USD.JPY Prognose US-Dollar/ Japanischer Yen: Hier tickt eine gewaltige Bombe!

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Es war nicht einmal eine Leitzinserhöhung, bestenfalls die Vorbereitung einer solchen. Aber es reichte, um die Relation des Yen zum US-Dollar massiv ins Wanken zu bringen. Denn sollten die Zinsen in Japan wirklich steigen, würde die Bombe nicht nur dort hochgehen!

Stellen Sie sich vor, Sie könnten zu winzigen Zinsen einen riesigen Kredit aufnehmen, der sich auch noch von selbst tilgt, weil die Währung, in der Sie ihn aufgenommen haben, immer weniger wert und damit die Rückzahlung immer billiger wird. Eine tolle Sache! Und genau das bot der japanische Yen Kreditnehmern, u.a. in Europa und den USA. Denn während dort die Leitzinsen und mit ihnen die Kredit- und Anleihezinsen stiegen, blieben sie in Japan nahe null. Dadurch wurde der Yen im Vergleich zu Euro und US-Dollar immer schwächer. Was bedeutet:

Nahm man vor zwei Jahren einen Kredit in Yen auf, bekam man für einen US-Dollar 105 Yen. Die musste man zwar irgendwann zurückzahlen. Aber am Scheitelpunkt der Yen-Schwäche im Oktober hätte man gerade mal 0,69 US-Dollar statt 1,00 US-Dollar aufwenden müssen, um diese 105 Yen zurückzuzahlen. Das den Mini-Zinsen gegenübergestellt hiess: So ein Kredit war nicht nur billig. Man verdiente sich daran eine goldene Nase!

Aber nun stellen Sie sich vor, das würde auf einmal schiefgehen, weil diese scheinbar nonstop fallende Währung auf einmal doch im Wert steigt und dadurch die Kosten der Rückzahlung explodieren! Da wäre dann Alarm. Denn wenn man auf einmal dicke Währungsverluste macht, ggf. zehn, zwanzig Prozent mehr zurückzahlen muss, brennt es. Und so mancher, der einen Yen-Kredit zur reinen Spekulation aufgenommen hat, kann das dann gar nicht bezahlen! Aber genau das könnte jetzt passieren, besser gesagt: Die Zündschnur dieser Bombe brennt bereits. Was passiert da?

Den aktuellen Kurs und Chart des Währungspaars USD.JPY und historische Wechselkurse finden Sie hier.

Expertenmeinung: Japan bekommt gerade mit der Vergangenheit Probleme. Die Zinsen sind hier seit Jahren niedrig, wurden aber im Zuge der Inflation bislang nicht angehoben, der japanische Diskontsatz liegt immer noch bei -0,1 Prozent. Der Grund ist nicht, dass dort keine Inflation herrschen würde. Die ist zwar mit zuletzt 3,7 Prozent viel niedriger als in den meisten anderen Industrieregionen, aber das ist hoch genug, um langsam unschön zu werden, zumal man fürchten muss, dass sie weiter steigen. Denn Japan ist hoch verschuldet. Die Staatsschulden liegen im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung höher als anderswo, höher noch als in Venezuela, dem Sudan, Eritrea oder Griechenland, die dann auf den nächsten Plätzen der Schuldenweltmeister folgen. Aber auch die Verbraucher sind hoch verschuldet. Höhere Leit- und Kreditzinsen würden hier also in Sachen Schuldenblase eine noch grössere Gefahr bedeuten als in der Eurozone und den USA. Aber dieses Ignorieren der Inflation und Beibehalten der Niedrigzinsen hat einen Haken:

Dadurch ist die Währung äusserst schwach im Vergleich zum US-Dollar und zum Euro, wo sukzessiv höhere Renditen am Anleihemarkt zu bekommen sind und diese Währungen daher gesucht sind. Im Yen wurde nicht investiert, man nutzte den Yen vor allem als Trägerwährung für Kredite, bei denen man auf Gewinne durch einen weiteren Währungsverfall zockte.

