Wacker Chemie Aktie Prognose Wacker Chemie: Reichen die Ergebnisse für den Befreiungsschlag?

News: Aktuelle Analyse der Wacker Chemie Aktie

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Wacker Chemie
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Der September war für die Wacker Chemie-Aktie ein fataler Monat. Im Oktober begann eine Bodenbildung, nachdem man sah, dass an der runden 100-Marke gekauft wurde. Die gestrige Quartalsbilanz hätte da viel bewegen können, tat sie aber nicht. Gelingt die Wende trotzdem?

Wären die gestern vorgelegten Ergebnisse des dritten Quartals nebst aktualisiertem Ausblick auf das Gesamtjahr stark genug ausgefallen, um die Bullen zu mobilisieren, hätte aus der laufenden Bodenbildung leicht ein charttechnisches Kaufsignal werden können. Doch am Ende des Tages ging die Wacker Chemie-Aktie mit -0,3 Prozent fast unverändert aus dem Handel. Waren die Zahlen zu unspektakulär, ist ihr möglicher Effekt damit verpufft? Nein, noch müssen die Bullen die Flinte nicht ins Korn werfen, aus dem bullischen Signal kann noch etwas werden … wenn die Käufer jetzt nachlegen. Zumal die Bilanz mehr Licht als Schatten auswies.

Richtig ist zwar, dass das Ergebnis des dritten Quartals alleine genommen niemanden begeistern konnte. Der Umsatz traf mit 2,13 Milliarden Euro genau die Durchschnitts-Prognose. Damit lag er zwar satte 28 Prozent über dem des Vorjahresquartals. Aber man hatte wegen der Inflation mit solchen Steigerungen auch gerechnet. Und der Gewinn stieg eben nicht mit. Der operative Gewinn, d.h. der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) lag mit 457 Millionen Euro nicht wesentlich über dem des dritten Quartals 2021 (450 Millionen) und verfehlte die Analystenprognose von 499 Millionen deutlich. Aber es gab ja auch noch den Ausblick auf das Gesamtjahr.

Und der las sich durchaus erfreulich. Wacker grenzte die Spanne, in der man das EBITDA erwartet, auf der Unterseite ein. Jetzt sieht man hier eine Range zwischen 2,1 und 2,3 Milliarden Euro nach zuvor 1,8 bis 2,3 Milliarden, die Umsatzprognose liess man unverändert bei 8,0 bis 8,5 Milliarden. Wobei man nicht übersehen sollte: Das EBITDA hatte 2021 bei 1,5 Milliarden Euro gelegen, Wacker wird also 2022 mehr verdienen als im Vorjahr, als die Aktie noch weit höher notierte.

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Wacker Chemie Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Zwar rechnen die Analysten momentan damit, dass sich der Gewinn im Jahr 2023 gegenüber 2022 halbieren wird, weil der Sondereffekt in Form der höheren, erzielten Preise auslaufen dürfte. Aber derzeit weist die Aktie auf Basis der 2022er-Gewinnschätzung ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von 5 aus. Ein halbierter Gewinn würde daher nicht bedeuten, dass die Aktie mit Blick auf 2023 zu teuer wäre, denn ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von 10 läge zwar im Vergleich zu früheren Jahren am oberen Ende des Normalen, aber sollte sich die Lage in den kommenden Jahren wieder verbessern, wäre die Aktie allemal interessant …

… wenn es gelingen würde, die aktuellen charttechnischen Widerstände zu überwinden. Dabei geht es um die Widerstandszone im Bereich 118/125 Euro. An der blieb die Wacker-Aktie auch am Donnerstag hängen, aber der Blick auf den Chart zeigt, dass der Kurs im Tagesverlauf schon deutlich weiter im Minus gelegen hatte. Dieses Minus wurde aufgekauft, damit bleibt die Tür offen, um die Widerstandszone anzugehen und im Idealfall zu überwinden. Der aktualisierte 2022er-Ausblick könnte als Motivation dienen. Aber es wäre auf jeden Fall ratsam abzuwarten, ob dieser Kraftakt der Bullen auch gestartet wird und von Erfolg gekrönt ist, denn die Chance auf einen Befreiungsschlag und dessen Gelingen sind, vor allem in einem von Unsicherheit geprägten Markt wie diesem, zwei Paar Schuhe.

