Nemetschek Aktie aktuell Nemetschek: Die Bullen proben den Aufstand

News: Aktuelle Analyse der Nemetschek Aktie

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Nemetschek
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Zur Nemetschek Aktie

Nemetschek legte gestern Ergebnisse für das erste Quartal vor, die in allen Bereichen über den Analystenerwartungen lagen. Die Nemetschek-Aktie legte daraufhin zwar zu … aber reicht das schon für die Aufwärtswende?

Der Umsatz stieg im ersten Quartal gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 8,1 Prozent (währungsbereinigt um 12,1 Prozent), der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) kletterte überproportional um 18,5 Prozent, basierend auf einem Anstieg der EBITDA-Marge, die auf überdurchschnittliche 31,3 Prozent stieg. Das ist ohne Wenn und Aber gut, zumal Nemetschek als Spezialist für Bau- und Architektursoftware keine nennenswerte „Delle“ durch die Corona-Krise wettzumachen hat. Aber müsste die Aktie deswegen bereits zwingend wieder in den Hausse-Modus wechseln?

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Nemetschek Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Sie könnte, wenn es gelingt, die aktuell attackierten charttechnischen Widerstände zu bezwingen, aber sie muss es keineswegs. Denn die Aktie hat ein Problem: Sie ist bereits recht teuer bewertet, was das Kurs/Gewinn-Verhältnis angeht.

Selbst, wenn man angesichts dieses starken Quartals ein wenig auf die derzeitige, durchschnittliche Gewinnschätzung der Analysten für 2021 draufrechnet, die da im Schnitt erwarteten 0,91 Cent pro Aktie auf einen Euro aufrundet, läge das Kurs/Gewinn-Verhältnis derzeit über 60. Das wäre angemessen, wenn man aktuell ebenso wie in den kommenden ein, zwei Jahren mit Gewinnsteigerungen von jährlich um die 25 bis 30 Prozent rechnen könnte. Aber das ist eben nicht der Fall.

Nemetschek selbst betonte im Zuge der vorgelegten Zahlen, dass die EBITDA-Marge von 31,3 Prozent „überdurchschnittlich“ gewesen sei. Die unternehmenseigene Prognose sieht für 2021 eine Marge im Bereich von 27 bis 29 Prozent (2020: 28,8 Prozent) und ein Umsatzwachstum im hohen einstelligen Prozentbereich. Wenn sich das nicht radikal verbessern sollte, wäre die Aktie einfach zu hoch bewertet. Das dürfte die Bereitschaft der Bullen dämpfen, sich durch die jetzt angegangene Widerstandszone hindurch zu kämpfen, sofern sie dabei auf nennenswerte Gegenwehr stossen sollten.

Daher wäre es sinnvoll, dem Braten erst zu trauen, wenn er aus dem Ofen heraus ist. Sie sehen im Chart, dass die Aktie gerade die aus dem Sommer 2020 stammende, mittelfristige Abwärtstrendlinie angeht, die aktuell bei 64 Euro verläuft – und gestern verlief die Attacke nicht gerade erfolgreich.

Um überhaupt eine Basis für einen neuen, nachhaltigen Aufwärtsimpuls zu bekommen, muss der Kurs da, idealerweise zügig, durch. Aber schon bei 67,85, bei 69,20 und 70,55 Euro würden mehrere obere Wendepunkte der vergangenen Monate als weitere potenzielle Widerstände warten, bevor der Weg dann aus rein charttechnischer Sicht an und im Idealfall über den bisherigen Verlaufsrekord der Nemetschek-Aktie von 74,35 Euro frei wäre. Zumindest einen klaren Ausbruch über die jetzt umkämpfte Abwärtstrendlinie sollte man daher abwarten, bevor man sich mit dem Gedanken trägt, hier auf der Long-Seite ins Geschehen einzugreifen.

