S&T Aktie Prognose S&T: Die Bilanz-Vorwürfe sind vom Tisch, jetzt geht es um andere Themen

News: Aktuelle Analyse der S&T Aktie

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Gestern legte der IT-Dienstleister S&T den Prüfbericht der Wirtschaftsprüfer Deloitte Financial Advisory zu den von „Viceroy Research“ verbreiteten Vorwürfen über Manipulationen vor, der diese entkräftete. Die Aktie zog umgehend an … aber es ist trotzdem Vorsicht geboten!

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Der Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte hält fest, dass sich die erhobenen Anschuldigungen fast vollständig als unzutreffend erwiesen haben. Indem sie Aspekte anführten, die S&T gar nicht betreffen, die falsch dargestellt wurden oder immateriell sind, sprich keine Relevanz für die Bilanz haben. Was auch für eine im Nachhinein als unvollständig erkannte Mitteilung über eine 2017 bei einem Tochterunternehmen von S&T vollzogene Kapitalerhöhung gilt, der einzige Aspekt, den man im Nachhinein korrigieren muss.

Nachdem „Viceroy Research“, deren Aussagen früher unter anderem auch die Grenke-Aktie zu Boden schickten, widerlegt wurde, machte die S&T-Aktie am Dienstag einen ordentlichen Satz nach oben. Aber bedeutet das, dass man hier bedenkenlos wieder einsteigen könnte? Immerhin notiert die Aktie auch nach dieser gestrigen Reaktion noch weit unterhalb der 18,74 Euro, zu denen man S&T am Tag vor den „Viceroy“-Vorwürfen gehandelt hatte.

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur S&T Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Das ist zwar richtig, aber jetzt sehen die Rahmenbedingungen anders aus als im Dezember, als die Aktie eingebrochen war. Und selbst ohne die Ukraine-Problematik ist noch nicht so recht klar, wie 2021 gelaufen ist und 2022 aus Sicht des IT-Dienstleisters laufen wird. Zwar hat S&T im Januar mitgeteilt, dass man davon ausgehe, dass die eigenen Ziele eines Umsatzes von mindestens 1,33 Milliarden Euro und einer EBITDA-Gewinnmarge von etwa zehn Prozent erfüllt wurden. Aber genauer wird man das erst wissen, wenn die Jahresbilanz vorliegt, mit der man im Zuge des für den 21. März angesetzten Termins für das Ergebnis des 4. Quartals 2021 rechnen könnte. Und dann wird etwas anderes noch weitaus entscheidender sein: Der Ausblick auf 2022.

Da hatte man im Januar eine Guidance von 1,5 Milliarden Euro Umsatz und einer EBITDA-Gewinnmarge von zehn Prozent ausgegeben, beides etwas unter den Prognosen der Analysten. Daraus liesse sich ein Gewinnplus gegenüber 2021 zwischen 10 und 15 Prozent ableiten … aber es ist sehr gut möglich, dass, was im Januar galt, jetzt Makulatur ist. Denn S&T operiert vor allem in Zentral- und Osteuropa, der Region also, in der jetzt die Sorge vor massiven, negativen Auswirkungen durch den Ukraine-Konflikt immens ist. Daher wäre es keineswegs ausgeschlossen, dass da einiges an Aufträgen aufgeschoben wird, womöglich sogar verloren geht. Genaueres weiss man erst, wenn sich S&T dazu äussert. Aber das Risiko ist präsent genug, um hier nicht zu sicher zu sein, dass das gestrige Plus der Beginn einer nachhaltigen Aufwärtstrendwende ist, zumal:

Auch aus charttechnischer Sicht ist die Kuh hier noch nicht vom Eis. Die Käufe des Dienstags haben die S&T-Aktie zwar wieder in die zuvor durchbrochene, vorherige Supportzone 13,20/15,10 Euro zurückgeführt. Sie sehen aber auch in diesem Chart auf Wochenbasis, dass diese Käufe auf Abgabedruck trafen. Zeitweise hatte der Kurs gestern um gut 18 Prozent zugelegt, am Ende blieben nur noch 7,22 Prozent übrig. Erst, wenn S&T diese Zone auf Schlusskursbasis überboten hätte und idealerweise der bislang positive 2022er-Ausblick seitens des Unternehmens bestätigt wäre, würde das Chance/Risiko-Verhältnis hier passen.

