XAUUSD aktuell Gold: Mit einem Doppeltief zurück zu alter Stärke?

News: Aktuelle Gold Analyse des London Gold Spot

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London Gold Spot
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Ticker: XAUUSD
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Währung: USD

Gold hat über wichtigen charttechnischen Unterstützungen ein Doppeltief ausgebildet. Das wäre die ideale Basis für einen weitreichenden Aufwärtsimpuls. Aber noch ist die Formation nicht vollendet. Wo liegt die entscheidende Hürde?

Aktienmarkt-Bullen sehen den bereits acht Monate andauernden Abstieg des Goldpreises von seinem Anfang August 2020 bei 2.075 US-Dollar markierten Rekordhoch als völlig normal an. Die Aktienmärkte steigen schliesslich, die Stimmung ist bullisch, die Hoffnung gross. Warum sollte da der „sichere Hafen“ Gold gesucht sein? Schliesslich fallen die Kurse am Anleihemarkt auch. Dort fliesst Geld ab und zum Teil in den Aktienmarkt, warum also nicht auch bei Gold.

Gold-Bullen entgegnen, dass die Lage ja bei weitem nicht so rosig ist, wie das die Optimisten gerne hätten. Wer zu wenig für die Wirtschaft tut wie in Europa bekommt zu wenig Wachstum. Und wer zu viel Geld in die Hand nimmt wie in den USA, bekommt Inflation. Beides wären Szenarien, die Gold favorisieren würden. Dass man diese Karte an der Börse bislang nicht spielt, ist für die Gold Bugs kein Argument. Ihre Zeit, davon sind sie überzeugt, wird kommen. Wer hat Recht?

Expertenmeinung: Im Prinzip beide Seiten. Vorerst hat Gold schlechte Karten, weil die Haken, die die aktuelle Entwicklung mit sich bringt, eben nicht wahrgenommen werden. Und ob das Wachstum in der Eurozone zurückbleibt, ob sich die USA eine nicht zu bändigende Inflation einhandeln, das muss sich ja erst noch herausstellen. Käme es so, hätte Gold sicherlich viel Luft nach oben. Aber bis aus Vermutungen Fakten werden, werden noch Monate vergehen.

Aber eine Rallye muss nicht immer auf typischen Argumenten beruhen, die diesen „sicheren Hafen“ befeuern würden. Schliesslich agiert man am Goldmarkt seit vielen Jahren zunehmend auf der Trading-Ebene, die vor allem chart- und markttechnischen Signalen gehorcht. Und da würde das fast vollendete Doppeltief, das sich oberhalb der Unterstützungszone 1.660/1.670 US-Dollar ausgebildet hat, völlig ausreichen, um die Trader zum Long-Einstieg zu bewegen … sobald es vollendet wäre. Sollte das gelingen, wäre nach oben wohl einiges drin, immerhin liegt die Nackenlinie dieser Formation nicht zufällig im Bereich einer Zone, die auch zuvor schon charttechnisch relevant war: in der Zone 1.747 zu 1.766 US-Dollar.

Die zurückzuerobern, wäre an sich schon bullisch. Dadurch, dass damit zugleich eine Aufwärts-Trendwendeformation vollendet würde, wäre das erst recht der Fall. Dann hätte das Edelmetall aus charttechnischer Sicht erst einmal Spielraum an die aktuell bei 1.858 US-Dollar verlaufende 200-Tage-Linie, darüber würde dann bei aktuell 1.885 US-Dollar die mittelfristige Abwärtstrendlinie warten.

Gold: Chart vom 07.04.2021, Kurs 1.740,80 US-Dollar, Kürzel XAUUSD | Online Broker LYNX

Ob die bezwungen würde, wird sich wohl wirklich anhand der dann vorherrschenden Stimmungslage am Gesamtmarkt orientieren. Aber das Sprungbrett, um dorthin zu gelangen, dieses kurz vor der Vollendung stehende Doppeltief, könnte bereits in Kürze aktiviert werden.

