Menschen neigen ja dazu, zu hören, was sie hören wollen. Aber das entspricht bisweilen nicht dem, was wirklich gesagt wurde. Am Freitag stieg der Euro kräftig, weil man sicher war, dass Fed-Chef Powell eine Zinssenkung angekündigt habe. Gestern verkaufte, wer das anders sah.
Alle warteten darauf, dass US-Notenbankchef Powell in seiner Rede im Rahmen des jährlichen Notenbanker-Treffens in Jackson Hole Bedeutsames von sich geben würde. Würde er dem Dauerdruck aus dem Weissen Haus nachgeben und avisieren, dass die „Fed“ ab jetzt eine weniger restriktive Geldpolitik anstreben wird? Speziell am Aktienmarkt fieberte man Hinweisen nach Zinssenkungen entgegen, die immer noch von vielen als eine Art Allheilmittel angesehen werden.
Man bekam nicht wirklich, was man hören wollte. Aber man tat so, als habe man es gehört. Der US-Aktienmarkt stieg, der US-Dollar gab in Erwartung niedrigerer US-Zinsen gegenüber dem Euro nach, sprich die Euro/US-Dollar-Relation stieg. Zumindest am Freitag, dem Tag der Powell-Rede. Am Montag aber fiel Euro/US-Dollar zurück, fast der gesamte Kursgewinn des Freitags ging wieder verloren. Warum?
Den aktuellen Kurs und Chart des Währungspaars EUR.USD und historische Wechselkurse finden Sie hier.
Expertenmeinung: Jerome Powell hatte keine Leitzinssenkung angekündigt. Was er sagte, war, dass sich die Risiken aktuell mehr in Richtung einer Abschwächung des US-Arbeitsmarkts verlagern, das Inflationsrisiko also nicht mehr so schwer wiegen könnte wie bisher. Zumal das wahrscheinlichste Szenario, das die Leute an den Glaskugeln der „Fed“ sehen, ein nur vorübergehender Anstieg der Inflation durch die Zölle sei. Das könnte dazu führen, dass Anpassungen der bisherigen Geldpolitik nötig werden, denn aktuell sei der Leitzinslevel noch restriktiv. Das hiess: Es könnte zu einer Zinssenkung in der kommenden Sitzung am 17. September kommen. Aber es muss nicht.
Immerhin stehen vor diesem Termin noch die August-Arbeitsmarktdaten, die Verbraucher- und Erzeugerpreise, das Verbrauchervertrauen und, und, und. Und selbst wenn die US-Notenbank dann den Leitzins um ein halbes Prozent senkt: Hoch bleibt er gegenüber dem der EZB auch dann noch. Und da man bezüglich der Erwartung, dass steigende Preise nur vorübergehend sein würden, schon 2022 daneben lag, ist Skepsis berechtigt, dass ein solcher Schritt im September eine Serie an weiteren Zinssenkungen einleiten würde.
Das motivierte am Montag diejenigen, den US-Dollar wieder zu kaufen und damit die Euro/US-Dollar-Relation wieder zu drücken, die nicht glauben, dass nach dem immensen Anstieg des Euro zum Greenback vom Jahrestief im Januar bei 1,0177 auf 1,1830 US-Dollar noch viel Luft für den Euro nach oben wäre, weil die Veränderung der Gemengelage damit bereits eingepreist ist. Das ist ein klares Warnsignal für Euro-Bullen, denn:

Dieses Abdrehen vollzog sich, während das bullische Lager hoffte, der Euro könne im zweiten Anlauf den massiven Kreuzwiderstand bei 1,1877/1,2042 US-Dollar überwinden, an dem er im Juli nicht vorbeikam. So könnte dieser längere Zeit bullisch wirkende August auf den letzten Metern noch zu einer Pleite für die Bullen werden. Und wie überall an der Börse gilt auch am Devisenmarkt:

Erst kommt der Kursimpuls, dann baut man sich die passende Begründung zusammen. Der Euro ist zwar an sich ordentlich unterstützt, so dass man erst einmal keine Grundlage hätte, um ins Dollar-bullische Lager überzulaufen. Aber sobald das Währungspaar das bisherige Monats-Verlaufstief bei 1,1391 US-Dollar unterbieten sollte, würde dadurch charttechnisch genug anbrennen, um bei Euro-Long-Positionen äusserst vorsichtig zu werden.
Mit einem Margin Konto können Sie zum Beispiel mit Hebel handeln und Ihre Trading-Strategien durch Leerverkäufe oder den Einsatz von Optionen und Futures diversifizieren.
Entdecken Sie jetzt die umfangreichen Handelsmöglichkeiten, die Ihnen dieser Kontotyp bietet: Margin Konto
--- ---
--- (---%)Displaying the --- chart
Heutigen Chart anzeigen