TecDAX aktuell TecDAX: Kampf um die mittelfristige Schlüsselzone

News: Aktuelle Analyse des TecDAX Index

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TecDAX
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Zum TecDAX

Jetzt ist passiert, was die Bullen unbedingt vermeiden wollten: Der TecDAX hat an der oberen Begrenzung der langfristigen, im Monatschart zu sehenden „Trompeten-Formation“ nach unten gedreht. Aus einem erhofften Triumph wurde jetzt ein Matchball für die Bären.

Man darf vermuten, dass vielen gar nicht recht klar wurde, was da passierte. Auf einmal kippte der vorher so unerschütterlich wirkende Aufwärtstrend an der US-Technologiebörse Nasdaq … und man folgte beim TecDAX – gerade weil man nicht wusste, was genau da im Busch war – sicherheitshalber diesen Vorgaben. Hinzu kam dieser starke Anstieg der Renditen am Anleihemarkt, der den Aktienmarkt insgesamt nervös machte. Und ab Dienstag wurde der zunächst noch wie eine normale Konsolidierung daher kommende Abstieg zum Selbstläufer, zu einer Verkaufslawine, die sich durch ausgelöste Stop Loss-Orders intensivierte, denn:

TecDax: Tages-Chart vom 26.02.2021, Kurs 3.346,40 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Am Dienstag brach der steile, durch die 20-Tage-Linie verstärkte November-Aufwärtstrend. Sie sehen im Chart auf Tagesbasis, dass das sofort kräftigen Abgabedruck auslöste. Das wiederum führte dazu, dass das langfristige, nach rechts offene Dreieck, das im Chart auf Monatsbasis abgebildet ist, doch nicht nach oben verlassen wurde. Und nicht nur, dass der TecDAX wieder in dieses Dreieck zurückfiel, dadurch endete der Februar für den Index mit einem, wenngleich kleinen, Minus. Ist damit die Hausse bereits Geschichte? Nein, denn der TecDAX hielt genau den Bereich, den er halten musste, um sich die Chance auf einen neuen Aufwärtsimpuls zu erhalten:

Den aktuellen Kurs und Chart des TecDAX sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Der Index setzte am Dienstag auf Höhe des 2020er-Jahreshochs bei 3.303 Punkten auf. Sofort setzten Käufe ein, die das Minus des Dienstags reduzierten. Das war schon einmal gut, das Problem ist, dass für die Bullen damit auch eine Achillesferse entstand. Denn damit war klar: Diese Linie darf jetzt nicht doch noch fallen, der TecDAX muss zügig von diesem Level weg, der die obere Begrenzung einer relativ breiten Supportzone darstellt, die bis 3.188 Punkte nach unten reicht.

Grundsätzlich wäre der TecDAX erst dann auf mittelfristiger Ebene bärisch, wenn diese gesamte Zone nebst der knapp darunter, bei aktuell 3.141 Punkten, verlaufenden 200-Tage-Linie durchbrochen wäre. Aber würde dieses 2020er-Hoch bei 3.303 Punkten doch noch fallen, dürfte das die Bären ermutigen, diese Supportlinien eine nach der anderen gezielt anzugehen und die Bullen dadurch in die Flucht zu treiben. Und das Risiko, dass genau das passiert, ist momentan mit Händen zu greifen. Denn Sie sehen es im Chart auf Tagesbasis:

Statt von dieser Linie aus dynamisch nach oben zu laufen, verhungerten die Käufe umgehend. Der Mittwoch und der Donnerstag produzierten zwei Dojis, am Freitag war der Index bereits wieder auf die 3.303 zurückgefallen. Dass er sich zum Handels- und damit zum Monatsende ein wenig von dieser Linie hat absetzen können, zeigt zwar, dass die Bullen weiterhin bereit sind, sich zu verteidigen. Aber dieses Aufholen der Verluste fiel nicht viel weniger blutleer aus als am Dienstag, so gesehen geht es gleich zum Wochenstart weiter mit dem Ringen um diese wichtige Schlüsselzone … und durch diesen so frühen, erneuten Anlauf an das 2020er-Hoch hätten die Bären derzeit die etwas besseren Karten.

