Brent Crude Oil Prognose Brent Crude Oil: Könnte das jetzt wirklich die Abwärtswende sein?

News: Aktuelle Analyse des Brent Crude Oil Futures

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Brent Crude Oil
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Ticker: COIL
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Es wird kälter und der Ölpreis sinkt. Das alleine ist nicht unbedingt ungewöhnlich, aber kann es sein, dass Brent Crude Oil das Topp, das da gerade entsteht, wirklich vollendet, während man bei Aktien und Anleihen auf das baldige Ende der Krise setzt?

Die jüngsten US-Inflationsdaten mögen realistisch gesehen keinerlei Entwarnung in Sachen Inflation, steigenden Leitzinsen und Rezession bedeuten. Aber an der Börse zählt nicht, was wirklich Sache ist, sondern was diejenigen, die gerade aktiv am Markt agieren, glauben wollen. Und momentan zeigen die Aktienindizes ebenso wie die Renditen am Anleihemarkt, dass man gerade die Karte einer bald im Griff befindlichen Inflation spielt und darauf setzt, dass das Wachstum schneller zurückkehrt als zuvor gedacht.

Dazu passt ein deutlich fallender Ölpreis wie Wasser zu Feuer. Denn fallende Preise basieren entweder auf einem deutlich steigenden Angebot oder einer deutlich sinkenden Nachfrage. Wie sieht es dahingehend aus?

Expertenmeinung: Was das Angebot angeht, hat OPEC+ (das „+“ bedeutet die OPEC-Staaten plus Russland) Anfang Oktober entschieden, die tägliche Fördermenge radikal um zwei Millionen Barrel pro Tag zu verringern. Und auch, wenn die OPEC unlängst die Prognose für das Wachstum der Ölnachfrage im ausgehenden Jahr 2022 leicht von zuvor 2,65 auf 2,55 Millionen Barrel pro Tag nach unten nahm:

Die Nachfrageprognose für 2023 wurde angehoben. Und behalten die Optimisten, die gerade am Aktienmarkt auf das Ausbleiben einer Rezession wetten, Recht, hiesse das: Die Nachfrage steigt, das Angebot wurde gekürzt. Das hiesse steigende Ölpreise. Und Goldman Sachs hatte als Reaktion auf die OPEC-Förderkürzung auch umgehend sein Ölpreis-Ziel für das laufende vierte Quartal (bezogen auf die einige US-Dollar billigere Ölsorte WTI) von 100 auf 110 US-Dollar angehoben.

Zwar wissen wir aus Erfahrung, dass an der Börse nichts unmöglich ist und sich der Spruch „Unverhofft kommt oft“ immer wieder bewahrheitet. Aber diese Ausgangsbasis ist wirklich keine, die man als solides Fundament für eine grosse Abwärtswende sehen könnte. Damit ein grosser Abwärtsimpuls auf stabilen Füssen stünde, müsste die Konjunktur weltweit zügig unter Druck geraten und OPEC+ den Ölhahn wieder weiter öffnen. Bislang haben wir weder noch, also:

Brent Crude Oil testet zwar momentan die im Dezember 2021 etablierte, mittelfristige Aufwärtstrendlinie im Januar-Kontrakt des Futures. Und die für die Vollendung des Topps entscheidende Supportzone 80,79 zu 82,67 US-Dollar läge jetzt in Reichweite. Aber bevor der Kurs diese Zone nicht wirklich unterboten hat, wäre ich mit Short-Trades äusserst vorsichtig!

Brent Crude Oil: Chart vom 18.11.2022, Kurs 87,60 US-Dollar, Kürzel COIL | Online Broker LYNX
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Vorherige Analysen des Brent Crude Oil Futures

Eine Kürzung der Rohöl-Fördermenge gab es zuletzt im Frühjahr 2020 als Reaktion auf die coronabedingt weggebrochenen Preise. Doch derzeit kostet Brent Crude Oil weit mehr als im langjährigen Durchschnitt – trotzdem kürzt die OPEC ihre Fördermenge radikal. Die Folgen?

Es gab schon seit einigen Tagen Andeutungen, dass die OPEC und Russland, kurz OPEC+, die Fördermenge reduzieren würden, um die Preise hochzuhalten. Aber die jetzt genannten zwei Millionen Barrel pro Tag sind immens heftig, mit dieser Grössenordnung hatte wohl kaum jemand ausserhalb der OPEC+ gerechnet. Der Aufschrei war gross … aber effektiv tun kann man dagegen eben nichts. Und jetzt?

