MDAX Prognose MDAX: Ein Konter wäre noch möglich … aber wer traut sich das?

News: Aktuelle Analyse des MDAX Index

von |
In diesem Artikel

MDAX
ISIN: DE0008467416
|
Ticker: MDAX --- %

---
---% (1D)
1 W ---
1 M ---
1 J ---
Zur MDAX
Lassen Sie sich den Artikel vorlesen:

Der DAX verlor am Donnerstag heftig, der MDAX indes heftiger. Mit -2,61 Prozent durchschlug der „Index der zweiten Reihe“ gleich zwei wichtige Supportlinien. Noch könnten die Bullen zwar kontern. Aber diesen charttechnischen Flurschaden zu reparieren, käme teuer.

Der langfristige Chart auf Monatsbasis zeigt: Mit dem gestrigen Minus steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der MDAX den siebten Monat in Folge vergebens gegen die Widerstandszone 27.525/29.438 Punkte anrennt, die den Weg zurück an das schon 2021 erreichte Rekordhoch zustellt. Das kurzfristige Chartbild zeigt, wie es dazu kam:

MDAX: Tages-Chart vom 13.06.2024, Kurs 26.075,11 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
MDAX: Tages-Chart vom 13.06.2024, Kurs 26.075,11 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS

Der MDAX hatte am Dienstag auf der Oktober-Aufwärtstrendlinie aufgesetzt und diese am Mittwoch verteidigt. Deutlich verteidigt, wie es schien. Aber am Donnerstag kamen die Verkäufe sofort wieder. Und diesmal noch heftiger. Der Index durchbrach diese Aufwärtstrendlinie und zum Handelsende auch noch die bei 26.233 Zählern verlaufende 200-Tage-Linie. Zwei wichtige Unterstützungen auf einmal, nachdem es am Vorabend so aussah, als könne der MDAX die Aufwärtstrendlinie als Sprungbrett für einen erneuten, dann womöglich erfolgreichen Ausbruchsversuch nach oben nutzen.

Zwar ist die Distanz zu diesen beiden Linien noch überschaubar, so dass die Käuferseite imstande wäre, dieses bärische Signal entschlossen und schnell in eine Bärenfalle zu verwandeln. Aber dazu bedarf es einiges an Kapitaleinsatz, selbst dann, wenn heute oder zu Beginn der kommenden Woche nicht allzu viel Verkaufsdruck aufkommen sollte. Kapitaleinsatz und die Überzeugung, dass man sein Geld mit einem solchen Konter-Versuch nicht zum Fenster herauswirft. Und genau da könnte es jetzt knifflig werden, denn es gibt gleich mehrere Aspekte, die die verbliebenen Bullen abschrecken könnten:

Expertenmeinung: Dass nicht nur der MDAX, sondern der gesamte europäische Aktienmarkt seit Wochenbeginn massiv verliert, während die US-Indizes zulegen, macht deutlich, dass internationale Investoren als Konsequenz aus der Europawahl Kapital umschichten. Wie lange das noch für Druck sorgt, ist zwar offen. Aber da die Problematik an sich vorerst bleiben wird, ist es nicht unbedingt wahrscheinlich dass, wer in den letzten Tagen ausstieg, schon in Kürze zurückkommen wird. Und fällt ein Teil der potenziellen Käufer weg, tun sich die verbliebenen naturgemäss schwer.

Dass der MDAX am Mittwoch schon gerettet wirkte, nachdem die Käufer den schwachen Vortag komplett aufgeholt hatten, dann aber trotz der idealen charttechnischen Vorlage sofort erneut und noch mehr Druck aufkam, bedeutet: Wer am Mittwoch kaufte, liegt jetzt im Verlust. Dann gleich noch einmal viel Geld in die Hand zu nehmen, um erneut zu kaufen, jetzt, wo Supportlinien gefallen sind, die vorher noch gehalten hatten, hiesse, mit einer schlechteren Ausgangsbasis anzutreten.