TecDax: Monats-Chart vom 26.02.2021, Kurs 3.346,40 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX
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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen des TecDAX Index

Die vergangene Handelswoche begann für den TecDAX stark, endete aber im Minus. Noch ist damit nichts angebrannt, Rücksetzer gehörten schliesslich bei jedem Aufwärtstrend dazu. Aber die Bullen sollten zusehen, dass ihnen da nichts anbrennt, denn wie der Februar unter dem Strich endet, kann Weichen stellen!

Es war auffällig, dass dieser scheinbar nicht zu stoppende Aufwärtsimpuls ausgerechnet kurz vor dem am Freitag absolvierten Abrechnungstermin für Index- und Aktienoptionen ins Wanken geriet. Typischer wäre es in einem so dynamischen Aufwärtstrend gewesen, wenn der TecDAX wie ein Strich weiter gelaufen wäre, so dass die Abrechnung der Index-Optionen auf einem neuen Hoch über die Bühne gegangen wäre. Das Minus an sich ist überschaubar, keine drei Prozent lagen zwischen dem Verlaufshoch der Woche und dem Schlusskurs des Freitags. Nur könnte daraus leicht deutlich mehr werden, wenn die Bullen nicht umgehend zeigen, dass man jederzeit mit ihnen rechnen muss. Und das aus drei Gründen:

Der „dreifache Hexensabbat“, d.h. der nächste Abrechnungstermin am Terminmarkt, an dem dann am 19. März neben den Optionen auch noch der Future des TecDAX mit Laufzeit März abgerechnet wird, ist zwar noch weit weg. Aber oft entscheiden die grossen Akteure an der Terminbörse schon kurz nach einer absolvierten Abrechnung, ob sie den bisherigen Kurs beibehalten oder einen Strategiewechsel vollziehen. Und dahingehend wäre diese Woche in zweierlei Hinsicht wichtig.

TecDAX: Tages-Chart vom 19.02.2021, Kurs 3.518,56 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Zum einen steht jetzt einiges an Quartalsbilanzen bzw. an Vorab-Ergebnissen an. Das dürfte wichtige Antworten auf die Frage liefern, ob man mit dieser Rallye nicht bereits zu viel Wachstum vorweggenommen hat, das sich möglicherweise deutlich auf der Zeitachse nach hinten verschiebt.

Zum anderen rutschte der TecDAX nahe an eine charttechnische Schlüsselzone heran. Denn so klein das bisherige Minus auch ist, das man bislang nur als „Ausatmen“ einstufen muss, das Rückgrat der im November etablierten Rallye ist nicht weit weg. Konkret ist dies der doppelte Leitstrahl aus November-Trendlinie und 20-Tage-Linie, die heute um 3.460/3.485 Punkte verlaufen werden.

Und würde diese Zone zum Ende dieser neuen Handelswoche unterboten, wäre das auch im mittel- und langfristigen Zeitfenster problematisch. Denn das hiesse, dass der Versuch, im Februar über die grosse Trompetenformation, d.h. dieses nach rechts offene Dreieck, das Sie im Chart auf Monatsbasis sehen, hinaus auszubrechen, gescheitert wäre: Dessen obere Begrenzung verläuft bei 3.480 Punkten.

Würde dieser Bereich zwischen 3.460 und 3.485 Punkten fallen, würde das zwar zunächst nur charttechnisches Abwärtspotenzial bis zur massiven Supportzone 3.184/3.303 Punkte freigeben, d.h. auf mittelfristiger Ebene wäre der Bruch dieses kurzfristigen Leitstrahls noch nicht tragisch. Aber in jedem Fall wäre es dann riskant, in abrutschende Kurse hinein Long-Trades einzugehen. Die Bullen wären also in dieser Woche gefordert: Wenn der Februar nicht überzeugend endet, könnte das leicht die Weichenstellung zu Gunsten eines bärischen März werden.

TecDAX: Monats-Chart vom 19.02.2021, Kurs 3.518,56 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Während man beim DAX seit dem Wochenstart den Versuch unternimmt, das bisherige Rekordhoch vom Jahresanfang zu überwinden, ging es beim TecDAX-Kurs längst nicht mehr um irgendwelche Kurslevels vom Januar. Der Index hat seine im zweiten Halbjahr verlorene, besondere Dynamik zurückerlangt. Und sollte die gestern begonnene Attacke der Bullen erfolgreich sein, könnte der TecDAX massiv durchstarten.

