Commerzbank Aktie aktuell Commerzbank: Ab welchem Punkt wäre die Aktie „Bärenfutter“?

News: Aktuelle Analyse der Commerzbank Aktie

von |
In diesem Artikel

Commerzbank
ISIN: DE000CBK1001
|
Ticker: CBK --- %

---
EUR
---% (1D)
1 W ---
1 M ---
1 J ---
Zur Commerzbank Aktie

Noch hält sich die Commerzbank in ihrem mittelfristigen Aufwärtstrendkanal … aber aktuell sieht es mehr nach Toppbildung als nach Schwungholen vor einer neuen Rallye aus. Ab wann würde die Aktie zu „Bärenfutter“?

Der Gesamtmarkt ist längst über die Hochs vom Februar 2020 hinaus, die Commerzbank-Aktie hingegen notiert noch deutlich darunter. Ein massives Stühlerücken in der Unternehmensführung, dazu eine nicht enden wollende Restrukturierung, bei der immer mehr Anleger den Eindruck gewinnen, dass bei dem Begriff „Gesundschrumpfen“ das „gesund“ unter die Räder kommt, all das macht diese Aktie nicht gerade zur ersten Wahl im bullischen Lager. Und was in einem insgesamt extrem bullischen Umfeld nicht läuft, lockt die Leerverkäufer, die Bären, an, nach dem Motto: Die Letzten beissen die Hunde.

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Commerzbank Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Grundsätzlich bestünde eine Menge Spielraum bis zu der aktuell bei 6,72 Euro verlaufenden, oberen Begrenzung des im Mai 2020 etablierten Aufwärtstrendkanals. Aber bislang fehlt es an Argumenten, hier zuzugreifen. Die Rückkehr zur Normalität verschiebt sich für Europa immer weiter auf der Zeitachse nach hinten. Und je länger die Wirtschaft unter Druck bleibt, desto geringer sind die Chancen für im Vergleich zu den „Big Players“ kleinere Geldhäuser auf dynamisches Wachstum. Das schlägt sich im Kursbild nieder:

Chart vom 06.04.2021, Kurs 5,225 Euro, Kürzel CBK | Online Broker LYNX

Die Aktie bewegt sich innerhalb des Aufwärtstrendkanals seit Ende November seitwärts, wobei auffällt, dass sie zweimal knapp unter der bis ins Jahr 2019 zurückreichenden Widerstandszone um sechs Euro abgewiesen wurde. Gelänge es, diese Zone mit Schlusskursen über 6,10 Euro zu überwinden, wäre der Weg an die obere Begrenzung des Trendkanals frei. Aber so, wie die Aktie derzeit daherkommt, ist das zwar nicht unmöglich, aber doch der eindeutig weniger wahrscheinliche Weg für die kommenden Wochen.

Nicht zuletzt deshalb, weil ein markantes Short-Signal auf mittelfristiger Zeitebene nicht fern wäre. Im Bereich zwischen 4,85 und 4,97 Euro ballen sich gleich drei wichtige Unterstützungen: die untere Begrenzung des Aufwärtstrendkanals, das untere Ende des seit November laufenden Seitwärtstrends und dann auch noch die 200-Tage-Linie – und all das liegt in Schlagdistanz. Sollte es den Bären gelingen, diese Zone zu durchbrechen, würde die Commerzbank-Aktie eine interessante Trading-Chance auf der Short-Seite abgeben.

Sie möchten an der Börse handeln?

Nutzen Sie für Ihre Börsengeschäfte ein Depot über den Online-Broker LYNX. Alles aus einer Hand: Aktien kaufen, Optionen handeln, Futures traden oder in ETFs investieren.

Informieren Sie sich hier über den Online-Broker LYNX.

--- ---

--- (---%)
Mkt Cap
Vol
Tageshoch
Tagestief
---
---
---
---

Displaying the --- chart

Heutigen Chart anzeigen


Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
Nachricht schicken an Ronald Gehrt
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.