Chart vom 27.10.2022, Kurs 117,25 Euro, Kürzel WCH | Online Broker LYNX

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Vorherige Analysen der Wacker Chemie Aktie

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Das ist eine herbe Enttäuschung: Der Effekt des am Montag von der Expertenkommission vorgestellten „Gaspreisdeckels“ verpufft, die Wacker Chemie-Aktie hat den dadurch initiierten Kursanstieg wieder verloren – und rutscht wieder auf eine charttechnische Schlüsselmarke zu.

Über 50 Euro hatte die Wacker Chemie-Aktie binnen eines Monats verloren. Mit der unmittelbar positiven Reaktion auf die Vorschläge der von der Regierung eingesetzten Expertenkommission zur Reduzierung der Last auf Privathaushalte und Industrie durch die extrem gestiegenen Gaspreise liess sich vermuten, dass es mit dem Abwärtsdruck erst einmal vorbei wäre. Immerhin benötigt gerade die Chemiebranche viel Gas für die Produktion. Die vorgeschlagene Deckelung von 70 Prozent des 2022er-Gasverbrauchs bei 7 Cent pro Kilowattstunde ab Januar 2023 und bis Ende April 2024 dürfte den Unternehmen auch eine spürbare Hilfe sein.

Aber wenn man sich den Chart der Wacker-Aktie ansieht, kommt man nicht um die Erkenntnis herum, dass so viele Marktteilnehmer trotzdem denken, dass diese Aktie noch weiter fallen müsste, dass die Chance auf einen Befreiungsschlag nach oben erst einmal dahin ist. Zwar liegt selbst das niedrigste aller Analysten-Kursziele mit 104 Euro auf und nicht unter dem derzeitigen Kursniveau. Aber der Hintergrund, mit dem dieses Kursziel von 104 Euro ausgegeben wurde, wirkt wie eine Anfeuerung für das bärische Lager. Wieso?

Expertenmeinung: Dieses momentan tiefste aller Kursziele bei 104 Euro wurde von den Analysten der US-Investmentbank J.P. Morgan ausgegeben und dabei erst Ende September von zuvor bereits gesenkten 126 Euro erneut nach unten genommen. J.P. Morgan begründet dieses Kursziel damit, dass die Gewinnmargen von Wacker Chemie ebenso wie bei der Chemiebranche insgesamt von zwei Seiten unter Druck geraten: Durch eine sinkende Nachfrage nach den Produkten einerseits und durch die markant höheren Kosten durch die energieintensive Produktion. Und ob die Regierung den Vorschlag der Expertenkommission so umsetzt und wie viel Druck das bei Wacker von der Kostenseite nimmt, weiss man ja noch nicht. Das wird sich am 27. Oktober wohl klarer erkennen lassen, dann stehen die Quartalsergebnisse von Wacker Chemie im Terminkalender … und mit ihnen wird man mit einem aktualisierten Ausblick auf das laufende, idealerweise auch auf das kommende Quartal rechnen können.

Für die bullische Seite ist der Abverkauf der kurzen, positiven Reaktion auf die Vorschläge zum „Gaspreisdeckel“ höchst brenzlig, für das Bären-Lager dafür umso verlockender. Der Wochenchart zeigt, wie nahe sich die Aktie jetzt an einem mittelfristig entscheidenden Support befindet. Wacker hatte Ende September bei 100,80 Euro erst einmal wieder nach oben gedreht. Aber das nicht nur, weil dort eine psychologisch relevante, runde Marke liegt, sondern auch, weil dieser Bereich um 100 Euro in den vergangenen Jahren mehrfach als markante Wendemarke diente. Das Jahreshoch 2019 lag bei 98,22, das Jahrestief 2021 bei 102,60 Euro.

