Nasdaq 100: Wie „verhext“ zurück über der 15.000 – und jetzt?

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NASDAQ 100
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Zur NASDAQ 100

Ein Abrechnungstermin an der Terminbörse macht vieles möglich. Das Aufholen knapp vor der Abrechnung aus dem Zielkorridor rutschender Kurse ist da keine Seltenheit. Genau das gelang beim Nasdaq 100-Index. Aber die Probleme der Bullen sind damit nicht vom Tisch.

Wenn man weiss, wie dünn das Eis ist, auf dem vor allem die US-Wirtschaft seit Jahren balanciert … wenn man weiss, dass dieses Eis durch die Flutung der Wirtschaft und, als Nebeneffekt, der Aktienmärkte mit neuen Krediten und „Gratisgeld“ noch dünner geworden ist … dann versteht man, wieso die Anleger auf diese eine Zeile im Protokoll der letzten US-Notenbanksitzung so erschrocken reagierten. Extrem niedrige Zinsen sind die Basis, um zu verhindern, dass das Wachstum schlagartig wegbricht, die Schuldenblase platzt und dieses Kartenhaus aus über Jahrzehnte immer höher angestiegenen Schulden, errichtet, um schwindendes organisches Wachstum durch künstliches zu ersetzen, in sich zusammenfällt.

Das Problem ist: Hält man diese Tür offen, durch die sich nicht nur der Staat, sondern auch Unternehmen und Privathaushalte refinanzieren, indem sie auslaufende Kredite durch immer neue ersetzen, wird die Inflation nicht gestoppt. Die Erzeugerpreise lagen im Juli 7,8 Prozent über dem Vorjahr, die Verbraucherpreise, zuletzt bei +5,4 Prozent, werden wohl nachziehen. Das würgt die Kaufkraft ab und drückt auf Wachstum und Unternehmensgewinne. Und steigert man die Löhne, um die Inflation auszugleichen, drückt eben das auf die Gewinne der Unternehmen und eine Lohn-/Preis-Spirale entsteht. Hinzu kommt, dass die US-Notenbank ebenso wenig wie andere Notenbanken imstande ist, die Spekulation im Bereich der Rohstoffe einzudämmen, die an diesem Problem entscheidenden Anteil hat. Aus dieser Zwickmühle kommt man nicht heraus. Aber bislang schien es, als hätten die Anleger kein Problem damit.

Was aber nur gilt, solange die US-Notenbank so tut, als wäre nichts. Denn man setzt darauf, dass dann zwar die Inflation zum Problem wird. Aber das würde sich auf der Zeitachse später auswirken als zeitnahe Massnahmen in Form des Rückbaus der Stützungskäufe am US-Anleihemarkt und danach erster Anhebungen der Leitzinsen. Man spielt auf Zeit … und noch scheint man diese Zeile im Notenbankprotokoll nicht ernst zu nehmen und dieses Spiel weiterzuspielen, denn der Nasdaq 100 war ja blitzschnell wieder über der runden 15.000 Punkte-Marke.

Zumindest scheint es so. Denn mit hoher Wahrscheinlichkeit war es keine neue Welle der Ignoranz gegenüber den Risiken, die über dem Markt schweben, die den Index umgehend wieder hat anziehen lassen. Es waren die grossen Akteure an der Terminbörse.

The current price and chart of the NASDAQ 100 as well as price information and all stocks in the index can be found here.

Expertenmeinung: Es war seit Ende der Vorwoche abzusehen, dass die Zielzone für die grossen Trader an der Terminbörse, die vor allem als Options-Anbieter (Stillhalter) agieren, ein Abrechnungsniveau von 15.000 Punkten oder ggf. leicht darüber war. Es ist eher die Regel als die Ausnahme, dass man diese Zone bereits mehrere Tage vor der Abrechnung der in den USA immens bedeutsamen Index-Optionen ansteuert und dann konsequent verteidigt.

