LVMH Aktie aktuell LVMH: Bloss nicht ohne Fallschirm!

News: Aktuelle Analyse der LVMH Aktie

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Zur LVMH Aktie

Was macht man mit einer Aktie wie LVMH, die schon gefährlich teuer ist und trotzdem immer weiter steigt? Man bleibt am Ball und zieht konsequent den Stoppkurs nach. Wo liegt die Schlüsselzone, die nicht fallen darf?

Die Aktie des Luxusgüterkonzerns Louis Vuitton Moet Hennessy erreichte gestern wieder einmal ein neues Rekordhoch. Der Anlass wirkt auf den ersten Blick nachvollziehbar – auf den zweiten aber nicht. LVMH meldete die Umsatzentwicklung des ersten Quartals. Wie die meisten französischen Unternehmen sind das die einzigen Angaben, die zum Ende des ersten und dritten Vierteljahres kommen, zu Gewinn und Marge äussert man sich nur nach einem halben und dem vollen Jahr. Richtig ist, dass der gemeldete Umsatzanstieg von 30 Prozent zum Vorjahresquartal beeindruckend klingt. Aber ist er es auch?

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur LVMH Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Zwar lag die Phase des harten Lockdowns im Frühjahr 2020 in Europa und USA im zweiten Quartal. Nicht aber in Asien, vor allem im für Konzerne wie LVMH immens wichtigen chinesischen Markt war es das erste Quartal, das heftige Umsatzverluste auswies. Und das wird deutlich, wenn man genauer hinsieht. Denn der Umsatz stieg zwar im ersten Quartal 2021 zum Vorjahresquartal um 30 Prozent. Nimmt man aber als Vergleich das erste Quartal 2019, lag der Umsatz nur acht Prozent höher als damals. Zum Vergleich: Als LVMH damals, vor zwei Jahren, die Ergebnisse vorlegte, notierte die Aktie um 340 Euro, heute liegt sie 80 Prozent über dem damaligen Niveau … der Umsatz aber, wie gesagt, nur acht Prozent.

Aber was hilft es zu wissen, dass eine Aktie eigentlich zu teuer ist, wenn es ansonsten kaum jemanden zu kümmern scheint? Auch die Analysten scheinen hier nur die ewige Hausse zu kennen. Gleich fünf Analysten-Kursziele wurden sofort nach den am Dienstagabend nach Handelsende präsentierten Zahlen angehoben, auf Levels zwischen 660 und 700 Euro. Und überall lautet die Einschätzung dazu: „Kaufen“.

Sich gegen eine solche euphorische Kaufwelle auf die Short-Seite zu stellen, wäre hochriskant. Auf diesem Niveau neu einzusteigen, zwar auch. Aber was tut man, wenn man schon dabei ist und ahnt, dass dieser Sturmlauf irgendwann an einer Betonmauer enden muss? Eine konsequente Absicherung bestehender Positionen ist da unumgänglich, wobei das Chartbild den Vorteil hat, dass es eine gut definierbare Zone hergibt, die halten muss, soll diese Hausse nicht in einem kräftigen Ausverkauf enden.

Sie sehen im Chart, dass die LVMH-Aktie den mittelfristigen Aufwärtstrendkanal längst nach oben verlassen hat. Dessen obere Begrenzung und ein kurzfristigerer, im Oktober begonnener Aufwärtstrend bilden zusammen mit der 20-Tage-Linie zwischen 555 und 575 Euro eine Unterstützungszone, die halten muss. Wenn man sich ansieht, wie extrem weit die Aktie ihre 200-Tage-Linie unter sich gelassen hat, die normalerweise auch in übergeordneten Aufwärtstrends immer mal wieder angelaufen wird, wird klar, dass man hier nicht ohne „Fallschirm“ in Form einer konsequenten Absicherung agieren sollte. Denn diese Linie bildet mit der unteren Begrenzung des mittelfristigen Aufwärtstrendkanals bei 470 Euro eine Unterstützungszone die, würde obengenannte Zone 555/575 Euro fallen, das nächste, markante Kursziel einer Korrektur wäre.

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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen der LVMH Aktie

Die Aktie des Luxusgüterkonzerns Louis Vuitton Moet Hennessy, kurz LVMH, ist zwischen Ende Oktober und Mitte März in der Spitze um knapp 42 Prozent gestiegen. Basis dieser Hausse waren aber nicht die Ergebnisse des Unternehmens. LVMH meldet quartalsweise nur den Umsatz, die kompletten Ergebnisse werden nur halbjahresweise vorgelegt. Die Hausse lief also schon lange, als Ende Januar das Gesamtergebnis 2020 kam. Und das war alles, nur kein Argument für eine Rekordjagd, wie sie die Aktie vorher – und nachher – aufs Parkett legte.

Der Umsatz war um 16 Prozent, der Nettogewinn überproportional um 34 Prozent gefallen. Und LVMH hält sich mit Prognosen gemeinhin zurück, so dass die Bullen sich nicht auf einen überschwänglichen Optimismus des Unternehmens hinsichtlich des Jahres 2021 berufen könnten. Trotzdem stieg die Aktie immer weiter und lag am bisherigen, vergangenen Donnerstag bei 570,90 Euro markierten Verlaufsrekord 16 Prozent über dem Rekord, der vor dem Kursrutsch im Zuge der Corona-Panik im Februar 2020 erreicht wurde.

Gewinn deutlich nach unten, Kurs deutlich nach oben … da braucht es gute Argumente, um das auf Dauer durchzuhalten. Gibt es die?

Expertenmeinung: Aus Sicht der Bullen natürlich schon. Aber ob die dauerhaft verfangen, ist die Frage. Denn das Kaufargument war die Erwartung, mit der zügigen Impfung der Weltbevölkerung sei ab dem Frühjahr alles wieder normal, zurückgehaltene Anschaffungen würden nachgeholt … und die Reichen als Hauptklientel von LVMH würden dann erst recht tief in die Tasche greifen. Ende Oktober klang das noch nachvollziehbar. Nur wissen wir es heute besser. Das Frühjahr wird keine Normalisierung bringen. Und ob das zumindest in einigen grossen Wirtschaftsregionen im Sommer gelingt, ist noch offen.

Zugleich hat diese Super-Hausse die Aktie auf einen Level getrieben, der nur dann gerechtfertigt wäre, wenn LVMH zügig den bisherigen Rekordgewinn des Jahres 2019 übertreffen würde. Die Analysten erwartet das in der Tat. Hier liegt die aktuelle, durchschnittliche Prognose für den 2021er-Gewinn 63 Prozent über dem des Jahres 2020 und sieben Prozent über dem des Jahres 2019. Von LVMH selbst ist dahingehend nichts zu hören, man darf sich also ein wenig wundern über diesen Optimismus. Dass die Experten dann fast durchweg Kaufen-Empfehlungen ausgeben und die Kursziele parallel zur steigenden Aktie immer weiter anheben, ist da schon folgerichtig. Was fehlt, wäre eine Bestätigung für diesen Optimismus. Der Vorteil der Bullen:

Solange LVMH nicht zumindest die Umsätze des ersten Quartals meldet, was Ende April zu erwarten ist, können die Optimisten nicht widerlegt werden. Daher wäre es sehr riskant, hier einfach „auf Verdacht“ Short zu gehen. Der Kurs konnte zwar die obere Begrenzung seines mittelfristigen Aufwärtstrendkanals zuletzt nicht nachhaltig überwinden und bildet gerade ein kleines Topp aus. Aber solange sich LVMH in der oberen Hälfte dieses Trendkanals bewegt und keine „bad news“ die Bullen stoppen, könnte die Aktie einfach weiter laufen. Wie heisst es doch? Was teuer ist, kann noch viel teurer werden.

Anders wäre es, wenn die Aktie das März-Verlaufstief bei 518,70 Euro brechen und dadurch zugleich in die untere Hälfte dieses mittig geteilten Trendkanals rutschen würde. Dann sähe das Chance/Risiko-Verhältnis für Short-Trades umgehend deutlich besser aus. Bis dahin aber wäre diese heiss gelaufene Aktie in der Tat erst einmal nur etwas für die Watchlist Short.

Die Analysten überschlugen sich am Mittwoch damit, ihre Kursziele für die Aktie des Luxusgüter-Konzerns Louis Vuitton Moet Hennessy (LVMH) anzuheben. Alleine fünf Bank-Analysten hoben ihr Ziel für die Aktie in den ersten Stunden nach der Veröffentlichung der Ergebnisse an, im Schnitt ging es da von 522 auf 556 Euro nach oben, das höchste der neuen Kursziele lag bei 604 Euro. Wenn man sich das 2020er-Zahlenwerk, das LVMH vorlegte, indes genauer ansieht, wundert es nicht, dass die Anleger den Jubel der Analysten nicht teilten:

Auf organischer, operativer Basis fiel der Umsatz im Jahr 2020 um 16 Prozent. Der Nettogewinn sackte sogar um 34 Prozent durch. Was sollte daran erfreulich und damit ein Argument für höhere Kursziele sein? Zwei Argumente liessen sich da anführen: Zum einen, dass der Umsatz im vierten Quartal „nur“ um drei Prozent unter dem des Vorjahres lag. Zum anderen, dass die durchschnittliche Gewinnerwartung der Analysten trotz des deutlichen Minus übertroffen wurde. Da hatte man im Schmitt mit einem Nettogewinn von 4,09 Milliarden Euro gerechnet, es wurden am Ende 4,7 Milliarden. Nur: Ein Minus von 34 Prozent war das eben dennoch. Und es ist sehr fraglich, ob die Aktie mit einem „besser als befürchtet“ noch allzu viel Luft nach oben hätte, denn:

Expertenmeinung: Durch das schwache Jahr 2020 wurde eine vierjährige Serie deutlich steigender Gewinne harsch unterbrochen, LVMH wurde auf den Gewinnlevel des Jahres 2017 zurückgeworfen. Doch Ende 2017 notierte die Aktie bei 250 Euro, war also nur halb so teuer wie heute. Dadurch errechnet sich derzeit ein atemberaubendes Kurs/Gewinn-Verhältnis von um die 50. Ende 2019 lag dieses Kurs/Gewinn-Verhältnis bei ohnehin schon ungewöhnlich hohen 28, in den Jahren zuvor lag es immer unter 25.

Diese extrem teure Bewertung wäre gerechtfertigt, wenn man unterstellen könnte, dass LVMH 2021 nicht nur an die bisherigen Rekordgewinne des Jahres 2019 heranreichen, sondern sie überbieten würde. Nur sieht das Konsumumfeld zu Jahresbeginn nicht gerade rosig aus. Und das ist vielen Marktteilnehmern offenbar klar, die als Reaktion auf diese Bilanz die Reissleine zogen.

Der Chart zeigt eine Toppbildung mit leicht aufwärts gerichteter Nackenlinie. Auf diese Linie bei aktuell 491 Euro steuert der Kurs jetzt zu. Würde diese Linie auf Schlusskursbasis so deutlich unterboten, dass auch das letzte Zwischentief bei 489 Euro durchbrochen wäre, dürfte die Welle angehobener Kursziele der Analysten verpuffen und die Zahl derer, die diese Kombination aus fallenden Unternehmensgewinnen und einer immens gestiegenen Aktie zum Anlass nehmen, hier auszusteigen, zügig zunehmen. Als Ziel einer Korrektur würde sich dann der breite Supportbereich zwischen der aktuell bei 421 Euro verlaufenden 200-Tage-Linie und der Mai-Aufwärtstrendlinie bei 453 Euro anbieten.

Die Aktie des Luxusgüterkonzerns Louis Vuitton Moet Hennessy (LVMH) hat seit März 2020 eine grössere Rallye aufs Parkett gelegt als im Jahr 2019. Der Unterschied: Damals honorierten die Investoren solides Wachstum, seit März 2020 läuft die Kaufwelle ohne den Geleitschutz positiver Bilanzdaten ab. Und, wenn man es genau nimmt, seit fast einem halben Jahr sogar ohne taugliche Daten. Denn LVMH veröffentlicht nach dem ersten und dritten Quartal jeweils nur die Umsätze. Wie es mit der Marge und dem Gewinn aussieht, erfahren die Anleger immer nur nach beendeten Halbjahren. Wie es dahingehend seit Anfang Juli 2020 lief, dürfte in etwa zwei Wochen gemeldet werden. Aber selbst, wenn diese Halbjahresbilanz über den Erwartungen ausfallen sollte, wäre zu überlegen, ob man da nicht besser den Kopf einziehen bzw. sein Geld aufs Konto zurück überweisen sollte, denn:

Der Umsatz, den LVMH für das dritte Quartal veröffentlichte, lag zwar geringfügig über der durchschnittlichen Analystenprognose, aber deutlich unter dem des Vorjahresquartals. Die letzte Gewinnmeldung aus dem Juli verfehlte die Expertenprognosen deutlich. Und selbst wenn die Prognose der Analysten eintreffen sollte (was man mangels konkreter Daten absolut nicht absehen kann), dass LVMH 2021 wieder auf den Gewinnlevel von 2019 zurückkehren werde, müsste man vorsichtig sein. Denn die Aktie hat das Hoch vor dem Corona-Crash, als nicht nur die starken 2019er-Gewinne, sondern auch die (geplatzten) Gewinn-Erwartungen für 2020 im Kurs drin waren, um über 17 Prozent überboten. Und es geht noch weiter:

Expertenmeinung: Angenommen, LVMH würde das Kunststück gelingen, in diesem aus aktueller Sicht schwierigen Jahr 2021 diese ambitionierte Analystenprognose zu erfüllen, hätte die Aktie auf dem aktuellen Kursniveau ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von 36. So hoch lag die Bewertung noch nie … und das für den geschätzten Gewinn eines gerade erst begonnenen Jahres und unter der Voraussetzung, dass der Kurs nicht höher läuft. Wobei das Kurs/Gewinn-Verhältnis für die Schätzung des Gewinns 2020, also für tatsächlich eingefahrene Gewinne (wenn die Prognosen zutreffen sollten), sogar bei 60 läge. Hinzu kommt das Chartbild:

Sie sehen in diesem Chart auf Wochenbasis, dass sich die Aktie genauso weit über die 200-Tage-Linie hinaus begeben hat, wie sie im Zuge des Corona-Crashs darunter gerutscht war. Damals war sie klar überverkauft, jetzt ist sie, auch mit Blick auf den weit in die Überhitzungszone gelaufenen Stochastik-Oszillator auf Wochenbasis, überkauft.  Zusammengefasst stehen hier grosse Hoffnungen und eine überkaufte Aktie einer kniffligen Gemengelage und einem noch offenen Ergebnis für das zweite Halbjahr 2020 gegenüber.

Sollte es zu Abgabedruck kommen, kann die Aktie daher recht weit durchgereicht werden, sobald die nächstgelegene Unterstützung in Form der kurzfristigen Aufwärtstrendlinie bei 490 Euro fällt. Das alte Rekordhoch bei 439 Euro vom Februar 2020 wäre da nur ein erstes Kursziel. Hier einen Teil bestehender Long-Positionen mit gutem Gewinn zu verkaufen und den Rest mit einem Stop Loss knapp unterhalb dieser aktuell bei 490 Euro liegenden, langsam steigenden Supportlinie zu versehen, wäre unbedingt zu überlegen.

Die Analysten kommen mit dem Anheben des Kursziels für die Aktie des Luxusgüter-Konzerns Louis Vuitton Moet Hennessy (LVMH) gar nicht mehr hinterher. Am Montag wurde da mit einem Kursziel von 551 Euro seitens der Analysten der UBS ein neues Rekordhoch markiert. Was an diesem Wettlauf der Kursziele problematisch ist? Dass man dort offenbar mehr auf die Bewegung der LVMH Aktie als auf die Bilanzdaten reagiert. Und wenn die Aktie daraufhin steigt, weil die Anleger durch immer höhere Kursziele motiviert werden, was wiederum zu erneuten Kurszielanhebungen führt, weil einige (beileibe nicht alle!) Analysten das Kursziel fast automatisch anheben, wenn das bisherige erreicht ist, entsteht dadurch ein Ringelreihen unter Ausschluss der Fakten. Denn die kennt man nicht so wirklich.

Das liegt daran, dass LVMH zwar nach jedem Quartal die Umsätze meldet, nicht aber die Margen und den Gewinn, diese Zahlen gibt es nur nach einem Halbjahr. Wir kennen also, was das Gesamtbild angeht, nur die Lage bis zum 30. Juni. Und die war äusserst unerfreulich, denn der Halbjahresgewinn hatte sehr weit unter den Erwartungen der Analysten gelegen (1,67 Milliarden Euro statt der Konsensprognose von 2,3 Milliarden). Warum schiesst die Aktie dann aber so steil nach oben und klopft jetzt sogar schon an die 500-Euro-Marke?

Expertenmeinung: Wegen des Umsatzes im dritten Quartal schon mal nicht, denn da wurde die durchschnittliche Prognose der Analysten zwar überboten (12,0 Milliarden, Prognose 11,2 Milliarden). Aber erstens waren das dennoch etwa zehn Prozent weniger als im dritten Quartal 2019. Und zweitens weiss niemand bislang genau, wie sich das auf den Gewinn auswirkte, denn nur wenn die Margen wieder kräftig zulegen, liesse sich dahingehend der Daumen heben. Und selbst wenn der Gewinn wieder Fahrt aufnimmt: Seitens der relativ vielen für die Aktie optimistisch wirkenden Analysten erwartet niemand, dass es gelingen würde, den 2019er-Rekordgewinn bereits 2021 zu überbieten. Die Aktie jedoch liegt weit über dem damaligen Rekordhoch vom Februar, als man noch davon ausging, dass der Gewinn 2020 steigen und nicht sinken würde. Also, warum?

Offenbar wetten die Trader darauf, dass Umsatz und Gewinn früher als erwartet massiv anziehen, weil die vermögenden Konsumenten, welche das Gros der Kundschaft von LVMH darstellen, aufgrund der Meldungen über nahende Impfstoffe ihre Zurückhaltung aufgeben und wieder in die Vollen gehen werden. Das wird dadurch deutlich, dass die LVMH-Aktie an diesem denkwürdigen 9. November als Reaktion auf die BioNTech/Pfizer-Nachricht sofort massiv zulegte und dadurch über das vorherige Rekordhoch vom Februar stieg. Doch ob es auch wirklich so kommt, ist schlichtweg offen.

Bevor die Ergebnisse des zweiten Halbjahrs kommen – womit in der zweiten Januar-Hälfte zu rechnen ist – hätten die Bullen zwar den Vorteil, dass man ihnen nicht das Gegenteil ihrer optimistischen Erwartungen beweisen könnte. Aber spätestens dann kann es zu einem Moment der Wahrheit kommen, der den Ringelreihen aus Käufen und angehobenen Kurszielen durchkreuzen kann. Und aus aktueller Sicht ist das nicht nur eine vage Möglichkeit, sondern angesichts der durch diese Rallye immens hohen Bewertung der Aktie ein greifbares Risiko.

