Varta Aktie aktuell VARTA: Gehen bei den Bullen jetzt die Lichter aus?

News: Aktuelle Analyse der Varta Aktie

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Zur Varta Aktie

Die Bilanz, die der Batteriehersteller VARTA am Donnerstagmorgen für das Jahr 2020 vorlegte, war genauso stark wie es seitens der Analysten erwartet wurde. Doch die Prognose für 2021, die VARTA am Vorabend meldete, schockierte die Anleger genug, um die Aktie am Donnerstag wie ein heisses Eisen fallen zu lassen.

Ein Umsatzplus von 140 Prozent zum Vorjahr und ein Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA), der 145 Prozent über dem des Jahres 2019 lag, das übertraf die Analysten-Konsensprognose sogar etwas. Aber bereits am Mittwochabend wurde die 2021er-Prognose vorgelegt. Und die liegt sehr deutlich unter den bisherigen Analystenschätzungen. Und wenn man sich ansieht, wie immens diese Aktie vor allem seit Mitte Januar gestiegen war, dürften da auch die meisten Anleger auf dem falschen Fuss erwischt worden sein.

VARTAs Prognose für 2021 sieht einen Umsatz von 940 Millionen Euro, nur gut acht Prozent mehr als 2020. Im Schnitt hatten die Analysten da 1,09 Milliarden erwartet. Und aus der von VARTA mit 30 Prozent prognostizierten Marge vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA-Marge), die 2020 bei 27,5 Prozent lag, errechnet sich dann ein avisierter Einstieg des EBITDA-Gewinns um 18 Prozent. Die Analysten-Erwartung lag bislang bei +33 Prozent. Das war eine herbe Enttäuschung, kein Wunder, dass die Aktie markant an Boden verlor.

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Varta Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Das gestrige Minus von 13,2 Prozent addiert sich mit dem Abschlag des Mittwochs zu einem Verlust von 19,4 Prozent binnen zwei Handelstagen. Dadurch ist die Aktie auf den Level zurückgefallen, auf den der Selloff nach der Extremphase Ende Januar geführt hatte. Nachdem die VARTA zuvor mit weniger Momentum wieder in Richtung des Verlaufsrekords gelaufen war, ist damit die Basis für ein Doppeltopp gelegt. Ein weiterer schwacher Tag mit Schlusskursen unter 130 Euro, und das Kind läge aus charttechnischer Sicht im Brunnen. Und angesichts der mit der Aktie Hand in Hand gestiegenen Erwartungen, die mit dieser 2021er-Prognose torpediert wurden, wäre das zumindest gut möglich. Käme es so, läge das rechnerische Kursziel des Doppeltopps bei gerade einmal 86 Euro (Die Distanz zwischen dem höheren der beiden Topps bei 180 Euro und der Nackenlinie bei 133 Euro nach unten abgetragen). Das wäre zwar definitiv überzogen, aber wer sich dieses Kursziels gewärtig wäre, dürfte wohl nicht vor einem Test der mittelfristig entscheidenden Unterstützungszone aus Juni-Aufwärtstrend und 200-Tage-Linie im Bereich 111/113 Euro versuchen, die Aktie aufzufangen. Auch, wenn dieses Doppeltopp per Donnerstagabend noch nicht vollendet ist, diese Aktie ist jetzt in der Tat ein sehr heisses Eisen.

VARTA Aktie: Chart vom 18.02.2021, Kurs 134,10 Euro, Kürzel VAR1 | Online Broker LYNX
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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen der Varta Aktie

Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Vielfach wurde ich im Laufe der vorigen Woche zur Lage der Varta-Aktie befragt und auch im LYNX Live Trading Webinar habe ich die Aktie besprochen. Die Tatsache, dass das Wertpapier ab Mitte Januar deutlich nach oben schnellte und teils schon parabolische Züge annahm, war gerade für mittelfristig orientierte Anleger Warnung genug, denn solche Anstiege halten nicht allzu lang. Nachdem in der Aktie zahlreiche Short-Seller regelrecht in der Luft zerrissen wurden, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Kurse ähnlich steil den Weg wieder Richtung Süden finden würden. Innerhalb von nur zwei Tagen ist der Grossteil des erzielten Gewinns wieder dahin und wer seine Schäfchen schnell ins Trockene gebracht hat, erfreut sich des richtigen Risk-Managements. Wer hingegen in Gier den Kursen noch hinterhergejagt ist, erkennt spätestens jetzt, dass die Bäume nun mal nicht in den Himmel wachsen.