Vorherige Analysen der Commerzbank Aktie

Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: In den letzten Monaten zeigten sich die Banken von ihrer positiven Seite. Seit dem Beginn der Impfstoff-Rallye im November des vorigen Jahres ging der Sektor massiv nach oben. Auch die Commerzbank-Aktie profitierte von diesem Trend. Doch seit einigen Wochen scheint hier das Momentum langsam und stetig zu schwinden. Die Kurse konnten im März das Hoch von Januar nicht mehr erreichen und Anleger nahmen auf immer tieferen Niveaus ihre Positionen vom Tisch. So zeigt sich aktuell eine deutliche Schulter-Kopf-Schulter-Formation, wie sie im Lehrbuch steht. Einzig die rechte Schulter könnte noch etwas tiefer sein. Die Gefahr, dass die Aktie nun erneut eine Talfahrt durchleben könnte, ist somit imminent.

Expertenmeinung: Auffällig ist derzeit vor allem auch die relative Schwäche gegenüber dem DAX. Während sich dieser Schritt für Schritt der Marke bei 15.000 Punkten nähert, geht es hier stetig in Richtung Süden. Gut möglich, dass die Bären gerade eine massive Short-Attacke planen, denn eines ist völlig klar. Sollte die Marke bei 5.00 EUR gebrochen werden, dürfte der Abverkauf in Richtung des nächsten möglichen Bodens bei ca. 4.00 EUR wohl nicht mehr aufzuhalten sein. Der Trend befindet sich längst nicht mehr in einer bullischen Phase und auch unsere Aussichten auf die Commerzbank bleiben vorab auf der bärischen Seite.


Aussicht: BÄRISCH

Chart vom 29.03.2021 Kurs: 5.142 Kürzel: CBK | Online Broker LYNX

Im Januar hatte sich die Commerzbank-Aktie bis knapp sechs Euro nach oben gekämpft. Aber nachdem das Geldhaus am 11. Februar seine 2020er-Bilanz nebst Ausblick auf 2021 vorgelegt hatte, landete der Kurs bei fünf Euro – dem bisherigen Jahrestief. Trotzdem wären vom aktuellen Kursniveau aus noch 20 Prozent nach oben möglich.

Allerdings müsste das vor allem die Charttechnik richten. Denn dass die Aktie auf die steigenden Renditen am Anleihemarkt weniger stark reagierte als andere Bankaktien, ist bezeichnend. Während die Anleger bei Aktien wie der BNP Paribas oder der Deutschen Bank zugreifen, weil sie steigende Anleiherenditen mit der Chance auf bessere Gewinnmargen für die Geldinstitute verbinden, denkt man bei der Commerzbank offenbar vor allem an eine dann geringere Kreditnachfrage und das Kreditausfallrisiko.

Dabei will die Commerzbank 2021 wieder einen operativen Gewinn erreichen, nachdem dieser 2020 bei -0,23 Milliarden Euro gelegen hatte (2019: +1,25 Milliarden Euro). Aber der jahrelange Prozess der Schrumpfung, der Personalabbau und die Filialschliessungen, all das erweckt den Eindruck, dass man hier ein Unternehmen vor sich hat, das sich gerade in die Irrelevanz restrukturiert.

Expertenmeinung: Kämen mal wieder ernstzunehmende Übernahmegerüchte auf, wäre die Aufmerksamkeit der Investoren natürlich sofort zurück. Aber nachdem mehrere Gespräche erfolglos blieben, vor allem die eigentlich spannend wirkende Idee im Sand verlief, mit der Deutschen Bank zusammen zu gehen, müsste man eher auf den Trading-Faktor setzen, wenn es um mögliches Aufwärtspotenzial für die Aktie ginge.

