DAX Prognose 2019 - aktuelle DAX Entwicklung und Ausblick | LYNX Online Broker
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DAX Ausblick: Wie entwickelt sich der DAX 2020?

In dieser DAX Prognose analysieren wir, ob deutsche Aktien in Zeiten des Corona-Virus auch im zweiten Halbjahr 2020 attraktiv für neue Investments sind und mit welcher Kursentwicklung Sie beim DAX-Index in den kommenden sechs bis zwölf Monaten rechnen können. Wir schauen uns mögliche DAX Kursziele an und wagen einen DAX Ausblick.

Mit welchen Finanzprodukten (z.B. DAX-ETFs, DAX-CFDs, DAX-Futures, DAX-Optionen oder DAX-Zertifikate) Sie von Kursbewegungen des DAX-Index optimal profitieren, lesen Sie in unserem Artikel „Wie Sie den DAX-Index am besten handeln können“.

Rückblick: DAX Entwicklung im Jahr 2019 bei +25,5 Prozent

In unserer DAX-Prognose 2019 zu Beginn des letzten Jahres hatten wir Ihnen die Marke von 13.600 Punkten als mögliches Kursziel auf Sicht von 12 bis 18 Monaten genannt. Weder Eintrübungen bei der Konjunkturlage noch andere Negativthemen wie der im Jahresverlauf eskalierte Handelskonflikt zwischen den USA und China, das britische Brexit-Chaos oder ein sich verschärfender Iran-Konflikt konnten den DAX im Jahr 2019 stoppen. Die DAX-Performance des vergangenen Jahres lag bei starken +25,5%, der Deutsche Aktien Index beendete das Jahr 2019 bei 13.249 Punkten.

Stellt man dem jedoch die schwache Entwicklung des Vorjahrs gegenüber, so relativiert sich der Anstieg allerdings wieder etwas. Im Jahr 2018 hatte der DAX 30 Index vom Jahreshoch bis zu -24% an Wert verloren. Nichtsdestotrotz verlief die DAX Entwicklung im Jahr 2019 natürlich aus Anlegersicht sehr erfreulich.

Jährliche DAX Entwicklung von 2016 bis 2019

JahrPerformance
2016+6,9 %
2017+12,5 %
2018-18,3 %
2019+25,5 %

Corona-Krise führt zu scharfem DAX-Einbruch

Anfang 2020 wurde unser Kursziel von 13.600 Punkten erreicht, der DAX stieg bis Anfang 2020 auf knapp 13.800 Zähler und erzielte ein neues Allzeithoch. Im Februar und März sorgte dann allerdings der Corona-Crash zwischenzeitlich für einen extremen Kurseinbruch auf 8.255 Punkte. Danach erholten sich die Kurse trotz der einer aufgrund der Covid-19-Pandemie konjunkturell schwierigen Lage in Rekordzeit und konnten den Grossteil der Verluste wieder wettmachen: Ende Juli erreichte der DAX wieder Notierungen von mehr als 13.300 Punkten, per Anfang August steht der Index bei 12.500 Zählern. Doch wie geht es nun weiter? Droht ein weiterer starker Börseneinbruch oder steigen die Kurse in unvermindertem Tempo weiter?

Welche globalen Themen bestimmen die DAX-Richtung im zweiten Halbjahr 2020?