Der Kurssprung des Montags hat die Aktie des französischen Luxusgüterkonzerns Louis Vuitton Moe Hennessy, kurz LVMH, um 7,66 Prozent auf 468,85 Euro nach oben getrieben: Schlussrekord. Und zugleich wurde mit 475,60 Euro ein neuer Verlaufsrekord erzielt. Wenn man sich überlegt, dass an diesem Tag vor allem das stieg, was im Vorfeld durch die pandemiebedingten Einschränkungen unter Druck geraten war, wirken Käufe in dieser Aktie zwar logisch. Immerhin hatten die Bilanzen von LVMH bestätigt, dass diese Situation auf Umsatz und Gewinn drückt. Aber dieser Kurssprung wirkt schon weit weniger logisch, wenn man im Chart sieht, dass die Aktie schon am Freitag an das bisherige Rekordhoch des Januars herangelaufen war, an welches die Aktie bereits im Oktober einmal angeklopft hatte.

So erzielt die LVMH neue Rekordhochs in der Erwartung, dass Umsatz und Gewinn bald wieder an die Levels des Jahres 2019 herankommen könnten. Das heisst übersetzt: Die Aktie ist deutlich teurer als noch vor einem Jahr. Aber 2019 lief das Geschäft rund, aktuell wird auf eine Hoffnung hin gekauft, die eigentlich vorher schon im Markt war. Denn wer daraufsetzte, dass im Frühjahr ein Impfstoff zur Verfügung steht – und das dürften viele gewesen sein – musste letztlich darauf wetten, dass noch vor Jahresende erste Zulassungen erfolgen. Was in Sachen BioNTech klappen kann, aber noch nicht einmal muss. Deutlich wird die Diskrepanz zwischen Kurs und Lage auch, wenn man sich die letzten Bilanzen ansieht:

Expertenmeinung: LVMH veröffentlicht ausserhalb der Halbjahreszahlen nur den Umsatz. Daher kamen Mitte Oktober allein die Umsätze für das dritte Quartal. Zwar lagen die mit 12 Milliarden Euro über der durchschnittlichen Prognose der Analysten (11,2 Milliarden), aber klar unter dem Umsatz des Sommerquartals 2019 von 13,3 Milliarden. Und das erste Halbjahr, zu dem im Juli auch die bis dahin aufgelaufene Gewinne ausgewiesen wurden, war deutlich schlechter als im Vorfeld vermutet, der Gewinn lag mit 1,67 Milliarden Euro meilenweit unter der Konsens-Prognose der Analysten von 2,3 Milliarden.

Derzeit liegt die Gewinnschätzung der Experten für 2020 bei 8,30 Euro pro Aktie nach 14,60 Euro im Vorjahr. Vor einem Jahr notierte die Aktie um 400 Euro, die Erwartung des Gewinns um die dann erzielten 14,60 Euro gab es da bereits. Damit errechnete sich damals ein Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) von 27. Auf Basis der 8,30 Euro für 2020 und des aktuellen Kurses liegt dieses KGV derzeit bei sagenhaften 56. Ein Niveau, das weit höher ist als alles, was diese Aktie in den letzten Jahren als KGV auswies.

Und es gibt derzeit keinen Grund zu erwarten, dass Umsatz und Gewinn im vierten Quartal so stark zulegen, dass sie das bislang so schwache Jahr ausgleichen könnten, immerhin tritt dieses Quartal gegen das sehr starke Weihnachtsquartal 2019 an. Und die Einigung, für Tiffany, wo man einen mehrheitlich als zu hoch angesehenen Kaufpreis vereinbart hatte, jetzt statt 135 USD pro Aktie „nur“ 131,50 zu bezahlen, ändert an dieser Gesamtsituation nichts. LVMH ist so hoch gelaufen, dass die Bewertung nicht nur ein, sondern eher zwei starke Jahre bereits eskomptiert. Die immens aufgehellte Stimmung am Markt könnte den Kurs zwar kurzfristig noch höher treiben … muss es aber nicht. Die Chance, dass LVMH in den kommenden Monaten noch einmal billiger wird, ist daher m.E. gut genug, um dieses Geschenk in Form neuer Rekorde anzunehmen und es für ein paar Gewinnmitnahmen zu nutzen.