EUR.GBP aktuell Euro/Britisches Pfund: Impf-Vorteil schlägt Brexit-Nachteil

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Jahrelang kam es zu Ausbruchsversuchen des Euro nach oben, weil die Trader erwarteten, dass der Brexit das Pfund massiv schwächen würde. Doch seit Jahresbeginn ist es das Pfund, das immer stärker wird. Was passiert hier?

Die Sichtweise der Trader hat sich gewandelt bzw. relativiert. Jahrelang ging man davon aus, dass die britische Wirtschaft den Ausstieg aus der EU teuer würde bezahlen müssen. Man rechnete mit einem Exodus des Kapitals aus Grossbritannien, mit einer Rezession und in der Folge mit extremen Massnahmen der Bank of England. Vor allem, als sich herausstellte, dass der Plan, sich im Eiltempo durch ein Handelsabkommen mit den USA Ersatz in Sachen Haupt-Handelspartner zu schaffen, so nicht umgesetzt würde. 

All das hätte das Pfund schwächen müssen. Und deswegen attackierte der Euro über Jahre hinweg immer wieder die Widerstandszone um 0,93 Pfund pro Euro, sprich das Pfund stand mehrfach kurz davor, massiv abzurutschen. Das Panik-Hoch des Euro (bzw. Panik-Tief des Pfundes) vom Herbst 2016 bei 0,9737 sahen manche Experten nur als erstes Ziel auf dem Weg des Siegeszugs des Euro über das Pfund an. Doch zur Jahreswende änderte sich etwas. Und das basierte auf der Corona-Problematik. 

Den aktuellen Kurs und Chart des Währungspaars EUR.GBP und historische Wechselkurse finden Sie hier.

Euro/Britisches Pfund: Chart vom 15.04.2021, Kurs 0,8682 Pfund, Kürzel EUR.GBP | Online Broker LYNX

Expertenmeinung: 2020 wurde die britische Wirtschaft zwar weit massiver gebeutelt als die der EU insgesamt, weil man lange Zeit hinsichtlich der Pandemiebekämpfung alles falsch zu machen schien. Aber das vierte Quartal präsentierte sich in Grossbritannien recht robust, während die Wirtschaftsleistung in der Eurozone wieder leicht schrumpfte. Und mittlerweile liegen die Briten in Sachen Impfungen meilenweit vor der EU. Daraus folgern die Trader, dass die Briten einen deutlichen Vorsprung haben werden, wenn es um die Rückkehr zur Normalität und damit zur Wiederbelebung des Konsums und in dessen Schlepptau des Wachstums insgesamt geht. 

Das wiederum spricht für Grossbritannien und auch dafür, dass man womöglich dadurch imstande ist, die Folgen des BrExit markant abzumildern. In der vergangenen Woche kam es zwar zu einer Gegenbewegung, aber per Saldo sehen wir derzeit innerhalb der breiten, jahrelangen Handelsspanne zwischen 0,8277 und 0,9325 Pfund pro Euro eine intakte Abwärtsbewegung. Erst in dieser wichtigen Supportzone 0,8277/0,8305 Pfund wird sich zeigen, wie weit es mit dem Wiedererstarken der britischen Währung her ist, aber ausschliessen, dass das Pfund auch diese Zone nach unten durchbricht, sollte man derzeit nicht.

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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen von EUR.GBP

Sonntag sollte der letzte Verhandlungstag sein. Wenn es dann nichts würde mit einer Einigung zwischen den Briten und der EU, dann würde man die „australische Lösung“ anstreben, wie Premier Johnson erklärte. Ja, das klingt nach einer Alternative, immerhin benutzte er dabei das Wort „Lösung“. Doch wahr ist: Australien hat mit der EU gar kein Handelsabkommen, d.h. das hätte „No Deal“ bedeutet, nur verbal mit dem Weg „Lösung“ so garniert, dass Unbeteiligte glauben könnten, Boris Johnson hätte eine solche gefunden. Dieser Sonntag ist vorbei, denn da ging es um den 13. Dezember. Und?

