XAUUSD Prognose Gold: Der Kesseldruck steigt

News: Aktuelle Gold Analyse des London Gold Spot

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Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Vorherige Analysen des London Gold Spot

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Wir beabsichtigen nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Ende letzter Woche wurde gemeldet, der drastische Einfuhrzoll von 39 Prozent, zu dem die USA die Schweiz verdonnert haben, würde auch für die dort gegossenen Goldbarren gelten. Am Montagabend wurde das vom US-Präsidenten dementiert – aber Gold stieg nicht. Wieso?

Weil es zuvor auch nicht gefallen war. Denn für die Schweiz, in der der Grossteil der gängigen, grossen Ein-Kilo- und 100-Unzen-Barren gegossen wird, wäre das zwar ein Schlag gewesen, nicht aber für die Goldnachfrage an sich. Man wäre, wenn es denn zu einem solchen, diese Barren in den USA natürlich komplett unrentabel machenden Zoll gekommen wäre, einfach auf andere Wege ausgewichen, wenn man sein Gold wirklich „physisch“ haben möchte. Daher gab es aufgrund dieser Meldung auch keinen Sell-off beim Goldpreis. Warum also hätten Trader jetzt, nachdem Donald Trump erklärte, Gold werde nicht mit Zoll belegt, einsteigen sollen?

Aber dann hätte der Goldpreis ja wenigstens stabil bleiben können. Warum fiel er am Montag? Aus anderen Gründen. Das mit den Zöllen fiel nur zufällig zeitlich mit einem schwachen Tag beim Goldpreis zusammen. Drei Faktoren dürften dafür, dass Gold zum Wochenstart schwächer notierte, entscheidend gewesen sein:

Expertenmeinung: Erstens verkündete das Weisse Haus, man habe – auf den letzten Drücker – die Frist bis zum Beginn der zuletzt wegen der Verhandlungen gesenkten Einfuhrzölle auf chinesische Waren um weitere 90 Tage verlängert. Damit wurde ein Damoklesschwert für die Börsen erst einmal wieder ein Stück höher gehängt.

Zweitens erklärte Donald Trump am Montag, dass er nicht vorhabe, beim Treffen mit Putin am Freitag einen „Deal“ zu machen. Einfach, weil er dafür nicht zuständig sei, das müssten Russland und die Ukraine tun. Das reduziert aus Sicht der Investoren die Gefahr, dass es bei diesem Treffen zu einer heftigen Konfrontation mit entsprechend problematischen geopolitischen Folgen kommt. Und damit gab es keinen Grund, mit Blick auf diesen Termin in Alaska gezielt Gold als vermeintlich „sicheren Hafen“ zu kaufen.

Und drittens war der Goldpreis einigermassen „reif“ für einen Rücksetzer, weil er der oberen Begrenzung der immerhin schon seit Ende Mai geltenden, engen Handelsspanne nahegekommen war. Da es keine neuen Argumente für die bullische Seite gab, wechselten die ganz kurzfristigen Range-Trader einfach die Seite.

Gold könnte jederzeit nach oben ausbrechen. Dazu müsste der Kurs die Widerstandszone 3.440 zu 3.500 US-Dollar bezwingen. Aber dazu bräuchte es einen unmittelbaren Anlass, der stark genug wirkt, um entweder zu verhindern, dass die Range-Trader „oben“ ihre Positionen drehen, oder der so starke Käufe generiert, dass diese die kurzfristigen Akteure einfach überrennen.

Käme es zu einem Ausbruch, könnte der leicht rasend schnell erfolgen, sodass man hier, wenn man auf eine Einstiegs- oder Zukaufchance long lauert, recht aufmerksam agieren müsste. Aber aus aktueller Sicht wäre ständige Wachsamkeit dem Vorgriff auf einen Ausbruch definitiv vorzuziehen. Da sollten erst klare, charttechnische Fakten vorliegen, bevor man bei Gold auf neue Rekorde setzt.

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
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Auf Monatsbasis ist Gold markttechnisch überkauft, dass es einem schwindlig werden kann. Die beiden Vormonate präsentieren sich im Candlestick-Chart als Dojis unterhalb des Rekord-Hochs. Alles eine Grundlage für eine Korrektur. Aber die Bullen treten trotzdem wieder an.

