Draegerwerk Aktie aktuell Drägerwerk: Erst noch tiefer, bevor die Aufwärtswende kommt?

News: Aktuelle Analyse der Draegerwerk Aktie

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Draegerwerk
ISIN: DE0005550636
Ticker: DRW3
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Zur Draegerwerk Aktie

Wenn sie nicht wollen, dann wollen sie eben nicht … so liesse sich beschreiben, was sich derzeit bei der Aktie von Drägerwerk abspielt. Dass die Aktie gerade zehn Euro unter dem niedrigsten Analysten-Kursziel notiert und vom gestrigen Schlusskurs aus 40 Prozent Spielraum bis zum derzeit bei 95 Euro liegenden, durchschnittlichen Kursziel der Experten besteht, scheint die Marktteilnehmer nicht zu stören. Seit fast zwei Monaten bröckelt die Aktie sukzessiv ab und ringt aktuell mit der 200-Tage-Linie. Man folgt seitens der Marktteilnehmer nicht den Analysten, sondern der Charttechnik. Was bedeuten könnte, dass es mit der Aktie erst noch tiefer gehen könnte, bevor man sich mal wieder nach oben orientiert, denn die gerade umkämpfte 200-Tage-Linie ist bedeutsam.

Davon abgesehen, dass viele mittel- und langfristig orientierte Investoren einen signifikanten Bruch dieses gleitenden Durchschnitts zum Anlass nehmen, eine Aktie als bärisch einzustufen und abzustossen, testet die Drägerwerk-Aktie diese Linie in diesem Jahr schon zum dritten Mal. Im Januar wurde sie problemlos zum Sprungbrett für Käufe, im März war der Kampf um diese Linie heftiger und langwieriger. Dass der Kurs danach senkrecht emporschoss, basierte auf Aspekten, die zwar aktuell erneut eine Rolle spielen, diesmal aber ignoriert werden:

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Expertenmeinung: Der gewaltige Kursanstieg zwischen Mitte und Ende März kam zustande, weil sich viele Marktteilnehmer erst da bewusst wurden, dass Drägerwerk als Spezialist für Medizin- und Sicherheitstechnik zu den Profiteuren der sich zuspitzenden Pandemie gehört. Dieser Kurssprung mündete in Gewinnmitnahmen, als man am Markt unterstellte, dass z.B. die Lieferung von 10.000 Beatmungsgeräten an den Bund nur ein Einmaleffekt sein würde, der zwar die diesjährige Bilanz sehr stark aussehen lassen würde, dann aber nichts nachkommen würde. Dass am Donnerstag gemeldet wurde, dass die eigentliche Bestellung des Bundes nicht ansatzweise abgenommen wird und die Lieferung bereits nach wenig mehr als 1.500 Geräten beendet wird, drückte die Aktie zeitweise immens, bevor sie sich mit -3,14 Prozent etwas vom Tagestief absetzen und dadurch die 200-Tage-Linie einigermassen halten konnte. Aber die Frage steht im Raum, ob alle die Meldung vollständig gelesen hatten.

Denn Drägerwerk erklärte, man werde die Kapazitäten nutzen, um andere Märkte zu beliefern. Und angesichts der derzeitigen Lage der Corona-Pandemie dürfte es da weiterhin reichlich Bedarf geben, weshalb das Unternehmen auch im selben Atemzug die aktuelle 2020er-Prognose eines Umsatzwachstums zwischen 14 und 22 Prozent und einer EBIT-Marge zwischen sieben und elf Prozent bestätigte. Aber:

Solange man mit dem Gedanken, dass diese Perspektive zusammen mit den positiven Analysten-Einschätzungen eigentlich ein Grund für steigende Kurse wäre, allein auf weiter Flur steht, wird das die Akteure nicht hindern, weiter auszusteigen oder die Aktie leer zu verkaufen. Und würde diese momentan bei 68,25 Euro verlaufende 200-Tage-Linie signifikant brechen, würde die nächste, massivere Auffangzone erst im Bereich 58/60 Euro warten. Daher wäre es günstiger, sich Drägerwerk zwar in die Beobachtungsliste zu packen, aber erst aktiv zu werden, wenn mit Schlusskursen über der aktuell um 79,50 Euro verlaufenden mittelfristigen Abwärtstrendlinie ein charttechnischer Befreiungsschlag gelungen ist.

