Varta Aktie Prognose VARTA: Ist hier jetzt genug „Krise“ eingepreist?

News: Aktuelle Analyse der Varta Aktie

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Die am Dienstag von VARTA vorgelegten Neun-Monats-Ergebnisse kannte man schon durch am 20.10. vorgelegte Vorab-Daten. Was neu war, war die Prognose für 2022 sowie ein Ausblick auf 2023. Keine schönen Aussichten, aber die Aktie hielt sich wacker. Warum?

Die Ergebnisse der ersten neun Monate waren welche zum Vergessen. Der Umsatz fiel gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 8,3 Prozent. Das bereinigte EBITDA, d.h. der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen, fiel um 63,6 Prozent. Aber das war den Investoren nicht neu, VARTA hatte das bereits im Rahmen von vorläufigen Daten am 20. Oktober kommuniziert. Und schon da fiel auf, dass die Aktie nicht weiter nachgab.

Auch die Wiederbelebung der Ende September gestrichenen 2022er-Prognose schreckte die Akteure nicht. Am 1.8. hatte der Batteriehersteller seinen bis dahin geltenden Ausblick deutlich abgesenkt, rechnete ab da nur noch mit einem Umsatz zwischen 880 bis 920 Millionen (2021: 903 Millionen) Euro. Dann wurde die Prognose kassiert und gestern neu aufgesetzt. Die Bandbreite für den 2022er-Umsatz liegt jetzt zwischen 805 bis 820 Millionen Euro. Und 2023? Soll es nur leicht besser werden, da prognostiziert VARTA einen Umsatz zwischen 850 und 880 Millionen.

Auch in Bezug auf das EBITDA ist man höchst vorsichtig geworden. Bis September galt die 2022er-Prognose eines EBITDA zwischen 200 und 225 Millionen (vorherige Prognose 260 bis 280 Millionen). Jetzt avisiert man für 2022 nur noch 55 bis 60 Millionen und für 2023 dann 90 bis 110 Millionen Euro. Das sind kleine Brötchen, viel kleiner, als man das bis zum Sommer noch dachte. Wieso drückt das die Aktie nicht auf neue Jahrestiefs?

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Varta Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Salopp formuliert liesse sich sagen: Wer hier noch investiert ist, ist leidensfähig und hat bereits einkalkuliert, dass die fetten Jahre vorerst vorbei sind. Jetzt notiert die VARTA-Aktie in etwas wieder dort, wo Anfang 2019 die zwei Jahre währende Super-Hausse begonnen hatte. Aber VARTA ist kein Unternehmen, das von einer schwierigen gesamtwirtschaftlichen Situation untergepflügt würde. Auch, wenn das Terrain auch 2023 ein schwieriges bleiben wird, kann man doch erwarten, dass es auch wieder eine Phase mit steigenden Umsätzen und überproportional steigenden Gewinnen geben wird. Wer in den vergangenen Wochen eingestiegen ist und einen längeren Zeithorizont hat, setzt darauf und denkt mittelfristig.

Das Risiko bleibt natürlich, dass kurzfristige Trader versuchen, die Aktie gezielt aus ihrer Seitwärtsrange nach unten herauszudrücken, die sich seit dem Selloff als Reaktion auf die Ende September kassierte Prognose zwischen 26,62 und 34,29 Euro herausgebildet hat. Aber dass solche Versuche gestern unterblieben, obgleich man die düsteren 2022er und 2023er-Prognosen dafür als Anlass hätte nehmen können, ist ein Indiz, dass die Short-Seller hier zumindest im Augenblick nicht mehr allzu aktiv sind.

Das ist noch lange kein Beleg dafür, dass aus diesem Seitwärtstrend eine erfolgreiche Bodenbildung werden muss. Aber sollte es gelingen, diese Range nach oben zu verlassen, wäre die immens massive, aber auch weit entfernte Widerstandszone 66,30/68,50 Euro zumindest ein auf mittelfristiger Ebene denkbares Kursziel.

VARTA-Aktie: Chart vom 15.11.2022, Kurs 32,03 Euro, Kürzel VAR1 | Online Broker LYNX
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Vorherige Analysen der Varta Aktie

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Konjunktursensible Unternehmen glänzen mit rasant steigenden Gewinnen, solange die Wirtschaft wächst. Aber kippt das Wachstum, kippen die Gewinne solcher Unternehmen hinterher und fallen oft rasant. VARTA ist derzeit in genau dieser Situation.