Doch dadurch, dass Japan so ziemlich alle Rohstoffe importieren muss und diese immer in US-Dollar zu bezahlen sind, wurden diese so wichtigen Rohstoffimporte immer teurer. Die Verweigerung höherer Zinsen und der daher schwache Yen führten also durch diese Hintertür dazu, dass Japan sich die Inflation selbst ins Haus holt. Gestern entschied die japanische Notenbank zwar nur, die Bandbreite der Rendite für zehnjährige Staatsanleihen nach oben zu erweitern, was man als Vorstufe einer Leitzinserhöhung ansehen könnte, aber nicht muss. Aber das reichte, um am Devisenmarkt gelinde Panik auszulösen, wie wir im Chart auf Tagesbasis sehen. Der Yen stieg kräftig, so dass man deutlich weniger Yen für einen US-Dollar bezahlen musste als zuvor. Das Gefährliche an der Sache ist, dass dieser Prozess damit nicht begann, sondern nur fortgesetzt bzw. intensiviert wurde, was Sie vor allem am Chart auf Wochenbasis gut sehen.

USD:JPY: Wochen-Chart vom 20.12.2022, Kurs 131,55 Yen, Kürzel USD.JPY | Online Broker LYNX

Solange die US-Dollar-Yen-Relation stieg, rieben sich die Kredit-Zocker (man nennt solche Kredite in Fremdwährungen auch Carry-Trades) bei Yen/Dollar-Carry-Trades die Hände. Der Yen verlor massiv an Wert: Während man Ende 2020 noch 105 Yen für einen US-Dollar zahlte, waren es im Oktober 152. Doch jetzt sind wir schon auf knapp über 130 zurückgefallen. Um die Dimension dessen, was da gerade passiert, anschaulicher zu machen, ein Rechenbeispiel für einen Carry-Trade, den jemand aus dem US-Dollar-Raum vor drei Monaten zu 144 Yen pro US-Dollar abschloss, fiktive Summe: Summe 1.000.000 Yen.

Für diesen Eine Million Yen-Kredit bekam der Kreditnehmer am 20.9. 1.000.000 ./. 144 = 6.944 US-Dollar. Je weiter diese Währungsrelation gestiegen wäre, je schwächer also der Yen geworden wäre, desto weniger hätte er in US-Dollar zurückzuzahlen. Aber jetzt geht es eben in die falsche Richtung. Aktuell, bei grob 131 Yen pro US-Dollar, müsste der Kreditnehmer 7.633 US-Dollar zurückzahlen. Und je weiter der US-Dollar/Yen fällt bzw. der Yen dadurch zulegt, desto teurer kommt ihn das. Würde der Kurs auf 125 Yen fallen, in den Bereich der markanten Supportzone 123,60/125,85 Yen, käme die Rückzahlung dann schon auf 8.000 US-Dollar … und das bedeutet: Je weiter der Yen jetzt zulegt, desto mehr dieser Kredite werden platzen. Und das würde auf beiden Seiten des Pazifiks für heftige Beben sorgen.

Das sollte man als Investor im Auge behalten, denn diese Carry-Trades waren kein Zocker-Hobby von wenigen, hier geht es um wirklich gewaltige Summen, denn bislang schien es ja, als könnte man hier risikolos immenses Geld verdienen. Und angesichts der durch die Yen-Schwäche steigenden Inflation wird die japanische Notenbank wohl auf Sicht nicht umhinkommen, wirklich an den Zinsen zu drehen … und dann könnte der Yen erst recht zulegen.

USD:JPY: Tages-Chart vom 20.12.2022, Kurs 131,55 Yen, Kürzel USD.JPY | Online Broker LYNX
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Vorherige Analysen von USD.JPY

Japan hat zwar auch unter Logistikproblemen und Materialknappheit zu leiden. Aber durch eine vor allem zum US-Dollar immer schwächer werdende Währung lässt sich da einiges kompensieren. Warum ist der Yen so schwach … und geht das womöglich immer so weiter?

