Carl Zeiss Meditec Aktie Prognose Carl Zeiss Meditec: Wird die Aktie am Ende sogar Zweistellig?

News: Aktuelle Analyse der Carl Zeiss Meditec Aktie

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Carl Zeiss Meditec
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Zur Carl Zeiss Meditec Aktie
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Das Rekordhoch von 202 Euro, das Carl Zeiss Meditec vor einem Jahr erreicht hatte, wirkt im Nachhinein wie ein grosser Irrtum. Jetzt kommt die Aktie der 100 Euro-Marke immer näher. Aber diese Marke, knapp darüber charttechnisch gut unterstützt, wird doch nicht fallen – oder?

Eigentlich hatten man den Bereich Medizin- und Labortechnik, zu dem auch Carl Zeiss Meditec zählt, noch im Sommer zu einer Art „sicherer Hafen“ erklärt, was die ausgiebige, in der Spitze fast 40 Prozent ausmachende Aufwärtsbewegung vor allem im Juli befeuerte. Doch mittlerweile sind die Zweifel gewachsen. Nicht so ganz zu Unrecht, denn das, was das Unternehmen für die ersten neun Monate des am 30.9. endenden Geschäftsjahres berichtete, war nicht überzeugend:

Der Umsatz war nur um knapp elf Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen, das EBIT (Gewinn vor Steuern und Zinsen) sogar um 1,5 Prozent zurückgekommen. Mittlerweile gehen die Analysten im Schnitt davon aus, dass es mit dem zuvor lange unterstellten, erneuten Gewinnanstieg im Geschäftsjahr 2021/2022 womöglich nichts wird. Zwar sehen die meisten Experten dann für das am 1.10. startende Geschäftsjahr 2022/2023 wieder Schwung in der Gewinnentwicklung. Aber in diesem weltwirtschaftlichen Umfeld kann man das nicht wissen.

Dementsprechend sehen auch die momentanen Kursziele und Einstufungen weit weniger bullisch aus als vor einem Jahr. Aktuell liegt das durchschnittliche Analysten-Kursziel nur noch bei 150 Euro. Und während die eine Hälfte der Analysten weiter auf „Kaufen“ plädiert, sieht die andere Hälfte die Carl Zeiss-Aktie nur noch als Halteposition oder rät sogar zum Verkauf.

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Carl Zeiss Meditec Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Da viele Analysten einer negativer werdenden Entwicklung hinterher hinken, dürfte auch diese noch insgesamt einigermassen positive Einschätzung so manchen Investor nervös machen. Das könnte überzogen vorsichtig sein, aber vielleicht auch nicht. Denn noch wissen wir nicht, was sich seit Ende Juni bei Carl Zeiss getan hat. Bei den Rahmenbedingungen tat sich jedenfalls allerhand. Und das nicht zum Guten.

Und da wir beim Quartalsende des 30.9. bei Carl Zeiss Meditec vom Geschäftsjahresende reden, dauert es länger, bis die Ergebnisse kommen. Falls keine Vorab-Ergebnisse kommen, bis zum 9. Dezember. Zu lange, um einfach abzuwarten, was da dann auf den Tisch kommt, denn das Chartbild deutet an, dass die Entscheidung, ob ein erneuter Test des Bodens bei 104,55 Euro, bestehend aus den Tiefs der Monate Mai und Juni, ansteht, in Kürze fallen wird. Und damit auch die Frage geklärt wird, ob dieser Boden nebst der nahe liegenden 100 Euro-Marke hält oder nicht.

Wenn man sich ansieht, dass die Aktie im August auf Höhe der 200-Tage-Linie nach unten abgewiesen wurde und zuletzt vergangene Woche an der 20-Tage-Linie scheiterte, die die laufende Abwärtsbewegung sichtbar führt, wird deutlich, dass das Bären-Lager derzeit die Kontrolle hat. Ob das so bleibt, wenn die Zone bei knapp 105 Euro getestet wird, ist zwar offen. Aber die weiterhin bärische Stimmung am Gesamtmarkt und die Stetigkeit, mit welcher der Kurs nachgibt machen klar, dass die besseren Karten in Händen der Bären liegen. Dass Carl Zeiss Meditec noch in diesem Jahr nur noch einen zweistelligen Kurs ausweist, ist daher alles andere als auszuschliessen!