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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen des London Gold Spot

Überall wird gerade Geld aus dem Markt genommen. Die Anleihekurse fallen kräftig, am Aktienmarkt stehen bislang vor allem die Technologietitel unter Druck, aber auch Blue Chip-Indizes beginnen zu wanken. Das wäre eigentlich die Stunde des Goldes. Aber der Goldpreis fällt auch … und das auch noch kräftig. Was geht da vor?

Diese Frage stellen sich derzeit alle. Es gibt keinen nach aussen hin sichtbaren, zwingenden Grund, weshalb ausgerechnet jetzt so viel Geld aus den Börsen heraus und offenbar zunächst nur auf die Konten fliesst. Eine Möglichkeit wäre, dass die institutionellen Investoren sehen, dass zur Monatswende wenig Kapital zugeflossen ist oder sogar abfliesst und daher aufgrund ihrer zuletzt deutlich heruntergefahrenen Barreserven Positionen verkaufen müssen.

Eine andere Möglichkeit wäre, dass zuletzt schon leichte Gewinnmitnahmen reichten, um viele Trader aus dem Markt zu drängen, weil die Risikobereitschaft seit Monaten immer höher wurde. Immer mehr Positionen laufen auf Kredit und haben daher eine minimale Verlust-Toleranz. Rutschen die Kurse, müssen diejenigen, die zuvor dem Aufwärtstrend gefolgt sind und mit hohen Hebeln und auf Pump agieren, sofort aussteigen. Und warum reagieren die Anleger dann nicht, indem sie angesichts einer riskanten Situation Gold kaufen?

Expertenmeinung: Weil Gold heute ein Asset wie alle anderen ist und weniger ein „sicherer Hafen“. Der Anteil kurzfristiger, spekulativer Trades am Gesamtumsatz ist auch bei Gold in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Was nicht nur bedeutet, dass die Charttechnik für die Kursbildung zumindest auf kurzfristiger Ebene eine grössere Rolle spielt als der Aspekt einer vom Aktien- und Anleihemarkt abgekoppelten, langfristigen Vermögensanlage. Es bedeutet auch, dass auch hier hochspekulativ und auf Kredit gezockt wird und Trader dadurch genauso unter Druck geraten, wenn sich die Kurse in die für sie falsche Richtung bewegen, wie bei anderen Assets auch. Hinzu kommt:

Wenn grosse Investoren aufgrund einer unsicheren Entwicklung beginnen, ihre Barreserven zu erhöhen, verkaufen sie oft alles querbeet, weil die Lage eben kurzfristig unübersichtlich ist. Erst, wenn sich der Nebel zu lichten beginnt, entscheiden solche grossen Adressen dann, wo konkret man wieder mehr Kapital einsetzt. Das ist auch der Grund, wieso auch Gold im Zuge des Corona-Crashs im Februar/März 2020 mit unter die Räder kam. Das heisst aber nicht, dass Gold als „sicherer Hafen“ versagen würde. Man darf eben nur nicht erwarten, dass Gold sofort kräftig steigt, wenn Aktien gerade fallen. Wann der Joker des „sicheren Hafens“ ins Spiel kommt, ist im Vorfeld zwar nie absehbar. Aber da bietet die Charttechnik ja eine tadellose Hilfestellung, zumal, wenn man sich erinnert, dass die vielen kurzfristigen Akteure ebenfalls auf dieser Basis agieren. Und momentan weist der Daumen da nach unten:

Gold ist durch die wichtige Unterstützungszone 1.747/1.766 US-Dollar gerutscht und hätte dadurch aus charttechnischer Sicht Abwärtspotenzial bis zur Auffangzone 1.661/1.671 US-Dollar. Aber die Zone, über die sich der Kurs retten müsste, um wieder ein bullisches Signal zu generieren, ist gut definiert. Dazu muss er über die breite Widerstandszone zwischen 1.802 und 1.859 US-Dollar hinaus. Dann wären kurzfristiger Abwärtstrend, 20-Tage- und 200-Tage-Linie zurückerobert und zugleich ein Kaufsignal im Trendfolgeindikator MACD vorhanden. Dann wäre der Weg frei – und unmittelbarer Spielraum bis in die Region 1.960/1.975 US-Dollar.