Natürlich wird weiterverhandelt, es war zu erwarten. Bei diesem Possenspiel sind bereits derart viele angebliche letzte Termine verstrichen, dass es darauf auch nicht mehr ankommt. Doch verbessert das die Chance auf eine Einigung? Wohl kaum, denn was all die Jahre nicht gelöst wurde, löst auch Zeitdruck nicht, das haben wir ja in den letzten Jahren gelernt. Wobei man sich beim Blick auf die Relation des Britischen Pfunds zum Euro fragen darf, ob das wirklich alle so sehen. Denn obwohl das Risiko, dass Grossbritannien ohne Handelsabkommen aus der EU-Zollunion ausscheidet, immer grösser wird, zieht der Euro zum Pfund nicht davon.

Euro/Britisches Pfund: Tages-Chart vom 15.12.2020, Kurs 0,9053 Pfund, Kürzel EUR.GBP | Online Broker LYNX

Die Charts zeigen, dass sich der Kurs weiter in der seit Sommer 2017 bestehenden, breiten Handelsspanne hält. Zuletzt gab das Pfund zwar in Richtung dieser jetzt ignorierten Deadline des 13. Dezember nach, der Preis, den man für einen Euro in britischen Pfund zahlen muss, stieg (die Charts zeigen genau das, d.h. den Preis für einen Euro in britischen Pfund). Aber nachdem am Sonntagabend mitgeteilt wurde, die Verhandlungen würden doch noch weitergehen, kam der Kurs des Euro schon wieder zurück, wobei Euro/Pfund dadurch auch noch an der mittelfristigen Abwärtstrendlinie nach unten drehte. Was hiesse:

Es wäre sogar denkbar, dass die seit Monaten verteidigte Unterstützung 0,8863/0,8865 Pfund pro Euro fiele, d.h. der Euro dann sogar deutlicher abwertet, das Pfund aufwertet. Aber wie ist das möglich? Ein grösserer Abwärtsimpuls der Euro/Pfund-Relation wäre dann nachvollziehbar, wenn es zu einem für beide Seiten tauglichen „Deal“ käme. Nur dann könnte man unterstellen, dass die britische Wirtschaft nicht immens schwierigen Zeiten entgegensehen würde und die Währung nicht Hand in Hand mit dem Renditeniveau der britischen Anleihen und dem britischen Wachstum unter Druck geriete. So relativ stabil, wie sich das Pfund derzeit präsentiert wirkt es im Gegenteil, als würden die Akteure stur daran glauben, dass zu guter Letzt doch noch ein „Last Minute-Deal“ zustande kommt oder wenigstens der nächste Aufschub gelingt. Aber das ist eine riskante Vermutung.

Momentan wirkt es, als würden die Briten nicht bereit sein, in den Kern-Streitpunkten Kompromisse einzugehen, obgleich sie es sind, die am meisten zu verlieren haben. Und die Wirtschaft der Eurozone braucht eine klare Entscheidung, vor allem jetzt, da die Pandemie-Beschränkungen die Lage ohnehin schwierig machen. Brüssel müsste einer Verschiebung des Austrittstermins zustimmen, der von Boris Johnson auf den 31. Dezember gelegt wurde (obwohl der Termin von den Regularien her später hätte liegen können). Und man gewinnt den Eindruck, dass einigen Mitgliedsstaaten längst der Geduldsfaden gerissen ist.

Es scheint, als würde man dieses Risiko am Devisenmarkt unterschätzen. Denn wenn die Briten in 15 Tagen ohne Abkommen aus der Zollunion ausscheiden sollten, wäre der Wert des Pfunds klar in Gefahr, d.h. die hier abgebildete Relation Pfund pro Euro könnte kräftig zulegen. Das bisherige Jahres-Verlaufshoch vom März bei 0,95 Pfund pro Euro wäre da womöglich nur ein erstes Kursziel. Denn ohne „Deal“ würde es zu einem Worst Case-Szenario kommen, dem man Ende 2016, als die Akteure bereits fürchteten, die Briten könnten mit dem Austritt wirtschaftlich auf dem Bauch landen, schon einen Abstieg bis 0,9738 Pfund pro Euro zugebilligt hatte. Und damals hätte man sich nicht träumen lassen, zu welche einem Drama sich diese Entscheidung vom Juni 2016 auswachsen würde.