Hier geht es zwar nicht um ein neues Allzeithoch, aber viele sehen das so, indem sie die Zeit vor der Neustrukturierung des deutschen Technologiesektors einfach ausblenden. Denn ja, der Index notierte schon einmal viel höher, als es noch den „Neuen Markt“ gab. Aber im Jahr 2000 brach er im Zuge der platzenden Internetblase ein. 9.694 Punkte hatte der damals noch Nemax 50 genannte Index im Hoch erreicht – da wären wir noch meilenweit darunter. Aber wie gesagt, diese Zeit ignorieren viele. Und tut man das, beginnt die Zeitrechnung erst ab dem Jahr 2003, ist das, was der TecDAX aktuell erreicht hat, eben Rekordniveau.

Und diese Rekordjagd könnte noch deutlich ausgebaut werden, wenn es gelingt, die Rallye noch ein paar Handelstage aufrechtzuerhalten. Man könnte diesen Impuls seit November als dritte Haussewelle ansehen. Die erste begann im März und endete im Juni. Es folgte eine schwache zweite Welle bis Oktober. Und jetzt läuft seit Anfang November die dritte Aufwärtswelle, die oft noch intensiver ausfällt als die erste. Dass die dritte Welle die stärkste (allerdings meist auch die letzte eines Aufwärtstrends) ist, wissen die Bullen natürlich, daher dürfte die Bereitschaft, auf ein neues Hoch aufzuspringen, grundsätzlich hoch sein.

Mehr und mehr Marktteilnehmer folgern zudem aus dem gegen eine grundsätzlich negative bzw. seitens der Perspektive unsichere Gemengelage zulegenden Markt, dass diese Hausse „unverwundbar“ sei. Wer die Phasen um die Jahre 2000 und 2008 erlebt hat, weiss es besser. Der Aktienmarkt kann lange von Hoffnungen getrieben werden, ohne dass diese sich erfüllen, weit über ein rational erfassbares Mass hinaus. Aber irgendwann schnappt die Schere zwischen Schein und Sein trotzdem zu. Nur: Solange sehr viele Marktteilnehmer das nicht wissen oder nicht wissen wollen und weiter kaufen, kann sich die Aufwärtsbewegung lange halten und intensivieren, wenn …

… wenn zum einen der gestrige Aufwärtsimpuls über das am Montag erreichte, bisherige Verlaufshoch bei 3.544 Punkten hinausführt und wenn sich die Dynamik bis zum Monatsende halten liesse. Würde das gelingen, wäre der TecDAX klar aus der „Trompeten-Formation“, die Sie im Chart auf Monatsbasis sehen, hinaus gelaufen. Das wäre ein seltenes Szenario, das auf eine rasante Aufwärtsbewegung hindeuten würde, die einige Wochen, aber auch zwei, drei Monate anhalten könnte.

Monatschart vom 11.02.2021, Kurs 3.537,37 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Aber was, wenn das gestrige Plus keine Anschlusskäufe sieht, das Verlaufshoch vom Montag heute und auch in der kommenden Woche nicht überboten würde? Das muss nicht bedeuten, dass das bullische Lager auf ein Waterloo zusteuert, aber Vorsicht wäre dann allemal geboten. Denn Aufwärtstrends in einem eigentlich kritischen Umfeld sind fragil, brauchen regelmässige Bestätigung durch erfolgreiche Ausbruchsversuche. Daher wäre unbedingt zu überlegen, aggressive und/oder kurzfristige Long-Trades knapp unter dem doppelten Leitstrahl der Rallye in Form der November-Trendlinie und der 20-Tage-Linie im Bereich 3.400/3.415 Punkte mit einem Stop Loss abzusichern, auch, wenn mittelfristig bärische Signale erst nach dem Bruch der breiten Auffangzone 3.188/3.303 Punkte generiert würden.

Tageschart vom 11.02.2021, Kurs 3.537,37 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Es ist eine Menge Spekulation im Aktienmarkt, das dürfte selbst ein ausgewiesener Optimist einräumen. Und gerade im TecDAX tummeln sich viele hochvolatile Aktien, deren Unternehmen noch keine Zahlen für das vierte Quartal 2020 und erst recht keinen Ausblick auf 2021 geliefert haben. Das ist schon ein heisser Ritt, den man hier auf der Long-Seite mitmacht. Andererseits: Auf der Short-Seite dabei zu sein, wäre nicht heiss, sondern schlicht fatal. Doch womöglich schöpfen die leidenden Bären gerade Hoffnung, denn der TecDAX hätte jetzt ein langfristiges Kursziel erreicht.

