Zalando Aktie aktuell Zalando: Das wirkt wie ein Perpetuum Mobile

News: Aktuelle Analyse der Zalando Aktie

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Zalando
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Ticker: ZAL
Währung: EUR

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Zur Zalando Aktie

Was tun, wenn man Analyst ist und einem die Kurse weit über das Kursziel hinauslaufen, obwohl man nicht gerade überzeugt ist, dass der erreichte, weit höher als angenommene Level für die Ewigkeit gemacht ist? Einige Experten bleiben bei ihrer Einschätzung, weil sie ja auf Fundamentals basiert und vom jeweiligen Kurs eigentlich unabhängig ist. Andere heben ihr Kursziel mit der Hausse der betreffenden Aktie an und argumentieren mit der Masse: Zahlen besser als erwartet, Perspektiven grandios, Aktie also „billig“. Aber was ist für Zalando die richtige Sicht der Dinge?

Die Aktie sauste zur Wochenmitte auf einen neuen Schlussrekord. Damit kostet sie fast das Dreifache dessen, was für Zalando Mitte März aufgerufen wurde. Knapp einen Monat nach diesem Tief hatte ich die Aktie an dieser Stelle betrachtet. Da notierte die Zalando-Aktie um 44 Euro. Das höchste aller Analysten-Kursziele lag da bei 53 Euro, das durchschnittliche Kursziel bei 39,50 Euro. Heute liegt der Spitzenreiter unter den Experten-Kurszielen bei 85 Euro, das durchschnittliche Kursziel bei 68 Euro. Was hat sich in diesen gut vier Monaten verändert, dass Aktienkurs und Sichtweise der Experten sich derart gewandelt haben?

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Expertenmeinung: Zalando hat im zweiten Quartal, das in Europa vom Lockdown geprägt war, hervorragende Ergebnisse erzielt. Der Umsatz stieg zwischen April und Juni um 27,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) verdoppelte sich. Das ist natürlich ohne Wenn und Aber stark. Doch es stellt sich die Frage, ob Umsatz und Gewinn im laufenden zweiten Halbjahr vergleichbar stark zulegen, während die Konkurrenz, die Ladengeschäfte des Einzelhandels, wieder präsent ist. Dass Zalando im Zuge dieser grandiosen Zahlen die 2020er-Prognose, die am 15. Juli angehoben wurde, nicht weiter anhob, sollte zumindest nicht übersehen werden. Da hob der Online-Händler das Ziel für das Umsatzwachstum auf 15-20 Prozent an, das EBIT-Ziel auf 250 bis 300 Millionen. Und dass, obwohl da schon intern absehbar war, dass das EBIT allein im zweiten Quartal um 200 Millionen liegen würde.

So gesehen sollte man besser als Trader nicht vom Tisch wischen, was Zalando einkalkuliert, nämlich, dass sich diese Sonderstellung des zweiten Quartals im Rest des Jahres durch den wieder möglichen Einkauf in Ladengeschäften relativieren könnte. So, wie sich die Aktie derzeit präsentiert, vor allem, nachdem sie in dieser Woche den Widerstand der Juli-Hochs herausnahm und davonzog, haben das einige Akteure eher nicht auf dem Zettel. Eine Eintrübung des Geschäfts durch eine Rezession, die den Konsum länger lähmt als zuletzt erhofft, auch nicht. Dem Trend zu folgen und dabei zu bleiben, solange er hält, dagegen wäre nichts einzuwenden. Aber sobald die Zalando-Aktie die Kreuzunterstützung aus der März-Aufwärtstrendlinie und den Juli-Hochs brechen sollte, was bei Schlusskursen unter 67 Euro gegeben wäre, sollte man zusehen, dass man sicherstellt, dass ein grandioser Kursgewinn auch einer bleibt.

Zalando Aktie: Chart vom 27.08.2020, Kurs 74,78 Euro, Kürzel ZAL | Online Broker LYNX

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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen der Zalando Aktie

Als grosser Online-Händler gehörte Zalando zu den relativ wenigen Unternehmen, die von der Corona-Krise profitieren konnten. Die Verlagerung des Konsums ins Internet brachte Zalando deutlich steigende Umsätze. Nachdem die Aktie anfangs mit allen anderen massiv unter die Räder kam, erkannten das die Marktteilnehmer schnell und griffen zu. Doch der Anstieg der Aktie fiel so äusserst aus, dass dadurch eine Menge an Vorschusslorbeeren verteilt wurden. Da wurde längst eingepreist, dass dieser Zuwachs beim Online-Handel auch nach der Corona-Phase erhalten bleiben würde. Denn der Kurs, der am 19. März bei 27,33 Euro aufgesetzt und gedreht hatte, war zwischenzeitig bis auf 68,88 Euro nach oben geschossen, weit über das vorherige Rekordhoch von 49,09 Euro hinaus.

Damit war klar, dass die Bilanz des zweiten Quartals eine positive Überraschung bieten müsste, um zu verhindern, dass die derart stark gelaufene Aktie eine grössere Korrektur beginnt. Und in der Tat, die am Donnerstag vorab gemeldeten, vorläufigen Ergebnisse der offiziell am 11. August anstehenden Bilanz des zweiten Quartals waren überzeugend:

Laut vorläufigen Berechnungen ist der Umsatz im zweiten Quartal zwischen 26 und 28 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegen, der um Sondereinflüsse bereinigte Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) stieg von 101 Millionen im zweiten Quartal 2019 auf jetzt 200 bis 220 Millionen Euro. Diese Ergebnisse veranlassten Zalando dazu, die Gesamtjahresprognose anzuheben. Jetzt wird mit einem Umsatzwachstum von 15 bis 20 Prozent kalkuliert (vorherige Prognose 10 bis 20 Prozent), beim Gewinn peilt man nunmehr 250 bis 300 Millionen Euro an (zuvor waren 100 bis 200 Millionen prognostiziert worden). Für solche Zahlen wirkte der Kursanstieg der Aktie von 2,13 Prozent am Donnerstag mager. Und sollte vorsichtig stimmen.

Eine Vielzahl von Analysten hob auf diese Vorab-Ergebnisse hin am Donnerstag ihre Kursziele an, die Spanne der neu angesetzten Target-Kurse reicht von 53 bis 80 Euro, der Schnitt lag um die 69 Euro. Das aber liegt nicht allzu weit vom zum Handelsende erreichten Kurs entfernt … und erst recht nicht vom bisherigen, vergangene Woche erzielten Verlaufsrekord von 68,88 Euro. Es scheint, als würden die Experten die Aktie langsam als „ausgereizt“ ansehen. Und es scheint, dass nicht wenige Marktteilnehmer das auch so sehen.

Aktie Chart auf Wochenbasis vom 16.07.2020, Kurs 66,06 Euro, Kürzel ZAL | Online Broker LYNX

Die Aktie hatte zwar das Anfang Juni erreichte Hoch von 66,02 Euro im Juli überboten, kam aber dann nicht mehr wirklich vom Fleck. Es setzte ein volatiles Hin und Her auf engem Raum ein. Wobei die bislang drei Handelstage, an denen der Kurs über 68 Euro lief, alle mit einem Schlusskurs unter dem Eröffnungskurs endeten. Auffällig ist die daraus resultierende, negative Divergenz des RSI-Indikators zum Kursverlauf, was immer vorsichtig stimmen sollte.

Es wirkt, als würde eine wachsende Zahl an Akteuren in steigende Kurse hinein verkaufen, also eine Distributionsphase begonnen haben, in der diejenigen, die schon länger dabei sind, Gewinne mitnehmen, sobald die nötige Nachfrage da ist. Dass die Aktie gestern trotz starker Vorab-Zahlen nicht aus der Seitwärtsrange herauskam und erneut unter dem Eröffnungskurs schloss, ist ein Warnsignal, dass die Luft nach oben raus sein könnte. Gewinnmitnahmen wären einen Gedanken wert, zudem würde sich ein Stoppkurs anbieten, den man derzeit mit einem „Respektabstand“ von ca. zwei Euro unter der aktuell bei 64,55 Euro verlaufenden 20-Tage-Linie, dem derzeitigen Leitstrahl der Aufwärtsbewegung, ansiedeln könnte.

Aktie Chart auf Tagesbasis vom 16.07.2020, Kurs 66,06 Euro, Kürzel ZAL | Online Broker LYNX

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Das kam überraschend: Unmittelbar nach dem Handelsende des Mittwochs teilte der Online-Händler Zalando mit, dass man für das zweite Quartal mit einer „signifikanten“ Steigerung bei Umsatz und Gewinn rechne. Die Aktie hatte bereits im regulären Handel knapp 2,5 Prozent zugelegt, zog nachbörslich aber in einer ersten Reaktion noch einmal deutlich an und notierte gegen 18 Uhr, knapp eine halbe Stunde nach dieser Meldung, im nachbörslichen Frankfurter Handel bei 63,00 Euro. Aber kann diese Rallye auch nachhaltig sein? Sehen wir genauer hin:

Bis die Aktie im Mai neue Rekorde markierte, lag die Bestmarke bei 50,34 Euro und ging auf den Juli 2018 zurück. Eine lange Zeit, in der die Aktie diesem Hoch immer wieder nahekam und doch stets abdrehte. Und das nicht ohne Grund. Die Rendite des Unternehmens wollte einfach nicht in Fahrt kommen. Der Umsatz stieg zwar stetig, aber die Gewinne hielten nicht so mit, wie sie es auf einem Kursniveau um 50 Euro oder darüber hätten tun müssen, um nicht eine völlig überzogene Bewertung zu erreichen. Doch mit einem Mal zog die Aktie Mitte März an und erreichte, ausgehend vom tiefsten Kursniveau seit Anfang 2019, nicht nur das alte Hoch, sondern schoss zeitweise über 30 Prozent über diesen Level hinaus. Neues Rekordhoch: 66,02 Euro, markiert am 10. Juni.

Liegt das Geld für Zalando denn auf einmal auf der Strasse? Das liegt es nicht. Zalando selbst peilte Anfang Mai zwar ein Umsatzwachstum zwischen 10 und 20 Prozent an, mit der obengenannten Meldung könnte es jetzt mehr werden. Der Gewinn, gerechnet als bereinigtes EBIT, sollte auf Basis der Mai-Prognose mit 100 bis 200 Millionen Euro unter dem 2019er-Ergebnis (225 Millionen) liegen. Wenn das gestern Abend kommentierte zweite Quartal kein kurzes Aufflackern würde, sondern sich der Trend verstetigt, könnte das Vorjahresergebnis zwar überboten werden. Aber die Bewertung wäre dennoch schwindelerregend. Selbst wenn Zalando 20 Prozent mehr verdienen würde, läge das Kurs/Gewinn-Verhältnis auf aktuellem Kursniveau um 120. Und wer jetzt einsteigt, müsste darauf bauen, dass die Aktie weiter zulegt … und dann nur immer „teurer“ würde, was das Kurs/Gewinn-Verhältnis angeht.

Zalando Aktie Chart auf Wochenbasis vom 17.06.2020, Kurs 60,20 Euro, Kürzel ZAL | Online Broker LYNX

Die Hälfte der die Aktie beobachtenden Experten sieht die Aktie weiterhin als Halteposition oder rät zum Verkauf. Indes, solange Zalando keine entmutigenden Nachrichten liefert, könnte die Hoffnung die Aktie in Kombination mit Nachrichten wie der gestrigen auf hohem Niveau halten. Vorausgesetzt, sie gerät nicht in eine charttechnische Gefahrenzone.

Diese Gefahrenzone findet sich im Bereich 48,36/50,34 Euro, also im Bereich der oberen Wendepunkte der vergangenen zwei Jahre. Das Problem ist, dass dieser Bereich sich zwar als Ziel einer Korrektur anbieten würde, diese aber leicht weitergehen kann, wenn der Kurs in diesen Einflussbereich gerät. Denn der Ausbruch über das vorherige Rekordhoch wurde mit einer grossen Kurslücke vollzogen, der Reaktion auf den oben genannten 2020er-Ausblick des Unternehmens. Viele, die nicht zu Beginn der Rallye, sondern erst zu diesem Zeitpunkt eingestiegen sind, dürften dort ihren Stop Loss platziert haben. Geriete die Aktie in diese Zone, könnte daher eine „Stop-Loss-Lawine“ einsetzen und den Kurs schnell und weit zurück in die frühere Handelspanne drücken … nicht zuletzt, weil viele der bullischen Akteure sehr wohl wissen dürften, wie ambitioniert diese Aktie momentan bewertet ist, trotz dieser nach oben weisenden „Gewinnwarnung“ vom Mittwoch.

Zalando Aktie Chart auf Tagesbasis vom 17.06.2020, Kurs 60,20 Euro, Kürzel ZAL | Online Broker LYNX

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Seit Zalando am Abend des 6. Mai seine aktualisierte 2020er-Prognose vorgelegt hat, ist die Aktie um gut 26 Prozent gestiegen und liess die bisherigen Rekordhochs damit deutlich unter sich, wie unser Chart auf Wochenbasis zeigt. Vom Mitte März markierten Tief aus gerechnet hat der Kurs in kaum mehr als zwei Monaten über 120 Prozent zugelegt. Das muss ja ein zutiefst beeindruckender Ausblick gewesen sein, wenn das einen derartigen Run in die Aktie ausgelöst hat. Oder?

Die Kaufwelle wurde damit begründet, dass die Gesamtjahresprognose über den Erwartungen der Marktteilnehmer gelegen habe. Aber was hat der Markt eigentlich erwartet? Es war ja hier ebenso wie bei den meisten Unternehmen gar nicht absehbar, wie sich die Lage entwickeln würde. Was es, nüchtern betrachtet, auch jetzt noch nicht ist. Was auch bedeutet, dass Zalandos Aussagen vom Monatsanfang nur das sind, was der Name aussagt: eine Prognose. Ein Ausblick, der dann Realität würde, wenn die Annahmen, unter denen diese Voraussage getroffen wurde, auch eintreffen. Und das ist gerade bei Unternehmen im Bereich des Konsums derzeit äusserst knifflig. Denn wie sich die Verbraucher in den kommenden Monaten verhalten werden, weiss man noch nicht. Aber damit nicht genug:

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Expertenmeinung: Diese Prognose war ganz und gar nicht umwerfend optimistisch. Zwar rechnet Zalando für 2020 insgesamt mit einem Umsatzanstieg zwischen 10 und 20 Prozent, was hiesse, dass man damit rechnet, dass das zweifellos schwache zweite Quartal grossenteils durch ein starkes zweites Halbjahr ausgeglichen wird, was sich ja erst noch weisen muss. Aber was den Gewinn angeht, peilt der Online-Riese einen bereinigten Gewinn vor Steuern und Zinsen im Bereich zwischen 100 und 200 Millionen Euro an. 2019 wurden 224,9 Millionen verdient. Also läge der Gewinn selbst im besten Fall zehn Prozent unter Vorjahr, der Aktienkurs liegt aber derzeit über 20 Prozent über dem vorherigen Rekordhoch. Wie geht das zusammen?

Gar nicht. Es wirkt, als würden die Marktteilnehmer jetzt so tun, als wäre Zalando die zweite amazon.com. Jahre mit stetem Umsatzanstieg bei minimalem Gewinn zur Stärkung der Marktstellung, was dann irgendwann dazu führen soll, dass die Position so stark ist, dass die Gewinne massiv sprudeln. Die Anleger hatten bei amazon.com viele Jahre Geduld bewiesen und ihre Rechnung ging am Ende auf. Ob das bei Zalando aber auch gelingt, ist offen. Und ausgerechnet in einem so schwierigen Umfeld eine hohe Wette auf die Zukunft einzugehen, das ist verwegen. Derzeit schätzen die Analysten, dass Zalando 2021 etwa 50 Cent pro Aktie verdienen könnte. Das wäre, wenn die Wende zurück zum Wachstum in der Gesamtwirtschaft gelingt, per Ende nächsten Jahres dann ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von 120 auf Basis des Kurses vom Donnerstag. Das ist wirklich ein „Amazon-Wette“ und damit höchst verwegen. Teilgewinne mitzunehmen, wäre in einer solchen Situation allemal einen Gedanken wert. Und die Restposition dann um 47/48 Euro, knapp unter den bisherigen Rekordhochs, abzusichern, wäre unbedingt ratsam.

Zalando Aktie Chart vom 28.05.2020, Kurs 60,48 Euro, Kürzel ZAL | Online Broker LYNX

Aus den am Donnerstagmorgen vorgelegten, vorläufigen Ergebnissen des ersten Quartals geht hervor, dass der Online-Händler Zalando in den ersten drei Monaten zwar vom Umsatz her gegenüber dem Vorjahresquartal hat zulegen können, operativ aber tief in die roten Zahlen gerutscht ist. Die Anleger quittierten die Meldung indes nicht mit Verkäufen, sondern griffen im Gegenteil zu. Zum Handelsende stand ein stattliches Plus von 6,2 Prozent zu buche. Wie das?

Die Marktteilnehmer hatten mit einem schwachen Ergebnis rechnen können. Denn auch, wenn Zalando online agiert: Verunsicherte Menschen neigen dazu, nicht zwingend nötige Ausgaben aufzuschieben oder ganz zu streichen. Und der Bekleidungssektor, in dem Zalando vom Schwerpunkt her agiert, gehört dazu. Daher war dieses vorläufige Zahlenwerk keine negative Überraschung, der Verkaufsdruck blieb aus. Aber das erklärt nicht notwendigerweise, dass im Gegenteil sogar gekauft wurde, immerhin hat die Aktie von ihrem Verlaufstief im März (27,33 Euro) in der Spitze fast 60 Prozent zugelegt und notiert weit näher am bisherigen Rekordhoch von 50,35 Euro als am Tief. Da das Gros des Drucks auf die Wirtschaft auf das gerade erst angelaufene zweite Quartal entfallen wird und offen bleibt, wann die Normalität insbesondere im Konsumsektor zurückkehrt, wirkt diese Rallye ambitioniert. Was sie auch ist, aber:

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Expertenmeinung: Für den Moment begeisterte die Akteure das Statement von Zalandos CFO (Chief Financial Officer): „Die ersten Wochen im April lassen uns optimistisch auf das zweite Quartal blicken.“ Das klang, als würden die Konsumenten bereits in grösserem Umfang zurückkehren. Damit bleibt zwar offen, in wie weit Umsatzwachstum auch wieder Gewinne generieren wird. Aber derzeit treibt Hoffnung die Kurse … von der sich auch mehrere Analysten anstecken liessen, die Zalandos Kursziel unter dem Eindruck dieser vorläufigen Ergebnisse nebst Ausblick noch am selben Tag anhoben. Bei der Commerzbank wurde der Kursziel mit der Einschätzung „Kaufen“ von 42 auf 48 Euro angehoben. Die Baader Bank vergab ebenfalls ein „Kaufen“ und hob ihr Kursziel noch deutlicher von 36 auf 50 Euro an. Bei der DZ Bank blieb man vorsichtig, stufte die Aktie nur von „Verkaufen“ auf „Halten“ hoch und nahm das Kursziel von 28 auf 39 Euro nach oben. Was indes auffällt:

Auch, wenn die wenigsten Analysten die Aktie als „Verkauf“ ansehen, liegt doch das höchste aktuelle Kursziel mit 53 Euro näher am aktuellen Kurs als das Tief, das vor vier Wochen markiert wurde. Und an dem durchschnittlichen Kursziel der Experten, aktuell knapp über 39,50 Euro, ist Zalando per Donnerstagabend bereits vorbei gelaufen. Da der Gedanke, dass sich jetzt schnell wieder solide schwarze Zahlen einstellen werden, zudem angesichts der offenen Gemengelage der kommenden Wochen und Monate eine Hoffnung ist, die auch platzen kann, dürfte die Luft nach oben relativ dünn sein. Zalando gehört zu den charttechnisch eher unpräzise laufenden Aktien, aber im Bereich der Hochs der letzten gut zwei Jahre, die zwischen 48,36 und 50,35 Euro lagen, dürfte der Abgabedruck wohl wieder zunehmen, so dass man spätestens dort, sofern man hier Long wäre, Gewinnmitnahmen erwägen könnte.

Zalando Aktie Chart vom 16.04.2020, Kurs 42,80 Euro, Kürzel ZAL | Online Broker LYNX

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Eine Aktie in einem hypernervösen Marktumfeld ausgerechnet einen Tag vor der mit grosser Spannung, aber auch mit grosser Unruhe erwarteten Quartalsbilanz aus einem kräftigen Minus heraus ins Plus zu ziehen, wirkt mutig. Wobei es durchaus sein kann, dass diejenigen, die die Aktie des Online-Handelsriesen Zalando am Mittwoch ausgehend von einem Minus von bis zu fünf Prozent zum Handelsende 1,65 Prozent ins Plus hievten, auch einen anderen Hintergedanken hatten. Der womöglich gar nicht verkehrt ist:

Sollte sich die Virus-Epidemie auch in Europa grossflächig ausbreiten, wäre das für den Einzelhandel fatal … nicht aber für die Online-Händler, die könnten natürlich davon profitieren, wenn viele Menschen nicht mehr in die Läden kommen. Und darüber hinaus war es, wie bei den meisten „Rettungskäufen“ am Aktienmarkt zur Wochenmitte, die Charttechnik, die dazu führte, dass der Zalando-Aktie am Mittwoch ein Intraday-Turnaround nach oben gelang:

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Expertenmeinung: Der Kurs war am Tagestief ganz nahe an den doppelten Leitstrahl des Trends in Form der Ende 2018 begonnenen Aufwärtstrendlinie und der 200-Tage-Linie bei 41,40/41,75 Euro herangelaufen. Diese mittelfristig wichtigen Unterstützungen sollten unbedingt gehalten werden. Nur ist das angesichts der heute vor Handelsbeginn erwarteten Bilanz womöglich eine Verteidigung auf Abruf, denn das Zahlenwerk muss die Käufe bestätigen, indem es die Erwartungen zumindest gut erfüllt, im Idealfall übertrifft und das Unternehmen einen ermutigenden Ausblick auf das laufende Quartal abliefert.

Erwartet werden seitens der Analysten im Schnitt ein Gewinn pro Aktie um die 24 Cent und ein Umsatz von knapp zwei Milliarden Euro für das vierte Quartal. Sollte Zalando diese Erwartung enttäuschen oder aber die Hoffnung auf jetzt langsam doch deutlich anziehende Gewinne in 2020 mit seinem Ausblick nicht bestätigen, könnte es eng werden mit der gestrigen Rettungstat. Bei starken Zahlen wäre der Weg nach oben grundsätzlich frei, aber würde der vorgenannte, doppelte Support bei 41,40/41,75 Euro auf Schlusskursbasis fallen, wäre ein Abstieg in die Region 35/36,50 Euro keineswegs auszuschliessen.

Zalando Aktie Chart vom 26.02.2020, Kurs 44,87 Euro, Kürzel ZAL | Online Broker LYNX

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