S&T-Aktie: Chart vom 15.03.2022, Kurs 13,36 Euro, Kürzel SANT | Online Broker LYNX
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Vorherige Analysen der S&T Aktie

Eine Sache ist vollkommen klar, die nächste Bewegung am Aktienmarkt kann keiner vorhersagen.
Auch als Trader arbeitet man nur mit Wahrscheinlichkeiten.

Was aber feststeht, ist der aktuelle Kurs und die sich daraus ergebende Bewertung. Damit arbeiten wir als Investor.
Daher fällt es einem auch relativ einfach zu kaufen, wenn die Märkte gerade crashen. Zu welchem Ergebnis man bei S&T kommt, wenn man kühl rechnet, schauen wir uns jetzt gemeinsam an.

Absturz

Die Aktie von S&T ist zuletzt massiv abgestürzt und hat das niedrigste Niveau seit 2017 erreicht.

Der österreichische Technologiekonzern sieht sich selbst als IT-Systemhaus mit Eigentechnologie und als einen der führenden Anbieter von IT-Dienstleistungen und Lösungen in Zentral- und Osteuropa.

Zu den Kerngeschäftsfeldern zählen Leistungen in den Bereichen Consulting, Integration und Outsourcing, SAP-Betrieb bzw. Implementierung und Softwareentwicklung mit den Schwerpunkten mobile Prozessabbildung, IoT und Individualentwicklungen.

Wer aufmerksam gelesen hat, wird das Problem schon gefunden haben. S&T ist unter anderem auch stark in Osteuropa aktiv.
Dementsprechend gross sind aktuell die Sorgen, dass sich der Krieg in der Ukraine negativ auf das Geschäft auswirken könnte.
Bisher hat es das Unternehmen leider versäumt, sich dazu zu äussern.

Wie schlimm kann es werden?

Zuletzt entfielen knapp 70% des Geschäfts auf Deutschland, Nordamerika, Österreich, Polen, Ungarn, Kroatien, Asien und Slowenien.

Der absolute Grossteil des Geschäfts scheint also gesichert und nicht betroffen zu sein, abgesehen von allgemeinen Beeinträchtigungen der Wirtschaft. Immer natürlich vorausgesetzt, dass Russland nicht noch in weiteren Ländern einmarschiert.

Bei einem sehr netten Gespräch mit der IR-Abteilung wurde mir mitgeteilt, dass rund 5-6% des Geschäfts auf die betroffenen Länder, also Russland, Belarus und die Ukraine entfallen.

Gleichzeitig scheint man aber an anderer Stelle, vor allem aus dem Rüstungsbereich, bereits eine deutlich anziehende Nachfrage zu erleben.
Daher sehe man keine Notwendigkeit, die Guidance für 2022 anzupassen. Was das bedeutet, werden wir gleich sehen.

Ausblick und Bewertung

Schauen wir uns zuerst den Trackrecord an. In den letzten zehn Jahren konnte der Umsatz von 153 Mio. auf 1,26 Mrd. Euro gesteigert werden.
Das Ergebnis ist von 0,29 auf 0,84 Euro geklettert.

Das macht S&T zu einem langfristigen Outperfomer, wenngleich der Kurs auch schon seit geraumer Zeit eher seitwärts tendiert und durch die aktuelle Krise erheblich unter Druck gekommen ist.

Die Seitwärtsbewegung ist aber vor allem dadurch begründet, dass es um S&T zwischenzeitlich einen regelrechten Hype gab.
Von 2015 bis 2018 hat sich der Kurs mehr als verzehnfacht, zeitweise lag das KGV bei über 50.

Inzwischen wurde das wieder korrigiert. Bei einem Kurs von 11,66 Euro kommt S&T „nur“ noch auf ein KGVe von 13,7. Für antizyklische Investoren ist das eine sehr interessante Situation.

Das Geschäftsjahr ist nahezu abgeschlossen, daher kann man durchaus den Blick auf 2022 wagen. Bisher ist der Markt davon ausgegangen, dass das Ergebnis in diesem Jahr auf 1,18 Euro je Aktie steigen könnte.
Dadurch würde das KGV auf knapp unter 10 sinken.