In der bisherigen 2025er-Performance hat der DAX die grossen US-Indizes deutlich abgehängt. Das ist ungewöhnlich. Aber dass der Goldpreis wiederum den DAX deutlich hinter sich gelassen hat, das ist noch weit ungewöhnlicher. Gold ist nicht mehr „nur“ ein vermeintlich sicherer Hafen für diejenigen, die in einem sehr spekulativ gefärbten Aktienmarkt imstande sind, auch die Risiken wahrzunehmen. Gold ist selbst ein brandheisses, spekulatives Asset geworden.

Gold: Monats-Chart vom 22.07.2025, Kurs 3.431,70 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Gold: Monats-Chart vom 22.07.2025, Kurs 3.431,70 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Quelle: TWS

Was indes nicht zwingend bedeutet, dass hier eine vergleichbare hohe Gefahr existiert, dass es zu einem „Sudden Death“ der Hausse kommen muss. Aber wer hier auf der Long-Seite unterwegs ist, sollte besser nicht einfach davon ausgehen, dass die bislang gut 30 Prozent Kursanstieg des Edelmetalls erst der Beginn der Super-Hausse sind. Das kann tatsächlich so sein. Aber auch, wenn hier immer mehr Akteure einfach spekulativ traden und dem Trend folgen, muss es nicht so kommen. Das Problem dabei ist:

Expertenmeinung: Ob und wann der Goldpreis nennenswert neue Höhen erreicht, hängt sehr von der geopolitischen Entwicklung und der Politik im Weissen Haus ab. Von den Zöllen und ihren Auswirkungen, von der Fiskalpolitik und nicht zuletzt davon, wie es mit der US-Notenbank weitergeht. Angenommen, dem US-Präsidenten würde es wirklich gelingen, einen Notenbankchef zu installieren, der tut, was Trump von ihm verlangt, egal, ob das mit Jerome Powells Absetzung geschähe oder nach dem regulären Ende von dessen Amtszeit im kommenden Mai: Gold würde vermutlich heiss begehrt sein. Würde es nicht zu einem eher gütlichen Ende des Zoll-Theaters kommen, wovon viele am Aktienmarkt derzeit ausgehen, würde das Gold ebenso unterstützen.

Aber würde das alles weit weniger heiss gegessen, als es jetzt gekocht wird, so kann es gut sein, dass Gold eine grössere Korrektur beginnt. Je nach Lageentwicklung sogar eine sehr grosse. Das Dumme ist: Man kann es nicht absehen, wie sich diese für Gold so wichtigen Dinge entwickeln werden. Und das erhöht das Risiko.

Aber hier und heute läuft die Frist für die Zölle noch. Die für China sogar deutlich über den 1. August hinaus. Auch in Bezug auf die Notenbank wäre eine ganz kurzfristige Entscheidung eher überraschend, sprich: Die Trader hätten Zeit, Fakten zu schaffen, ohne vom Nachrichtenticker kalt erwischt zu werden. Und das bullische Lager versucht jetzt genau das.

Gold: Tages-Chart vom 22.07.2025, Kurs 3.431,70 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Gold: Tages-Chart vom 22.07.2025, Kurs 3.431,70 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Quelle: TWS

Sie sehen im Chart auf Tagesbasis, dass die zur Jahreswende etablierte Aufwärtstrendlinie zwar seit Monatsanfang immer wieder belagert, zum Schlusskurs aber jeweils gehalten wurde. Das ist das Sprungbrett, von dem aus der Goldpreis jetzt anzieht und dabei die entscheidende, auf der Oberseite durch das Verlaufshoch begrenzte Widerstandszone 3.440/3.500 US-Dollar attackiert. Da der Kurs in den vergangenen Wochen relativ ruhig seitwärts unterwegs war, würden die markttechnischen Indikatoren für einen Ausbruch nach oben den nötigen Spielraum bieten, das kann also klappen.

Aber „kann“ birgt eben auch die Möglichkeit, dass der Kurs in dieser Zone abgewiesen wird oder es zu einem Fehlausbruch kommt. Daher kann es nicht schaden, wenn man für sehr spekulative und ggf. hoch gehebelte Long-Positionen mit Stoppkursen arbeitet, die man im Fall eines Ausbruchs über diese bisherige Bestmarke von 3.500 US-Dollar umgehend in den Bereich kann unterhalb dieser Januar-Aufwärtstrendlinie nachzieht. Denn die für Gold so wichtige Nachrichtenlage ist aktuell eben eine Wundertüte, die ggf. auch mal etwas für die Gold-Bären enthalten könnte.

