Walt Disney Aktie Prognose Walt Disney: CEO gefeuert, die Legende kommt zurück

News: Aktuelle Analyse der Walt Disney Aktie

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Bei Disney hat man scheinbar die Nase voll. Der Verwaltungsrat hat den Firmenchef Bob Chapek, der seit 2020 im Amt war, kurzerhand vor die Türe gesetzt.

Eine echte Ohrfeige

Über die Gründe dafür kann man nur mutmassen, aber es dürfte wohl eine Mischung aus mittelprächtigen Geschäftszahlen und dem schwachen Aktienkurs sein.
Unternehmen sind schliesslich keine Wohlfahrtsverbände und für diejenigen, die Aktienpakete mit einem Wert von Millionen oder gar Milliarden halten, sind die Kurse eben doch relevant.

In einem Schritt, der Hollywood schockierte, kehrt Bob Iger, einer der bemerkenswertesten CEOs von Walt Disney, zurück, um das Medienimperium erneut zu führen.
Bob Chapek, der Iger 2020 als CEO ablöste, tritt mit sofortiger Wirkung zurück.

Der eine Bob ersetzt also den anderen. Für den einen Bob dürfte die Sache allerdings weitaus weniger erfreulich sein.
Wenn man mal eben über das Wochenende gefeuert und obendrein von seinem Vorgänger ersetzt wird, ist das harter Tobak.

Die Mittelung über den Rausschmiss lässt eine gewisse Kälte erahnen:

“The Board has concluded that as Disney embarks on an increasingly complex period of industry transformation, Bob Iger is uniquely situated to lead the Company through this pivotal period.”

Bob raus, Bob rein

Sinngemäss ist der Aufsichtsrat also zu dem Schluss gekommen, dass Bob Iger in der Lage ist, die Herausforderungen, die der komplexe Wandel der Branche mit sich bringt, zu bewältigen.
Bob Chapek wurde also nicht nur gekündigt, man verabschiedet ihn auch noch mit einer Ohrfeige, indem man ihm ziemlich direkt zu verstehen gibt, dass er es eben nicht kann.

Warum Chapek überhaupt den Posten als CEO bekommen hat, ist rückblickend schwer zu erklären. Zuvor war seine Performance als Chef der Sparte „Disney Parks, Experiences and Products“ bereits suboptimal.
Unter seiner Führung kam es zu einer grösseren Auseinandersetzung mit Scarlett Johanssen, eine der wichtigsten Stars des Unternehmens.
Ferner kam es zu einem Konflikt mit Florida und den Mitarbeitern in den Parks und so weiter.

Die Legende kehrt zurück

Der neue Chef Bob Iger hat hingegen einen geradezu legendären Status unter Anlegern. Er führte Disney 15 Jahre lang und machte den Konzern zu dem, was er heute ist.
Unter seiner Feder übernahm man Pixar, Marvel und Lucasfilm (Star Wars) sowie den Grossteil von 21st Century Fox und stieg ins Streaming-Geschäft ein.
Als er 2019 seinen Abschied nahm, hatte er fast 50 Jahre im Unternehmen zugebracht.

Der Mittelung von Disney zufolge kommt Iger jetzt also zurück und übernimmt den Posten als CEO abermals, vorerst für zwei Jahre.
Das Erstaunlichste daran ist, dass man erst kürzlich den Vertrag von Chapek um drei Jahre verlängert hatte. Doch damit ist jetzt Schluss.

Der neue alte CEO Iger hat sich am Wochenende bereits zu Wort gemeldet.
Demnach fühle er sich geehrt und sei extrem optimistisch.

„I am extremely optimistic for the future of this great company and thrilled to be asked by the Board to return as its CEO […]
I am deeply honored to be asked to again lead this remarkable team, with a clear mission focused on creative excellence to inspire generations through unrivaled, bold storytelling.“

Dieser CEO ist 14 Milliarden Wert

Aber nicht nur er scheint optimistisch zu sein, sondern auch die Börse, denn dort quittierte man die Rückkehr des „Heilands“, wie tatsächlich schon getitelt wurde, mit einem Kurssprung von mehr als 8%.

Wir werden sehen, wie und wann sich der neue CEO auch in den Geschäftszahlen bemerkbar macht. Den Aktionären hat er aber bereits jetzt einen Mehrwert von 14 Mrd. USD gebracht.

Ein gewisser Optimismus ist auch angebracht, denn Iger hat bewiesen, dass er ein Könner ist.
Ausserdem liebt die Börse Gewissheit und bei Iger weiss man, was man bekommt, schliesslich konnte man ihm 15 Jahre dabei zuschauen, wie er Disney geführt hat.

Das galt für Chapek nicht, auch wenn er dafür vermutlich wenig konnte. Unter dem Strich hatte Chapek wohl nur Pech. Es gab schliesslich keinen schlechteren Zeitpunkt, um CEO zu werden, als unmittelbar vor Corona.

Jetzt wird geerntet

Damit dürfte er als Pechvogel in die Geschichte eingehen und Iger als strahlender Held. Denn dass sich die Zahlen perspektivisch enorm verbessern würden, stand ohnehin schon fest, egal wer auf dem Chefsessel sitzen würde.

Das Altgeschäft wirft wieder ordentlich Geld ab und im Streaming-Geschäft ist man bereits zum Branchenprimus aufgestiegen.
Im letzten Quartal haben Disney+, Hulu und ESPN zwar noch sagenhafte 1,5 Mrd. USD verschlungen, doch damit dürfte ein Grossteil der Anlaufkosten bereits hinter uns liegen.

Bereits im kommenden Jahr dürften die ersten Quartale mit einem positiven Ergebnis folgen und 2024 dann das erste profitable Jahr.

Die wichtigsten Informationen zu diesem Thema finden Sie in der letzten Analyse zu Disney (Link) unter „Ausblick und Bewertung“ sowie „Timing“.
Das damalige Fazit lautete wie folgt:
Die Kernfrage in Bezug auf Disney ist aus meiner Sich also nicht, ob die Aktie perspektivisch wieder steigen wird, sondern wann.

Chart vom 21.11.2022 – Kurs: 99,04 Kürzel: DIS - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 21.11.2022 – Kurs: 99,04 Kürzel: DIS – Wochenkerzen

Der vorbörsliche Kurssprung um 8,06% auf aktuell 99,20 USD ist aus technischer Sicht äusserst relevant.
Zuletzt notierte die Aktie nur noch knapp über der Unterstützung bei 90 USD und drohte zu kippen, mit der Rückkehr in den Aufwärtstrends entspannt sich die Lage spürbar.

Gelingt jetzt ein Anstieg über den Widerstand bei 99-100 USD, hellt sich das Chartbild weiter auf. In diesem Szenario wäre der Weg in Richtung 110 oder sogar 120 USD frei.

Fällt Disney jedoch unter 90 USD, muss mit einer Fortsetzung der Kursverluste in Richtung 80 USD gerechnet werden.

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Vorherige Analysen der Walt Disney Aktie

Lassen Sie sich den Artikel vorlesen:

Disney hat Zahlen vorgelegt und wie in dieser Berichtssaison gewohnt, ging es anschliessend abwärts.
Wackelt jetzt das Jahrestief?

Dass die Wirtschaft nicht gerade rund läuft, dürfte niemandem entgangen sein. Es läuft allerdings nicht überall gleich schlecht.
Das gilt sowohl für einzelne Unternehmen als auch Branchen und Länder. Daher hatte ich im letzten Artikel den Versuch unternommen, abzuwägen, ob perspektivisch die US-Märkte oder doch die in der EU besser laufen sollten:
Schiesst die FED über das Ziel hinaus? Jetzt doch EU-Aktien?

Die wirtschaftlichen Probleme treffen am Ende nahezu alle Unternehmen, Profiteure gibt es abseits der Energiebranche nur wenige.
Jetzt scheint es auch Disney getroffen zu haben.

Einbruch

Die Walt Disney Company hat am Dienstag nachbörslich die Zahlen zum dritten Quartal vorgelegt, woraufhin die Aktie kurzerhand um 8,38% auf 91,53 USD einbrach.

Negative Kursreaktionen sind in dieser Berichtssaison wahrlich keine Seltenheit, aber manchmal sind sie eben besser begründet als in anderen.
Schauen wir uns gemeinsam an, was bei Disney der Fall ist.

Der Gewinn lag in Q4 mit 0,30 je Aktie weit unter den Erwartungen von 0,50 USD. Der Umsatz verfehlte mit 20,2 Mrd. die Analystenschätzungen von 21,0 Mrd. USD ebenfalls deutlich.

Das entspricht auf Jahressicht einem Umsatzplus von 9%, allerdings einem Gewinnrückgang um 19%.

Der nachbörsliche Kursrückgang steht also auf einem ziemlich soliden Fundament und dürfte in Anbetracht dieser Zahlen kein Wunder sein.

Licht und Schatten

Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Sowohl die Bullen als auch Bären finden in der Quartalsmitteilung (Link) weitere Argumente für ihre Seite.

Problematisch sind vor allem zwei Dinge:
Das Wachstum hat sich im vierten Quartal erheblich abgeschwächt. Lag das Umsatzwachstum im Gesamtjahr noch bei 23%, waren es in Q4 nur noch 9%.

Der gemeldete Jahresgewinn kletterte zwar auf 3,19 Mrd. USD, was einem Plus von 54% auf 3,53 USD je Aktie entspricht, der freie Cashflow war allerdings um 47% auf 1,06 Mrd. USD stark rückläufig.

Auf der anderen Seite hat Disney neue Rekorde im Segment „Parks, Experiences and Products“ erzielt und rund 57 Millionen neue Streaming-Abonnenten gewonnen und kürzlich sogar Netflix als grössten Streaming-Anbieter überholt.

Das Problem ist, dass sich bei Disney all diese Effekte überlagern. Einerseits die Erholung im Segment Altgeschäft und das Wachstum im Streaming-Bereich, aber auch der Fakt, dass der Aufbau der Streaming-Service unglaublich viel Geld verschlingt.

Ausblick und Bewertung

Und das dürfte vorerst auch so bleiben. Der Sprung in die Profitabilität dürfte Disney+ erst 2024 erreichen.
Bei allem Verständnis dafür, dass die Skalierung des Geschäfts Geld kostet und Disney+ noch sehr jung ist, darf und muss durchaus die Frage stellen, warum man bei derzeit 235 Millionen Abos noch keinen Gewinn erzielt.

Unter dem Strich könnte man jetzt viele Rechnungen aufmachen, was Disney wert ist. Wahrscheinlich kennen Sie sie aber schon aus früheren Analysen.
Um es kurz zu machen:
Auf dem aktuellen Kursniveau rechtfertigt das Altgeschäft ohne Streaming bereits den kompletten Börsenwert.

Da ein Streaming-Geschäft mit 235 Millionen Kunden aber sicherlich nicht wertlos ist, ist die Aktie unterbewertet.
Doch jetzt kommt das grosse Aber.

Für die Mehrheit der Anleger wird es wohl erst irgendwann im kommenden Jahr oder womöglich erst 2024 offensichtlich, dass sich hier verschiedene Effekte überlagern, die die Profitabilität von Disney niedriger erscheinen lassen als sie ist.
Das dürfte genau dann passieren, wenn sich Disney+ der Gewinnschwelle nähert oder sie endlich überschreitet.

Timing

Wann das genau geschehen wird und wann sich diese Erkenntnis an der Börse durchsetzt, ist schwer zu sagen.
Denn, dass Disney+ 2024 das erste profitable Jahr haben soll, bedeutet nicht, dass man zuvor noch nichts verdienen wird.

Es wäre beispielsweise denkbar, dass man bereits in Q3 oder Q4 2023 erstmals einen Gewinn einfährt und entsprechend früher den Break-Even erreicht.

Die Kernfrage in Bezug auf Disney ist aus meiner Sich also nicht, ob die Aktie perspektivisch wieder steigen wird, sondern wann.
Es wäre gut möglich, dass der aktuelle Kurs zwar attraktiv, das Timing aber trotzdem nicht optimal ist.
Vielleicht wird der optimale Einstiegszeitpunkt erst in 6 Monaten gekommen sein.

Chart vom 09.11.2022 – Kurs: 91,53 Kürzel: DIS - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 09.11.2022 – Kurs: 91,53 Kürzel: DIS – Wochenkerzen

Kurzfristig wird der weitere Fortgang an der Unterstützungszone bei 90-92 USD entscheiden, vorbörslich notiert Disney bei 91,53 USD.
Solange die Aktie nicht unter 90 USD fällt, ist aus technischer Sicht noch nicht viel passiert. Ein kurzes Unterschreiten des Aufwärtstrends, welcher bei rund 95 USD verläuft, ist nicht wirklich erheblich.

Gelingt eine Rückkehr über den Aufwärtstrend, würde sich die Lage entspannen. Das gilt über 99 USD umso mehr.

Fällt Disney jedoch unter 90 USD, muss mit einem erneuten Rückfall in Richtung 80 USD gerechnet werden.

Lassen Sie sich den Artikel vorlesen:

Die Flut hebt alle Boote, sagt man. Aber manche hebt sie eben mehr, nämlich diejenigen, die neben den allgemeinen Trends auch noch eigene Stärke mitbringen.

Der S&P500 hat, ausgehend vom Jahrestief, eine Rallye von etwas mehr als 16% vollzogen.
Bei Disney summieren sich die Gewinne allerdings auf etwa 30%.

Die Gründe, oder zumindest einige Thesen, warum das der Fall ist, können Sie hier nachlesen:
Disney: Jetzt zum Preis von 2015 zu haben

Kurz zusammengefasst hat der Autor die These vertreten, dass das Altgeschäft von Disney die komplette Unternehmensbewertung rechtfertigt.
Hinzu kommt allerdings das äusserst erfolgreiche Streaming-Geschäft, welches aktuell noch Geld verbrennt, perspektivisch aber Milliardengewinne abwerfen wird.

Bisher wird das vom Markt noch nicht ausreichend gewürdigt, da die laufende Erholung im Altgeschäft durch die Verluste im Streaming-Segment überdeckt werden und die Profitabilität auf Konzernebene dadurch schlechter aussieht, als sie ist.

Ist das nicht erstaunlich?

Man möchte meinen, dass diese einfachen Zusammenhänge an der Börse erkannt und in den Kursen reflektiert werden.
Dass das allerdings oft nicht der Fall ist, dafür finden wir mehr als genug Beispiele in der Vergangenheit.

Ich erinnere mich beispielsweise noch sehr gut an die Situation bei GFT, die ähnlich gelagert war.
Damals, wir schrieben 2019/2020, litt der deutsche IT-Dienstleister an einem schrumpfenden Geschäft mit 2-3 Grosskunden. Abseits davon wuchs man aber kräftig.

In Summe erschienen die Zahlen daher mager, doch eigentlich war klar, was perspektivisch passieren musste.
Das wachsende Geschäft gewann zunehmend an Bedeutung und die ehemaligen Grosskunden verloren an Bedeutung.
Dadurch wurden die Zahlen immer besser.

Als diese Offensichtlichkeit auch der Mehrheit klar wurde, gingen die Kurse durch die Decke und schossen von 7-10 auf über 40 Euro.

Das ist nicht der Umfang des Kursanstiegs, den man bei Disney erwarten kann, aber die grundlegenden Effekte sind dieselben.

Ausblick und Bewertung

Die jüngsten Quartalszahlen deuten jedenfalls darauf hin, dass es besser läuft als bisher angenommen wurde.

Der Gewinn lag mit 1,09 je Aktie weit über den Erwartungen von 0,95 USD. Der Umsatz übertraf mit 21,5 Mrd. die Analystenschätzungen von 21,0 Mrd. USD ebenfalls deutlich.

Zum Wachstum beigetragen haben alle Segmente. Der Umsatz im Bereich Media und Entertainment kletterte um 11% auf 14,1 Mrd. USD, Disney Parks legte um 70% auf 7,4 Mrd. USD zu.
Der Umsatzanteil Direct-to-Consumer stieg um 19% auf 5,1 Mrd. USD.