Derzeit beherrscht vor allem ein Thema die Börse: Die Corona-Virus-Pandemie. Während vielen Unternehmen ein harscher konjunktureller Gegenwind entgegenweht, gibt es auch Branchen wie Technologie, Biotech oder Lebensmitteleinzelhandel, die von der Krise profitieren. Und so ist es kein Wunder, dass sich der Aktienmarkt zweigeteilt entwickelt. Während die Kurse von Technologieunternehmen z.B. Software- oder Internetanbieter neue Höchstkurse erreichen, entwickeln sich Werte aus kriselnden Branchen wie Reise, Touristik, Modeeinzelhandel oder Automobile eher schwach. Doch spätestens mit dem Heranrücken der US-Wahl im November sollte der US-Wahlkampf ein weiterer Einflussfaktor an der Börse werden. Die Frage ob US-Präsident Donald Trump von den Wählern eine weitere Amtszeit bekommt oder ob der demokratische Herausforderer Joe Biden das Rennen macht dürfte die Anleger in den kommenden Wochen und Monaten immer stärker bewegen. Als Wahlkampf-Thema könnte auch der Handelskonflikt zwischen den USA und China erneut aufgewärmt werden.

DAX Prognose: Aktien weiterhin nicht unattraktiv

Sehen wir uns für unsere DAX Prognose zunächst das „grosse Bild“ an. Da Privatanleger „nur“ ca. 16% der DAX Anteile halten, wird der Handel von institutionellen Grossanlegern dominiert, die die DAX Entwicklung beeinflussen. Diese stehen stets unter dem Druck, gewaltige Summen möglichst rentabel anzulegen, denn ansonsten ziehen die jeweiligen Geldgeber schnell ihre Mittel ab. Anlagealternativen zu Aktien wie Bankeinlagen oder (Staats)Anleihen sind negativ verzinst und daher weiterhin völlig unattraktiv. Ausserdem schwebt über den festverzinslichen Anlageformen das Damoklesschwert einer anziehenden Inflationsrate, denn auch der Geldwertverlust spielt bei der Rendite neben der Verzinsung natürlich ebenfalls eine grosse Rolle. Andere Alternativen gibt es kaum, denn Immobilien sind für die allermeisten Anleger zu illiquide und der Goldmarkt ist gemessen an den gewaltigen Anlagesummen, die am Kapitalmarkt bewegt werden, geradezu mikroskopisch klein.

Obwohl sich der DAX innerhalb der letzten elf Jahre vom Tief bei 3.589 Punkten Anfang 2009 bis Anfang 2020 auf 13.800 Punkte mit einem Kursanstieg um mehr als +280% fast verdreifacht hat, sind Aktien also zumindest attraktiver als andere Anlageklassen.

DAX Bewertung mit KGV 20 nicht günstig, aber es fehlen Anlagealternativen

Ist die DAX Bewertung aufgrund der Corona-Krise und den starken Kursanstiegen nach dem Crash nicht schon zu hoch?

Diese Frage ist durchaus berechtigt. Mit einem aktuellen DAX Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 20 sind die deutschen Blue-Chips im historischen Vergleich nicht gerade günstig bewertet. Durchschnittlich liegt das DAX-KGV bei ca. 15. Das DAX-KGV von 20 besagt, dass die 30 Werte im Durchschnitt 20-mal mehr kosten, als die erwarteten Nettogewinne der DAX-Konzerne im Jahr 2020. Im Jahr 2000 wurde beim DAX kurzzeitig ein Rekord-KGV von 33,7 erreicht, mehr als der doppelte Wert des langjährigen Durchschnitts. Da 10jährige Bundesanleihen gleichzeitig rund 5 % Rendite abwarfen, setzte damals ein massives Umschichten in Staatsanleihen ein, der Rest der Geschichte dürfte Ihnen bekannt sein. Eine Diskrepanz im Rendite-Vergleich der Anlagealternativen wie im Jahr 2000 liegt heute nicht vor. Zwar haben einige DAX-Werte ihre Dividende deutlich gekürzt oder gestrichen, aber für viele Anleger ist eine kleine Rendite immer noch besser als Minuszinsen. Aktien sind also im historischen Vergleich zwar eher teuer bewertet, es gibt allerdings auch keine ernsthaften Anlagealternativen

