SDAX aktuell SDAX: Hier sollte man nicht unvorsichtig werden!

News: Aktuelle Analyse des SDAX Index

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SDAX
ISIN: DE0009653386
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Ticker: SDXP
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Währung: Punkte

Die Bullen stürmen mutig voran, sagt man. Das Umfeld ebenso wie der Trend passen dafür beim SDAX. Aber man sollte zugleich immer auf der Hut bleiben, denn dieses Pflaster ist ebenso heiss wie rutschig.

Der Vorteil des SDAX ist zugleich sein Nachteil, wenn es in die falsche Richtung geht: Die 70 Aktien, die in diesem deutschen Small Cap-Index gelistet sind, sind relativ markteng und damit volatiler als die Blue Chips des DAX. Damit bewegt sich auch der SDAX selbst schneller, stärker und zugleich unberechenbarer. Ideal, wenn man Long ist und der Trend dynamisch nach oben weist. Äusserst ungut, wenn man auf der falschen Seite steht. Daher sollte man, wenn man hier im Index derzeit Long aktiv ist, immer auch sorgsam nach unten schauen.

Nur, wer weiss, wo der Punkt X ist, unter dem man nicht mehr Long im Markt sein sollte, reagiert besonnen und schnell. Wer sich hingegen in trügerischer Sicherheit wiegt und das Risikomanagement vernachlässigt, würde von einem Abwärts-Schwenk überrumpelt und deshalb falsch und/oder zu spät reagieren.

Expertenmeinung: Grundsätzlich hat der SDAX starke Perspektiven, denn viele der hier notierten Unternehmen sind weit besser durch das unwägbare Jahr 2020 gekommen als zuvor angenommen wurde. Aber der Chart zeigt auch, dass man das bereits honoriert hat. Alleine seit Ende Oktober ist der SDAX in drei Monaten in der Spitze knapp 40 Prozent und damit weit über das vorherige Allzeithoch gestiegen, bevor er im Januar in eine Seitwärtsbewegung einschwenkte.

Was zeigt: Die meisten, die im Herbst eingestiegen waren, bleiben bislang eisern investiert. Doch sollte sich das ändern, wäre auch allerhand Spielraum nach unten vorhanden. Denn durch diesen rasanten Aufstieg konnte der SDAX, der im November dadurch auch das vorherige Rekordhoch vom Februar 2020 überboten hatte, keine Unterstützungen ausbilden. Das hiesse: Sollte diese Seitwärtsrange nach unten verlassen werden, indem die dreimal erfolgreich gehaltene Zone 14.683/14.726 Punkte bricht, wäre die nächste Auffanglinie aus charttechnischer Sicht erst bei 13.089 Punkten zu finden, dort liegt dieses alte Hoch vom Februar 2020.

Zwar sieht es aktuell so aus, als wollte sich der SDAX nach oben aus dieser Handelsspanne verabschieden. Aber als der Index am Dienstag mit einem neuen Verlaufsrekord und damit über der Seitwärtsrange in den Handel startete, blieben die Anschlusskäufe aus. Zumindest bislang, noch kann sich das natürlich ändern. Aber würde dieser Versuch, sich nach oben abzusetzen, scheitern, kann die hohe Volatilität dieses Index schnell zu kräftigen Abgaben führen, daher sollte man diese Zone 14.683/14.726 Punkte auf keinen Fall aus den Augen lassen. Einen Stoppkurs unter diesen Bereich zu platzieren, wäre nicht nur eine Überlegung wert, sondern bei einem schwankungsfreudigen Index wie diesem zwingend erforderlich.

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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen des SDAX Index

Zwischen Ende Oktober und Anfang Januar haussierte der SDAX etwa 35 Prozent. Eine extreme Rallye, die seither aber spürbar holperiger wird … und immer mehr Warnsignale im Candlestick-Chart zeigt. Und die Gegenwehr der Bullen ist bislang nicht gerade überzeugend. Es könnte daher schnell äusserst ungemütlich werden, wenn …

… die Nackenlinie des Topps, das sich seit ca. sechs Wochen herausbildet, gebrochen wird. Diese Linie wartet im Bereich 14.960/14.970 Punkten. Dort drehte der SDAX nach einer Mini-Konsolidierung Mitte Januar wieder nach oben. Bis dahin war die Welt für das bullische Lager in Ordnung. Doch das neue Rekordhoch, das danach erreicht wurde, lag keine zwei Prozent über dem vorherigen, dann entstand ein „Bearish Engulfing Pattern“ und schickte den Index dorthin zurück, wo er herkam: In den Bereich um 15.000 Punkte.

