Silberpreis Prognose: Silber-Rallye oder Absturz? | Online Broker LYNX

2020, 2021 und auch das noch laufende Jahr 2022 waren Jahre, die die alte Börsenregel „erwarten Sie das Unerwartete“ wieder einmal bestätigten. Niemand hätte ahnen können, mit welchen Herausforderungen die Investoren konfrontiert würden … und damit ebenso wenig, wie die Börsen am Ende dieser so turbulenten Jahre dastehen würden. Für die Edelmetalle war 2020 ein starkes Jahr, Gold erreichte ein neues Rekordhoch, Silber beendete das Jahr 2020 mit der stärksten Performance seit zehn Jahren. 2021 hingegen stiegen zwar die Aktienmärkte trotz der noch nicht überwundenen Corona-Problematik weiter, Gold und Silber jedoch traten auf der Stelle. Und 2022?

2022 ist zwar noch nicht vorbei, aber es wird schwierig, das Ruder für Silber noch herumzureissen. Per 21. Oktober liegt die Performance von Silber bei -20 Prozent. Und das, obwohl steigende Zinsen und eine immens hohe Inflation, gepaart mit einer Baisse am Aktienmarkt und geopolitischen Spannungen, eigentlich ein gutes Umfeld für steigende Edelmetall-Preise wäre. Aber wie eingangs erwähnt:

Das Unerwartete ist an der Börse nun einmal zu Hause. Was aber auch bedeutet, dass das Jahr 2023 für Silber ein immens starkes Jahr werden kann, auch und gerade, wenn die derzeitigen Rahmenbedingungen im Jahr 2023 weiter gelten sollten.

Silberpreis Prognose aktuell

Wir sehen uns das „Gold des kleinen Mannes“ einmal genauer an und loten aus, welche Faktoren auf den Silber-Kurs einwirken, wie sich diese derzeit darstellen und was das für die Chance bedeutet, dass das kommende Jahr wieder einmal ein Silber-Jahr wird.

Woran orientiert sich der Silber-Kurs?

Der Silberpreis wird am freien Markt gebildet. Die Angebots-/Nachfrage-Situation nach tatsächlichem Silber spielt dabei natürlich eine Rolle, aber oft sind die spekulativen, kurzfristigen Aktivitäten der Trader das deutlich wichtigere Element der Kursbildung.

Ob Silber wieder aufwärts tendiert, wird daher vor allem davon abhängen, ob die kurzfristigen Trader genug Chancen sehen, um nachhaltig und mit grossem Volumen auf der Long-Seite aktiv zu werden. Gold ist dafür zwar der wichtigste Vorlagengeber, aber auch dort ist es vor allem die Spekulation, die die Richtung vorgibt. Und die wird dann auf Hausse setzen, wenn sich abzeichnet, dass die sicheren Häfen, wozu man neben defensiven Aktien und Anleihen vor allem die Edelmetalle Gold und Silber zählt, wieder in den Fokus der Investoren geraten. Gründe dafür können beispielsweise das gestiegene Risiko einer entgegen der Hoffnung vieler doch nicht schnell eindämmbaren Inflation und einer dadurch ausgelösten, tiefen Rezession sein. Sehen wir uns das einmal im Einzelnen an.

Silber-Hausse 2023? Die Chancen wären gar nicht mal schlecht

Was wären die Voraussetzungen, um den Edelmetallen im Jahr 2023 eine starke Performance zu ermöglichen? Die Antwort ist einfach: unliebsame Überraschungen. Das heisst, es müsste sich eine Gemengelage ergeben, in der viele Marktteilnehmer zu dem Schluss kommen, dass die Unmengen an Kapital, die im bisherigen Verlauf des Jahres 2022 aus Aktien, Anleihen und Edelmetallen abgeflossen sind und jetzt als Barbestände auf neue Chancen warten, in Silber gut angelegt wären. Was müsste passieren, dass es so kommt?

In diesem Herbst 2022, der ebenso ungewöhnliche Rahmenbedingungen wie ungewöhnliche Trends bei Gold und Silber zeigt, müsste es vor allem zu einem kommen: Zu einem Ruck im Chartbild, zu einem ersten Aufwärtsimpuls, der den momentanen Eindruck, dass nicht nur Aktien und Anleihen, sondern auch Gold und Silber keine Basis für den Einstieg bieten, vom Tisch bringt. Dreht der Kurs erst einmal, kommen wieder erste bullische Signale im Chart, kann sich das derzeit verbreitete Ignorieren des Silbers schnell ins Gegenteil verkehren.