Als der Batteriehersteller VARTA Anfang August die vorherige 2022er-Prognose senken musste, war es bereits fraglich, ob man an das neu ausgegebene Gewinnziel überhaupt heranreichen würde. Wie ich dazu am 2. August an dieser Stelle zu der da noch geltenden, gesenkten Prognose schrieb: ‚Das EBITDA soll nach zuvor avisierten 260 bis 280 Millionen Euro zwischen 200 und 250 Millionen hereinkommen. Wobei man sich gerne fragen darf, was alles klappen muss, damit wenigstens diese niedrigere Gewinnprognose eintritt, denn wie die Halbjahreszahlen zeigen, wurde nach der Hälfte der Zeit erst ein Drittel des geplanten EBITDA-Gewinns erreicht.‘

Das, was da hätte klappen müssen, klappte offensichtlich nicht, denn am 23. September gab VARTA in Bezug auf das 3. Quartal eine Gewinnwarnung aus und strich diese erst sieben Wochen zuvor ausgegebene Prognose, diesmal gleich ersatzlos. Gestern gegen 16 Uhr kamen dann die vorläufigen Ergebnisse für das dritte Quartal auf den Tisch.

Der Umsatz kam gegenüber dem Vorjahresquartal um 14 Prozent zurück, auch auf den Neun-Monats-Zeitraum gerechnet war der Umsatz rückläufig, in dieser Zeitspanne um 8 Prozent. Eine Menge, wenn man bedenkt, dass die gestiegenen Preise den Umsatz ja zugleich stützen. Und aus dem Gewinn, der im dritten Quartal 2021 bei 70,2 Millionen lag, wurde ein Verlust von 2,5 Millionen Euro. Auf die ersten neun Monate 2022 insgesamt gerechnet liegt das um Sondereffekte bereinigte EBITDA (Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen) damit bei 66 Millionen Euro. Wie oben erwähnt: Anfang August hatte man für das Gesamtjahr noch 200 bis 250 Millionen avisiert. Und was passierte angesichts dieser Ergebnisse mit der Aktie?

Expertenmeinung: Sie schloss auf den Cent genau auf Vortageslevel, nachdem sie unmittelbar mit Vorlage dieser Zahlen kurz einbrach, dann ebenso kurz ins Plus lief und zum Handelsende hin „auspendelte“. Seltsam? Nicht unbedingt.

Zum einen wusste man ja bereits seit vier Wochen, dass Ungemach auf die Anleger zukommt, nachdem die Prognose am 23.9. kassiert wurde. Daraufhin war VARTA bereits um 34 Prozent binnen eines Tages eingebrochen und danach noch ein paar Tage weiter gefallen, bevor es gelang, sich in eine Seitwärtsbewegung zu retten. Zum anderen steht heute die Abrechnung am Terminmarkt an. Solange die Umsätze nicht zu hoch werden, gelingt es grossen Akteuren an der Terminbörse meist, zu verhindern, dass eine Aktie so knapp vor der Abrechnung aus der Handelsspanne ausbricht und damit Options-Strategien in teure Schieflagen bringt.

Zwar sind Aktionen in Zusammenhang mit der Options-Abrechnung ab Montag nicht mehr vonnöten, aber es wäre dennoch denkbar, dass die VARTA-Aktie nicht aus ihrer gestern wieder gehaltenen Handelsspanne 27,13/34,29 Euro ausbricht, einfach, weil man schon lange Zeit hatte, ein „Worst Case“-Szenario einzupreisen. Aber das ist trotzdem keine gute Basis, um hier auf Schnäppchenjagd zu gehen. Ein „Schnäppchen“ ist diese Aktie angesichts der Dynamik, mit der sich die Lage fundamental eintrübt, jetzt keinesfalls!

Chart vom 20.10.2022, Kurs 29,00 Euro, Kürzel VAR1 | Online Broker LYNX

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Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Die jüngsten Ertragswarnungen hatten beim deutschen Batteriehersteller einen Kurscrash ausgelöst. Innerhalb weniger Tage verlor die Varta-Aktie 50 % und es ging mit den Kursen nahezu vertikal nach unten.

Ein solches Szenario bildet sich oft nur in einem bereits bestehenden Abwärtstrend, wie wir ihn hier schon seit Monaten beobachten konnten. Auf die gesamtheitlich bärische Lage hatte ich zuletzt im Februar hingewiesen. Seitdem haben sich die Bullen nur selten durchsetzen können. Angezählt versuchen die Kurse nun im Bereich von 30 EUR einen möglichen Boden auszubilden, doch die meisten Anleger haben bereits das Handtuch geschmissen. Was nun?