Und wie wir bereits gehört haben, sieht man bei S&T keine Notwendigkeit, die Prognose für 2022 anzupassen, die sich bisher wie folgt liest:

S&T AG plant für das Geschäftsjahr 2022 deutliches Wachstum. Basierend auf dem hohen Auftragsbestand wird ein zweistelliges organisches Wachstum auf EUR 1,5 Mrd. bei einer EBITDA-Marge von 10 Prozent erwartet. (Link)

Chart vom 08.03.2022 Kurs: 11,66 Kürzel: SANT1 - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 08.03.2022 Kurs: 11,66 Kürzel: SANT1 – Wochenkerzen

S&T ist am unteren Ende des Trendkanals angekommen und scheint dort auf Interesse zu stossen.
Ausgehend von dieser Basis kann es jetzt zu einer Erholung in Richtung 12,50 Euro kommen.
Darüber entspannt sich die Lage zunehmend.

Fällt S&T hingegen unter 11,25 Euro, muss mit einer Ausdehnung der Korrektur in Richtung 10 Euro eingeplant werden.

So gruselig die vergangene Woche für den Gesamtmarkt auch war, für die Aktie des IT-Dienstleisters S&T war es eine gute. Der Kurs legte gegen den Markttrend um satte 14 Prozent zu. Ist der „Leerverkäufer-Spuk“ bereits überstanden, kann man hier schon wieder zugreifen?

Vor einer Woche legte S&T vorläufige Zahlen zum Geschäftsjahr 2021 vor. Die fielen im Rahmen der Erwartungen aus. Und eigentlich lag die Guidance, die der österreichische, im TecDAX gelistete IT-Dienstleister für 2022 vorlegte, ein bisschen unter der durchschnittlichen Erwartung der Analysten.

Normalerweise hätte man damit rechnen können, dass die Marktteilnehmer das „abstrafen“ und aussteigen, vor allem in einem derart schwachen Gesamtmarkt, in dem leicht aus einer Mücke ein Elefant gemacht wird, weil die Grundstimmung negativer ist als üblich. Aber S&T stieg und das, wie Sie im Chart sehen, nicht zu knapp. Und das gegen den allgemeinen Trend, das will schon etwas heissen. Aber kann man dem Braten trauen?

Expertenmeinung: Was die Reaktionen der Akteure hier stark beeinflusst, sind die Mitte Dezember aufgetauchten Vorwürfe von „Viceroy Research“, einem Unternehmen, das man mit einem grossen US-Short-Seller in Verbindung bringt. „Viceroy Research“ hatte bereits bei Grenke Anfang 2021 einen Crash ausgelöst. Wirklich erholen konnte sich die Grenke-Aktie davon bislang nicht. Will man hier einsteigen, muss man davon überzeugt sein, dass S&T diese Vorwürfe schneller und nachhaltiger abschütteln kann als Grenke. Und wirklich wissen kann man das nicht.

Was die Marktteilnehmer erfreute und einige eben auch zum Kauf motivierte ist, dass S&T bereits knapp zwei Wochen nach den „Viceroy“-Vorwürfen eine ausführliche Stellungnahe vorlegte, eine Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft beauftragt hat und einen unabhängigen Experten als Chief Compliance Officer bestellt hat. Dies in Kombination mit einem 2022er-Ausblick, der nicht den Eindruck erweckt, als würde S&T am Rande eines Abgrunds balancieren, erzeugte eine vom Gesamtmarkt abgekoppelte, positive Stimmung bei der Aktie.

Aber man muss sich gewärtig sein, dass „Viceroy“ jederzeit unverhofft mit weiteren oder konkretisierten Attacken nachlegen könnte. Und auch, wenn die Kaufwelle der Vorwoche dazu führte, dass ein deutlich über dem des Dezembers liegendes Zwischentief die Chance auf eine Trendwendeformation in Form eines Doppeltiefs birgt:

Dessen Nackenlinie liegt erst bei 16,80 Euro. Und die entstand, als die Aktie nach der Kommunikation der vorstehend erwähnten Gegenmassnahmen zunächst kräftig stieg, dann aber abverkauft wurde. Das macht klar, dass man sich hier vorerst weiterhin auf dünnem Eis bewegt. In einer solchen Gemengelage einzusteigen, wäre daher nur etwas für erfahrene Trader mit sehr guten Nerven!