MDAX: Tages-Chart vom 13.06.2024, Kurs 26.075,11 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
MDAX: Tages-Chart vom 13.06.2024, Kurs 26.075,11 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS

Schau man sich die grössten fünf Verlierer des Donnerstags im Index an, findet man da SMA Solar, Evotec, Sixt, Jungheinrich und die Lufthansa. Es wurde also quer durch alle Branchen verkauft, sprich man verkaufte den Index selbst in „Körben“. So etwas deutet an, dass viele grosse Adressen an der Terminbörse mit Blick auf die heute in einer Woche anstehende Abrechnung die Seiten gewechselt haben und jetzt eine Abrechnung am unteren Ende der Handelsspanne anstreben.

Fazit: Noch wäre es möglich, aus diesem markant bärischen Signal eine Bärenfalle zu machen. Aber die Ausgangslage ist dergestalt, dass sich das viele wohl zweimal überlegen und den Gedanken dann verwerfen könnten. Und wer da das Handtuch wirft, könnte als logische Folge auch zu dem Schluss kommen, dass das, was noch im Depot liegt, besser auch verkauft werden müsste. Hier auf einen Ausrutscher zu wetten und in dieser Konstellation Long zu gehen, wäre daher äusserst verwegen.

Top Flop Aktien – Übersicht der Gewinner und Verlierer

Welche Aktien in den wichtigen Indizes sind in letzter Zeit am meisten gestiegen oder gefallen? Was sind die Top-Aktien 2024? Welche Aktien haben die beste Performance über die letzten 5 Jahre und welche Aktien sind stark gefallen? Hier finden Sie es heraus: DAX Top FlopMDAX Top FlopEuro Stoxx Top FlopDow Jones Top FlopNasdaq 100 Top Flop

Wie hilfreich fanden Sie den Artikel?
Wenig hilfreichSehr hilfreich

--- ---

--- (---%)
Mkt Cap
Vol
T-Hoch
T-Tief
---
---
---
---

Displaying the --- chart

Heutigen Chart anzeigen

Loading ...
Alle Börsenblick-Artikel

Nachricht schicken an Ronald Gehrt
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.

Vorherige Analysen des MDAX Index

Seit Monaten versucht man den MDAX in und über eine bis ins Jahr 2018 zurückreichende Widerstandszone zu heben. Gelänge das, wäre der Weg an das 2021 erzielte Rekordhoch frei. Aber der gestrige Abwärtsschwenk macht klar: Der Weg nach oben bleibt steinig.

Bullisch zu sein kann man zwar auch aus reiner, innerer Überzeugung. Aber wenn schon die Rahmenbedingungen, sprich Zinsniveau, Inflation und Wachstum nicht mitspielen, dann sollte es wenigstens die Charttechnik tun. Wenn es da auch noch klemmt, wird auch der sturste Bulle irgendwann nervös. Und bei der Charttechnik klemmt es eben. An der Wall Street gehen nach und nach die Augenbrauen nach oben, der DAX hat in der Berechnung als Kursindex das neue Hoch des Performanceindex nicht bestätigt, der TecDAX klebt unter seinem im März erzielten, bisherigen Jahreshoch fest … und dann dieser MDAX!

Während der DAX ein neues Rekordhoch nach dem anderen erreichte, ist der Index der 50 nächstgrösseren Aktien nach dem DAX von dem seinen meilenweit entfernt. Bei 36.429 lag das Rekordhoch des MDAX, erreicht wurde es im September 2021. Die aktuelle Distanz bis dorthin: 34 Prozent! Und man kann sich zu Recht fragen, wieso diese „zweite Liga“ derart schlechter performt als die erste.

Expertenmeinung: Eine Antwort wäre: Der MDAX war in der Euphorie-Phase 2021 zu weit gestiegen, hatte damals, gerechnet vom Corona-Crash-Tief im März 2020, den DAX abgehängt und zahlt dafür gerade die Zeche. Aber das alleine ist als Antwort nicht genug, denn so extrem viel besser lief der MDAX damals auch nicht. Und dass die Trennlinie zwischen auch in schlechten Phasen steigenden Unternehmensgewinnen genau zwischen DAX und MDAX verlaufen soll, ist ein absurder Gedanke. Nein, der MDAX steht einfach nicht im Fokus internationaler Investoren, die sich bei europäischen Investments meist auf die Blue Chips eines Landes konzentrieren. Das zieht den DAX stärker … aber daraus zu schliessen, dass nicht der DAX über- sondern bloss der MDAX unterbewertet wäre, ist gewagt. Und zudem:

Wäre es so, wären genug Investoren längst auf diesen immer noch nicht in Fahrt kommenden Zug aufgesprungen und hätten den MDAX in eine Aufholjagd manövriert. Was in dem Fall zumindest aus charttechnischer Sicht unterfüttert wäre, wenn der endlich wieder die im Chart auf Monatsbasis zu sehende Widerstandszone 27.525 zu 29.438 Punkte nehmen würde. Aber so, wie es aussieht, wird er mit dem Monat Mai den sechsten Monat in Folge vergebens an diese Zone angerannt sein.

MDAX Index: Chart vom 28.05.2024, Kurs 27.134,66 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX

Damit wirkt der MDAX weiterhin wie ein Menetekel des bullischen Lagers, also wie ein Symbol für drohendes Unheil. Das könnte sich am Dienstag intensiviert haben. Der Tageschart zeigt, dass das Chartbild nichts Gutes verheisst, wenn das bullische Lager nicht sofort und entschlossen dagegen hält. Der Index war zuletzt zwar über die Widerstandszone aus den Hochs der Monate Dezember und April gelaufen, dort blieben aber die Anschlusskäufe aus. Nicht gut. Er fiel zurück, fing sich aber sehr schnell und noch über der 20-Tage-Linie als nächstgelegener Supportlinie. Das war wiederum sehr gut und eine Basis, diese Widerstandszone in einem schnellen, zweiten Anlauf doch noch zu überwinden und damit wieder Zug in die Sache zu bringen.

Aber was passierte gestern? Der MDAX hatte diese Widerstandszone 27.286/27.371 Punkte intraday bereits überwunden, doch dann drehte er ab, legte einen Abwärts-Turnaround aufs Parkett und schloss dadurch wieder unter dieser Zone. Misserfolge wie diese zehren nicht nur an den Nerven der MDAX-Trader, denn dass der DAX so völlig ohne Geleitschutz unterwegs ist, dürfte auch den dortigen Bullen nicht entgehen. Jetzt wäre schon wieder die 20-Tage-Linie zu verteidigen. Sollte das misslingen, ginge es gleich um die Kreuzunterstützung aus 200-Tage-Linie und Oktober-Aufwärtstrendlinie im Bereich 26.900/27.000 Punkte. Und sollte die tatsächlich fallen, dürfte der Widerhall einer solchen Ernüchterung leicht über den MDAX an sich hinausgehen.

MDAX Index: Tageschart vom 28.05.2024, Kurs 27.134,66 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX

Goldrausch beim DAX, Wassertreten beim MDAX. Während der deutsche Leitindex neue Rekorde erreichte, tritt der „Index der zweiten Reihe“ auf der Stelle. Das ist ein Warn-, aber nicht zwingend ein Alarmsignal. Denn die beiden Indizes haben nicht die gleiche Kundschaft.

Es ist am deutschen Aktienmarkt wie überall das Gleiche: Die ganz grossen Aktien, die Blue Chips, stehen im Mittelpunkt des Interesses. Dort werden mit Abstand die meisten Derivate gehandelt. Der Grossteil der internationalen Investoren, kleine wie grosse, konzentriert sich auf diese Titel. Und die tummeln sich im DAX und nicht in der „zweiten Liga“ des MDAX, in dem diejenigen Aktien gelistet sind, die von der Marktkapitalisierung her direkt nach denen des DAX kommen. Was bedeutet:

Wenn der DAX läuft und der MDAX nicht mitzieht, kann das allein daran liegen, dass mehr Marktteilnehmer auf Stock Picking verzichten, nicht genauer hinsehen und es sich deswegen einfach machen, indem sie einfach den DAX kaufen, ob als Fonds, ETF oder über Derivate. Der MDAX erhält dadurch weniger Aufmerksamkeit, es fliesst weniger Kapital dorthin und schon wird er zum Mauerblümchen mit einer bedeutend kleineren Klientel, die dort aktiv agiert.