Würde dieser Bereich mit Schlusskursen unter 98 Euro fallen, läge die nächste Unterstützung von mittelfristiger Bedeutung erst im Bereich 75/76 Euro. Hier steht jetzt also eine Entscheidung an … und mit der dürften die Trader nicht warten, bis die Wacker-Quartalsbilanz am 27. Oktober ansteht.

Wacker Chemie Aktie: Chart vom 11.10.2022, Kurs 104,60 Euro, Kürzel WCH | Online Broker LYNX
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Ein Minus von 9,57 Prozent bei Wacker Chemie: Hatte es gestern dort eine Gewinnwarnung gegeben? Nein, es gab nur eine Kursziel-Senkung durch einen Analysten. Aber die hatte es in sich, denn die Argumente waren durchaus nachvollziehbar. Wie geht man damit jetzt um?

Was die Marktteilnehmer besonders aufgeschreckt haben dürfte ist, dass der für die Aktie zuständige Analyst beim US-Investmenthaus J.P. Morgan sein Kursziel für Wacker Chemie bereits am 13. September auf 126 Euro gesenkt und die Empfehlung „Untergewichten“ ausgegeben hatte. Und jetzt, nur gut zwei Wochen später, nimmt der Analyst das Ziel erneut nach unten, sieht jetzt nur noch 104 Euro. Die Aktie „gehorchte“ und fiel fast genau auf eben dieses Kursziel von 104 Euro. Also, ist damit das Abwärtspotenzial ausgereizt?

Möglich, aber noch ist das unsicher. Noch ist dieses J.P. Morgan-Kursziel das niedrigste von allen derzeit umgehenden Kurszielen. Zum Vergleich: Das US-Investmenthaus Stifel senkte sein Kursziel ebenfalls gestern, aber von 186 auf 178 Euro und bewertete Wacker mit „Kaufen“. Wieso folgen die Akteure dann dem negativsten aller Kursziele, was man sonst eher nicht tut?

Expertenmeinung: Weil die Argumentation für dieses niedrige Kursziel nachvollziehbar klingt. J.P. Morgan verweist auf den negativen Ausblick des VCI, des Verbands der Chemischen Industrie in Deutschland. Zugleich weist man auf sinkende Preise durch eine nachlassende Nachfrage hin, während die Kosten zugleich noch steigen: Das werde die Margen drücken. Und so ganz alleine steht man damit, den ansonsten viel höheren Analysten-Kurszielen zum Trotz, damit nicht. Denn auch, wenn das Gros der Experten für 2022 bislang noch mit deutlich steigenden Unternehmensgewinnen rechnet:

Für 2023 liegt die durchschnittliche Gewinnschätzung für Wacker Chemie über 40 Prozent niedriger als für 2022 und noch unter dem Gewinn, den das Unternehmen 2021 erreicht hatte. Selbst in diesem Fall wäre die Aktie von Kurs/Gewinn-Verhältnis zwar noch relativ günstig bewertet. Aber man weiss: Wenn die Gewinne in konjunktursensiblen Unternehmen erst einmal ins Rutschen kommen, dann oft richtig.

Durch diesen gestrigen Abverkauf ist Wacker Chemie durch den wichtigen Unterstützungsbereich 116/118 Euro gerutscht. Damit wurde ein Topp vollendet, das man als Schulter-Kopf-Schulter-Formation mit zwei Köpfen sehen kann. Aber gerade weil diese Zone 116/118 Euro fiel, dürfte der Selloff so deutlich ausgefallen sein, da knapp darunter viele Stop Loss-Absicherungen gelegen haben, die durch den Verkaufsdruck ausgelöst wurden. Hinzu kommt, dass die Wacker-Aktie dadurch gleich an die nächste potenzielle Unterstützung bei 98/99 Euro gerutscht ist. Dieser Bereich könnte also halten, aber:

Bei dieser Abwärtsdynamik in einem äusserst nervösen Gesamtmarkt darauf zu setzen, wäre sehr riskant. Besser wäre es, bezüglich eines erwogenen Einstiegs abzuwarten, bis Wacker Chemie wieder über 116/118 Euro läuft und damit ein Signal erfolgt, das andeutet, dass das Bären-Lager die Aktie aus seinen Fängen entlassen hat.