Sie sehen das im langfristigen Chart auf Monatsbasis: Mit dem kräftigen Anstieg des Dienstags hat der Index die obere Begrenzung der riesigen Trompeten-Formation, diesem nach rechts offenem Dreieck, erreicht. Und sogar auf Monatsbasis hat der unten im Chart mit eingeblendete Stochastik-Oszillator die überkaufte Zone touchiert. Sollte man die Gunst der Stunde nutzen, um das Geld vom Tisch zu nehmen?

Monatschart vom 01.02.2021, Kurs 3.479,49 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Argumente dafür gäbe es ja genug. Die kritischen Rahmenbedingungen, die hohen Bewertungen und dann auch noch der Umstand, dass diese Käufe der vergangenen zwei Tage verdächtig mit dem Start in einen neuen Börsenmonat zusammenfallen. Was den Gedanken aufkommen lässt, dass die institutionellen Investoren nur das seitens der Sparer zur Monatswende regelmässig zufliessende, frische Kapital sofort investiert haben, um die Dynamik des Trends aufrechtzuerhalten. Und dem Markt daher womöglich schnell das frische Geld ausgeht. Trotzdem, einfach so aussteigen?

Klar überkauft wäre der TecDAX auch auf kurzfristiger Zeitebene, das sehen wir am RSI-Indikator, der im Chart auf Tagesbasis eingeblendet ist und schon seit knapp zwei Wochen in der überkauften Zone läuft – das ist ungewöhnlich lang. Aber die Charttechnik sieht eben auf Tagesbasis nicht nur ganz ordentlich aus … sondern perfekt!

Tageschart vom 01.02.2021, Kurs 3.479,49 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Der Index hatte am vergangenen Donnerstag präzise dort aufgesetzt und nach oben gedreht, wo es darauf ankam: Im Bereich des doppelten Leitstrahls der Hausse aus November-Aufwärtstrendlinie und 20-Tage-Linie. Nach zunächst kräftigem Minus reichte es an diesem Tag sogar zum Handelsende für ein Plus. Das wirkt überzeugend. Und dass die Käufe nach einem Tag des „Ausatmens“ am Montag und Dienstag gleich weitergingen und dadurch ein klares, neues Hoch markiert wurde, ist beeindruckend.

Und doch, es bleibt eben die überkaufte Markttechnik, die schwierigen Rahmenbedingungen und, und, und. Was tun, wenn man zu zweifeln beginnt? Ich denke, ein paar Gewinne mitzunehmen könnte nicht schaden, immerhin hat sich der Index recht weit von seinen die Hausse führenden Linien entfernt. Aber ganz auszusteigen erscheint noch unnötig, denn schliesslich laufen November-Trendlinie und 20-Tage-Linie zügig hinterher. Und auch, wenn es manchen in den Fingern jucken mag: Vorgenannten, gegen die Hausse sprechenden Aspekten trotzen die Bullen bereits seit drei Monaten, grundsätzlich könnten sie es also noch wochenlang weiter tun. Und an diesem Kursziel auf langfristiger Basis muss der TecDAX ja nicht nach unten abdrehen, da kommt es auf den Monats-Schlusskurs an. Und der neue Monat hat gerade erst begonnen. Also:

Einen Teil des Gewinns aufs Konto überweisen, den Rest mit sukzessiv nachgezogenem, knapp unter der November-Trendlinie und der 20-Tage-Linie angesiedelten Stop Loss halten und Gedanken an antizyklische Short-Trades ganz tief im Hinterkopf vergraben, das scheint derzeit die sinnvollste Lösung zu sein.

Da dürfte wohl nicht mehr allzu viel schiefgehen: Für den TecDAX, im Sommer noch die lahme Ente unter den deutschen Indizes, brachte der Januar den Ausbruch über das Hoch vom Februar 2020 und damit einen wichtigen Befreiungsschlag. Aber kann diese Rallye noch lange so weitergehen?