Sieht man sich den Chart an, springt einem als erstes der mittelfristige Aufwärtstrendkanal ins Auge. Dessen obere Begrenzung verläuft derzeit bei 6,59 Euro, steigt aber relativ zügig an. An diese obere Begrenzung heranzulaufen wäre alleine aus Trading-Gesichtspunkten möglich – ein lukratives Aufwärtspotenzial. Aber davor stünde noch eine Widerstandszone, die bis in den Sommer 2019 zurückgeht und die es in sich hat.

Denn bis auf ein einziges, kurzlebiges Mal kurz vor dem „Corona Crash“ kam die Aktie an dieser zwischen 5,93 und 6,08 gelegenen Zone nicht vorbei, obgleich die Bullen das mehrfach versuchten. Zuletzt lief der Kurs im Januar an diese Zone heran und drehte ab. Zum Wochenstart sah es so aus, als würde der nächste Anlauf starten. Aber am Dienstag kam es schon wieder zu Gewinnmitnahmen, die Aktie landete ohne neue Nachrichten an der Spitze der MDAX-Verlierer. Das macht sehr deutlich: Ja, da könnte noch Luft nach oben sein, aber bevor diese Widerstandszone 5,93/6,08 Euro nicht genommen wurde, ist dieser Weg an die obere Begrenzung des Trendkanals steinig.

Und es dürfte ebenso lohnend sein, die Unterseite nicht aus den Augen zu lassen. Denn sollte die Bullen der Mut verlassen und/oder negative Nachrichten auf den Kurs drücken, würde im Fall eines Bruchs der unteren Begrenzung des Trendkanals bei aktuell 4,73 Euro, der dann zugleich den Bruch der derzeit bei 4,82 Euro verlaufenden 200-Tage-Linie bedeuten würde, eine interessante Trading-Chance auf der Short-Seite entstehen.

Chart vom 09.03.2021, Kurs 5,674 Euro, Kürzel CBK | Online Broker LYNX

Hier finden Sie den ersten drei Teile dieser Artikelreihe:
1. Herzlich Willkommen zur Schrottrallye
2. Fulminanter Gewinn
3. Vorreiter der digitalen Transformation

Zur Einordnung und zum Verständnis der folgenden Analyse wäre es ratsam vorab den ersten Artikel zu lesen, falls noch nicht geschehen.

Aufbruch in die Zukunft

Die Commerzbank ist die führende Bank für den Mittelstand und hat mehr als 70.000 Unternehmens- sowie rund 11 Millionen Privatkunden in Deutschland.

Das aktuelle Niedrigzinsumfeld, gesetzliche Regelungen und die Digitalisierung haben das Bankgeschäft grundlegend verändert. Das gilt auch für die Art und Weise, wie Kunden ihre Bankgeschäfte erledigen möchten.

Die Commerzbank antwortet darauf mit ihrem Strategieprogramm „Commerzbank 5.0“. Mit diesem Programm möchte man sich zukunftssicher aufstellen.

LYNX Premium
Exklusiv für Börsenblick-Leser

Um den Artikel vollständig lesen zu können, müssen Sie Abonnent unseres Newsletters LYNX Börsenblick sein.
Noch kein Abonnent? Melden Sie sich jetzt kostenfrei mit Ihrer E-Mail-Adresse an.
Sie erhalten den Freischaltungslink sofort per E-Mail!
Wenn Sie schon Abonnent sind, geben Sie einfach Ihre E-Mail-Adresse ein.

Loading...

Grosse Pläne

Man sollte allerdings auch einige Fragen stellen.
Wie und warum soll das operative Ergebnis plötzlich von nahe 0 auf 2,7 Mrd. Euro steigen?

Ist das in Anbetracht fehlenden Wachstums und bei einem Umsatz von zuletzt 8,45 Mrd. Euro überhaupt realistisch? Um das zu erreichen müssten die Margen regelrecht explodieren.