Potenzielle Auslöser dafür würden sich durchaus finden, z.B. eine Verschärfung der Krise durch eine nach den Zwischenwahlen im November 2022 nahezu handlungsunfähige US-Regierung, eine Zuspitzung der Wirtschaftskrise in China oder eine Eskalation im Ukraine-Konflikt. Dann könnten genug Anleger wieder der Ansicht sein, dass Edelmetalle wie Silber eben doch ein „sicherer Hafen“ sind. Denn zwingend ist das keineswegs, dazu der folgende Abschnitt:

Exkurs: Warum soll Silber ein „sicherer Hafen“ sein?

Ein kurzer Gedanke zu der Frage, wieso Edelmetalle eigentlich „sichere Häfen“ sein sollen. Dass Gold und Silber in Phasen zunehmender Verunsicherung vermehrt gekauft werden, ist nicht zwingend logisch begründbar. Schliesslich gälte für die Preisbildung hier genauso wie für alles, das an der Börse gehandelt wird, das Prinzip von Angebot und Nachfrage. Würde auf einmal kein Interesse mehr für Silber vorhanden sein, könnte der Kurs ins Bodenlose fallen und die scheinbare Beständigkeit löst sich in Luft auf. Das ist richtig, aber:

Hier geht es um subjektive Aspekte. Natürlich ist Silber ein relativ seltenes Element. Aber das sind andere auch, ohne, dass sie dieses Attribut der Sicherheit tragen würden. Es liegt einfach daran, dass die Menschen Silber seit Jahrtausenden als wertvoll erachten, dass Silber und „Geld“ früher begrifflich eng verwoben waren, weil Silber ein Zahlungsmittel war. Das verbinden viele mit dem Gedanken, dass „früher“ solche Gefahren wie grosse Rezessionen, platzende Blasen und der Verlust des letztlich nur an ein Versprechen von Regierungen gebundenen Geldwerts nicht existierten. Was ganz und gar nicht stimmt, aber wie gesagt: Das Empfinden, dass Silber ebenso wie Gold ein „sicherer Hafen“ sei, ist emotional geprägt und damit subjektiv.

Aber zurück zu der Frage, ob Silber in den kommenden Monaten einen erneuten Aufwärtsimpuls sehen wird oder nicht.

Bleiben Sie flexibel – vorgefasste Meinungen sind Gift für die Gewinne

Angenommen, die oben erwähnten Voraussetzungen für eine Aufwärtswende bei Silber würden eintreten: Kann man dann fest davon ausgehen, dass es zu einer Silber-Hausse im Jahr 2023 kommt?

Nein, denn „sicher“ ist, was die Zukunft und eine Silberpreis Prognose angeht, nun einmal gar nichts. Daher ist es absolut zwingend, sich nicht stur vorab auf ein Szenario festzulegen. Denn dann läuft ein Anleger Gefahr, eine sich auftuende Chance, die in die Gegenrichtung der eigenen Erwartung entsteht, nicht wahrzunehmen oder, schlimmer noch, eisern auf der falschen Seite des Trends zu bleiben und Verluste zu erleiden, wo Gewinne hätten entstehen können bzw. müssen.

Diese Flexibilität, die Offenheit gegenüber dem Unerwarteten, ist bei Silber noch wichtiger als bei Gold, denn der Silberpreis zeigt sich deutlich volatiler, wie der nachfolgende, langfristige Chartvergleich deutlich macht:

Silberpreis Prognose: Entwicklung Silberpreis und Goldpreis im Vergleich von 2000 bis 2022 | Online Broker LYNX

In starken Aufwärtstrends am Edelmetall-Markt steigt Silber meist stärker, in Baissen fällt es weiter als Gold. Und bisweilen zeigt der Silberpreis auch eine Zeit lang ein von Gold abgekoppeltes Eigenleben. Flexibilität ist hier also unbedingt ratsam. Was heisst:

Am besten fährt, wer im Kopf flexibel bleibt und Gelegenheiten nutzt, statt stur nach einer vorgefassten Meinung eine Position zu halten. An der Börse gilt ohnehin der Leitspruch: „Alles kann, nichts muss“.

Und das gilt für die Frage, ob Silber steigen muss, wenn am Aktienmarkt die Hoffnungen platzen, ebenso, wir erleben es ja gerade in diesem Jahr, in dem Silber und Aktien beide nach unten laufen. Aber wie geht man damit um, dass man heute nicht sicher voraussagen kann, was in drei, sechs oder zwölf Monaten sein wird?