S&T Aktie: Chart vom 21.01.2022, Kurs 15,41 Euro, Kürzel SANT | Online Broker LYNX

Bis zu 5,8 Prozent war die S&T-Aktie zu Handelsbeginn gestiegen, nachdem man am Morgen Stellung zu den Vorwürfen des mit einem grossen Leerverkäufer verbundenen „Viceroy Research“ genommen hatte. Doch am Ende schloss S&T 4,6 Prozent tiefer. Wieso?

„Viceroy Research“ hatte dem IT-Systemhaus S&T vorgeworfen, mit Zukäufen minderwertiger Beteiligungen den Umsatz künstlich aufzublähen und Tochterfirmen ausserhalb der Bilanz zu „verstecken“. Auch, wenn man weiss, dass „Viceroy Research“ mit dem berühmt-berüchtigten Leerverkäufer Fraser Perring verbunden ist und sich an den Fall der Grenke-Aktie erinnerte, die nach Vorwürfen von „Viceroy Research“ in Grund und Boden verkauft wurde: Solche Aussagen wiegen schwer und bleiben im Hinterkopf. Und auch nach einem glaubwürdigen Dementi bleibt immer etwas hängen.

Als S&T am Dienstagmorgen seine Stellungnahme vorlegte, waren nicht wenige Akteure beruhigt, denn dort wurde betont, dass „Viceroy Research“ zahlreiche weitreichende Fehleinschätzungen getroffen habe, die einer objektiven Prüfung nicht standhalten und es keinerlei Kontakt im Vorfeld dieser Vorwürfe gegeben habe. Darüber hinaus hat man die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte mit der Prüfung beauftragt und einen unabhängigen Experten als Chief Compliance Officer bestellt.

Man wehrt sich … wenngleich das, wie bei Grenke im letzten Jahr, eine Heidenarbeit macht und viel Geld kosten wird. Dennoch, die Aktie reagierte positiv und das war auch verständlich. Aber das Plus liess sich eben nicht halten.

Expertenmeinung: Man kann nicht sicher sein, ob der Leerverkäufer Perring wirklich bei S&T massiv aktiv wurde und ob das im Vorfeld der Anschuldigungen von „Viceroy Research“ geschah. Aber unübersehbar ist anhand des Chartbilds, dass die Bären hier massiv aktiv wurden. Und normalerweise sind das erfahrene Trader, die genau wissen, wie sie die Butter auf dem Brot behalten. Und genau solche Reaktionen wie die gestrige sind perfekt, um denen, die darauf hofften, dass sich die Aktie einfach wieder auf den vorherigen Level erholt, den Angstschweiss ins Gesicht zu treiben, indem sie solche Erholungen gnadenlos abverkaufen.

Zumal die Aktie vom Tief des 16. Dezember in der Spitze um 35 Prozent nach oben gelaufen war, so dass die Leerverkäufer darauf bauen konnten, dass viele, die „unten“ gekauft hatten, mit Gewinnmitnahmen schnell bei der Hand sein würden, sollten die Käufe als Reaktion auf S&T’s Gegendarstellung versickern. Immerhin hatte sich die Aktie dadurch auch der Widerstandszone 17,60/18,55 Euro genähert. Und bevor S&T diese Vorwürfe nicht wird ausräumen können, dürften viele sowieso bezweifelt haben, dass der Kurs an dieser massiven Charthürde vorbeikommen würde, weil die „Bären“ die zweifellos aktiv verteidigen würden.

Dass es so ist, sah man heute, daher kann es gut sein, dass man jetzt auf der Käuferseite noch deutlich vorsichtiger und zögerlicher agieren wird und die Aktie erst einmal nicht mehr direkt einsammeln wird. Ob der Absturz berechtigt ist oder nicht, ist eben weiterhin nicht klar einzuschätzen und wie gesagt: Da bleibt immer etwas im Hinterkopf. Die Leerverkäufer wissen das und agieren entsprechend. Dass es sehr riskant ist, in dieses fallende Messer zu greifen, hat der gestrige Intraday-Turnaround nach unten bewiesen. 

Chart vom 27.12.2021, Kurs 15,15 Euro, Kürzel SANT | Online Broker LYNX

Lassen Sie sich den Artikel vorlesen:

Das nächste Opfer einer Short-Attacke ist also S&T. Die Vorwürfe sind mannigfaltig, ich möchte gar nicht grossartig darauf eingehen.

Von Betrug, bis Off-Balance-Geschichten bis hin zu überteuerten Übernahmen ist alles dabei. Die meisten Vorwürfe sind inzwischen „verjährt“, teilweise geht es um Vorgänge vor zehn und mehr Jahren.

In anderthalb Dekaden an der Börse habe ich viele Short-Angriffe auf Aktien erlebt, in den allermeisten Fällen verläuft es sich im Sand.
Am Ende geht es den Leerverkäufern auch gar nicht darum, etwas aufzudecken, sondern um Geld.
Wie soll man sich sonst einen Lamborghini SUV leisten?

Was die „Researchhäuser“ mit den Angriffen verdienen, kann man nur erahnen. Dass es in den letzten Monaten immer wieder Deutschland oder den deutschsprachigen Raum trifft, hat seine Gründe.

Den Anlegern hier steckt der Absturz von Wirecard tief in den Knochen. Werden Vorwürfe geäussert, stösst das hierzulande auf besonders fruchtbaren Boden.

Ist es nicht ein „lustiger“ Zufall, dass die Hälfte aller Short-Reports der letzten beiden Jahre ein deutsches Unternehmen zum Ziel hatte?
Entweder wird unser Aktienmarkt ganz gezielt attackiert, oder die Hälfte aller korrupten Unternehmen stammt aus Deutschland.

Zusammenfassend kann man eine Sache sagen: In den meisten Fällen sind die Vorwürfe haltlos, in der Dimension übertrieben, längst verjährt oder ähnliches.

Chance / Risiko

Am Ende muss die Frage jeder selbst beantworten, ob er S&T oder einem Leerverkäufer seinen Glauben schenkt.
Viele der Vorwürfe sind von aussen weder beweisbar noch widerlegbar.

Wie geht man damit um? Entweder man stellt sich schlichtweg an die Seitenlinie, oder man fällt eine Abwägung von Chance und Risiko.

Für mich sieht die wie folgt aus: Selbst wenn ein Teil der Vorwürfe wahr sein sollte, wäre S&T sicherlich nicht wertlos.
Sollte die Sache im Sand verlaufen, könnte die Aktie aber auch das doppelt wert sein.
Wenn man gleichzeitig eher davon ausgeht, das zweiteres der Fall ist, ist das CRV nicht schlecht.

Diese Herangehensweise ist sicherlich nicht für alle Anleger geeignet, man muss schon etwas Risikobereitschaft mitbringen.

Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass die Aktie sich trotzdem nicht mehr erholt. Über Grenke hat man beispielsweise schon lange nichts mehr gehört. Weitere und neue Vorwürfe wären mir nicht bekannt.
Trotzdem kommt die Aktie seit Monaten nicht vom Fleck.

Bei Grenke kann man dieselbe Rechnung aufmachen. Im schlimmsten Fall ist die Aktie wertlos. Das ist allerdings eher unwahrscheinlich.
Es wäre aber auch gut möglich, dass das Unternehmen das zwei- oder dreifache Wert ist.

Fällt das ins Gewicht?

Einige der Vorwürfe wären stichhaltig, sind aber nicht verfizierbar, andere wiederum sind grundlegen nicht sonderlich stichhaltig.

Nehmen wir als Beispiel, die Kritik an einigen Zukäufen. Demnach kauft S&T vor allem Schrottunternehmen zu Ramschpreisen.
Teilweise mag das stimmen, es ist aber nicht so, als wäre das keine valide Strategie. Ist der Preis eines Assets niedrig genug und gelingt der Turnaround, kann man seine Investition vervielfachen.

Die Kehrseite der Medaille ist, dass das oft nicht funktioniert. Am Ende bricht das Geschäft ein. Genau das scheint bei S&T der Fall zu sein.
Eine ganze Reihe von Töchtern, meist mit Umsätzen von einigen hunderttausend oder wenigen Millionen Euro sind gegen die Wand gefahren.

Aber spielt das für einen Konzern mit 1,26 Mrd. Euro Jahresumsatz eine Rolle?

Am Ende wird man bei S&T nicht nur Schrott eingekauft haben, sonst wäre der Umsatz in der letzten Dekade nicht von 153 Mio. auf 1,26 Mrd. Euro gestiegen.
Der Gewinn legte im selben Zeitraum von 0,29 auf 0,84 Euro je Aktie zu. Die Bilanz ist auch sauber.

Daher scheint sich die Aktie nach dem ersten Schock wieder zu berappeln. Der Leerverkäufer und möglicherweise all seine Freunde mit Offshore-Konten müssen ihre Positionen jetzt ja schliessen.
Sie haben ihr Ziel vorerst erreicht. Der nächste Lambo ist bezahlt.