Expertenmeinung: Geduldige Anleger, die bislang noch keinen Trade gewagt haben, könnten jetzt belohnt werden, denn in den kommenden Tagen dürfte sich hier eine exzellente Trading-Chance entwickeln. Voraussetzung hierfür wäre, dass der Boden knapp oberhalb der Marke von 130 EUR auch wirklich hält. Dieses Niveau war in den letzten Monaten heiss umkämpft und könnte nun erneut zur Kampfzone zwischen Bullen und Bären werden. Sollte die Aktie von hier aus wieder nach oben drehen, wäre zumindest mit einem vorübergehend starken Bounce zu rechnen.

Aussicht: BULLISCH

Chart vom 01.02.2021 Kurs: 135.40 Kürzel: VAR1 | Online Broker LYNX

Die im November vorgelegten Quartalszahlen des Batterie-Herstellers VARTA bestätigten das starke Wachstum des Unternehmens. Und auch, wenn es für das vierte Quartal noch keine Ergebnisse gibt, darf man davon ausgehen, dass sich das bislang bekannte, starke Wachstum des Jahres 2020 auch da fortgesetzt hat. Darüber hinaus spricht nichts dagegen, dass die derzeitigen Erwartungen der Analysten eintreffen, nach denen VARTA 2021 etwa ein Drittel mehr verdienen wird als 2020 und im Jahr 2020 eine Steigerung um 25 Prozent denkbar wäre.

Das wussten die Marktteilnehmer auch schon Mitte Januar. Mitte Januar, als der Kurs nach einem Fehlausbruch über die Widerstandslinie bei 125 Euro bis auf 110/111 Euro zurückfiel, weil die Meldung, Samsung und LG würden die Herstellung eigener Mikrobatterien planen, die üppigen Wachstumsprognosen von VARTA in Frage stellte.

Richtig ist, dass die Aktie dort oberhalb entscheidender Unterstützungen nach oben drehte, klar über der Mai-Aufwärtstrendlinie und der 200-Tage-Linie. Richtig ist ebenso, dass dieser Rücksetzer Mitte Januar im Bereich der zuvor bezwungenen September-Abwärtstrendlinie abgefangen wurde und durch das umgehende Anziehen des Kurses zu einem Pullback an den Ausbruchslevel und damit zur Bestätigung des Ausbruchs nach oben wurde. Dass dies zu Käufen führte, die genug Schwung mitbrachten, um das vorherige Rekord-Verlaufshoch vom September bei 138,80 Euro zu überwinden, ist charttechnisch tadellos. Aber was seither passiert, hat mit „Investment“ nichts mehr zu tun. 

Expertenmeinung: Seit der vorgenannten Samsung/LG-Nachricht gab es keine Neuigkeiten zum Unternehmen, auch keine neue Einstufung durch die Analysten. Trotzdem kam es zu selbst für diese volatile Aktie völlig untypischen, extremen Schwankungen in beide Richtungen, die unter Umsätzen abliefen, die VARTA zuvor nur zweimal, im Zuge des Kurseinbruchs im Januar 2020 und am ersten Handelstag im Jahr 2017, gesehen hatte.

Dass es am Dienstag zu grösserer Volatilität im Zuge der Anschlusskäufe nach dem Ausbruch über das vorherige Rekordhoch kam, ist noch nachvollziehbar. Aber das, was sich am Donnerstag und Freitag abspielte, kann man nur als „Ableger“ des von Nutzern von Trading-Apps ausgehenden Chaos bei kleineren US-Aktien wie AMC, GameStop, Bed Bath & Beyond oder Koss in den USA ansehen. Offenbar hatte man wie bei den vorgenannten Aktien auch bei VARTA begonnen, die Leerverkäufer mit Kaufwellen zu attackieren. Das Ziel:

Wenn es gelingt, die Aktie ausreichend weit nach oben zu treiben, sind diejenigen, die die Aktie zuvor in der Erwartung fallender Kurse leer verkauft haben, gezwungen, diese Positionen zu neutralisieren, indem sie die Leerverkäufe durch Käufe der Aktie ausgleichen. Das treibt den Kurs erst recht nach oben … und in diesen von panischen Leerverkäufern ausgelösten Kursanstieg hinein nehmen diejenigen den Gewinn mit, die die Leerverkäufer auf tieferem Kursniveau in die Bredouille gebracht haben. Genau das passierte offenbar bei VARTA und löste unberechenbare Kurssprünge aus:

Nachdem es am Mittwoch zu einem volatilen Handel auf höherem Niveau gekommen war, eröffnete die Aktie am Donnerstag ohne jede Nachrichten ganze 8,7 Prozent tiefer, schoss dann aber bis zum Handelsende immer höher und schloss 14,1 Prozent über Vortag. Dieser Donnerstag hatte eine Handelsspanne, vom Tagestief aus gerechnet, von unglaublichen 26,7 Prozent … in normalen Zeiten ist das die Schwankungsbreite eines Blue Chip im Verlauf eines Jahres!

Und am Freitag schien es, als hätten die „Bären-Jäger“ ihre Beute erlegt und wollten aussteigen, nur, dass nach den Eindeckungen der Leerverkäufer und dem Ausbleiben dieser gezielten Kaufwellen viele verkaufen und keiner mehr kaufen wollte. Das Resultat war ein dramatisches Minus von 18,81 Prozent.

Das ist nichts anderes mehr als blanke Zockerei. Bewertungslevels oder Charttechnik spielen da keine Rolle. Davon sollte man sich als besonnener Trader fernhalten, denn dass solche Super-Rallyes von einem Augenblick auf den anderen zusammenbrechen können und man dann nicht mehr aus der Aktie herauskommt, ohne am Ende womöglich sogar mit Verlust dazustehen, liegt in der Natur der Sache solcher „Bären-Jagden“. Und sollte VARTA dadurch das alte Rekordhoch vom September bei 138,80 Euro signifikant durchbrechen, würde das auch noch die Stop Loss-Verkäufe normaler Investoren auslösen, dann wäre hier für nichts mehr zu garantieren. Unbedingt heraushalten!

Chart vom 29.01.2021, Kurs 147,20 Euro, Kürzel VAR1 | Online Broker LYNX

Der Batteriehersteller VARTA wächst seit Jahren kontinuierlich und zuletzt beeindruckend schnell. Dahingehend gibt es unter den Investoren keine Zweifel. Worüber man sich indes ganz und gar nicht einig ist, sind die Fragen, ob die Aktie nicht mittlerweile viel zu teuer ist und ob dieses rasante Wachstum auch in den kommenden Jahren weitergehen könnte oder nicht.

Diese beiden Aspekte sorgen regelmässig dafür, dass der Kurs wegsackt. Bislang aber immer nur für kurze Zeit, dann sind die Bullen schon wieder da. Als VARTA am 12. November die bislang aktuellsten Quartalsergebnisse (3. Quartal) vorlegte, meldete das Unternehmen ein Umsatzwachstum von 70 Prozent und einen Anstieg des Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen um 128 Prozent. Eingerechnet den Zukauf Consumer Batteries lag der Zuwachs sogar bei 160 Prozent beim Umsatz und bei 180 Prozent beim Gewinn im Vergleich zum Vorjahresquartal. Und was passierte mit der Aktie an diesem Tag? Sie fiel.

Je grösser die Kursgewinne, desto höher auch die Erwartungshaltung. Und da ist „gut“ eben oft nicht gut genug. Zumal da immer noch die Sorge vor einer dem Wachstum gefährlich werdenden Konkurrenz umgeht. Zuletzt rutschte die Aktie am vergangenen Freitag ab, als gemeldet wurde, Samsung und LG hätten Pläne, eigene Mikrobatterien herzustellen. Aber wie gesagt: Bislang lassen sich die Bullen nicht niederringen.

Expertenmeinung: So lange die charttechnische Schlüsselzone zwischen 99 und 113 Euro hält, behalten die Bullen die besseren Karten. Und genau dort drehte die VARTA-Aktie in dieser Woche mit Schwung nach oben. Vorangegangen war ein Fehlausbruch über die Widerstandslinie bei 125 Euro. Diese Linie war kurz überboten, dann entpuppte sich der Ausbruchsversuch als Bullenfalle. Das hätte leicht schiefgehen, Anschlussverkäufe diese Zone 99/113 Euro brechen können. Aber die Aktie drehte dort nach oben, wo sie drehen musste, um bullisch zu bleiben.

Per Mittwochabend ist diese Widerstandslinie erneut knapp überboten. Knapp, aber noch nicht signifikant. Die Käufer müssten jetzt sofort nachlegen, dann hätte man auch den Rückhalt eines wieder auf Kauf drehenden MACD-Indikators (unten im Chart mit eingeblendet).

Können die recht hohe Bewertung und die stete Sorge vor einer mächtiger werdenden Konkurrenz den Trend also nicht gefährden? Doch, irgendwann werden die Bullen nicht mehr auf dem Posten sein. Nur ist nicht vorhersehbar, wann das passiert – das könnte sich grundsätzlich auch auf einem deutlich höheren Kursniveau abspielen. Daher würde es sich anbieten, diese Aktie konsequent auf charttechnischer Ebene zu handeln: Solange diese Schlüsselzone 99/113 Euro hält, behält „Long“ das bessere Chance/Risiko-Verhältnis.

Chart vom 20.01.2021, Kurs 126,50 Euro, Kürzel VAR1 | Online Broker LYNX

Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Die letzten Wochen liefen an der Deutschen Börse überaus positiv. Hiervon profitierte auch der bekannte Batteriehersteller, denn ohne bedeutende Nachrichten konnte die Varta-Aktie im Dezember deutlich an Boden gutmachen. Die Trendwende bahnte sich bereits Ende November an, als der Titel ein höheres Zwischentief generieren konnte. Zuvor war noch im Oktober ein tieferes Tief gegenüber dem Vormonat zu beklagen. Das höhere Tief zeigte bereits erhöhtes Käuferinteresse an. Schliesslich war es der Breakout über die Ebene bei 115 EUR, welcher die Bullen wieder zurück ins Spiel brachte. Auch der Start ins neue Jahr ermutigte viele Anleger sich hier zu positionieren. Die Schwäche der vorangegangenen Monate scheint nun überwunden zu sein.

Expertenmeinung: Auch der Widerstandsbereich rund um die Marke von 125 EUR konnte zum Ende der vorigen Handelswoche überwunden werden, doch der Anstieg verlief überaus steil. Und ob sich die Kurse im Laufe dieser Woche darüber halten können, ist eine ganz andere Frage. Theoretisch wäre eine kleine Korrektur zurück in den Bereich von 115 bis 120 EUR durchaus denkbar. Auch die Kerze von Freitag deutet ein mögliches Ende der steilen Aufwärtsbewegung an. Uns gefällt die Varta-Aktie dennoch und wir sehen durchaus noch Chancen auf mehr. Einen guten Einstieg sehen wir aber auf kurzfristiger Ebene eher auf günstigeren Niveaus. Ein Pullback könnte sich demnach dazu anbieten.

Aussicht: NEUTRAL

Chart vom 08.01.2021 Kurs: 126.90 Kürzel: VAR1 | Online Broker LYNX

Blickt man auf die Zahlen von Varta, kann man nur ins Schwärmen kommen. Oder täuscht das? Könnte die Konkurrenz Varta das Leben zukünftig schwer machen?

Grandiose Zahlen

Blickt man auf die Zahlen von Varta, kann man nur ins Schwärmen kommen. Zumindest wenn man die Zeit ab dem Geschäftsjahr 2019 betrachtet. Zuvor war es eher durchwachsen.

Im Geschäftsjahr 2019 kletterte der Umsatz allerdings von 272 auf 363 Mio. Euro und das Ergebnis von 0,66 auf 1,28 Euro je Aktie.
Man muss allerdings auch anmerken, dass man den gemeldeten Gewinn mit Vorsicht geniessen sollte.

Der freie Cashflow tendiert bestenfalls gegen Null, denn Varta hat enorme Investitionen gestemmt, um die Produktionskapazitäten auszuweiten.

In Wirklichkeit hat das Unternehmen sehr viel mehr ausgegeben, als eingenommen.
Warum hätte man sonst mehrere Kapitalerhöhungen durchführen müssen?

Das zahlt sich aus

Bisher hat sich das allerdings ausgezahlt. In den ersten neun Monaten des Jahres konnte man den Umsatz organisch um 69,7% steigern.
Hinzu kommt die Übernahme des namensgleichen Geschäftsbereichs Varta Consumer Batteries des US-Unternehmens Energizer.

Die Margen haben sich dadurch weiter verbessert und dementsprechend konnte der Konzernumsatz auf 630,3 Mio. und der Gewinn auf 78,3 Mio. Euro mehr als verdoppelt werden.

Kann man das in dieser Weise fortsetzen, ist der Börsenwert von 4,8 Mrd. Euro ambitioniert aber halbwegs zu rechtfertigen.

Zumindest, wenn man als Anleger weiterhin das Thema Cashflow ignoriert. Der freie Cashflow lag im laufenden Geschäftsjahr bei -141 Mio. Euro. Die Eigenkapitalquote sank von 62,0 auf 45,5%.

Early Mover

Die Frage ist aber ohnehin, ob es gelingen kann, das hohe Wachstum fortzusetzen. Dazu gilt es einige Hürden zu überwinden.

Varta ist ein klassisches Beispiel eines „early movers“. Man war früh dran.
Der Markt für kabellose Kopfhörer wie die Airpods ist in den Jahren entstanden und unmittelbar explodiert.
Varta war der einzige Anbieter, der grosse Produktionsmengen und eine hohe Qualität bieten konnte.

