Euro-Dollar-Prognose 2019 – Wird der US-Dollar zur Waffe im Handelskrieg?

Wo wird der Wechselkurs Euro Dollar am Ende dieses Jahres stehen?

Die Relation des Euro zum US-Dollar ist das wichtigste aller Währungspaare. Hier sind die Umsätze am Forex-Markt (deutsch: am Devisenmarkt) mit Abstand am höchsten. Denn das Verhältnis dieser beiden Währungen ist nicht nur für den Welthandel immens wichtig. Es ist auch ein Hebel für die Exportperspektiven Europas und der USA … und damit eine potenzielle „Waffe“ der Politik.

Genau das ist nahezu eine Garantie dafür, dass das Jahr 2019 für das Währungspaar Euro / US-Dollar weit spannender und dynamischer wird, als es der eher langweilig wirkende Start ins neue Jahr andeutet. Aber in welche Richtung wird es gehen? Das hängt von zwei Elementen ab: Zum einen von der Tendenz der Zinsen in den USA und der Eurozone, zum anderen von der politischen Entwicklung.

Natürlich spielt auch die Charttechnik bei dieser Dollarkurs Prognose eine Rolle, immerhin sind über 90 Prozent aller Transaktionen bei Euro / US-Dollar keine tatsächlichen Währungskäufe auf Basis des Warenflusses, sondern reines Trading. Aber die Trader werden den Vorgaben der Rahmenbedingungen dennoch grundsätzlich folgen, d.h. der Zinsentwicklung und Zinsperspektive einerseits und dem politischen Umfeld andererseits.

Im folgenden Artikel versuchen wir nicht die Entwicklung des Euro Dollar für das Jahr 2019 genau zu prognostizieren. Dies ist auch gar nicht möglich. In unserer Euro Dollar Prognose wollen wir uns vielmehr mit verschiedenen Szenarien beschäftigen, um ausloten zu können, in welche Richtung der Kurs Euro Dollar in diesem Jahr am wahrscheinlichsten tendieren dürfte.

Dollarkurs Prognose: Je höher der Zins, desto stärker die Währung

Die Logik hinter der Regel „je höher der Zins, desto stärker die Währung“ ist grundsätzlich korrekt. Höhere Zinsen bedeuten, dass die Anleihen dieses Währungsraums mehr Rendite bringen als die anderer Währungsräume. Also werden auch internationale Investoren diese Anleihen vermehrt kaufen. Dazu müssen sie aber zuerst die entsprechende Währung erwerben – und diese höhere Nachfrage trägt deren Kurs höher.

Der vorstehende Chart zeigt die Entwicklung der Zinsen in den USA und der Eurozone anhand des Drei-Monats-Zinses seit Mitte 2013. Sie sehen, dass die Zinsen in den USA und der Eurozone bis Mitte 2014 in etwa gleich, auf niedrigstem Niveau, lagen. Dann jedoch begann die Europäische Zentralbank EZB, ihre Anleihekäufe extrem zu forcieren. Der Drei-Monats-Zins in Europa rutschte in negatives Terrain. Und Ende 2015 zog der Drei-Monats-Zins in den USA deutlich an, weil die US-Notenbank deutlich machte, dass die Phase der Niedrigzinsen dort zu Ende geht.

Seither wurde der US-Leitzins deutlich angehoben. Die weit, weit attraktiveren Anleihe-Renditen waren also in den USA zu finden, was den US-Dollar gegenüber dem Euro deutlich hätte stärken müssen, d.h. die Relation Euro / US-Dollar hätte fallen müssen. Und in der Tat war das bis Anfang 2017 auch der Fall, wie wir weiter unten im Chart sehen werden, wenn es um die aktuelle Lage geht. Aber wie geht es mit dieser Zinsdifferenz zwischen den USA und der Eurozone weiter?

Dollarkurs Prognose: US-Zinsen runter, Euro Dollar rauf?

Da wird es jetzt sehr, sehr spannend. Denn nicht nur in Europa, sondern auch in den USA werden die Konjunkturdaten auf einmal rapide und deutlich schwächer. Die US-Notenbank hat bereits angedeutet, dass die Phase der Zinserhöhungen vorerst vorbei ist. Und angesichts dieser negativen Entwicklung beim Wachstum vermuten viele, dass der nächste Zinsschritt der US-Notenbank nach unten führt … und es nicht bei einem solchen Schritt bleiben wird.

Damit würde sich diese im Chart sichtbare, immense Schere schließen, denn in der Eurozone ist der Zins ja nicht gestiegen. Hier wäre kaum Potenzial für Zinsen und Anleiherenditen nach unten. Für unsere Euro Dollar Prognose würde dies bedeuten: Die US-Anleihen und mit ihnen der US-Dollar würden an Attraktivität verlieren, der Euro aber nicht, weil dort keine nennenswerte Veränderung der Renditen nach unten machbar ist. Wenn sich diese Schere der Zinsen also schließt, müsste der US-Dollar unter Druck geraten, der Euro im Verhältnis Boden gutmachen und der Euro / Dollar-Kurs somit zulegen.

Und wie sieht es mit dem zweiten großen Einflussfaktor, der Politik aus?

Jede Regierung wünscht sich eine schwache Währung

Nach außen hin wollen alle Regierungen, dass ihre eigene Währung stark ist. Denn eine beliebte Währung suggeriert: „Wir sind stark, stabil und wachsen, weshalb alle bei uns investieren wollen.“ Was zwar nicht verkehrt ist. Aber wenn es darum geht, stärker zu wachsen als konkurrierende Wirtschaftsräume, muss die Währung schwach sein, gegenüber den Konkurrenzwährungen sinken. Der Grund:

Je schwächer die Währung, desto billiger können die eigenen Unternehmen ihre Waren im Ausland anbieten. Oder sie steigern dadurch, wenn sie die Preise konstant lassen, ihren Gewinn. Denn ist die eigene Währung schwach, ist der Erlös in der ausländischen Währung höher, weil die im Wert zur eigenen Währung gestiegen ist.

Zugleich hat die schwache Währung den Vorteil, dass die Waren der „Konkurrenz“ im Ausland tendenziell teurer werden … und im Inland ebenso. Eine schwache Währung stützt den Export und damit das Wachstum und behindert zugleich Importeure, weil deren Währung teurer wird, im eigenen Land. Konkret hieße das in Bezug auf Euro / US-Dollar:

Wenn der Euro teurer wird, werden auch die aus der Eurozone in die USA importierten Waren teurer – oder aber die Eurozone-Unternehmen halten die Preise, müssen dann aber geringere Gewinnpannen hinnehmen, weil der US-Dollar, den sie beim Verkauf in den USA einnehmen, im Vergleich zum Euro ja billiger, sprich weniger wert wurde. Wir sehen den Effekt in der folgenden Grafik:

In Phasen, in denen der Euro zum US-Dollar im Kurs stieg, stiegen auch die Exporte der USA. Natürlich hat das Auf und Ab der Exporte noch zahlreiche andere Gründe, aber die eigene Währung zu schwächen, ist definitiv ein wichtiger Vorteil. Was bedeutet: Die Politik kann diesen Aspekt durchaus als „Waffe“ einsetzen! Tut sie das auch?

Währungskriege – offiziell gibt es sie nicht, aber …

Selbstverständlich. Solche Versuche, mit dem Instrument der Währung Konkurrenten in die Knie zu zwingen, gab es schon oft. Unvergessen ist da der jahrelange Währungskrieg der USA gegen Japan in den Neunzigerjahren. Natürlich wird regelmäßig geleugnet, dass man die Währung als politische Waffe missbraucht. Alle wollen schließlich angeblich eine „starke“ Währung. Aber Anfang 2018 wurde sehr deutlich, dass die US-Regierung einen schwachen US-Dollar zum Euro „wünscht“, das ging aus Aussagen von Finanzminister Mnuchin und Handelsminister Ross klar hervor. Und wenn wir uns das ganz langfristige Bild von Euro / US-Dollar auf Monatsbasis ansehen, stellen wir fest:

Zwischen dem Amtsantritt von Donald Trump im Januar 2017 und Anfang 2018 war der Euro markant gestiegen, während der US-Dollar immer schwächer wurde. Und das, obwohl die Zinsen in den USA immer höher stiegen und die in der Eurozone nicht. Die vorher jahrelang der Zinsdifferenz folgende Abwärtstendenz des Euro war plötzlich verschwunden.

Kein Zufall, denn die USA wollten ihr Wachstum mit dem schwachen US-Dollar zusätzlich vorantreiben und zugleich die Eurozone als wirtschaftlichen Konkurrenten schwächen. Was auch die Grundidee des Handelskonflikts ist. Seit Anfang 2018 ist diese Euro-Hausse zwar gestoppt, aber nur die Hälfte dieses Anstiegs ist korrigiert. Und wie geht es weiter? Die bisherigen Fakten haben wir, aber was bringen die kommenden Monate?

Der Brexit-Faktor ist bei einer Euro Dollar Prognose ein entscheidender Faktor

Würde man sich alleine am Chartbild orientieren, sieht es derzeit für die Euro Dollar Prognose danach aus, als könnte der Euro zum US-Dollar jederzeit nach unten ausbrechen, denn die Unterstützungszone um 1,13 US-Dollar hält er seit Wochen nur mit Mühe und der Kurs kann sich nicht nach oben lösen. Warum?

