Der Goldpreis ist seit Anfang November um über 270 USD gestiegen. Aktuell notiert das gelbe Edelmetall am Terminmarkt bei 1.889 USD und damit im Bereich eines technischen Widerstands. Kommt es hier zu Gewinnmitnahmen? Wenn ja, wo liegen attraktive Einstiegskurse? Antworten erhalten Sie anhand einer möglichen Trade-Idee in dieser Gold-Analyse.

Rückblick: Gold mit nächstem Rallyeschub

Damit haben, nach dem Jahrestief Anfang November, wohl nur sehr wenige gerechnet. Wohl dem, der vor gut zwei Monaten nicht frustriert das Handtuch geworfen hat. Denn seit November befindet sich der Goldpreis auf einem Höhenflug, der in dieser Handelswoche ein neues Hoch erreicht hat.

Massgeblich dazu beigetragen hat die Kaufwelle in der zweiten Hälfte der vorangegangenen Handelswoche. Nach einem Test des Eröffnungskurses von 2023 haben Käufer den Goldpreis in der Spitze um 3,27 Prozent nach oben getrieben. Denn am Wochenhoch musste man für eine Unze Gold am Terminmarkt 1.890,9 USD bezahlen. Das sind fast 60 USD mehr als zur Jahreseröffnung (vgl. Chart unten).

Chart vom 12.01.2023 Kurs: 1.888 USD Kürzel: GC Stundenkerzen | Online Broker LYNX

Im Verlauf dieser Handelswoche wurde dieser Kursanstieg erstmal in Form einer Seitwärtsphase (vgl. gelbe Markierung im Chart oben) verdaut.

Jetzt fragt man sich…

Startet schon von hier aus die nächste Aufwärtswelle, oder können neue Käufer erst durch eine Preiskorrektur gefunden werden?

Um eine Antwort zu finden, zoomen wir ein wenig heraus und schauen uns an, wie sich der oben beschriebene Kursverlauf in das grosse fundamentale und technische Bild einfügt.

Überblick: Trendfortsetzung oder nur Korrektur

Chart vom 12.01.2023 Kurs: 1.886 USD Kürzel: XAUUSD Monatskerzen | Online Broker LYNX

Gold mit lupenreiner Bärenfalle – Stand jetzt

Verschaffen wir uns zunächst einen Überblick aus der Vogelperspektive. Dazu werfen wir einen Blick auf den Monatschart in der logarithmischen Darstellung. Was fällt auf?

Nach einer dynamischen Kursrallye, die den Goldpreis von 2018 bis 2022 in der Spitze um 78 Prozent oder 914 USD hat ansteigen lassen, folgte eine Konsolidierung. Gut zwei Jahre lang pendelte der Goldpreis in einer Seitwärtsrange. Durch einen Schlusskurs im September bei 1.660 USD wurde die Unterstützung der Seitwärtsrange bei 1.680 USD nachhaltig nach unten durchbrochen.

Durch den charttechnischen Trendbruch wurde ein weiteres Korrekturziel bei 1.510 USD aktiviert. Das ist durch die Kursrallye der letzten drei Monate in weite Ferne gerückt. Das Momentum der Gold-Bullen spricht für weitere Kursanstiege. Die Seitwärtsrange wurde als erstes wichtiges Etappenziel von den Bullen wieder zurückerobert. Entsprechend könnte sich der Trendbruch als lupenreine Bärenfalle entpuppen.

Bevor es mit einem grossen Kaufsignal aber richtig bullish wird, muss der Widerstand bei 2.075 USD überwunden und ein neues Hoch erzielt werden. In diesem bullischen Szenario befinden sich die nächsten Kursziele bei 2.194 USD und danach bei 2.352 USD.

Die technische Grosswetterlage ist aufgrund des Trendbruchs und der darauffolgenden Kursrallye in die Seitwärtsrange wieder auf „neutral“ gedreht.

Passt das auch zu den fundamentalen Rahmenbedingungen?

Schwache institutionelle Nachfrage nach Gold

Die Bestände der Gold-ETFs fielen im Dezember den achten Monat in Folge. Daran konnte auch die oben aufgezeigte Goldpreisrallye in den letzten zwei Monaten nichts ändern. Aufgrund einer negativen Nachfrage im Dezember verringerten sich die weltweiten Bestände in physisch gedeckten Gold-ETFs um 4,5 Tonnen. Eine ansteigende Nachfrage aus Nordamerika (+8,8 Tonnen), wurde von den Abzügen aus Europa (-13,8 Tonnen) mehr als wett gemacht (vgl. Grafik unten).

Grafik vom 12.01.2023 Zu- Abflüsse Gold-ETFs | Online Broker LYNX

Nun stellt sich die Frage: Wer sind die Käufer, die den Goldpreis nach oben treiben?