Daher stieg Varta in kürzester Zeit zu einem faktischen Monopolisten auf und war der einzige Lieferant für eine ganze Reihe von Kopfhörer-Herstellern („TWS Headsets“).
Dadurch konnte man für die Branche ungewöhnlich hohe Margen erzielen.

Das alles und mehr hat man aber auch direkt wieder reinvestiert, um zeitnah eine Produktionskapazität von 200 Millionen Zellen zu erreichen.

Das Problem

Dieser Umstand, hohe Margen und ein faktisches Monopol, dürfte ein jähes Ende finden, denn natürlich schläft die Konkurrenz nicht.

Samsung SDI ist gerade dabei die Produktionskapazitäten von 25 auf 75 Millionen Zellen pro Jahr auszuweiten. Das erklärte Ziel ist es, Apple als Kunden zu gewinnen.

Great Power bewegt sich von 90 in Richtung 120 Millionen Stück. Zu den Kunden zählen JBL, Harman, Xiaomi und Huawei.

VDL hat seine Kapazitäten inzwischen auf 100 Millionen Zellen gesteigert. Zu den Kunden gehören Xiaomi, JLAB, Bang & Olufsen, Sony sowie Plantronics.

Zenipower ist ebenfalls aufstrebend und hat inzwischen eine Produktionskapazität von 50 Mio. Zellen pro Jahr. Die wichtigsten Kunden sind Sony und Philips.

Eve Energy versorgt so gut wie jeden Akteur in China und wird seine Kapazitäten bis Ende des Jahres auf 200 Millionen Zellen steigern.
Gerüchten zufolge könnte auch Apple Kunde werden.

Der Markt verändert sich

Nun muss man wissen, dass in diesem Jahr weltweit voraussichtlich 200 Millionen Headsets verkauft werden.
Die Produktionskapazitäten decken inzwischen also den Bedarf und die Hersteller von Kopfhörern & Co. können auf eine ganze Reihe von Batterie- Herstellern zurückgreifen.

Varta ist also dabei von einem Monopolisten in einem unterversorgten Markt zu einem von vielen Anbietern zu werden.
Es ist kaum vorstellbar, dass die Margen in diesem Umfeld nicht spürbar sinken werden.

Wir rechnen nach

Zuletzt konnte Varta mit den TWS-Batterien eine Marge von fast 50% realisieren. Es ist aber wahrscheinlich, dass die Margen in diesem Bereich mittelfristig auf das Niveau anderer Batteriearten sinkt. Typischerweise sind das 15-25%.

Trotzdem sind die Konsensschätzungen ausserordentlich hoch. Im laufenden Geschäftsjahr wird ein Gewinnsprung von 1,28 auf 2,77 Euro je Aktie erwartet, im neuen Jahr sollen es schon 4,60 Euro je Aktie werden.

Das erscheint allzu optimistisch, das gibt der Ausblick von Varta selbst kaum her.

Wie soll der Konzerngewinn um zwei Drittel steigen, wenn selbst Varta davon ausgeht, dass der TWS-Markt 2021 „nur“ um 30-40% wachsen wird und gleichzeitig der Preisdruck zunimmt?

Enttäuscht Varta die Anleger 2021, könnte das erheblichen Druck auf den Kurs ausüben.

Darüber hinaus erzielt das Unternehmen weniger als die Hälfte des Umsatzes im TWS-Segment und eins dürfte sicher sein:
Das Geschäft mit Hörgeräten und Haushaltsbatterien (Typ AA und ähnliche) dürfte in den kommenden Jahren wohl kaum explodieren.

Auf diese vergleichsweise margenschwachen (22% bei Hörgeräte-Battieren, 13% bei Haushaltsbatterien) und konsolidierten Märkte entfallen aber sechs Zehntel des Geschäfts von Varta.

Chart

Das Chartbild von Varta ist tendenziell bullisch, aber auch problembehaftet. Der Aufwärtstrend ist durchbrochen und der Ausbruch über 127 Euro hat sich als nicht nachhaltig herausgestellt.

Über 120 Euro könnten die Bullen einen weiteren Anlauf in Richtung 123 und 127 Euro wagen. Darüber wäre wieder der Weg in Richtung 135-138 Euro frei.

Auf der anderen Seite könnte es aber jederzeit wieder in Richtung 110 oder 100 Euro abwärts gehen. Unter 100 Euro trübt sich das Chartbild zunehmend ein.

Chart vom 04.01.2021 Kurs: 119,80 Kürzel: VAR1 – Tageskerzen | LYNX Online Broker
Chart vom 04.01.2021 Kurs: 119,80 Kürzel: VAR1 – Tageskerzen