Chart vom 26.02.2021, Kurs 1.731,35 US-Dollar, Kürzel XAUUSD | Online Broker LYNX

Es fehlt nicht mehr viel, dann wäre die Unterstützungszone beim Goldpreis gebrochen, die den Weg für weitere knapp 100 US-Dollar Kursabstieg freigeben würde. Aber wäre ein solcher Abverkauf angesichts der bislang ja schon kräftigen Abschläge überhaupt realistisch?

Er wäre zumindest nicht überraschend, denn diejenigen, die derzeit das Geschehen am Markt aktiv gestalten, spielen die „Zukunftskarte“. Der Ölpreis steigt immer höher, die Aktienindizes markieren neue Rekorde. Man setzt auf starkes Wachstum in den kommenden Monaten, initiiert durch das Ende der Lockdowns und kräftige Finanzspritzen der Regierungen und Notenbanken. Dass vieles von diesen Erwartungen bereits in den Kursen drin ist, dass der Aktienmarkt momentan sukzessiv unruhiger wird, mag viele vorsichtig stimmen. Aber diejenigen, die derzeit auf den Goldkurs drücken, gehören nicht zu denen, die sich nach ihrem Schatten umsehen. Hier wird diese Boom-Karte gespielt, ein Szenario gesehen, in der niemand mehr einen angeblich „sicheren Hafen“ wie Gold haben will. Und diese Karte kann durchaus stechen, denn:

Gerade am Rohstoffmarkt geht es, wenn es um die Kursbildung geht, weit weniger um die faktische Nachfrage als um das kurzfristige Trading. Der Grossteil der Transaktionen sind kurzfristige Spekulationen. Und die folgen dem Trend. Was bei Gold hiesse:

Expertenmeinung: Sollte Gold die Unterstützungszone 1.748/1.766 US-Dollar brechen, wäre der Weg aus rein charttechnischer Sicht bis zur nächsten, markanteren Auffangzone bei 1.660/1.670 US-Dollar frei.

Dass die bärischen Trader momentan das Geschehen dominieren, zeigt das Chartbild sehr deutlich. So ist es gelungen, den Trendfolgeindikator MACD, im Chart unten mit eingeblendet, genau auf Höhe seiner Signallinie wieder nach unten zu drücken und das vorbestehende Short-Signal dadurch zu zementieren. Zugleich sehen wir den Kurs selbst in einem perfekt bärischen Szenario:

Anfang Februar brach die 200-Tage-Linie, zugleich wurde der Goldpreis in den letzten gut vier Wochen gleich dreimal auf Höhe der 20-Tage-Linie nach unten abgewiesen, die derzeit mit der kurzfristigen, Anfang Januar etablierten Abwärtstrendlinie bei 1.833 US-Dollar einen entscheidenden Doppelwiderstand bildet. Wir sehen auch, dass die Zwischentiefs zuletzt jeweils unter dem vorherigen lagen, was zeigt, dass die Bären die Gegenwehr sukzessiv abarbeiten, die bullischen Verteidiger so „weichklopfen“. Ob die Zone 1.748/1.766 US-Dollar gleich beim ersten Versuch fällt, wird sich erst zeigen müssen, aber solange der Kurs nicht klar über Abwärtstrendlinie und 20-Tage-Linie hinaus steigt, behalten die „Shorties“ das Ruder fest in der Hand.