In Krisenzeiten eine gegenüber den wirtschaftlichen Konkurrenten schwache Währung zu haben, hat schon was für sich. Denn das bedeutet, dass exportierte Waren, die dann ja in der entsprechenden Auslandswährung bezahlt werden, mehr Gewinn bringen, weil man dann beim Rücktausch der im Ausland erzielten Umsätze mehr herausbekommt. Diese Schwäche ist beim Japanischen Yen gerade immens. Und Japan ist eine Exportnation. Das spielt den japanischen Exporteuren also perfekt in die Karten und stützt die Wirtschaft. Aber wieso ist der Yen so schwach?

Weil in Japan bislang kein Inflationsproblem existiert. Für den Februar lag die Inflationsrate gerade einmal bei 0,9 Prozent. Und das, obwohl Japan die meisten Rohstoffe für teurere US-Dollars importieren muss. Diese 0,9 Prozent sind zwar der höchste Level seit Ende 2018. Aber das ist für die Bank of Japan, die japanische Notenbank, keine Basis um zu tun, was die anderen grossen Notenbanken bereits getan haben oder, wie die EZB, avisieren: die Leitzinsen anzuheben. Denn dass die hohen Rohstoffpreise nicht auf die Verbraucherpreise durchschlagen, liegt daran, dass der Konsum zu schwach ist, um höhere Preise durchsetzen zu können. Also wurde der japanische Leitzins am Freitag bei -0,1 Prozent bestätigt.

Expertenmeinung: Japan hat eben dieses eine Problem: Das Wachstum kommt nicht in die Gänge. Es liegt viel niedriger als in den USA oder in der Eurozone. Zugleich ist die Staatsverschuldung riesig. In einem solchen Umfeld kann die Bank of Japan die Leitzinsen einfach nicht anheben. Die Rendite japanischer Anleihen ist daher äusserst niedrig und wird es auch erst einmal bleiben. Und dies in Verbindung mit dem schmalbrüstigen Wachstum macht den Yen für internationale Investoren zwar für Fremdwährungskredite interessant, nicht aber für Investitionen im Land. Die Yen-Nachfrage ist schwach … und zugleich hat man im US-Dollar-Raum weit höhere Anleiherenditen und die Perspektive mittelfristig noch höherer Zinsen. Also wird der US-Dollar stark nachgefragt, der Yen nicht … das Ergebnis zeigt unser Chart auf Wochenbasis:

Chart vom 18.03.2022, Kurs 119,15 Yen, Kürzel USD.JPY | Online Broker LYNX

Seit Anfang 2021 ist der Preis für einen US-Dollar in Yen um 16 Prozent gestiegen und hat dabei die gesamte Handelsspanne der letzten fünf Jahre in einem Zug von unten nach oben durchmessen. Das markante Hoch von Ende 2016 bei 118,66 Yen ist dabei bereits überboten worden. Zwar hat die US-Dollar/Yen-Relation jetzt die obere Begrenzung des mittelfristigen Aufwärtstrendkanals fast erreicht, die aktuell bei 119,80 Yen warten würde. Aber solange dieser Zinsvorteil und die Zinserhöhungs-Perspektive des US-Dollars erhalten bleiben und die Trader weiterhin mit negativen japanischen Leitzinsen rechnen können, mag das ggf. einen Rücksetzer, nicht aber eine Abwärtstrendwende in dieser US-Dollar-Hausse zum Yen einleiten. Mittelfristig wäre es keineswegs auszuschliessen, dass der US-Dollar noch in die nächste charttechnische Widerstandsregion aus dem Jahr 2015 bei 123,76 zu 125,86 Yen pro US-Dollar weiterläuft.