Carl Zeiss Meditec-Aktie: Chart vom 21.09.2022, Kurs 112,90 Euro, Kürzel AFX | Online Broker LYNX
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Vorherige Analysen der Carl Zeiss Meditec Aktie

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Die am Freitag präsentierte Bilanz der ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2021/2022 war sehr ordentlich, der Ausblick auf das Gesamt-Geschäftsjahr einen Tick besser als bislang. Die Carl Zeiss Meditec-Aktie lag daraufhin anfangs auch im Plus – aber dort schloss sie nicht.

Der Umsatz lag in den ersten drei Quartalen des am 30.9. endenden Geschäftsjahrs bei 1,33 Milliarden Euro. Knapp elf Prozent höher als im vergangenen Jahr, wenngleich einen Hauch unter der durchschnittlichen Analystenprognose von 1,36 Milliarden. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) kam leicht zurück, betrug 275,9 Millionen nach 280,3 Millionen im Vorjahreszeitraum. Nicht ideal, aber das wurde mit Kosten für neue Produkte begründet und sollte daher nicht wirklich stören. Zumal man seitens der EBIT-Marge solide unterwegs ist, die liegt bislang bei 20,7 Prozent, man rechnet daher damit, dass im Gesamt-Geschäftsjahr das obere Ende der bislang in Aussicht gestellten Margen-Spanne zwischen 19 und 21 Prozent erreicht wird.

Das Nettoergebnis lag, auf den Gewinn pro Aktie umgerechnet, damit bei 2,14 Euro für die ersten neun Monate, 2020/2021 hatte man zur selben Zeit 2,04 Euro erreicht. Damit ist man auf Kurs, im Gesamtjahr leicht über dem Vorjahresgewinn zu liegen.

Expertenmeinung: Wirklich positive Überraschungen gab es also nicht. Aber wenn man sich ansieht, dass Carl Zeiss Meditec vor einem Jahr, als der Neun-Monats-Gewinn noch etwas niedriger lag, an der 200 Euro-Marke und damit am Rekordhoch notierte, stellt sich die Frage, wieso ein diesmal sogar etwas höherer Gewinn nicht imstande war, die Aktie in Richtung dieser damaligen Hochs in Marsch zu setzen. Die Antwort ist eigentlich einfach:

Weil die Aktie damals klar überbewertet war, was zu dieser Zeit, im Taumel einer Hausse, aber kaum jemanden interessierte. Heute ist der Gesamtmarkt instabil und tendenziell nach unten gerichtet, die Rahmenbedingungen kritisch und die Anleger für Risiken sensibilisiert, die sie vor einem Jahr noch nicht einmal erkannt hatten.

Wäre die Carl Zeiss-Aktie jetzt durch den vorhergien Abstieg günstig bewertet, wäre das zwar kein Hindernis, um eine kräftige Rallye auszulösen. Aber diejenigen, die in die anfänglichen Kursgewinne hinein ausstiegen, wissen: „Billig“ ist Carl Zeiss Meditec vom Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) her immer noch nicht.

Auf Basis der derzeitigen 2021/2022er-Gewinnerwartung errechnet sich ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von knapp 50. Das wäre in Ordnung, wenn man aktuell und in den kommenden ein, zwei Jahren mit einem Anstieg des Unternehmensgewinns von 20 bis 30 Prozent rechnen könnte. Aber dieses Jahr werden es um die zehn Prozent sein. Und für 2023 und 2024 rechnen die Analysten auch nicht mit mehr. Damit ist die Aktie immer noch teuer …

… und das würde, wenn die Käuferseite diesen Intraday-Turnaround des Freitags nach unten nicht sofort ausbügelt, indem es gelingt, die Aktie mit Schlusskursen über 146 Euro schnell über das Tageshoch des Freitags und zugleich über die 200-Tage-Linie zu hieven, an der sie durch diese Verkäufe erst einmal abgeprallt ist, zu Anschlussverkäufen führen. Schlusskurse unter 131,40 Euro, unter der Nackenlinie des Doppeltiefs vom Mai und Juni, wären dann sogar ein unmittelbar bärisches Signal.

Carl Zeiss Meditec-Aktie: Chart vom 05.08.2022, Kurs 136,00 Euro, Kürzel AFX | Online Broker LYNX
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Eine ist zumindest hoch wahrscheinlich: Viele Branchen werden dem Sog aus steigenden Zinsen, einer hohen Inflation, Verbrauchern auf dem Rückzug und fortbestehenden Lieferproblemen nicht entkommen. Aber die Medizintechnik-Branche könnte zu den wenigen gehören, die sich relativ gut halten. Und Fakt ist: Nachdem sich der Kurs der Carl Zeiss-Aktie seit dem Rekordhoch vom vergangenen Herbst nahezu halbiert hatte, ist im Kurs eine Menge Krise eingepreist … und eventuell mehr, als es am Ende werden wird.

Noch wissen wir nicht, wie das jetzt endende zweite Quartal gelaufen ist. Bislang haben wir nur die Ergebnisse des ersten Kalenderquartals (bei Carl Zeiss das zweite Geschäftsjahresquartal) und einen Mitte Mai bestätigten Ausblick auf das am 30.9. endende Geschäftsjahr, der ein moderates Gewinnwachstum erwarten lässt … das sich, wenn es nach den Erwartungen der Analysten geht, 2023 und 2024 fortsetzen wird. Warum also sollte diese Aktie auf diesem tiefen Niveau bleiben?

Expertenmeinung: Die Analysten sind nicht mehr so einheitlich optimistisch als sie es waren, als die Aktie auf neue Rekorde gelaufen war, aber dass man da eher der Entwicklung folgt als antizyklische Empfehlungen auszusprechen, ist normal. Doch obwohl es derzeit sogar einzelne Verkaufen-Empfehlungen gibt, liegt das niedrigste Kursziel bei 101 Euro, im Schnitt sehen die Analysten die Aktie bei gut 160 Euro. Was vom momentanen Niveau aus einiges an Aufwärtspotenzial bedeuten würde. Aber so einfach wird es nicht laufen.

Immerhin war Carl Zeiss Meditec zwar auch, aber nicht nur durch den Sog des Gesamtmarkts so weit gefallen. Ein Damoklesschwert für die Käuferseite bleibt: die Bewertung. Denn es gab zwar im Geschäftsjahr 2020/2021 einen gewaltigen Sprung des Unternehmensgewinns um über 90 Prozent, aber bei dieser Grössenordnung bleibt es ja nicht. Für die kommenden Jahre inklusive des laufenden sieht man nur noch eine Rate zwischen 10 und 15 Prozent beim Gewinnwachstum. Dafür wäre dann ein Kurs/Gewinn-Verhältnis um die 30 gerechtfertigt. Aber es liegt, vorausgesetzt, es bleibt beim aktuell avisierten Gewinnwachstum für 2021/2022, bei knapp 40. Immer noch zu hoch also. Was hiesse: Wirklich normal bewertet wäre diese Aktie eigentlich eher im Bereich um 80 Euro. Haben die Bullen also keine Chance?

So einfach ist das auch wieder nicht. Die Auswahl an Aktien, deren Unternehmen in diesem insgesamt so bärischen Umfeld mit steigenden Unternehmensgewinnen aufwarten können, ist klein. Und wenn sich das Kapital auf diese wenigen, womöglich „rezessionsresistenten“ Aktien konzentriert, könnte auch eine höhere Bewertung längere Zeit halten. Also?

Wer risikofreudig ist, könnte sich überlegen, die Aktie mit einem engen Stoppkurs knapp unter dem Mai/Juni-Tief (104,55/104,75 Euro) abzugreifen und einen solchen Trade auszubauen, falls es gelingt, die Januar-Abwärtstrendlinie mit Schlusskursen über 125 Euro zu bezwingen. Das wäre aber in der Tat nur etwas für Trader, die sich des Risikos bewusst sind, in einem insgesamt abwärts weisenden Markt einen Long-Trade einzugehen!

Carl Zeiss Meditec-Aktie: Chart vom 24.06.2022, Kurs 114,15 Euro, Kürzel AFX | Online Broker LYNX
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Es gibt reichlich Aktien von Unternehmen, die zuletzt schlechtere Bilanzen ablieferten und deren Aktien trotzdem besser laufen als die von Carl Zeiss Meditec bzw. der Medizintechnikbranche insgesamt. Wann kommen hier endlich die Käufer zurück?

Mitte Mai hatte Carl Zeiss Meditec das Ergebnis des ersten Geschäftshalbjahres vorgelegt (Geschäftsjahresende ist hier immer der 30.9.). Und die Zahlen waren gut. Der Umsatz stieg um 11,5 Prozent, der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) um knapp 9 Prozent. Dass der Gewinn unterproportional stieg, die Gewinnmarge von 21,2 auf 20,7 Prozent zurückkam, durfte wirklich niemanden überraschen, schliesslich sind Lieferkettenprobleme, steigende Logistikkosten und höhere Material- und Energiepreise bei allen Branchen angekommen.

Und dass der Auftragseingang mit 1,06 Milliarden Euro satte 30 Prozent über dem des Vorjahreszeitraums lag, ist nicht ordentlich, sondern ohne Wenn und Aber bullisch. Trotzdem verharrt die Aktie in einem Abwärtstrend. Sieht denn niemand, dass Carl Zeiss Meditec eigentlich gut dasteht?

Expertenmeinung: Doch, das sehen viele Marktteilnehmer sehr wohl. Denn als dieses Zahlenwerk am 13. Mai auf den Tisch kam, schloss die Aktie 5,3 Prozent höher. Das Dumme ist eben nur, dass sich das nahe am wenige Tage zuvor bei 104,72 Euro markierten, bisherigen Jahrestief abspielte. Das konnte für eine Wende nicht reichen. Aber die Aktie legt ja seither weiter zu. Am Tag der Halbjahresbilanz schloss sie bei 116,65 Euro, gestern ging sie mit 126,00 Euro aus dem Handel. Das sind keine Siebenmeilenstiefel, die sich die Bullen da angezogen haben. Aber wir sehen eine kurzfristige Aufwärtstrendlinie im Chart, die zusammen mit der knapp darunter, bei 120,50 Euro, verlaufenden 20-Tage-Linie die Aufwärtsbewegung unterstützt. Solange diese beiden Linien halten, kann sich die Carl Zeiss-Aktie weiter in die Region schieben, in der eine Wende dann wirklich ein Thema wäre.

Aber einigermassen steinig ist der Weg dorthin schon. Sie sehen, dass der Kurs zunächst einmal an der Januar-Abwärtstrendlinie hängengeblieben ist. Ginge es da drüber, stünde die nächste Hürde in Form der Nackenlinie des Doppeltopps vom März und April bei 140,50 Euro im Weg. Und erst darüber geht es um ein mittelfristig relevantes Kaufsignal. Die Aktie muss den Bereich 156,10/163,20 Euro bezwingen, um wirklich nach oben frei zu sein. Vom aktuellen Niveau aus ist das ein langer Weg … und wirklich hilfreich sind die Analysten-Einschätzungen, die nach dieser Halbjahresbilanz kamen, da nicht.

Zwar sieht die HSBC Carl Zeiss Meditec wieder als Kauf an. Aber die LBBW, die nach den Zahlen ebenfalls mit „Kaufen“ votierte, gab dazu nur ein Kursziel von 135 Euro aus. Und Alsterresearch sieht nur ein Kursziel von 101 Euro und bewertet folgerichtig mit „Verkaufen“.     

Wie gesagt: Die Zahlen waren gut. Und Carl Zeiss Meditec hätte eine Chance, die derzeit die Konjunktur belastenden Faktoren besser wegzustecken als manch ein anderes Unternehmen. Aber dass die Aktie deswegen ruckzuck durch ihre charttechnischen Widerstände läuft, sollte man besser nicht erwarten. Wenn es zur Aufwärtswende kommt, wird es wohl eher eine der kleinen Schritte. Doch solange der Kurs über 120 Euro bleibt, bleibt man dahingehend zumindest auf einem guten Weg.

Carl Zeiss Meditec-Aktie: Chart vom 06.06.2022, Kurs 126,00 Euro, Kürzel AFX | Online Broker LYNX

Die Bullen bräuchten heute einen weiteren, starken Tag bei der Carl Zeiss-Aktie. Die Aktie ist dran an kurzfristigen Widerständen, deren Überwinden aus charttechnischer Sicht Luft bis in die Region um 140 Euro freigeben würde. Aber „dran sein“ und vorbeikommen ist zweierlei.

Einen Vorteil hat das zweifellos weiterhin von der Grösse her überschaubare und nicht gerade erfolgsverwöhnte bullische Lager immerhin: Die Gefahr, dass die Quartalszahlen die Aktie wie vom Blitz getroffen zu Boden schicken, ist gebannt. Das ist zuletzt vielen Aktien passiert, aber Carl Zeiss Meditec hatte seine Quartalsergebnisse am Freitagmorgen vorgelegt. Und die Aktie brach nicht ein, sie legte stattliche 5,37 Prozent zu.

Und die Ergebnisse waren ja auch ansehnlich. Das Medizintechnikunternehmen legte, weil sein Geschäftsjahr immer am 30.9. endet, bereits die Ergebnisse über die ersten sechs Monate dieses Geschäftsjahres vor. In diesem Halbjahreszeitraum legte der Umsatz um 11,4 Prozent zu. Der Auftragseingang stieg um beeindruckende 30,4 Prozent. Und der Gewinn stieg vor Steuern und Zinsen um 8,9 Prozent, netto um 28,2 Prozent. Dass die EBIT-Gewinnmarge von 21,2 Prozent im Vorjahreszeitraum auf jetzt 20,7 Prozent sank, war erwartet worden, auch an Carl Zeiss gehen steigende Erzeugerpreise nicht vorüber. Der Margendruck hätte deutlich schlimmer sein können. Das sahen viele Akteure auch so und griffen zu, aber:

Expertenmeinung: Mit dieser einen positiven Reaktion ist eben noch nichts gewonnen. Dass eine Aktie in einem Abwärtstrend … den man hier ja nicht übersehen kann … Gegenreaktionen nach oben zeigt und damit vormalige Unterstützungen, die jetzt als Widerstand fungieren, ansteuert, ist keine Seltenheit. Aber oft attackierten die Leerverkäufer die Aktie eben erst genau dort, nicht vorher. Ob Carl Zeiss Meditec da durchkommt, wo sie jetzt durch müsste, um zu verhindern, dass der nächste Baisseimpuls schon um die Ecke lauert, ist also noch offen. Die Bullen müssen vollendete Tatsachen schaffen. Der Chart zeigt, worum es geht:

Die Aktie ist jetzt von unten an das März-Tief herangelaufen. Dieser Level bei 118,10 Euro hatte schon Anfang 2021 eine Wendemarke dargestellt, ist also mittelfristig relevant. Hinzu kommt, dass bei 119,50 Euro auch noch die 20-Tage-Linie als Widerstand wartet, eine Linie, die den Bären gerne als Leitstrahl ihrer Aktionen dient. An diesen Chartmarken muss der Kurs vorbei, idealerweise umgehend, damit die Käufer gar nicht erst dazu kommen, zu zaudern.

Wenn das gelingen sollte, wäre eine zügige Aufwärtsbewegung in den Bereich der nächsten Widerstandszone um 140 Euro durchaus drin. Denn so überbewertet die Carl Zeiss Meditec-Aktie auch war, als sie ihre kurzen Ausflüge über die runde 200 Euro-Marke unternahm: Jetzt, nachdem sich der Kurs in der Spitze beinahe halbiert hatte, ist sie es nicht mehr. Aber erst müssten diese Charthürden eben genommen werden, dann hätte man eine höhere Sicherheit, dass womöglich ausreichend viele andere Marktteilnehmer die eigene optimistische Sichtweise teilen, um den Kurs auch dorthin befördern zu können, wo er hin soll.

Carl Zeiss Meditec: Chart vom 13.05.2022, Kurs 116,65 Euro, Kürzel AFX | Online Broker LYNX

Carl Zeiss sieht sich als einen der weltweit führenden Anbieter für Medizintechnik im Bereich Augenheilkunde sowie Mikrochirurgie.
Neben schönen Worten kann der Konzern aus Jena aber auch auf überzeugende Zahlen und eine starke Performance der Aktie verweisen.

Ein Schauspiel

In der Regel lese ich so gut wie keine Einschätzungen anderer Marktteilnehmer zu Aktien. Das beeinflusst nur die eigene Entscheidungsfindung.
Das gilt für Ratings ebenso wie für Einzelmeinungen auf irgendwelchen Internetportalen und umso mehr für Börsenbriefe und Foren.

Gewisse Rückschlüsse lassen sich dadurch aber dennoch ziehen, auch ohne die Artikel oder auch nur die Überschriften zu lesen.

Im Endeffekt läuft es darauf hinaus, dass es für Anleger ein klares Warnsignal ist, wenn einem Thema ausserordentlich viel Aufmerksamkeit geschenkt wird und umgekehrt.

Mein Lieblingsbeispiel, um das zu illustrieren, sind Marihuana-Aktien. Der Hype war 2018 dermassen ausgeprägt, dass es scheinbar kein anderes Thema mehr gab.
Auf den einschlägigen Internetportalen erschien ein Artikel zu Marihuana nach dem anderen.

Für Redakteure und Portale ist das rational, denn dort geht es um Klicks und eben nicht um die Frage, ob diese Aktien ein gutes Investment sind. Wie wir heute wissen, waren sie es nicht.

Unentdecktes Land

Unter dem Strich kann man diese Effekte auch bei Einzelaktien beobachten, es müssen nicht ganze Sektoren sein.
Das trifft auch auf Carl Zeiss zu, oder die zuvor besprochene Eckert & Ziegler.

Während die Aktie durch die Decke geht, erscheint auf den Börsenportalen eine Analyse nach der anderen. Und die sind natürlich alle positiv.

Jetzt, nachdem die Aktien abgestürzt sind, hört man nichts mehr. Das öffentliche Interesse ist verschwunden und dementsprechend lohnen sich auch keine Artikel mehr.
Stattdessen hat man sich anderen Highflyern zugewendet.

Wer das verstanden hat, weiss all die bunten Überschriften einzuordnen.

Es sollte aber ohnehin eine Binsenweisheit sein, dass man mit unentdeckten Diamanten am meisten Geld verdienen kann und nicht mit dem, worüber jeder bereits spricht.

Interesse nicht vorhanden

Das bringt uns zurück zu Carl Zeiss. Die Aktie ist von über 200 auf 127 Euro abgestützt.
Das Niveau an Anlegerinteresse tendiert gegen Null.

Für antizyklische Investoren ist das Grund genug, die Lage zu sondieren. Im Endeffekt ist es immer wieder dasselbe Spiel.
Wir schauen uns Outperformer an, nachdem sie ausgiebig korrigiert haben. Dass das zielführende Strategie ist, sollte offensichtlich sein.

Ausblick und Bewertung

Schauen wir uns also die Lage an. Carl Zeiss hat den Umsatz in den letzten zehn Jahren von 862 Mio. auf 1,65 Mrd. Euro fast verdoppelt.
Der Gewinn legte allerdings von 0,88 auf 2,64 Euro je Aktie zu, wobei es im letzten Geschäftsjahr nahezu zu einer Verdopplung des Gewinns kam.

Es ist also fraglich, ob die zuletzt sprunghaft gestiegenen Margen nachhaltig sind. So überaus positiv, wie die Kursentwicklung es vermuten lässt, sind die Geschäftszahlen also nicht.

Taucht man etwas tiefer ein, stellt man fest, dass der absolute Grossteil der angelaufenen Kursgewinne auf eine gestiegene Bewertung zurückzuführen ist.

Im Jahr 2011 lag das KGV von Carl Zeiss noch bei 21. Sechs Jahre später lag das KGV bei 33 und ist seitdem immer weiter gestiegen.
Im Jahr 2018 wurde ein Wert von 48 erreicht, dann 63 und 2020 schlussendlich ein KGV von 79.

Durch den jüngsten Absturz ist das KGV wieder auf 47 gesunken. Man muss ganz klar sagen, dass das Chance-Risiko-Verhältnis für ein Investment an dieser Stelle nicht gerade optimal ist.
Wer sich hier engagiert, wettet darauf, dass das KGV auf diesem Niveau bleibt oder sogar wieder steigt.

Heisse Nummer

Darüber hinaus wettet man darauf, dass Carl Zeiss die Margen halbwegs auf dem aktuellen Niveau halten kann. Sonst sind keine Gewinnsteigerungen möglich.

Doch wie wahrscheinlich ist es, dass die operative Marge bei 22-23% gehalten werden kann, wenn zuvor nie eine operative Marge von mehr als 18,1% erzielt wurde und der Wert meistens zwischen 13 und 15% lag.
Hat sich das Geschäft tatsächlich plötzlich verändert, oder ist die Verbesserung der Margen nicht vielmehr auf die aussergewöhnlichen Rahmenbedingungen zurückzuführen.

Auf diese Fragen wird erst die Zeit eine abschliessende Antwort bringen. Eine gewisse Skepsis und Vorsicht hat an der Börse aber selten geschadet.

Es darf nicht viel schiefgehen, damit sich der Kurs von Carl Zeiss in den kommenden Monaten erfreulich entwickelt.
Dem stehen, wie wir gesehen haben, ernstzunehmende Gefahrenmomente gegenüber.

Darüber hinaus lässt sich ein KGV von 47 durch die erwarteten Gewinnsteigerung von 6% in diesem und rund 13% im kommenden Geschäftsjahr kaum rechtfertigen.

Lasik -> Smile

Aber selbstverständlich gibt es auch handfeste Argumente, die für die Aktie sprechen. Die Bullen stehen nicht mit leeren Händen da.

Ich habe ja bereits ausgeführt, dass sich die Geschäftszahlen sehen lassen können. Wäre die Bewertung niedriger, wäre die Aktie in klarer Kauf. Nur daran scheitert es.

Denn die Perspektive von Carl Zeiss kann sich sehen lassen. Durch die Weiterentwicklung des Lasik -Systems (Augenoperation zur Korrektur optischer Fehlsichtigkeiten) dürfte es zu einer grösseren Investitionsrunde bei den Anbietern solcher Operationen kommen.

Das dürfte den Umsatz in diesem Segment beflügeln.

Chart vom 26.04.2022 Kurs: 126,30 Kürzel: AFX - Tageskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 26.04.2022 Kurs: 126,30 Kürzel: AFX – Tageskerzen

Manch ein Trader wird sich von diesen Gedankengängen allerdings nicht abbringen lassen oder diese Überlegungen auch gar nicht anstellen.

Wir werden sehen, ob der im Chart ersichtliche Aufwärtstrend gehalten werden kann. Gelingt das, könnte es zu einer erneuten Erholung in Richtung 140 Euro kommen.
Darüber entspannt sich die Lage zunehmend.
Gelingt ein Ausbruch über 152,50 Euro, sitzen die Bullen wieder fest im Sattel.

Fällt Carl Zeiss hingegen unter 120 Euro und somit auch unter den Aufwärtstrend, sieht es für die Bullen schlecht aus.
In diesem Szenario müssen Verluste in Richtung 105 Euro eingeplant werden.