So gesehen ist diese auffällige Schere zwischen DAX und MDAX nicht automatisch ein Spiegel einer riskant überzogenen DAX-Hausse, bei welcher der MDAX den Level andeutet, auf den der DAX zurückkommt, wenn die Sache schiefgeht. Aber ein Warnsignal ist es trotzdem, denn:

Expertenmeinung: Wenn sich zufliessendes Kapital auf weniger Aktien konzentriert, die Marktbreite einer Aufwärtsbewegung also geringer wird, werden diese wenigen Titel, die das frische Geld anziehen, schnell überbewertet, vor allem, wenn nur ihre Eigenschaft als Blue Chips diese Attraktivität ausmacht und nicht starke, über den Erwartungen liegende Umsätze und Unternehmensgewinne. Was jedoch nur für den DAX ein Gefahrenmoment ist, während man im Umkehrschuss für den MDAX behaupten könnte, dass dieser dann ja grundsätzlich Aufholpotenzial haben müsste. Ist das so?

Nicht zwingend, weil die Zahl an wenig inspirierenden Quartalsergebnissen bei den MDAX-Titeln nicht unbedingt klein war. Der MDAX ist daher trotz seiner Underperformance insgesamt teurer bewertet als der DAX. Was auch daran liegt, dass sich im MDAX Unternehmen finden, die im Kielwasser einer prosperierenden Konjunktur zwar schnell und weit steigende Gewinne erreichen, die im Fall einer Konjunkturflaute aber auch ebenso schnell und weit zurückgehen. Daher fährt man besser, wenn man zwar dieses Seitwärts-Geschiebe des MDAX als Warnsignal für den DAX wahrnimmt, Trading-Entscheidungen in Sachen MDAX aber vom DAX abkoppelt und den Index pragmatisch auf Basis der Charttechnik handelt.

MDAX Index: Chart vom 13.05.2024, Kurs 26.823,94 Punkte, Kürzel: MDAX | Online Broker LYNX
MDAX Index: Chart vom 13.05.2024, Kurs 26.823,94 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS

Und da wird im Chart deutlich, was passieren muss, damit der MDAX wieder auf Touren kommt und idealerweise dann sogar die Performance-Schere zum DAX verringert oder sogar schliesst: Es muss gelingen, das Dezember-Hoch bei 27.371 Zählern klar und auf Schlusskursbasis zu überwinden, sprich da vorbeizukommen, wo der Index beim letzten Anfall von Dynamik Anfang April scheiterte und abdrehte.

Im Gegenzug wäre ein Schlusskurs unter dem April-Verlaufstief bei 25.825 Punkten ein markant bärisches Signal, das den Weg aus charttechnischer ebenso wie aus psychologischer Sicht nach unten freimachen würde und einen Test des Jahres-Verlaufstiefs bei 25.075 Punkten nach sich ziehen könnte. Aber ob das dann den DAX vergleichbar drücken würde, hängt davon ab, ob man das Mauerblümchen MDAX seitens der internationalen Investoren dann auch entsprechend wahrnehmen würde. Im Moment, das ist unverkennbar, tut man es nicht.

Seit der MDAX Anfang 2023 mit Schwung über die 200-Tage-Linie gelaufen war und sie dann bis zum Spätsommer mehrfach verteidigen musste und konnte, ist diese Linie hier besonders wichtig geworden. Ende März hatte er sie zurückerobert … aber jetzt ist sie erneut in Gefahr.

Der gleitende Durchschnitt der letzten 200 Börsentage ist eine für Investoren wichtige Scheidemarke, die grundsätzlich indiziert, ob der Kursverlauf sich im bullischen oder bärischen Terrain bewegt. Aber man muss da immer im Einzelfall prüfen, ob diese Linie beim untersuchten Basiswert auch wirklich beachtet wird und somit relevant ist. Das ist dann der Fall, wenn man in den letzten ein, zwei Jahren sehen konnte, dass der Kurs dort mehrfach gedreht hat, idealerweise in beide Richtungen. Ist das so, darf man davon ausgehen, dass ein Kreuzen dieser 200-Tage-Linie auch aktuell bedeutsam wäre. Was beim MDAX zutrifft.