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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen der Nemetschek Aktie

Wenn eine Aktie erst einmal festhängt, dann oft richtig. Die Aktie des Bau- und Architektursoftware-Entwicklers Nemetschek hat derzeit genau dieses Problem. Basis dieser Seitwärtsbewegung war, dass die Aktie im Vorfeld des Corona-Crashs zu weit gelaufen und damit zu teuer bewertet war. Es bedurfte einfach Zeit, bis die Unternehmensentwicklung dem vorausgelaufenen Aktienkurs gerecht wurde. Aber immerhin fiel die Aktie deshalb nicht zurück, sondern läuft bislang in einer stabilen Seitwärtsrange. Langweilig? Solange der Kurs diese Range nicht verlässt, schon. Aber er könnte jederzeit ausbrechen – und dann ist hier wieder Leben drin.

Die gestern vorgelegten, vorläufigen Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2020 haben zwar noch keine Entscheidung in dieser Hinsicht bewirkt, deuten aber an, dass die Unterseite der Handelsspanne derzeit die interessantere ist. Denn die Ergebnisse lösten keinen Kurssprung aus, wie man das normalerweise in einem bullischen Gesamtmarkt hätte vermuten können, sondern Abgabedruck. Und die Käufe blieben nicht aus, weil die Zahlen schwach ausgefallen wären:

Expertenmeinung: Nemetschek hat das für so viele Branchen äusserst unerfreuliche Jahr 2020 mit solidem Wachstum abgeschlossen. Der Umsatz legte um 7,2 Prozent zu, die Vorsteuer-Marge lag bei 28,9 Prozent, der Gewinn, gerechnet als EBITDA, stieg um vier Prozent. Die Gewinnentwicklung hätte ohne die Corona-Krise zweifellos besser ausgesehen, aber eigentlich hätten die Marktteilnehmer positiv werten müssen, dass es überhaupt zu einem Gewinnanstieg gekommen ist, zumal der Aktienkurs niedriger liegt als vor genau einem Jahr. Aber da drückt nun einmal die hohe Bewertung. Auf Basis dieser 2020er-Gewinne läge das Kurs/Gewinn-Verhältnis derzeit um 52. Und das ist bei diesem geringen Wachstum viel zu hoch. Es sei denn, man könnte damit rechnen, dass der Gewinn in diesem und dem folgenden Jahr um 20 oder 25 Prozent zulegen würde. Kann man das?

Einen Ausblick für das Jahr 2021 will Nemetschek erst im Zuge der Vorlage der endgültigen 2020er-Bilanz am 23. März liefern. Aber die Analysten schätzen bislang, dass Nemetschek den Gewinn 20212 um 10 bis 15 Prozent, im Jahr 2022 dann um bis zu 20 Prozent steigern kann. Zu wenig, um eine noch höhere Bewertung zu rechtfertigen. Auch schon zu viel für dieses Kurs/Gewinn-Verhältnis, das mit der 2021er-Prognose per Ende 2021 immer noch bei 47 läge? Möglich. Die kommenden Tage könnten da schon eine Entscheidung bringen, denn die ausgebliebene, positive Reaktion auf das gestrige Zahlenwerk könnte so manchen, der hier bislang eisern dabeigeblieben ist, nervös machen. Der Chart zeigt die Ankerpunkte, um die es in Sachen Ausbruch gehen würde. Auf der Oberseite ist das die Zone zwischen 67,90 und 69,20 Euro, die eindeutig auf Schlusskursbasis überboten werden müsste, um der Aktie den weiteren Weg nach oben freizusprengen. Aus aktueller Sicht der deutlich steinigere Weg. Die untere Entscheidungszone liegt weit näher: Hier findet sich eine zwischen 52,45 zu 57,00 Euro gelegene, breite Supportzone, die, würde sie fallen, einen kräftigen Abwärtsimpuls ermöglichen würde, denn darunter finden sich erst einmal keinerlei potenzielle Unterstützungspunkte. Diese Entscheidungszonen im Auge zu behalten, dürfte sich lohnen, denn oft brechen solche „Dornröschen-Aktien“ gerade dann aus, wenn die Aufmerksamkeit der meisten Akteure bereits nachgelassen hat.

Nemetschek ist ein führender Softwareanbieter in den Bereichen Architektur, Bau und Engineering.

