieser wichtige gleitende Durchschnitt (dort als hellblaue Linie) seit Jahren immer wieder als Unterstützung funktioniert hat. Aber Sie sehen natürlich auch:

Tagesschart vom 06.02.2021, Kurs 32.256,89 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Letztere zwei „bewährte“ Orientierungspunkte liegen nicht gerade um die Ecke, der MDAX hat sich von beiden Marken weit entfernt. Aber ich denke, deswegen doch wieder auf nicht Bewährtes zurückzugreifen, um schneller Signale zum Long-Ausstieg oder für einen spekulativen Short-Trade zu erhalten, bringt eher Verdruss. In Fall des „Biest“ MDAX würde ich daher eher eine gezielt mittelfristige Ebene vorziehen und ein wenig Feinsteuerung über Gewinnmitnahmen und Zukäufe nach Rücksetzern versuchen. Wer es mit seinem Trading eiliger hätte, hätte dafür ja immer noch den DAX …

Monatschart vom 06.02.2021, Kurs 32.256,89 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX