S&P 500 Prognose S&P500: Powell lässt die Kurse an der Wall Street explodieren

News: Aktuelle Analyse des S&P 500 Index

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S&P 500
ISIN: US78378X1072
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Chartanalyse
Basis 6 Monate bullish
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Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Der US-Notenbankchef, Jerome Powell, bestätige in seiner Rede am Mittwoch, dass es im Dezember wohl eher zu kleineren Zinsanhebungen an der Wall Street kommen wird. Dies nahmen sich die Bullen sofort zu Herzen. Die US-Indizes schossen wie Phönix aus der Asche und legten einen weiteren beeindruckenden Handelstag hin. Des Weiteren warnte jedoch Powell, dass er die Zügel der Geldpolitik weiterhin sehr restriktiv führen wird, bis es erste Anzeichen für Fortschritte im Bereich der Inflation gibt.

Der S&P500 ging mit einem Plus von über 3% aus dem Handel. Der etwas zinssensitivere Nasdaq konnte sogar +4.5% an Wert zulegen. Die im November gestartete Rallye geht somit vorerst unvermindert weiter.

Den aktuellen Kurs und Chart des S&P 500 sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Expertenmeinung: Wie bereits in meiner letzten Analyse auf den S&P500 erwähnt, war es ungemein wichtig, die Marke bei 3.900 Punkten zu verteidigen. Gleichzeitig schafften es die Bullen, den Index über der 20-Tage-Linie zu halten. Erstmals seit März dieses Jahres gelang sogar der Sprung über die 200-Tage-Linie. Dies bedeutet zwar noch nicht das Ende des Bärenmarktes, aber von hier aus wird es wirklich interessant. Je länger sich der Index über besagter Linie halten kann, umso mehr institutionelle Anleger werden beginnen, nachhaltig zu investieren. Noch aber ist es nur der erste Schritt in die richtige Richtung. Nach wie vor sollten sich Anleger immer auf ein Exit-Szenario vorbereiten. Vorerst bleibt also alles über der Marke von 3.900 Punkten positiv.  

Aussicht: BULLISCH

Chart vom 30.11.2022 Kurs: 4.078,77 Kürzel: SPX | Online Broker LYNX

Top Flop Aktien – Übersicht der Gewinner und Verlierer

Welche Aktien in den wichtigen Indizes sind in letzter Zeit am meisten gestiegen oder gefallen? Was sind die Top-Aktien 2022? Welche Aktien haben die beste Performance über die letzten 5 Jahre und welche Aktien sind stark gefallen? Hier finden Sie es heraus: DAX Top FlopMDAX Top FlopEuro Stoxx Top FlopDow Jones Top FlopNasdaq 100 Top Flop

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Vorherige Analysen des S&P 500 Index

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Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Der gestrige Handelstag an der Wall Street war ungemein wichtig. Nach dem Startschuss zu einer möglichen Jahresendrallye vor zwei Wochen hatten sich die Kurse wieder etwas beruhigt. Besonderes Augenmerk warfen Anleger vor allem auf die Marke bei 3.900 Punkten. Diese wurde zuvor eindrucksvoll nach oben gebrochen und bildete in Folge eine wichtige Unterstützung.

Um die Rallye im wichtigsten Index der USA, dem S&P 500, weiter fortführen zu können, mussten die Bullen diese Ebene verteidigen. Der Test gelang und der Kaufdruck schien sich allmählich wieder etwas zu erhöhen. Nun konnte die Zwischenkonsolidierung abermals nach oben verlassen werden. Die mögliche Jahresendrallye läuft derzeit also wie nach Plan weiter. Der Trend befindet sich mittelfristig in einer bullischen Gesamtlage.  

Expertenmeinung: Die letzte Zwischenrallye, welche von Juli bis August dieses Jahres stattfand, endete in Folge fast punktgenau an der fallenden 200-Tage-Linie. Diese kommt nun im Bereich von 4.062 Punkten ins Spiel. Ob der Anstieg dann hier wieder abgewürgt wird, bleibt abzuwarten.

Grundsätzlich gibt es noch weitere Kursziele nach oben. Hier hätten wir zum einen das noch offene Gap von Mitte September und das dazugehörige Pivot-Hoch. Durchaus noch mögliche Ziele, welche in den kommenden Tagen abgearbeitet werden dürften. Ansonsten ist derzeit klar: Der Zwischenboden bei 3.900 Punkten muss gehalten werden, um den Bären nicht die Möglichkeit zu geben, sich rasch wieder zu entfalten.

Aussicht: BULLISCH

Chart vom 22.11.2022 Kurs: 4.003,65 Kürzel: SPX | Online Broker LYNX
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Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Eine Zahl alleine macht noch keinen neuen Trend, aber es waren die Konsumentenpreise, welche im Laufe der vorigen Woche den Startschuss zu einer netten Rallye in den US-Indizes geliefert haben. Durch die weniger als erwartet gestiegenen Preise, ist die Hoffnung gross, dass die US-Notenbank alsbald ihre aggressive Zinspolitik beenden oder zumindest abschwächen könnte. Vor allem Wachstumsaktien konnten stark an Wert zulegen. Auch der S&P500 setzte sich gut in Szene und konnte nach einem höheren Tief ein weiteres höheres Hoch generieren. Somit geht der Index erstmals seit August dieses Jahres wieder in einen mittelfristigen bullischen Trend über. Langfristig hat sich aber noch nichts geändert. Hier befinden wir uns nach wie vor in einem Bärenmarkt.

Expertenmeinung: Was hat dies nun zusammengefasst zu bedeuten? Für langfristig orientierte Anleger ist es noch zu früh, um bereits die Ampeln auf Grün zu stellen. Wir sehen aktuell eine überaus kräftige Bärenmarktrally, welche durchaus noch deutlich an Wert zulegen könnte. Potential bis hin zur Marke von 4.100 Punkten wäre zumindest vorhanden und solange das letzte Tief bei rund 3.700 Punkten nicht verloren wird, haben vorerst die Bullen das Zepter in der Hand. Auch das aufgerissene Gap vom Donnerstag der vorigen Woche gibt uns ein gutes Signal. Solange diese Kurslücke nicht geschlossen wird, sollte die positive Stimmung am Parkett vorerst erhalten bleiben.  

Aussicht: BULLISCH

Chart vom 11.11.2022 Kurs: 3.992,21 Kürzel: SPX | Online Broker LYNX

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Die EZB hat geschlafen, die Fed könnte hingegen über das Ziel hinausschiessen und die Wirtschaft komplett abwürgen. Welcher Aktienmarkt sollte sich zukünftig besser entwickeln? USA oder Europa?

Dass die Wirtschaft aktuell nicht gerade rund läuft, ist keine Neuigkeit. Man könnte geradezu umgekehrt die Frage stellen, was eigentlich wirklich gut läuft. Die Liste wäre ziemlich kurz.

Eine konjunkturelle Abkühlung, egal ob man sie Rezession nennt oder nicht, gepaart mit massiv steigenden Zinsen und einer hohen Inflation, ist eine Kombination wie man sie seit Jahrzehnten nicht hatte.
Zwischenzeitlich hat sich die Welt allerdings massiv verändert, daher hinken selbst diese Vergleiche und dementsprechend ist der Ausgang ungewiss.

Das gab es noch nie

Betrachten wir beispielsweise nur zwei Faktoren, die massgeblich die Inflation bestimmen. Das ist einerseits die demografische Lage und natürlich auch welche Güter konsumiert werden.
Beides hat sich seit den 70er Jahren massiv verändert.

Die Gesellschaften, egal ob in den USA oder Europa, sind erheblich älter geworden. Am meisten konsumieren allerdings jüngere Menschen und dementsprechend sinkt die Basis-Inflation in älteren Gesellschaften.

Der Warenkorb an konsumierten Gütern ist heute grundverschieden. Elektronische Artikel jeglicher Art hatten damals kaum ein Gewicht, heute ist es enorm.
Und Elektronik ist ihrem Wesen nach ein deflationäres Produkt, Technologie wirkt deflationär.

Geht die Fed zu weit?

Es wäre daher durchaus möglich, dass die Fed mit der Serie an Zinsschritten über das Ziel hinausschiesst und die Wirtschaft stärker abwürgt, als es nötig gewesen wäre.

Ein Grund dafür könnte sein, dass die US-Notenbank den Fokus zu stark auf den Arbeitsmarkt richtet.
Man scheint mit aller Gewalt die Arbeitslosenquote nach oben treiben zu wollen, weil man davon ausgeht, dass das die Inflation wirklich dämpft.

Kurzfristig kann man natürlich eine steigende Arbeitslosigkeit erzwingen, wenn man das wirklich will.
Es stellt sich nur die Frage, wie sinnvoll das ist der aktuellen Situation für die USA und in noch grösserem Umfang für Europa ist.
Sowohl auf unserer als auch auf der anderen Seite des grossen Teichs gehen jedes Jahr Millionen von Baby-Boomern in Rente und fehlen als Fachkräfte. Dass die Arbeitslosenquote daher selbst in Krisenzeiten kaum steigt, sollte niemand wundern.

Man kann die Handlungen der Fed aber auch anders erklären. Die US-Notenbank scheint sich ziemlich sicher zu sein, dass man die Konjunktur im Zweifelsfall wieder ankurbeln kann, dafür hat man die entsprechenden Mittel.
Entgleitet hingegen die Inflation, sind die Folgen unabsehbar.
Daher hat man sich wohl dafür entschieden, den Leitzins im Zweifelsfall lieber zu stark zu erhöhen.

Die EZB hat geschlafen

Die Vermutung liegt nahe, dass die Fed zu spät auf die Inflation reagiert hat und jetzt versucht, das wieder auszugleichen.
Damit wird man vermutlich über das Ziel hinausschiessen.

Ferner ist die Geschwindigkeit der Zinserhöhungen historisch beispiellos. Je schneller Veränderungen vonstattengehen, desto weniger Zeit bleibt Unternehmen und Bürgern für Anpassungen.

Im schlimmsten Fall führt das zu einem Schock, wie wir es kürzlich in Grossbritannien erlebt haben.
Dort musste dann die Notenbank intervenieren, um das britische Pfund zu und die Pensionskassen zu stabilisieren.

Im Euroraum sieht es noch schlechter aus.
Die EZB hat im Endeffekt geschlafen und noch später auf die Inflation reagiert als die Fed.
Jetzt steht man vor einem kaum lösbaren Problem. Die Wirtschaft ist ohnehin angeschlagen und verkraftet Leitzins von 4-5% nicht.
Ein Leitzins von 2% wird aber kaum ausreichen, um die Inflation in den Griff zu bekommen.

Chart vom 09.11.2022 – Kurs: 3.828,11 Kürzel: SPX - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 09.11.2022 – Kurs: 3.828,11 Kürzel: SPX – Wochenkerzen

Das bedeutet, dass die US-Aktienmärkte gegenüber Europa perspektivisch eine Outperformance aufweisen sollten.  

Wächst man einfach aus der Krise heraus?

Die dortige Lage lässt in vielen Teilbereichen mehr Optimismus zu. Die USA haben beispielsweise die Chance, dass man einfach aus der Krise herauswächst.
Dafür spricht jedenfalls der US-Arbeitsmarkt, der nach wie vor jeden Monat hunderttausende neue Stellen schafft.
Ein Niedergang sieht anders aus.

In der Eurozone entwickelt sich die Zahl der Beschäftigten hingegen schleppend, und das ist kein neues Phänomen.

In den letzten zehn Jahren stieg die Zahl der Erwerbstätigen in der Eurozone lediglich von 140,2 auf 147,2 Millionen (Link).
Ein magerer Anstieg um nur 5%.

