Hören Sie sich die Audioversion dieses Artikels an (KI-generiert).
Erst Panik, dann Euphorie, dann wieder Panik. Und mittendrin ein Unternehmen, das scheinbar unbeeindruckt weiterliefert.
Das ist heute wichtiger denn je
Rückblickend ist es immer wieder erschreckend, wie schnell die Zeit verfliegt und erstaunlich, was zwischenzeitlich an der Börse geschehen ist.
Als ich Ende 2021 zwei Analysen zu Fair Isaac geschrieben habe, konnte keiner ahnen, was danach passieren würde.
Der Kurs legte innerhalb weniger Jahre von etwa 400 auf 2.400 USD zu. Was mich aber eigentlich auf den Plan gerufen hat, war ein Kursalarm bei knapp über 1.200 USD, denn inzwischen hat sich der Kurs wieder halbiert.

Besonders interessant finde ich jedoch, dass das Feedback und das allgemeine Sentiment bezüglich Fair Isaac damals sehr negativ war. Daraus lässt sich sehr viel lernen.
Tatsächlich ist die damalige Situation für die heutige Zeit höchst relevant. Einer der damaligen Kommentare unter meiner (positiven) Analyse zu Fair Isaac lautete wie folgt:
„Disruption. Unternehmen wie Upstart könnten das Geschäftsmodell von Fair Isaac überflüssig machen. Das gesamte System, auf dem die Kreditentscheidungen von Fair Isaac beruhen, ist völlig veraltet. Moderne KI basierte Kreditentscheidungen sind die Zukunft.“
Vielleicht lassen sich daraus Rückschlüsse auf die aktuelle Lage ziehen. Vielleicht, aber nur vielleicht, ist die Panik im Software-Sektor übertrieben. Und vielleicht wird sich am Ende herausstellen, dass die Disruption ausbleibt.
Warum es ganz anders gekommen ist
Der Kurs von Fair Isaac ist seit der damaligen Analyse um 300 % gestiegen und Upstart um etwa 90 % gefallen.
Wichtiger als die Kursentwicklung ist jedoch die geschäftliche Entwicklung.
Fair Isaac (FICO) wurde nicht disruptiert. Der Umsatz konnte seit 2021 von 1,30 auf 1,99 Mrd. USD gesteigert werden.
Gleichzeitig hat sich die Profitabilität drastisch verbessert. Die operative Marge kletterte von etwa 26 auf 47 %. Gleichzeitig wurde die Zahl der ausstehenden Aktien von 29 auf 24 Millionen Stück reduziert.
In Summe führte das zu einer regelrechten Explosion des Ergebnisses, von 13,07 auf 29,88 USD je Aktie.
Fico konnte den Gewinn in jedem einzelnen Geschäftsjahr im zweistelligen Prozentbereich steigern. Das dürfte auch in diesem Geschäftsjahr wieder der Fall sein, auch wenn die Kursentwicklung eine ganz andere Lage suggeriert.
Das Rückgrat der US-Kreditwirtschaft
Bevor wir uns jedoch der aktuellen Lage widmen, müssen wir zuerst verstehen, wie Fair Isaac überhaupt Geld verdient.
Das Unternehmen ist faktisch das Rückgrat der amerikanischen Kreditwirtschaft. Nahezu alle Kreditentscheidungen in den USA basieren auf den Scores von Fair Isaac.
Das Unternehmen entscheidet nicht selbst über Kredite, liefert aber die sogenannten FICO Scores.
Das Geschäftsmodell ist ebenso simpel wie stark. FICO besitzt den Algorithmus hinter dem Score, aber nicht die zugrunde liegenden Daten. Die Daten liegen bei Auskunfteien wie Experian, Equifax und TransUnion.
Sie nutzen den FICO-Algorithmus, um mit ihren Daten FICO Scores zu erstellen und verkaufen sie dann an Kreditgeber, also meistens Banken. Fair Isaac selbst kassiert Lizenzgebühren für jede Nutzung des Algorithmus.