Im Endeffekt will man sich gesund sparen, Stellen abbauen und Filialen schliessen. Das ist nicht gerade eine neue Strategie, verursacht erhebliche Restrukturierungskosten und hat die gewünschten Resultate bisher auch nicht gebracht.

Versprochen ist versprochen

Man kann also zumindest in Zweifel ziehen, dass es dieses Mal klappen wird.
Vor allem, da es nicht das erste Mal wäre, dass die Commerzbank anvisierte Ziele nicht erreicht hat.

Hier nur einige beliebige Beispiele.

Ausblick für 2011 (Link): Unser Anspruch ist es, über hohe Qualität nachhaltig zu wachsen. […] Für das Jahr 2011 haben wir uns auf Grundlage dieser Neuaufstellung ehrgeizige Wachstumsziele gesetzt.

Am Ende sanken die Erträge der Commerzbank 2011 von 12,80 auf 9,85 Mrd. Euro. Das Ergebnis sackte von 9,69 auf 1,80 Euro je Aktie ab.

Ausblick 2013 (Link): Strategisches Ziel der Mittelstandsbank ist es, 15% Neukunden bis Ende des Jahres 2016 zu gewinnen. Das ist ein ambitioniertes Ziel, bei dem wir im Geschäftsjahr 2013 gut vorangekommen sind.

Ausblick für 2016 (Link): Wachstum bei Kunden, Konten und Assets, erneute Steigerung der Erträge […] sind auch 2016 die wichtigsten Ziele.

In Jahr 2016 sanken die Erträge von 9,86 auf 9,32 Mrd. Euro und das Ergebnis brach von 0,90 auf 0,22 Euro je Aktie ein.

Commerzbank 4.0 -> 5.0

Daher beschloss man 2016 auch die neue Strategie „Commerzbank 4.0“ (Link). Demnach wollte man die Erträge bis 2020 auf 9,8-10,3 Mrd. Euro steigern und die Kosten auf 6,5 Mrd. Euro senken.

Wäre die Sache aufgegangen, hätte man Milliardengewinne eingefahren.

In der Realität waren die Erträge weiter rückläufig und lagen im gerade abgeschlossenen Geschäftsjahr 2020 bei 8,45 Mrd. Euro.
Man musste 1,58 Mrd. Euro abschreiben und verbuchte unter dem Strich einen Verlust von 2,87 Mrd. Euro.

Daher hat man inzwischen die Strategie 5.0 beschlossen (Link), die sich erstaunlich ähnlich wie Version 4.0 anhört…
Man will den „erfolgreichen Wachstumskurs“ fortsetzen, die Erträge bis 2023 steigern und die Kosten senken.

Wie sagt man so schön: Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.

Aussenwirkung

Wie dem auch sei. Die harten Daten und Fakten weichen erheblich von den Versprechungen ab.

Für 2021 stellt man mal wieder ein „positives operatives Ergebnis“ in Aussicht – trotz weiter sinkender Erträge, steigender Investitionen, einem Risikoergebnis von minus 0,8-1,2 Mrd. Euro und Restrukturierungsaufwendungen von 0,9 Mrd. Euro.

Wahrscheinlich kann man als Anleger froh sein, wenn beim Nettoergebnis eine schwarze Null erreicht wird.

Das passt ins Bild. Im Endeffekt ist der Umsatz seit der Finanzkrise rückläufig. Unter dem Strich verdient man kaum Geld. Von einem nachhaltig steigenden Gewinn müssen wir erst gar nicht sprechen.

Daher markiert die Aktie auch gefühlt alle paar Monate ein neues Allzeittief.

Seit Anfang 2018 ist die Aktie von 13 auf zeitweise unter 3 Euro eingebrochen. Wenige Jahre zuvor notierte die Commerzbank noch bei über 20 Euro.
Stichtag heute vor zehn Jahren waren die Papiere noch 60 Euro Wert und dereinst über 300.

Man kann nur mutmassen wie viele Anleger mit der Commerzbank-Aktie ihr Erspartes verloren haben.