Genau dort kamen Käufe auf und retteten diese Intraday bereits unterbotene Linie. Das wäre die perfekte Basis gewesen, die bisherigen Hochs mit Schwung und diesmal deutlicher zu bezwingen. Aber das passierte eben nicht. Und damit besteht jetzt die Gefahr, dass der SDAX ein mittelfristiges Topp ausbildet.

Expertenmeinung: Anfang Februar schaffte es der Index zwar, das bisherige Rekordhoch zu erreichen. Aber der Ausbruchsversuch scheiterte – und das ziemlich kläglich. Drei Tage lang mäanderte der SDAX unmittelbar unter dem vorherigen Verlaufshoch unter geringen Umsätzen seitwärts, dann wurde der Ausbruch versucht, endete aber in einem „Shooting Star“ und einem Schlusskurs unter dem alten Verlaufsrekord. Der nächste Versuch fand Anfang letzter Woche statt und wurde zu einem „Evening Star“, also dem nächsten potenziell negativen Signal im Candlestick-Chart. Was deutlich macht:

Den Bullen gehen entweder Geld, Zuversicht oder beides aus. Die drei letzten Verlaufsrekorde lagen alle nur leicht bis minimal über dem vorherigen … und alle endeten mit negativen Signalen im Candlestick-Chart. Da dürfte die Zahl der Freiwilligen, die aktiv dagegenhalten, sollte der SDAX diese Zone knapp unter 15.000 Punkten erneut testen, wohl deutlich kleiner ausfallen als beim fulminanten Turnaround Ende Januar, der am Ende eben doch zu nichts führte. Und wer weiss, wie viele Trader sich schon auf der Short-Seite warmlaufen. Denn durch diese immens schnelle und weitreichende Rallye im November und Dezember fehlt es dem Index an potenziellen Unterstützungen. Die nächste nennenswerte Auffanglinie wäre das alte Rekordhoch, das der SDAX vor dem Corona-Crash bei 13.089 Punkten ausgebildet hatte. Hier einen Stoppkurs Long knapp unter dem Verlaufstief dieses Turnaround-Tages Ende Januar (14.726 Punkte) einzuziehen, wäre zweifellos ratsam.

Die völlig verrückten Kurssprünge bei kleineren US-Aktien, die sich binnen Stunden plötzlich im Kurs vervielfachen, dann völlig einbrechen und erneut senkrecht emporschiessen, was offenbar durch US-Foren wie „wallstreetbets“ ausgelöst wurde, beschränken sich nicht mehr alleine auf die Wall Street. Auch hierzulande kommen marktenge Aktien auf einmal immens in Bewegung. Je kleiner, sprich marktenger die Aktie, desto leichter können relativ wenige Trader den Kurs bewegen. In den letzten Wochen gab es da nur eine Richtung: nach oben. Und das war ein entscheidender Grund dafür, dass der SDAX, den Small Cap Index, den Gesamtmarkt derart abgehängt hat und seit Ende Oktober in der Spitze fast 40 Prozent nach oben geschossen ist.

Doch am Montag kamen erste Gewinnmitnahmen auf, die gestern drohten, brenzlig zu werden. Zwar ist es der Käuferseite gelungen, den SDAX zum Handelsende genau an den Punkt zu ziehen, an dem ein bärisches Signal gerade noch vermieden wurde. Aber die Käufe des Donnerstags nach sehr schwachem Start sind als „Rettungsaktion“ klar erkennbar. Damit wird klar, dass die Bullen nervös werden. Und da kann es leicht dazu kommen, dass die Erkenntnis unter den Tradern, dass man ob der langsam wackelnden Super-Rallye nicht alleine unruhig wird, dazu führt, dass zu viele sich gleichzeitig sagen: Wer zuerst verkauft, bekommt noch die besten Kurse.

Expertenmeinung: Sie sehen im Chart, dass der SDAX am Mittwoch an die kurzfristigen Zwischentiefs der Monatsmitte knapp unter 15.000 Punkten gerutscht war. Diesen Support konnte man verteidigen, sich vom Tagestief lösen und die im Chart blau markierte 20-Tage-Linie halten, die, da die Oktober-Aufwärtstrendlinie schlicht zu steil war, um auf Dauer halten zu können, das Rückgrat der Rallye darstellt. Gestern startete der Handel mit einer Abwärts-Kurslücke deutlich unter dieser 20-Tage-Linie und auf Höhe dieses kurzfristigen Supports um 14.970 Punkte. Zunächst sackte der SDAX darunter, dann aber kamen die „Rettungskäufe“ auf und endeten nicht, bevor diese 20-Tage-Linie zum Handelsende präzise wieder erreicht war. Im Prinzip ist also ein drohendes, bärisches Signal abgewendet und dadurch die Stärke der Bullen untermauert worden. Aber …

… dadurch wurde eben auch deutlich, dass dem bullischen Lager sehr wohl klar ist, dass man es sich nicht leisten kann, den Index einfach durch Unterstützungen rutschen zu lassen, nicht einmal durch kurzfristige. Denn jeder weiss, dass dieser Kursanstieg ungewöhnlich weit führte. Und das in einem Umfeld, in dem von soliden Rahmenbedingungen keine Spur zu sehen ist. Zugleich sehen alle, dass der Trendfolgeindikator MACD bereits auf Verkauf gedreht hat und, wichtiger noch, dass dieser rasante Kursanstieg nicht nur so manchen überbewerteten SDAX-Titel zur Folge hatte, sondern hinsichtlich potenzieller, charttechnischer Unterstützungen ein Vakuum entstehen liess.

Sollte dieser Bereich um 14.970 Punkte doch noch brechen, würde der nächste Auffangbereich von Belang erst in der Region 12.843/13.089 Punkte warten, auf der Oberseite definiert durch das vormalige, „alte“ Rekordhoch vom Februar 2020. Würde der SDAX das gestrige Tagestief (14.726 Punkte) auf Schlusskursbasis durchbrechen, wäre ein Ziehen der Reissleine in Sachen Long-Positionen einen Gedanken wert!

Wer der Ansicht ist, dass DAX und Dow Jones seit Ende Oktober schon viel dessen vorweggenommen haben, was die Realität immer noch zu liefern hätte, läge damit nicht falsch. Wer meint, dass der Nasdaq 100, der noch kräftiger zugelegt hat, erst recht langsam heiss gelaufen ist, wird sicher nicht allzu viel Widerspruch ernten. Aber all das ist nichts gegen unseren heimischen „Small Cap“-Index, den SDAX.

Zwischen dem Tagestief des 28. Oktobers und dem gestrigen, neuen Verlaufsrekord von 15.714,02 Punkten liegen 38,2 Prozent. Das ist weit mehr als die vorgenannten Indizes. Binnen weniger als drei Monaten hat der SDAX mehr zugelegt als in zwei über dem Durchschnitt liegenden Börsenjahren zusammen zu hoffen wäre. Man kommt nicht umhin, einen Vergleich zu Ikarus zu ziehen, der zu hoch fliegen wollte und am Ende umso tiefer fiel. Vor allem, weil bei diesem Index die Luft keine Bretter hat, wie der Chart zeigt.

Expertenmeinung: Wenn man sich die Performance des SDAX über genau ein Jahr ansieht, stellt man fest, dass nur 26 der 70 Aktien besser liefen als der Index selbst. 26 von 70, das ist kein ausgewogenes Verhältnis und macht deutlich, dass nur relativ wenige Aktien den Index ziehen. Die Marktbreite fehlt, das allein sollte vorsichtig stimmen. Der Blick auf den Chart erst recht, denn:

Sie sehen, dass diese Super-Rallye bereits sehr weit über den nächstgelegenen, potenziellen Unterstützungen in Form von oberen Wendemarken liegt. Das vormalige Rekordhoch aus dem Februar liegt bei 13.089 Punkten, über 16 Prozent vom gestrigen Schlusskurs entfernt. Dieses alte Hoch bildet zusammen mit den Zwischenhochs vom August und September zwischen 12.834 und 13.089 Zählern eine Auffangzone, die solide wirkt. Aber darüber ist nichts solide:

Die Ende Oktober etablierte Aufwärtstrendlinie ist zu steil, um auf Dauer halten zu können. Zuletzt wäre sie auch fast unterboten worden, wäre da nicht noch die in blau eingezeichnete 20-Tage-Linie, von welcher aus die Käufe, vergleichbar mit Ende Dezember, wieder einsetzten. Aber würde das am vergangenen Freitag bei 14.963 Punkten markierte Tief der Mini-Korrektur fallen, wäre diese 20-Tage-Linie dahin … und zumindest aus charttechnischer Sicht wäre dann der Weg für einen Absturz dieses Ikarus-Index in Richtung 12.834/13.089 Punkte frei.

Dass der im Chart unten mit eingeblendete RSI-Indikator bereits seit zwei Monaten um die überkaufte Zone mäandert und damit ebenso versucht, sich der Schwerkraft zu entziehen, unterstreicht zwar, dass man sich hüten sollte, gegen Trends zu setzen, solange sie noch intakt sind, weil an der Börse oft das Unwahrscheinliche und bisweilen sogar etwas unmöglich scheinendes passiert. Aber das im Gegenzug als Argument dafür zu nehmen, dass diese so extreme Rallye ohne zwischengelagerte „Eisduschen“ weitergehen müsste, erscheint äusserst gewagt.