Rutschen die Kurse aus einer solchen Zone hinaus, haben diese Akteure zwei Möglichkeiten. Entweder, sie gehen, wenn es um eine Abrechnung am oberen Ende der Handelsspanne geht, Short und hedgen sich so gegen weiter abrutschen Kurse. Was indes die Abwärtsbewegung intensiviert und deswegen zu einem Dominoeffekt führen kann. Oder aber man treibt die Kurse über den Hebel der Futures gezielt wieder in die Zielzone zurück. Was zwar ggf. viel Kapital erfordern kann. Aber meist kann man sich sicher sein, dass die anderen „Grossen“ am selben Strang ziehen, zugleich werden die Kurse bei solchen abrupten Turnarounds nach oben auch von den vielen Tradern mit nach oben gezogen, die sicher sind, dass man wieder einmal einen Rücksetzer vor sich hat, der die perfekte Kaufgelegenheit darstellt. Daher muss man den Karren meist nur anschieben, laufen wird er dann von allein. Wenn wir uns den Chart des Nasdaq 100 auf Stundenbasis ansehen: Genauso ist es gelaufen. Aber ist das jetzt die Initialzündung, um den Index auf neue Rekorde davonziehen zu sehen?

Das ist zumindest fraglich. Denn, ob im Stundenchart seit Monatsbeginn oder im Chart auf Tagesbasis: Es ist unübersehbar, dass den Bullen der Schwung abhandengekommen ist. Seit Wochen schiebt sich der Nasdaq 100 nur noch seitwärts. Und es ist keinem Anleger entgangen, dass die Quartalsbilanzen der Technologieunternehmen die Dynamik nicht zurückzubringen vermochten. Zudem weiss man um die Zwickmühle der „Fed“, die für den Aktienmarkt ja ebenso eine ist: Das Wachstum wird ausgebremst … entweder schnell durch die Notenbank oder etwas später durch die Inflation. Und Marktteilnehmer, die wissen, wie dünn das Eis ist, reagieren schnell, wenn sie fürchten, dass es gerade bricht.

Nasdaq 100: Stunden-Chart vom 20.08.2021, Kurs 15.092,57 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Trotzdem kann man nie sicher sein, wann es dazu kommt. Der Nasdaq 100 könnte durchaus die bisherigen Hochs angehen und überbieten, auch, wenn da jetzt nicht mehr allzu viel Spielraum nach oben zu erwarten wäre. Daher wäre es äusserst riskant, auf Verdacht auszusteigen und sogar auf die Short-Seite zu wechseln, bevor das Chartbild das nicht indiziert. Wo läge ein solcher „Punkt X“?

Nasdaq 100: Tages-Chart vom 20.08.2021, Kurs 15.092,57 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Auf kurzfristiger Ebene liesse sich vermuten, dass es sofort kritisch wird, wenn dieses Wochentief bei 14.773 Punkten, das am Donnerstagmorgen zum Sprungbrett für die Rallye zur Terminbörsen-Abrechnung wurde, unterboten wird. Würde diese kurzfristige Supportmarke fallen, kann das bereits reichen, den Nasdaq 100 an das Juli-Verlaufstief bei 14.455 Punkten zu drücken und darüber hinaus dann an die mittelfristige Auffangzone 13.880/14.073 Punkte. Aber erst unter dieser Zone wäre mehr zu unterstellen als ein kräftiger Rücksetzer. Wer nicht gezielt risikofreudig und kurzfristig agiert, sollte mit Short-Trades also zunächst noch vorsichtig sein.

 

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Die Quartalsbilanzen der grossen Nasdaq-Schwergewichte sorgten nicht für neuen Schwung, in den vergangenen drei Wochen trat der Nasdaq 100 nahezu auf der Stelle. Aber der Trend weist trotzdem weiter nach oben. Und gerade an der Nasdaq gilt: Totgesagte leben länger!

Es war zwar nicht sicher, aber überraschen durfte es nicht, dass die „Earnings Season“, die Phase, in der die Quartalsbilanzen auf den Tisch kommen, nicht für eine wilde Kaufwelle sorgte. Denn mit den derart weit und lange gestiegenen Kursen und diesem permanenten, umgehenden Aufholen jedweder, kurzer Abverkäufe stiegen nicht nur das Selbstvertrauen der Bullen, sondern auch ihre Erwartungshaltung. Es wirkt wie ein Spiegelbild des Lebens, zumindest bei manchen: Ist man erst einmal auf der Erfolgsspur, ist gut auf einmal nicht mehr gut genug. Wobei die häufig trotz guter Zahlen ausbleibenden Käufe auch „hausgemachte“ Gründe hatten.