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

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Die Reaktion war genau die, mit der man auf logischer Ebene rechnen konnte: In Nahost eskaliert die Lage, die Aktien rutschen ab, Gold legt zu. Dadurch haben die Bullen beim Goldpreis eine perfekte Ausgangslage, zumindest, wenn es weiterhin logisch zugeht.

Der Chartbild bedeutet schon fast einen „Elfmeter“ für die bullische Seite. Sie sehen, dass der Goldpreis die Konsolidierungsformation, die sich im April etabliert hatte, bereits Anfang Juni nach oben verlassen hatte, danach auf die obere Linie sowie die 20-Tage-Linie zurücksetzte und von dort aus jetzt erneut dynamisch anzieht. Damit ist die Formation tatsächlich zu einer „bullischen Flagge“ geworden. Unterstützend hat der Trendfolgeindikator MACD, den Sie im Chart unten eingeblendet sehen, ein Kaufsignal generiert. Und das bisherige Verlaufshoch ist mit 3.500 US-Dollar in unmittelbarer Reichweite … was könnte da in Bezug auf neue Hochs noch schiefgehen!?

Expertenmeinung: Dass sich die Rahmenbedingungen bislang nur „gefühlt“ verbessert haben, weil es in Bezug auf die US-Zölle zwar grosse Sprüche, aber wenig echte Lösungen gibt, wurde am Aktienmarkt wochenlang ignoriert. Falls der eskalierte Nahostkonflikt, der am Freitag Auslöser eines kräftigen Anstiegs bei Gold war, dazu führt, dass Kapital aus dem Aktienmarkt herausfliesst, würden potenziell „sichere Häfen“ wie Gold davon normalerweise profitieren, indem ein Teil des freiwerdenden Geldes nicht „geparkt“ wird, sondern in Edelmetalle fliesst …

… was umso wahrscheinlicher wird, je positiver sich dort das Chartbild darstellt. Und das ist, wie gesagt, derzeit bullisch. Bullisch genug, um auch ohne den Faktor einer Flucht in „sichere Häfen“ Trader auf die Long-Seite zu locken. Die grundsätzliche Basis für einen Run an und über das bisherige Allzeithoch von 3.500 US-Dollar ist also da. Kritisch würde es aber genau in dem Moment, in dem man eigentlich mit besonders stark steigenden Kursen rechnen würde, konkret, wenn am Aktienmarkt Panik aufkommt. Das könnte Gold bremsen oder sogar mit nach unten ziehen. Warum?

Wir haben das gerade erst Anfang April erlebt. In den Tagen vor und während des „Mini-Crashs“ vom 7. April fielen nicht nur die Aktien, sondern auch der Goldpreis. Denn wenn es an den Märkten richtig heftig zugeht, neigen vor allem grosse internationale Investoren dazu, sicherheitshalber in allen Bereichen die Barreserve hochzufahren, um dann, wenn sich das Chaos etwas verringert hat, zu entscheiden, in welche Sektoren man das Kapital wieder investiert. Und als Trump am 9. April seinen Zoll-Hammer zurücknahm und stattdessen ein 90-Tage-Moratorium verkündete, stieg Gold mit den Aktienmärkten mit.

Eine Abkopplung des Goldes im Fall stärker nachgebender Aktienmärkte ist also nicht zwingend. Es wird davon abhängen, ob sich am Markt der Eindruck, dass jetzt zu viel schiefläuft, verstetigen wird und ob das dann zu einem eher geordneten Rückzug bei den Aktien führt … was dann eher einen Switch direkt in Gold unterstützt … oder gleich Panik ausbricht, die dann zu „Rundum-Verkäufen“ führt. Die kommenden Tage werden es zeigen, aber die bessere Ausgangslage haben jetzt definitiv die Bullen.

Gold: Chart vom 13.06.2025, Kurs 3.432,77 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Gold: Chart vom 13.06.2025, Kurs 3.432,77 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Quelle: TWS
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Je weiter die Aktienmärkte steigen, desto mehr sehen sich diejenigen bestätigt, die sicher sind, dass sich die Risiken für die Weltwirtschaft bald verringern werden. Aber mit echten, positiven Fakten kann man da noch nicht aufwarten. Für Gold-Trader eine knifflige Ausgangslage.

Als Ende letzten Jahres immer deutlicher wurde, dass der neue US-Präsident seine im Wahlkampf verkündeten Massnahmen offenbar kompromisslos und umgehend umsetzen wird, begann der Goldpreis zu steigen. Seitdem sich zur Jahreswende der aktuell laufende Aufwärtstrend etablierte, hatte das Edelmetall in der Spitze fast 35 Prozent zugelegt und mit 3.500 US-Dollar ein neues Rekordhoch erreicht, während vor allem der US-Aktienmarkt und die US-Anleihen Mittelabflüsse sahen.

Dieses Rekordhoch stammt vom 22. April, seither konsolidiert der Kurs, vor allem, seit Anfang Mai der Versuch fehlschlug, dieses Hoch anzugehen und zu überbieten. Man weiss offenbar bei den grossen Adressen nicht recht, ob man neue, massive Käufe riskieren oder doch besser die immer noch hervorragenden, bisherigen Jahresgewinne nutzen sollte, um Positionen abzubauen. Wo liegt das Problem?

Expertenmeinung: Es liegt in diesem so schwierigen Faktor der Hoffnung. Diese Hoffnung kann grosse Kursbewegungen auslösen, umso grösser, je komplexer und unübersichtlicher die Probleme sind, mit denen sich die Anleger konfrontiert sehen. Viele kaufen seit Wochen am Aktienmarkt, weil sie von der Komplexität der derzeitigen Gesamtsituation überfordert sind, diese deswegen einfach ausblenden und der Herde folgen. Die indes aus genauso mit Hoffnung als Treibstoff laufenden Käufern besteht.

Da das ein Prozess werden kann, der sich aus sich selbst heraus nährt, könnte der Aktienmarkt auch noch weiter stiegen, ohne dass tatsächlich positive Fakten die Bewegung unterfüttern. Doch diejenigen, die da gerade bei DAX, Dow Jones & Co. zulangen sind eben eigentlich diejenigen, die man als Käufer beim Gold bräuchte, um wirklich nach oben etwas zu bewegen. Was hiesse:

Wer momentan bei Gold auf der Long-Seite steht, wartet darauf, dass die Aktienmarkt-Rallye kippt und die Rückkehr der Angst vor massiven Problemen in der Weltwirtschaft dazu führt, dass Anleger wieder in den vermeintlich „sicheren Hafen“ des Goldes einfahren und idealerweise neue Käufer hinzukommen, die das Edelmetall erst jetzt für sich entdecken. Dazu dürfte aber ein Aufwärtsimpuls des Goldpreises alleine eher nicht ausreichen. Dazu müssten die Aktienmärkte wanken. Und nur, weil Gold anzieht, werden sie das eher nicht tun.

Gold: Chart vom 29.05.2025, Kurs 3.317,00 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Gold: Chart vom 29.05.2025, Kurs 3.317,00 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Quelle: TWS

In einer Ausgangslage wie dieser wundert es nicht, wenn Gold mit einer offenen, aber spannenden Chartkonstellation aufwartet. Was wir hier im Chart in rot gehalten sehen, kann Teil einer Toppbildung sein, kann aber auch eine „Bullen-Flagge“ sein, d.h. eine Konsolidierung über einer intakten Aufwärtstrendlinie (blau), die sich nach oben auflöst und dadurch das Aufwärts-Momentum reaktiviert.

Die Entscheidung dürfte eher früher als später fallen … und könnte, wenn sich am Aktienmarkt nichts Entscheidendes tut, auch im Alleingang vollzogen werden. Wobei man vermuten dürfte, dass ein Ausbruch aus dieser „Flagge“ nach oben kaum negative Auswirkungen auf die Aktien hätte, ein Bruch der aktuell um die 3.155 US-Dollar verlaufenden Januar-Aufwärtstrendlinie bei den Aktien-Tradern aber als Bestätigung ihrer laufenden Käufe gesehen werden könnte.

Wenn die Gold-Bullen also etwas zu ihren Gunsten bewegen wollen, müssten sie den Goldpreis mit Schlusskursen über 3.366 US-Dollar zeitnah und signifikant aus dieser Konsolidierungsformation nach oben hinaus bekommen und hoffen, dass sie dabei dann nicht von der nächsten Kaufwelle am Aktienmarkt abrupt ausgebremst werden. Und das dürfte, wie eingangs geschrieben, ohne die Schützenhilfe kippender Aktienindizes eine knifflige Sache werden.