Dass diese Fördermengenkürzung erheblich ist, liess sich am Kurs von Brent Crude Oil, der für Europa wichtigsten Ölsorte, klar erkennen. Obgleich man schon im Vorfeld auf Basis von Gerüchten gekauft hatte, kam es nach Bekanntwerden der Kürzung, die ab November gelten soll, nicht zu Gewinnmitnahmen derer, die im Vorfeld auf diese Entscheidung gesetzt hatten, Brent Crude Oil stieg weiter. Und könnte noch weiter steigen, wobei das dann eher nicht darauf basieren würde, dass man jetzt bereits absehen könnte, wie knapp Öl denn wirklich werden könnte, sondern auf der reinen Charttechnik, denn:

Expertenmeinung: Ausserhalb von ganz unmittelbaren Reaktionen auf den Ölpreis betreffende Nachrichten bestimmen auch hier die meist kurzfristig ausgerichteten Trader den Kurs. Das heisst, dass die nach dieser direkten Reaktion auf die Fördermengenkürzung das Ruder übernehmen. Und das heisst auch: Auch, wenn das bullische Lager jetzt stärkere Argumente auf seiner Seite hat als zuvor, ist ein Run an und im schlimmsten Fall über das bisherige Jahreshoch noch keineswegs ausgemachte Sache.

Bullisch ist, dass der Bruch der Support-Linie bei 84,36 US-Dollar im aktuell entscheidenden Dezember-Termin des Futures zu einer Bärenfalle wurde, aus der Vollendung des grossen Topps wurde also vorerst nichts. Aber erst, wenn es gelingt, über der momentan bei 96,50 US-Dollar verlaufenden Abwärtstrendlinie zu schliessen, wäre aus der Verhinderung eines bärischen Signals ein bullisches Signal geworden, so lange schwebt Brent Crude Oil sozusagen noch zwischen Baum und Borke. Und auch dann wäre erst einmal „nur“ Luft bis zum jüngsten oberen Wendepunkt bei 102,30 US-Dollar. Ausschliessen sollte man besser nicht, dass das bullische Lager hier jetzt massiv antritt. Aber noch ist das eben nicht der Fall … und angesichts der Dimension der OPEC-Massnahmen fiel die Reaktion eigentlich auch noch relativ moderat aus, so dass man zumindest noch nicht zu sicher sein sollte, dass der Ölpreis jetzt haltlos nach oben davonzieht.

Brent Crude Oil: Chart vom 05.10.2022, Kurs 93,26 US-Dollar, Kürzel COIL | Online Broker LYNX

Die OPEC kürzt erstmals seit Frühjahr 2020 die Fördermenge, aber der Ölpreis fällt. Doch während der Ölpreis deutlich nachgibt, sind Benzin und Heizöl hierzulande weiter teuer, im Süden des Landes sogar völlig aus dem Ruder gelaufen. Was ist hier eigentlich los?

Am Mittwoch wurden im Südwesten Deutschlands für einen Liter Heizöl über 2,30 Euro verlangt, während er im Norden nur um 1,60 Euro kostete. In Frankreich kostet ein Liter Super E5 um die 1,75 Euro, in Deutschland weit mehr. Doch zugleich laufen im Elsass und in Lothringen die Tankstellen leer, d.h. Sprint ist zwar theoretisch günstiger als hierzulande, aber dummerweise immer öfter nicht zu bekommen. Und während man in einigen Regionen kein Benzin mehr hat, kürzt die OPEC die Fördermenge ab Oktober um 100.000 Barrel pro Tag … und Russland droht, jedem, der den Preis für russisches Öl deckelt, nichts mehr zu liefern.

Die USA haben gestern beschlossen, ab dem 6. Dezember einen „Preisdeckel“ auf russisches Öl einzuführen. Was die USA leicht umsetzen können, denn dort wird extrem wenig russisches Öl importiert. Ausserdem zeigten die neuesten US-Daten zu den Lagerbeständen der US-Unternehmen gestern für die vergangene Woche einen ebenso immensen wie unerwarteten Anstieg des Lagerbestands um 8,8 Millionen Barrel.