MDAX: Monats-Chart vom 15.04.2024, Kurs 26.447,14 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
MDAX: Monatschart vom 15.04.2024, Kurs 26.447,14 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS

Seit Anfang 2023 diente diese 200-Tage-Linie bereits mehrfach als Unterstützung. Und ein Anstieg über diesen gleitenden Durchschnitt sorgte jeweils für weitere Käufe. Allerdings fielen die bei den letzten beiden Breaks über die Linie auffällig mager aus. Im Dezember wurde die Linie überboten, die Anschlusskäufe waren aber gering … und im Januar wurde der 200-Tage-Durchscnitt dann sang- und klanglos wieder unterboten. Das sorgte dann für Anschlussverkäufe, die intensiver ausfielen als die Käufe nach dem vorherigen Überwinden der Hürde. Und jetzt wird es erneut eng.

Expertenmeinung: Als der MDAX diese Linie Ende März erneut zurückeroberte, dürften viele aufgeatmet haben. Denn bis dahin war er der Klotz am Bein des deutschen Gesamtmarkts und wirkte wie eine permanente Erinnerung daran, dass der Anspruch der Bullen sich nicht mit der Realität ausserhalb der Börsensäle deckte. So war die Basis gegeben, mit einer wilden Aufholjagd zu DAX und TecDAX aufzuschliessen und damit diesen Status eines Menetekels loszuwerden. Doch auch, wenn die Anschlusskäufe dynamischer daherkamen als im Dezember: Weit kam der MDAX auch diesmal nicht. Wir sehen es im Chart auf Tagesbasis:

MDAX: Tages-Chart vom 15.04.2024, Kurs 26.447,14 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
MDAX: Tageschart vom 15.04.2024, Kurs 26.447,14 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS

Kurz vor Erreichen des Dezember-Zwischenhochs ging der Aufwärtsbewegung die Puste aus. Der Index drehte ab und ist jetzt erneut von oben auf eben dieser 200-Tage-Linie gelandet, die aktuell auch noch innerhalb der Supportzone 26.360 zu 26.562 Punkte verläuft, so dass ein Bruch dieser Zone ein markant bärisches Signal auslösen würde.

Käme es so … und das Abdrehen des MDAX aus anfänglichem Plus ins Minus gestern sowie der Blick auf die wankende Wall Street würden den Bären dafür Rückenwind liefern … kann es durchaus sein, dass das Tief des Dezembers dann erneut angesteuert wird. Denn auch vielen derzeit Long aufgestellten Tradern dürfte klar sein, dass diese Schere zwischen Aktienmarkt und Realität jederzeit zuschnappen könnte. Und wenn zu viele warten, bis aus einer engen Situation eine zu enge geworden ist und dann alle auf einmal aus dem Markt herauswollen, kann es dann auch mal sehr schnell sehr weit nach unten gehen. Achten Sie also unbedingt auf diese Zone 26.360 zu 26.562 Punkte!

Während der DAX seit Jahresbeginn ein stolzes Plus vorzuweisen hat, liegt die 2024er-Performance des MDAX immer noch im Minus. Aber jetzt zeigt auch der „Index der zweiten Reihe“ wieder ein Lebenszeichen. Beginnt jetzt die grosse Aufholjagd?

Denkbar ist es. Denn einerseits ist zwar der Einwand nicht falsch, dass es eigentlich der DAX wäre, der weit von einer äusserst grauen Realität in Sachen Wachstumsperspektive abgewichen ist, während der MDAX, der seine Herbst-Rallye im Januar beendete, dahingehend mehr „in der Spur“ wäre. Aber derzeit ignoriert man das nun einmal.