Drägerwerk Aktie: Chart vom 10.09.2020, Kurs 67,80 Euro, Kürzel DRW3 | Online Broker LYNX

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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen der Draegerwerk Aktie

Seit Ende März bewegt sich die Aktie des Medizin- und Sicherheitstechnik-Spezialisten Drägerwerk in einem Abwärtstrend. Mitte Juli scheiterte sie an der Widerstandslinie bei 88,40 Euro und bröckelt seither ab, gedrückt von der mittelfristigen Abwärtstrendlinie und zuletzt auch noch von der 20-Tage-Linie, an welcher der Kurs im August mehrfach abgewiesen wurde. Das alles wäre kein Wunder, würde Drägerwerk zu den konjunktursensiblen Branchen gehören, die durch Pandemie und Rezession massiv unter Druck geraten sind. Oder wenn das Unternehmen mit einer schwachen Bilanz zu hoch gehängte Erwartungen enttäuscht hätte. Doch weder noch ist hier der Fall.

Zum Ende des ersten Halbjahres hat Drägerwerk die zuvor einkassierte 2020er-Prognose neu formuliert. Musste man da kleinere Brötchen backen? Ganz im Gegenteil. Die ursprüngliche Prognose, die Anfang März ausgegeben und dann bald darauf zurückgenommen wurde, avisierte ein Wachstum bei Umsatz und EBIT-Gewinnmarge zwischen einem und vier Prozent. Am 14. Juni avisierte die neue 2020er-Prognose ein Umsatzwachstum zwischen 14 und 22 Prozent und eine EBIT-Marge zwischen 7 und 11 Prozent. Das bedeutet nicht, dass der Gewinn ein bisschen besser liegen wird als zu Jahresbeginn gedacht. Nein, das bedeutet, dass der Gewinn ganz erheblich höher liegen wird!

Expertenmeinung: Steigende Umsätze und eine steigende Marge bedeuten einen doppelten Hebel für die Gewinne. 2019 waren als EBIT, d.h. vor Steuern und Zinsen, 66 Millionen Euro hängengeblieben. Auf Basis dieser Umsatz- und Margenprognose liegt die Gewinnspanne, mit der Drägerwerk in etwa rechnet, zwischen 220 und 370 Millionen Euro. Und im Gegensatz zu denen, die die Aktie gerade wie sauer Bier verkaufen, haben die Analysten das sehr wohl registriert. Die Kursziele bewegen sich zwischen 78 und 106 Euro, der Durchschnitt liegt derzeit um 97 Euro. Das heisst, dass die Aktie momentan etwa zehn Prozent unter dem niedrigsten aller Analysten-Kursziele notiert!

Warum kommt ausgerechnet eine Aktie mit der Perspektive auf einen derart hohen Gewinnanstieg nicht ins Laufen? Denkbar wäre, dass viele davon ausgehen, dass der Gewinnanstieg nur ein pandemie-bedingter Einmaleffekt ist, der 2021 bereits verpufft und der Gewinn dann wieder dramatisch sinken würde. Womit die Analysten indes momentan nicht rechnen. Denkbar wäre auch, dass der bereits sechs Wochen andauernde Käuferstreik so viele Anleger entnervt hat, dass sie an einen Ausbruch nach oben einfach nicht mehr glauben. Oder, was aber am wenigsten wahrscheinlich wäre: Einige grosse Adressen wissen mehr als andere und drücken die Aktie im Vorfeld negativer Nachrichten.

