Brent Crude Oil aktuell Brent Crude Oil: Fällt Brent Crude Oil wieder auf 50 US-Dollar?

News: Aktuelle Analyse des Brent Crude Oil Futures

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Brent Crude Oil
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Die OPEC versucht sich an der Quadratur des Kreises und die Trader beginnen zu zweifeln. Ein Rückgang des Brent Crude Oil-Preises auf 50 Dollar wäre möglich … ein Ausbruch über 70 Dollar aber auch. Wie geht es weiter?

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Seit Ende Februar kam es im Saldo zu einem immensen Anstieg der Rohöl-Lagerbestände bei den US-Unternehmen. Das deutete zwar auf den ersten Blick eine stark rückläufige Ölnachfrage an. Aber dieser Anstieg kann ebenso gut auf massive Käufe der US-Firmen aus Sorge vor noch weiter steigenden Preisen zurückzuführen sein wie auf einen sinkenden Verbrauch. Die Trader entschieden sich für die erste Variante und trieben den Kurs von Brent Crude Oil Anfang März auf ein neues Jahreshoch von knapp 71 US-Dollar. Das war es dann aber auch vorerst, es begann eine Konsolidierung. Doch eine Abwärtswende ist daraus bislang nicht geworden. Wie geht es hier weiter?

Expertenmeinung: Die Trader setzen momentan noch darauf, dass sich der mittelfristige Aufwärtstrend fortsetzt, weil die OPEC sich zwar anschickt, die extreme Kürzung der Rohölproduktion, die im Mai 2020 vorgenommen wurde, schrittweise zu lockern, indem man die Produktion ab kommendem Monat schrittweise hochfährt. Zugleich betont man dort – erst gestern wieder, aber nicht zum ersten Mal – dass dieses steigende Angebot problemlos vom Markt aufgenommen würde. Der Zweck dieser Aussagen ist klar: Man will den Umsatz steigern, ohne dass dadurch die Preise leiden. Und da die weniger von der echten Angebot/Nachfrage-Situation als von der Spekulation in den Rohöl-Futures bestimmt werden, sind es vor allem die Trader, die man überzeugen muss.

Aber ob das wirklich gelingt, ist offen, denn natürlich erkennen die erfahrenen Trader, dass es eher das Pfeifen im Walde denn feste Überzeugung ist, die dahintersteht, wenn jemand so auffällig für steigende Kurse trommelt. Was aber nicht bedeuten muss, dass Brent Crude zum Fallen verurteilt wäre, das kommt, wie immer, vor allem auf die Charttechnik an:

Schafft Brent Crude Oil mit Schlusskursen über 66 US-Dollar den Ausbruch über die kurzfristige Abwärtstrendlinie und die 20-Tage-Linie, wäre der Weg an das bisherige Jahreshoch von 70,93 US-Dollar (im Kurs des aktuellen Futures-Frontmonats Juni) frei, sogar ein Anstieg über diese Hürde möglich. Um für Unternehmen und Verbraucher eine Entwarnung zu generieren und die Chance auf einen Abstieg in Richtung 50 US-Dollar zu nutzen, muss Brent Crude wieder in die Zone der grossen Abwärts-Kurslücke vom März 2020 zurückfallen. Dazu bedarf es eines mit 58,80 US-Dollar und tiefer signifikanten Ausbruchs aus der derzeitigen Konsolidierungszone nach unten. Gelingt das, dürfte sich die OPEC schwer tun, den Preis stabil zu reden, bis dahin aber sollte man die Bullen besser noch nicht abschreiben.

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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen des Brent Crude Oil Futures

Einige US-Grossbanken hatten die Ölpreis-Rallye zuletzt befeuert, weil man glaubte, den Beginn eines „Superzyklus“ entdeckt zu haben. Die IEA widerspricht – und die Bullen gehen prompt in Deckung.

Sobald charttechnisch orientierte Bullen das Wort „Superzyklus“ hören, beginnen sie mit den Hufen zu scharren. Denn dieses Wort impliziert, dass die Hausse immer weiter geht und die Kurse womöglich immer schneller steigen. Der Haken dabei ist, dass so etwas immer nur sein „könnte“, denn eigentlich weiss jeder, dass das Unerwartete an der Börse Stammgast ist und dadurch jeder vermeintliche Super-Trend, der sich noch Jahre hinziehen soll, plötzlich zu Staub zerfallen kann. Doch dieser Begriff hat eben eine Wirkung, die die, die ihn benutzen, zweifellos kennen.

Brent Crude Oil stieg Hand in Hand mit den anderen wichtigen Ölsorten immer weiter, obwohl die Lagerbestände der US-Unternehmen seit vier Wochen wieder steigen und dabei in zwei der letzten vier Wochen Zuwächse sahen, wie man sie selten erlebt. Die Trader wählten einfach die für die günstige Interpretation dieser Entwicklung: Die US-Firmen decken sich massiv mit Rohöl ein, weil sie fürchten, in Kürze noch viel mehr dafür bezahlen zu müssen. Was indes der Logik entbehrte, denn:

Expertenmeinung: Davon abgesehen, dass Europa als grosser Verbraucher weiterhin weit hinter den bullischen Erwartungen in Sachen Rückkehr des Wachstums her hinkt, bleibt ja noch die Fördermengenkürzung der OPEC nebst Russland. Noch hat man die nicht aufgeweicht, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis das passieren muss, schliesslich sind die meisten der Ölstaaten auf die Einnahmen aus der Ölförderung angewiesen.

Die Internationale Energieagentur IEA widersprach daher diesen Theorien eines Superzyklus und verwies dabei vor allem auf das vorgenannte, zweite Argument und darauf, dass es weltweit einen reichlichen Lagerbestand gebe. In dem Moment, als der Bericht der IEA in der vergangenen Woche auf den Tisch kam, war es auf einmal vorbei mit der Hausse bei Brent Crude Oil. Offenbar wurde vielen bullischen Tradern klar, dass diese Idee des Superzyklus mit der Realität unvereinbar sei. Und nachdem sich der Kurs zwischen Anfang November und Anfang März glattweg verdoppelt hatte, war der Ölpreis auch noch klar überkauft. Man zog die Reissleine. Aber Sie sehen es im Chart:  

Bislang ginge das noch als Korrektur in einem intakten Aufwärtstrend durch. Erst, wenn Brent Crude wieder in die grosse Abwärts-Kurslücke vom März 2020, hier im aktuellen Juni-Kontrakt des Futures zwischen 49,80 und 58,70 US-Dollar gelegen, hinein rutscht, wäre ein klar bärisches Signal gegeben: Das würde dann wohl auch etwas hartnäckigere Trader veranlassen, die Beine in die Hand zu nehmen und ggf. ins bärische Lager überzulaufen. Nahe dran ist der Kurs an diesem grossen Gap, drin ist er noch nicht … hier dürfte es in den kommenden Tagen spannend werden!

Seit Beginn der Aufzeichnungen über die US-Rohöl-Lagerbestände vor knapp 40 Jahren hat es noch nie eine Woche gegeben, in der die Lagebestände in einer derartig gewaltigen Grössenordnung gestiegen wären. 21,56 Millionen Barrel bevorraten die US-Unternehmen mehr als in der Woche zuvor. Und was macht der Ölpreis? Er steigt! Was ist da los?

Der Anstieg, der am Mittwoch für die vergangene Kalenderwoche berichtet wurde, kam unerwartet. Die Experten hatten im Vorfeld einen Rückgang der Bestände um knapp eine Million Barrel vorausgesagt. So wurde jetzt der Rückgang der US-Lagerbestände der vergangenen Wochen komplett egalisiert, der den Bullen als Argument für den fortgesetzten Anstieg der Ölpreise diente.

Trotzdem hatte der Preis der Ölsorte Brent Crude Oil zuletzt etwas korrigiert, auch, weil am Dienstag gemunkelt wurde, die OPEC plus Russland könnten ihre Fördermenge bei dem heute anstehenden Treffen um 1,5 Millionen Barrel pro Tag ausweiten, nachdem der OPEC-Generalsekretär erklärte, die Perspektiven für den Ölpreis seien positiv und die Nachfrage in Asien wäre ermutigend. Und jetzt dieser Kurssprung, so unmittelbar vor dem Treffen?

Für diesen Anstieg gäbe es zwei mögliche Erklärungen. Auffällig war, dass Brent Crude unmittelbar mit der Veröffentlichung der Lagerbestände um 16:30 Uhr MEZ zunächst zwar wegsackte, dann aber noch in der gleichen Minute wieder anzog und eine Rallye begann. Das wirkte, als wollten grosse Trader diese initiale, negative Reaktion gezielt „wegkaufen“. Welchen Sinn würde das ergeben?

Es könnte dazu gedacht sein, zum einen gezielt zu provozieren, dass Daytrader auf die Rallye aufspringen, so dass die Nachfrage im Future ausreichen würde, um selbst in die dann selbständig höher laufenden Kurse hinein Long-Positionen abzubauen. Es könnte zugleich dazu dienen, der OPEC ein Bild zu suggerieren, das es der Gruppierung leichter machen würde, die angeblich mögliche Fördermengenausweitung umzusetzen und damit mittelfristig wieder tiefere Ölpreise zu erreichen … worauf sich diejenigen, die den Kursimpuls angeschoben haben, dann durch die vorgenannte, gezielte Distribution einstellen würden. Das ist zwar eine etwas gewagte Erklärung, weil man so etwas nie sicher belegen kann, aber derartige taktische Operationen sind am Ölmarkt alles, nur nicht selten.

Die zweite Erklärung läge in der Motivation dieses Lagerbestands-Aufbaus durch die US-Unternehmen. Denn es ist bei einer derartigen Grössenordnung nicht zu unterstellen, dass die Nachfrage derart weggebrochen wäre, dass die Unternehmen zwar wie üblich eingekauft, aber wider Erwarten auf einmal extrem wenig verbraucht hätten. Der Anstieg der Bestände muss also auf starken Käufen basieren. Und da nicht zahllose US-Unternehmen zugleich auf einmal merken, dass ihre Tanks leer sind, dürfte die Basis darin liegen, dass viele fürchten, dass der Preis in den kommenden Wochen weiter ansteigt, so dass man sich schnell noch zu einigermassen akzeptablen Preisen eindeckt. Diese Erwartung steigender Preise könnte man durch diese Rallye des Mittwochs nachvollzogen haben. Aber läge man damit richtig?

Das wird sich frühestens heute im Zuge der OPEC-Gespräche herausstellen. Erst einmal muss klar werden, ob, wann und wie viel die Förderung ausgeweitet würde. Erst danach wird die Tendenz beim Brent Crude Oil-Kurs „belastbar“.

Dass dieser Kurssprung auch charttechnisch bedingt ist, sehen Sie im Chart: Brent hatte das gewaltige Gap vom März 2020 geschlossen, absolvierte dann aber auch noch seine „Bonus-Runde“ nach oben und touchierte die obere Begrenzung des mittelfristigen Aufwärtstrendkanals. Dort aber stoppte die Hausse durch einen „Evening Star“ (grüne Kerze, Doji, rote Kerze), ein bärisches Signal, das durch zwei schwächere Folgetage bestätigt wurde und an die nächstgelegene Unterstützung in Form der 20-Tage-Linei führte. Genau dort sahen wir diese Rallye trotz dieses gewaltigen Lagerbestands-Aufbaus.

Am letzten Hoch bei 66,82 US-Dollar vorbei zu kommen, dürfte nur gelingen, wenn die OPEC sich entscheidet, die bisherige, künstliche Verknappung des Angebots beizubehalten. Sollte Brent Crude in diesem Kurs des Mai-Futures aber unter 60 US-Dollar schliessen und damit wieder in die Zone der März 2020-Kurslücke zurückfallen, dürfte es vorerst vorbei sein mit diesem gewaltigen Aufwärtsdrang der vergangenen Wochen und Monate.

Anfang März 2020 kam es zu einer gigantischen Abwärts-Kurslücke beim Ölpreis. Am Freitagabend des 6. März, bevor der Kurs am Montagmorgen plötzlich meilenweit tiefer eröffnete, schloss Brent Crude Oil bei 59,92 US-Dollar. Am vergangenen Freitag erreichte der Kurs im aktuellen „Fronmonat“ des Futures, der als nächstes endenden Laufzeit April, 59,79 US-Dollar. Kurz: Dieses riesige Gap, diese Kurslücke, ist nunmehr geschlossen. Damit ist das Kursziel erreicht, das sich auftat, als der Brent-Kurs Anfang des Jahres eindeutig über die untere Begrenzung dieser Kurslücke bei 50,86 US-Dollar hinaus gelaufen war. Wie weiter?

Sollte Brent Crude Oil diese Widerstandsmarke von 59,92 US-Dollar eindeutig bezwingen, könnte es noch zu einem „Overshooting“ kommen, indem der Kurs auch die obere Begrenzung des breiten, im vergangenen Frühjahr etablierten Aufwärtstrendkanals ansteuert, die derzeit bei 65 US-Dollar wartet. Aber wie wahrscheinlich ist das?

Expertenmeinung: Ob das gelingt, ist nicht vorhersagbar, möglich wäre es alleine deshalb, weil das Trading gerade bei Rohöl sehr charttechnisch orientiert ist und sich die Trader in solche intensiven Trends – oft auch gegen fundamentale Argumente – förmlich „verbeissen“.

Trotzdem ist mit dem Erreichen dieses Kursziels bei knapp 60 US-Dollar der Zeitpunkt gekommen, vor allem nach unten zu sehen. In wenig mehr als drei Monaten ist Brent von 36 auf 60 US-Dollar gelaufen. Das wird damit gerechtfertigt, dass sich die Weltwirtschaft sukzessiv erholt, die Nachfrage nach Rohöl deshalb steigt, im Gegenzug aber die im Mai 2020 beschlossene, immense Fördermengenkürzung der OPEC und Russlands noch besteht.

Doch sich einzubilden, dass die grössten Fördernationen, selbst die USA, die ebenso deutlich weniger gefördert hatten, diese Kürzungen auf alle Zeit beibehalten, wäre naiv. Schliesslich stellt der Ölexport für viele OPEC-Mitglieder die wichtigste Einnahmequelle dar. Natürlich wäre die Rückkehr zu alten Fördermengen ein zweischneidiges Schwert. Derzeit verkaufen die Förderer weniger, erzielen aber relativ gute Preise. Wollte man das Angebot ausweiten, könnte ein anziehender Umsatz durch einen abrutschenden Preis egalisiert werden. Aber: Sollte die OPEC auch nur andeuten, dass die Nachfrage eine Fördermengen-Ausweitung ohnehin nicht hergibt, könnte das schon ausreichen, diesen Höhenflug zu beenden.

Auf diesem Niveau werden Long-Positionen daher deutlich spekulativer. Wer darauf setzen möchte, dass Brent Crude noch eine „Ehrenrunde“ dreht und bis 65 US-Dollar anzieht, sollte auf eine konsequente Stop Loss-Absicherung bedacht sein. Hierzu bietet sich die im Chart blau gehaltene 20-Tage-Linie als Orientierung an. Sie sehen, dass Brent Crude seit Dezember mehrfach von dieser Linie aus wieder anzog. Ein Bruch der 20-Tage-Linie wäre damit ein erstes, kritisches Signal. Die Linie läuft aktuell bei 56,20 US-Dollar. Da sie aber intraday durchaus auch mal unterboten wurde, wäre ein „Sicherheitsabstand“ von einem US-Dollar unterhalb der Linie für einen Stop Loss angebracht, der sich dann mit dem Anstieg dieses gleitenden Durchschnitts sukzessiv nachziehen liesse.

Mittlerweile passt auch der Background für das bullische Lager. Auch die gestern gemeldeten US-Öllagerbestandsdaten für die abgelaufene Woche waren gefallen. Damit sehen wir vier Wochen in Folge nachgebende Lagerbestände, die den immensen Anstieg der Bestände Anfang Dezember wieder ausgeglichen haben. Und obwohl die Kurse der wichtigsten Ölsorten auf dem Weg nach oben sind, hat Saudi-Arabien Anfang der Woche im Zuge der jüngsten OPEC+-Gespräche mitgeteilt, dass es seine Fördermenge um eine Million Barrel pro Tag senken werde. Hinzu kommt die Charttechnik:

Im Dezember ist der Kurs von Brent Crude Oil in die Zone des gewaltigen Gaps hineingelaufen, das im März 2020 entstanden war. Diese Kurslücke liegt, bezogen auf den aktuellen „Frontmonat“ März im Brent Crude Oil-Future, zwischen 50,78 und 59,84 US-Dollar. Da der Anstieg bislang relativ langsam verläuft, sehen wir auch noch keine Überhitzung im Bereich der markttechnischen Indikatoren. Denkbar wäre es also allemal, dass die Bullen Brent Crude Oil in Richtung der oberen Begrenzung des Gaps bei knapp 60 US-Dollar ziehen können. Es sei denn …

Expertenmeinung: … dass das, was sich am Mittwoch in Washington abgespielt hat, nicht zügig wieder unter Kontrolle zu bringen ist. Mit seiner Aufforderung zum Protest gegen die Verkündung des Wahlergebnisses könnte der US-Präsident die Büchse der Pandora geöffnet haben. Sollte es zu einer instabilen Lage in den USA kommen, würde das der dortigen Wirtschaft gnadenlos schaden. In einer Situation, in der die Erholung bereits ausgebremst wurde und es in den USA täglich höhere Zahlen an Pandemie-Opfern gibt, würde das die hinter dieser Aufwärtsbewegung des Ölpreises stehende Erwartung, dass es in Kürze wieder zu starkem Wachstum und einer damit einhergehenden steigenden Ölnachfrage kommen wird, torpedieren. Zumal das bullische Lager da eher einseitig denkt, denn:

Um einen nachhaltigen Anstieg des Kurses zu sehen, müsste die Nachfrage steigen, das Angebot aber nicht. Wer das erwartet, rechnet zwar einerseits mit Wachstum, andererseits ignoriert man dann aber die OPEC. Denn die hat die Fördermengen im Mai 2020 radikal reduziert, um den Kurs zu stabilisieren. Würde die Nachfrage spürbar steigen, würden die Förderländer auch ihren Output wieder steigern, schliesslich ist der Ölverkauf für viele der in der OPEC organisierten Nationen eine entscheidende Einnahmequelle. So gesehen wäre zwar ein Anstieg des Kurses bis 60 US-Dollar möglich … aber sich fest darauf zu verlassen, wäre riskant.

Momentan hat das bullische Lager aber den Vorteil einer soliden Supportzone, denn alle wichtigen gleitenden Durchschnitte, die 20-Tage-, die 50-Tage- und die 200-Tage-Linie, verstärken aktuell die Unterstützungszone aus den August-Zwischenhochs und der unteren Begrenzung des Gaps im Bereich 48/51 US-Dollar. Das ist die Plattform, von der aus die Attacken nach oben ausgehen … und damit zugleich eine ideale Orientierung für die Absicherung von Long-Positionen.

Aus rein charttechnischer Sicht haben die Bullen bei Brent Crude Oil alle Trümpfe in der Hand. Brent ist in das riesige Gap vom März zwischen 50,65 zu 59,80 US-Dollar (im Februar-Kontrakt des Futures, der aktuell entscheidenden Laufzeit) hinein gelaufen und hätte damit laut Lehrbuch das Potenzial, diese Kurslücke zu schliessen, sprich bis knapp 60 US-Dollar zu laufen.

Unterstützt wird dieses Szenario durch einen Kurs, der mittlerweile alle wichtigen gleitenden Durchschnitte unter sich gelassen hat, selbst die im Chart schwarz markierte 200-Tage-Linie ist jetzt überboten. Und die 20-Tage-Linie, im Chart blau gehalten, steht kurz davor, diese 200-Tage-Linie zu überwinden: Ein aufwärts gerichteter Crossover steht also bevor, der das bullische Szenario noch verstärken wird.

Dass Brent Crude mittlerweile nach einem Anfang November begonnenen, fast durchgehenden Anstieg überkaufte markttechnische Indikatoren aufweist, kann nicht überraschen, muss den Kurs aber auch nicht bremsen. Solange das Momentum der Bewegung hoch bleibt, können Indikatoren wie der hier abgebildete Stochastik-Oszillator lange in der überkauften Zone verharren. Also, auf geht’s an die 60 Dollar-Marke?

Expertenmeinung: Wenn man alleine die technische Analyse zu Rate zieht, schon. Aber solange die Fundamentals einen Run Richtung 60 US-Dollar eigentlich gar nicht unterstützen würden, bleibt Vorsicht angebracht. Schaut man sich die Entwicklung der US-Öllagerbestände an, so ist deren Saldo seit September ausgeglichen, d.h. die Lager leeren sich nicht. Das ist nicht zwingend eine Indikation dafür, dass die Nachfrage nicht anzieht, da die US-Unternehmen ihre Vorräte ja flexibel und auch entsprechend ihrer Preiserwartungen gestalten.

Aber wenn man sich überlegt, dass die Weltwirtschaft derzeit gerade wieder dabei ist, nach unten abzudrehen und die OPEC immer noch massive Förderkürzungen fährt, wäre das Aufwärtspotenzial der Preise an und für sich limitiert. Hinzu kommt: Würden die Ölpreise wieder deutlicher anziehen, dürfte sich die geschlossene Front der Länder, die diese Förderdisziplin durchhalten, wohl zügig auflösen. Erste Länder würden dann versuchen, ihre monatelangen Einnahmeausfälle bei guten Preisen durch eine umgehende Erhöhung des Outputs aufzuholen. Wobei die Frage offen bleibt, was da ein guter Preis wäre, der ausreicht, um sich Ärger mit der OPEC einzuhandeln. 55 US-Dollar? 60 US-Dollar? Oder doch erst auf höherem Niveau? Als Fazit liesse sich festhalten:

Brent Crude Oil steigt auf aktuellem Kursniveau gegen die Fundamentals, könnte das noch eine Weile durchhalten, muss es aber nicht. Eine sinnvoll Option für bullische Trader wäre derzeit, einfach dem Trend weiter zu folgen, sich aber knapp unter der 20-Tage-Linie, die am Freitag bei 49,12 US-Dollar verlief, abzusichern, die derzeit mit einem Abstand von etwa drei US-Dollar den Leitstrahl dieser Aufwärtsbewegung bildet.