Geldanlage ist immer „relativ“: Aktienmarkt noch immer alternativlos

Der Rendite-Ausblick der alternativen Investments ist weitaus weniger attraktiv als für Aktien. Pro Jahr „ein bisschen Geld“ mit Staatsanleihen zu verlieren war und ist für viele Grossanleger paradoxerweise immer noch attraktiver, als ihr Geld in vergleichsweise renditestarken Dividendenpapieren mit langfristigem Gewinnsteigerungspotenzial anzulegen. Dennoch ist Geldanlage immer relativ zu betrachten: Es kommt stets darauf an, welcher Anlageklasse bezüglich Werterhalt, Wertentwicklung und Risiko im Vergleich die beste und stabilste Entwicklung zugetraut wird. In diese Richtung fliesst das Kapital wie eine Flüssigkeit in einem Gefälle. Doch auch wenn deutsche Aktien derzeit krisenbedingt nicht mehr günstig bewertet sind: Für einen DAX Ausblick reicht es nicht aus, sich (eindimensional) das historische Bewertungsniveau von Aktien zu betrachten, sondern es müssen (multidimensional) immer auch die zur Verfügung stehenden Alternativ-Optionen in Relation gesetzt und betrachtet werden.

Negativzinsen & Politik-Unsicherheit: Mit Staatsanleihen drohen Verluste

Werfen wir also einen Blick auf den im Vergleich zum Aktienmarkt rund dreimal grösseren Staatsanleihenmarkt – der einzigen wirklichen Anlagealternative für Grossanleger. Um es gleich vorweg zu nehmen, der Anleihenmarkt ist zur Geldanlage weiterhin absolut unattraktiv.

Staatsanleihen kein sicherer Hafen mehr

Und das ist nicht nur dem unverantwortlichen, rekordhohen Verschuldungsgrad der westlichen Industrienationen geschuldet. Auch die teilweise chaotisch anmutenden und zunehmend unberechenbaren politischen Verhältnisse und Handelsstreitigkeiten der USA tun ihr Übriges, um das Vertrauen in die Politik und damit auch in staatliche Investments zu schmälern. Doch es gibt weitere Gründe, die Staatspapiere unter Druck setzen: Da die massiven Kaufprogramme der Zentralbanken früher oder später auslaufen, fallen zukünftig die mit Abstand grössten Anleihen-Käufer weg. Auch oder gerade weil Anleihen lange Zeit als „Safe Haven“ (sicherer Hafen) galten: Es ist durchaus fraglich, ob auch nach der erwarteten Beendigung der Zentralbank-Eingriffe überhaupt noch genügend Anleihenkäufer zur Stelle sein werden, um das enorme Angebot auf dem aktuellen Renditeniveau aufzunehmen. Als sicheren Hafen würden wir Staatsanleihen also selbst zu Zeiten des Corona-Virus nicht mehr betrachten.

Wehe die Inflationsrate zieht an…

Die Nachfrage nach den aktuell negativverzinsten Staatspapieren wird erheblich zurückgehen, sobald sich beispielsweise – getrieben von steigenden Inflationserwartungen – höhere Zinsen ankündigen. Denn um ein steigendes Zinsniveau abzubilden, müssen die Kurse von Staatsanleihen fallen, da die Anpassung an das steigende Renditeniveau nur über sinkende Kursnotierungen erfolgen kann. Mitte 2020 sind weltweit bereits Anleihen im Volumen von 13 Billionen US-Dollar negativ verzinst, in Europa werfen drei Viertel aller Staatsanleihen negative Renditen ab. Nur Grossanleger wie Versicherungen oder Pensionskassen, die gesetzlich dazu gezwungen sind, kaufen die negativ verzinsten Papiere. Hohe Verluste drohen dann, wenn steigende Inflationsraten auch noch die letzten Käufer vertreiben. Wenn zudem der Druck auf die Zinsen steigt, dann dürfte es für Anlegergläubiger extrem ungemütlich werden. Ausgehend von den Negativzinsen drohen dann möglicherweise prozentual zweistellige Verluste.

Auf solche Kursverluste haben natürlich die wenigsten Grossanleger Lust, die spätestens bei der kommenden Zinswende massiv Anleihen verkaufen werden. Da der Anleihenmarkt den Aktienmarkt vom Volumen her bei Weitem übertrifft geht es um immense Summen. Dieses aus dem Anleihenmarkt fliessende Kapital muss dann natürlich trotzdem weiterhin Rendite erzielen und angelegt werden. Und einiges Kapital wird dabei auch den Weg an die Börse finden, denn auch Immobilien und Gold können sich als verbleibende Anlageklassen nicht als ernstzunehmende Konkurrenten qualifizieren.

Immobilien: Illiquide und im Umfeld steigender Zinsen zunehmend unattraktiv

Immobilien haben nach den Preissteigerungen der vergangenen Jahre, sowie durch die steigenden Zinsen zuletzt erheblich an Attraktivität eingebüsst. Da diese überwiegend fremdfinanziert werden, lasten steigende Zinsen sehr schnell auf der für viele Finanzinvestoren ohnehin zu illiquiden Anlageform. Mit jedem Basispunkt den die Kreditzinsen für Immobiliendarlehen mehr kosten, verringert sich auch das potenzielle Investitionsvolumen d.h. die Finanzkraft der Käufer. Spätestens in einem Umfeld steigender Zinsen werden Investments in Immobilien dann also immer unattraktiver. Dazu kommt, dass sich die Käufersuche im Fall eines geplanten Ausstiegs nicht nur bei Grossprojekten oft jahrelang hinzieht. Bei Aktien, Anleihen oder Gold gibt es hingegen stets einen Marktpreis zu dem gekauft und verkauft werden kann.

Wer mehr zu Immobilieninvestments lesen möchte, dem empfehlen wir unsere Artikel „Die besten offenen Immobilien-Fonds für Privatanleger“ und Die besten REITs.

Goldmarkt für eine echte Anlagealternative viel zu klein

Der Goldmarkt hingegen ist im Vergleich zu Aktien- und Anleihenmärkten vor allem zu klein. Schätzungen zufolge wurden weltweit bislang nur etwas über 165.000 Tonnen Gold gefördert. Auch wenn Sie dieses Beispiel vielleicht schon kennen: Zu einem Würfel gegossen, hätte dieser mit allem jemals produzierten Gold der Welt einer Kantenlänge von gerade einmal ca. 20 Metern. Die Hälfte des produzierten Goldes ist bereits zu Schmuck verarbeitet oder kommt in der Industrieproduktion zum Einsatz. Zehntausende weitere Tonnen lagern in den Tresoren der Zentralbanken, so dass folglich der Grossteil des Goldes vom Markt ist. Um beispielsweise nur 1% der weltweiten Marktkapitalisierung von Aktien- und Staatsanleihen in Gold anzulegen, müssten beim aktuellen Goldpreis über 40.000 Tonnen oder rund ein Viertel der bislang geförderten Goldmenge erworben werden. Daher kommt auch dieser Markt – im Gegensatz zu Früher – für die allermeisten Grossanleger und Fonds mit Milliardenvermögen nicht für nennenswerte Investments in Frage.

Goldpreis steigt bei negativen Realzinsen und bei extremer politischer Unsicherheit

Das bedeutet natürlich nicht, dass Gold als Investment für Sie unattraktiv ist. Da das Metall per se keine Rendite generiert und zudem nicht unerhebliche Lager- und Sicherungskosten produziert, steigt der Goldpreis deshalb vor allem dann, wenn die Realzinsen negativ sind d.h. wenn die Zinsen durch die Inflationsrate quasi „aufgefressen“ werden. Denn dann macht es durchaus Sinn, die Lagerkosten in Kauf zu nehmen und auf Wertsteigerungen beim gelben Edelmetall zu setzen. Daneben fungiert Gold in Extremsituationen auch immer wieder als „Hedge gegen Regierungspolitik“ oder gegen geopolitische Krisen. Zuletzt zog der Goldpreis stark an, eine Preisentwicklung, die vor allem durch die wirtschaftliche und politische Unsicherheit rund um die Corona-Pandemie begründet sein dürfte. Auch wenn Gold kurzfristig bei knapp 2.000 USD etwas heiss gelaufen ist, sind die Aussichten für das gelbe Edelmetall mittel- bis langfristig weiterhin gut.