Wacker Chemie-Aktie: Chart vom 29.09.2022, Kurs 103,90 Euro, Kürzel WCH | Online Broker LYNX

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Was Wacker Chemie am Donnerstag zum 2. Quartal berichtete, war tadellos. Die schwierige Gemengelage bremst, aber das Spezialchemie-Unternehmen wächst trotzdem weiter. Die Aktie hat dadurch einen wichtigen Widerstand erreicht – gelingt es, ihn zu bezwingen?

Es läuft bei Wacker Chemie, trotz des Gegenwinds durch die deutlich höheren Preise für Energie und Rohstoffe. Zwar ging dadurch der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal von 643,7 Millionen auf 625,8 Millionen leicht zurück. Aber gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres ist es ein Anstieg – und zwar um satte 95 Prozent. Auch die EBITDA-Gewinnmarge kam moderat von 31 auf 28,8 Prozent zurück, doch ein Jahr zuvor hatte die nur bei 21,4 Prozent gelegen.

Die Tatsache, dass man höhere Preise durchsetzen konnte und die starke Nachfrage eine sehr hohe Auslastung der Produktionskapazität ermöglichte, sorgte für diese hervorragende Bilanz. Und Wacker Chemie bleibt für die kommenden Monate guter Dinge. Das Unternehmen hob im Zuge dieser Bilanzzahlen den Umsatzausblick für das Gesamtjahr 2022 von vorher ca. 7,5 Milliarden auf jetzt 8,0 bis 8,5 Milliarden Euro an. Und noch deutlicher geht die Prognose für das 2022er EBITDA nach oben: von bislang 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro auf jetzt 1,8 bis 2,3 Milliarden. 2021 standen da 1,5 Milliarden zu Buche, was heisst: Statt eines etwas niedrigeren bis gehaltenen EBITDA sieht man jetzt einen deutlichen Anstieg.

Expertenmeinung: Selbst wer wollte, konnte kein Haar in der Suppe finden. Denn sogar das zum ersten Quartal rückläufige EBITDA war letztlich positiv zu sehen, denn angesichts der so immens gestiegenen Kosten ist dieser Rückgang gering genug, um konstatieren zu können, dass das Unternehmen imstande war, sich hinreichend schnell und effektiv auf den Gegenwind einzustellen.

Der Kurssprung, den die Aktie daraufhin am Donnerstag vollzog, ist also nachvollziehbar, auch in seiner Dimension. Die Frage ist, ob da noch mehr nachkommt, sprich Anschlusskäufe auftauchen. Denn nur dann würde aus diesem Satz nach oben mehr als ein Test der oberen Begrenzung einer mehrwöchigen Seitwärtsspanne.

Sie sehen im Chart, dass die Wacker Chemie-Aktie bis Ende Juni deutlich höher notierte, Anfang Juni war es sogar zu einem Angriff auf das bisherige Rekordhoch von Ende 2007 gekommen. Angesichts einer solch soliden Bilanz und einer spürbaren Anhebung der Gesamtjahresprognose wäre es grundsätzlich drin, dass sich die Aktie wieder in diese Bereiche vorarbeiten kann, immerhin hätte man im Juni, als der Kurs seinen Ausbruchsversuch über die Zwischenhochs der letzten gut zehn Jahre unternahm, nicht mehr erwarten können als das, was gestern an Zahlen und Perspektiven geliefert wurde.