Chart vom 22.12.2021 Kurs: 14,70 Kürzel: SANT - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 22.12.2021 Kurs: 14,70 Kürzel: SANT – Wochenkerzen

Solange S&T jetzt nicht unter 13,80 Euro fällt, stehen die Zeichen auf Bodenbildung. Gelingt ein Ausbruch über 15,50 Euro, hellt sich das Chartbild zunehmend auf. In diesem Szenario

Aus Sicht der Bullen sollte die Aktie allerdings nicht unter 13,80 Euro fallen.

„Viceroy Research“ erhebt gegen das IT-Unternehmen S&T schwere Vorwürfe, die Aktie brach daraufhin gestern ein. Doch „Viceroy Research“ gehört zu Fraser Perring, einem weltweit bekannten Leerverkäufer. Daher stellt sich die Frage: Stimmt das denn alles überhaupt?

 „Viceroy Research“ behauptet, dass das österreichische, im TecDAX notierte IT-Unternehmen S&T mit Zukäufen minderwertiger Beteiligungen den Umsatz künstlich aufblähen und Tochterfirmen ausserhalb der Bilanz „verstecken“ würde. Das kam natürlich überraschend. S&T teilte nur am späten Nachmittag mit, dass man die Vorwürfe analysiere, dies aber noch ein wenig Zeit benötige. Das war noch keine Basis für die Anleger, um einzuschätzen, ob, und wenn ja was, an dieser Sache dran sein könnte.

Diejenigen, die die Aktie daraufhin fallen liessen wie eine heisse Kartoffel, trafen daher zunächst nicht auf Käufer, so dass die Aktie ungebremst durchsackte. Am Ende stand da ein dramatisches Minus von 29 Prozent zu Buche, was nur berechtigt wäre, wenn diese Vorwürfe zutreffen. Was aber im Gegenteil eine grandiose Einstiegschance wäre, wenn diese Aussagen nur getroffen worden wären, um genau diesen Kurseinbruch auszulösen. Aber noch ist das eben nicht einzuschätzen. Was tun?

Expertenmeinung: Wenn ein Research-Unternehmen, das zu einem bekannten „Bären“, sprich Leerverkäufer, gehört, solche Statements vom Stapel lässt, ist es schon naheliegend, dass eben dieser Leerverkäufer erst die Aktie leer verkauft hat, sprich Short ging, und die Vorwürfe danach veröffentlicht wurden. Denn so müsste der Leerverkäufer nach der zu erwartenden Reaktion nur noch die leer verkauften Aktien eindecken und mit dem Gewinn davonziehen. Wäre es so, würde das von der Börsenaufsicht untersucht. Aber das hilft für den Moment nicht weiter, wenn es um die Frage geht: kaufen oder nicht? Und, wenn man ohne Stoppkurs agiert hätte: aussteigen oder nicht?

Die Sache ähnelt dem Crash der Grenke-Aktie im vergangenen Jahr. Und auch da war es „Viceroy Research“, das schwere Vorwürfe erhob. Die hat Grenke zwar grossenteils zeit- und kostenaufwändig widerlegt, aber wirklich erholt hat sich die Aktie nicht mehr. Was deutlich macht: Solche Anschuldigungen stehen lange im Raum, denn wenn die Anleger erst einmal verunsichert sind, reicht ein Dementi des Unternehmens oft nicht mehr aus. Und bis eine Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft dann ein Gutachten erstellen könnte, ist der Weg nach oben für die Aktien der betroffenen Unternehmen steinig.

Solange offen ist, ob und wenn ja was an diesen Vorwürfen dran ist, wäre es womöglich nicht mehr sinnvoll, noch auszusteigen, wenn man hier wegen eines fehlenden Stop Loss mit in die Tiefe gerissen wurde. Aber darauf zu setzen, dass der S&T-Kurs schnell und weit wieder nach oben laufen wird, ist nicht mehr als eine riskante Wette, daher würde ich hier denselben Rat geben wie damals bei Grenke: Besser erst einmal völlig raushalten und abwarten, was an Informationen auf den Tisch kommt. 

S&T-Aktie: Chart vom 16.12.2021, Kurs 13,24 Euro, Kürzel SANT | Online Broker LYNX