Expertenmeinung: Aber es gibt auch gute Nachrichten. Nach einem heftigen Gewitter folgt meist wieder Sonnenschein und dieser ist für die kommenden Tage gar nicht so unwahrscheinlich. Die Kurse befinden sich in einer extrem überverkauften Lage und alle Anleger, die bereits das berühmte Handtuch geschmissen haben, sind bereits aus dem Wert ausgestiegen.

Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt ist auf ein Maximum angewachsen und aus solchen Lagen ergeben sich des Öfteren kurze und heftige Zwischenrallyes. Ein Anstieg im Oktober bis in den Bereich von 40 bis 45 EUR würde mich aus aktueller Sicht nicht wundern. Mitunter vielleicht eine gute Chance für kurzfristig orientiere Trader.

Aussicht: NEUTRAL

Chart vom 14.10.2022 Kurs: 30.20 Kürzel: VAR1 | Online Broker LYNX

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Die Gewinnwarnungen häufen sich. Am Freitag war VARTA dran. Wobei es nicht nur eine Senkung der Gewinnerwartung war, man schwenkte gleich die rote Flagge und konstatierte: Prognosen kassiert. Die Aktie vollzog einen Crash, fiel um 34,18 Prozent. Was kann man tun?

Der Batteriehersteller VARTA strich die Ende Juli bereits gesenkte Prognose für das Jahr 2022 jetzt komplett. Stark gestiegene Kosten drücken auf den Gewinn, weil diese nicht vollumfänglich an die Kunden weitergegeben werden können. Zugleich verzögern sich zwei Grossaufträge, eventuell könnten signifikante Warenvolumina in diesem Jahr nicht mehr ausgeliefert werden. Schaut man sich das nüchtern an, könnte man zu dem Schluss kommen, dass die gestiegenen Kosten niemanden überraschen sollten und das, was 2022 nicht mehr geliefert werden kann, dafür den Umsatz 2023 stützen wird. Aber:

Erstens betrachten die Wenigsten egal was in diesem Hexenkessel gerade nüchtern. Zweitens ist es alarmierend, dass sich VARTA ausserstande sieht, die Prognose konkret zu adjustieren und sie stattdessen einfach annulliert. Das wirkt, als wisse man dort nicht, wo einem der Kopf steht, dieser aber stark genug wackelt, um umgehend Alarm geben zu müssen. Das muss so extrem gar nicht der Fall sein, aber dieser Anschein führte dazu, dass die Anleger mit VARTA das taten, was sie derzeit mit allen Aktien machen, die eine Gewinnwarnung lancieren. Und das sind ja nicht gerade wenige, zuletzt waren es z.B. die KION Group und, auch am Freitag, Hypoport. Die Frage ist: Was fängt man mit der Aktie jetzt an?

Expertenmeinung: Sie sehen hier den Chart der Aktie auf Wochenbasis, seit sie im Herbst 2017 den Börsenhandel mit einem ersten Kurs von 24,25 Euro begann. Im Vergleich zur Distanz zu den beiden Topps des Jahres 2021 ist es bis dahin jetzt nicht mehr weit. Hinzu kommt, dass die Aktie an die untere Begrenzung eines im Herbst 2021 etablierten Abwärtstrendkanals gelaufen ist. Und kurzfristig überverkauft ist sie natürlich auch.

Wenn man jetzt auf den Gedanken käme, dass „Prognose gestrichen“ ja nicht heissen muss, dass der vorher avisierte Unternehmensgewinn zu einem Verlust wird, sondern nur, dass man derzeit keine taugliche Aussage machen kann, könnte man auf die Idee kommen, die Aktie nach einem solchen Crash „abzufischen“. Eine gute Idee?

Eher nicht. Absolut nichts zu wissen, ist keine gute Basis, um Geld zu investieren. Dass nicht einmal die Analysten nach diesem VARTA-Statement am Freitagmittag irgendetwas von sich gaben, ist bezeichnend. Die wissen eben auch nicht, was sie dazu sagen sollen … ohne dass man irgendeinen Anhalt hätte, ob der Gewinn jetzt um 20 Prozent niedriger liegen könnte, um 50 Prozent oder wirklich auf einmal rote Zahlen anstehen. Man müsste also letzten Endes Roulette spielen. Und auch, wenn es abgedroschen und/oder altbacken klingen mag: Mit Geld spielt man nicht. Ich würde hier auf jeden Fall neutral bleiben.

VARTA-Aktie: Chart vom 23.09.2022, Kurs 38,61 Euro, Kürzel VAR1 | Online Broker LYNX

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Vorläufige Ergebnisse und eine kassierte Jahresprognose, das ist in letzter Zeit keine Seltenheit mehr. Dass es so eilt, dass man das sogar am Wochenende lanciert, schon. Und in der Tat las sich die neue 2022er-Prognose von VARTA düster. Was wird jetzt aus der Aktie?

Die vorläufigen Halbjahreszahlen, die der Batteriehersteller VARTA am Samstag vorlegte, machten das Problem schon deutlich: massiver Margen-Druck. Dass der Umsatz im ersten Halbjahr 2022 um 5,2 Prozent fiel, war nicht gut. Dass aber der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) zugleich um massive 38,6 Prozent wegbrach, war fatal und zeigt: Es ist nicht alleine das Problem verzögerter Kundenaufträge und das Warten auf für die Produktion nötiges Material. Es sind auch die gestiegenen Kosten, die die Bilanz verhagelt hatten, weil man die nicht vollumfänglich an die Kunden weiterreichen konnte.

Folgerichtig kassierte VARTA die bisherige 2022er-Jahresprognose. Statt eines Umsatzes zwischen 0,95 und 1,0 Milliarden Euro plant VARTA jetzt mit 0,88 bis 0,92 Milliarden. Das EBITDA soll nach zuvor avisierten 260 bis 280 Millionen Euro zwischen 200 und 250 Millionen hereinkommen. Wobei man sich gerne fragen darf, was alles klappen muss, damit wenigstens diese niedrigere Gewinnprognose eintritt, denn wie die Halbjahreszahlen zeigen, wurde nach der Hälfte der Zeit erst ein Drittel des geplanten EBITDA-Gewinns erreicht. Dass die Aktie mit einer grossen Kurslücke nach unten in den Montag startete, wunderte daher nicht. Was danach passierte, schon.

Expertenmeinung: Denn VARTA eröffnete den Handel zwar mit einem „Gap Down“ von 10,8 Prozent und fiel dann bis auf ein Minus von 13,5 Prozent zurück. Aber dann drehte der Kurs wieder nach oben, holte die Verluste Stück für Stück auf und beendete den Handelstag mit einem Minus von gerade einmal 3,48 Prozent. Was kann diejenigen, die da zugegriffen haben, dazu motiviert haben?

Die Analysten-Reaktionen zumindest nicht. Zwar blieb Alsterresearch als einziges Analysehaus von dreien, die am Montag reagierten, bei der Einschätzung „Kaufen“. Aber das Kursziel wurde von 100 auf 83 Euro gesenkt … und liegt damit nicht weit genug entfernt, um ein Kaufargument zu sein. Vor allem nicht, wenn man die anderen beiden Reaktionen sieht. Warburg senkte das Ziel von 95 auf 65,50 und wertete mit „Verkaufen“, Hauck Aufhäuser senkte sein Kursziel von 84 auf 64 Euro und stufte VARTA ebenfalls mit „Verkaufen“ ein.

Zwar könnte man argumentieren, dass sich VARTA schon wieder fangen wird. Aber das kann man in jeder Krise bei so ziemlich jedem Unternehmen so sehen. Nur bleibt die Frage offen: Wann … und wie übel wird es bis dahin? Und wenn VARTA schon jetzt so sensibel auf die Lage reagiert, dürfte da in Sachen Druck auf die Gewinne noch einiges möglich sein.

Daher wäre es gar nicht so abwegig zu unterstellen, dass diese Erholung nur eine Kombination aus „Rettungskäufen“ zur Verhinderung des Bruchs des bisherigen Jahrestiefs vom Mai bei 67,88 Euro, aus Eindeckungen von Leerverkäufen und den Käufen derer war, die gar nicht so recht wussten, was da am Wochenende passiert war. Und wäre das der Fall, wäre die Verteidigung dieses Mai-Tiefs womöglich nur vorübergehend gelungen, denn jetzt hätten die Bären noch mehr Argumente, um die Aktie zu drücken.