Die Zahl der Disney+ Abos stieg von 137,7 auf 152,1 Millionen, bei ESPN+ kletterte die Zahl von 14,9 auf 22,8 Millionen und bei Hulu von 42,8 auf 46,2 Millionen.

Damit wäre es vollbracht, Disney hat jetzt mehr Abonnenten als Netflix.

Nun kann man sich streiten, wieviel das Streaming-Geschäft wert ist. Wenn es so viel Wert ist, wie derzeit Netflix, würde das für Disney in etwa einem Kurspotenzial von 50% entsprechen.
Sicherlich kann man auch konservativer rechnen, man kann allerdings auch ausreichend Argumente anführen, warum das Streaming-Geschäft noch wesentlich mehr wert ist.

Die naheliegendsten Argumente wären, dass Netflix in der Vergangenheit sehr viel höher bewertet war und dass Streaming für Disney vor allem auch „Zweitverwertung“ von Content bedeutet.
Man kann also bestehende Inhalte abermals monetarisieren.

Das wird vollkommen unterschätzt

Weitere Möglichkeiten ergeben sich dadurch, dass man ab Dezember auch ein werbefinanziertes Modell von Disney+ anbieten wird und damit dem Branchentrend folgt.
Die Zeit des linearen Fernsehens ist gezählt und die Werbebudgets werden perspektivisch abwandern.

Der TV-Werbemarkt in den USA hat ein Volumen von mehr als 150 Mrd. USD, davon entfallen nur 22% der Werbebudgets auf Streaming, obwohl die Verbraucher inzwischen mehr Zeit mit Streaming als dem klassischen TV verbringen.

Diese Diskrepanz wird sich auflösen, wir erleben gerade den Beginn davon.

Chart vom 12.08.2022 – Kurs: 118 Kürzel: DIS - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 12.08.2022 – Kurs: 118 Kürzel: DIS – Wochenkerzen

Disney hat eine grössere Aufwärtsbewegung vollzogen, scheint aber vorerst an der oberen Aufwärtstrendlinie gescheitert zu sein.
Möglicherweise kommt es jetzt zu einem Rücksetzer in Richtung 110 USD, bevor die nächste Aufwärtsbewegung startet und ein Ausbruch über die höhere Aufwärtstrendlinie gelingt.

Kommt es zu einem Ausbruch, könnte das den Weg in Richtung 130 und 145 USD ebnen.

Für antizyklische Investoren wäre ein Rücksetzer bis 110 USD oder tiefer ebenfalls interessant.
Aus technischer Sicht reihen sich die Unterstützungen darunter regelrecht auf, da auf diesem Niveau eine ganze Reihe von markanten Trendwendepunkten liegt.

Aus Sicht der Bullen sollte es keinesfalls unter 80 USD gehen.

Ein wildes Auf und Ab. Was fängt man nur mit Disney an? Wie ist die Aktie überhaupt einzuordnen? Diese Frage stellen sich wohl viele Anleger.

Zu welcher Antwort man kommt, hängt massgeblich davon ab, welchen Zeithorizont man hat und welche Perspektive man einnimmt.

Wer schon sehr lange dabei ist, beispielsweise seit zehn Jahren oder mehr, der hat sein Geld vervielfacht.
Wer allerdings seit 5 Jahren dabei ist, der schaut in die Röhre. So viel zum Thema Performance.

Richtig kompliziert wird es allerdings erst auf geschäftlicher Ebene. Disney hat massiv unter den Beschränkungen der letzten beiden Jahre gelitten. Die Parks und Hotels waren zeitweise geschlossen.
Das Kinogeschäft fiel ebenfalls weg und wann Kreuzfahrten wieder so profitabel wie dereinst werden, steht ebenfalls in den Sternen.

Hinzu kommt der tiefgreifende Wandel des Konzerns in Richtung Streaming.

Bereits bei oberflächlicher Betrachtung erkennt man also, dass es sich um eine komplexe Geschichte handelt.
Bei Disney sind etliche Rädchen in Bewegung und die verschiedenen Themen überlagern einander.
Dadurch ist es sehr schwer, wirklich zu durchschauen, was vor sich geht.

Drei Fragezeichen

Um die Situation bei Disney zu verstehen, muss man die ganze Sache ein wenig aufsplitten und als einzelne Fragestellungen betrachten.
Die erste Frage ist, ob Disney ein Outperformer sein kann, obwohl die Aktie heute auf dem Niveau von 2015 notiert.
In einem nächsten Schritt muss man die verschiedenen Geschäftszweige einzeln betrachten. Glücklicherweise reicht es aus, Disney in zwei Bereiche zu teilen.

Die Antwort auf die erste Frage, ist, wie bereits angeschnitten, massgeblich vom Zeithorizont abhängig.
Je weiter man allerdings zurückgeht, desto mehr sieht Disney nach einem Outperfromer aus.

Das ist aber nur ein erster Hinweis. Mehr Hinweise liefern die Geschäftszahlen. In den acht Jahren vor Corona (2012 – 2019) konnte Disney den Umsatz von 42,28 auf 69,67 Mrd. USD steigern.
Der Gewinn legte in diesem Zeitraum von 3,07 auf 5,77 USD je Aktie zu.

Das kann sich sehen lassen. Nun drängt sich aber die Frage auf, warum die Aktie im überwiegenden Teil dieser Zeit nicht gestiegen ist, schliesslich war die Rallye 2015 bereits zu Ende.

Der Hauptgrund dafür war, dass die Aktie bis 2015 eine jahrelange Rallye vollzogen hatte und hoch bewertet war.

Zwei Teile

Es folgte eine langwierige Seitwärtsphase und gerade als die Aktie 2019 ein neues Allzeithoch erreicht hatte, kam Corona dazwischen.
Seitdem ist die Aktie von enormer Volatilität geprägt.

Das gab es bei Disney in dieser Form noch nicht und ist der Ausdruck, der eingangs beschriebenen Unsicherheit.
Dabei ist die Situation gar nicht so kompliziert, wie man meinen sollte.

Unter dem Strich stellt sich die Lage meines Erachtens wie folgt dar:
Disney hat das Bestandsgeschäft, also alles abseits von Streaming, welches vor Corona nahezu 10 Mrd. USD an freien Cashflow erwirtschaftet hat.

Es gibt keinen Grund, anzunehmen, dass man perspektivisch nicht wieder eine ähnliche hohe Profitabilität erreichen wird und das Bestandsgeschäft mit Filmen, Parks & Co. nicht wieder auf den Wachstumspfad zurückkehrt.

Damit lässt sich der Börsenwert von 190 Mrd. USD recht einfach rechtfertigen. Ein P/FCF von 19.

Streaming

Hinzu kommt das Streaming-Geschäft, welches anfänglich natürlich Unsummen verschlingt, perspektivisch aber der grösste Wachstumstreiber im Konzern sein wird.

Darüber hinaus ist es wohl für kein anderes Unternehmen sinnvoller als für Disney, einen eigenen Streaming-Service anzubieten.
Schliesslich hat niemand so viel Content wie Disney.

Das dürfte den Umsatz bis 2024 auf mehr als 100 Mrd. USD anschwellen lassen.
Nun kann man sich die Frage stellen, welches KUV realistisch ist. In der Vergangenheit lag es bei Disney selten unter 3,0. Aktuell sind wir bei 2,48.

Darf man den Prognosen Glauben schenken und unterstellt mittelfristig eine Rückkehr zu einem KUV von 3, müsste Disney auf 170 USD steigen.

Man könnte andere Rechnungen anstellen und noch wesentlich höhere Kursziele ableiten, aber wir belassen es dabei.

Langfristige Ziele

Es wäre auch gut möglich, dass die bisherigen Prognosen zu niedrig sind. Disney hat vergangene Woche zwar eher enttäuschende Zahlen vorgelegt, dabei wurde aber womöglich etwas übersehen, oder zu wenig beachtet.

Disney verzeichnet nach wie vor ein massives Wachstum bei den Streaming-Kunden.