Innovationstreiber

Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als Innovationstreiber von Open BIM und 5D. Die digitalen 3D-Planungsmodelle, ergänzt durch die Dimensionen Zeit (4D) und Kosten (5D).
Das Geschäft wird mit entsprechenden Serviceangeboten abgerundet.

Einfach ausgedrückt: Nemetschek bietet Software an, die den kompletten Bauprozess abdeckt: Planung, Durchführung sowie Zeit- und Kostenmanagement.

Mehr als schöne Worte

Bei Nemetschek lässt man auf die Worte auch Taten folgen. Bei den Kunden scheinen die Angebote des Unternehmens jedenfalls gut anzukommen.

Seit 2010 ist der Umsatz von 150 auf 557 Mio. Euro gestiegen. Gleichzeitig haben sich die Margen verbessert.
Das Ergebnis kletterte im selben Zeitraum von 0,16 auf 1,10 Euro je Aktie.

Die Dividende wurde von 0,04 auf 0,27 Euro erhöht. Die Dividendenrendite von 0,45% dürfte aber kaum einen Anleger beeindrucken.
Die Richtung stimmt allerdings.

Weitere Pluspunkt sammelt Nemetschek beim Cashflow. Der FCF liegt regelmässig über dem Gewinn, denn das Geschäft ist nicht kapitalintensiv.

Daher konnte man das enorme Wachstum auch aus dem laufenden Cashflow finanzieren. Man benötigte keine Kapitalerhöhungen und hat keine nennenswerten Schulden.

Das Unternehmen bringt also eine ganze Reihe von wünschenswerten Eigenschaften mit und daher ist die Aktie auch ein massiver Outperformer.

Aktuelle Lage

Gerade in Krisen trennt sich die Spreu vom Weizen. Nemetschek konnte die positive Entwicklung im laufenden Geschäftsjahr fortsetzen.

In den ersten neun Monaten legte der Umsatz um 7,6% auf 436,8 Mio. Euro zu und der Anteil der wiederkehrenden Einnahmen wurde grösser.
Der Gewinn ohne Einmaleffekte legte um 2,7% auf 0,59 Euro je Aktie zu.

In dem schwierigen Umfeld kann sich das durchaus sehen lassen. Das operative Ergebnis dürfte auf dem Vorjahresniveau oder leicht darüber liegen.

Nemetschek kommt derzeit also auf ein KGVe von knapp über 50. Das ist selbst bei all den positiven Eigenschaften des Unternehmens ambitioniert.

Neuer Chef

Meine grösste Sorge in Bezug auf Nemetschek ist aber nicht die Bewertung, sondern die enorme Machtkonzentration im Vorstand, gepaart mit einer neuen Strategie.

Zukünftig wird sehr viel von Axel Kaufmann abhängen, der in Personalunion Sprecher des Vorstands (faktisch CEO) sowie CFO und COO ist.
Das ist nicht gerade wenig Verantwortung und vielleicht wäre es besser gewesen die Resorts aufzuteilen.

Dass man diese Position nicht innerhalb des Unternehmens besetzt hat, darf man ebenfalls infrage stellen.
Denn zuletzt arbeitete Kaufmann beim Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer sowie beim Küchenausrüster Rational.

Auf Expansionskurs

Der Firmengründer und Aufsichtsrat Prof. Georg Nemetschek hat den Posten sicher nicht leichtfertig an Kaufmann vergeben.
Das Unternehmen ist schliesslich sein Lebenswerk.

Wenn man aber fortan eine expansive Strategie mit Zukäufen anstrebt – und genau das wurde angekündigt – hätte man da nicht einen intimen Kenner der Branche engagieren sollen?

Darüber hinaus plant mal wohl auch grössere Übernahmen:
„Wir sind in eine Grössenordnung hineingewachsen, in der wir grosse und mittelgrosse Zukäufe stemmen können“, sagte Kaufmann der Wirtschaftszeitung Euro am Sonntag.

Leider hat die Erfahrung gezeigt, dass das meistens mehr Probleme mit sich bringt, als es nützen würde.