Das ist die Lage am Ölmarkt im Spätsommer 2022. Aber wie soll das weitergehen? Es scheint, als würden an allen Ecken und Enden unterschiedliche Einflussfaktoren auf den Ölpreis einwirken und diesen unberechenbar machen. Wie soll man so etwas traden?

Expertenmeinung: Die Gemengelage ist zwar kompliziert, aber keineswegs so chaotisch, wie man im ersten Augenblick denken könnte. Man muss nur die einzelnen Aspekte auseinander dividieren. Dass die Benzin- und Heizölpreise höher sind, als sie vom Preis für ein Barrel Brent Crude Oil eigentlich sein sollten, liegt zum einen an dem gegenüber dem Euro gestiegenen US-Dollar. Das erhöht für die Eurozone den Preis, weil Öl in US-Dollar bezahlt wird. Die Inflation und das Chaos im Bereich der Logistik haben die Transport- und Raffineriekosten erhöht. Und dass die Preise im Süden Deutschlands aus dem Ruder gelaufen sind, liegt daran, dass der Rhein als Haupt-Transportweg für Benzin, Diesel und Heizöl, das über die Nordsee-Häfen kommt, wegen des Niedrigwassers kaum noch schiffbar ist.

Auf der anderen Seite ist der Ölpreis an sich auf dem absteigenden Ast, weil die OPEC-Förderkürzung nachgerade als Beweis dafür dient, dass auch die OPEC mit einer rezessionsbedingten, deutlichen Verringerung der Nachfrage rechnet. Und dass Russland droht, niemanden mehr zu beliefern, der den Ölpreis deckelt, kann zwar die Preise in Europa hoch halten, aber Russland wird sein Öl dann eben in China und ggf. auch in Indien los. Wenn man all diese Sonderfaktoren mal aus dem Gesamtbild herauslöst, bleibt:

Die Ölnachfrage dürfte als Nebenwirkung einer rezessiven Tendenz durch steigende Leitzinsen oder andere konjunkturelle Probleme eher sinken. Das kann den Ölpreis auch noch weiter drücken, wobei der Kurs kurzfristig erst einmal an einen markanten Support bei knapp 87 US-Dollar heranläuft, der sich aus dem Zwischenhoch vom Herbst 2021 ableitet. Da Brent Crude aktuell nach einem Abstieg von in der Spitze 16 US-Dollar in knapp zwei Wochen markttechnisch überverkauft ist, könnte diese Unterstützung den Abstieg erst einmal aufhalten und eine Gegenbewegung auslösen, aber:

Mittelfristig bestehen gute Chancen auf weiter fallende Notierungen. Ob das dann auch endlich bei den heimischen Heizöl- und Benzinpreisen ankommt, hängt von den vorgenannten, aktuell das Gefüge durcheinander wirbelnden Faktoren wie der Ölpreisdeckel und seine Folgen, dem Eurokurs und den derzeitigen logistischen Hürden ab … die auf den Trend von Brent Crude Oil am Futures-Markt aber nur zeitlich begrenzt einwirken dürften.

Brent Crude Oil: Chart vom 08.09.2022, Kurs 89,42 US-Dollar, Kürzel COIL | Online Broker LYNX

Gegenüber dem Höchstkurs am vergangenen Freitag hat Brent Crude Oil binnen vier Tagen in der Spitze gut 13 US-Dollar nachgegeben. Wir nähern uns den Tiefs seit Beginn des Ukraine-Konflikts: Kommt die Abwärtswende also doch – und rechtzeitig vor der Heizsaison?

Nähme man den Spotpreis, also den direkt am Markt gezahlten Kurs für tatsächliche Öllieferungen, läge der mittlerweile sogar schon direkt an den Tiefs seit Beginn der Ukraine-Krise am 24. Februar. Was wir hier im Chart sehen, ist der Kurs des derzeit relevanten Future-Kontrakts mit Liefertermin Oktober, der noch leicht höher liegende Levels ausweist. Aber die Richtung, die scheint klar zu sein: abwärts.

Doch kann man sich darauf wirklich verlassen? Wird Brent Crude Oil das Zwischentief von Mitte Juli bei 90,48 US-Dollar unterbieten und dann mit einem Rutsch unter das Zwischentief von Mitte März bei 86,05 US-Dollar alles klar und den Weg nach unten frei machen? Rein charttechnisch gesehen ist man auf dem Weg. Und die Distanz dorthin ist deutlich kleiner als das, was Brent Crude in den letzten Tagen bereits abgegeben hat … also, warum nicht?

Expertenmeinung: Was eine Augenbraue nach oben gehen lässt ist, dass man hier momentan scheinbar auf die Rezessionskarte setzt, während man zeitgleich am Aktienmarkt so tut, als sei das keine echte Bedrohung … oder würde zumindest durch fallende Rohstoffpreise die Inflation vertreiben, so dass die Weltwirtschaft danach schnell wieder in alte Form kommen würde. Dass man somit bei Rohöl Brent und den anderen wichtigen Ölsorten das „Jetzt“ spielt, während man eine Tür weiter bei den Aktien das „Jetzt“ ignoriert und eine positiv gefärbte, aber bislang nur aus der Hoffnung geborene Zukunft tradet, ist knifflig. So etwas hält auf Dauer eher nicht.

Und natürlich ist völlig offen, ob die Nachfrage nach Rohöl tatsächlich so deutlich sinken würde, dass das die immer schleppender ablaufende Ausweitung der vor gut zwei Jahren dramatisch gesenkten Ölförderung der OPEC ebenso kompensiert wir mögliche Liefereinbussen aus Russland. Alle Rücksetzer bei Brent Crude Oil seit März verliefen schnell und dynamisch … aber bislang hat eben noch keiner die Wende gebracht. So gesehen wäre es riskant, darauf zu wetten, dass es diesmal gelingt. Es kann gelingen … aber erst, wenn Brent Crude Oil die Zwischentiefs seit März mit Schlusskursen unter 86 US-Dollar wirklich unterboten hätte, wäre aus einer denkbaren Trendwende eine tatsächliche geworden, da bleibt also noch Vorsicht angebracht.

Brent Crude Oil: Chart vom 04.08.2022, Kurs 94,23 US-Dollar, Kürzel COIL | Online Broker LYNX

Erstmals seit zwei Monaten hat Brent Crude Oil wieder unter 100 US-Dollar geschlossen. Die Sorge, dass der Kurs das Panik-Hoch vom März, das im Juni schon fast erreicht war, doch noch ansteuert, ist also erst einmal vom Tisch. Aber ist das wirklich schon die Abwärtswende?

In der vergangenen Woche hatte Rohöl Brent schon zweimal kurz unter 100 US-Dollar notiert, geschlossen hat es darunter aber bislang nicht. Jetzt schon … und das wirkt natürlich wie ein Meilenstein. Aber ob er das wirklich ist bzw. wird, werden erst die kommenden Tage zeigen.

Dass man tiefere Kurse allemal damit begründen könnte, dass der zunehmende Druck auf die Weltwirtschaft die Nachfrage beschneidet, ist zwar richtig. Aber es bleibt die Frage, ob die Ölversorgung ausreichen wird, wenn die Heizsaison wieder beginnt und zugleich russisches Öl nicht mehr exportiert würde. Eine weiterhin offene Frage. Es kann so kommen, muss aber nicht. In solchen Situationen gibt es letztlich nur zwei Optionen:

Man rät, ob es im Herbst und Winter zu einer Über- oder Unterversorgung kommt … oder aber man agiert strikt nach den charttechnischen Vorgaben. Derzeit scheinen die meisten Akteure den zweiten Weg zu wählen, wobei:

Expertenmeinung: Sollte der Energieexperte des Nachrichtensenders „Bloomberg“, Javier Blas, Recht haben, könnte der Druck auf den Ölpreis, der neben Brent Crude auch WTI und die anderen Ölsorten erfasst, leicht nur vorübergehend sein, weil Blas beobachtet, dass sich die Kurse am Terminmarkt und diejenigen für die faktischen Ölkäufe derzeit auffallend konträr bewegen. Physisches Öl hat weiterhin hohe Aufschläge, am Terminmarkt liegt derzeit ein kurzfristiger Abwärtstrend vor. Alleine deswegen wäre es ratsam, noch vorsichtig zu bleiben, wenn es um die Frage eines Short-Trades geht, zumal:

Noch ist die mittelfristige, im Dezember etablierte Aufwärtstrendlinie nur erreicht, nicht aber unterboten. Erst, wenn Brent Crude klar unter den Verlaufstiefs der Vorwoche, im hier abgebildeten Futures-Frontmonat September bei 98,50 US-Dollar gelegen, schliessen sollte, wäre ein nennenswerter Schritt hin zu einer Abwärtstrendwende getan. Und erst, wenn darüber hinaus auch noch durch Schlusskurse unter 90 US-Dollar die Zwischentiefs der vergangenen vier Monate fallen, wäre der Weg nach unten glaubwürdig frei. Wir könnten mit diesem gestrigen Schlusskurs unter 100 US-Dollar den ersten Schritt dorthin gesehen haben, aber wie gesagt: In Stein gemeisselt ist das bislang noch nicht. Hier liegen spannende Handelstage vor uns!

Brent Crude Oil: Chart vom 12.07.2022, Kurs 99,32 US-Dollar, Kürzel COIL | Online Broker LYNX

Vergangene Woche hat Goldman Sachs sein Kursziel für den Ölpreis von 125 auf 140 US-Dollar pro Barrel angehoben. Und es wirkt, als würden die bullischen Trader das freudig umsetzen. Aber kann es mit Brent Crude Oil wirklich noch weit nach oben gehen?

Wenn ich Ölpreis und Goldman Sachs lese, muss ich immer daran denken, dass es Goldman Sachs war, die im Sommer 2008 ein spektakuläres Ölpreis-Kursziel von 200 US-Dollar pro Barrel ausgerufen hatten, woraufhin der Kurs noch einen kurzen Satz bis 147 US-Dollar nach oben machte und danach binnen eines halben Jahres auf unter 40 US-Dollar einbrach.

Das erinnert daran, dass sich die Rahmenbedingungen immer in Bewegung bleiben und darauf aufbauende Kursziele daher schnell Makulatur sein können. Und auch daran, dass sich die Perspektiven derzeit nicht so völlig von denen vor 14 Jahren unterscheiden.

Denn wenn die rapide steigenden Preise in Kombination mit nicht allzu viel weniger rapide steigenden Kredit- und Refinanzierungskosten das Wachstum abwürgen, wofür sich die Anzeichen ja weltweit mehren, wird auch die Ölnachfrage sinken. Und die Transportkapazitäten, die derzeit noch extrem knapp sind, wieder ausreichen. Da stellt sich schon die Frage, ob da für den Ölpreis wirklich noch lange und viel Luft nach oben sein kann.

Expertenmeinung: Aber es bleibt natürlich dieser Unsicherheitsfaktor, wie es mit dem Ölembargo gegen Russland weitergeht. Wie konsequent wird das durchgesetzt, kommt es zu Gegenmassnahmen von russischer Seite und wie knapp würde der Ölpreis dann werden? Wird die OPEC die Lücke füllen können und wollen? Die Förderkapazitäten hochzufahren ist nicht binnen weniger Tage möglich. Aber ob das überhaupt nötig sein wird, ist ja noch offen. Kann der Ölpreis alleine deswegen einfach immer höher laufen?

Theoretisch natürlich schon. Unsicherheit spielt immer derjenigen Seite in die Karten, die den Joker namens Trendrichtung in Händen hält, bislang also eindeutig den Bullen. Aber ob die wirklich riskieren, eine stark überkaufte Situation zuzulassen, indem Brent Crude Oil jetzt noch 10, 15 US-Dollar zulegt, ist zweifelhaft. Denn so etwas löst Gewinnmitnahmen aus. Und die können dann ganz leicht auch in eine Abwärtstrendwende ausarten, weil man eben weiss: Mittelfristig kann es gut sein, dass es sogar zu einem Angebotsüberhang kommt. Ein Szenario übrigens, wie wir es bei K+S, die wir heute ebenfalls analysiert haben, gerade sehen.

Aber deswegen schon mal auf Verdacht Short zu gehen, ist gefährlich. Wie gesagt, Brent Crude muss zwar nicht, kann aber noch weiter zulegen. Und erst, wenn Brent Crude Oil mit Kursen unter 101 US-Dollar durch die März-Aufwärtstrendlinie gerutscht ist, wären es die Short-seller, die den Trumpf namens Trend in Händen halten. Alles, was sich darüber abspielt, wäre für Bären noch eine „Danger Zone“.

Brent Crude Oil: Chart vom 10.06.2022, Kurs 121,90 US-Dollar, Kürzel COIL | Online Broker LYNX