USD.CNY aktuell US-Dollar/Yuan: Jetzt noch auf einen schwachen Dollar wetten?

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Man mag es gar nicht glauben: Mit einem der grössten Zankäpfel des Handelskriegs USA/China geht es auf einmal wie von Geisterhand in die für die USA richtige Richtung: Der US-Dollar wertet gegenüber dem chinesischen Yuan ab, d.h. man muss immer weniger Yuan für einen US-Dollar bezahlen. Klopfte der Kurs Ende Mai mit knapp 7,20 Yuan pro US-Dollar noch an das 2019er-Hoch, findet sich der Greenback jetzt auf einmal auf einem Level um 6,78 Yuan wieder. Das ist zwar „nur“ ein Abstieg um knapp sechs Prozent. Aber am Devisenmarkt ist das nicht gerade wenig … und spielt den USA sehr deutlich in die Karten.

Deren Vorwurf an China war ja jahrelang, dass das Reich der Mitte seine Währung absichtlich zum US-Dollar abwerten würde, um sich dadurch Vorteile zu erschleichen. Denn je „teurer“ der US-Dollar aus chinesischer Sicht wird, desto mehr erlösen die Chinesen beim Verkauf ihrer Waren in den USA. Und umso schwieriger wird es für US-Unternehmen, beim Absatz ihrer Güter in China eine gute Rendite zu erzielen, weil man bei einem schwachen Yuan weniger US-Dollar herausbekommt, wenn man die Erlöse von in China verkauften Waren wieder in US-Dollars zurücktauscht.

Den aktuellen Kurs und Chart des Währungspaars USD.CNY und historische Wechselkurse finden Sie hier.

Jetzt ist das Bild auf den Kopf gestellt. Und natürlich stört sich in Washington niemand daran, ebenso schweigt man in China, um den Streit nicht schon wieder hochkochen zu lassen. Wobei der US-Dollar nicht nur zum Yuan schwach ist: Auch zu den anderen grossen Währungen ist der Greenback auf Tauchstation. Was zwar auch daran liegt, dass die internationalen Investoren erkennen, dass die USA die Pandemie nicht in den Griff bekommen und die wirtschaftliche Erholung dort teuer erkauft und dennoch fragil wirkt. Aber natürlich ist da auch viel Spekulation dabei. Spekulation dahingehend, dass man in Washington Erfolge vor der Wahl braucht, ein schwacher US-Dollar dafür immens wichtig ist und man somit schon dafür sorgen wird, dass diese Schwäche anhält.

Tageschart vom 15.09.2020, Kurs 6,7772 Yuan, Kürzel USD.CNH | Online Broker LYNX

Mit dieser Überlegung könnte man richtig liegen. Aber liesse sich jetzt noch ein Dollar-Short-Trade zum Yuan erwägen? Hat der Kurs nicht bereits genug, womöglich zu viel abgewertet? Eine knifflige Frage. Eines muss man bei diesem Währungspaar immer im Hinterkopf haben: In den Bewegungen des Kurses steckt eine Menge Politik. Da kann es immer wieder zu Überraschungen kommen, zu positiven wie negativen. Aber in den Charts wird auch deutlich, dass zumindest derzeit die technisch orientierten Trader das Geschehen dominieren.

Sie sehen, wie markant und sauber der im Tageschart eingezeichnete Abwärtstrend läuft. Und im Chart auf Wochenbasis fällt auf, dass US-Dollar/Yuan eine Zeitlang auf Höhe der charttechnischen Supportzone 6,8160/6,8450 Yuan verharrte, um dann mit Schwung nach unten auszubrechen. Das deutet an, dass die technisch orientierten Trader zumindest im Moment das Geschehen dominieren. Daher wäre es durchaus drin, dass diese charttechnische Orientierung noch eine Zeitlang erhalten bleibt, was zum einen hiesse, dass der Kurs jetzt mit dem Touchieren der unteren Begrenzung des Mai-Abwärtstrendkanals eine kurze Gegenbewegung nach oben vollziehen, danach aber in die nächste Unterstützungszone um 6,67 Yuan abrutschen könnte. Doch man kann es gar nicht oft genug wiederholen: Hier spielt die Politik mit hinein, die Charttechnik ist dadurch weniger „sicher“ als woanders, man muss also immer auf der Hut sein!

Wochenchart vom 15.09.2020, Kurs 6,7772 Yuan, Kürzel USD.CNH | Online Broker LYNX

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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen von USD.CNY

Als Donald Trump am vergangenen Donnerstag ankündigte, am Freitag eine Pressekonferenz zum Thema China abzuhalten, hielten die Investoren weltweit den Atem an. Nachdem die USA zunächst immer schärfere Töne in Bezug auf die „Schuldfrage“ bezüglich der Virus-Pandemie angeschlagen und darüber hinaus auch noch scharfe Reaktionen hinsichtlich Chinas Umgang mit Hongkong avisiert hatten, ahnten manche Böses. Denn jedem war klar: Würde man in Washington weitere Strafzölle verhängen, würde China dagegenhalten. Und eine neue Eiszeit auf politischer ebenso wie auf wirtschaftlicher Ebene zwischen den beiden grössten Wirtschaftsregionen wäre für die Chance, sich aus der Rezession zu befreien, fatal.

Aber das war natürlich auch den USA klar. Dementsprechend kündigte Mr. Trump der WHO die Zusammenarbeit auf, stellte Hongkongs Sonderstatus infrage, will in den USA börsennotierte chinesische Unternehmen genau unter die Lupe nehmen und bestimmten chinesischen Funktionären ggf. die Einreise verweigern, mehr kam an Massnahmen aber nicht. Dass der US-Präsident den Phase I-Deal nicht zur Disposition stellte, wurde mit Erleichterung aufgenommen, die US-Aktienmärkte legten wieder zu. Doch wenn man sich ansieht, wie relativ moderat der US-Dollar zum chinesischen Yuan nachgab, ist man gewarnt: Vom Tisch ist eine Eskalation noch nicht, ansonsten hätte der Kurs US-Dollar/Yuan mehr nachgeben müssen.

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Expertenmeinung: Die Rede Trumps an sich war äusserst scharf und dürfte für eine Wiederannäherung zwischen Peking und Washington zu einem Hindernis werden. Und es stellt sich die Frage, ob es nicht vor allem die Reaktion aus Peking ist, vor der man sich fürchten müsste. Denn dieser Phase I-Deal, dessen Umsetzung in dem derzeit so rezessiven Umfeld ohnehin fraglich ist, bietet nicht China, sondern den USA erhebliche Vorteile. Wenn da jemand die Reissleine ziehen könnte, dann eher China. Zumal man sich jetzt in einer wirtschaftlich besseren Stellung weiss als zu Jahresbeginn, weil die dortige Wirtschaft deutlich früher reaktiviert wurde als in den USA. Und China scheint Trumps Anschuldigungen in der Tat nicht einfach hinnehmen zu wollen. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, dass man in Peking den Import von US-Agrarprodukten kurzzeitig unterbrochen habe.

Die Akteure am Devisenmarkt haben die Situation wie so oft nüchterner eingeordnet, als das am US-Aktienmarkt der Fall war. Man ist sich unter den Devisentradern völlig darüber im Klaren, dass Donald Trump auf einem sehr schmalen Grat wandert. Denn seine auch auf den Wahlkampf ausgerichteten Worte und Taten würden im Fall nennenswerter Gegenreaktionen aus Peking dazu führen, dass er entweder klein beigeben muss und damit an Ansehen bei seinen Wählern verliert … oder dass er eine Eskalation auslöst, die z.B. durch weitere Strafzölle für die US-Wirtschaft zum Bumerang wird. Auch, weil China dann mit einer markanten Abwertung des Yuan reagieren dürfte, um dadurch den Export chinesischer Waren in die USA rentabler zu machen und den US-Firmen die Exporte nach China zu erschweren.

Daher bleibt der Kurs des Yuan zum US-Dollar vorerst schwach und sprungbereit, noch deutlich schwächer zu werden. Der Greenback hat als Reaktion auf Trumps verhaltene Massnahmen eher wenig zurückgesetzt und gab zum Wochenstart nicht weiter nach. Die entscheidende Widerstandszone, die Hochs des Jahres 2019 bei 7,1685 und 7,1974 Yuan pro US-Dollar, wurden im Vorfeld der Trump-Rede vom Freitag getestet. Der Kurs drehte dort zwar zunächst ab, verharrt aber in unmittelbarer Reichweite dieser wichtigen Hürde. Sollte es zu weiteren Massnahmen kommen, egal, von welcher Seite die ausgehen, kann es jederzeit zu einem Ausbruch nach oben kommen, der dann aus charttechnischer ebenso wie aus politischer Sicht leicht sehr deutlich ausfallen kann.

US-Dollar/Chinesischer Yuan Chart vom 01.06.2020, Kurs 7,1260 Yuan, Kürzel USD.CNH | Online Broker LYNX

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Wenn man abschätzen will, wie gespannt die Lage zwischen den USA und China ist, sagt ein Blick auf den Wert des chinesischen Yuan zum US-Dollar mehr als tausend Worte. Man ist auf dem Sprung … auf dem Sprung in eine neue Eiszeit, die, da es sich um die beiden grössten Industrienationen der Welt handelt, auch an den anderen wichtigen Wirtschaftsräumen wie Japan oder Europa nicht spurlos vorbeigehen würde.

Der Wert des chinesischen Yuan fiel zum US-Dollar zunächst deutlich, d.h. es mussten immer mehr Yuan für einen US-Dollar bezahlt werden, als im März klar wurde, wie hart die Pandemie die chinesische Wirtschaft getroffen hat und eine Erholung alleine deswegen schwieriger würde als eingangs gedacht, weil da auch der Rest der Welt in einen „Lockdown“ überging. Danach konsolidierte sich der Kurs unterhalb der (aus Sicht des Dollars) Rekordhochs, aber nachdem das Währungspaar zuletzt zweimal oberhalb der im Chart blau eingezeichneten 200-Tage-Linie wieder nach oben drehte, kommt jetzt wieder Zug in den Kurs: Die Trader rechnen tendenziell mit einer Verschärfung der Lage.

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Expertenmeinung: Basis dieser Erwartung sind die Drohungen der USA in Richtung Peking, China für die Pandemie „zahlen zu lassen“, weil sie nach Ansicht vieler Staaten entscheidende Fakten zum Corona-Virus zurückhielten und die Pandemie deswegen ihr aktuelles Ausmass erreicht hat. Strafzölle stehen im Raum. Aber nachdem Donald Trump Ende letzter Woche sagte, er möchte derzeit nicht mit Chinas Präsident Xi Jinping sprechen und sei sehr enttäuscht, mutmassen einige, dass diese Drohungen vor allem dann, wenn das Trump für seinen Wahlkampf opportun erscheint, in die Realität umgesetzt werden und womöglich nicht einmal auf Strafzölle beschränkt bleiben könnten.

Jeder weitere Schritt in diese Richtung kann zum Ausbruch nach oben führen, d.h. zu einer weiteren Abwertung des Yuan über das mehrjährige Tief der chinesischen Währung hinaus, dass im Herbst 2019 bei 7,1974 Yuan markiert wurde. Je nachdem, wie sich die politische und wirtschaftliche Perspektive dann darstellt, wäre einer solchen Abwertung dann nach oben keine Grenze gesetzt. Aber wer hier auf die Dollar-Long-Seite, sprich auf eine solche Abwertung setzt, sollte immer im Hinterkopf haben, dass US-Dollar/Yuan eine sehr von der Politik bestimmte Währungsrelation ist. Was bedeutet, dass ihr Verlauf weniger eingrenzbar ist als bei Währungspaaren, die nicht durch einen politischen Dauerstreit bewegt werden.

US-Dollar/Chinesischer Yuan Chart vom 15.05.2020, Kurs 7,1338, Kürzel USD.CNH | Online Broker LYNX

 

Als die Welle der „Repatriierung“ von US-Auslandsinvestments und der damit verbundene Anstieg des US-Dollars zu den wichtigsten Weltwährungen Mitte März zunächst vorüber war und sich die Aktienmärkte vorerst beruhigten, war auch der Anstieg des US-Dollars zum chinesischen Yuan erst einmal beendet. Marginal unterhalb des ersten der beiden markanten Hochs des Vorjahres, die bei 7,1685 und 7,1974 Yuan ausgebildet wurden, drehte der US-Dollar wieder nach unten. Kurzzeitig wurde sogar die Unterstützung in Form des Zwischenhochs von Ende Februar unterboten; es wirkte, als könnte auch die wichtige 200-Tage-Linie fallen und die beste Zeit für die US-Dollar-Bullen vorbei sein.

Aber jetzt scheint der Druck der Rahmenbedingungen den Drang, den US-Dollar als vermeintlich „sicheren Hafen“ im Forex-Bereich einzusammeln, wieder deutlich zu befeuern. Mehr und mehr Marktteilnehmer erkennen, dass sich zwischen der Hoffnung auf eine baldige Stabilisierung der Lage und der Realität eine Schere gebildet hat, die jederzeit zuschnappen kann. Da ist der US-Dollar, der „Greenback“, im Zweifel dann erste Wahl, auch, wenn man durchaus darüber streiten kann, ob es die USA sein würden, die die „Corona-Krise“ am besten überstehen werden. Im Fall der US-Dollar/Yuan-Relation spielt da ohnehin noch ein anderer Aspekt eine Rolle:

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Expertenmeinung: Der jetzt wieder Fahrt aufnehmende Kurs basiert nicht nur auf einer gewissen US-Dollar-Stärke, sondern auch auf einer Yuan-Schwäche. Die damit begründet wird, dass die chinesische Notenbank zum Wochenstart erneut die Zinsen senkte und das womöglich nicht zum letzten Mal. Das Vertrauen in die chinesischen Konjunkturdaten und die Objektivität der Darstellung hinsichtlich der Pandemie ist derzeit nicht gerade überwältigend. Aber selbst, wenn die vergangene Woche vorgelegten, chinesischen Konjunkturdaten für den März nicht ein wenig aufgerundet wurden, waren sie ernüchternd. Denn sie machten deutlich, dass sich das Wachstum nicht, wie manche hofften, umgehend wieder einstellt, wenn, wie in China im März geschehen, die Wirtschaft wieder hochgefahren wird. Weitere Zinssenkungen und weitere Finanzspritzen für die Unternehmen in China werden dadurch als wahrscheinlicher angesehen. Und das drückt auf die Währung.

Noch bewegt sich das Momentum der vergangene Woche etablierten Aufwärtsbewegung in einem moderaten Rahmen. Aber wenn sich der Anstieg des Greenbacks zum Yuan in den kommenden Tagen verstetigen sollte, dürften die Forex-Trader hier intensiver agieren. Käme es mit Blick auf die Gesamtsituation an sich und/oder die chinesische Wirtschaft im Besonderen zu weiteren, die bisherigen Befürchtungen übersteigenden negativen Nachrichten, wäre ein Test der vorgenannten 2019er-Hochs bei 7,1685 und 7,1974 Yuan keine Überraschung … und ein Ausbruch über diese Hochs zumindest eine realistische Möglichkeit.

US-Dollar / Chinesischer Juan Chart vom 21.04.2020, Kurs 7,1031 Yuan, Kürzel USD.CNH | Online Broker LYNX

 

 

Am Mittwoch sprang der US-Dollar in der Relation zum chinesischen Yuan mit Schwung über das vorherige Jahres-Verlaufshoch bei 7,0573 Yuan pro US-Dollar, am Donnerstag explodierte der Kurs förmlich und notierte nur noch knapp unter dem Hoch, das im Vorjahr im Zuge des Handelskriegs bei 7,1974 Yuan pro US-Dollar erreicht wurde. Das heisst, der US-Dollar wird teurer, der Yuan wertet heftig ab. Das wirkt, als liefe da etwas falsch herum. Denn angesichts der historisch einmaligen Dollar-Flut, die US-Regierung und US-Notenbank in den vergangenen Wochen entfesselt haben, müsste der Wert des US-Dollars ja eigentlich sinken.

Nicht nur der schieren Geldvermehrung wegen, sondern auch, weil dadurch der Zinsvorteil der US-Anleihen massiv geschrumpft ist und die Nachfrage nach Dollars für Anleihekäufe sinken müsste. Und darüber hinaus, weil diese Geldflut suggeriert, dass das US-Finanzsystem durch die Virus-Epidemie extrem ins Wanken geraten ist. Und dass, obwohl die eigentlichen wirtschaftlichen Folgen noch gar nicht entstanden sind. Dieses Bild der überrumpelten USA, die jetzt aus allen Rohren feuern, ist eigentlich nicht angetan, einen Run in den US-Dollar auszulösen. Zumal man fürchten müsste, dass die Flutung mit Dollars noch extremer wird, wenn man feststellt, dass sich die US-Wirtschaft auf Basis der jetzigen „Dosis“ nicht stabilisiert. Aber dieser Kurssprung des Greenback könnte einen anderen Grund haben:

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Expertenmeinung: Dieser Grund für die US-Dollar-Rallye, die sich keineswegs auf den Yuan beschränkt, sondern u.a. auch bei Euro/US-Dollar zu beobachten ist, gründet sich zwar auch auf dieser Krise, aber wirkt auf die Währung kurzfristig anders herum. Es scheint, meinen einige Devisenmarkt-Experten, als wären viele US-Unternehmen ebenso wie US-Anleger jetzt derart in Panik geraten, dass sie versuchen, so schnell wie möglich ihre Barbestände zu erhöhen, indem sie neben Verkäufen von Assets wie Aktien, Gold und Anleihen auch im Ausland investiertes Kapital „nach Hause holen“. Was z.B. hiesse, dass man chinesische Aktien und Anleihen auf den Markt wirft, andere Formen von Beteiligungen beendet und das erlöste Geld in US-Dollars umtauscht, um es heim zu holen. Wie muss man das werten?

Man könnte unterstellen, dass es sich um die typische Panik handelt, bei der zu viele auf einmal durch einen zu engen Notausgang hinauswollen. Die Nachfrage nach US-Dollars schiesst kurzzeitig nach oben, würde aber wieder auf Normalniveau fallen oder, angesichts der Dollar-Schwemme, sogar nachgeben, wenn die Panik-Welle vorbei ist. Das hiesse, dass die Kursexplosion nur von kurzer Dauer wäre und jeder, der daraufhin im Dollar zum Yuan Long geht, in eine Bullenfalle läuft. So kann es kommen. Aber ein Parameter in dieser Gleichung ist nicht zu packen: Wie viel von dieser „Repatriierung“ ist bereits über die Bühne? Es wäre durchaus möglich, dass der Höhepunkt der Auslandsverkäufe und damit der US-Dollar-Nachfrage noch bevorsteht. So gesehen ist es nicht möglich, die Frage zu beantworten, ob der Kurs an den beiden markanten Wendepunkten des Vorjahres bei 7,1685 und 7,1974 Yuan abprallt oder im Gegenteil nach oben hindurchgeht. Damit bleibt nur ein Fazit: Derzeit ist der US-Dollar zum Yuan äusserst bullisch, weist hohes Momentum auf und könnte somit weiter zulegen. Aber da eine entscheidende Basis in panischen Reaktionen von US-Investoren liegt, ist diese Bewegung auch unberechenbar und daher mit Vorsicht zu geniessen!

US-Dollar/Chinesischer Yuan Chart vom 19.03.2020, Kurs 7,1569 Yuan, Kürzel USD.CNY | Online Broker LYNX

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Die Relation des US-Dollars zum chinesischen Yuan rein auf charttechnischer Basis einzufangen war schon im Vorfeld schwierig, denn die oft unvorhersehbaren Ereignisse des US-Handelskriegs gegen China führten nicht selten zu rasanten, mehr emotional als charttechnisch motivierten Kurssprüngen. Dieser Tage ist die Herausforderung noch gewachsen, denn jetzt werden beide Währungen zum Spielball der aktuell aus dem Ruder laufenden Reaktionen der Investoren auf die Virus-Pandemie. Allerdings dürfte es sich lohnen, sich vom hektischen Hin und Her auf extrem kurzfristiger Ebene zu lösen und das übergeordnete Bild zu betrachten. Vor allem, was die Rahmenbedingungen angeht.

Dass der Yuan zum US-Dollar zuletzt wieder schwächer ging, d.h. die im Chart abgebildete Relation US-Dollar/Yuan fiel, die ausweist, wie viel Yuan für einen US-Dollar zu zahlen wäre, basierte auf in der Nacht vorgelegten Konjunkturdaten aus China. Die so finster ausfielen, wie diejenigen vermuteten, die bereits im Vorfeld auf zunehmenden Druck auf die chinesische Währung setzten. Jeweils zum Vorjahresmonat lagen die Veränderungen im Februar bei der Industrieproduktion bei -13,5 Prozent, bei den Investitionsausgaben bei -24,5 Prozent und bei den Einzelhandelsumsätzen bei -20,5 Prozent. Darüber hinaus stieg die Arbeitslosenrate in China von 5,2 Prozent im Dezember auf 6,2 Prozent im Februar (der Januar wurde wegen der die Berechnung verzerrenden Feiertagswoche zum chinesischen Neujahr ausgelassen). Das ist natürlich herb. Und die Devisentrader reagierten wie üblich: Sehr schwache Wirtschaftsdaten lassen sinkende Zinsen erwarten und das müsste die Währung drücken. Was grundsätzlich richtig ist, aber:

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Expertenmeinung: Perspektivisch gesehen sind die USA jetzt weiterem Druck näher als China. Dort wird die Zahl der Neuinfektionen immer niedriger, in den USA geht die Krise gerade erst los. Die US-Notenbank hat jetzt den Leitzins radikal zurück auf den alten Nullzins-Korridor des vergangenen Jahrzehnts von 0,0 bis 0,25 Prozent gesenkt. Und momentan kann man zumindest vermuten, dass die wirtschaftlichen Folgen für die USA nicht weniger schwer werden als die für China, welches aber wohl das Gröbste bereits überstanden hat. Diese chinesischen Konjunkturdaten des Montags beleuchten die Vergangenheit. Der am Mittag veröffentlichte Wirtschaftsindex der US-Notenbank von New York jedoch zeigt das Bild des laufenden Monats in dieser wichtigen Region. Und obwohl die Epidemie dort erst am Anfang steht, ist der Index massiv auf -21 Punkte eingebrochen, auf den tiefsten Stand seit 2009.

Daher sollte man ein Auge auf die US-Dollar/Yuan-Relation dahingehend haben, dass sich diese momentane Yuan-Schwäche umkehrt. Nicht nur aufgrund der vorstehenden Überlegungen. Wenn die USA nach den vollmundigen Ankündigungen der US-Regierung bei der Eindämmung der Epidemie und ihrer wirtschaftlichen Folgen versagen sollten, würde der Nimbus des US-Dollars als „Fluchtwährung“ schnell ins Wanken kommen. Das könnte massiven Druck auf den US-Dollar und damit Abwärtspotenzial für die US-Dollar/Yuan-Relation bedeuten. Noch ist davon im Chart nichts zu sehen. Sollten aber durch Schlusskurse unter 6,88 Yuan pro US-Dollar das letzte Zwischentief und die mittelfristige Aufwärtstrendlinie brechen, wäre das ein markant bärisches Signal, das womöglich erst den Beginn einer Flucht aus dem US-Dollar bedeuten könnte. Dem vorzugreifen wäre nicht ratsam, diesen Kursverlauf im Auge zu behalten indes schon!

US-Dollar / Chinesischer Yuan Chart vom 16.03.2020, Kurs 7,0120 Yuan, Kürzel USD.CNY | Online Broker LYNX