TeamViewer IPO – alles zum Börsengang

Seit Mittwoch, den 25. September ist das Unternehmen TeamViewer an der deutschen Börse notiert. Viele werden die TeamViewer-Software kennen, mit der sich problemlos eine Fernwartung auf dem Computer durchführen lässt, die aber auch noch andere praktische Möglichkeiten hat, so z.B. den eigenen Zugriff auf den heimischen Rechner von fast jedem anderen Punkt der Erde, eine engmaschige Überwachung oder die Möglichkeit, Videokonferenzen durchzuführen.

Ein großer Börsengang … aber ist es auch eine große Chance?

Das schnelle, sichere und zugleich einfach umzusetzende Vernetzen von Computern ist eine tolle Sache, doch man wundert sich schon, dass mit TeamViewer der größte Technologie-Börsengang seit dem IPO von Infineon im Jahr 2000 über die Bühne ging. Ist das Unternehmen denn so riesig? Das sehen wir uns in diesem Beitrag einmal an … und diskutieren vor allem, ob die TeamViewer Aktie ein vielversprechendes Investment wäre oder nicht.

Wer oder was ist TeamViewer?

TeamViewer ist ein 2005 in Göppingen gegründetes Unternehmen mit derzeit gut 800 Mitarbeitern, das von Anfang an Fernwartungs-Software anbot. 2009 wurde das Unternehmen von einem Venture Capital-Unternehmen aufgekauft und ging danach, konkret 2014, für 870 Millionen Euro in die Hände der britischen Private Equity-Gesellschaft Permira über.

Die damalige TeamViewer-Software wurde immer weiterentwickelt. Neben der „normalen“ Fernwartung bietet TeamViewer heute den TeamViewer Pilot an, bei dem eine konkrete Führung von Arbeitsschritten durch einen Instruktor mittels Zeichnungen und Hinweisen auf dem Bildschirm des Nutzers erfolgen kann. TeamViewer Tensor ist ein speziell für Großunternehmen entwickeltes Produkt für eine interne Vernetzung vieler Geräte miteinander. Ebenfalls interessant ist TeamViewer IoT (Internet of Things), mit dem neben der Fernsteuerung eine engmaschige Fernüberwachung möglich ist.

Wir haben hier also praktische Tools, für Jedermann ebenso wie für Unternehmen. Aber der „normale“ TeamViewer ist ja kostenlos. Wie will das Unternehmen Geld verdienen?

Wie generiert TeamViewer Umsatz und Gewinn?

Auch die „normale“ TeamViewer-Software ist nur für private Nutzung gratis. Das Unternehmen erkennt, wenn jemand die Software über das für „Private“ normale Maß hinaus nutzt, diese Nutzer werden dann in ein Abonnement überführt. Darüber hinaus sind die umfassenderen Anwendungen TeamViewer Tensor, TeamViewer Pilot und TeamViewer IoT kostenpflichtig.

Permira als „Chef“ des Unternehmens hat bereits 2017 begonnen, den Börsengang vorzubereiten und damals diese Wandlung in Richtung dieses Subskriptions-Systems vorangetrieben. Mit Erfolg, möchte man sagen: TeamViewer erreichte 2018 einen Umsatz von 258 Millionen Euro, 86 Prozent mehr als 2017. Und die Ergebnisse des ersten Halbjahres 2019 weisen erneut ein starkes Wachstum im Umsatz aus, konkret ein Plus von 78 Prozent zum Vorjahreszeitraum.

Was alles wenig wert wäre, wenn die Kosten diese Umsätze aufzehren würden, aber das ist nicht der Fall. Im Gegenteil, TeamViewer kann eine operative Gewinnmarge um 40 Prozent vorweisen … für ein noch junges Technologieunternehmen glatt atemberaubend. Wer hier mit der Recherche aufhören würde, müsste die Aktie unbesehen kaufen. Aber man sollte genauer hinsehen.

Und da haben Experten festgestellt: Bei TeamViewer wurden 2018 auffällig niedrige neun Prozent des Umsatzes für Forschung und Entwicklung ausgegeben. Auch der Bereich Vertrieb und Marketing kam mit 19 Prozent vom Umsatz verblüffend sparsam daher. Kann man diese „billige“ Schiene wirklich durchhalten … oder müsste man da nicht auf Kosten der im letzten Jahr so hohen Marge deutlich mehr investieren, um die Chancen auf Umsatz- und Gewinnsteigerung auch zu nutzen? Eine Frage, die zwar offen bleibt, aber man könnte schon dahin tendieren, sie mit „ja“ zu beantworten. Denn TeamViewer ist ja kein konkurrenzloses Produkt.

Wie sieht die Wachstumsperspektive aus?

Der potenzielle Markt für TeamViewer hat laut einer McKinsey-Studie ein Volumen von derzeit zehn Milliarden Euro und könnte sich bis 2023 verdreifachen. Das klingt, als würde das Geld für TeamViewer auf der Straße liegen. Aber das sind nur theoretische Modelle.

Es gibt durchaus einige Software-Lösungen, die mit TeamViewer vergleichbar sind. Und was, wenn Giganten wie Microsoft und/oder Google solche Lösungen anbieten, die dann ggf. kostengünstiger wären? Es ist möglich, dass TeamViewer sein derzeit starkes Wachstum fortsetzt … aber es ist keineswegs sicher voraussetzbar.

Natürlich wäre das Geld, das über den Börsengang eingenommen wurde, eine perfekte Basis, um richtig durchzustarten, sich zu verbreitern, eventuell auch passende, kleine Unternehmen zuzukaufen und sich dadurch von der potenziellen Konkurrenz abzusetzen. Aber diese Einnahmen aus dem Börsengang fließen gar nicht in die Kasse von TeamViewer.

cui bono: Wer profitiert von dem Geld aus dem Börsengang?

Beim Börsengang wurden 42 Prozent des Unternehmens in Form von 84 Millionen Aktien unter den Investoren platziert. Der Ausgabepreis lag bei 26,25 Euro. Dadurch wurden gut 2,2 Milliarden Euro eingenommen. TeamViewer wird damit insgesamt mit satten 5,25 Milliarden Euro bewertet, dem zwanzigfachen des Umsatzes 2018.

Wenn man sich überlegt, wie sich 2,2 Milliarden in Relation zum Umsatz ausmachen, könnten TeamViewer jetzt alle Wege offen stehen … wenn das Geld nicht an den bisherigen Eigentümer gehen würde.

Das ist eine Gesellschaft namens Tiger LuxOne S.à r.l., eine Firma, die letzten Endes zur Private Equity-Gesellschaft Permira gehört. Kurz: Permira, die 2014 870 Millionen Euro für TeamViewer ausgegeben hatten, nehmen jetzt 2,2 Milliarden ein und halten trotzdem noch 58 Prozent des Unternehmens. Da klingelt die Kasse … aber TeamViewer wird dadurch nicht gestärkt.

Wie lief der TeamViewer-Börsenstart?

Es scheint, als hätten viele Marktteilnehmer diese möglichen Schwachstellen erkannt. Die Aktie startete den Handel am 25. September genau auf Höhe des Ausgabepreises von 26,25 Euro, zu dem die Zeichner, die eine Zuteilung bekommen hatten, die Aktie erhielten. Aber dann begannen die Abgaben. Unser Chart zeigt die Aktie auf 15-Minuten-Basis an ihren ersten beiden Handelstagen. Sie sehen:

Schon in den ersten 15 Minuten des Handels drehte der Kurs, im ersten Moment ganz kurz ins Plus gelaufen, nach unten und beendete den ersten Handelstag mit 25,23 Euro und damit 3,88 Prozent unter dem Ausgabepreis. Am Folgetag setzten sich die Verkäufe ohne Pause fort. Am zweiten Tag ihres Börsenlebens schloss die TeamViewer-Aktie mit 23,42 Euro bereits 10,8 Prozent unter dem Ausgabepreis. Das passt zu unserem Fazit:

Fazit: TeamViewer Aktie nach IPO nur für risikofreudige Anleger!

Da findet sich eine Menge „könnte“ beim Abklopfen der Perspektiven von TeamViewer. TeamViewer könnte weiterhin deutlich steigende Umsätze bei einer starken Gewinnmarge erreichen. Aber dass das Geld aus dem Börsengang nicht ins Unternehmen floss, TeamViewer also nicht mit einer dicken Decke neuen Kapitals massiv in Forschung, Entwicklung, Marketing und Vertrieb investieren kann, ist nicht gerade ideal.

Und ob vorhandene und potenzielle Konkurrenten nicht gleichziehen, TeamViewer womöglich überholen, billiger anbieten, wer weiß? Das Wachstum der zahlenden Kunden ist heute beeindruckend, aber wie groß der realistische, nicht der theoretische Markt ist, ob die Abonnements weiter stark zulegen oder nicht, ist offen. Andererseits:

Wo wäre es bei einem schnell wachsenden Technologieunternehmen anders? Eine möglicherweise verheißungsvolle, aber eben auch mit Risiken versehene Zukunft ist bei Hightech-IPOs Teil der Normalität. Wichtig ist aber, dass man sich dessen bewusst ist, wenn man erwägt, bei TeamViewer zuzugreifen.

Billig ist die Aktie derzeit nicht, auch nicht auf dem einen Tag nach dem Börsenstart schon deutlich unter dem Ausgabepreis liegenden Level. Das heißt nicht, dass der Kurs weiter fallen muss. Aber käme es dazu, könnte man sich die Aktie auf die Beobachtungsliste legen und dann den Einstieg erwägen, wenn sich charttechnisch positive Signale etablieren. Auf jeden Fall geht es hier um ein Investment, das sich sehr volatil entwickeln kann, bei dem die Zukunftsperspektive keineswegs sicher abzustecken ist und damit um eine Aktie, die dem Bereich „spekulativ“ zuzurechnen ist.

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Chart: Kurse vom 26.09.2019, Charts von marketmaker pp4

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Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv, aktuell ist er u.a. Chefanalyst des Börsendienstes Stock Selection Europe bei Finanzen100. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.
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