Just Eat Takeaway.com Aktie Prognose Just Eat Takeaway: Was jetzt kommt, erwartet niemand

News: Aktuelle Analyse der Just Eat Takeaway.com Aktie

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Just Eat Takeaway.com
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Just Eat ist von 110 auf 35 Euro abgestürzt, die Kursgewinne von Jahren sind dahin. Hat der Niedergang dieser unprofitablen Branche begonnen?

Übernahme nach Übernahme

Im Bereich Essenslieferungen gibt es zwei sehr unterschiedliche Geschäftsmodelle. Auf der einen Seite gibt es die Plattformen wie die der Just Eat-Tochter Lieferando, die schlichtweg eine Verbindung zwischen Restaurant und den Kunden herstellen und für die Vermittlung eine Gebühr kassieren.
Andere übernehmen auch die Logistik.

Das zweite ist ein sehr arbeitsintensives Geschäftsmodell und bisher betreibt es faktisch niemand profitabel. Die Plattformen selbst sind allerdings potenziell hochprofitabel, umso härter war oder ist jedoch auch der Wettkampf. Denn es handelt sich um eine typische Situation von „the winner takes it all“.

Das ist auch einer der Gründe, warum in der Branche zahllose Übernahmen durchgeführt wurden. Jeder versucht, die in den jeweiligen Ländern dominanten Plattformen zu schlucken.

Just Eat hat das in recht brachialer Art und Weise getan. Just Eat ist die grösste Plattform in Grossbritannien, mit Takeaway hat man sich den Marktführer in den Niederlanden, aber auch Belgien und einigen anderen Ländern. Mit Lieferando ist man in Deutschland dominant.
Zum Konzern gehört auch Grubhub, eine der führenden Anbieter von Essenslieferungen in den USA.

Just Eat ist also vornehmlich ein Plattform-Betreiber, hat sich durch die Übernahme von Takeaway aber auch ein Logistik-Geschäft ins Haus geholt, wodurch die Margen unmittelbar unter Druck kamen.

Was möglich ist

Wohin die Reise gehen könnte, zeigt sich anhand von Niederlanden. Takeaway konnte sich als early mover zum klaren Marktführer aufschwingen.

Ist es erst so weit, schlagen sich die Netzwerkeffekte richtig nieder. Der grösste Marktplatz zieht am meisten Kunden an, das macht ihn wiederum für Restaurants attraktiv.
Die Auswahl vergrössert sich, das zieht wieder neue Kunden an und die bestehenden bestellen im Zeitverlauf immer mehr und so weiter.

Betrachtet man das gereifte Geschäft in den Niederlanden, zeigt sich, was perspektivisch auch in anderen Ländern möglich sein könnte.

Dort beträgt der Warenwert einer durchschnittlichen Bestellung 20,00 Euro. Davon erhält Takeaway 2,60 Euro.

Die Transaktionskosten liegen bei 10%, die Bruttomarge demnach bei 90%. Abzüglich Marketing, Personal und anderen Kosten verdient man satte 1,66 Euro je Bestellung und erreicht eine operative Marge von 64%.

Ähnliches könnte perspektivisch auch in anderen Märkten möglich sein und dementsprechend ist es kein Wunder, dass die Aktie bei Anlegern beliebt war. Abgesehen von dem hohen Wachstum schienen auch eine enorme Profitabilität möglich zu sein.
Daher gingen die Kurse im Sektor durch die Decke.

Ein Scherbenhaufen

Davon ist allerdings nicht mehr viel übrig, das zeigt auch der Blick auf Delivery Hero. Im Fall von Just Eat Takeaway ist der Kurs von 110 auf derzeit 35 Euro abgestürzt.

Dass es eine Übertreibung zur Oberseite gab, dürfte damit feststehen und vielleicht geht jetzt auch der Abverkauf zu weit.

Für Anleger ist es schwierig, das Geschäft und die inzwischen komplizierte Unternehmensstruktur zu durchschauen.
Es gibt einige Akteure in dieser Branche, die würde ich geradezu als strukturell unprofitabel bezeichnen, bei Just Eat ist das allerdings nicht der Fall.

Die rückläufigen Bruttomargen sind auch nicht auf eine Verschlechterung des Geschäfts zurückzuführen. Das ist, wie bereits angesprochen, auf das Logistik-Geschäft zurückzuführen.
Und genau hier liegt der Knackpunkt.

Die Bären argumentieren, dass Just Eat und die anderen Plattform-Betreiber Marktanteile an die Logistiker verlieren.

Das sind zwei Paar Stiefel

Das ist an sich richtig, das Plattform-Geschäft wächst allerdings trotzdem und in den meisten Fällen handelt es sich nicht um direkte Konkurrenz.