Dieses Modell hat eine ganze Reihe entscheidender Vorteile. Der Kapitalbedarf von Fair Isaac ist minimal, schliesslich stellt das Unternehmen nur ein mathematisches Modell zur Verfügung.
Den Grossteil der Arbeit übernehmen die Auskunfteien und das Risiko tragen die Kreditgeber.
Das geniale Lizenzmodell
Fair Isaac verdient hingegen überall mit. Egal welche Bank einen Kredit vergibt und unabhängig davon, ob er auch zurückbezahlt wird. Es spielt auch keine Rolle, welche der drei Auskunfteien sich durchsetzt.
Gleichzeitig sind die Kosten pro Anfrage bei Fair Isaac im Verhältnis zum gesamten Kreditvergabeprozess verschwindend gering. Die grossen Auskunfteien dürften pro Anfrage nur wenige Cent zahlen – der genaue Betrag ist Geschäftsgeheimnis.
Für Banken ist der Score essenziell, vor allem, um einen standardisierten Kreditprüfungsprozess zu ermöglichen.
Das bedeutet, dass es auch für niemanden einen Grund gibt, sich nach Alternativen umzuschauen und irgendetwas zu ändern. Es lohnt sich schlichtweg nicht. Gleichzeitig schafft das Spielraum für Preiserhöhungen durch Fair Isaac.
Wer etwas darüber nachdenkt, wird auch feststellen, dass das Scoring-Geschäft weitgehend inflationsgeschützt ist. Steigen die Preise, steigt auch das Kreditvolumen.
Mehr als nur Scoring
Doch FICO ist mehr als nur ein Score-Anbieter. Die zweite grosse Säule ist das Softwaregeschäft. Hier verkauft Fair Isaac Lösungen für Betrugserkennung, Kreditvergabeprozesse, Kundenmanagement und regulatorische Compliance. Banken nutzen diese Plattformen, um Entscheidungen schneller und präziser zu treffen.
Der rote Faden bleibt derselbe: bessere Entscheidungen durch Daten und Analytik. Dieses Geschäft ist inzwischen weitgehend als wiederkehrendes Cloud-Abomodell organisiert.
Im letzten Quartal hat Fair Isaac im Scoring-Segment einen Umsatz von 304,5 Mio. USD erzielt. In den Bereichen Software und Professional Services lag der Umsatz bei 188,2 Mio. USD.
Vielleicht kommt ihnen das bekannt vor
In Summe lag der Umsatz bei 512,0 Mio. USD. Die Gewinnspannen sind hoch, das operative Ergebnis lag bei 234,0 Mio. USD und der Konzerngewinn bei 158,4 Mio. USD.
Der Gewinn lag in Q1 mit 7,33 USD je Aktie weit über den Erwartungen von 6,95 USD. Mit einem Umsatz von 512 Mio. USD wurden die Analystenschätzungen von 498 Mio. USD ebenfalls übertroffen.
Auf Jahressicht entspricht das einem Umsatzplus von 16 % und einem Gewinnsprung um 27 % (non-GAAP).
Fico stellt für das laufende Geschäftsjahr einen Anstieg der Umsätze von 1,99 auf 2,35 Mrd. USD und einen Gewinnsprung von 29,88 auf 38,17 USD je Aktie in Aussicht.
Den Konsensschätzungen zufolge soll das Ergebnis sogar um 39 % auf 41,50 USD je Aktie steigen. Fair Isaac kommt demnach auf eine forward P/E von 29,6. Langjährig pendelt die P/E um einen Wert von 40.
Vielleicht fragen Sie sich, warum der Kurs in Anbetracht dieser Nachrichtenlage abgestürzt ist. Aber wenn Sie ehrlich sind, kennen Sie die Antwort bereits:
„Disruption. Unternehmen wie Upstart könnten das Geschäftsmodell von Fair Isaac überflüssig machen. Das gesamte System, auf dem die Kreditentscheidungen von Fair Isaac beruhen, ist völlig veraltet. Moderne KI basierte Kreditentscheidungen sind die Zukunft.“
--- ---
--- (---%)Displaying the --- chart
Heutigen Chart anzeigen