Euro/Britisches Pfund: Tages-Chart vom 15.12.2020, Kurs 0,9053 Pfund, Kürzel EUR.GBP | Online Broker LYNX

Es sind nur noch zweieinhalb Monate, dann ist die Zeit Grossbritanniens im EU-Binnenmarkt und der Zollunion abgelaufen. Das ist extrem knapp und eigentlich zu wenig, um noch ein umfassendes Abkommen über die zukünftigen Beziehungen der Briten zur EU zu erreichen. Es gehe immer noch nicht wirklich vorwärts, hört man aus Brüssel. Und EU-Staatsminister Roth erklärte, dass es langsam Zeit sei, dass die EU ihre Notfallpläne aus der Schublade holt. So seltsam es wirkt: Die britische Regierung unter Boris Johnson wirkt nicht, als wolle sie eine Vereinbarung erreichen. Johnson erklärte zuletzt auch, dass er allemal besser damit leben könne, keine Vereinbarung zu erzielen als eine schlechte.

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Das sieht die Börse anders. Der Londoner Leitindex FTSE 100 startete zwar im März ebenfalls eine Gegenreaktion auf den Corona-Crash, doch während DAX oder Euro Stoxx 50 ab Juni auf hohem Niveau in einen Seitwärtstrend übergingen, bröckelt der FTSE 100 sukzessive ab. Die Investoren scheuen Investments in Grossbritannien, weil sie mutmassen, dass die Realität Johnsons „wir schaffen das“ einholen wird, insbesondere, weil die Pandemie das UK besonders hart getroffen hat und die britische Wirtschaft schwerer unter Druck geraten ist als die meisten Volkswirtschaften der EU. In einem solchen Umfeld ohne klare Vereinbarungen mit der EU als dem wichtigsten Handelspartner ins neue Jahr zu gehen, erscheint wie ein Horror-Szenario. Das immer näher rückt … und sich auch auf das britische Pfund auswirkt.

Expertenmeinung: Unser Chart zeigt die Relation Euro/Pfund seit dem Referendum im Juni 2016 auf Wochenbasis. Je höher hier der Kurs steigt, desto höher ist der Wert des Euro im Verhältnis zum Britischen Pfund, d.h. ein steigender Kurs bedeutet, dass die Briten mehr Pfund für einen Euro zahlen müssen. Diese Schwächung der Währung hat zwar den Vorteil, beim Export mehr Rendite zu erzielen. Aber was hilft das, wenn höherer logistischer Aufwand und Zölle solche Vorteile auffressen? Zumal diese Schwäche ihre Gründe hat. Die Trader setzen beim Pfund auf Baisse, weil ein Grossbritannien ohne EU-Vertrag erheblich in Not geraten dürfte. Investoren würden weniger im UK investieren, ggf. dort investiertes Geld abziehen. Die Bank of England müsste die Zinsen noch tiefer setzen, noch mehr am britischen Anleihemarkt intervenieren. Alles Perspektiven, die die Nachfrage nach dem Pfund drücken würden. Aber noch ist der Deckel nicht gesprengt, der Euro nicht nach oben ausgebrochen.

Immer wieder kam es zu Schwächeanfällen des Pfundes, die Euro/Pfund deutlich nach oben trieben, zuletzt Anfang September, als man in Brüssel begann, wegen der ablaufenden Zeit für eine Einigung Alarm zu schlagen. Aber an der seit drei 2017 bestehenden Widerstandszone 0,9292/9306 Pfund pro Euro kam man bislang nicht nachhaltig vorbei. Nach dem letzten, abgewiesenen Angriff zogen sich die Euro-Bullen sukzessiv zurück, wie wir im Chart sehen. Aber so, wie sich die Lage derzeit zwischen Brüssel und London präsentiert, dürfte das eher ein Sammeln vor der nächsten Attacke sein. Die Uhr tickt zu Gunsten der Euro-Bullen. Je näher dieser von Johnson auch noch ohne Not bereits auf den 31.12. gelegte Stichtag rückt, desto besser werden die Chancen, dass die Euro/Pfund-Relation durch die Widerstandszone 0,9292/9306 Pfund hindurch an das bisherige „BrExit-Hoch“ bei 0,9737 Pfund läuft. Das, wenn sich die Vision der Skeptiker bewahrheitet und die Briten ohne einen Vertrag schnell unter zusätzlichen konjunkturellen Druck geraten, aus mittelfristiger Sicht keineswegs das Hoch einer Euro-Rallye bzw. einer Pfund-Baisse sein müsste.

Chart vom 13.10.2020, Kurs 0,9075 Pfund, Kürzel EUR.GBP | Online Broker LYNX

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Der Euro nimmt zum Britischen Pfund wieder Fahrt auf. Es geht um die Jahreshochs 2017 und 2019 bei 0,9306/0,9324 Pfund pro Euro. Dort klopft der Euro derzeit an. Im März war der Kurs zwar kurzzeitig über diese Hürde gestiegen, wie unser Chart auf Wochenbasis zeigt. Aber das war im Zuge der Chaos-Phase im März, als man in allen Märkten wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen agierte. Wenn der Euro jetzt über diesen markanten Widerstandsbereich hinausgeht, dann mit Überlegung. Und die Chance, dass der Ausbruch dann nachhaltiger sein würde, Euro/Pfund dann an den Peak der Euro-Rallye nach der BrExit-Entscheidung 2016 bei 0,9727 Pfund pro Euro steigen würde, wäre gut.

Womöglich wäre dann sogar noch mehr drin. Denn es zeichnet sich immer mehr ab, dass das, was man Ende 2016 als „Worst Case“ angenommen und bald darauf als überzogene Schwarzmalerei verworfen hatte, doch noch eintreten könnte: ein harter BrExit. Denn das, was zur Jahreswende, nach dreieinhalb Jahren fruchtlosem Hin und Her, dann doch noch unterschrieben wurde, war ja nur eine Übergangsregelung. Wie die EU und die Briten nach dieser Übergangszeit miteinander umgehen wollen, wird derzeit verhandelt. Wenn man das verhandeln nennen kann.

Expertenmeinung: Dass Boris Johnson derzeit versucht, eine Neuregelung des Binnenmarktgesetzes durch das Unterhaus zu pressen, die die Chance auf eine Einigung mit Brüssel deutlich reduzieren bis unmöglich machen würde, stösst nicht nur in der Rest-EU, sondern auch in der eigenen Partei auf Unverständnis. Es wirkt, als würde ein Kind die Bauklötze umtreten, die andere mühselig aufgeschichtet haben. Zumal Boris Johnson zu oft auf das Austrittsdatum 31.12.2020 gepocht hat um den Austrittszeitpunkt nach hinten schieben zu können, obwohl die Regularien den Briten mehr Zeit einräumen würden. Frist verkürzen, den Weg zur Einigung verbauen … die Trader am Devisenmarkt sehen mit Unbehagen, was sich da in London tut … und drücken auf das Britische Pfund.

Denn ein Grossbritannien, das ohne einen umfassenden Vertrag mit der EU aus derselben austritt, würde ernsthafte Probleme bekommen. Unsichere Verhältnisse mögen Unternehmen und Investoren gleichermassen nicht. Kapital würde aus Grossbritannien abwandern, zugleich dürfte die Bank of England die Eisdusche, die Johnson seiner Wirtschaft zu verpassen droht, mit noch tieferen Zinsen und einer intensivierten Stützung des UK-Anleihemarkts beantworten müssen. Alles Faktoren, die gegen das Pfund sprechen. Dass der Euro zum Britischen Pfund dadurch einen erneuten Aufwärtsschub sah, ist daher folgerichtig. Und würde es in den kommenden zwei, drei Wochen nicht zu einem Einlenken des Herrn in Downing Street No 10 kommen, wäre ein Ausbruch über diese wichtige Widerstandszone 0,9306/0,9324 Pfund pro Euro sehr wahrscheinlich.

Chart vom 22.09.2020, Kurs 0,9196 Pfund, Kürzel EUR.GBP | Online Broker LYNX

Seit letzter Woche bricht der Kurs des Britischen Pfunds zum Euro heftig ein. Unser Chart auf Wochenbasis zeigt, dass man einen Euro am Freitag vor zwei Wochen noch für 0,8647 Pfund bekam, gestern Abend musste man schon 0,9274 Pfund bezahlen. Das ist ein Absturz des Pfundes bzw. eine Aufwertung des Euro, die bereits eine Dimension angenommen hat wie die erste Verkaufswelle der britischen Währung nach dem EU-Referendum im Juni 2016. Aber was steckt dahinter? Als erstes muss man da prüfen, welche der beiden Währungen sich da markant bewegt. Und beim Blick auf die Crossrates sehen wir: Auch zum US-Dollar und anderen grösseren Währungen ist es das Britische Pfund, dass den stärkeren Impuls zeigt und abwertet. Es ist also eine Ursache, die vor allem in Grossbritannien selbst zu suchen wäre. Und ja, da wird man auch fündig. Mit ein Grund ist, dass auch die Bank of England jetzt ausserordentliche Massnahmen trifft, ausserhalb der regulären Sitzungen am Donnerstag eine erneute Leitzinssenkung vornahm und das Volumen der Anleihe-Käufe um fast 50 Prozent ausweitete. Was aber wohl schwerer wiegt ist die Sorge, dass die Briten aufgrund der Virus-Pandemie am Ende des Jahres alleine dastehen würden. Denn die Verhandlungen über die zukünftigen Beziehungen zur EU, die von Premier Johnson ohne Not ohnehin zu knapp terminiert wurden, sind jetzt erst einmal ausgesetzt. Auch hinsichtlich eines Handelsabkommens mit den USA geht erst einmal nichts voran. Und da die Briten in beiden Fällen die kleinere Volkswirtschaft sind, gehen die Trader davon aus, dass Grossbritannien so weitaus heftiger in die Krise rutscht, als dies der Eurozone oder den USA ins Haus stünde. Hiesse das, der Anstieg des Euro zum Pfund geht weiter? Expertenmeinung: Das ist zwar die für Investoren entscheidende Frage. Aber es ist zugleich auch die, auf die sich momentan die unsicherste Antwort geben liesse. Denn ja, grundsätzlich dürfte das Argument für ein schwaches Pfund auf Basis der momentanen Gemengelage in nächster Zeit erhalten bleiben. Aber da völlig offen bleibt, ob sich diese Befürchtungen bewahrheiten und wie gross dann der Schaden für Grossbritannien sein wird, ist nicht einzugrenzen, auf welchem Level die Euro/Pfund-Relation in etwa korrekt bewertet wäre. Zugleich sind die Bewegungen weitreichend und abrupt, so dass man sich hier am Devisenmarkt mittlerweile auf ähnlich unsicherem Boden bewegt wie am Aktienmarkt. Aus charttechnischer Sicht wäre es eine wichtige Bestätigung der Euro-bullischen Tendenz, wenn die Hochs der Jahre 2017 und 2019 bei 0,9325 Pfund auf Wochenschlusskursbasis überboten würden. Am Mittwochabend war dieser Sprung bereits gelungen, am Donnerstag wurde der Kurs aber erst einmal abgefangen und schloss unterhalb dieser Hürde. Gelingt es heute, diese 0,9325 Pfund zum Wochenschluss zurück zu erobern, wäre ein Run in Richtung des Panik-Hochs vom Oktober 2016 bei 0,9737 Pfund durchaus möglich. Aber man sollte dabei die aufgrund dieser emotionalen Märkte geringe Prognosequalität der Charttechnik im Hinterkopf behalten: Unerwartete Nachrichten können hier binnen Minuten allerhand auf den Kopf stellen. Euro /Britisches Pfund Chart vom 19.03.2020, Kurs 0,9274 Pfund, Kürzel EUR.GBP | Online Broker LYNX  

