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Am Montag meldete die deutsche Reederei Hapag Lloyd, dass man sich mit der israelischen Container-Schifffahrtslinie ZIM auf eine Übernahme geeinigt habe. Die ZIM-Aktie stieg daraufhin, aber die Reaktion der Hapag-Anleger war auffallend negativ – warum?
Eigentlich las sich die Sache hervorragend: Vorbehaltlich aller nötigen Genehmigungen würde die deutsche Reederei zum geplanten Übernahmezeitpunkt Ende des Jahres mit ZIM die Nummer 10 unter den Container-Reedereien übernehmen, man selbst liegt von der Grösse her derzeit auf Platz 5. Die Angebotspalette wäre breiter, die Position gegenüber Mitbewerbern stärker, die Chance für margensteigernde Synergieeffekte gegeben, aber:
Während die ZIM-Aktie am Montagnachmittag um 40 Prozent stieg, ging es mit der Hapag Lloyd-Aktie zum Handelsende um 8,3 Prozent bergab. Dadurch rutscht sie wieder nahe an die Unterstützungszone 103,40/112,60 Euro, die das untere Ende einer seit Herbst 2023 das Kursgeschehen bestimmenden Seitwärtsspanne darstellt.

Ein Chartbild, das umso problematischer ist, nachdem man im Januar vergeblich versucht hatte, die in unserem Chart auf Wochenbasis blau gehaltene 200-Tage-Linie zurückzuerobern und sich dadurch nach oben zu lösen. Jetzt wäre für das bullische Lager also die Defensive angesagt. Aber warum reagiert man auf eine sinnvoll klingende Entscheidung des Unternehmens negativ?
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Expertenmeinung: Dass die Aktie des übernehmenden Unternehmens in solchen Fällen fällt, ist nicht ungewöhnlich. Und in diesem Fall auch nicht wirklich überraschend. Der Grund: der Preis, den Hapag Lloyd da bezahlt. Denn man kam überein, die Aktien der ZIM-Reederei für 35 US-Dollar das Stück zu übernehmen. Damit liegt der Kaufpreis bei über vier Milliarden US-Dollar. Doch am Freitag hatte die ZIM-Aktie im US-Handel bei 22,20 US-Dollar geschlossen, was heisst: Hapag Lloyd zahlt einen Aufpreis von sagenhaften 57,6 Prozent auf den letzten Kurs. Und das ist ungewöhnlich viel.
Nun ist es zwar richtig, dass die Aktien von Reedereien nach ihrer – durch die Lieferengpässe nach den Corona-Lockdowns verursachten – Boomphase so massiv zurückgekommen sind, dass sie oft unter ihrem bilanziellen Buchwert notieren. Aber für die Anleger zählt nicht, was sein könnte oder müsste. Man sieht einen sehr hohen Kaufpreis und weiss: Eine Übernahme kostet erst viel Geld, bevor sie dann über die Jahre und auch nur vielleicht Geld einbringt. Fazit:
Grundsätzlich wirkt der Zusammenschluss, so er denn auch die nötigen Genehmigungen durch die Behörden und die ZIM-Aktionäre erhält, zwar sinnvoll, als Kurstreiber funktioniert er aber nicht. Zwar wäre die Hapag Lloyd-Aktie auf der Short-Seite aufgrund der langsam eher angemessenen als zu teuren Bewertung auch im Fall eines Ausbruchs aus der Handelsspanne nach unten hoch spekulativ. Aber dadurch wird sie nicht automatisch zu einem Long-Kandidaten. Vorerst ergibt sich noch kein Szenario, das eine nachhaltige Aufwärtswende bedingen könnte, daher: In der Watchlist hätte die Aktie durchaus einen sinnvollen Platz, im Depot derzeit aber (noch) nicht.
Quellenangaben: Vereinbarung über die Übernahme der ZIM-Reederei, 16.02.2026:
https://www.hapag-lloyd.com/de/company/press/releases/2026/02/hapag-lloyd-signs-merger-agreement-with-zim.html
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