Doch in Zukunft soll alles besser werden – wie immer. Vielleicht wird es das auch. Würde ich mein Geld darauf wetten? Lieber nicht. (nach dem Chart geht es weiter)

Chart vom 19.02.2021 Kurs: 5,24 Kürzel: CBK - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 19.02.2021 Kurs: 5,24 Kürzel: CBK – Wochenkerzen

Eigenwahrnehmung

Es ist ein Nebenkriegsschauplatz, aber die eher eigenwillige Eigenwahrnehmung Commerzbank dürfte so manchen Leser erheitern.
Sich selbst sieht das Bankhaus nämlich meist auf einem guten Weg. (Link).

Hier nur einige Auszüge aus beliebig gewählten Quartals- und Jahresberichten:

„Die Commerzbank ist erfolgreich ins Jahr 2010 gestartet“ (Link)

„Auf dem Weg zur Umsetzung unserer strategischen Agenda, […] haben wir im ersten Halbjahr 2013 wichtige Meilensteine erreicht“ (Link, Zwischenbericht Q2 2013)

„In einem weiterhin schwierigen Marktumfeld hat die Commerzbank ihre starke Marktposition behauptet.“ (Link, Zwischenbericht Q2 2016)

„Wir liefern, was unsere Strategie auszeichnet: Wir wachsen in unserem Kerngeschäft mit Privat- und Firmenkunden und digitalisieren unser Geschäftsmodell“ (Q1 2018)

„Im ersten Halbjahr 2020 verzeichnete die Commerzbank im Kundengeschäft eine positive Entwicklung.“ (Link, Zwischenbericht Q2 2020)

Ein Minus von knapp sechs Prozent als Reaktion auf die 2020er-Bilanz, da können eigentlich keine Fragen offen bleiben: Die Zahlen waren schlecht. Aber wenn man weiss, dass die Commerzbank diese Daten als vorläufige Ergebnisse bereits am Abend des 3. Februar vorgelegt hatte, muss man doch genauer hinsehen. Denn die Reaktion auf das vorläufige Zahlenwerk war zwar nicht positiv, aber am Ende des Tages schaffte man es, die Verluste aufzuholen. Diesmal nicht, obgleich die Eckdaten bekannt waren. Was ist jetzt anders?

Zum einen kam diesmal noch ein Ausblick auf das laufende Jahr dazu, zum anderen gab es ergänzende Kommentare. Und das war es, was die Marktteilnehmer zum Verkauf brachte. Der 2020 gegenüber dem Vorjahr gesunkene Umsatz soll auch 2021 weiter nachgeben (die Analysten hatten mit einem leichten Anstieg gerechnet). Und eine Dividende soll nicht vor dem Geschäftsjahr 2023 drin sein. Das klingt nicht gerade nach Aufschwung. Das löste Ernüchterung aus, die durch zwei Aussagen des Vorstandschefs noch erhärtet wurde:

Zum einen schliesst man betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr aus, zum anderen wird die Commerzbank den Aktienhandel und das Aktien-Research einstellen. Neue Kursziele für Aktien von Commerzbank-Analysten werden also bald Vergangenheit sein. Daraus entstand ein Gesamtbild, das wirkte, als müsste sich das Geldhaus zu Tode schrumpfen. Und angesichts dessen kann ein Minus von knapp sechs Prozent nicht wundern.

Expertenmeinung: Dass die Bank langsam immer tiefer in die Knie geht, ist zwar in einem Umfeld dramatisch geringer Gewinnspannen und einem nicht minder dramatischen Kreditausfallrisiko kein Wunder. Aber natürlich agieren diejenigen, die hier in den vergangenen Monaten eingestiegen und damit federführend für den im Mai etablierten Aufwärtstrendkanal sind, nach dem Prinzip Hoffnung. Diese Basis ist mit diesen Statements nebst der grauen Perspektive für 2021 erschüttert. Bricht also in Kürze der Aufwärtstrend?

Wäre die derzeit bei 4,55 Euro verlaufende, mittelfristige Aufwärtstrendlinie durch diese Reaktion direkt durchbrochen worden, wäre das Risiko von grösseren Anschlussverkäufen recht hoch. So aber bleibt ein Puffer bis zu dieser entscheidenden, durch die bei momentan 4,63 Euro verlaufende 200-Tage-Linie verstärkten Entscheidungszone. Damit bleibt auch die Chance, dass die negative Reaktion auf das Zahlenwerk sich totläuft, verkauft hat, wer verkaufen wollte, bevor diese Unterstützung erreicht wird.

Allerdings könnte der Bruch der Dezember-Tiefs bei 4,97/5,01 Euro einen Test dieser Zone 4,55/4,63 Euro befördern. An diese nächstliegende Unterstützung ist der Kurs am Donnerstag zurückgefallen. Bricht diese Zone, wäre damit ein kurzfristiges Topp vollendet … und alleine rein charttechnisch indizierte Abgaben bzw. Stop Loss-Verkäufe könnten dann ausreichen, um den Abwärtsimpuls aufrechtzuerhalten … und mit ihm die negative Grundstimmung. Aus dem Schneider ist die Aktie also nicht, der Sicherheitspuffer bis zur Entscheidungszone ist nicht allzu gross.

Chart vom 11.02.2021, Kurs 5,11 Euro, Kürzel CBK | Online Broker LYNX

Die Commerzbank ist das zweitgrösste Geldhaus Deutschlands mit Standorten in knapp 50 Ländern. In den beiden Geschäftsbereichen Privatkunden und Firmenkunden wird jeweils ein breites Spektrum an Finanzdienstleistungen angeboten.

Es hört nicht auf

Dass ich kein grosser Freund der europäischen und deutschen Bank bin ist keine Neuigkeit.
Der eine oder andere Leser wird meine negativen Analysen und Warnungen zur Deutschen Bank oder auch der Commerzbank kennen.

Seit Jahren warne ich und die Kursentwicklung gibt uns Recht. Ich hoffe, Sie haben sich das Debakel erspart.

Einfacher Grund

Das hat einen einfachen Grund, die meisten europäischen Banken haben die Finanzkrise nie überwunden.
Unternehmen wie die Commerzbank sind strukturell unprofitabel und haben an allen Ecken und Enden Probleme.

Die Commerzbank schafft es einfach nicht, nachhaltig profitabel zu sein. Selbst in guten Jahren erwirtschaftet man kaum die Kapitalkosten. Die Eigenkapitalrenditen liegen weit unter der US-Konkurrenz.

Der Umsatz ist quasi konstant rückläufig. Gleichzeitig hat sich die Aktienzahl seit der Finanzkrise nahezu verzehnfacht.

Für Anleger das schlimmste aller Welten. Daher kennt die Aktie auch nur eine Richtung: Abwärts.

Gescheitert

Eine Neuausrichtung und Restrukturierung jagt die andere, die Richtung ist immer dieselbe.
Man schliesst Filialen und setzt Mitarbeiter vor die Tür. Schrumpfung auf allen Ebenen.

Wie soll so jemals der Kurs steigen? Aktien legen zu, weil Unternehmen prosperieren und wachsen und nicht, weil sie sich kaputtsparen.

Denn in der Realität wird auch damit nur Geld verbrannt. Nehmen wir als Beispiel das im Vorjahr beschlossenen Programm „Commerzbank 5.0“.

Demnach soll der Fokus auf dem Ausbau des Mobilgeschäfts liegen, man plane „umfassende“ Technologieinvestitionen.

Das wäre wünschenswert. Tatsächlich entfallen von den 1,6 Mrd. Euro an Budget, die man für Commerzbank 5.0 vorgesehen hat, mehr als die Hälfte auf Restrukturierungskosten.

Man gibt 850 Mio. Euro aus, um Mitarbeiter loszuwerden und das Filialnetz um ein Viertel auszudünnen.
Was hat das mit Investition in die Zukunft zu tun?

Aktuelle Lage

Die Commerzbank hat ganz grundlegende und strukturelle Probleme. Wann und ob die jemals überwunden werden, ist fraglich.

Noch viel ungewisser ist, ob das den Aktionären dann noch etwas hilft. Oder ob man zuvor so viele Kapitalerhöhungen durchgeführt hat, dass die Anteilsscheine nahezu wertlos sind.
Genau das ist das Schicksal der Alt-Aktionäre. Seit der Finanzkrise hat das Papier über 90% an Wert verloren.

Die heute vorgelegten Zahlen passen ins Bild. Die Erträge sind um 2,17 auf 2,09 Mrd. Euro gesunken. Das operative Ergebnis ist um 62% auf 168 Mio. Euro eingebrochen.

Hinzu kommen 201 Mio. Euro an Restrukturierungskosten und schon landet man in den roten Zahlen.
Das Konzernergebnis lag bei -69 Mio. Euro, nach +297 Mio. Euro im Vorjahr.

Im ersten Quartal 2021 sollen übrigens wieder neue Umbaupläne vorgelegt werden. Die nächste Sparrunde, die eigentlich nur Geld kostet.
Ohne Worte.

Leere Worte

Währenddessen versucht der Vorstand die Anleger einzulullen:

„Wir stehen mit ganzer Kraft an der Seite unserer Kunden und kommen auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Bank voran. Mit der Übernahme der comdirect haben wir einen wichtigen Schritt gemacht, um profitabler und noch besser zu werden.“ Sagte CEO Martin Zielke.

Die Finanzchefin Orlopp formulierte es so: „Wir haben ein stabiles Kundengeschäft und eine starke Kapitalausstattung. Das ist eine gute Basis für künftige Belastungen aus der Corona-Krise und die Neuausrichtung der Bank. Für weitere Einsparungen haben wir die Voraussetzungen geschaffen.“

Hört sich das nicht toll an? Die harten Fakten sprechen leider eine andere Sprache. Ich habe mir auch mal den Spass erlaubt und die Kommentare der Chefs aus dem Quartalsbericht Anfang 2018 herausgesucht.

Damals wähnte man sich „auf Kurs“, auf einem guten Weg.

„Wir liefern, was unsere Strategie auszeichnet: Wir wachsen in unserem Kerngeschäft mit Privat- und Firmenkunden und digitalisieren unser Geschäftsmodell“, sagte CEO Zielke zum ersten Quartal 2018.

Seitdem hat die Aktie zwei Drittel an Wert verloren…

Haben Sie schon von Corona gehört?

Und dann gibt es ja noch so „unbedeutende“ Störfaktoren wie Corona und den Teil-Shutdown der Wirtschaft.
Das bringt gerade für Banken erhebliche Probleme mit sich, ich hatte es hier ausführlich beschrieben:
Droht noch ein Lockdown? Kippt der Bankensektor?

Banken haben eine ganze Menge an faulen Krediten in den Büchern und werden sie abschreiben müssen.
Im letzten Quartal hat das die CBK 272 Mio. Euro gekostet und das, obwohl die Insolvenzantragspflicht ausgesetzt ist.
Was kommt danach?

Doch der Vorstand fühlt sich mit einer Risikovorsorge von 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro in diesem Jahr „wohl“.

Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, aber ich würde mich nicht mehr wohlfühlen, wenn ich eine Milliarde Euro abschreiben müsste.

Profitabel wird man allen Erwartungen nach wohl erst wieder 2022.

Chart vom 05.11.2020 Kurs: 3,97 Kürzel: CBK - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 05.11.2020 Kurs: 3,97 Kürzel: CBK – Wochenkerzen