Das hat viele Gründe. Oft genug wird schlichtweg ein zu hoher Preis gezahlt oder die Integration gelingt nicht.
Diese Gefahren sind bei kleinen Zukäufen viel geringer. Es steht weniger auf dem Spiel und neue kleine Töchter übernehmen in der Regel auch die Unternehmenskultur.

Bei grossen Übernahmen ist oft genug das Gegenteil der Fall. Die neue „Tochter“ oder „Schwester“ verändert die bestehende Unternehmenskultur und beschädigt das bisherige Erfolgsmodell.

Man kann nur hoffen, dass Nemetschek sich nicht selbst ins Bein schiesst und man so ein grossartiges Unternehmen bleibt.
Wir werden es sehen.

Gelegenheiten und Chart

Der Preis muss aber in jedem Fall stimmen. Selbst Outperformer wie Nemetschek korrigieren mitunter heftig.
Steigt man allerdings antizyklisch in guten Unternehmen ein, kann man seine Performance deutlich steigern und sein Risiko minimieren.

Aus charttechnischer Sicht könnte sich jetzt eine Chance ergeben. Die Aktie ist über Monate hinweg auf der Oberseite gescheitert und ist gerade dabei den mittleren Aufwärtstrend zu durchbrechen.

Wochenschlusskurse unter 60 und 58 Euro würde jeweils Verkaufssignale auslösen. Mögliche Korrekturziele liegen zwischen 45 und 48 Euro.

Dieser Bereich wäre für antizyklische Investoren interessant.

Chart vom 02.12.2020 Kurs: 57,30 Kürzel: NEM – Wochenkerzen

Bei der Deutschen Bank war man mutig und hob das Kursziel für die Aktie des Bau- und Architektursoftware-Entwicklers Nemetschek schon zwei Tage vor den gestern veröffentlichten Quartalsergebnissen von 65 auf 73 Euro an. Die DZ Bank folgte unmittelbar nach Vorlage der Bilanz und erhöhte das Kursziel von 63,80 auf 70 Euro. Und in der Tat gaben die Zahlen diesen Optimismus her. Während so manches Unternehmen mit seinem Ergebnis die grossen Hoffnungen der Investoren enttäuschte, wurde hier geliefert:

Der Umsatz stieg im dritten Quartal um 7,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und lag damit über den Analystenerwartungen. Und das galt für den Gewinn, gerechnet als EBITDA, ganz besonders. Da gab es einen überproportionalen Anstieg um 9,1 Prozent: 46,7 Millionen Euro nach 42,8 Millionen im dritten Quartal 2019, die Prognose der Analysten lag im Schnitt bei 40 Millionen. Das basierte neben dem Umsatzanstieg auf einer Steigerung der Marge von 30,9 Prozent im Vorjahresquartal auf jetzt 31,4 Prozent. Entsprechend dieser Ergebnisse hob Nemetschek seine Gesamtjahresprognose insofern an, als man jetzt mit einer Vorsteuer-Marge um 28/29 Prozent rechnet, vorher lag die Erwartung bei 26 Prozent.

Expertenmeinung: Wäre das zweite Quartal wie bei so vielen anderen Unternehmen ein Waterloo gewesen, würde sich dieses starke Abschneiden relativieren. Aber wie viele Unternehmen aus der Softwarebranche auch hatte sich Nemetschek in diesem „Lockdown-Quartal“ tadellos aus der Affäre gezogen und Umsatz und Gewinn zum Vorjahr gehalten. Hier geht es also nicht um eine Aufholjagd nach einem Umsatz- und Gewinneinbruch, sondern um solides und ungebrochenes Wachstum. Dementsprechend nachvollziehbar ist die massiv positive Reaktion der Investoren, die die Aktie am Donnerstag um beeindruckende 11,6 Prozent nach oben trugen.

Die Aktie hatte sich zwar in Relation zu dem in den vergangenen Tagen massiv unter Druck geratenen Gesamtmarkt relativ gut gehalten, war aber trotzdem unter ihre im Chart dick schwarz hervorgehobene 200-Tage-Linie gefallen und unter die wichtige Supportzone 57,75/58,80 Euro gerutscht. Jetzt hat Nemetschek auf dem Absatz kehrt gemacht, die Bären damit unsanft ausgebremst und saust auf die entscheidende Hürde zu, die den Weg an und angesichts dieser Bilanz ggf. auch über das Rekord-Verlaufshoch (74,35 Euro) versperrt.

Dieser „Deckel“ findet sich im Bereich 67,90/69,05 Euro. Das sind die alten Hochs vom Februar und März, verstärkt durch eine über Rekordhoch und September-Hoch zu ziehende Abwärtstrendlinie. Mit dem Rückenwind dieser Bilanz wäre der Ausbruch jetzt möglich, zumal die Markttechnik in Form des unten im Chart eingeblendeten Stochastik-Oszillators gerade erst aus der überkauften Zone heraus an einem bullischen Signal arbeitet. Aber wenn der Gegenwind des Gesamtmarkts nicht abflauen würde, sollte man sich nicht zu sicher sein, dass es gelingen wird, diesen „Deckel“ wirklich und vor allem zeitnah zu sprengen!

Obwohl der Gesamtmarkt bereits zum Handelsstart äusserst wacklig daherkam, startete die Aktie des Bau- und Architektursoftware-Spezialisten Nemetschek höher. Basis der Käufe zu Handelsbeginn war die Anhebung der Einschätzung durch einen Analysten, der die Aktie von „Neutral“ auf „Kaufen“ hochstufte und das Kursziel von 58 auf 71 Euro nach oben nahm. Aber wer da am Morgen zugegriffen hatte, fand sich in kürzester Zeit in der Verlustzone wieder. Der Kurs rutsche umgehend deutlich ab und lag schon gegen 10 Uhr am unteren Ende der Handelsspanne der gesamten Vorwoche. Und damit ist für die Bullen jetzt „High Noon“: Das sieht jetzt aus charttechnischer Sicht gar nicht gut aus … es sei denn, man wartet seit Wochen auf eine Trading-Chance auf der Short-Seite.

Ende August war es gelungen, Nemetschek aus der Seitwärtsrange zwischen 57,75 und 65,85 Euro nach oben hinaus zu bekommen, aber Anfang September fiel die Aktie sang- und klanglos wieder in diese Handelsspanne zurück. Aber es gelang, den Kurs die darauf folgenden zwei Wochen von der in diese Seitwärtsrange hinein gelaufenen 200-Tage-Linie (im Chart dick schwarz hervorgehoben) fernzuhalten. Das sah gut aus … und der gestrige Start in den Handel oberhalb dieser Spanne hätte die Basis für einen zweiten und dann erfolgreichen Ausbruchsversuch sein können. Wenn so etwas derart deutlich „abgeschossen“ wird, ist das ein herber Rückschlag. Ein Rückschlag, der die Neigung, es gleich noch einmal zu versuchen oder den Kurs wenigstens aufzufangen, bevor er die 200-Tage-Linie erneut angeht und bricht, deutlich reduzieren dürfte.

Expertenmeinung: Das Problem des bullischen Lagers beschränkt sich dabei nicht auf diese abrupte Attacke auf die untere Zone der Handelsspanne bei 57,75/58,80 Euro bzw. die knapp darüber verlaufende 200-Tage-Linie, die man noch am Morgen als souverän verteidigt ansehen konnte. Die Aktie ist auch reichlich teuer bewertet. Wirklich „billig“ war das Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) hier zwar Jahren nicht. Aber auf Basis der im Rahmen der Bilanz des zweiten Quartals bestätigten Prognose ist für 2020 mit einem Gewinn von grob 90 Cent pro Aktie zu rechnen. Das wäre zwar nur ein moderater Rückgang gegenüber 2019 – und das war ein Jahr mit Rekordgewinnen. Aber die Aktie hatte im Mai ein Allzeithoch erreicht, d.h. der Kurs stieg weiter, der Gewinn nicht. Das führt dazu, dass Nemetschek am gestrigen Tageshoch ein KGV von 75 für den erwarteten Gewinn des laufenden Jahres auswies. So hoch war die Bewertung der Aktie noch nie.