Fazit: Die Aktie wäre eigentlich „billig“, hätte derzeit auf Basis der unternehmenseigenen Gewinnerwartung ein Kurs/Gewinn-Verhältnis unter zehn. Die Experten-Kursziele liegen weit über dem aktuellen Kursniveau. Aber wäre das alleine ein Argument für eine Rallye, wäre die ja längst im Gange. Daher: Drägerwerk sollte man sich auf die Beobachtungsliste setzen. Aber wer ein bisschen vorsichtig agiert, sollte einen charttechnischen Befreiungsschlag abwarten, der bei Schlusskursen über 81,50 Euro gegeben wäre. Denn wenn man mit der Erkenntnis, dass eine Aktie billig ist und Potenzial hat, alleine bleibt, wird sie eben trotzdem nicht steigen.

Chart vom 31.08.2020, Kurs 71,00 Euro, Kürzel DRW3 | Online Broker LYNX

Das war eine tadellose Bodenbildung nach einer ausgiebigen Korrektur, welche die Aktie des Medizin- und Sicherheitstechnik-Spezialisten Drägerwerk da gezeigt hat. Und auch, wenn die Bäume bei dieser Aktie, die zwar einerseits von der Corona-Krise tendenziell profitiert, andererseits aber nicht so sehr im Rampenlicht der kurzfristigen Trader steht, nicht einfach in den Himmel wachsen werden, könnte noch einiges an Spielraum verbleiben. Aus aktueller Sicht darf man vermuten, dass die am 13. August erwartete Bilanz des zweiten Quartals sehr erfreulich ausfallen wird. Und sollte sich das momentan am Horizont auftauchende Szenario einer einfach weiter wütenden Pandemie konkretisieren, würden Produkte wie Beatmungsgeräte oder Schutzanzüge, wie sie Drägerwerk liefert, auch in den kommenden Quartalen in grösserem Umfang als üblich benötigt werden.

Das sah auch der für das Unternehmen zuständige Analyst beim Bankhaus Metzler so und hob sein Kursziel für die Aktie zu Wochenbeginn von 75 auf 90 Euro an. Im Schnitt erwarten die die Aktie beobachtenden Experten, dass Drägerwerk 2020 etwa fünf Euro Gewinn pro Aktie schaffen kann. Daraus würde sich auf dem derzeitigen Kursniveau ein Kurs/Gewinn-Verhältnis um die 16,5 ergeben. Das ist in Relation zu so manchem Profiteur der Krise äusserst günstig, was vor allem daran liegen dürfte, dass manche Trader die Aktie gar nicht im Fokus haben. Auch, wenn man seitens einiger Experten wohl zu Recht davon ausgeht, dass 2021 dann wohl eher wenig bis kein weiterer Gewinnzuwachs zu erwarten wäre, wäre die Aktie allemal noch interessant. Nicht zuletzt, weil das Chartbild überzeugt:

Expertenmeinung: Die Aktie hatte im Zuge ihrer breit angelegten Konsolidierung über der markanten Unterstützungszone im Bereich 58,40/61,05 Euro, die zu dieser Zeit auch noch durch die mittlerweile höher gelaufene 200-Tage-Linie verstärkt wurde, einen schönen Boden ausgebildet. Mitte Juni gelang dann der Ausbruch über die April-Abwärtstrendlinie, die man als Leitstrahl der Konsolidierung ansehen durfte. Sehr positiv ist, dass sich die Leerverkäufer, die „Bären“, danach nicht umgehend wieder zurückgemeldet haben. Eine kleine „Verschnaufpause“ mündete zur Halbjahreswende in einen erneuten Kursanstieg, der das vorherige Zwischenhoch vom Juni leichtfüssig übertraf.

