Optionsstrategien in einem Bärenmarkt – Nicht nur überleben, sondern auch Geld verdienen

Wenn die Märkte kollabieren, wie sie es in den letzten Wochen getan haben, stellen sich natürlich die folgenden Fragen: Was mache ich mit meinen Aktien und mit meinen Optionen? Gibt es Möglichkeiten, Verluste zu minimieren, oder sogar von einem Kursrutsch zu profitieren?

Bei Korrekturen von rund 6% in nur 14 Handelstagen beim S&P500, von 6,5% beim Dow Jones und sogar von mehr als 9% beim DAX, ist es kaum denkbar, dass ein Anleger aus solch einer Markt-Schwäche ohne Verluste herauskommt. Dennoch gibt es Techniken, die Anlegern erlauben, einen Bärenmarkt glimpflich zu überstehen oder sogar daraus Profite zu erzielen. Ohne Optionen geht es aber nicht. Es ist der Einsatz von Optionen und von Optionen-Kombinationen bzw. Optionsstrategien, der helfen kann, ein Depot in einer schwierigen Marktlage optimal zu verwalten.

Optionsstrategien wenn Ihre Aktien gefallen sind

Ein reiner Aktienanleger, der keine Optionen handelt, wird bei fallenden Aktien, die sich im Depot befinden, nicht über viele Alternativen verfügen. Er kann entweder warten, bis sich die Aktien (hoffentlich) erholen oder in den sauren Apfel beißen und die Aktien mit Verlust verkaufen, um weitere Verluste zu vermeiden.

Optionen können aber helfen, den Aktien-Bestand zum Teil zu schützen.

Einige Anleger kaufen Put Optionen, wenn die Märkte bereits gefallen sind, um von einem weiteren Kursrutsch zu profitieren. Ich halte diese Methode für ungeeignet, um einen Aktienbestand zu schützen. Wenn die Märkte bereits gefallen sind, sind Put Optionen in der Regel sehr teuer. Der Plan geht nur dann auf, wenn die Märkte weiterhin sehr schnell und sehr stark fallen. Diese Strategie wäre in den letzten Jahren nicht erfolgreich gewesen. Zwar haben wir einige heftige Korrekturen an den Märkten erlebt, die Erholungsphasen folgten aber prompt. Put Optionen, die teuer gekauft werden, ohne dass die Märkte ihren Abwärtstrend fortsetzten, führen fast unausweichlich zu einem Verlust-Geschäft.

Viele besser ist die Covered Call Strategie. Sie können mit dieser Strategie je 100 Aktien in Ihrem Depot eine Call Option auf den Bestand „schreiben“. Das heißt: Sie verkaufen 1 Call Option leer. Dadurch kassieren Sie eine Prämie und reduzieren ganz einfach den durchschnittlichen Kurs, zu dem Sie in die Aktie eingestiegen sind. Wenn die Call Option verfallen ist, wiederholen Sie das Verfahren und verkaufen eine neue Call Option leer. Wenn Sie Restlaufzeiten für Ihre Optionen von beispielsweise 45 Tagen wählen, können Sie 8 mal im Jahr Call Optionen leerverkaufen und regelmäßig Prämien vereinnahmen.

Die leerverkaufte Call Option profitiert davon, dass die Aktie fällt, sich seitwärts bewegt, oder nicht allzu stark steigt. Diese Strategie ist also in einem Bärenmarkt ein ideales Handelsinstrument, um Woche für Woche und Monat für Monat ein Zusatz-Einkommen zu generieren, obwohl der Aktienmarkt selbst gerade nichts liefert.

Wenn Ihre leerverkauften Optionen plötzlich im Geld sind

Wenn Sie Optionen leerverkauft haben, die aus dem Geld waren und jetzt im Geld sind, müssen Sie in der Regel reagieren. Dabei kommt es darauf an, wie tief die Short Option im Geld ist. Wenn sie tief im Geld ist, ist die Wahrscheinlichkeit einer Ausübung der Option höher, als wenn sie nur leicht im Geld ist. Die Ausübung einer Option ist kein großes Problem, aber in der Regel gehört sie nicht zur geplanten Strategie. Mehr zum Thema Ausübung erfahren Sie im Artikel Vorzeitige Ausübung von Optionen – So reagieren Sie richtig und bleiben entspannt.

Wenn Short Optionen im Geld sind, hilft das sogenannte „Rollen“: Sie schließen die bestehende Position, indem Sie die leerverkauften Optionen zurückkaufen und eröffnen eine neue mit längerer Laufzeit. Bei der neuen Position werden erneut Basispreise gewählt, die aus dem Geld sind. Dadurch, dass Sie eine längere Laufzeit gewählt haben, ist der Zeitwert der Option höher als bei der Position, die Sie gerade schließen. Die Prämie, die Sie mit der neuen Position vereinnahmen, deckt idealerweise die Kosten der Schließung der bestehenden Position.

Dieses Verfahren gilt sowohl für einfache leerverkaufte Optionen als auch für Optionsstrategien wie zum Beispiel den Short Strangle.

Ich fasse an dieser Stelle die 3 Szenarien, die im Falle eines Bärenmarkts oder eines Börsencrashs eintreten könnten, und Ihre jeweiligen Handlungsmöglichkeiten zusammen:

3 Optionsstrategien für einen Bärenmarkt

SzenarienWas Sie machen könnten
Die Aktien sind tiefer gefallen als den EinstiegskursSie könnten je 100 Aktien in Ihrem Depot eine Call Option leerverkaufen. Mit der vereinnahmten Prämie der Call Option drücken Sie den Einstiegskurs und den Breakeven nach unten. Diese sogenannte Covered Call Strategie kann Ihnen regelmäßig zusätzliche Einnahmen bescheren und so die Verluste aus dem Aktien-Bestand minimieren.
Ihre Short Put Optionen, die Sie aus dem Geld leerverkauft hatten, sind jetzt tief im Geld.Sie können die Position in einen späteren Monat "rollen": Sie kaufen die Put Option zurück und verkaufen eine neue leer, mit mehr Restlaufzeit.
Eine Seite eines Short Strangles ist jetzt im GeldWenn die zugrunde liegende Aktie beispielsweise gefallen ist, kann es sein, dass der Basispreis der leerverkauften Put Option unterschritten wurde. In diesem Fall könnten Sie die leerverkaufte Call Option mit Gewinn zurückkaufen und eine neue Call Option mit einem tieferen Basispreis leerverkaufen. So vereinnahmen Sie eine zusätzliche Prämie.

Wenn die zugrunde liegende Aktie beispielsweise gestiegen ist, kann es sein, dass der Basispreis der leerverkauften Call Option überschritten wurde. In diesem Fall könnten Sie die leerverkaufte Put Option mit Gewinn zurückkaufen und eine neue Put Option mit einem höheren Basispreis leerverkaufen. So vereinnahmen Sie ebenfalls eine zusätzliche Prämie.

Ansonsten könnten Sie auch den kompletten Short Strangle "rollen", in dem Sie die Optionen-Kombination schließen und eine neue mit längerer Laufzeit eröffnen.

Der Schutz des Depots mit adäquaten Techniken kommt natürlich an erster Stelle, wenn die Märkte fallen. Kurskorrekturen bieten aber auch Chancen für neue Einstiege, die in Betracht gezogen werden sollten.

Chancen für neue Einstiege: Von der höheren Volatilität profitieren

Wenn die Märkte fallen, steigt fast immer die implizite Volatilität der Aktien. Für Optionsverkäufer ist dies eine Chance, attraktive Trades einzugehen. Wenn die implizite Volatilität hoch ist, sind die Optionen teurer: Ihr Leerverkauf beschert in solchen Fällen höhere Prämien als in Zeiten niedriger Volatilität.

Nicht jede Aktie und nicht jeder Sektor werden in einem Börsencrash gleich bestraft. Es lohnt sich, einen genauen Blick auf die einzelnen impliziten Volatilitäten zu werfen und sie mit vergangenen Werten zu vergleichen. Dazu helfen zum Beispiel das Volatilitäts-Ranking und das Volatilitäts-Perzentil. Diese Werte finden Sie problemlos in Ihrer LYNX Handelsplattform. Wie Sie zu diesen zwei wichtigen Parametern kommen, erfahren Sie in im Artikel: Werden Sie mithilfe der Volatilität zum Profi-Trader.

Wenn Sie einem Anlage-Sektor gegenüber grundsätzlich optimistisch eingestellt sind, können Marktphasen, in denen die Aktien dieses Sektors stark gefallen und deren implizite Volatilitäten gestiegen sind, eine hervorragende Chance darstellen, Put Optionen auf diese Aktien leerzuverkaufen. Dazu könnten Sie auch längere Laufzeiten von beispielsweise 1 Jahr wählen, da langlaufende Short Optionen besonders gut von einer Rückkehr der impliziten Volatilität zu durchschnittlichen Niveaus profitieren.