Das hat einen einfachen Grund:
Die allermeisten Restaurants liefern entweder all ihre Bestellungen selbst aus oder keine und überlassen es den Logistikern.
Die wenigsten Restaurants fahren zweigleisig.

Durch das Aufkommen der Logistiker kann man heute bei sehr viel mehr Restaurants bestellen als zuvor. Dadurch wächst der Markt für Essenslieferungen extrem schnell und dementsprechend wirkt es so, als würden die Plattformen Marktanteile verlieren.
Sie wachsen aber weiter.

Das wird jetzt passieren

Man könnte jetzt noch lange über das Logistik-Geschäft sprechen, man kann es aber auch abkürzen.
Just Eat ist wohl besser aufgestellt als alle Konkurrenten in dieser Branche.

Just Eat Takeaway betreibt in mehr als einem Dutzend Ländern die führende Plattform für Essenslieferungen.
Die Kundenbindung ist hoch, der Umsatz je Kunde steigt von Jahr zu Jahr. Gleichzeitig sind die Marketing-Kosten rückläufig und die Margen steigen. Was möglich ist, zeigen die Daten aus den Niederlanden.

Das Logistik-Geschäft überschattet diese Fakten, doch auch hier man sich klug positioniert. Das Geschäft in Brasilien ist womöglich strukturell unprofitabel, in Kanada stehen die Chancen allerdings besser. Und in den USA, auf die der grösste Teil des eigenen Logistik-Geschäfts entfällt, ist der Bereich definitiv profitabel.

Dort ist die Marktstruktur schlichtweg eine andere. Grubhub kann dort nicht nur eine Gebühr von den Restaurants einstreichen. Es ist für Kunden vollkommen normal, dass auf den Preis der Mahlzeiten noch eine Liefergebühr on top kommt. Das deckt die Kosten der Fahrer und macht das Geschäft effektiv auch wieder zu einer Plattform.

Und eine Sache scheinen viele Anleger zu übersehen: Die Plattformen selbst sind das beste Fundament, um den Logistikern zukünftig das Leben schwer zu machen.
Genau das scheint Just Eat in einigen Ländern zu versuchen.

Ausblick und Bewertung

Der Übernahme-Zyklus der Branche dürfte vorerst vorüber sein. Natürlich ist es nur eine Mutmassung, aber Just Eat Takeaway inklusive der wichtigen Töchter Grubhub und Lieferando dürften sich vorerst auf sich selbst konzentrieren.

Und das bedeutet in diesem Fall wieder steigende Margen bei gleichzeitig hohem Wachstum und geringerer Verwässerung der Aktienbasis.
Das dürfte die Anleger wieder zunehmend überzeugen.

Inzwischen ist die Bewertung auf ein akzeptables Mass zurückgekommen. Das KUV des Konzerns ist in den letzten Monaten von knapp über 11 auf 2,5 gesunken.
Tatsächlich wurden weder Just Eat noch Takeaway oder Grubhub jemals zu einem niedrigeren KUV gehandelt.

Das ist für Investoren natürlich eine erfreuliche Ausgangslage. Stellt sich nur noch die Frage, wo man in einigen Jahren geschäftlich stehen wird.

Konservativ wie wir sind, unterstellen wir, dass das organische Wachstum in den kommenden Jahren weit unter das Vor-Corona-Niveau fallen und 15% p.a. erreichen wird.
In diesem Szenario könnte das Europa-Geschäft 2025 ein EBITDA von rund einer Milliarde erwirtschaften.

Derzeit kommt Just Eat aber nur auf einen Börsenwert von 7,6 Mrd. Euro. Hinzu kommt das US-Geschäft und eine Beteiligung an iFood, für die Presseberichten zufolge bereits ein Kaufangebot von mehr als 2,0 Mrd. Euro vorlag.

Abschliessend muss man der Sache nur noch ein sinnvolles Multiple verpassen. Am Ende kommt man recht einfach auf ein rationale begründbares Potenzial von 100% und mehr.
Dass es der Markt hergeben könnte, steht ebenfalls fest, schliesslich notierte die Aktie vor nicht allzu langer Zeit fast 200% höher.

Chart vom 21.02.2022 Kurs: 35,00 Kürzel: TKWY - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 21.02.2022 Kurs: 35,00 Kürzel: TKWY – Wochenkerzen

Beim Chart handelt es sich um die Notierung in Euro. Kunden von LYNX können die Aktie aber selbstverständlich auch in USD (Ticker GRUB) oder in Pfund (Ticker JET) handeln.

Das einzige Problem ist, dass die Aktie bisher keinerlei Tendenzen einer Bodenbildung zeigt.

Vielleicht ändern die nächsten Quartalszahlen etwas daran, am 2. März werden wir es wissen.

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