Auffällig dabei war, dass der Kurs auf Höhe der 20-Tage-Linie eine Unterstützung fand. Dieser gleitende Durchschnitt ebenso wie der Trendfolgeindikator MACD weisen mittlerweile klar aufwärts, was aus rein chart- und markttechnischer Sicht hiesse, dass der Weg nach oben erst einmal frei bleibt. Ein Zwischenhoch bei 88,40 Euro könnte die Aktie kurzfristig bremsen, mittelfristig aber haben die Bullen gute Vorarbeit geleistet um die Chance zu wahren, dass der Hoch dieser laufenden Aufwärtsbewegung noch nicht erreicht ist.

Drägerwerk Aktie Chart vom 07.07.2020, Kurs 82,00 Euro, Kürzel DRW3 | Online Broker LYNX

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Die im TecDAX gelistete Drägerwerk-Aktie gehört zu den weniger bekannten Aktien in diesem Index. Das mag der Grund gewesen sein, weshalb viele Anleger erst mit Zeitverzögerung bemerkten, dass das Unternehmen ein Spezialist für Medizin- und Sicherheitstechnik ist, das u.a. Schutzanzüge und Beatmungsgeräte vertreibt, die während des bisherigen Höhepunkts der Pandemie stark gefragt waren. Als Mitte März gemeldet wurde, dass Drägerwerk Beatmungsgeräte und Schutzmasken an die Bundesregierung liefern werde, explodierte der Kurs förmlich. Da die Aktie eher markteng ist und alle auf einmal einsteigen oder im Gegenzug den kurzfristigen Gewinn kassieren wollten, waren die folgenden Wochen extrem volatil. Und die Hausse blieb, wenngleich weitreichend, eher kurz, denn:

Bald darauf begannen einige zu argwöhnen, dass es sich da um einen womöglich einmaligen Umsatzschub handeln könnte. Drägerwerk meldete zwar für das erste Quartal einen immensen Umsatzanstieg und eine Verbesserung der Ertragslage. Aber wie sich das Gesamtjahr 2020 gestalten könnte, konnte man im Mai, bei der Veröffentlichung der Bilanz zum ersten Vierteljahr, seitens des Unternehmens noch nicht eingrenzen. Eine solche 2020er-Prognose soll erst mit der Vorlage des Halbjahresergebnisses geliefert werden, die derzeit für den 13. August angepeilt ist. Und so verschwand der Hype um die Aktie im Lauf des Aprils so schnell, wie er zuvor kam. Doch am Mittwoch kam wieder Leben in den Kurs. Weshalb?

Expertenmeinung: Neue Nachrichten gab es nicht, aber Handlungsbedarf für das bullische Lager. Wollte man die Aktie aus ihrer zweimonatigen Agonie, in welcher sie immer weiter abbröckelte und sich dem Level vor der Kursexplosion im März annäherte, herauslösen, war jetzt ein perfekter Zeitpunkt. Der Kurs war wieder einmal an den doppelten Leitstrahl der Korrektur, bestehend aus der 20-Tage-Linie und der April-Abwärtstrendlinie, herangelaufen. Dort war er Anfang des Monats noch nach unten abgewiesen worden, aber diesmal gelang der Befreiungsschlag … und das mit einem Plus von knapp acht Prozent auch eindeutig.

Der Vorteil für das bullische Lager ist, dass sich der Kurs einer breiten, massiven Unterstützungszone genähert hatte und zugleich seitens der Markttechnik sauber „durchkorrigiert“ war. Diese Auffangzone liegt zwischen 58,40 und 61,05 Euro und setzt sich neben der 200-Tage-Linie aus den Zwischenhochs vom Herbst und Winter sowie dem Zwischentief zusammen, das Drägerwerk nach dem ersten Rallye-Schub im März ausgebildet hatte. Das ist ein solider Boden, von dem aus der Kurs jetzt über die vorgenannten Hürden hinaus gelaufen ist. Und angesichts der Möglichkeit, dass die im August zu erwartende Prognose für das laufende Jahr sehr erfreuliche Zahlen ausweisen könnte, wäre ein Anlauf an die nächste charttechnische Hürde bei 88,40 Euro durchaus im Bereich des Möglichen.