VARTA-Aktie: Chart vom 01.08.2022, Kurs 76,44 Euro, Kürzel VAR1 | Online Broker LYNX
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Die VARTA-Aktie war schon auf dem Weg in Richtung der markanten Supportlinie bei 50 Euro, doch dann gelang erst einmal eine Stabilisierung. Aber hält die vor? Und wenn ja, ist der Weg nach oben nicht sowieso verbaut, weil die Aktie zu teuer bewertet ist? Rechnen wir mal nach.

Im Dezember 2019 hatte die VARTA-Aktie kurzzeitig ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von 100 erreicht. Das war völlig überzogen, denn auch, wenn der Batteriehersteller seinen Unternehmensgewinn 2018, 2019 und dann sogar im Corona-Jahr 2020 jeweils nahezu verdoppeln konnte, war doch klar: Auf Dauer kann das natürlich nicht in diesem Tempo weitergehen. Ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von 50 bis 60, das wäre angemessen gewesen. Und jetzt, da man weiss, dass das Wachstum weltweit unter Preisdruck, höheren Zinsen und Lieferschwierigkeiten in die Knie geht, müsste man eher ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von 30 bis 40 als angemessen ansehen. Hat die VARTA-Aktie nach oben also keine Chancen?

Doch, grundsätzlich schon. Denn „zu teuer“, das ist mittlerweile längst korrigiert. Aktuell würde VARTA, wenn die derzeitige Konsens-Prognose eines um 25 Prozent gegenüber 2021 niedrigeren Jahresgewinns zutrifft, ein Kurs/Gewinn-Verhältnis um 30. Damit wäre der Spielraum nach unten mittlerweile deutlich begrenzter als vor einigen Monaten. Und theoretisch auch wieder Luft nach oben, zumal dieses Bewertungslevel auch noch etwas schwächer als derzeit erwartete Gewinne aushalten würde, ohne dass VARTA dann gleich erneut überbewertet wäre. Alleine, was fehlt, ist der Ruck, der dafür durch die Käufer gehen müsste. Denn noch dümpelt die Aktie unterhalb mittelfristig entscheidender Widerstandslinien seitwärts. Warum?

Expertenmeinung:

Der wahrscheinlichste Grund ist, dass zu viele Marktteilnehmer sich sicher sind, dass es mit VARTAs Gewinn durch steigende Kosten und zurückhaltende Verbraucher noch deutlich weiter bergab gehen könnte als das, was die Analysten momentan vermuten. Vor allem in Bezug auf 2023 und 2024, denn da unterstellen die meisten Experten wieder anziehende Gewinne für das Unternehmen. Was aber so sehr unwahrscheinlich gar nicht ist. Denn die Batterienachfrage könnte zwar fallen, wird aber nicht massiv wegbrechen, einfach, weil Geräte ohne Batterien eben dann nicht mehr laufen. Und auch, wenn der Umsatz trotzdem schwächer ausfallen wird: Wenn die Rezession zuschlägt und das auf die Rohstoff- und Transportpreise drückt, kann das Umsatzminus von wieder steigenden Margen teilweise ausgeglichen werden.

Was zwar, da man nicht absehen kann, wie sich die Lage in den kommenden ein, zwei Jahren genau entwickeln wird, eine theoretische Überlegung ist. Aber würde die Grundstimmung am Markt drehen, wären automatisch deutlich mehr Marktteilnehmer zu solchen positiven Erwägungen bereit als jetzt. Was fehlt, ist ein Startschuss im Chart, der einen Stimmungswandel unterfüttern würde.

Aber das wird nicht ganz einfach, denn Sie sehen in diesem längerfristigen Chart auf Wochenbasis, dass die Aktie dazu erst einmal durch eine ziemlich massive Widerstandszone zwischen 99 und 110 Euro hindurch müsste. Und käme es so, ohne dass sich die Perspektiven für den Unternehmensgewinn nennenswert verbessern, wäre die Aktie dann nicht mehr günstig bewertet. Also?

Bevor man nicht wenigstens eines von beidem, also entweder ein charttechnisch bullisches Signal über 110 Euro oder eine Aufhellung der Umsatz- und Gewinnperspektive sieht, würde ein Long-Trade auf höchst dünnen Beinen stehen. Andererseits: Mit dieser Gemengelage wäre auch klar, dass man da auch auf der Short-Seite gefährlich lebt. Für den Moment könnte man VARTA also als grundsätzlich hoch spannend, aber für einen unmittelbaren Trade noch als „nicht reif“ einstufen.

VARTA-Aktie: Chart vom 27.06.2022, Kurs 85,92 Euro, Kürzel VAR1 | Online Broker LYNX