Zentralbankkäufe geben den Bullen Rückenwind

Während die Gold-Investitionen in Q2 und Q3 2022 zurückgefahren wurden, ist die Zentralbanknachfrage auf ein historisches Hoch angestiegen. Laut den Experten vom World Gold Council (WGC) lagen die Nettokäufe der Zentralbanken bis zum Ende des 3. Quartals mit 673 Tonnen auf einem Rekordhoch (vgl. Grafik unten). Das WGC geht davon aus, dass im Oktober und November die Käufe, wenn auch langsamer, fortgesetzt wurden.

Grafik vom 12.01.2023 Angebots- und Nachfragestatistiken zu Gold | Online Broker LYNX

Aber ist einzig und allein die steigende Zentralbanknachfrage für die jüngste Goldrallye verantwortlich?

Wer ist der grosse Käufer auf dem Goldmarkt?

Der Höhenflug beim Goldpreis sorgt bei vielen Anlegern für Verwunderung. Fundamental ist dieser derzeit nur schwer zu erklären. Die Inflationsängste schwinden. An der geopolitischen Front ist in letzter Zeit auch nicht viel Neues passiert. Wer steckt also hinter den massiven Goldkäufen, die den Goldpreis in den letzten zwei Monaten um 270 USD nach oben getrieben haben?

Laut den Rohstoffstrategen von TD Securities steckt der offizielle chinesische Sektor dahinter. Gigantische Käufe aus China sollen zu einer möglichen Fehlbewertung von bis zu 150 USD pro Unze geführt haben. Eine Gruppe aus spekulativen Händlern soll dabei von Shanghai aus aggressiv ihre Long-Position ausgebaut haben (vgl. Grafik unten).

Grafik vom 12.01.2023 Shanghai Traders Gold Position | Online Broker LYNX

Grafik vom 12.01.2023 Shanghai Traders Gold Position| Online Broker LYNX 

Als wichtigsten Beweis führen die Strategen auf, dass in China Gold nur mit einem erheblichen Aufschlag auf die weltweiten Spotpreise zu bekommen ist (vgl. Grafik unten).

Grafik vom 12.01.2023 Aufschlag auf den Goldpreis in China | Online Broker LYNX

Was steckt hinter dem Goldhunger aus China?

Nachdem scheinbar geklärt ist, dass China hinter den aggressiven Goldkäufen steckt, beschäftigt die Marktteilnehmer die Frage nach den Hintergründen und v.a. ob die Nachfrage aus China weiter anhält. Falls nicht, könnte es am Goldmarkt nämlich zu einer heftigen Kurskorrektur kommen.

Theoretisch gibt es laut den Strategen von TD Securities mehrere Gründe. So könnte die Goldnachfrage aufgrund der jüngsten Wiedereröffnungsmassnahmen angesprungen sein. Auch das Aufstocken der Lagerbestände vor dem chinesischen Neujahrsfest könnte ein Preistreiber sein. Beides wären Faktoren, die schon bald wegbrechen könnten.

Darüber hinaus könnte China Gold auch aus strategischen Gründen kaufen. Beispielsweise würde es Sinn machen, falls der US-Dollar weiter an Stärke verliert, einen Teil der USD-Reserven in Gold zu tauschen. Vielleicht hat man anhand der westlichen Sanktionen gegenüber Russland gesehen, welches Sanktionsrisiko hinter den gehaltenen USD-Reserven steckt. Diese Umschichtung könnte noch andauern und die Goldnachfrage entsprechend länger hochhalten.

Technisch ist die Grosswetterlag als neutral zu bewerten. Fundamental könnte die chinesische Nachfrage gepaart mit der Zentralbanknachfrage den Goldpreis weiter stützen.

Ausblick: Mögliche Kurskorrektur zum Long-Einstieg nutzen?

Schauen wir uns im Tageschart (logarithmische Darstelltung) an, wie sich die fundamentalen Rahmenbedingungen zuletzt auf den Goldpreis ausgewirkt haben. Was fällt auf?

Der Chart zeig uns, dass der Goldpreis am Spotmarkt seit dem Verlaufstief Anfang November bei 1.616 USD in der Spitze um 16,7 Prozent gestiegen ist. Dabei formte der Kursverlauf einen untergeordneten Aufwärtstrend in Form von neuen Hochs und höheren Tiefs (vgl. grüne Quadrate im Chart unten).

Chart vom 12.01.2023 Kurs: 1.882 USD Kürzel: XAUUSD Tageskerzen | Online Broker LYNX

Aufwärtstrend testet möglichen Widerstand – startet hier die Korrektur?