Und kaum jemandem dürfte entgangen sein, wie markant der MDAX dem DAX, aber auch anderen Indizes wie TecDAX oder Euro Stoxx 50, hinterherhinkt. Die Schlussfolgerung, dass da noch etwas zu holen wäre, wenn nur endlich jemand den Anfang macht und dadurch ein bullisches Signal entsteht, wäre also bei so manchem Trader möglich. Und in dieser Hinsicht wäre jetzt ein solcher Anfang gemacht:

MDAX: Tages-Chart vom 22.03.2024, Kurs 26.622,83 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
MDAX: Tageschart vom 22.03.2024, Kurs 26.622,83 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS

Zum Wochenschluss gelang es, an der aktuell bei 26.485 Punkten verlaufenden 200-Tage-Linie vorbeizukommen, die seit Anfang 2023 mehrfach mal als effektiver Widerstand, mal effektive Unterstützung fungiert. Und nicht nur das:

Damit gelang auch ein Wochenschlusskurs über der im Herbst 2021 etablierten, übergeordneten Abwärtstrendlinie. Das sieht sehr nach einem Startschuss für die Bullen aus. Und er könnte es auch sein, jedoch sollte man da zumindest so lange noch vorsichtig bleiben, bis der Kursanstieg sich mit ein paar weiteren, festen Tagen etabliert hat. Denn bislang ist der MDAX nur „halb durch“. Sehen wir mal genauer hin:

Expertenmeinung: Auch im Dezember gelang schon einmal ein Anstieg über diese 200-Tage-Linie. Doch da kam nach dem fulminanten Anstieg nichts nach. Der MDAX begann, auf der Stelle zu treten, die Bullen wurden unruhig, stiegen wieder aus und das vermeintlich markante Kaufsignal endete als Bullenfalle. Und auch da war dieser übergeordnete Abwärtstrend bereits knapp überwunden gewesen, Sie sehen das im Chart auf Wochenbasis:

MDAX: Chart vom 22.03.2024, Kurs 26.622,83 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
MDAX: Wochenchart vom 22.03.2024, Kurs 26.622,83 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS

Die ursprüngliche Abwärtstrendlinie hatte einen ein kleines bisschen grösseren Neigungswinkel. Und die wurde zur Jahreswende ganz leicht überboten, als auch die 200-Tage-Linie zeitweilig bezwungen war. Und aktuell ist der MDAX kaum weiter über die Trendlinie hinaus als damals, so gesehen:

Dass die derzeitige Euphorie … die dadurch, dass sie schon so lange den zahlreichen bärischen Fakten trotzt, nur noch zunimmt … dazu führt, dass man sich jetzt den MDAX als Aufhol-Kandidat vornimmt, ist möglich. Aber es ist nicht sicher genug, um da Haus und Hof daraufzusetzen. Erst, wenn in den kommenden Tagen Anschlusskäufe kommen, nennenswerte Gewinnmitnahmen ausbleiben und der Ausbruch über die 200-Tage-Linie dadurch bestätigt würde, könnte man hier über – vorsichtige – Long-Trades nachdenken.

Eine derart massiv auseinander laufende Performance zweier Indizes eines Landes wie die von DAX und MDAX sieht man selten. Vor allem existiert diese Schere bereits seit über zwei Jahren und wird immer grösser. Was hat das zu bedeuten?

Irgendjemand liegt falsch, entweder die offenbar bärische Mehrheit beim MDAX oder die Bullen beim DAX. Denn wer sich das langfristige Bild des MDAX auf Monatsbasis ansieht, erkennt sofort: Das sieht nicht nur ein wenig anders aus als der DAX, sondern völlig. Der MDAX hatte sein Rekordhoch im Jahr 2021 erreicht und notiert aktuell ganze 29 Prozent darunter, während der DAX sein Hoch vom Spätsommer 2021 derzeit um fast neun Prozent überboten hat.

MDAX: Monats-Chart vom 26.02.2024, Kurs 25.785,79 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
MDAX: Monatschart vom 26.02.2024, Kurs 25.785,79 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX

Dass die 50 Unternehmen, die von der Marktkapitalisierung her direkt hinter den 40 DAX-Unternehmen kommen, derart anders dastehen als diese „Top 40“, in ein und derselben Volkswirtschaft, mit dem gleichen Zins- und Inflationsniveau und in einem Umfeld mit Nullwachstum, liesse sich getrost ausschliessen. Aber wer liegt richtig, wer falsch? Müsste der DAX zurückkommen oder der MDAX zulegen, um diese Performance-Schere zu schliessen?

Expertenmeinung: Würde man mit klassischen Werkzeugen an die Sache herangehen, würde das eher neue Fragen aufwerfen als Antworten liefern. Beispiel: die Bewertung. Das Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) ist beim DAX, obwohl der zulegt, weit niedriger als das des MDAX. Was indes heisst: Der MDAX war vorher noch teurer bewertet, aber bis Sommer 2021 hat das niemand gestört. Das ist zwar so, aber damit bekommt man keine Antworten.

Denn der DAX ist rein nominal vom KGV billiger, das ist schon richtig. Aber das liegt daran, dass in ihm sehr viele Unternehmen gelistet sind, die von ihrer Branche her grundsätzlich niedrige KGVs haben: Autobauer, Energieversorger, Finanzwerte. Die alle im MDAX nicht drin sind. Da findet sich viel aus den Bereichen Software, Maschinenbau und Immobilien. Was indes zu einer ersten Antwort führt, denn:

Maschinenbau und Immobilien stehen derzeit auf wackligen Beinen, die Chemie ebenso, da ziehen Lanxess und Wacker am MDAX. Auch Dienstleister wie HelloFresh und Delivery Hero sind im Abwärtstrend, weil sich dort grosse Erwartungen in schrumpfende Hoffnungen verwandelt haben. Ein weiterer Punkt, der diese divergierende Performance erklären kann, ist:

So manches der aktuell im MDAX schwach laufenden Unternehmen war mal im DAX notiert, musste aber aufgrund seiner geschrumpften Marktkapitalisierung absteigen … und die schrumpft in erster Linie, wenn der Kurs fällt. Was heisst: Der DAX schüttelt seine schwächsten Glieder regelmässig ab. Die landen im MDAX … und was dort stark läuft, steigt oft bald in den DAX auf. Es klingt ein wenig despektierlich, aber aus dieser Warte heraus fungiert der MDAX ein wenig wie die „bad bank“ des DAX.

Hinzu kommt als weiterer Aspekt, dass internationale Investoren, vor allem, wenn sie von ausserhalb der Eurozone kommen, in der Regeln nur die Blue Chips kaufen, also DAX-Titel oder den Index an sich. Internationales Kapital fliesst also oft am MDAX vorbei. Fasst man das zusammen, kommt man zu dem Schluss:

Dass DAX und MDAX so gegensätzlich laufen, ist zwar keineswegs zwingend. Aber es ist mit Blick auf die Branchenverteilung und den Faktor der internationalen Wahrnehmung derzeit auch nicht völlig abstrus. Daher muss sich diese Schere auch nicht kurzfristig schliessen. Und wenn sie sich schliesst, werden erst die dann vorherrschenden Rahmenbedingungen vorgeben, ob das bedeutet, dass der DAX dem MAX hinterherfällt oder im Gegenteil der MDAX mit einer grösseren Kaufwelle den Performance-Abstand verkürzt.

Es wäre also eher riskant, von einem baldigen Schliessen dieser Schere auszugehen und daraufhin im MDAX Long und zugleich im DAX Short zu gehen. Besser ist, den DAX aus der Überlegung, wie man den MDAX angehen könnte, komplett auszublenden und die charttechnischen Fakten zu traden:

Derzeit notiert der Index unter seiner mittelfristigen Abwärtstrendlinie und der 200-Tage-Linie. Er müsste mindestens über 28.200 Punkten und damit über der im Tageschart zu sehenden Phalanx an Widerstandslinien schliessen, um für eine Long-Positionierung infrage zu kommen. Auf der Unterseite wäre bereits ein eindeutiger Ausbruch aus der momentanen Handelsspanne eine Vorlage für ein Aufstocken von Short-Positionen, das wäre mit Schlusskursen unter 25.000 Punkten gegeben. Was der DAX derweil tut, spielt auch, wenn wir da wie gesagt vom selben Wirtschaftsraum und den gleichen Realitäten sprechen, letzten Endes für unmittelbare Trading-Entscheidungen keine Rolle!

MDAX: Tages-Chart vom 26.02.2024, Kurs 25.785,79 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
MDAX: Tageschart vom 26.02.2024, Kurs 25.785,79 Punkte, Kürzel: MDAX | Quelle: TWS