Gold-Kurs: Chart vom 17.02.2021, Kurs 1.772,70 US-Dollar, Kürzel XAUUSD | Online Broker LYNX

Drei Fragen beschäftigen die Investoren derzeit, wenn es um Gold geht. Kann man Gold aktuell als „sicheren Hafen“ ansehen? Wenn ja, ist die Situation derzeit so, dass man einen „sicheren Hafen“ bräuchte? Und kann man den jüngsten Abwärtsschub als klares Signal dafür ansehen, dass die Bären hier das Ruder übernommen haben, so dass Long-Trades vorerst keine Chance hätten? Weil die Antwort auf alle drei Fragen momentan „kommt drauf an“ lautet, sieht das Chartbild so aus, wie es eben aussieht: ohne jede taugliche Struktur.

Seit die letzte grosse Rallye im August zu Ende ging, sehen wir zwar tiefer liegende Zwischenhochs. Aber ob obere und untere Wendemarken oder die 20-Tage-Linie: Normalerweise recht zuverlässige charttechnische Orientierungspunkte scheinen momentan weder als Widerstand noch als Unterstützung zu funktionieren. Ein gutes Beispiel dafür ist die bis November sehr markante Unterstützungslinie bei 1.850 US-Dollar. Die wurde im November gebrochen, seither aber mehrfach über- und unterboten, als wäre sie gar nicht da. Wieso ist dem Goldpreis die charttechnische Struktur abhandengekommen?

Expertenmeinung: Eben wegen dieser schwammigen Antworten, die man derzeit auf die eingangs genannten drei Fragen geben müsste. Ob Gold zu einem „sicheren Hafen“ wird, ist immer davon abhängig, wie viele Investoren das so sehen. Per se ist nichts zwingend „sicher“, wenn es hart auf hart kommt. Und darüber hinaus ist eben die Frage, ob die Gesamtsituation einen „sicheren Hafen“ braucht. Ob sich die Weltwirtschaft wirklich stabilisieren wird, weiss man erst, wenn es gelungen oder fatal schief gegangen ist. Momentan ist das eben noch offen. Und damit kann momentan weder das bullische noch das bärische Lager genügend „Manpower“ aufbieten, um einen starken, wirklich weitreichenden Impuls zu generieren.

Solche Situationen kommen immer mal wieder vor. Sie führen dazu, dass vor allem die charttechnisch orientierten Akteure das Geschehen bestimmen. Was aber nicht zu einem klaren Chartbild auf Tages- oder Wochenbasis führen muss. Denn weil eine klare Struktur fehlt, traden diese Akteure auf kürzeren Zeitebenen, nutzen Charts mit 60- oder 15-Minuten-Zeitrastern, bisweilen auch darunter. Daher sollte man die beiden Ankerzonen, die sich derzeit als potenziell bullische bzw. bärische Startpunkte identifizieren liessen, mit Vorsicht geniessen.

Auf der Oberseite wäre dies der Bereich der grundsätzlich als Widerstand fungierenden Linie bei 1.850 US-Dollar, die deswegen aktuell wieder bedeutsam sein könnte, weil sich dort gerade die 20-Tage- und die 200-Tage-Linie kreuzen, so dass ein Ausbruch darüber durchaus auch von den Intraday-Tradern als bullisches Signal wahrgenommen werden dürfte. Grundsätzliches Kursziel im Fall eines Ausbruchs darüber: der Bereich 1.959/1.974 US-Dollar.

Auf der Unterseite hatte Ende November/Anfang Dezember die Unterstützungszone 1.748/1.766 US-Dollar einem ersten Test standgehalten. Sollte dieser Bereich fallen, würde dies ein Kursziel in den Bereich 1.660/1.670 US-Dollar auftun. Warten wir mal ab, ob ein Kreuzen einer dieser beiden Zonen wieder mehr Struktur ins Chartbild bringt!

Gold: Chart vom 05.02.2021, Kurs 1.811,96 US-Dollar, Kürzel XAUUSD | Online Broker LYNX

Binnen fünf Stunden brach der Goldpreis am Mittwoch um in der Spitze über drei Prozent ein. Da kommt einem als potenzieller Auslöser zwar der Sturm auf das US-Kapitol in den Sinn. Aber erstens wäre es ziemlich unlogisch, dass ein typisches „Krisen-Ereignis“ ausgerechnet einen Selloff beim „sicheren Hafen“ Gold auslöst.

