Jede technologische Revolution fegt alte Marktführer vom Feld und schafft neue. Warum das Geschäft von Fastly plötzlich boomt.
Der Schaufelverkäufer?
An der Börse dreht sich derzeit alles um eine Frage: Handelt es sich bei Unternehmen XY um einen KI-Gewinner oder Verlierer?
Auch wenn man es langsam nicht mehr hören kann, diese Fragestellung wird auf unabsehbare Zeit das dominante Thema bleiben. Denn die Umwälzungen, die durch KI auf uns zukommen, sind tiefgreifender als es die meisten Menschen auch nur im Ansatz verstehen.
Jede grosse technologische Welle produziert Gewinner und Verlierer. Die Eisenbahn veränderte den Handel. Das Internet zerschlug alte Geschäftsmodelle. Mobile verdrängte Desktop. Nun ist es Künstliche Intelligenz, die alles neu sortiert.
Der Markt stellt deshalb die einfache, aber brutale Frage: Wer profitiert – und wer nicht? Unternehmen, die Infrastruktur liefern, stehen dabei besonders im Fokus. Denn jede Revolution braucht Schaufeln und Strom, nicht nur Visionen.
Hier kommt Fastly ins Spiel. Das Unternehmen ist einer der führenden Anbieter von Cloud-Infrastruktur-Diensten. Im Kern hilft Fastly anderen Firmen, ihre Websites, Apps und digitalen Inhalte schneller und sicherer an Nutzer weltweit auszuliefern – besonders dort, wo Geschwindigkeit, Leistung und Sicherheit wichtig sind.
Fastly bietet vor allem ein Content Delivery Network an, das Webseiten, Videos oder Software effizient zwischenspeichert und ausliefert. Zusätzlich stellt das Unternehmen Sicherheitslösungen wie DDoS-Schutz und eine Web Application Firewall bereit, um Online-Dienste vor Angriffen zu schützen.
Von wegen Cloud
Dazu betreibt das Unternehmen weltweit eigene Server-Standorte, sogenannte Points of Presence. Inhalte werden dort zwischengespeichert und sind dadurch besonders nah am Endnutzer. Das reduziert die Latenz, erhöht die Stabilität und schafft die Basis für Echtzeitanwendungen.
Durch die massiv gestiegene Verfügbarkeit und Nutzung von KI-Anwendungen scheint dieses Geschäft eine regelrechte Renaissance zu erleben. KI-Anwendungen sind datenintensiv und laufen nicht nur in zentralen Rechenzentren, sondern immer häufiger in der Edge – also möglichst nah beim Kunden, auf den Servern von Fastly.
Zeitweise galt Edge als überholt. Cloud war und ist in aller Munde, doch die jüngsten Quartalszahlen von Fastly haben gezeigt, dass das Gegenteil der Fall ist. In den letzten Monaten ist es zu einer massiven Beschleunigung der Wachstumsdynamik gekommen.
Fastly könnte daher ein waschechter KI-Gewinner werden. Am Ende ist es bedeutungslos, welche App sich durchsetzt – der Sieger könnte die Infrastruktur von Fastly benötigen.
Dynamik zieht spürbar an
Im ersten Quartal des gerade abgeschlossenen Geschäftsjahres lag das Umsatzwachstum noch bei 8 %. Im zweiten Quartal waren es bereits 12 %, im dritten 15 % und im Schlussquartal 23 %.
Das vierte Quartal war demnach kein positiver Ausrutscher, sondern der vorläufige Höhepunkt eines eindeutigen Trends.
Der Gewinn lag in Q4 mit 0,12 USD je Aktie weit über den Erwartungen von 0,06 USD. Mit einem Umsatz von 172 Mio. USD wurden die Analystenschätzungen von 162 Mio. USD ebenfalls übertroffen.
Auf Jahressicht konnte der Umsatz erheblich gesteigert werden und gleichzeitig hat sich die Profitabilität nachhaltig verbessert. Die Bruttomarge kletterte von 57,5 auf 64,0 % und die operative Marge von -2 % auf +12 %.
Nach einer langen Durststrecke könnte das Unternehmen endlich vor der Trendwende stehen.
Unter dem Strich hat Fastly im letzten Geschäftsjahr 0,13 USD je Aktie verdient, wovon nahezu der gesamte Gewinn im Schlussquartal erzielt wurde.
Erwartungen viel zu niedrig?
Für das erste Quartal stellt Fastly ein Ergebnis von 0,07 – 0,10 USD je Aktie in Aussicht.
Die Aktie hat darauf mit einem Kursfeuerwerk reagiert, doch die Konsensschätzungen dürften nach wie vor zu niedrig sein. Derzeit wird erwartet, dass Fastly im Geschäftsjahr 2026 einen Gewinn von 0,28 USD je Aktie erzielen wird.
Sollte sich herausstellen, dass Fastly in den kommenden Quartalen ebenfalls 0,12 USD je Aktie verdient, wird sich das als fatale Fehleinschätzung erweisen. Unterstellt man, dass das Ergebnis bei 0,12 USD je Aktie stabil gehalten werden kann, entspricht das einem Gewinn von 0,48 USD je Aktie.
Doch ist das wirklich das wahrscheinlichste Szenario? Wäre es nicht ebenso gut möglich, dass der Gewinn spätestens ab dem zweiten Quartal auf mehr als 0,12 USD je Aktie steigt und im Jahresverlauf weiter anzieht?
In diesem Szenario wäre auch ein Ergebnis von weitaus mehr als 0,48 USD je Aktie denkbar.
In beiden Fällen sind die Konsensschätzungen in Höhe von 0,28 USD je Aktie deutlich zu niedrig und der Newsflow entsprechend positiv. Es wäre daher naheliegend, dass der Kurs bei weiteren positiven Überraschungen anziehen wird.

Gelingt jetzt ein Anstieg über 20 USD, kommt es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 25 und 30 USD.
Fällt Fastly hingegen unter 16,66 USD, muss mit einem erneuter Rücksetzer bis 13,50 oder 12 USD gerechnet werden.
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