Indem man den Kursen folgt und nicht den Meinungen. Wer klare Signale der Charttechnik zu identifizieren versteht, ist grundsätzlich in der richtigen Richtung dabei. Daher klopfen wir Silber gleich nach den Aspekten der Charttechnik ab. Vorab ein anderer Aspekt, der deutlich macht, wie tückisch Meinungen sein können:

Silberpreis-Entwicklung: Auch die Experten haben keine Glaskugel

Der folgende Chart liefert ein weiteres Argument, warum es nicht sinnvoll ist, sich im Vorfeld auf ein Szenario des Silberpreises festzulegen. Die Grafik zeigt Silber über gut 15 Jahre zusammen mit dem Anteil bullisch eingestellter Experten. Sie sehen, dass es hier einen Gleichlauf gibt: Steigt der Silberpreis, steigt der Anteil der Bullen unter den Experten. Nur, was bringt Ihnen das? Die Experten werden nicht Wochen oder Monate vorher bullisch, sondern deren Stimmung bewegt sich mit dem Kurs mit.

Silberpreis Prognose: Entwicklung Silberpreis und der Anteil bullisch gestimmter Experten im Vergleich von 2005 bis 2022 | Online Broker LYNX

Wenn selbst die ausgewiesenen Experten nicht imstande sind, die Bewegungen des Edelmetalls vorauszusagen, warum sollte man das als Anleger überhaupt versuchen? Achten Sie auf die Signale, die Ihnen die chart- und markttechnische Analyse liefern. Vorher noch ein Aspekt, den man immer im Hinterkopf behalten sollte: den Währungsfaktor.

Der Währungsaspekt ist nicht zu unterschätzen!

Silber wird wie alle Rohstoffe in US-Dollar gerechnet. Der Kurs einer Feinunze Silber in US-Dollar ist das Mass der Dinge. Was die Feinunze in Euro kostet, ist damit davon abhängig, wie der Euro/US-Dollar-Kurs aktuell steht. Und damit ist es für uns als europäische Anleger nicht alleine wichtig, wie sich der Silberpreis selbst bewegt, sondern auch, ob der US-Dollar zum Euro an Wert verliert, was bei Long-Trades auf Silber negativ wäre … oder aber, ob der US-Dollar zum Euro teurer, wertvoller wird. Ist Letzteres der Fall, gäbe es diesen Währungsgewinn noch als Zubrot. Unsere folgende Grafik zeigt, dass das einiges ausmachen kann:

Silberpreis Prognose: Entwicklung Silberpreis in Dollar und Euro im Vergleich von 2013 bis 2022 | Online Broker LYNX

Über die letzten Jahre hat der Euro tendenziell nachgegeben, d.h. der US-Dollar wurde aus Sicht europäischer Investoren mehr wert. Besonders 2015/2016, aber auch in den letzten Monaten, ging es mit dem US-Dollar aufwärts (der Euro/US-Dollar-Kurs fiel). Das sorgte im laufenden Jahr 2022 dafür, dass der Abstieg des Silberpreises für europäische Anleger weit geringer ausfiel, weil der US-Dollar mit seinem Wertzuwachs die reinen Kursverluste zu einem nicht gerade unwesentlichen Teil auffing.  

Es ist daher ratsam, bei Silber Long-Trades vorzugsweise dann mitzuziehen, wenn Euro/ US-Dollar abwärts tendiert, was hiesse, der US-Dollar legt an Wert zu. Anders bei Silber Short-Positionen: Da bietet ein schwacher US-Dollar zusätzlichen Rückenwind, denn dann verlieren der Silberkurs in US-Dollar und der US-Dollar selbst zum Euro auch noch!

Silberpreis-Prognose aus Sicht der Charttechnik: Was muss gelingen, damit die Wende kommt?

Sehen wir uns jetzt an, was ausserhalb des emotionalen Elements, das die Kurse bewegt, im Oktober 2022 an charttechnischen Fakten greifbar ist. Wie stehen die Chancen für die Silber-Bullen in diesem Herbst bzw. im Jahr 2023, was muss gelingen, damit der eingangs erwähnte „Ruck“ durch die Investoren geht?

Silberpreis Prognose: Mittelfristige Entwicklung des Silberpreises von 2016 bis 2022 | Online Broker LYNX

Der vorstehende Chart zeigt Silber seit dem Sommer 2016 auf Wochenbasis. Anhand dieses längerfristigen Charts, der einen Blick auf die übergeordnete Situation erlaubt, sehen wir, dass Silber Anfang 2021 daran scheiterte, das Vorjahreshoch zu bezwingen. Seitdem ist der Wurm drin.