Denn die Kurse sind im Vorfeld stark gelaufen, viele haben, wie das in Aufwärtstrends typisch ist, guten Ergebnissen vorgegriffen. Das limitiert die Zahl derer, die wirklich erst kaufen, wenn die Zahlen schwarz auf weiss auf dem Tisch liegen, während viele dann ihren Gewinn kassieren wollen. Dieses Phänomen hatte in der vorangegangenen „Earnings Season“ Ende April bis Mitte Mai zu einer kräftigen Korrektur geführt. Dass sich der Nasdaq 100 diesmal, zumindest bislang, gut gegen die Gewinnmitnahmen der „Vorkäufer“ behaupten kann, ist also gar nicht mal so übel. Ob der Index deshalb aber um eine Korrektur herumkommt, ist fraglich, denn:

Diese Hausse hat seit ihrem Beginn im März 2020 schon sehr weit geführt. Die Bewertungen nicht weniger Aktien im Index ist hoch und die Rahmenbedingungen zumindest wacklig. Vor allem, weil man sehr starke Konjunkturdaten wie die am Freitag vorgelegten US-Arbeitsmarktdaten für Juli auch negativ interpretieren kann, weil ein deutlicher Anstieg der Beschäftigung und die damit verbundenen, kräftigen Lohnsteigerungen (+4,0 Prozent zum Vorjahresmonat) indizieren, dass das Inflationsproblem sich verstetigen könnte. Die Frage ist indes, ob es den Ausstieg lohnt, wenn die derzeit spürbar erlahmende Hausse die nächste Auszeit nehmen würde?

Wochenchart vom 06.08.2021, Kurs 15.109,35 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Das kommt darauf an, wie kurzfristig und aggressiv man auf der Long-Seite agiert. Durch das schwindende Momentum der Bewegung sind die ganz kurzfristigen Ankerpunkte jetzt nahe, da geht es um die Mai-Aufwärtstrendlinie und die aktuell auf gleicher Höhe verlaufende 20-Tage-Linie, die am Freitag bei 14.940 Zählern verliefen. Fällt dieser Bereich, kann das eine Korrektur einleiten. Wer kurzfristig agiert, könnte daher schon den Bruch dieser nahe gelegenen, gerade erst letzte Woche getesteten und gehaltenen Zone zum Anlass nehmen, erst einmal auszusteigen. Aber erst, wenn sich das dann ergebende Kursziel fallen würde, wäre auch aus mittelfristiger Sicht etwas angebrannt.

Dieses Kursziel wäre der Supportbereich 13.800 bis 14.073 Punkte, bestehend aus der mittelfristigen Aufwärtstrendlinie und den Hochs vom Februar und April. Falls der Nasdaq 100 diese Zone verteidigt, wäre das eine gute Basis für die nächste Welle an „Vorkäufen“ mit Blick auf die Bilanzen des laufenden, dritten Quartals. Nur, wenn diese Zone durchschlagen würde, müsste man unterstellen, dass die Zeit der Bullen womöglich auch für längere Zeit abgelaufen wäre und die bislang so erfolgreich verdrängten Risikofaktorenbeginnen, sich auszuwirken.

Tageschart vom 06.08.2021, Kurs 15.109,35 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Zweimal touchierte der Nasdaq 100 in der vergangenen Woche die „magische Marke“ von 15.000 Punkten und drehte ab. Es folgten zwei schwache Tage … und das mulmige Gefühl im bullischen Lager, dass man womöglich soeben die Endstation gesehen habe. Ist das so?

Das muss nicht so sein, aber man täte gut daran, das als Möglichkeit einzukalkulieren. Dafür spräche, dass der Index mit dem Erreichen dieser Marke ein „inneres“ Kursziel von manchen Akteuren erreicht und zuvor in relativ kurzer Zeit einen gewaltigen Anstieg vollzogen hat. Gerechnet vom Rekordhoch vor dem Corona-Crash im Februar 2020 (9.736 Punkte) hat der Index ca. 54 Prozent zugelegt. Vom Tief des Corona-Crashs gerechnet sind es sogar über 120 Prozent. Das ist sogar für einen dynamischen Index wie den Nasdaq 100 ungewöhnlich viel.

Nasdaq 100: Tages-Chart vom 16.07.2021, Kurs 14.681,38 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Aber das muss die Hausse nicht beenden, solange geliefert wird, worauf diejenigen, die hier seit Frühjahr 2020 eingestiegen sind, setzen: dynamisch steigende Unternehmensgewinne bei den Schwergewichten und Publikumslieblingen des Index wie Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet, Facebook, Nvidia oder Tesla. Wenn die beeindruckende Gewinndynamik dieser Top-Aktien erhalten bleibt, wäre die durchaus hohe Bewertung des Nasdaq 100 über das Kurs/Gewinn-Verhältnis zwar weiter hoch. Aber sie wäre eben nicht zu hoch, weil man die Bestätigung erhalten würde, dass die Unternehmensgewinne den Kursen hinterherkommen.