Drägerwerk Aktie Chart vom 17.06.2020, Kurs 76,10 Euro, Kürzel DRW3 | Online Broker LYNX

Die Drägerwerk-Aktie fristete ein eher unauffälliges Dasein, bis vielen Anlegern Mitte März, als der „Lockdown“ schon lief, durch eine Meldung erst bewusst wurde, dass das Unternehmen unter anderem genau das herstellt, was umgehend und in grösseren Mengen benötigt wurde: Schutzkleidung und Beatmungsgeräte. Am Freitagnachmittag, dem 13. März, meldete Drägerwerk einen grossen Auftrag über Beatmungsgeräte und Schutzmasken der Bundesregierung. Die Aktie zog deutlich an und explodierte förmlich, als diese Meldung am Montag in grösseren Kreisen herumgereicht worden bekannt war.

Auf einmal war die Aktie äusserst volatil und schaffte es, sich per Ende März gegenüber dem Kurslevel vor der vorgenannten Meldung mehr als zu verdoppeln. Doch seither blättert der Lack sukzessiv ab. Auch, weil den Marktteilnehmern eines klar wurde: Der Anstieg des Auftragseingangs im ersten Quartal war gewaltig, aber diese Umsätze und die daraus abzuleitende Steigerung des Gewinns wurden durch die Rallye der Aktie ja bereits in den Kurs eingearbeitet. Und dieser Schub an Aufträgen für Beatmungsgeräte ist keiner, der auf Dauer aufrechterhalten würde, denn wenn die Bestände erst einmal ausreichend hochgefahren wurden, ist der Bedarf eben gedeckt.

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Expertenmeinung: Die am 30. April vorgelegte Bilanz des ersten Quartals war zwar gegenüber dem Vorjahresquartal deutlich besser ausgefallen. Aber es fiel auf, dass Drägerwerk seine vorherige Prognose für 2020 zurücknahm und keine neue Perspektive vorlegte. Die soll im Zuge der Halbjahresbilanz kommen, die indes erst Anfang/Mitte August erwartet wird. Bis dahin bleibt für die Marktteilnehmer auch die Frage offen, ob nicht womöglich andere Produkte aus dem Drägerwerk-Portfolio, das vor allem die Medizin- und Sicherheitstechnik abdeckt, aufgrund der Pandemie-Beschränkungen weniger nachgefragt werden und dadurch den Anstieg von Umsatz und Gewinn insgesamt abbremsen könnten.

Die Aktie lässt seit einigen Wochen den Kopf hängen, die „Goldgräberstimmung“ ist vom Tisch. Aber auch, wenn zuletzt tiefere Zwischenhochs und tiefere Zwischentiefs Ungemach andeuten: Noch ist der Keil, den man im Chart erkennen kann, potenziell bullisch, eine sogenannte Konsolidierungsformation, die oft nach oben verlassen wird. Aber um diese Chance eines „bullischen Keils“ wäre es umgehend geschehen, wenn die Käufer jetzt nicht zügig aufwachen würden. Sobald Drägerwerk über 77 Euro schliessen würde, wäre damit die obere Begrenzung des Keils nebst der knapp darüber wartenden 20-Tage-Linie bezwungen und das Gesamtbild wieder positiv. Aber würde die Aktie mit Schlusskursen unter 68 Euro aus diesem Keil nach unten heraus rutschen, wäre der Weg für die Bären wieder frei, ein Test der bei aktuell 57,15 Euro verlaufenden 200-Tage-Linie allemal denkbar.

Drägerwerk Aktie Chart vom 19.05.2020, Kurs 72,00 Euro, Kürzel DRW3 | Online Broker LYNX

 

Nein, die Drägerwerk-Aktie hat ihr Allzeithoch noch nicht erreicht, das wurde im April 2015 bei 123,70 Euro markiert. Aber gegenüber dem Niveau vor zweieinhalb Wochen hatte sich der Kurs am Freitag kurzzeitig glatt verdoppelt. Und läge dem Rekordhoch damit näher als dem Niveau vom Monatsanfang. Und das, während der deutsche Aktienmarkt den brutalsten Baisse-Impuls verdauen muss, den es bislang gab. Sie ahnen es: Drägerwerk produziert irgendetwas, das während dieser Pandemie benötigt wird.

Und ja, das Unternehmen meldete am Freitagmorgen auch, dass man derzeit eine stark steigende Nachfrage nach Beatmungsgeräten und Schutzausrüstung verzeichne. Was nicht wundert. Nur hatten viele Marktteilnehmer offenbar vorher nicht gewusst, dass Drägerwerk solche Dinge herstellt. Der Name des Unternehmens lässt eben nicht darauf schliessen. Drägerwerk ist ein Traditionsunternehmen, das sich auf Geräte und Systeme in den Bereichen Medizin- und Sicherheits-/Notfalltechnik spezialisiert hat. Dazu gehört somit auch, was jetzt immense Nachfrage verspürt, aber dieser Kurssprung … wird der denn auch wirklich von den Fundamentals getragen? Oder läuft, wer jetzt glaubt, sich hier zu plötzlich doppelt so hohen Kursen in eine Goldgrube einkaufen zu können, in die Falle?

Expertenmeinung: Am 5. März hatte Drägerwerk seine 2019er-Bilanz vorgelegt: Umsatz +7,2 Prozent, Gewinn vor Steuern und Zinsen +3,9 Prozent. Ein Wachstum im Rahmen des Medizintechnik-Marktes. Die Gewinnmarge lag bei sehr moderaten 2,4 Prozent. Die Prognose für 2020 lag für Umsatzwachstum und Marge in beiden Fällen in einem defensiv gehaltenen Korridor zwischen einem und vier Prozent. Sogar auf Basis eines Gewinnwachstums von zehn Prozent in 2020 läge das Kurs/Gewinn-Verhältnis derzeit um 40 und damit für diese Wachstumsraten eigentlich um das Doppelte zu hoch. Das vorherige Kursniveau zwischen 50 und 60 Euro wäre daher angemessen, dieses aktuell um so viel höhere Level nicht.

Es sei denn, dass Drägerwerk auf einmal mit Beatmungsgeräten und Schutzausrüstungen einen weit höheren Anteil des Umsatzes abdeckt als zuvor und das auch dauerhaft so bleiben wird. Aber da liegt der Pferdefuss: Wenn die Pandemie ihren Höhepunkt erreicht hat, wird die Nachfrage nicht langsam ein wenig kleiner, sondern befriedigt sein. Diese immense Nachfrage heute ist keine nachhaltige Veränderung. Was heute und morgen gekauft wird, ist im nächsten Jahr bereits vorhanden und muss nicht schon wiedergekauft werden, denn es geht hier ja nicht um Einmal-Handschuhe, sondern um jahrelang betreibbare Gerätschaften. Eine dauerhafte Verlagerung der Gewinne auf eine diesem Kurssprung entsprechende, doppelt so hohe Ebene ist daher nicht besonders wahrscheinlich. Käufer, die jetzt, zum doppelten Preis wie vor zwei, drei Wochen, in die Aktie hineindrängen, laufen daher Gefahr, zu Preisen einzusteigen, die kurzfristig vielleicht noch in der allgemeinen Hysterie überboten werden können, mittelfristig aber womöglich nicht zu halten sein werden.

Drägerwerk Aktie Chart vom 27.03.2020, Kurs 94,20 Euro, Kürzel DRW3 | Online Broker LYNX