Zweitens vollzog sich der Abverkauf zwischen 12 und 17 Uhr unserer Zeit, also weit vor diesem Ereignis. Es war die Zeit vor und während der Rallye des Dow Jones, der zum US-Handelsstart vorgestern im D-Zug-Tempo 700 Punkte zulegte. Damit deutet sich ein anderer Grund an: Umschichtungen.

Es ist denkbar, dass einige grössere Adressen entschieden haben, ihre Aktienmarkt-Exposition zu Lasten ihrer Gold-Positionierung zu erhöhen. Was bedeuten würde, dass die Kombination aus nahem US-Regierungswechsel und dem Beginn der Corona-Impfungen einige veranlasst, jetzt gezielter und umfassender auf eine Aktienmarkt-Hausse auf Basis eines zügig und nachhaltig anziehenden Wachstums zu setzen. Das würde nicht wundern. Natürlich könnte man sich fragen, wieso grosse Adressen (und um die muss es gehen, denn niemand anders agiert mit Ordergrössen, die Gold in so kurzer Zeit derart drücken) erst jetzt, auf Rekordlevels am Aktienmarkt, auf die Idee kommen, ihre Long-Exposure dort hochzufahren. Aber auch da, wo Milliarden verwaltet werden, findet man oft ein sehr ausgeprägtes, „zyklisches Denken“. Das keineswegs gut gehen muss, nur, weil hier grosse Akteure am Werk sind. Und das bedeutet auch, dass der Abgabedruck bei Gold nach diesem kräftigen „Schluckauf“ nicht unbedingt weitergehen muss.

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Expertenmeinung: Aber wie geht es denn nun weiter? Das ist momentan noch nicht einzugrenzen, da sich die Rahmenbedingungen unübersichtlich gestalten und viele grosse Adressen ihre Strategie zu Jahresbeginn neu ausrichten. Daher gilt es für die Trader derzeit, so gut wie möglich mit diesem kurzfristig chaotischen Geschehen zurande zu kommen. Erst ging es zum Start ins Börsenjahr senkrecht rauf mit dem Goldpreis, zwei Tage später war das Plus dahin, gestern gab es dann den Versuch einer Stabilisierung. Gerade geht es also ziemlich wirr zu. Aber eines ist auch klar im Chart erkennbar:

Der Aufwärtstrend an sich wurde zwar unsanft gebremst, ist aber noch nicht gebrochen. Nicht nur, dass die heute bei 1.905 US-Dollar verlaufende, kurzfristige Aufwärtstrendlinie noch intakt ist, Gold ist auch bis hinunter zur aktuell bei 1.836 US-Dollar verlaufenden 200-Tage-Linie gut unterstützt. Erst, wenn diese 200-Tage-Linie fallen sollte, hätten die Bullen das Ringen um die zum Start ins neue Jahr dominierende Trendrichtung verloren. Hier bereits jetzt Short zu gehen, hätte also ein ungünstiges Chance/Risiko-Verhältnis. Wer aggressiv und kurzfristig Long agiert, könnte sich zwar enger absichern, da wäre die Orientierung an der heute bei 1.879 US-Dollar verlaufenden 20-Tage-Linie ein Gedanke, die die kurzfristige Aufwärtstrendlinie als eine Art Sicherungsseil begleitet. Aber solange hier kein klares Short-Signal entsteht, wäre die Alternative zu „Long“ nur „Neutral“.  

Chart vom 07.01.2021, Kurs 1.915,98 US-Dollar, Kürzel XAUUSD | Online Broker LYNX

Das passt ja wie bestellt: Kaum haben es DAX und Dow Jones nötig, ein wenig angeschoben zu werden, weil nach der Rallye der ersten Monatshälfte die Rückkehr einer gewissen Skepsis Gewinnmitnahmen auslöst, fällt der Goldpreis kräftig. Was die Botschaft aussendet: sichere Häfen? Braucht jetzt kein Mensch! Dass so etwas gerne mal genau dann passiert, wenn es den Bullen am Aktienmarkt hilft, ist kein Zufall. Denn grosse Adressen, die am Aktienmarkt mit gewaltigen Summen agieren und daran interessiert sind, dass der Rallye-Motor jetzt nichts ins Stottern gerät, wissen natürlich, dass viele Anleger immer noch im Hinterkopf haben, dass ein steigender Goldpreis Gefahr für die Wirtschaft im Allgemeinen und den Aktienmarkt im Besonderen signalisiert.

Dass diese Funktion des Goldes als „sicherer Hafen“ seit Jahren schwindet, Gold immer mehr zu einem vor kurzfristigen Tradern und charttechnischen Aspekten dominierten Asset wie alle anderen wird, ist zwar eigentlich bekannt. Aber man arbeitet da mit diesen tiefsitzenden „Gewissheiten“, die vielen eben doch den Eindruck suggerieren, dass es keinen Grund gibt, am Aktienmarkt auszusteigen, wenn der Goldpreis nachgibt. Daher wird bei den grossen Adressen gerne bei Gold auf den Kurs gedrückt, um einen Stillstand am Aktienmarkt zu beenden. Aber hiesse das, dass dieser Abwärtsimpuls nicht vorhalten wird, weil er nur so lange vonnöten wäre, bis DAX und Dow Jones ihre derzeitigen Widerstände genommen haben?

Expertenmeinung: Nein, der Anlass, den Kurs zu drücken, hat keine Prognosekraft für den weiteren Verlauf. Zumal zu einem solchen Hilfsmittel der Aktienmarkt-Hausse vor allem dann gegriffen wird, wenn die Akteure, die einen Abwärtsimpuls anschieben, darauf hoffen können, dass sie von den kurzfristigen, rein charttechnisch orientierten Akteuren Schützenhilfe erhalten. Und da gingen die Gold-Bären mit idealen Voraussetzungen an den Start.

Sie sehen im Chart, dass Gold ein absteigendes Dreieck ausgebildet hatte. Die Chance eines Ausbruchs nach unten ist bei solchen Formationen höher als die eines Befreiungsschlags nach oben. In diesem Fall besonders, weil ein Versuch, die Formation nach oben zu verlassen, Anfang November sang- und klanglos abverkauft wurde. Man durfte also darauf hoffen, dass eine gezielte Attacke auf die Unterstützungslinie um 1.848/1.850 US-Dollar nicht nur Stop Loss-Verkäufe bestehender Long-Positionen auslösen würde, sondern auch die kurzfristigen Trader sich auf diese Gelegenheit stützen würden. Die Hoffnung erwies sich als berechtigt.

Gold durchbrach die Supportzone, rang danach zwei Tage mit der bei derzeit bei 1.799 US-Dollar verlaufenden 200-Tage-Linie und durchbrach diese am Freitag. Ob dieser Druck auf den „sicheren Hafen“ dem Aktienmarkt über die Hürden hilft bzw. die Verkäufe Gold an und unter die nächstliegende Unterstützungslinie bei 1.750 US-Dollar führen werden, wird die neue Woche zeigen. Aber auch, wenn der Aktienmarkt nicht umgehend durchstarten sollte, hätte dieser Abwärtsimpuls grundsätzlich die nötige die Eigendynamik, das Edelmetall erst einmal weiter zu drücken. Der Kurs müsste über 1.930 US-Dollar hinauslaufen, um wieder ein bullisches Signal zu generieren … das wäre derzeit der deutlich steinigere Weg.

Chart vom 27.11.2020, Kurs 1.786,98 US-Dollar, Kürzel XAUUSD | Online Broker LYNX