Man könnte eigentlich davon ausgehen, dass das Britische Pfund nach und nach immer schwächer wird, weil ausser Boris Johnson kaum jemand davon ausgeht, dass es ihm gelingen wird, alle Beziehungen zur EU bis zu seinem Stichtag am 31.12.2020 neu zu definieren und all das beiderseits in Gesetzesform gegossen werden kann. Und gelingt das nicht, würde der „harte BrExit“ aufgrund Johnsons Drängen, die eigentlich geltende Frist von zwei Jahren bis zu einer umfassenden Neuregelung und des damit verbundenen Ablaufs des seit 31. Januar geltenden Übergangsregelung zu verkürzen, doch noch kommen. Was hiesse: Druck auf die britische Wirtschaft, sinkende Zinsen in Grossbritannien und der Abzug grösserer Summen ausländischen Kapitals. Was die perfekte Mixtur für eine schwächere Währung darstellt. Aber Sie sehen im Chart der Euro/Pfund-Relation, die abbildet, wie viel Britische Pfund für einen Euro zu zahlen sind, dass es nicht das Pfund ist, das fällt, sondern der Euro. Aktuell ist der Preis für einen Euro von in der Spitze 0,9317 Pfund pro Euro im vergangenen August auf jetzt 0,8327 Pfund gefallen. Der Euro wird also immer „billiger“. Aber wieso? Expertenmeinung: Das dürfte zwei Gründe haben. Zum einen sagen sich die Devisentrader womöglich, dass die bisherigen Erfahrungen mit dem britischen Premier lehren, dass solche zackigen Sprüche wie der eines Austritts an Silvester, ob mit oder ohne neuen Verträgen, nicht unbedingt für bare Münze genommen werden müssen. Johnson hat schon mehrfach spontan seine Meinung geändert und die Sachzwänge dürften da siegen: Es wäre schlicht närrisch, unnötig aufs Tempo zu drücken und dadurch ein unnötiges Vakuum in den Beziehungen zur EU zu hinterlassen. Zum anderen setzen die Akteure wohl darauf, dass es in der Tat zügig zu einem Handelsabkommen zwischen Grossbritannien und den USA kommen wird, das den Briten eventuell sogar eine insgesamt bessere Stellung verleiht als zuvor im Kreis der EU. Kommt es wirklich so? Das ist in keiner Weise absehbar. Dass Johnson einlenkt, ist möglich. Dass die USA den Briten einen für Grossbritannien äusserst vorteilhaften Deal präsentieren, bei dem Trumps Regierung das eine oder andere Zugeständnis macht, könnte ein wenig in die Richtung des Wunschdenkens gehen. Nur sind das Perspektiven, die auch in einigen Wochen und Monaten offenbleiben dürften. Was hiesse: Die Euro-Bären könnten unter diesem Banner noch einige Zeit auf den Kurs drücken … und damit eine grosse Toppbildung vollenden. Sie sehen im Chart, dass Euro/Pfund jetzt an eine Unterstützung in Form mehrerer markanter Zwischentiefs gerutscht ist, die nach dem ersten Kurssprung des Euro zum Pfund als Reaktion auf das Referendum im Juni 2016 entstanden. Diese Zone liegt im Bereich 0,8277/0,8313 Pfund pro Euro. Fiele sie, wäre der Weg frei, die gesamte Pfund-Schwäche seit dem 2016er-Referendum zurück zu nehmen, d.h. der Kurs könnte bis 0,76 Pfund durchgereicht werden. Ob das aus ökonomischer Sicht gerechtfertigt wäre, ist zwar fraglich. Aber wenn die Trader am Devisenmarkt sich erst einmal in einen Trend verbissen haben, kann der äusserst hartnäckig fortgeführt werden! Euro/Britisches Pfund Chart vom 17.02.2020, Kurs 0,8327 Pfund, Kürzel EUR.GBP | Online Broker LYNX