Wacker Chemie-Aktie: Chart vom 28.07.2022, Kurs 146,25 Euro, Kürzel WCH | Online Broker LYNX

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Wenn ein Ausbruch auf mehrjährige Hochs keine Anschlusskäufe sieht, drei Tage später zur Bullenfalle wird und selbst das Anheben der Gewinnprognose die Verkäufe nicht stoppt, brennt für die Bullen gerade etwas an. Bei Wacker Chemie ist genau das passiert.

Zweimal drehte die Aktie des Spezialchemie-Konzerns Wacker Chemie an den markanten Charthürden in Form der Jahreshochs 2011 und 2018 ab, beim dritten Mal ging sie nach oben durch. Ein Befreiungsschlag, der aber, Sie sehen es im Chart, nach nur drei Tagen Geschichte war: Die Aktie fiel wieder zurück, eine Bullenfalle war entstanden. Auch, weil zwei Analysten ausgerechnet in diesem Moment ihre Einschätzungen senkten. Alsterresearch stufte die Aktie von „Kaufen“ auf „Halten“ zurück, J.P. Morgan senkte die Einstufung sogar von „Neutral“ auf „Untergewichten“.

Das hätte dann aber eigentlich nur ein kurzer Rückschlag sein dürfen. Denn kurz darauf, am 13. Juni, meldete Wacker Chemie, dass auf Basis der aktuellen Lage davon ausgegangen werden könne, dass man im jetzt bald endenden zweiten Quartal einen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) von 600 Millionen Euro erreichen wird, deutlich über den bisherigen Expertenprognosen von knapp 500 Millionen. Aber statt umgehend wieder anzuziehen, fiel die Wacker-Aktie einfach weiter … und hat dadurch jetzt eine charttechnische Schlüsselzone erreicht.

Expertenmeinung: Zu Wochenbeginn versuchten sich die Käufer zwar daran, die Aktie noch klar über der vorgenannten Schlüsselzone, die aus der 200-Tage-Linie bei aktuell 151 Euro und dem Mai-Tief bei 148,70 Euro besteht, zu stabilisieren. Aber gestern wurde auch dieser Stabilisierungsversuch durch eine Neueinschätzung von Analystenseite „abgeschossen“. Zwar hob man das Kursziel der Aktie bei der Citigroup an … aber von 120 Euro auf 125 Euro. Es bleibt also meilenweit unter dem aktuellen Level … und damit blieb es seitens der Citigroup auch bei der folgerichtigen Empfehlung „Verkaufen“.

Diese Supportzone 148,70/151,00 Euro könnte natürlich bei diesem ersten Test halten, am Mittwoch klappte das immerhin. Aber sofort Entwarnung zu geben, wenn die Wacker-Aktie sich in diesem Fall ein paar Tage nach oben bewegt, wäre riskant. Dass man hier auf „good news“ nicht adäquat reagiert … dass ein klares, bullisches Signal wie der Ausbruch über die Hochs von 2011 und 2018 keine Anschlusskäufe sieht … dass mehrere Analysten in dieser Situation ihre Einschätzungen senken … all das ist etwas, das man ernst nehmen sollte.

Sollte die Wacker Chemie-Aktie diesen Bereich 148,70/151,00 Euro auf Schlusskursbasis eindeutig, d.h. mindestens um einen Euro, unterbieten, wäre das die Bestätigung, dass die Bullenfalle vom Monatsanfang einen markanten Flurschaden in Sachen Optimismus unter den Investoren angerichtet hat. Dann wäre es keineswegs unwahrscheinlich, dass der Kurs schnell nach unten durchgereicht wird und womöglich sogar relativ zügig Tuchfühlung mit der nächsten, markanteren Unterstützungszone bei 116,65/117,80 Euro aufnimmt.

Wacker Chemie-Aktie: Chart vom 22.06.2022, Kurs 151,35 Euro, Kürzel WCH | Online Broker LYNX
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Ein Minus von 6,15 Prozent war die Quittung für die Quartalsbilanz von Wacker Chemie am Donnerstag. Was verblüffte, denn die Ergebnisse lagen über den Analystenprognosen. Und dann wurde auch noch die Umsatzprognose für das Gesamtjahr angehoben. Was war da los?

Schon seltsam: Diese grandiosen Zahlen mochten so gar nicht zu dem Abverkauf der Aktie passen. Und auch, wenn Wacker Chemie nicht auf Tagestief schloss: Allzu viel Kaufinteresse kam da nicht auf, trotz eines Minus von in der Spitze 9,1 Prozent, das auf den ersten Blick wie eine perfekte Einstiegschance wirken mochte. Und die Ergebnisse waren gut, schlugen die Analystenerwartungen:

Der Umsatz war im Vergleich zum Vorjahresquartal um satte 53 Prozent gestiegen, das EBITDA stieg sogar um 150 Prozent. Und die Umsatzprognose für das Gesamtjahr hob Wacker von zuvor 7,0 auf jetzt 7,5 Milliarden an, nach 6,2 Milliarden 2021. Der EBITDA-Gewinn (vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen) soll jetzt eher am oberen Ende der Prognosespanne von 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro liegen. Was hätte man denn mehr erwarten können?

Expertenmeinung: Womöglich hatten da relativ viele Trader darauf gesetzt, dass auch die Gewinnprognose angehoben wird. Denn so grandios das alles klingt: 2021 hatte Wacker Chemie im EBITDA 1,5 Milliarden erreicht, d.h. die 2022er-Spanne von 1,2 bis 1,5 Milliarden avisiert einen Gewinnrückgang. Was aber eigentlich auch nicht wundern dürfte, in diesem Umfeld massiv gestiegener Erzeugerpreise. Doch da wäre noch der Chart:

Die Wacker Chemie-Aktie war wie z.B. auch Bayer im DAX, einer der wenigen grossen Outperformer in ihrem Index, dem MDAX. Während der MDAX seit Ende 2021 momentan ein Minus von etwa 15 Prozent ausweist, hatte Wacker in der Spitze über 30 Prozent zugelegt. Und diese Käufe hatten die Aktie nicht einfach „nur“ nach oben getragen. Vor zwei Wochen hatte der Kurs den höchsten Stand seit 2008 erreicht und damit gleich drei immens markante Charthürden kurzzeitig überboten, die Sie im Chart mit eingeblendet sehen: die Hochs der Jahre 2011, 2018 und 2021. Und kam nicht durch. Die Aktie drehte ausgerechnet dort schon im Vorfeld der Zahlen ab, was so manchen bullischen Trader nervös gemacht haben dürfte.

Und jetzt wurde eben deutlich, dass die Hoffnung, dass man beim Spezialchemie-Konzern vielleicht doch eine Gewinnsteigerung erreichen könnte, nicht erfüllt wird. Warum sollte die Aktie das 2021er-Hoch überbieten, wenn der Gewinn pro Aktie unter dem des Jahres 2021 liegt? Und gerade der Umstand, dass Wacker so stark gelaufen war, liess Gewinnmitnahmen da dann leichter fallen. Es war ja noch genug Gewinn übrig, also stiegen viele aus. Jetzt kommt es darauf an, ob die Unterstützung in Form des Januar-Hochs bei 153,50 Euro hält. Diese Line war im Handelsverlauf kurz unterboten, dann zum Handelsende aber verteidigt worden. Sollte Wacker das Donnerstags-Tagestief bei 152 Euro auf Schlusskursbasis unterschreiten, die zaghaften Rückkäufe des Donnerstagnachmittags also auch überrannt werden, wäre es daher nicht überraschend, wenn die Verkäufe weitergehen.

Wacker Chemie-Aktie: Chart vom 28.04.2022, Kurs 156,95 Euro, Kürzel WCH | Online Broker LYNX