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Vor ein paar Wochen hätte wohl kaum jemand ein Doppeltopp beim Goldpreis auch nur als realistische Möglichkeit gesehen. Jetzt steht das Edelmetall aber kurz davor, eine solche Abwärtswende-Formation zu vollenden. Womit wäre zu rechnen, wenn die signifikant wird?

Am Aktienmarkt wird wieder beherzt zugelangt, die grossen Indizes nähern sich ihren vorherigen Hochs, der DAX hat das bisherige Rekordhoch sogar schon überboten. Da sehen nicht wenige Anleger keine Notwendigkeit mehr, ausgerechnet jetzt in sogenannte „sichere Häfen“ zu investieren, so dass dem Goldpreis derzeit die Käufer ausgehen.

Dabei ist es nicht zwingend für ein Abrutschen des Kurses, dass allzu viele Trader unmittelbar auf Baisse spekulieren. Käufermangel nebst einem zuvor schnell und weit gestiegenen Kurs, bei dem man immer noch ordentliche Gewinne mitnehmen kann, können reichen, um eine grössere Korrektur auszulösen. Die dann starten dürfte, wenn das im Chartbild zu sehende, momentan noch nicht vollendete Doppeltopp tatsächlich signifikant abgeschlossen würde. Wobei ein anderer Aspekt nur eine Nebenrolle spielt:

Expertenmeinung: Dass sich faktisch eigentlich wenig gegenüber der Situation verändert hat, aufgrund derer die Aktienmärkte im März und der ersten Aprilhälfte in die Knie gingen, ist tatsächlich eher zweitrangig. Der Anschein einer Besserung durch ausgesetzte Zölle und vage Einigungen reicht vielen, um bei den Aktien wieder zu kaufen. Dass das mittelfristig schiefgehen könnte, ist zwar richtig. Aber für viele zählt nur das Hier und Jetzt … und gerade in einem schwer durchschaubaren Gesamtumfeld wiegt der kurzfristige Trend der Kurse schwerer als die Unmenge sich oft auch widersprechender Daten, die die Realität ausspuckt. Was heisst:

Bleiben die Aktien stark und würde bei Gold eine charttechnische Abwärtswende vollzogen, die dem Kurs auf kurzfristiger Ebene einen bärischen Status verpassen würde, kann Gold deutlich weiter nachgeben, ob das nun rational unterfüttert wäre oder nicht. Dementsprechend würde es sich hier anbieten, nicht nach einem logisch basierten „müsste eigentlich“ vorzugehen, sondern pragmatisch den charttechnischen Signalen zu folgen.

Dass es am Donnerstag zu Gegenwehr kam und der Goldpreis ein gutes Stück zulegte zeigt, dass dem bullischen Lager sehr klar ist, dass es hier gerade um die Wurst geht. Wir sehen im Chart, dass das Edelmetall am Mittwoch bereits knapp unter die Nackenlinie des Doppeltopps in Form des Zwischentiefs vom 1. Mai bei 3.202 US-Dollar gerutscht war. Aber die gestrigen Anschlussverkäufe wurden gekontert, Gold gelang ein Intraday-Turnaround, der knapp über der zur Jahreswende etablierten, aktuell um 3.100 US-Dollar verlaufenden Aufwärtstrendlinie einsetzte und Gold wieder über die Nackenlinie zog.

Solange das so bleibt, kann eine Abwärtswende vermieden werden. Kritisch wird es, wenn diese gestern verteidige Aufwärtstrendlinie doch noch brechen sollte, dann wäre das Doppeltopp signifikant vollendet. Das nächste Kursziel wäre dann die Supportlinie bei 2.956 US-Dollar, aber die muss man als eher leichte Unterstützung ansehen. Die eigentliche Zielzone wäre der Bereich 2.790 zu 2.850 US-Dollar, in dem sich die 2024er-Aufwärtstrendlinie, die 200-Tage-Linie, das Hoch aus dem Oktober 2024 und ein Zwischentief von Ende Februar zu einer massiven Kreuzunterstützung zusammenballen. Es wäre wenig überraschend, wenn sich das Gros der Käufer dann erst wieder in diesem Bereich massiver engagieren würde, daher: Achten Sie auf diese Januar-Aufwärtstrendlinie um 3.100 US-Dollar. Wenn die fällt, wird es bei Gold auf der Long-Seite womöglich ziemlich ungemütlich!

Goldpreis: Chart vom 15.05.2025, Kurs 3.230,80 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Goldpreis: Chart vom 15.05.2025, Kurs 3.230,80 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Quelle: TWS
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