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Aktienanalyse:
Lufthansa: Ist die Rettung eine Katastrophe?

Aktuelle Analyse der Lufthansa Aktie

Lufthansa ist einer der weltweit operierender Luftfahrtkonzerne mit insgesamt mehr als 124.000 Mitarbeitern sowie 550 Tochterunternehmen und Beteiligungsgesellschaften.

Das Unternehmen ist in die Geschäftsfelder Passage Airline, Logistik, Technik, Catering und Sonstige organisiert. Zum Konzern gehören auch Eurowings sowie Swiss und Austrian Airlines.

Zumindest in der Theorie

Das ist zumindest in der Theorie der Fall. Durch die Pandemie kam der Flugbetrieb der Airline aber quasi zum Erliegen.
In dieser Branche ist das fatal, denn ein Großteil der laufenden Kosten fällt weiterhin an.

Die Branche ist hoch verschuldet, auch die Lufthansa. Kredite/Leasingraten für Flugzeuge laufen einfach weiter. Flieger müssen gewartet werden, Hangar- und Stellplätze kosten Geld, ebenso die Belegschaft.
Das hat den Konzern in kürzester Zeit bis an den Rand der Belastungsfähigkeit gebracht.

Das müssen Sie wissen

Doch es läuft nicht nur derzeit schlecht. Der Umsatz konnte in den letzten zehn Jahren zwar von 27,32 auf 36,42 Mrd. Euro gesteigert werden.
Das liegt aber weit unter dem Wachstum der Branche.

Gleichzeitig hapert es bei der Profitabilität. Die operative Marge ist niedrig, der Gewinn konnte mit dem Umsatzwachstum nicht mithalten.
Der Blick auf den Cashflow offenbart das ganze Ausmaß der Misere.

Nahezu die gesamten Mittel, die man operativ erwirtschaftet, müssen umgehend reinvestiert werden.
In der letzten Dekade sind mehr als 30 Mrd. Euro im Konzern versickert, ohne einen wirklichen Mehrwert zu generieren.

Daher ist die Kapitalausstattung dünn und das hat in der aktuellen Krise sehr schnell dazu geführt, dass man Staatshilfen benötigt. All diese Faktoren machen Lufthansa und die gesamte Branche zu einem mittelprächtig bis schlechten Investment.
Die Aktie ist ein Underperformer und steht heute auf dem Niveau von 1995.

Mit dem Rücken zur Wand

Die Lufthansa stand also mit dem Rücken zur Wand und benötigte dringend frisches Kapital. Scheinbar war kein Investor bereit, Geld zur Verfügung zu stellen. Das ist schon bedenklich genug.

Die Bedingungen sind für den Konzern und die Aktionäre entsprechend unerfreulich, man hatte eben keine andere Wahl.

Der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) wird der Lufthansa eine stille Einlage von bis 5,7 Mrd. Euro zur Verfügung stellen. Das ist mehr als der derzeitige Börsenwert von 4,1 Mrd. Euro.
Ein Großteil davon ist unbefristet und gilt als Eigenkapital.
Der Wirtschaftsstabilisierungsfonds lässt sich die Milliarden aber auch mit einem Zinssatz von anfänglich 4% vergolden.
Bis 2027 steigt der Zinssatz dann auf 9,5%.

Das ist vorerst die Rettung, man sollte aber auch darüber nachdenken, was das bedeutet. Die Zinsen könnten mittelfristig die Hälfte eines durchschnittlichen Jahresgewinns aufzehren.

Dann ist der Kredit aber noch immer nicht getilgt. Wie die Rückzahlung von nahezu dem anderthalbfachen des Börsenwerts innerhalb weniger Jahre gelingen soll, ist mir schleierhaft. Der Konzern hat ja ohnehin Probleme mit der Profitabilität.

Eine Sache ist also klar: Der Gewinn je Aktie wird allein schon wegen den Zinsen sinken.

Kinnhaken

Das gilt umso mehr, da sich der Stabilisierungsfonds des Bundes im Rahmen einer Kapitalerhöhung eine Beteiligung von 20% sichern wird.
Der Bezugspreis liegt bei nur 2,56 Euro. Das ist weniger als ein Drittel des aktuellen Kurses.

Als Bürger kann man es begrüßen, wenn sich der Staat für Hilfen einen Anteil an Unternehmen sichert. Für die Lufthansa und deren Aktionäre ist das aber weniger erfreulich.

Das bedeutet für die bisherigen Aktionäre, dass sie weit unter dem aktuellen Kurs massiv verwässert werden. Jede Aktie steht fortan für einen sehr viel kleineren Teil am Konzern.
Außerdem plant der Bund, die Anteile in den kommenden Jahren wieder abzustoßen. Den Kursen dürfte das nicht helfen.

Das zeigt wie schwach die Verhandlungsposition der Lufthansa war, wenn man auf einen derartigen Deal eingehen musste.
Unter dem Strich bedeutet die Kapitalerhöhung dasselbe wie der Kredit: Der Gewinn je Aktie sinkt.

Rechnen Sie!

Lassen Sie uns kurz nachrechnen, über welches Ausmaß wir sprechen. Der WSF-Kredit wird den Konzern anfänglich 228 Mio. Euro an jährlichen Zinsen kosten. Perspektivisch könnten es 541 Mio. Euro werden.

Die Zahl der ausstehenden Aktien steigt durch die Kapitalerhöhung von 476 auf 595 Millionen Stück.

Im Vorjahr hat die Lufthansa ein Konzernergebnis von 1,21 Mrd. Euro erzielt. Das entsprach einem Ergebnis von 2,55 Euro je Aktie.

Nehmen wir hypothetisch an, dass man im kommenden Jahr ebenso profitabel wäre. Durch die Zinskosten und die höhere Aktienzahl, läge das Ergebnis selbst dann nur noch bei 1,68 Euro je Aktie.
Da die Lufthansa auch gerne Mal zu einem KGV von 5 gehandelt wird, wäre also bereits jetzt kein Kurspotenzial mehr vorhanden.
Beim P/FCF sieht es ohnehin immer schlecht aus.

Bisher scheinen Anleger nur die positive Seite zu sehen, eben dass der Konzern gerettet ist. Die Chancen stehen aber nicht schlecht, dass die Aktie in den kommenden Jahren ein ebenso schlechtes Investment sein wird, wie in der Vergangenheit.
Noch mal zur Wiederholung: Heute notiert die Lufthansa-Aktie auf demselben Niveau wie 1995.

Chart

Das wird einige nicht davon abhalten trotzdem zu zocken. Eine Erholung ist auch gut möglich, denn die Aktie befindet sich wieder am unteren Ende der fünfundzwanzigjährigen Range.
Oberhalb von 9 Euro ist der Weg in Richtung 10 oder 11,30 Euro grundsätzlich frei.

Unter 9 Euro droht jedoch jederzeit ein Rückfall auf 8 oder tiefer.

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Chart vom 26.05.2020 Kurs: 9,13 Kürzel: LHA - Wochenkerzen | LYNX Online Broker

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