In den USA kletterte die Zahl der Beschäftigten im selben Zeitraum von 139,9 auf 158,3 Millionen (Link).
Das entspricht einem Anstieg von 13%.

Vor zehn Jahren gab es in der Eurozone ebenso viele Beschäftigte wie in den USA, heute haben die Nordamerikaner 11 Millionen mehr.
Das macht natürlich einen Unterschied, denn Wohlstand entsteht nicht durch Nichtstun, sondern durch Arbeit.

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Der DAX beendete die Handelswoche mit gutem Gewinn, der marktbreite US-Index S&P 500 mit einem dicken Minus. Und wie das Minus zustande kam, deutet an, dass die Nerven an der Wall Street langsam blank liegen und die Bullen nichts zuwege bringen. Sind neue Tiefs möglich?

Hätte es nicht zwei Stunden vor dem Handelsende des Freitags einige gegeben, die kräftig zugegriffen haben, wäre das Minus noch deutlich grösser ausgefallen als die -3,3 Prozent, mit denen der marktbreite S&P 500 ins Wochenende ging. Da dürfte so mancher neidisch Richtung Europa blicken, wo DAX und Euro Stoxx 50 die Woche mit kräftigen Gewinnen beendeten. Wobei die „big figures“ ja in den USA stattfanden: die Entscheidung der US-Notenbank am Mittwoch und die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag. Wenn man wissen will, wie die aufgenommen wurden, sollte man einen Blick auf den S&P 500-Chart auf 15-Minuten-Basis werfen, der alleine diese vergangene Handelswoche abbildet.

S&P 500: Minuten-Chart vom 04.11.2022, Kurs 3.770,55 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Da sehen Sie, dass man inklusive der immer erhofften, kräftigen Käufe motivierter Anleger zu Monatsbeginn viel versuchte … und jedes Mal scheiterte. Nach einem immens starken Oktober hoffte man auf einen ebenso starken Start in den November. Sie sehen: Es kam zum Handelsstart zu leichten Käufen, die aber sofort auf Abgaben trafen. Am Mittwoch dann dasselbe Bild: Man versuchte nach der US-Notenbankentscheidung eine Rallye, scheiterte und landete deutlich im Minus. Nach einem schwachen Donnerstag ohne Versuche der Bullen, das Ruder herumzureissen, kam es am Freitag nach den US-Arbeitsmarktdaten zum dritten Mal zu einer Rallye, die auf Verkäufe traf, die den Index ins Minus drückten.

Bei einem solchen Chartbild muss man sich fragen, ob nicht auch die Käufe in den letzten beiden Handelsstunden des Freitags vor allem reine Short-Eindeckungen waren, mit denen die bärische Trader vor dem Wochenende einen Teil ihrer Gewinne sichern wollten.

Expertenmeinung: Denkbar wäre es. Wenn man sich den S&P 500 auf Tagesbasis ansieht, erkennt man, dass er ausgerechnet dort nach unten abgewiesen wurde, wo es darauf angekommen wäre: an der 200-Tage-Linie. Jetzt ringt der Index bereits wieder mit der Supportzone 3.637/3.721 Punkte, der letzten Auffangzone, bevor er erneut an der im Tageschart dick hervorgehobenen 1.000-Tage-Linie landen würde, aktuell bei 3.583 Punkten.

Dass die Dynamik in den vergangenen Tagen vor allem auf der Short-Seite zu finden war, dürfte jetzt viele bullische Trader äusserst nervös machen. Zumal morgen die „Midterm-Elections“ anstehen, bei denen ein Drittel des Senats und das gesamte US-Repräsentantenhaus neu gewählt wird. Die Demokraten dürften dabei ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus verlieren, wenn es dumm läuft, auch noch die im Senat. Egal, welcher Partei man zugeneigt ist, die Trader wissen: Ein politisches Patt zwischen einer demokratischen Regierung und einem republikanischen Kongress ist das letzte, das man in einer solchen Wirtschaftslage gebrauchen kann … aber genau das ist zu befürchten. Möglich wäre es also durchaus, dass der S&P 500 sein Jahrestief noch nicht gesehen hat!