Das wird in den kommenden drei Wochen das entscheidende Element sein: die Bilanzen des zweiten Quartals. Doch damit reden wir über eine „Wundertüte“. Wobei es gar nicht mal um die Ergebnisse an sich geht, die man im Vorfeld nicht absehen kann, erst recht nicht für alle der grossen Hightech-Unternehmen zusammen. Es geht um die Frage, was die Trader da wirklich erwarten. Denn zumindest die erfahrenen Akteure wissen, dass die Analysten gerne deutlich zu tief schätzen, um das bullische Lager mit einer Welle übertroffener Prognosen bei Laune und den Aufwärtstrend stabil zu halten. Also geht es in Wahrheit um die „Whisper Numbers“, die Zahlen, mit denen die Trader wirklich rechnen. Und was man da mehrheitlich erwartet, ist nicht zu greifen, letztlich aber entscheidend für die Reaktion im Anschluss an die gemeldeten Zahlen. Was tun?

Nasdaq 100: Wochen-Chart vom 16.07.2021, Kurs 14.681,38 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Eine „Earnings Season“, also die Phase, in der die wichtigsten Quartalsbilanzen veröffentlicht werden, ist immer volatil, denn meist weisen die Reaktionen auf die vor allem kurz vor und nach der Monatswende Juli/August einlaufenden Ergebnisse der Hightech-Blue Chips nicht in die gleiche Richtung. Man sollte also, wenn man hier auf der Long-Seite dabei ist, mit Schwankungen rechnen, die durchaus auch bis zur mittelfristigen Aufwärtstrendlinie reichen könnten, die derzeit bei 13.600 Punkten verläuft. Erst, wenn diese Phase der wichtigsten Bilanzen vorüber ist, wird klar, ob das Touchieren der „magischen“ 15.000er-Marke wirklich vorerst die Endstation für die Nasdaq 100-Hausse war oder aber nur eine Etappe auf dem Weg zu noch höheren Levels.

Es dürfte die Erwartung dieser zunehmenden Volatilität gewesen sein, die manche bewogen hat, bei 15.000 Punkten Gewinne zu sichern. Aber sie würden damit nur Recht bekommen, wenn die momentan fast zehn Prozent tiefer verlaufende, mittelfristige Aufwärtstrendlinie brechen würde. Wer hier auf der Long-Seite dabeibleiben will, sollte seine Position also so gestalten, dass diese eine Zeitlang auch solche grösseren Schwankungen aushalten kann.

Er ist heiss gelaufen, der Nasdaq 100 mit seinen Flaggschiffen wie Amazon, Microsoft oder Apple. Aber er ist trotzdem noch perfekt in der Spur, was die Charttechnik angeht. Die Bullen wollen die 15.000 erreichen, welche mit Händen zu greifen sind. Aber was kommt danach?

Im Prinzip ist es ja die richtige Sichtweise in einer Hausse: Irgendwann kommt der Tag, an dem das Hoch erreicht wird. Und vielleicht kippt der Markt dann rasend schnell. Aber an allen Tagen davor bleibt die Hausse eben intakt und Long die richtige Seite für die Trader. Es gibt aber Situationen, in denen es ratsam ist, trotzdem, auch in einer noch völlig intakten Rallye, besonders wachsam zu werden. Wenn ein markttechnisch überkaufter, von der klassischen Bewertung über das Kurs/Gewinn-Verhältnis schon recht teurer Index auf eine historische, runde Marke zusteuert, ist ein solcher Moment gekommen.

In etwa drei Wochen werden die Schwergewichte des Index ihre Quartalsbilanzen vorlegen. Zwar gibt es keinen Hinweis darauf, dass es da zu nennenswerten Enttäuschungen kommen wird. Aber das Konsumverhalten weltweit ist ein wenig zurückhaltender als man das zu Jahresbeginn noch erwartete. Und die massiv gestiegenen Erzeugerpreise drücken auf die Unternehmensgewinne. Ob die „Earnings Season“ also zu einem Hausse-Booster wird, ist zumindest fraglich. Daher müsste man schon im Hinterkopf haben, dass die Zeit ungebremst steigender Kurse womöglich begrenzt ist, eine Korrektur einkalkuliert werden sollte. Und gerade die Annäherung an eine grosse, runde Marke wie die 15.000 beim Nasdaq 100 sollte da genau beobachtet werden.