Nach der Bodenbildung in Form eines dreifachen Tiefs im Bereich von 1.616 USD übernahmen die Gold-Bullen das Zepter. In eindrucksvoller Manier erfolgte der Ausbruch aus dem monatelangen Abwärtstrendkanal. Und das war noch nicht alles! Denn mit dem dynamischen Kursanstieg über das vorherige Verlaufshoch bekamen die Bullen Rückenwind vom nächsten Kaufsignal. Die Trendwende war voll im Gange und wurde mit einem höheren Verlaufshoch und dem Bruch der 200-Tage-Linie im Dezember erfolgreich bestätigt.

Dieser Trend wurde zu Jahresbeginn fortgesetzt. Damit notiert Gold wieder über den vielbeachteten Trendindikatoren – dem schneller laufenden 50-Tage-Durchschnitt und dem 200-Tage-Durchschnitt (vgl. blaue und rote Linie im Chart oben). Dabei hat der starke Kursanstieg der letzten Wochen dazu geführt, dass ein bullisches Ausbruchsmuster im Chart gebildet wurde. Die Rede ist hier vom „goldenen Kreuz“ (engl. golden cross). Das goldene Kreuz zeigt sich im Chart, wenn ein kurzfristiger gleitender Durchschnitt (50-Tage-Durchschnitt) seinen langfristig gleitenden Durchschnitt (200-Tage-Durchschnitt) überschreitet. Von vielen Marktteilnehmern wird ein goldenes Kreuz als Signal für einen neuen Bullenmarkt gesehen.

Dafür müssen die Bullen aber zunächst den technischen Widerstand am Spotmarkt im Bereich von 1.880 USD bis 1.900 USD knacken. Erst ein nachhaltiger Kursanstieg über diese Marke, würde das nächste Kursziel im Bereich von 2.000 USD aktivieren. Vom aktuellen Kurs gerechnet, besteht dann ein Anstiegspotenzial von 115 USD oder 6 Prozent.

Unterstützt wird der Goldpreis derzeit im Bereich von 1.810 USD. Sollte diese technische Unterstützung brechen, könnte der Preis für das Edelmetall die nächste Unterstützung im Bereich von 1.780 USD bis 1.800 USD testen. Damit wäre dann auch das erste Korrekturziel der dynamischen Aufwärtswelle von 1.616 USD bis 1.886 USD abgearbeitet.

Solange der Goldpreis nicht unter das letzte Verlaufstief bei 1.774 USD fällt, bleibt der untergeordnete Aufwärtstrend intakt. Erst eine Tagesschlusskurs unter dieser Kursmarke würde das kurzfristig bullishe Szenario auflösen und weitere Korrekturziele bei 1.751 USD und 1.719 USD aktivieren. Bis zum Letzteren besteht, gerechnet vom aktuellen Kursniveau aus, eine Fallhöhe von ca. 165 USD oder 8,7 Prozent.

Kurzfristige entscheidet sich der weitere Kursverlauf für Gold am Spotmarkt wohl an der Marke von 1.810 USD. Hält die Unterstützung, könnte von hier aus der nächste Rallyeschub starten. Rückenwind erhält dieses Szenario von den historischen Kursverläufen ab Mitte Januar.

Goldpreis saisonal stark

Werfen wir einen Blick auf den durchschnittlichen Kursverlauf von Gold bis Mitte Februar. Was fällt auf?

Chart vom 12.01.2023 Saisonalität im Gold | Online Broker LYNX

Die Grafik oben zeigt eine statistische Auswertung des Goldpreises für die vergangenen 5, 10, 15 und 20 Jahre in Abhängigkeit der Jahreszeit.

Auffällig ist, dass der Goldpreis auf Sicht von einem, zwei oder drei Monaten in jeder der oben gewählten Analysezeiträume gestiegen ist. Am stärksten hat sich der Goldpreis auf Sicht von drei Monaten entwickelt (vgl. Grafik oben). Entsprechend kann bis Anfang April tendenziell mit einem steigenden Goldpreis gerechnet werden.

Diese technischen Kaufsignale sollten Sie auf dem Radar haben

Für Trendtrader ist die Trendampel auf Grün gesprungen. Der Goldpreis hat, wie oben aufgezeigt, den monatelangen Abwärtstrend durchbrochen und einen untergeordneten Aufwärtstrend bestätigt. So lange dieser Trend nicht mit Schlusskursen unter 1.774 USD gebrochen wird, sind weitere Kursanstiege wahrscheinlicher. Untergeordnet hat sich ein Aufwärtstrend etabliert.