S&P 500: Tages-Chart vom 04.11.2022, Kurs 3.770,55 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX
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Als die September-Inflationsdaten auf den Tisch kamen, brach der vorher ins Plus gezogene S&P 500-Future haltlos ein. Doch kaum begann der reguläre Handel, stieg der Index höher und höher. Das war nicht normal. Aber es gibt eine Erklärung – die nicht unbedingt bullisch ist.

Die Inflationsdaten können wir schnell abhandeln, denn die waren zwar der Auslöser für den anfänglichen Abverkauf, hatten aber mit der Rallye nichts zu tun. Zwar lag die Gesamtrate zum Vorjahresmonat mit 8,2 Prozent sogar einen Tick unter der Rate vom August. Aber man hatte 8,1 Prozent erwartet. Was aber ohnehin nicht entscheidend war. Entscheidend war, dass die Kernrate der Inflation (ohne Lebensmittel und Energie) mit 6,5 Prozent über den Prognosen lag und ein neues Hoch im Inflationszyklus markierte. Und zum Vormonat waren die Preise mit 0,4 Prozent in der Gesamt- und 0,6 Prozent in der Kernrate stärker gestiegen als gedacht.

Damit war in Kombination mit der unerwartet niedrigen Arbeitslosenrate für September, die vor einer Woche vorgelegt wurde, klar: Die US-Notenbank wird den Leitzins weiter kräftig anheben. Und das ist nun einmal Gift für das Wachstum und damit für den Aktienmarkt.

Dass der S&P 500 über den Future nach diesen Zahlen binnen einer halben Stunde um 3,8 Prozent wegbrach, war also eher logisch, denn er war im Vorfeld von denen nach oben gezogen worden, die hofften, die Zahlen würden gut, eine wichtige Unterstützung dadurch verteidigt und das zusammen die Basis einer Super-Rallye. Die dann auch kam. Aber nur, weil zuvor eben das Gegenteil passierte. Um es weniger kryptisch auszudrücken: Die Rallye war eine Rettungsaktion. Hätte man sie nicht losgetreten, hätte das Risiko eines „Meltdown“ bestanden, eines kapitalen Kurseinbruchs. Nicht wegen der Inflationsdaten an sich, die waren nur der Auslöser. Es ging um die 1.000 Tage-Linie.

Die sehen Sie im Chart auf Tagesbasis in dick violett gehalten. Diese Linie ist langfristig wichtig, viel wichtiger noch als die 200-Tage-Linie. Fällt diese Linie, schalten nicht wenige Handelssysteme auf Alarmstufe Rot. Und das besonders kritische an dieser Situation war:

S&P 500: Tages-Chart vom 13.10.2022, Kurs 3.669,91 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Beim Dow Jones ebenso wie beim Nasdaq 100 waren diese Linien bereits gefallen. Der S&P 500 war der letzte der grossen US-Indizes, bei dem sie noch gehalten hatte. Diese Linie liegt bei 3.566 Punkten. Sie sehen es im Tageschart: Ende September hatte der S&P 500 diese Linie gehalten, knapp darüber zog der Index kräftig an. Das Dumme dabei: Er kam nicht weit. Anfang Oktober kam es zu einem „Island Reversal“ nach unten, das man im ganz kurzfristigen Chart, der den S&P 500 auf 60-Minuten-Basis zeigt, besonders gut sieht. Die Kurse sackten diesmal direkt auf diese Linie … und kamen weder am Dienstag noch am Mittwoch wieder von ihr los.

Expertenmeinung: Logisch, dass die Trader alarmiert waren, vor allem die grossen Adressen wie Fonds oder Pensionsfonds, die natürlich alles wollten, nur nicht noch mehr Verluste, die dazu führen, dass ihnen die Kunden davonlaufen.

