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Aktienanalyse:
MTU Aero Engines: Beendet dieser „Ritterschlag“ die Hausse?

Aktuelle Analyse der MTU Aero Engines Aktie

Am späten Mittwochabend wurde gemeldet, dass thyssenkrupp am 28. September den Aero Engines diesen Platz bekommen wird. Die Aktie quittierte diese Nachricht am Donnerstag zunächst mit einem neuen Verlaufsrekord bei 257,20 Euro … und drehte dann ins Minus. Ist eine Aufnahme in den DAX etwa kein „Ritterschlag“? Rückt MTU Aero Engines damit etwa nicht ins Rampenlicht der internationalen Investoren, die sich bei Investments in Deutschlands meist auf die Blue Chips des DAX konzentrieren?

Doch, das ist im Prinzip richtig. Aber manch einer mag argwöhnen, dass dieser Aufstieg in die erste Liga der Aktie am Ende nicht gut bekommen wird und nimmt Gewinne mit. Denn die beiden letzten Neuzugänge, Covestro und Wirecard, sahen ihre Hochs kurz vor dem DAX-Aufstieg (diese beiden Aktien sehen wir uns heute auch an).

Und das war kein Zufall, wenn man über diese Erwartung hinausdenkt, dass mehr Investoren zugreifen könnten, weil die Aktie jetzt in einem Index mit einer höheren Wahrnehmung gelistet ist. Zunächst sollte man wissen, wie solche Veränderungen der Index-Zusammensetzung zustande kommen:

Die Kriterien für einen Auf- oder Abstieg aus den deutschen Indizes sind die Marktkapitalisierung des Unternehmens und der Umsatz. Wenn ein Unternehmen nach beiden Kriterien zu den 30 größten in Deutschland gehört, kann es in den DAX aufsteigen.

Fällt hingegen ein Unternehmen in dieser Rangliste unter Platz 40, fliegt es aus dem DAX, wenn ein anderes, nicht im DAX notiertes Unternehmen mindestens Platz 35 erreicht. Bis auf Ausnahmen im Zuge einer sogenannten „Fast Entry“-Regel werden solche Wechsel immer im September vorgenommen. Was aber auch heißt: Man konnte sich anhand der Marktkapitalisierung der MTU-Aktie ausrechnen, dass sie ein heißer Kandidat für den DAX ist. Und nicht wenige kauften dementsprechend schon mal vorher. Diese Käufer fehlen jetzt. Und:

Eigentlich ist diese Regelung clever, um den DAX zu stützen. Denn da Marktkapitalisierung und nominaler Umsatz steigen, je höher eine Aktie steigt, werden so Aktien mit einem starken, Aufwärtstrend in den DAX aufgenommen und Aktien, die wegen eines Abwärtstrends immer weniger Marktkapitalisierung aufweisen, verschwinden und können nicht mehr auf den DAX drücken.

Das Dumme dabei ist aber, dass eine stark gestiegene Marktkapitalisierung nicht bedeutet, dass der Kurslevel, der da erreicht wurde, auch eine günstige Bewertung bedeutet und/oder die Perspektive eines solchen Unternehmens zwingend positiv wäre. Und da gerade Aktien mit einer Super-Hausse gerne überzogen weit laufen, ist es nicht unbedingt überraschend, wenn Vorkäufe als Spekulation auf den DAX-Aufstieg einen Anstieg derart überziehen, dass die Luft aus dem Kurs herausgeht, sobald die „Beförderung“ in den DAX entschieden ist.

MTU Aero Engines macht zwar gute Geschäfte: Der Triebwerkhersteller konnte in den vergangenen Jahren stetig wachsende Gewinne vorweisen. Und auch für das laufende Jahr rechnen die Analysten im Schnitt mit einem Gewinnzuwachs von immerhin 16 Prozent. Aber daraus errechnet sich derzeit ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von 24. Klar über der Bewertung der vergangenen Jahre und sehr hoch, wenn man bedenkt, dass wir hier einen Zulieferer der konjunktursensiblen Luftfahrtindustrie vor uns haben.

Es war deshalb nicht wirklich eine Überraschung, dass die Experten von Independent Research die Aktie gestern umgehend von „Halten“ auf „Verkaufen“ herunter stuften und das Kursziel bei 249 Euro ansetzten: Dort ahnt man, dass dieser Ritterschlag die Hausse der Aktie womöglich beendet hat.

Daher sollte man sich genau überlegen, ob man diesen Aufstieg als Basis eines Einstiegs in diese Aktie sehen will, zumal auch die Charttechnik deutlich macht, dass es hier ganz leicht zackig abwärts gehen kann. Zum einen ist die Aktie recht heiß gelaufen, das sieht man im langfristigen Chartbild:

Chart auf Wochenbasis vom 05.09.2019, Kurs 246,00 Euro, Kürzel MTX | Online Broker Aktienempfehlungen

 

Dort ist der Stochastik-Oszillator überkauft, nachdem der Steigungswinkel der jahrelangen Hausse in den letzten Jahren immer größer wurde. Und das gestrige Minus, dieser Turnaround am Tag eines neuen Verlaufsrekords, hat den Kurs jetzt an die kurzfristig entscheidende Kreuzunterstützung aus der oberen Begrenzung des im Januar etablierten Aufwärtstrendkanals und der 20-Tage-Linie gedrückt.

Würde MTU Aero Engines unter 240 Euro schließen und damit nicht nur in diesen Trendkanal zurück fallen, sondern auch das kleine Zwischentief der Vorwoche unterbieten, wäre aus charttechnischer Sicht Luft bis an die untere Begrenzung dieses Trendkanals bei derzeit 213 Euro. Und selbst dann wäre die Aktie vom Kurs/Gewinn-Verhältnis her mit knapp 21 für eine sehr zyklische Aktie noch nicht „billig“. Es wäre daher keine allzu große Überraschung, wenn MTU ihren Vorgängern Wirecard und Covestro folgen und mit dem Aufstieg in den DAX der Abstieg des Kurses beginnen würde!

Chart auf Tagesbasis vom 05.09.2019, Kurs 246,00 Euro, Kürzel MTX | Online Broker Aktienempfehlungen

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