Expertenmeinung: Es ist nur noch ein Katzensprung bis dorthin. Befeuert wurde die Annäherung an diese Marke durch das zweifellos erneut reichlich zu Monats- und Quartalsbeginn zugeflossene Geld der Sparer, die, solange die Kurse schön steigen, einfach weiter Geld an Fonds und ETFs überweisen und/oder die Publikumslieblinge des Index direkt kaufen. Darüber hinaus ist der Nationalfeiertag (4.7.) statistisch, so seltsam es wirkt, ein Tag, um den herum die Kurse meistens zulegen. Aber was passiert, wenn die 15.000 Punkte erreicht werden? Wird das die Rallye noch intensivieren – oder werden dann viele nach unten blicken, auf diese unglaubliche Rallye seit März 2020, bei welcher der Nasdaq 100 alle anderen grösseren Indizes um Längen geschlagen hat, und Gewinne mitnehmen?

Das vorherzusagen ist unmöglich, weil es sich da um völlig subjektive, emotional basierte Entscheidungen jedes Einzelnen handelt. Aber es ist traditionell so, dass sich beim Erreichen solcher „Big Figures“ besonders viele die Frage stellen, ob es nicht an der Zeit sein könnte, Kasse zu machen. Daher sollte man sich, nicht zuletzt mit Blick auf den überkauften Level des Index aus markttechnischer Sicht, engmaschig an der Charttechnik orientieren.

Hier findet sich eine nahe gelegene Schlüsselzone in Form der überbotenen Hausse-Begrenzungslinie (rot), der Mai-Aufwärtstrendlinie und der 20-Tage-Linie (blau). Die liegt zwischen 14.200 und 14.450 Punkten. Würde der Nasdaq 100 an der 15.000 erst einmal abprallen, diese Zone aber halten, wäre nichts angebrannt. Fiele dieser Supportbereich jedoch, wäre es unbedingt zu überlegen, sich denen anzuschliessen, die da ihren Gewinn in trockene Tücher packen.

Chart vom 02.07.2021, Kurs 14.727,63 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Der Dow Jones notiert noch klar unter seinem bisherigen Verlaufsrekord, der marktbreite S&P 500 ist nahe dran, aber der Nasdaq 100, der seit Mitte Februar hinter dem Dow zurücklag, hat gestern ein neues Allzeithoch erreicht. Der Weg nach oben scheint frei. Ist er es auch?

Nachdem der technologielastige Nasdaq 100 im Mai über seiner mittelfristigen Aufwärtstrendlinie ein Doppeltief vollendet hatte, begann die Aufholjagd. Per Dienstagabend liegt der Nasdaq 100 in der Jahresperformance wieder gleichauf mit dem Dow. Und er hat die bessere Ausgangsposition, um weiter zu laufen. Zum einen, weil der Schlussstand des Dienstags ein neuer Schlussrekord ist, beim Dow Jones nicht.

Zum anderen, weil der Nasdaq 100 der Heimatindex von Aktien bzw. deren Unternehmen ist, die unter dem Strich die grössere Umsatz- und Gewinndynamik gegenüber den zahlreichen „Old Economy“-Aktien des Dow Jones aufweisen. Hier ist die Bewertung zwar höher, aber sie ist eher angemessen als beim Dow, wo Kurs/Gewinn-Verhältnis und Wachstumspotenzial weniger zusammenpassen als an der Nasdaq. Monatelang waren es die Aktien der „klassischen“ Branchen, die massiv gekauft wurden. Doch seit einigen Wochen beginnt die Branchenrotation, jetzt scheint wieder mehr Geld in die konjunktursensiblen Branchen zu fliessen oder besser: in die Branchen, für die das Problem der Inflation weniger akut ist.

Denn in der Regel trifft eine zu starke Inflation die Hightechs erst durch die Hintertür, über die sinkende Kaufkraft, die auf den Konsum drückt. Das aber ist nicht sofort zu erwarten. Im dritten Quartal vielleicht, eher aber im vierten. Direkte Massnahmen der US-Notenbank hätten diese Technologieunternehmen mit traditionell höheren Schulden und mehr Kapitalbedarf härter getroffen. Jetzt aber glaubt man sich sicher, dass die „Fed“ wenn, dann nicht vor in drei Monaten beginnt, aktiv gegen die Teuerung vorzugehen. Und das auch noch so verhalten wie möglich, um Wachstum und Aktienmarkt nicht zu verunsichern.