Das Sentiment im Gold dreht von neutral auf bullisch. Durch die Fortsetzung des Höhenflugs befindet sich der Goldpreis wieder über dem 50-Tage- und dem 200-Tage-Durchschnitt. Beide Durchschnitte bilden derzeit ein goldenes Kreuz – ein Signal für einen möglichen Bullenmarkt.

Sollte der oben aufgezeigte Aufwärtstrend fortgesetzt werden, könnte das von der möglichen technischen Unterstützung im Bereich von 1.810 USD aus geschehen.

Zusätzlich wird innerhalb dieser möglichen Unterstützungszone ein Harmonisches Kursmuster vervollständigt. Diese Muster signalisieren mögliche Umkehrpunkte im Chart und werden von mir gerne als Einstiegssignal genutzt.

Einblick: Trade-Idee mit einem CRV von 1,57 für einen Long-Einstieg

Ein Test der oben beschriebenen Unterstützungszone könnte Ihnen den perfekten Einstieg für einen Long-Trade in Gold liefern. Damit würden Sie von einer möglichen Aufwärtsbewegung im Gold profitieren (vgl. Chart unten).

Chart vom 12.01.2023 Kurs: 1.885 USD Kürzel: GC 4-Stundenkerzen | Online Broker LYNX 

Als professioneller Trader lege ich mich täglich auf die Lauer. Ich warte geduldig bis sich Trading-Chancen am Markt mit einem attraktiven Chance-Risiko-Verhältnis ergeben, ohne blind den Kursen hinterherzurennen. Basierend auf über 1.000 Echtgeld-Trades weiss ich, dass ich mit den Harmonischen Preismustern über eine grosse Anzahl von Trades in ca. 56 Prozent der Fälle zu den Gewinnern gehöre. Gepaart mit einem Chance-Risiko-Verhältnis wie in diesem Fall von 1,57 zu 1, liefern diese Kennzahlen mir einen statistischen Gewinnvorteil.

Sollten Sie sich für einen Long-Trade entscheiden, können Sie bei 1.822,8 USD einsteigen und sich mit einer Stopp-Loss Order unter dem letzten Verlaufstief bei 1.788,9 USD absichern. Damit berücksichtigen Sie auch die aktuelle Volatilität des Goldpreises.

Ein erstes mögliches Gewinnziel könnte bei 1.876,3 USD liegen. Daraus ergibt sich für die Trade-Idee ein Chance-Risiko-Verhältnis von 1,57. Natürlich können Sie bei einem hohen Momentum auch versuchen die Gewinne weiterlaufen zu lassen. Das nächste Ziel wäre bei 1.910 USD.

Sobald nach einem möglichen Einstieg das Kurslevel von 1.848,8 USD erreicht wird, kann der Stopp-Loss der Position auf den Einstieg nachgezogen werden. Damit wird das Restrisiko für den Trade auf null reduziert.

Fazit der Gold-Analyse:

Die aktuelle Gold-Analyse zeigt: Gold hat den monatelangen Abwärtstrend mit einer dynamischen Kursrallye gebrochen. Aufgrund der saisonalen Daten kann ein weiterer Anstieg des Goldpreises erwartet werden. Ein attraktiver Einstieg könnte im Bereich von 1.822 USD liegen.

Falls es im Gold-Future von dort weg zu einer Aufwärtsbewegung kommt, könnten Sie als Leser dieser Analyse von der oben vorgestellten Trade-Idee profitieren. Geht diese auf, könnten Sie für jeden eingesetzten Euro 1,57 EUR zurückerhalten.

Doch bitte denken Sie immer daran, der Kursverlauf kann sich jederzeit auch anders entwickeln und zu Verlusten führen. Ein aktives Risiko- und Trademanagement sind daher ebenfalls sehr wichtig.

Risiken für die Trade-Idee bestehen vor allem darin, dass die Fed trotz nachlassender Inflation weiter an ihrer aggressiven Zinspolitik festhält. Mit steigenden Renditen und einem stärkeren US-Dollar könnte der Goldpreis dann stärker als erwartet korrigieren.

Am einfachsten und vor allem kostengünstigsten können Sie die vorgestellte-Trade-Idee mit Futures umsetzen. Je nach Kontogrösse und Risikoeinstellung können Sie z.B. den Februar 2023 Kontrakt des Gold-Futures (Symbol: GCG3), oder den kleineren Micro-Future (Symbol: MGCG3) dafür einsetzen. Der Kontrakt mit dieser Laufzeit, hat derzeit das grösste Handelsvolumen. Bitte denken Sie daran, falls der Trade länger laufen sollte, den Future rechtzeitig zu rollen.

Alternativ können Sie auch in Gold Aktien investieren, um von einem steigenden Goldpreis zu profitieren. Hier finden Sie eine spannende Auswahl: Die besten Gold Aktien.

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