Dergleichen stört viele Trader nicht im Mindesten, solange der Aufwärtstrend der Aktie intakt ist. Aber jetzt steht dieser Aufwärtstrend unverhofft unter Beschuss. Wird man den Versuch starten, Nemetschek trotzdem aus der Gefahrenzone zu kaufen oder nicht? Auszuschliessen wäre das zwar nicht, aber die Bären hätten aktuell den leichteren und kürzeren Weg. Für ein klar bullisches Signal müsste die Aktie über dem Anfang September markierten Zwischenhoch bei 70,55 Euro schliessen. Ein bärisches Signal wäre deutlich schneller erreicht, das wäre generiert, wenn Nemetschek unter dieser Supportzone 57,75/58,80 Euro aus dem Handel geht. Matchball für die Bären!

Das Plus von 4,35 Prozent, welches die Nemetschek-Aktie am Freitag als Reaktion auf die am Morgen vorgelegte Bilanz des zweiten Quartals erzielte, wirkt rein nominal, als hätten die Ergebnisse die Marktteilnehmer vollauf überzeugt. Sieht man sich indes den Chart an, relativiert sich dieser Eindruck. Denn damit gelang es nur, ein drohendes Verkaufssignal zu verhindern. Und der Chart macht sehr deutlich, dass man besser hinzufügen sollte: vorerst. Denn noch ist ein bärisches Signal damit nicht aus der Welt geschafft. Die Aktie war im Zuge der starken Abgaben am Gesamtmarkt am Donnerstag an das untere Ende einer seit Mitte Juni geltenden Seitwärtsrange gerutscht. Diese Unterstützung liegt im Bereich 57,75/58,75 Euro und wird derzeit durch die ebenfalls dort verlaufende 200-Tage-Linie in ihrer Bedeutung intensiviert. Die Quartalszahlen führten zwar dazu, dass die Aktie sich von dieser Zone wieder ein Stück entfernte. Aber der Chart zeigt auch, dass zeitweise deutlich grössere, im Handelsverlauf erreichte Gewinne zum Handelsende wieder abverkauft wurden. Das Plus von 4,35 Prozent wiegt schon nicht mehr so schwer, wenn man sieht, dass Nemetschek am Freitag im Hoch drei Prozent mehr zugelegt hatte. Expertenmeinung: Das bullische Lager müsste idealerweise zügig nachlegen, um zu verhindern, dass das Verkaufssignal doch noch kommt. Denn die Analysten prognostizierte Gewinnanstieg auch eintritt, das ist hoch in Relation zum Wachstum. Nemetschek ist zwar seit Jahren recht teuer bewertet, aber die Kurs/Gewinn-Verhältnisse lagen zwischen 2015 und 2019 im Bereich 40 bis 55, nicht derart hoch wie jetzt. Und dass die Aktie derzeit nicht allzu weit unter dem Level vom Januar und Februar notiert, ist insofern ein „Aufschlag“, als man damals noch mit einem soliden Wachstum im laufenden Jahr rechnete. Nemetschek geniesst derzeit einen „nicht betroffen“-Bonus hinsichtlich Pandemie und Rezession. Aber dass das Management die Bilanz unter anderem mit dem Hinweis ergänzte, dass weitere Auswirkungen der Pandemie im laufenden Quartal erwartet werden, sollte dazu anhalten, vorsichtig zu bleiben. Long-Positionen unterhalb dieser jetzt entscheidenden Unterstützungszone 57,75/58,75 Euro konsequent abzusichern, dürfte da kein Fehler sein. Nemetschek Aktie Chart vom 31.07.2020, Kurs 62,40 Euro, Kürzel NEM | Online Broker LYNX Sie möchten täglich vor Börsenstart unsere Chartanalysen per E-Mail erhalten? Dann abonnieren Sie hier unseren Börsennewsletter mit aktuellen Börsennews.