Das wird sie zwar, wenn die Inflation nicht einfach von alleine wieder sinkt, ins Hintertreffen bringen. Aber bis dahin wird Zeit vergehen. Zeit, die die Trader nutzen wollen, um noch einmal richtig zuzulangen. Mit diesem neuen Rekordhoch haben sie sich eine gute Ausgangsbasis geschaffen.

Aber das ist kein zwingendes Argument dafür, dass der Nasdaq 100 weiter steigen muss. Wenn eine Hausse „alt“ wird, wenn die Rahmenbedingungen kritischer werden und die Bewertungslevels der Aktien höher, tut man als bullischer Trader gut daran, immer wieder über die Schulter zu blicken.

Monatschart vom 22.06.2021, Kurs 14.270,42 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Der Nasdaq 100 hat jetzt bei überkauftem Level des Stochastik-Indikators die obere Begrenzung eines keilförmigen Aufwärtstrendkanals erreicht, wie wir im Tageschart sehen. Und betrachtet man das ganz langfristige Bild, die gesamte Hausse der vergangenen zwölf Jahre auf Monatsbasis und in einer logarithmischen Skalierung, die die Grösse der Impulse vergleichbar macht, sieht man, dass der Index zwar den übergeordneten Trendkanal überwunden hat, sich aber nicht nach oben absetzen kann. Und der RSI-Indikator auf Monatsbasis weist eine negative Divergenz aus, d.h. die neuen Hochs werden nicht durch neue Hochs im Indikator bestätigt. Das sind zumindest Warnsignale.

Alleine deswegen Short zu gehen, wäre höchst gewagt, keine Frage. Aber sich engmaschig abzusichern, wäre mehr als eine Überlegung wert. Für aggressive Long-Trades wäre sogar eine enge Absicherung knapp unter 13.800 Punkten zu erwägen. Denn Schlusskurse darunter hiessen, dass der Nasdaq 100 nicht nur das Vorwochen-Verlaufstief und die 20-Tage-Linie unterboten hätte, sondern auch die vorherigen Rekordhochs vom Februar und April. Dann wäre dieser Ausbruch zu einer Bullenfalle geworden und das Risiko, dass zu viele ihren Gewinn zur selben Zeit mitnehmen wollen, gross. Ein guter Grund um zu versuchen, das dann als erster zu tun.

Tageschart vom 22.06.2021, Kurs 14.270,42 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Bereits Anfang Juni hatten wir den Absturz der Aktie des deutschen Windkraftspezialisten genauer analysiert. Die bullische Phase der Nordex-Aktie ist mittlerweile Geschichte und zahlreiche Anleger haben sich in der Zwischenzeit von dem Wertpapier getrennt. Die bärischen Tendenzen im Chart sind kaum zu übersehen und nicht einmal das Pivot-Tief von März bei rund 18.86 EUR konnte den Kursen unterstützend unter die Arme greifen.

Alles in allem kein wirklich schönes Gesamtbild, welches wir hier zu sehen bekommen. Sämtliche Erholungsversuche wurden in den letzten Wochen schnell im Keim erstickt und solange wir hier tiefere Hochs und tiefere Tiefs im Chart haben, gibt es keinen Grund auf eine mögliche Trendwende zu hoffen. Auch die gleitenden Durchschnitte der Perioden 20 und 50 zeigen uns nach wie vor ein ernüchterndes Bild. Hier tanzen vorerst noch die Bären.

Expertenmeinung: Auf mittelfristiger Ebene sehen wir aktuell zwei markante tiefere Hochs. Erst wenn diese oder zumindest eines davon nach oben gebrochen werden kann, ist mit einer Stabilisierung des Kursverlaufs zu rechnen. Die Aktie müsste somit über das Niveau von 19 EUR gehen, um etwas Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Erst dann ist mit einer möglichen Wende zu rechnen. Solange nicht einmal das geschieht, sollten sich Anleger mit der Hoffnung auf einen vermeintlich günstigen Kauf wohl noch etwas zurückhalten.

Aussicht: BÄRISCH

Chart vom 21.06.2021 Kurs: 17.70 Kürzel: NDX1 | Online Broker LYNX