Die Zahl der Disney+ -Abos ist auf Jahressicht um 33% auf 137,7 Millionen gestiegen. ESPN + verzeichnete sogar ein Plus von 62% auf 22,3 Millionen Kunden.
Bei Hulu stiegen die Nutzerzahlen um 10% auf 45,6 Millionen.

In Summe hat man im Streaming-Bereich einen Umsatzsprung um 23% auf 4,9 Mrd. USD erzielt, in einem Quartal.

Das dürfte aber noch lange nicht das Ende der Fahnenstange sein. In vielen Ländern sind die Streaming-Services noch nicht verfügbar, doch das wird sich ändern.

Der Konzern erwartet daher, dass die Zahl der Disney+ Abos in den kommenden beiden Jahren auf 230–260 Millionen steigen wird.

Chart vom 16.05.2022 - Kurs: 107,33 Kürzel: DIS - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 16.05.2022 – Kurs: 107,33 Kürzel: DIS – Wochenkerzen

Aus technischer Sicht reihen sich die Unterstützungen zwischen 100 und 80 USD regelrecht auf, da auf diesem Niveau eine ganze Reihe von markanten Trendwendepunkten liegt.
Die Chancen stehen also gut, dass auf diesem Niveau abermals ein Boden ausgebildet wird. Prozyklische Signale würden sich hingegen über 120 USD ergeben.

Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung, für die Börse gilt das umso mehr. Dort schlagen sie sich quasi gehebelt nieder. Wie ist Disney nach dem Absturz einzuschätzen?

Denn all die realwirtschaftlichen Umwälzungen wirken sich um ein Vielfaches verstärkt auf die Aktienkurse aus.

Ein konkretes Beispiel:
Das Bruttoinlandsprodukt der USA ist 2020 nur um 3,5% gesunken, die Aktienmärkte sind zeitweise aber um 35% eingebrochen.

Das soll nur verdeutlichen, zu welch extremen Schwankungen und Übertreibungen die Börse tendiert.
Selbstverständlich war die wirtschaftliche Lage damals dramatisch und die Zukunft ungewiss.
Aber wie wahrscheinlich war es, dass Unternehmen in allen noch kommenden Jahren 35% weniger verdienen würden? Genau das wurde aber eingepreist.

Ähnlich sieht es bei Einzelaktien aus. Gute oder schlechte Geschäftsjahre oder Quartale lösen Bewegungen aus, als würde sich dadurch die gesamte Zukunft ändern.

Das ist aus meiner Sicht einer der Hauptgründe, warum es vielen Anlegern so schwerfällt, das Kursgeschehen zu durchschauen.
Vieles wirkt zufällig, ist es in Wirklichkeit aber nicht.

Wenn ihr Zeithorizont 5 oder 10 Jahre ist, ergibt sich ein erstaunlich klares Bild. Und das sollte ihr Zeithorizont sein.

Ein Griff in die Zitate-Kiste

An dieser Stelle sind wir mal wieder an dem Punkt angekommen, an dem mir etliche Zitate in den Sinn kommen.

Vielleicht beginnen wir mit Benjamin Graham höchstselbst:
„In the short run, the market is a voting machine, but in the long rund it is a weighing machine.“

Warren Buffet: „The stock market is a device for transferring money from the impatient tot he patient.“

Mich erstaunt es immer wieder, wie viel Weisheit in manchen dieser Zitate stecken. Oft genug geht einem nach Jahren noch ein zweites oder drittes Licht auf.

Lange genug

Kommen wir zurück zu Disney. An Volatilität mangelt es hier sicherlich nicht. Wie bei den meisten Aktien lösen einzelne Quartale mitunter grössere Bewegung aus.

Wer allerdings lange dabei ist, für den spielt das kaum eine Rolle. Nach einem Jahrzehnt hat man sein Geld vervielfacht und mehr als ein Viertel des eingesetzten Kapitals in Form von Dividenden zurückbekommen.

Daraus ergibt sich eine ganze einfache Schlussfolgerung. Liegt man mit der zukünftigen Geschäftsentwicklung direktional richtig und zahlt keinen zu hohen Preis, wird man langfristig ein erfreuliches Ergebnis erzielen.