Die besten Gold Aktien 2020

Wie könnte sich der Goldpreis 2020 entwickeln? Rund +21% legte der Goldpreis im Jahr 2019…

Privatanleger nutzen den Corona-Crash zum Neueinstieg

Doch nicht nur Grossanleger werden weiterhin Aktien kaufen. Auch viele Privatanleger haben den Crash zum Neueinstieg genutzt, denn viele von ihnen waren am Börsenaufschwung der letzten Jahre nicht oder nur geringfügig beteiligt. Grund waren neben der Flut von Negativnachrichten oft Bedenken, ob sich der Bullenmarkt nicht langsam dem Ende entgegen neigt. In der Regel endet ein langjähriger Aufwärtstrend jedoch nicht sang- und klanglos, sondern erst dann, wenn zu viele unerfahrene Anleger an die Börse drängen und Aktien ein allgemeines Gesprächsthema sind. Diese werden schliesslich von steigenden Kursen und entsprechender Berichterstattung in den Medien angelockt, werfen alle Vorsicht über Bord und wollen zuletzt auch noch ihr Stück vom Kuchen haben. Doch dann wird es meist gefährlich. Nach den starken Kursanstiegen seit den Crash-Tiefs ist der deutsche Aktienmarkt mittlerweile etwas überhitzt, so dass es möglicherweise eine mehrwöchige, stärkere Korrektur geben könnte. Dies würde die Stimmung dämpfen und den Weg für weitere Anstiege ebnen.

Insgesamt betrachtet stehen die Chancen für mittel- bis langfristig weiter steigende Aktienkurse jedoch immer noch relativ gut. Und weiter steigende Aktienkurse sind natürlich auch für die DAX Entwicklung positiv.

Aktienkurse können auch in Rezessionen steigen

Viele Anleger sind überzeugt, dass Aktienmärkte in Rezessionen stets fallen müssen. Auch das ist ein Irrtum, denn historisch betrachtet ist dies zwar meistens, aber keineswegs immer der Fall. Aktienkurse steigen vor allem dann, wenn die Mehrheit der Anleger fallende Kurse erwartet oder sich aufgrund der unsicheren wirtschaftlichen oder politischen Nachrichtenlage mit Aktien-Investments unwohl fühlt. Also genauso wie wir es aktuell in der Corona-Krise erleben.

Doch an der Börse passiert bekanntlich meist das Gegenteil von dem was die Mehrheit der Marktteilnehmer erwartet. Natürlich wird ein langjähriger Aufwärtstrend immer wieder durch überschaubare Zwischenkorrekturen wie 2018 oder den Corona-Crash unterbrochen. Trotzdem stehen die Chancen gut, dass Aktien – möglicherweise nach einer Zwischenkorrektur – weiter steigen werden. Unternehmensanteile sind vor allem in politisch unsicheren Zeiten die bessere Alternative zu Gold. Möglicherweise könnte sich sogar eine Geldflucht in privatwirtschaftliche Anlageformen entwickeln.