Weil die Lage so brenzlig war, fiel auch die erste, negative Reaktion auf die Inflationsdaten so heftig aus. Denn die waren zwar schlecht, aber doch keine absolute Überraschung. Und dann passierte, was in solchen Schlüsselmomenten immer passiert. Die grossen Akteure hatten zwei Möglichkeiten: Flucht oder Attacke. Sie wählten die Attacke. Und kamen damit durch. Erst einmal zumindest.

Der Vorteil derer, die mit der Brechstange versuchten, diese 1.000-Tage-Linie zurückzuerobern, war der Überraschungseffekt. Dadurch entstand die übliche Kettenreaktion in solchen Fällen: Als man sah, dass gekauft wurde und das mit Wucht, nahmen die Short-Seller, denen durch den vorherigen Selloff unverhofft dicke Gewinne in den Schoss gefallen waren, sofort ihre Gewinne mit. Doch Short-Eindeckungen ziehen die Kurse nun einmal nach oben. Damit intensivierte sich die Rallye.

Und in dem Moment, als die 1.000-Tage-Linie wieder überboten war, was gegen 17 Uhr unserer Zeit gelang, intensivierte sich die Bewegung, weil jetzt auch noch kurzfristige Trader auf den Zug aufsprangen bzw. vorher Short engagierte Trader nicht nur ausstiegen, sondern auf Long wechselten. Damit bekam diese Rallye eine Eigendynamik, die völlig vom Auslöser des vorherigen Abverkaufs losgelöst war. Es war einfach eine Rettungsaktion, bei der man versuchte, noch schlimmere Verluste „wegzukaufen“. Doch das hat einen Haken:

Wer da schnell eindeckte, hat zwar seinen Gewinn mitgenommen, aber deswegen wird man ja nicht gleich bullisch. Die Inflationsdaten wurden damit nicht besser. Und sie waren den Bruch der 1.000-Tage-Linie ja wert. Der Druck der steigenden Zinsen wird bleiben. Und kein erfahrener Trader wird es nur wegen dieser Rettungs-Rallye ignorieren, dass J.P. Morgan-CEO und Börsen-Ikone Jimmy Dimon gestern sagte, dass er nicht an eine sanfte Landung der US-Wirtschaft glaubt und sein Bauchgefühl ihm sagt, dass die US-Leitzinsen höher als 4,0 bis 4,5 Prozent steigen werden.

Die Renditen der US-Anleihen kamen zwar von ihren nach den Inflationsdaten erreichten 14-Jahres-Hochs leicht zurück, aber die Zehn-Jahres-Rendite blieb mit 3,95 Prozent über dem Vortageslevel. Der Ölpreis stieg trotz stark gestiegener US-Lagerbestände. Der US-Dollar blieb super-stark und bremst weiter den US-Export. Kurz: Ausser der Rettung der 1.000-Tage-Linie hat sich nichts zum Positiven verändert. Die Bären wissen das. Und sie wissen, dass die Bullen das ebenfalls wissen.

Hinzu kommt, dass der S&P 500 bei 3.723/3.736 Punkten bereits auf erste, markante Charthürden trifft, die dann nach oben hinaus nicht abreissen. Es kann sein, dass dieser Intraday-Turnaround heute trotzdem zu weiteren Käufen führt. Es kann sein, dass die bis zur Abrechnung an der Terminbörse heute in einer Woche weitergehen oder zumindest der höhere Level gehalten wird. Aber auf Dauer gerettet ist diese 1.000-Tage-Linie gerade deswegen nicht, weil sie ohne Rückenwind dieser Rettungskäufe gefallen wäre und das jedem klar ist. Die Bären können somit jederzeit zurückkommen. So eindrucksvoll das gestern auch aussah: Long bleibt hier die eindeutig gefährlichere Richtung!

S&P 500: 60-Minuten-Chart vom 13.10.2022, Kurs 3.669,91 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX