Carl Zeiss Meditec Aktie aktuell Carl Zeiss Meditec: Das ist kein gutes Zeichen!

News: Aktuelle Analyse der Carl Zeiss Meditec Aktie

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Carl Zeiss Meditec
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Zur Carl Zeiss Meditec Aktie

Ein Minus von 3,55 Prozent bei der Carl Zeiss Meditec-Aktie als Reaktion auf starke Halbjahreszahlen – was ist da los? Man könnte argumentieren, dass die Zahlen bereits bekannt waren, aber dadurch wird das Minus erst recht zu einem kritischen Signal.

In den ersten sechs Monaten des am 30.9. endenden Geschäftsjahres 2020/2021 steigerte das Medizintechnik-Unternehmen seinen Umsatz um 7,3 Prozent, der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) kletterte wegen der ausnehmend stark von 14,3 auf 21,2 Prozent gestiegenen Gewinnmarge weit überproportional um 58,7 Prozent. Das war ein überzeugendes Ergebnis.

Und für das Gesamtjahr 2020/2021 rechnet Carl Zeiss Meditec mit einem Umsatzplus von knapp 20 Prozent sowie mit einer Gewinnmarge um die 20 Prozent. Damit steuert das Unternehmen auf einen Rekordgewinn zu. Und wenn die durchschnittliche Analystenprognose eines Gewinns pro Aktie um die 2,33 Euro zutrifft, läge das Kurs/Gewinn-Verhältnis auf dem derzeitigen Kursniveau der Aktie mit 60 durchaus auf einem diesem Wachstum angemessenen Level. Das ist eigentlich kein Zahlenwerk, bei dem man vermuten würde, dass die Aktie darauf mit einem Minus von 3,55 Prozent reagiert. Wo also ist der Haken?

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Carl Zeiss Meditec Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Der Haken liegt nicht in den Ergebnissen selbst, sondern darin, dass zu viele im Vorfeld mit solchen starken Zahlen gerechnet hatten. Der Verdacht kam bereits am 19. April auf: Da hatte Carl Zeiss Meditec die Ergebnisse inklusive der Gesamtjahresprognose vorab veröffentlicht. An diesem Tag markierte die Aktie zwar mit 152,50 Euro einen neuen Verlaufsrekord, konnte das Plus aber nicht halten und gab den gesamten Tagesgewinn wieder ab. Ein vergangene Woche unternommener Versuch, dieses Hoch erneut anzugehen, misslang. Und dass viele Akteure gestern als Reaktion auf diese bestätigten, guten Ergebnisse erneut verkauften, macht deutlich:

Den Bullen geht die Puste bzw. die Motivation aus. Denn so gut dieses Ergebnis auch ist, mit diesem Gesamtjahresausblick sind vorerst die entscheidenden Nachrichten auf dem Tisch. Es mag sein, dass Carl Zeiss Meditec seine Prognose im günstigen Fall noch einmal anhebt. Aber wenn, wird das eben nicht in den nächsten Wochen passieren, eher in Richtung Ende des laufenden oder Anfang des nächsten Quartals. Damit würde es also kurzfristig an Argumenten für weitere Käufe fehlen. Und nachdem die Akteure am 19. April gesehen hatten, dass man bereits dort, als diese Zahlen noch „neu“ waren, keinen neuen Schwung in den Kurs zu bringen vermochte, waren diese Gewinnmitnahmen durchaus nachvollziehbar.

Die Aktie ist zwar aus charttechnischer Sicht bis hinunter auf 105 Euro gut unterstützt. Aber sollte die nächstgelegene, gestern knapp unterbotene Supportlinie bei 140,50 Euro deutlicher unterboten werden, müsste man einkalkulieren, dass die darunter wartenden, potenziellen Auffanglinien Stück für Stück „abgearbeitet“ werden. Sollte es gelingen, das gestrige Tageshoch bei 146 Euro und damit dann auch die 20-Tage-Linie zurück zu erobern, wäre die Kuh erst einmal vom Eis. Wenn das aber in den kommenden zwei, drei Handelstagen nicht gelingt, dürfte hier in der Tat erst einmal die Luft raus sein.

Carl Zeiss Meditec-Aktie: Chart vom 10.05.2021, Kurs 139,90 Euro, Kürzel AFX | Online Broker LYNX
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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen der Carl Zeiss Meditec Aktie

Als Reaktion auf die am Morgen vorgelegte Bilanz des ersten Halbjahres 2020/2021 stieg die Carl Zeiss Meditec-Aktie gestern um bis zu 3,1 Prozent auf neue Verlaufshochs. Am Abend aber blieb nichts von diesem Gewinn übrig. Das muss man sich genauer ansehen.

Eines kann man festhalten: Die Zahlen, die das Medizintechnik-Unternehmen nach den ersten zwei Quartalen des am 1. Oktober begonnenen Geschäftsjahres 2020/2021 vorlegte, waren überzeugend. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 7,3 Prozent, der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) weit überproportional um satte 58,7. Das lag an der deutlich von 14,3 auf 21,2 Prozent gestiegenen Marge. Dadurch gelang ein Gewinn pro Aktie von 1,12 Euro nach 0,71 Euro im Vorjahreszeitraum.

Hinsichtlich des Gesamt-Geschäftsjahres rechnet Carl Zeiss damit, dass der Umsatz um 1,6 Milliarden Euro liegen dürfte. Das wäre Rekord, läge deutlich über dem bisherigen Rekordjahr 2018/2019, als 1,46 Milliarden Euro erreicht wurden. Die EBIT-Marge soll etwa bei 20 Prozent liegen, weit über dem Geschäftsjahr 2019/2020 mit 13,3 Prozent und höher als die 18 Prozent, die Carl Zeiss Meditec im Vorfeld der Corona-Krise als Ziel angepeilt hatte. Das klingt positiv, warum nahmen einige den Anstieg auf ein neues Hoch zum Anlass Gewinne mitzunehmen?

Expertenmeinung: Das dürfte zwei Gründe haben. Zum einen teilte Carl Zeiss auch mit, dass man mittelfristig mit einer EBIT-Marge von 18 Prozent rechne, das heisst, mit dem ursprünglichen Ziel aus den Vorjahren. Denn, so das Unternehmen, die Marge seit aktuell wegen der derzeit niedrigen Vertriebs- und Marketingkosten so hoch. Das lässt sich auf Dauer also nicht halten. Und kalkuliert man dann mit einem erneuten Umsatzanstieg um die zehn Prozent in 2021/2022 bei einer zugleich zwei Punkte niedrigeren EBIT-Marge, käme eine Stagnation des Gewinns heraus, ggf. sogar ein leichter Rückgang gegenüber den 320 Millionen Euro, die sich für das EBIT im laufenden Jahr 2020/2021 errechnen würden.

Und daraus ergibt sich das zweite Problem, denn nimmt man einen Gewinn im laufenden Geschäftsjahr von ca. 2,25 Euro pro Aktie an, läge das Kurs/Gewinn-Verhältnis auf Höhe des gestern erreichten Verlaufshochs von 151,05 Euro bei satten 67. Das wäre für ein ab dem kommenden Jahr erst einmal stagnierenden und dann wohl eher langsam steigenden Gewinn untypisch teuer. Bis 2017 lag das Kurs/Gewinn-Verhältnis hier immer um die 30, 2018 dann am Jahresende bei 51, 2019 bei 58. Nur Ende 2020 lag es höher, aber das lag daran, dass die Akteure bereits wussten, dass die Gewinn-Delle des Jahres 2019/2020 im neuen Geschäftsjahr bereinigt würde. Fazit: Carl Zeiss Meditec jongliert vom Kursniveau her im Bereich der Bewertungs-Schmerzgrenze. Sollte man also besser aussteigen?

Wie immer sollte man das in einer optimistischen Phase des Gesamtmarkts nicht tun, bevor das Chartbild indiziert, dass man mit der Erkenntnis, dass ein Verkauf zu überlegen wäre, nicht allein ist. Was hier dann zu vermuten wäre, wenn die Aktie das alte, im Februar ausgebildete Rekordhoch bei 140,50 Euro signifikant und auf Schlusskursbasis unterbietet. Solange diese nächstgelegene Unterstützung hält, könnte man mit einem Stoppkurs unterhalb dieser Marke durchaus an Bord bleiben.

Chart vom 19.04.2021, Kurs 146,55 Euro, Kürzel AFX | Online Broker LYNX

Das sah eine ganze Zeit ganz und gar nicht gut aus, was die Carl Zeiss Meditec-Aktie da zeigte. Zuerst blieb sie im Frühjahr nach einer kurzen Erholung in einer Seitwärtsrange gefangen, während die meisten Aktien um sie herum immer weiter liefen. Und als die Bullen endlich wieder aktiv wurden, scheiterte im Oktober der Versuch, den Ausbruch über das vorherige Jahres- und Rekordhoch vom Februar zu vollziehen. Es folgte ein Abwärtstrend, der im Dezember drohte, den mittelfristigen Aufwärtstrend zu durchbrechen. Aber …

… der hielt. Und das legte den Grundstein für einen neuen Aufwärtsimpuls, der vergangene Woche als erstes den im Oktober etablierten Abwärtstrend überwand und gestern auch noch die durch die Hochs vom Februar und Oktober definierte Widerstandszone 122/124 Euro unter sich liess. Und das, wie Sie im Chart sehen, mit Schwung. Das hatte gute Gründe, denn Carl Zeiss Meditec legte am Dienstagmorgen die Bilanz des ersten Geschäftsjahresquartals 2020/2021 vor. Und die passte:

Expertenmeinung: Man wäre versucht, die Ergebnisse als nicht gerade umwerfend zu bezeichnen, wenn man sieht, dass der Umsatz mit 368,9 Millionen Euro sogar minimal unter dem des Vorjahresquartals lag (369,7 Millionen). Aber der Treibstoff der Käufe lag in der Marge. Denn aus dem gleichen Umsatz wie ein Jahr zuvor machte Carl Zeiss deutlich mehr Gewinn, weil es gelang, die Gewinnmarge dorthin zu heben, wo sie die Anleger bereits 2019 zu sehen hofften: über 18 Prozent. Und sogar deutlich darüber. Nach einer Marge von 15,4 Prozent im Vorjahresquartal lag sie diesmal zwischen Oktober und Dezember bei beeindruckenden 19,9 Prozent. Dadurch konnte der Gewinn vor Steuern und Zinsen von 56,8 Millionen Euro vor einem Jahr auf jetzt 73,4 Millionen gesteigert werden, ein Plus von 29 Prozent.

Dass die Marge zuletzt hinter den Erwartungen zurückblieb war der Dreh- und Angelpunkt, der die Aktie, die in den vergangenen Jahren so grandios gelaufen war, ausgebremst hatte. Jetzt wurde genau das geliefert, was die Bullen sich erhofft hatten, der Ausbruch ist also eine durchaus logische Konsequenz dieses Zahlenwerks. Dieser Kurssprung könnte daher auch Anschlusskäufe auslösen, aber da die Aktie vom Kurs/Gewinn-Verhältnis her mit 80 für die Gewinnschätzung des Geschäftsjahres 2020/2021, das am 30.9. endet, nicht gerade ein Schnäppchen ist, sollte man nach der ohnehin schon beeindruckenden Rallye der vergangenen vier Wochen kurzfristig nicht zu viel erwarten.

Chart vom 19.01.2021, Kurs 127,00 Euro, Kürzel AFX | Online Broker LYNX

Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Das im Medizintechnikbereich tätige Unternehmen gehörte bis Oktober dieses Jahres zu den überaus attraktiven Momentum-Aktien am deutschen Parkett. Der Kurs der Carl Zeiss-Aktie ist jedoch mittlerweile deutlich unter Druck geraten und von den steilen Anstiegen ist aktuell nichts mehr zu sehen. Jetzt droht die Rallye sogar vollends zu kippen. Grund zur Sorge gibt es zur Genüge. So bildeten sich in den letzten Wochen doch einige tiefere Hochs, welche darauf hindeuten, dass das Vertrauen der Anleger langsam, aber stetig schwindet. Des Weiteren zeigt der Titel relative Schwäche gegenüber dem DAX. Dieser konnte gerade ein neues Zwischenhoch generieren, doch hiervon ist die Carl Zeiss Aktie aktuell weit entfernt. Gerade wird das Pivot Tief von Ende Oktober getestet.

Expertenmeinung: Die technische Gesamtsituation sieht nicht gerade entzückend aus. Sollte der Boden bei 105 EUR tatsächlich gebrochen werden, dürfte sich die vor Wochen begonnene Korrektur weiter fortsetzen. Dafür spricht auch die seit einigen Tagen stattfindende Konsolidierung, knapp über diesem so wichtigen Niveau. Normalerweise sollten die Kurse von hier aus wieder nach oben schnellen, doch dies ist nicht der Fall. Auch dies deutet auf eine deutlich geringere Nachfrage hin. Vorläufig belassen wir unsere Aussichten auf der neutralen Ebene, doch ein Bruch würde diese kippen lassen. Dann wäre es gar an der Zeit, wieder das Bärenfell überzuziehen.

Aussicht: NEUTRAL

Chart vom 16.12.2020 Kurs: 107.40 Kürzel: AFX | Online Broker LYNX

Viele Anleger waren davon ausgegangen, dass die Medizintechnik-Branche zu den wenigen gehören wird, die von Pandemie und Rezession wenig, bis gar nicht betroffen wäre. Doch die Bilanz des am 30. September beendeten Geschäftsjahres von Carl Zeiss Meditec zeigt sehr wohl die Spuren des schwierigen Umfelds.

Die Bilanz des Sommerquartals hatte Carl Zeiss Meditec bereits Ende Oktober vorgelegt. Der Umsatz fiel, obgleich es in dieser Zeit keinen Lockdown gab, um 14 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Es gelang zwar, trotzdem einen gegenüber dem vierten Geschäftsquartal 2018/2019 etwas höheren Gewinn zu erzielen. Aber auf das Gesamtjahr gesehen blieben die gestern noch einmal als endgültige Ergebnisse veröffentlichten Zahlen mager. Der Umsatz fiel im Geschäftsjahr 2019/2020 um knapp neun Prozent, der Gewinn fiel überproportional um 23,7 Prozent, weil die EBIT-Gewinnmarge deutlich von 18,1 auf 13,3 Prozent abrutschte. Kein Problem, weil es im neuen Geschäftsjahr wieder vorangehen wird? Der Chart zeigt, dass eine solche optimistische Denkweise derzeit offenbar nicht gerade in Mode ist. Der Grund:

Expertenmeinung: Die Aktie ist alles andere als niedrig bewertet. Als sie im Januar den Verlaufsrekord von 122,10 Euro erreichte, ahnte man noch nichts von dem schwierigen Umfeld, das bald darauf das Geschehen bestimmen würde. Und dass die Aktie dieses bisherige Hoch im Oktober anging, kurz überwand und dann doch abdrehte, macht deutlich, dass vielen Akteuren sehr wohl bewusst ist, dass Carl Zeiss Meditec mit Blick auf das Kurs/Gewinn-Verhältnis recht teuer ist:

Derzeit rechnen die Analysten damit, dass der Gewinn im neuen Geschäftsjahr um etwa 50 Prozent zulegen könnte. Allerdings hat man da noch nicht auf dem Zettel, dass das laufende und womöglich auch das kommende Quartal erneut sehr schwierig werden. Ob dieser Gewinnanstieg also Realität wird, ist zumindest offen – Carl Zeiss Meditec selbst enthält sich derzeit konkreter Prognosen. Und selbst wenn das gelänge, läge das Kurs/Gewinn-Verhältnis der Aktie für die 2020/2021 erzielten Gewinne auf aktuellem Kursniveau bei 57 – das ist hoch. Und wäre diese Gewinnprognose zu hoch oder stiege die der Kurs weiter, würde das Kurs/Gewinn-Verhältnis noch viel höher steigen. Dementsprechend präsentiert sich die Aktie derzeit „toppish“:

Nach dem gescheiterten Ausbruchsversuch über das alte Rekordhoch bildete die Aktie im November ein tieferes Zwischenhoch aus. Und im Dezember zeichnet sich das erneut ab, wobei auffällt, dass der Kurs auf Höhe der 20-Tage-Linie nach unten abgewiesen wurde, was oft auf aktive Bären hindeutet. Nur: Wird aus dem derzeitigen Abgabedruck wirklich eine mittelfristig relevante, grössere Abwärtsbewegung? Noch hätten die Leerverkäufer eine ganze Phalanx an potenziellen Unterstützungen zu durchbrechen, ganz einfach wird das also nicht.

Sie sehen im Chart, dass der Weg nach unten erst frei wäre, wenn die Zone zwischen der Nackenlinie des – noch potenziellen – Topps bei 105 Euro und der 200-Tage-Linie (im Chart dick schwarz markiert) bei 97 Euro durchbrochen würde. Bevor das nicht gelungen ist, hätte die Käuferseite jederzeit noch die Chance, das Ruder herumzureissen.

Chart vom 11.12.2020, Kurs 108,40 Euro, Kürzel AFX | Online Broker LYNX

Erst passierte monatelang gar nichts. Der Gesamtmarkt legte zu, aber die im MDAX ebenso wie im TecDAX notierte Aktie des Medizintechnik-Unternehmens Carl Zeiss lief müde seitwärts. Doch auf einmal, Mitte September, zog der Kurs an und legte seither fast jeden Tag zu. Mit dem gestrigen Anstieg, der den Kurs bereits auf Tuchfühlung zum am 20. Januar bei 122,20 Euro markierten Verlaufsrekord getragen hat, wirkt diese Rallye langsam wie eine Fahnenstange. So bezeichnet man in der Technischen Analyse Rallyes, die an Dynamik zulegen und das Risiko bergen, dass der Kurs an einem vorher nicht absehbaren Punkt plötzlich in sich zusammenfällt. Was impliziert, dass da kein Sprungtuch existiert, das die Aktie auffangen würde, weil der fundamentale Unterbau fehlt. Ist das hier der Fall?

Vorausgesetzt, die Käufer wüssten nicht mehr als normale Anleger, wäre das in der Tat so. Und zu unterstellen, dass diejenigen, die derzeit wie wild kaufen, bereits die Ergebnisse des dritten Kalenderquartals (für Carl Zeiss Meditec das vierte Quartal des immer am 30.9. endenden Geschäftsjahrs) kennen, wäre verwegen. So etwas gibt es in extrem seltenen Einzelfällen, aber das ist nicht die Regel. Was hiesse: Diese Rallye nährt sich nur aus sich selbst heraus, indem Trader auf das hohe Momentum aufspringen. Das wäre daher allemal eine Fahnenstange, die jederzeit enden könnte. Zumal das, was bislang an Bilanzdaten vorliegt, keine Basis für diese dynamische Rallye wäre:

Expertenmeinung: Die letzten Zahlen kamen am 5. August und beleuchteten die ersten neun Monate des Geschäftsjahres. Da lag der Gewinn pro Aktie bei 0,77 Euro gegenüber 1,22 Euro, die in den ersten neun Monaten 2019 erreicht wurden. Dünn. Und selbst, wenn das Zahlenwerk besser gewesen wäre: Die Rallye begann ja erst über einen Monat nach der Bilanzvorlage und ohne neue Nachrichten. Und die Analysten-Kursziele geben da auch keine taugliche Orientierung, warum der Kurs jetzt auf einmal an … und aus bullischer Sicht dann natürlich auch über … den bisherigen Verlaufsrekord laufen müsste.

Zwar gab es zuletzt zwei deutliche Kursziel-Anhebungen. Das Bankhaus Metzler nahm das Kursziel vergangene Woche von 105 auf 134 Euro nach oben, am Montag hob Mainfirst das Ziel von 135 auf 145 Euro an. Aber damit ist auch das höchste aller Kursziele markiert. Und noch stuft die Hälfte der die Aktie beobachtenden Experten Carl Zeiss Meditec mit „Halten“ oder „Verkaufen“ ein. Man müsste eben wissen, ob die Ergebnisse des letzten, am 30.9. zu Ende gegangenen Geschäftsjahresquartals diese Rallye rechtfertigen würden. Aber diese Zahlen ebenso wie der Ausblick auf die nächsten Monate kommen erst in mehreren Wochen. So gesehen ist diese Kaufwelle eine Kletterpartie auf einer Leiter, die womöglich keine Sprossen hat – und damit risikobehaftet. Und da die nächstgelegene, potenzielle Unterstützung in Form der 20-Tage-Linie bei derzeit 106,20 Euro weit hinter dem Kurs zurückgeblieben ist, kann es in der Tat jederzeit dazu kommen, dass diese „Fahnenstange“ bricht. Bei einem Teil der Position Gewinne mitzunehmen, wäre daher einen Gedanken wert.

Carl Zeiss Meditec Aktie: Chart vom 12.10.2020, Kurs 120,80 Euro, Kürzel AFX | Online Broker LYNX