Aus charttechnischer Sicht naht zwar theoretisch ein Widerstand in Form der oberen Begrenzung des nach rechts offenen Dreiecks, das Sie im langfristigen Chart auf Monatsbasis sehen. Aber ob die Marktteilnehmer diese Linie wirklich als Widerstand wahrnehmen, ist offen. Möglich wäre allemal, dass der Index da einfach durchgeht, sofern die Rahmenbedingungen passen. Und da geht es weniger um die allgemeine Lage, die natürlich einer solchen, dynamischen Hausse zuwiderläuft:

Monatschart vom 26.01.2021, Kurs 3.392,36 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Immer wieder abgesenkte Wachstumsprognosen, Lieferprobleme bei den Corona-Impfstoffen, Land unter im Bereich Gastronomie und Einzelhandel, die Sorge von massiven Kreditausfällen etc. Grundsätzlich beeinflussen diese Aspekte zwar auch den Aktienmarkt. Aber speziell jetzt fokussieren sich die anstehenden Quartalsbilanzen nebst den Perspektiven, welche die Unternehmen für das laufende Quartal ausgeben.

Wenn es genug TecDAX-Unternehmen gelingt, sich von der allgemeinen Schwäche der Wirtschaft zu lösen, wäre die Chance tatsächlich da, dass die im November etablierte Rallye weitergeht, auch, wenn der Index bereits, vom Tief Ende Oktober gerechnet, über 21 Prozent in knapp drei Monaten gelaufen ist. Allerdings ist eben diese bisherige Aufwärtsbewegung auch eine potenzielle Schwachstelle: Dadurch wurden bei nicht gerade wenigen Unternehmen schon absolut überzeugende Bilanzen vorweggenommen. Es muss daher einkalkuliert werden, dass im Stil von „buy the rumor, sell the news“ selbst dann Gewinnmitnahmen bei stark gelaufenen Aktien auftreten, wenn die allgemeine Erwartung hinsichtlich der Bilanz überboten werden. Nur:

Das sind immer völlig individuelle und, weil emotional gesteuert, nicht vorhersehbare Reaktionen. Was bedeutet, dass man nicht sicher abschätzen kann, wie lange und wie weit der TecDAX noch läuft, ob ihn die Bilanz-Saison abwürgt oder im Gegenteil erst recht befeuert. Es stellt sich indes die Frage, ob man das zwingend wissen muss, sofern man entsprechend der bullischen Signale reagiert und sich auf der Long-Seite positioniert hat. Wer dabei ist, müsste an und für sich nur eines wissen: Wo wäre der „Punkt X“, an dem man das Geld vom Tisch nehmen und den Gewinn sichern muss?

Da bietet die Charttechnik aktuell eine taugliche Vorgabe. Sie sehen im Chart auf Tagesbasis, dass das Februar-Hoch 2020, die November-Aufwärtstrendlinie und die 20-Tage-Linie derzeit eng beieinander liegen. Diese Zone zwischen 3.288 und 3.303 Punkten ist damit eine entscheidende Schlüsselzone. Sollte die signifikant (d.h. um mindestens ein Prozent und auf Schlusskursbasis) unterboten werden, wäre für Trading-Positionen unbedingt zu überlegen, erst einmal den Gewinn mitzunehmen. Bärisch wäre der TecDAX zwar erst, wenn er die massive Auffangzone 3.184/3.303 Punkte komplett durchbrochen hätte. Aber unterhalb dieser Schlüsselzone müsste man ihn zumindest als „neutral“ einordnen, so dass das Kapital in diesem Fall andernorts interessantere Verwendung finden könnte.

Tageschart vom 26.01.2021, Kurs 3.392,36 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Während zuerst der MDAX (Anfang Dezember) und dann bald darauf auch der DAX (Ende Dezember) neue Rekordhochs markierten, hinkte ausgerechnet der sonst so dynamische TecDAX deutlich hinterher. Nimmt man die Zeit aus, in der der TecDAX noch Nemax hiess und der „Neue Markt“ Menschen zuerst reich und dann arm machte, war das Tageshoch vom 20. Februar 2020 bei 3.302,94 Punkten der bisherige Verlaufsrekord. Bereits Anfang Juni war der Index diesem Punkt sehr nahegekommen. Aber dann war auf einmal jeglicher Schwung dahin.