Beispiel: Short Put auf Exxon Mobil

Eine Optionen-Tradeidee wäre zum Beispiel ein Short Put auf Exxon Mobil (Ticker: XOM). Mit einem aktuellen Volatilitäts-Perzentil von rund 89% (Stand: 16. August 2019), ist die Aktie des Öl-Unternehmens besonders schwankungsreich. Die Optionen auf Exxon Mobil sind entsprechend relativ teuer im Vergleich zu vergangenen Zeiten.

Wenn Sie eine positive Meinung über Exxon Mobil vertreten oder wenn Sie zum Beispiel denken, dass der Ölpreis künftig steigen wird, wovon Exxon Mobil profitieren würde, ist der Leerverkauf einer Put Option eine Möglichkeit, daraus Profit zu schlagen. Darüber hinaus bieten Short Puts sogar ein Sicherheitspolster, was eventuelle Kursverluste der Aktie abfedern würde.

Eine Put Option mit Basispreis 60$ und Laufzeit 19. Juni 2020 erlaubt aktuell eine Prämie von rund 325$ je gehandeltem Kontrakt. Das ist eine Rendite von ca. 35%, bezogen auf die Margin, die hinterlegt werden müsste. Die Gewinnwahrscheinlichkeit liegt bei 75% und der Breakeven befindet sich bei 56,75$, also 16% unter dem aktuellen Kurs von Exxon Mobil (67,57$).

Sollte in naher Zukunft die implizite Volatilität von Exxon Mobil deutlich fallen, was nicht ausgeschlossen ist, wenn sich die Märkte erholen, ist es denkbar, dass der Short Put einen Gewinn vorzeitig abwirft. Es wäre zum Beispiel möglich, die Put Option nach 2 oder 3 Monaten zu einem billigeren Kurs zurückzukaufen und einen Teil der Prämie (z.B. 30%) als Gewinn einfach mitzunehmen.

Tradeidee mit einem Short Put mit Basispreis 60$.

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Im Chart sehen Sie die Entwicklung der Exxon Mobil Aktie über 1 Jahr. Die Aktie hat seit April 2019 deutlich an Boden verloren. Dadurch ist seine implizite Volatilität gestiegen. Anleger, die an die Aktie glauben, könnten durch einen Short Put mit Basispreis 60$ von einer Stabilisierung der Aktie profitieren. Dabei entstehen Verluste erst unter dem Breakeven-Kurs von 56,75$.

Fazit: Optionen können das Depot schützen und Chancen eröffnen

Fallende Märkte lassen Anleger den Puls höher schlagen. Das ist menschlich und normal. Dabei ist es aber auch wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren. Mit Bedacht sollten Sie Methoden anwenden, die Ihr Depot schützen. Dafür eignen sich zum Beispiel Optionen.

Kurskorrekturen sind nicht nur ein Risiko, das es zu mindern gilt. Sie sind auch Chancen, die ergriffen werden können. Auch da bieten Optionen unzählige Möglichkeiten, von den enormen Preisnachlässen von gefallenen Aktien zu profitieren. Unabdingbar ist dabei die Berücksichtigung der impliziten Volatilität im Entscheidungsprozess. Sie hilft Ihnen, die Werte zu finden, die durch die Marktkorrektur besonders bestraft worden sind. Wenn Sie von der langfristigen Qualität dieser Aktien überzeugt sind, lohnt sich ein Blick auf langfristige Put Optionen, um von einer Rückkehr zur Normalität zu profitieren.

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Eric Ludwig

Eric Ludwig

Der gebürtige Straßburger Eric Ludwig, Jahrgang 1978, begann nach seinem Ingenieur-Studium eine Karriere in der Luftfahrtindustrie, die ihn zu Management-Positionen führte. Bereits vor 15 Jahren entdeckte er seine Leidenschaft für die Mechanismen der Börse. Er entwickelte eigene Strategien in den Bereichen Rohstoff-Handel, Portfolio-Optimierung und schließlich Optionen. Der Optionen-Handel wurde zu seinem Steckenpferd und erlaubte ihm, eine 2. Karriere als Chefredakteur, Chefanalyst und Referent einzuschlagen. Eric Ludwig handelt heute seine eigenen Strategien immer noch aktiv und erfolgreich an den Märkten.

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