In diesem Chart sehen wir auch, dass der Silberpreis Anfang Oktober 2022 zwar einen Versuch startete, sich nach oben zu lösen, diese kleine Rallye aber genau auf Höhe des Kreuzwiderstands aus dem Jahreshoch 2016 und der in diesem Chart hellblau gehaltenen 200-Tage-Linie (= 40-Wochen-Linie) scheiterte. Damit haben die bärischen Akteure also erst einmal die Oberhand behalten. Aber wenn wir uns die Lage auf einer kürzerfristigen Ebene ansehen, steht die Chance, dass es zu einer Aufwärtswende kommt, die den Boden für ein starkes Silber-Jahr 2023 bereiten würde, gar nicht so schlecht:

Wenn die momentane Bodenbildung erfolgreich endet, wäre wieder alles drin!

Silber versucht sich seit August an einer Bodenbildung, die trotz des abgewiesenen Ausbruchsversuchs Anfang Oktober recht stabil wirkt. Die entscheidende Zone ist der Bereich um 21,50/22,00 US-Dollar: Da müsste Silber hindurch, um die Basis für die Aufwärtswende zu erreichen. Aber hier sollte man absolut konsequent vorgehen, was hiesse:

Silberpreis Prognose: Kurzfristige Entwicklung des Silberpreises von November 2021 bis Oktober 2022 | Online Broker LYNX

Noch hat sich der Silberpreis nur in eine grundsätzlich für eine Aufwärtswende geeignete Position gebracht, gelungen ist die Bodenbildung aber noch nicht. Gerade angesichts der Tatsache, dass die Rahmenbedingungen schon längere Zeit ein guter Nährboden für steigende Kurse im Silber wären und es bislang dennoch anders kam, bietet es sich an, ein solches, bullisches Szenario erst umzusetzen, wenn es sich im Chart auch wirklich widerspiegelt!

Silber-Aktien: Für erfahrene Trader hochinteressant!

Ebenso wie bei Gold und anderen Edelmetallen sind Aktien der Unternehmen, die das Edelmetall fördern und/oder weiterverarbeiten eine hochinteressante Investment-Idee für risikofreudige Anleger. Risikofreudig und erfahren sollte man da aber schon sein, denn diese Aktien sind oft noch volatiler als der Silberpreis selbst. Der Grund:

Hier schlagen auch kleinere Veränderungen im Preis pro Feinunze stark auf die Gewinne durch, weil man da die Förderkosten abziehen muss. Angenommen, eine Silbermine hätte Förderkosten von 12 US-Dollar pro Feinunze, würde ein Kursanstieg des Silbers von 15 auf 18 US-Dollar die Gewinnspanne glatt verdoppeln, während dieser Anstieg im Silberkurs selbst nur 20 Prozent ausmacht.

Interessante Silber-Aktien und weitere Informationen zum Thema finden Sie in diesem Artikel: „Die besten Silber-Aktien“.

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„Goldpreis-Prognose 2022

„Euro/US-Dollar-Prognose 2022“

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„DAX-Prognose 2022“

Fazit: „Augen auf“ schlägt jede langfristige Silberpreis-Prognose

Silber ist nach einigen Jahren mit starker Performance und immenser Volatilität momentan zwar ein „Mauerblümchen“ an der Börse. Doch der Dornröschenschlaf der Edelmetalle kann jederzeit enden, die derzeitigen Krisen bieten dafür die nötigen Chancen.

Unsere Silber-Analyse hat dargelegt, dass das von einer ganzen Reihe für sich genommen nicht sicher absehbarer Faktoren abhängen wird. Die Geopolitik, die Zinspolitik der Notenbanken, die Inflation und die Auswirkungen dieser drei Faktoren auf das weltweite Wachstum: All diese Aspekte spielen eine Rolle, werden von den Investoren (meist subjektiv) bewertet und werden dann, zusammen mit der charttechnischen Entwicklung des Silberpreises, in neue, lukrative Trends münden.

Dem Kurspotenzial wären, wenn Emotionen, Charttechnik und Rahmenbedingungen einheitlich in eine Richtung weisen, weder nach oben noch nach unten Grenzen gesetzt, das hat der Silberpreis in den vergangenen Jahren bewiesen. Wir raten daher dazu, das Geschehen immer mit einem Auge zu verfolgen, um konsequent anhand charttechnischer Signale Chancen zu nutzen, von denen Silber auch in den kommenden Jahren zweifellos eine ganze Reihe zu bieten haben wird!

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