DAX-Aktien als „Hedge“ für ein mögliches Euro-Aus

Angesichts der Corona-Krise, den nach wie vor chaotischen politischen Verhältnissen rund um den Brexit, wesentlichen Unstimmigkeiten bei den EU-Partnern und Euro-kritischen Tendenzen in Italien und anderen Ländern ist sogar ein Euro-Aus auf einmal wieder vorstellbar. Für den (dennoch sehr unwahrscheinlichen) Fall, dass die europäische Währungsunion tatsächlich auseinanderfällt, sind Besitzer von Immobilien, Gold und natürlich auch Aktien exzellent geschützt. Denn Investoren werden für diese Vermögensformen immer einen fairen Marktwert bekommen – unabhängig von der Währung. Bei Anleihen und Spar- und Bankguthaben hingegen sind Sie bei möglichen Währungsreformen auf die von Politikern festgelegten Wechselkurs- und Umrechnungsverhältnisse angewiesen – und diese können, wie die Geschichte lehrt, durchaus auch ungünstig für Anleger ausfallen. DAX-Aktien sind somit ein guter und gleichzeitig liquider Schutz vor einem Euro-Aus und Währungsturbulenzen.

Verschuldung, Protektionismus, Abgrenzung und Populismus in der Politik: Sondersituation für Aktien

Das politische Klima der wichtigsten Wirtschaftsnationen war im letzten Jahrzehnt auf internationaler Ebene meist relativ harmonisch und von verbesserten Handelsbeziehungen, Marktöffnungen (Stichwort Freihandel) und Zusammenhalt geprägt. Spätestens seit der Brexit-Entscheidung und der Trump-Wahl wird offensichtlich, dass der Wind gedreht hat und nun in Richtung Protektionismus, Abgrenzung und Populismus weht. Politikern und Regierungen zu vertrauen fällt deshalb zunehmend schwerer als es ohnehin der Fall ist. Auch Investoren sind deshalb immer weniger gewillt, Ihr Kapital freiwillig in die ohnehin schon niedrig verzinsten Papiere hoch verschuldeter Staaten anzulegen. In negativ verzinste Staatsanleihen wie zehnjährige Bundesanleihen mit knapp -0,6 % Verzinsung investiert nur, wer keine andere Möglichkeit hat und beispielsweise gesetzlich dazu gezwungen ist.

Dies führt für Aktien zu einer Sondersituation, da es schlichtweg an echten liquiden Investmentalternativen fehlt. Die Entscheidungsgründe in Aktien zu investieren sind daher nicht unbedingt nur fundamentaler Natur. Von einer Flucht von staatlichen in private Assets zu sprechen ist möglicherweise noch etwas früh, aber dazu könnte es durchaus kommen. Kurzfristig ist der Markt zwar überhitzt, aber mittel- bis langfristig dürfte der DAX Index, dessen 30 enthaltene Werte mehr als drei Viertel der Marktkapitalisierung des nationalen Aktienmarkts abbilden, weiterhin vom Anlagenotstand der Investoren und der Geldflut der Zentralbanken profitieren. Sehen wir uns zu guter Letzt für unseren DAX Ausblick aber auch noch das längerfristige Chartbild an.

DAX Prognose heute: Mittelfristiger Aufwärtstrend gebrochen

Um ein übergeordnetes Bild der technischen Verfassung einer Aktie oder eines Index zu bekommen, sollte man immer erst einen Blick auf längerfristige Charts werfen und sich dann die untergeordneten Zeitebenen ansehen, die fürs Trading oder die Aktienanlage meist relevanter sind. Im 10-Jahreschart ist zunächst ein langfristiger Aufwärtstrend erkennbar. Von 5.687 Punkten im Tief, ging es bis Februar 2020 auf bis zu 13.795 Zähler, ein stattlicher Zuwachs von +142 %. Da der DAX als Performance-Index im Gegensatz zu fast allen Leitindizes auch Dividenden berücksichtigt, müssen die hohen Zuwächse im internationalen Vergleich zwar in Relation gesetzt werden, aber auch ohne Gewinnausschüttungen bleibt (beim weniger beachteten DAX-Kursindex) in der Spitze ein ordentliches Plus von +76 %.

Übrigens: Während der DAX-Performance-Index Anfang 2020 knapp ein neues Allzeithoch über der bisherigen Bestmarke von Januar 2018 erzielte, fehlten dem DAX-Kursindex zum selben Zeitpunkt zu einem neuen Kursrekord noch rund 5%. Das entspricht folglich in etwa den DAX-Dividenden 2018 & 2019. Die mittelfristigen Aufwärtstrends beider DAX-Indizes wurden durch den Corona-Crash erst einmal gebrochen, das gilt zumindest so lange bis ein neues Hoch erzielt wird.

Hier sehen Sie beide Indizes im Vergleich:

DAX Entwicklung – 10-Jahres-Chart DAX Performance-Index (mit Dividenden)

DAX Entwicklung – 10-Jahres-Chart DAX Kurs-Index (ohne Dividenden)

Entwicklung DAX Performance-Index vs. Entwicklung Dax-Kursindex – der feine Dividenden-Unterschied

DAX – Mittelfristige Performance

Bei der Betrachtung des 4-Jahres-Charts fällt auf, dass sich der DAX Performance-Index aktuell unterhalb des Zwischenhochs von Anfang 2018 aufhält. Vor allem im Vergleich zu den US-Indizes hinken die DAX 30 Werte weit hinterher. Nun kommt es darauf an, dass in den kommenden Wochen und Monaten ein neues Allzeithoch erzielt wird, denn ansonsten könnte aus charttechnischer Sicht doch nochmal ein stärkerer Rücksetzer drohen.

Lehrbuchmässig wäre es, wenn der DAX das Jahreshoch von knapp 13.800 Zählern nach einer mehrwöchigen Verschnaufpause schliesslich überwindet. Anleger, die von fallenden Kursen ausgehen, wären dann auf dem falschen Bein erwischt worden. Mittel bis langfristig betrachtet hängt das charttechnische Gesamtbild also in erster Linie davon ab, ob nach dem Crash tatsächlich ein neues Allzeithoch erzielt wird, oder ob Schwäche einsetzt und das Umfeld für Aktien wieder schwieriger wird. Anleger sollten daher flexibel auf das Marktgeschehen reagieren. In Zeiten des Corona-Virus schadet es sicher nicht, Positionen mit (ausreichend weiten) Stopps abzusichern.

4-Jahres-Chart DAX Performance-Index

DAX Prognose und Entwicklung mit Ausblick - Wie entwickelt sich der deutsche Aktienmarkt?: DAX (Performance-Index) - Entwicklung von Juli 2016 bis Juli 2020 | LYNX Online Broker

DAX-Prognose 2021: 15.000 Punkte als mögliches DAX-Kursziel

Gelingt dem DAX der nachhaltige Ausbruch auf ein neues Allzeithoch, so wäre aus charttechnischer und fundamentaler Sicht ein Kursniveau von 15.000 Punkten innerhalb von 12 bis n18 Monaten ein realistisches DAX Kursziel. Dies würde einem Zuwachs von immerhin +20 % entsprechen. Dies wäre dann zwar kein Schnäppchenniveau mehr, aber durchaus fundamental gerechtfertigt. Denn Aktien sind relativ zu allen anderen Alternativen betrachtet noch immer eindeutig die attraktivste Anlageklasse. Die DAX 30 Aktien versprechen daher auch im zweiten Halbjahr 2020 sowie im kommenden Jahr 2021 attraktive Renditen. Anleger könnten nach den Anstiegen der letzten Monate einen Rücksetzer von beispielsweise -8 % bis -12 % abwarten und für Einstiege nutzen.

Interview mit Börsenexperte Robert Halver

Erfahren Sie vom Börsenexperten Robert Halver, ob sich der DAX trotz anhaltendem Handelskonflikt, der Schwellenländerkrise und den derzeitigen Schuldverhältnissen in Europa wieder erholen und womöglich neue Rekordstände aufbauen kann oder ob es zu einer nachhaltig gedrückten Stimmung bei den Anlegern kommt.

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Wendelin Probst, Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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