Auch, wenn die EZB die Zinsen kaum noch senken kann, weil sie es im Gegensatz zur US-Notenbank verpasst hat, den Zins Richtung Normalniveau zurückzuführen und so Spielraum zu haben, wenn eine Rezession droht: Die aktuellen Konjunkturdaten deuten an, dass eine solche Rezession möglich ist. Alleine deswegen ist der Euro nicht gut gelitten, weil die Nachfrage internationaler Investoren nach Euro-Aktien und Euro-Anleihen in einem solch unsicheren Umfeld nachlässt. Hinzu kommt der „BrExit“:

Wenn der ungeregelt vollzogen wird, wird das die Wirtschaft der Eurozone zusätzlich unter Druck setzen. Und das Chaos um diesen Ausstieg der Briten drückt auf die Reputation der Eurozone. Viele überlegen es sich zweimal, ausgerechnet jetzt Euro-Assets zu kaufen. Und das setzen die Trader um, indem sie die Finger vom Euro lassen. Das spräche bei einer Prognose für den Euro Dollar also dafür, dass der Euro-Dollar-Kurs in den kommenden Monaten fällt.

Aber es gibt auch die Gegenseite. Und die könnte deutlich stärker wirken:

Wird Trumps Regierung den US-Dollar erneut drücken?

Eigentlich hat nur China einen moderaten direkten Einfluss auf die eigene Währung, indem man die Wechselkurse dort festlegt … zwar grundsätzlich konform zur Tendenz am Devisenmarkt, aber nicht immer. Japan, Europa und Großbritannien pflegen ihre Währungen gemeinhin nicht zu beeinflussen, nicht einmal verbal. Die USA verhalten sich indes anders.

Natürlich greift die US-Regierung nicht offiziell am Devisenmarkt ein. Währungskriege werden ja offiziell immer geleugnet. Aber man lässt eben durchblicken, was man gerne hätte. Und solange die Devisentrader davon ausgehen, dass die USA im Zweifel am längeren Hebel sitzen, traden sie bevorzugt in die Richtung, bei der sie US-politischen Rückenwind vermuten. Zuletzt ist es um das Währungsthema zwar ruhig geworden, weshalb das Währungspaar Euro / US-Dollar derzeit seitwärts läuft. Aber man darf vermuten, dass sich das ändern wird, denn:

Jetzt dreht ja auch die US-Konjunktur nach unten. Trumps Regierung hat Handlungsbedarf. Die aktive Stützung der Exporteure durch einen schwachen US-Dollar wäre höchst hilfreich, zumal das ja den oben erwähnten, zusätzlichen Effekt hätte, dass die Importe aus der Eurozone in den USA teurer werden. Und damit nicht genug:

Dollarkurs Prognose: Eine neue Euro-Dollar-Rallye würde nicht überraschen!

Eine solche „Förderung“ der US-Wirtschaft und Schwächung der Europäer würde den USA eine noch stärkere Stellung verleihen, wenn es darum geht, den Handel zwischen den USA und der EU zu Gunsten der USA neu zu verhandeln. Denn man sollte nicht übersehen: Was wir da bislang an Strafzöllen gesehen haben, war nur Vorgeplänkel. Der eigentliche Konflikt wird erst beginnen, wenn die USA die Verhandlungen mit China vom Tisch haben!

Ein schwacher US-Dollar, sprich ein steigender Euro/US-Dollar-Kurs, wäre also jetzt im Sinne der USA. So gesehen sollte man sich bei einer Euro Dollar Prognose besser nicht darauf verlassen, dass die mittelfristige Abwärtstrendlinie und die 200-Tage-Linie, die den mittelfristig noch abwärts weisenden Trend begleiten, unbezwingbar sind. Wenn die USA erneut ihre Währung drücken wollen und das verbal fördern, wenn zugleich auch noch die US-Notenbank die Leitzinsen senken muss, kann der US-Dollar kräftig unter Druck geraten und die Relation Euro / US-Dollar nach oben davonziehen.

Achten Sie daher auf die massive Widerstandszone 1,1510/1,1570 US-Dollar, die derzeit noch durch die 200-Tage-Linie verstärkt wird. Geht Euro / US-Dollar über diese Hürde, wäre das aus heutiger Sicht die Initialzündung für die nächste Rallye bei Euro Dollar. Und die könnte das Jahr 2019 großenteils bestimmen, da man davon ausgehen darf, dass dieser Handelskonflikt Europa / USA sich hinziehen wird!

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