Zuerst war es die unentschlossene Phase des Abwartens, die auch die anderen Indizes über den Sommer in eine Seitwärtsrange zwang. Dann folgten „Einzelschicksale“ in Form von Kurseinbrüchen einzelner, im TecDAX notierter Aktien wie 1&1 Drillisch und United Internet, dann von SAP und zuletzt der Abverkauf der im TecDAX stark vertretenen „Corona-Gewinner“ Anfang November. Aber der Sog der immer weiter steigenden Nasdaq als Vorlagengeber in den USA und der Umstand, dass die im November abgestossenen Aktien langsam hinreichend „auskorrigiert“ waren, machte die Akteure wieder mutiger. In den letzten Tagen, vor allem aber am gestrigen Dienstag, wurde bei Aktien, die langsam wieder günstig erscheinen oder positive Nachrichten zu vermelden hatten, kräftig zugegriffen. Das Ziel: ein Befreiungsschlag.

TecDax: Tages-Chart vom 19.01.2021, Kurs 3.311,64 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Der auch gelang … zumindest fast. Richtig ist, dass der TecDAX mit 3.311,64 Punkten über dem Verlaufshoch vom Februar 2020 schloss. Nicht richtig ist, dass man das bereits als signifikanten Ausbruch ansehen könnte. 8,7 Punkte oder ein Viertelprozent über diesem markanten Widerstand, das ist noch zu mager, um eindeutig zu sein. Man kann diese Hürde als erreicht ansehen, keine Frage, aber da trifft ein alter Spruch aus dem Automobilrennsport den Punkt: Rankommen ist eine Sache, vorbeikommen eine ganz andere. Das heisst:

Die Bullen müssen jetzt zeigen, dass sie das Ruder in der Hand haben und dafür sorgen, dass diese alte Bestmarke von 3.302,94 Zählern um mindestens ein Prozent überboten wird. Gelingt ihnen das, wäre nach oben wohl einiges möglich, immerhin könnte man angesichts der vorangelaufenen Indizes DAX und MDAX Aufholpotenzial unterstellen. Zudem sehen viele der gestrigen Gewinner im TecDAX charttechnisch spannend aus, so z.B. Eckert & Ziegler, Carl Zeiss oder VARTA, so dass es denkbar wäre, dass die gestrigen Käufe auf Anschlusskäufe treffen. Die Voraussetzung dafür?

Das dürften vor allem zwei Aspekte sein, welche die Marktteilnehmer indes beide nicht beeinflussen können: Zum einen die heutige Amtseinführung von Joe Biden. Da muss es friedlich bleiben. Es muss glaubhaft werden, dass die befürchteten Unruhen ausbleiben, auch über diesen Tag hinaus, so dass die Versuche, die US-Wirtschaft wieder zum weltweiten Wachstumsmotor zu machen und zugleich die Pandemie effektiv einzudämmen, nicht in einer Atmosphäre der Angst untergehen. Und in Europa muss es gelingen, die bislang nicht erfolgreiche „Corona-Strategie“ so zu gestalten, dass Erfolge statt eines Schreckens ohne Ende für Verbraucher und Unternehmen die Schlagzeilen prägen.

Wenn hüben, wie drüben eine Atmosphäre des „Ärmelhochkrempelns“ entsteht, wäre das zwar eigentlich nur das, was die Optimisten längst in die Kurse eingepreist haben. Aber nachdem man derart lange darauf wartete, dass aus der Hoffnung Realität wird, würde es mich nicht wundern, wenn die Wiederbelebung des Optimismus das bisherige „Stellung halten“ in neue Kauflust verwandeln würde, zumal der TecDAX jetzt ja auf dem Sprung wäre, auch charttechnisch durch neue Hochs Zeichen zu setzen. Solange der Index nicht mit Schlusskursen unter 3.184 Punkten wieder aus dieser fast bezwungenen, breiten Widerstandszone der Hochs des Jahres 2020 nach unten herausrutscht, haben die Bullen es selbst in der Hand, diesen Aufwärtstrend zu verlängern und das nächste Kursziel in Form der oberen Begrenzung des grossen, nach rechts offenen Dreiecks bei 3.460 Punkten anzusteuern. Siehe der Chart auf Monatsbasis:

TecDax: Monats-Chart vom 19.01.2021, Kurs 3.311,64 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX