Bilfinger SE – die Ära Koch ist vorbei

Fundamentale Betrachtung

Bilfinger gilt vielen Menschen in Deutschland immer noch als ein großer deutscher Baukonzern, jedoch hat sich das Geschäftsmodell, der in Mannheim ansässigen Bilfinger SE stark gewandelt. Heute begreift sich das Unternehmen als Multi-Service-Gruppe für Immobilien und Infrastruktur, aber auch für Industrieanlagen- und Kraftwerkebau. Der Konzern bietet somit alle Dienstleistungen  rund um das Baugeschäft an. Die Bilfinger SE gliedert sich in die Geschäftsbereiche „Industrial“, „Power“, „Building and Facility“ und „Construction“.

Das Unternehmen kann auf eine lange Firmengeschichte verweisen. Die Wurzeln reichen bis in die Jahre 1880 und 1890 zurück. Damals wurde die Grün & Bilfinger gegründet und später die Julius Berger Tiefbau und Berlinische Boden-Gesellschaft. Nach mehreren Übernahmen war es 1975 so weit – die Fusion zur Bilfinger + Berger AG war besiegelt. An den Schritten zum Aufbau eines großen deutschen Baukonzerns war die Dresdner Bank unter Jürgen Ponto in den 1960er-Jahren maßgeblich beteiligt. Heute ist der Konzern kein reiner Baukonzern mehr. Neben dem klassischen Baugeschäft ist man heute im internationalen Engineering und als Service-Konzern im globalen Industrie-, Kraftwerks- und Immobiliensektor tätig. Die Bilfinger + Berger AG wandelte sich 2010 in eine europäische Aktiengesellschaft um und firmiert seit 2012 nur noch unter dem Namen Bilfinger SE. Heute ist die Bilfinger SE in allen Regionen der Welt vertreten. Hauptstandort ist Deutschland mit 26.751 Mitarbeitern, im übrigen Europa sind es 34.167, in Nordamerika 3.820, in Südamerika 174, in Afrika 2.250, in Asien 6.966 und in Australien 148 Mitarbeiter.

Die Analysten von Commerzbank, S&P Capital, NordLB, Merrill Lynch, HSBC, Exane BNP, Equinet, UBS, Kepler Cheuvreux, Independent Research, Deutsche Bank, Bankhaus Lampe, DZ Bank und Goldman Sachs haben 2014 Analysen zur Aktie der Bilfinger SE gefertigt. Überwiegend rieten die Analysten, die Aktie zu halten (zehn Analysen mit dem Votum „neutral“ beziehungsweise „hold“), nur drei Analysten empfehlen den Kauf des Papiers, zwei Analysten setzten die Aktie auf „sell“. Die Kurszielspanne reicht von 50,00 Euro (Independent Research vom 05.08.2014) bis 102,00 Euro (Commerzbank vom 11.02.2014). Kumuliert man die Kursziele der 15 Analysen, so ergibt sich daraus ein durchschnittliches Kursziel in Höhe von 68,87 Euro. Rein nach diesen Zahlen ergäbe sich noch ein mögliches Potenzial für das Wertpapier, doch die Aktie ist derzeit fundamental und auch charttechnisch angeschlagen. Sie ging am Freitag mit einem Kurs von 52,64 Euro aus dem Xetra-Handel. Der Markt bewertet Bilfinger SE folglich mit 2,42 Mrd. Euro. Das war im April noch anders. Damals stand die Aktie mit über 90,00 Euro hoch im Kurs der Anlegerschaft. Zum Hoch im April von 92,72 Euro lag die Marktkapitalisierung bei 4,27 Mrd. Euro. In knapp dreieinhalb Monaten 1,85 Mrd. Euro an Marktwert zu verlieren, ist schon eine heftige Entwicklung. Noch schneller fällt unter den großen deutschen Börsenwerten wohl sonst nur noch die adidas AG; Bilfinger dürfte da in geringem Abstand folgen.

Für das Geschäftsjahr 2013 (bilanziert wird bei Bilfinger zum 31.12. gemäß IFRS) wies der Konzern einen Umsatz in Höhe von 8,4 Mrd. Euro aus. Das Ergebnis der gewerblichen Geschäftstätigkeit betrug 246,6 Mio. Euro, das Beteiligungsergebnis lag bei 32,50 Mio. Euro, das Zinsergebnis fällt mit –37,8 Mio. Euro noch negativer aus als in den Jahren zuvor. Als Jahresüberschuss wurden folglich nur 172,8 Mio. Euro erzielt. Im Vergleich zum Vorjahr sind dies über 100 Mio. Euro weniger. Das Ergebnis je Aktie lag netto bei 5,64 Euro, die Ausschüttungssumme bei 132,5 Mio. Euro, und demnach zahlte Bilfinger SE 3,00 Euro je Anteilsschein. Für 2013 führte Bilfinger SE laut Angaben 74.276 Mitarbeiter. In der Bilanz für 2013 sind 668,7 Mio. Euro an liquiden Mitteln ausgewiesen, 2,0 Mrd. Euro an wirtschaftlichem Eigenkapital, 138,1 Mio. Euro an gezeichnetem Kapital, Verbindlichkeiten in Höhe von 3,1 Mrd. Euro und Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten von 69,3 Mio. Euro. Die Bilanzsumme beträgt damit 6,5 Mrd. Euro. In den Bilanzprognosen für 2014 und 2015 werden Umsätze in Höhe von 7,87 Mrd. Euro und 8,15 Mrd. Euro angeführt. Das EBIT sollte 2014 302,25 Mio. Euro betragen, 2015 sollen es 395,80 Mio. sein. Der Gewinn je Aktie fällt 2014 auf 5,45 Euro und soll 2015 bei 5,9907 Euro stehen. Die Dividende in Höhe von 3,00 Euro je Anteilsschein soll aufrechterhalten werden. Der Cashflow je Aktie soll 2014 bei 7,1179 Euro und 2015 bei 9,087 Euro pro Stück liegen. Für 2014 weist Bilfinger SE einen Nettogeldbestand in Höhe von 78,87 Mio. Euro und für 2015 sogar einen von 150,60 Mio. Euro aus.

Nach  dem Abgang von CEO Roland Koch und den Gewinnwarnungen ist zu fragen, welches Ungemach wohl noch auf den Bilfinger-Aktionär zukommen mag. Am 04.08. wurde die Prognose für 2014, die man erst am 30.06. publizierte, reduziert (und bereits diese Prognose stellte eine Absenkung dar). Geht man jetzt von einem um rund 25 Mio. Euro niedrigeren Konzernergebnis von 205 bis 220 Mio. Euro aus. Bilfinger wird am Montag, den 11.08.2014 den Zwischenbericht für das erste Halbjahr vorlegen, am 12.11. kommen die Zahlen zum dritten Quartal 2014. Der Aufsichtsrat hat nach Kochs Abgang Herbert Bodner kommissarisch als neuen CEO verpflichtet. Bodner war bereits von 1999 bis 2011 Vorsitzender des Vorstands. Bodner und Koch werden die Übergabe vertrauensvoll meistern, heißt es in der Mannheimer Zentrale. Vorsitzender des Aufsichtsrates der Bilfinger SE ist Dr. Bernhard Walter, der ehemalige Sprecher des Vorstands der Dresdner Bank AG. In einem Aktienkurs, der dermaßen eingebrochen ist, könnte man jedoch eine Abwärtsübertreibung sehen. Die Aktie ist stark abgestraft worden – das Marktumfeld der letzten Handelswoche gab dem Papier vermutlich den Rest. Möglicherweise steht eine Erholung rein technischer Natur schon ab Montag bevor.

Charttechnische Betrachtung

Bis zum April diesen Jahres konnte sich die Aktie von Bilfinger sehr gut behaupten und stieg seit Ende 2009 um teilweise mehr als 100 Prozent. Das Hoch wurde knapp über der Marke von 92,50 Euro markiert, bevor es zunächst im Rahmen einer normalen Konsolidierung in Richtung 82,50 Euro ging. In den vergangenen sechs Wochen musste der Wert dann jedoch eine sehr starke Momentum-Bewegung nach unten verkraften, welche so gut wie alle Regeln der charttechnischen Analyse außer Kraft setzte. Von etwa 82,50 Euro fiel die Aktie bis knapp vor die Marke von 50,00 Euro, ein  Minus von fast 40 Prozent. Aus charttechnischer Sicht mit einem recht kurzfristigen Trading-Fokus von oft nur wenigen Tagen ist jeglicher Handel dieses Wertes als sehr aggressiv zu werten. Die hohe Volatilität, verbunden mit teilweise größeren Kurssprüngen, erleichtert nicht gerade ein kontrolliertes Trade-Management. Generell liegt der Druck eindeutig auf der Short-Seite, was den Vorteil auch in diese Richtung verschiebt. Erholungen an Widerständen wie zum Beispiel 60,00 oder 65,00 Euro wären gegebenenfalls interessante Einstiegsgelegenheiten. Doch charttechnisch sind Käufe derzeit nicht unbedingt ratsam.

Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in dem besprochenen Wertpapier bzw. Basiswert zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse nicht investiert.

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