Wer zu viel zahlt, den kostet es zwar Rendite, liegt man direktional richtig, wird man aber wenigstens kein Geld verlieren.

Das steht in einem groben Gegensatz zu den Ergebnissen der meisten Trader und Anleger, die ständig das nächste grosse Ding jagen.

Disney Direktional

Auf den ersten Blick wirkt Disney nicht gerade wie ein Schnäppchen, denn die P/E liegt bei 122.
Doch so einfach kann man es sich natürlich nicht machen.

Disney leidet schwer unter der Pandemie, das Ergebnis ist dadurch komplette kollabiert.

Direktional hat sich allerdings nicht viel geändert. Perspektivisch wird Disney wieder so viel wie vor der Krise verdienen und mehr.
Das Altgeschäft ist heute noch mindestens genauso viel Wert wie vor Corona.

Hinzu kommt alles, was in der Zwischenzeit angestossen wurde. Der wichtigste Punkt ist sicherlich Disney+.
Ich hatte in vorherigen Analysen immer wieder darauf hingewiesen, welches ungeheure Potenzial hier schlummert.

Der Katalog an Filmen, Serien und Franchises ist schier unendlich. Durch einen eigenen Streaming-Service kann man diese alten Inhalte abermals monetarisieren und bei neuen Serien und Filmen vereinnahmt man zukünftig einen grösseren Anteil der Umsätze.

Was ist Disney+ wert?

Und Disney hat auch ohne Frage das notwendige Kleingeld, um in diesem Bereich mitzuspielen. Im Nachhinein ist es vielmehr vollkommen unverständlich, warum die entsprechenden Schritte nicht früher unternommen wurden.
Disney produziert ohnehin ähnlich viel Content wie Netflix und verzeichnete vor der Pandemie trotzdem einen Gewinn von 12,6 Mrd. USD.

Am Ende ist die Überlegung in Bezug auf Disney recht simpel. Wenn man unterstellt, dass das Altgeschäft heute so viel Wert ist wie irgendwann zwischen 2015 und 2019, dann deckt das den kompletten Börsenwert.

Den Streaming-Bereich bekommt man beim aktuellen Kurs quasi geschenkt. Doch was könnte Disney+, ESPN+ & Co. Wert sein?

Nehmen wir an, dass der Umsatz, den Disney in diesem Segment verzeichnet, denselben Wert hat, wie der von Netflix.
Dann ist das Streaming-Geschäft von Disney atemberaubende 123 Mrd. USD Wert.

Betrachtet man es auf diese Weise, dann hat Disney 50% Kurspotenzial, zuzüglich dem zu erwartenden Wachstum.

Und es gäbe durchaus auch Argumente, die für höhere Multiplikatoren als bei Netflix sprechen. Zum Beispiel die Zweitvermarktung alter Inhalte, die faktisch kaum Kosten verursacht und entsprechend gewinnbringend ist.
Des Weiteren der Faktor, dass Disney+ noch ganz am Anfang steht und preislich unter den meisten Konkurrenzprodukten angesiedelt ist.

Disney+ kostet im wichtigen US-Markt beispielsweise 8 Dollar pro Monat. Netflix kostet 10, respektive 15,49 USD inklusive HD.
Disney kann und wird die Preise erhöhen.

Chart vom 28.01.2022 Kurs: 134,34 Kürzel: DIS - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 28.01.2022 Kurs: 134,34 Kürzel: DIS – Wochenkerzen

Die Aktie hat zuletzt trotzdem korrigiert, so wie eben alle Aktien von Zeit zu Zeit korrigieren.
Aus technischer Sicht ist die Aktie auf ein interessantes Niveau zurückgekommen. Zwischen 135 und 120 USD reihen sich die Supports in Fünferschritten auf. Das untere Ende des mehrjährigen Aufwärtstrends liegt bei 122 USD.

Als langfristiger Investor könnte man also langsam einen Fuss in die Türe stellen und bei etwaiger Marktschwäche sukzessive aufstocken.