EUR.USD Prognose Euro/US-Dollar: Achtung, Warnsignal!

Aktuelle Entwicklung des EUR.USD

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Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Vorherige Analysen von EUR.USD

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Wir beabsichtigen nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Vor zwei Wochen hatte ich an dieser Stelle geschrieben: „Da ist noch alles drin für die Euro-Bullen“. Seither kamen viele neue Informationen und Daten auf den Tisch. Und sie bestätigen, dass der Euro weiter die Chance hat, nach oben auszubrechen. Vielleicht sogar sehr bald.

Grundsätzlich ist eine Währung dann stark, wenn sie seitens der Investoren intensiv nachgefragt wird, weil man in diesen Währungsraum investiert, sei es in Unternehmen oder in Anleihen und Aktien. Diese robuste Nachfrage wäre dann gegeben, wenn ein Währungsraum politische Stärke und Stabilität, solides Wirtschaftswachstum und lukrativ hohe Zinsen bieten kann. Diese Attribute hatten die USA sehr lange Zeit. Aber jetzt auch noch? Der Anfang März begonnene, dynamische Anstieg des Euro gegenüber dem US-Dollar zeigt, dass dessen Status als sicherste und lukrative Währung wackelt.

Euro/US-Dollar: Tages-Chart vom 18.08.2025, Kurs 1,1667 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro/US-Dollar: Tages-Chart vom 18.08.2025, Kurs 1,1667 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS

Zuletzt war der Schwung aus der Euro-Stärke allerdings heraus. Der Juli wurde gegenüber dem US-Dollar zum „Korrektur-Monat“. Seit Anfang August nimmt der Euro/US-Dollar-Kurs zwar wieder Fahrt auf. Aber für die Fortsetzung der Euro-Stärke müsste er jetzt langsam den Ausbruch nach oben schaffen, um zu verhindern, dass das bullische Lager die Geduld verliert. Was spräche dafür, was dagegen?

Expertenmeinung: Was die politische Stärke und Stabilität angeht, bekleckert sich die derzeitige US-Regierung bislang nicht mit Ruhm, auch nicht im Zuge der laufenden Gespräche zur Ukraine-Problematik. Geredet wurde bislang zwar viel, erreicht aber nichts. Dies und die oft überraschenden Entscheidungen des US-Präsidenten, der grossenteils ohne den US-Kongress agiert, sind in Bezug auf die Attraktivität des US-Dollars natürlich Minuspunkte. Was den US-Dollar bislang vor stärkerem Druck zum Euro schützt, ist wohl der Umstand, dass die Eurozone nicht gerade ein beeindruckendes Kontrastprogramm zur US-Politik zuwege bringt.

Was die Perspektive der Zinsen angeht, wird die Sache kniffliger. Denn ja, die stark gestiegenen US-Erzeugerpreise würden darauf hindeuten, dass die Leitzinsen und mit ihnen die für Investoren derzeit lukrativen Anleiherenditen noch eine zeitlang hoch bleiben, was dem US-Dollar helfen würde. Aber für sinkende Zinsen sprächen aktuell mehr Aspekte, so der wankende Arbeitsmarkt, ein laut den jüngsten NAHB-Daten schwach werdender Hausmarkt und das wieder nachgebende US-Verbrauchervertrauen. Unter dem Strich wäre auch das also eher US-Dollar-bärisch und damit ein Punkt für einen steigenden Euro.

Und zuletzt wäre da noch ein Aspekt, den man nicht unterschätzen sollte: Der US-Präsident hat nichts gegen einen schwächelnden US-Dollar, im Gegenteil. Wie schon in seiner ersten Amtszeit stellt er sich einem US-Dollar-Abstieg deswegen nicht verbal entgegen, weil eine schwache Währung den US-Exporteuren hilft.

Grundsätzlich bleibt es daher dabei: Der Euro hätte gute Chancen, weiter zuzulegen. Aber die im Juli erreichte Hürde muss dazu eben erst genommen werden. Und das ist, wie man im Chart auf Monatsbasis sieht, keine leichte. Die Euro/US-Dollar-Relation war an den Kreuzwiderstand aus den Tiefs der Jahre 2010 und 2012 und der oberen Begrenzung des 2022er-Aufwärtstrendkanals herangelaufen, genau da ging den Bullen die Puste aus. Diese Zone zwischen 1,1876 und 1,2042 US-Dollar pro Euro muss bezwungen werden, erst dann wäre der Weg wirklich frei. Aber eingedenk der aktuellen Argumentationslage wäre das kein Ding der Unmöglichkeit – auch nicht kurzfristig!

Euro/US-Dollar: Monats-Chart vom 18.08.2025, Kurs 1,1667 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro/US-Dollar: Monats-Chart vom 18.08.2025, Kurs 1,1667 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS
Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

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Im Juli hatte der Anstieg des Euro zum US-Dollar ein charttechnisches Ziel auf langfristiger Ebene erreicht, danach fiel er ein gutes Stück zurück. Aber ein Ziel zu erreichen kann auch nur die Etappe zum nächsten Ziel sein. Und die Umstände sprechen weiter für den Euro.

Mit 1,1830 US-Dollar hatte der Euro Anfang Juli ziemlich genau den markanten Kreuzwiderstand aus der oberen Begrenzung des im Herbst 2022 etablierten Aufwärtstrendkanals und der bis in die Jahre 2010/2012 zurückreichenden Widerstandszone 1,1876/1,2042 US-Dollar pro Euro erreicht. Doch abgedreht hatte der Euro nicht wegen dieser Charthürde, immerhin hielt er sich wochenlang in deren Dunstkreis. Es war die Politik, die ihn drückte. Und es könnte die Politik sein, die ihn wieder in Fahrt bringt.

Euro/US-Dollar: Monatschart vom 04.08.2025, Kurs 1,1575 USD, Kürzel: EUR.USD | Online Broker LYNX
Euro/US-Dollar: Monatschart vom 04.08.2025, Kurs 1,1575 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS

Der erste Abwärtsimpuls kam nach dem „Deal“ der EU mit den USA, den man am Devisenmarkt als problematisch und schwächend für die Eurozone einordnete. Der zweite Abwärtsimpuls folgte, als die US-Notenbank sich weiter eher unwillig gegenüber sinkenden Leitzinsen zeigte. Wirtschaftliche Stärke der USA und zugleich attraktiv höhere Zinsen – das sprach erst einmal wieder für den „Greenback“ und führte dazu, dass Euro/US-Dollar ein kleines Doppeltopp vollendete und schnell in Richtung der nächsten Supportzone 1,1201/1,1214 US-Dollar hätte fallen können.

Aber dazu kam es bislang nicht, im Gegenteil eroberte der Euro zum US-Dollar die Nackenlinie des Doppeltopps (1,1562 US-Dollar) bereits am vergangenen Freitag zurück und hielt sich zum Wochenauftakt darüber. Und das könnte durchaus die Basis dafür werden, dass der Euro das bisherige Jahreshoch bezwingt und die Widerstandszone 1,1876/1,2042 US-Dollar angeht und im Idealfall überwindet.

Euro/US-Dollar: Tageschart vom 04.08.2025, Kurs 1,1575 USD, Kürzel: EUR.USD | Online Broker LYNXEuro/US-Dollar: Chart vom 04.08.2025, Kurs 1,1575 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNXEuro/US-Dollar: Chart vom 04.08.2025, Kurs 1,1575 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNXEuro/US-Dollar: Chart vom 04.08.2025, Kurs 1,1575 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNXEuro/US-Dollar: Chart vom 04.08.2025, Kurs 1,1575 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNXEuro/US-Dollar: Chart vom 04.08.2025, Kurs 1,1575 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX | Online Broker LYNX
Euro/US-Dollar: Tageschart vom 04.08.2025, Kurs 1,1575 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS

Voraussetzung:

Expertenmeinung: Die Intensivierung der kritischen Lage, die mit der herben Abwärts-Revision der neu geschaffenen US-Arbeitsplätze im Mai und Juni sowie der schwachen Zahl neuer Jobs im Juli offenbar wurde. Diese Zahlen zeigten, dass der US-Arbeitsmarkt doch nicht so robust ist, wie man das bislang vermutet hatte. Zugleich bleibt das Risiko von in den kommenden Monaten wegen der Zölle steigenden Preisen hoch. Womit die US-Notenbank in einer fatalen Zwickmühle steckt, die durch Donald Trumps Vorgehen noch grösser werden kann.

Denn in den kommenden Tagen enden Fristen. Fristen für die regulären, höheren Einfuhrzölle, aber auch für das Ultimatum an Russland bzgl. einer Waffenruhe in der Ukraine und, kommende Woche, die 90-Tage-Schonfrist für China. Ein erneuter Rundumschlag mit Zöllen würde die US-Wirtschaft hart treffen. Und er würde die Attraktivität des US-Dollars erneut deutlich mindern, denn dessen „Krisenbonus“ ist obsolet, wenn es der US-Dollar-Raum selbst ist, der sich gerade in die Krise manövriert.

Die kommenden Tage können also richtungsweisend werden. Sollte Euro/US-Dollar unter das Vorwochentief bei 1,1391 US-Dollar rutschen, wäre die Chance für ein schnelles Revival des Euro zwar erst einmal dahin, womöglich aber nur vertagt, das würde sich dann im nächsten Zielbereich 1,1201/1,1214 US-Dollar zeigen. Aber bevor der nicht klar unterboten wäre und damit den Weg an die 200-Tage-Linie bei 1,0946 US-Dollar freigeben würde, wären Short-Trades auf den Euro bzw. Long-Positionen auf den Greenback in diesem derzeitigen Umfeld eine ziemlich gewagte Sache.

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Chart-Betrachtungszeitraum: 6 Monate
Charttrend: Long / Buy
Gültigkeit der Analyse: 1 Monat
Erwartung: Long / Buy
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Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Seit der Ankündigung der Strafzölle konnte sich der Euro gegenüber dem US-Dollar deutlich behaupten und bislang mehr als 10 Prozent an Wert zulegen. Den Grossteil dieser Aufwärtsbewegung vollzog der Euro oberhalb der 20-Tage-Linie. Lediglich im Mai kam es zu einem kurzfristigen Unterschreiten, doch die 50-Tage-Linie fungierte schnell als Unterstützung und leitete eine Fortsetzung des Aufwärtstrends ein.

Aktuell befindet sich der Euro erneut an der 20-Tage-Linie – ein technisch bedeutsames Kursniveau. Der Trend bleibt vorerst bullisch.

Expertenmeinung: Sollte dieser Bereich verteidigt werden, könnte sich die Aufwärtsbewegung in Richtung der bisherigen Jahreshochs fortsetzen. Im längerfristigen Chart wäre sogar eine Fortsetzung bis in den Bereich von 1.20 möglich.

Ein Bruch dieses Niveaus würde hingegen kurzfristig erste Schwächetendenzen signalisieren. Die kommenden Tage könnten richtungsweisend sein. Vorerst bleibe ich hier positiv gestimmt, auch wenn mögliche Schwächesignale aufmerksam beobachtet werden sollten.

Aussicht: BULLISCH

EUR.USD Forex: Chart vom 15.07.2025, Kurs: 1.16813, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
EUR.USD Forex: Chart vom 15.07.2025, Kurs: 1.16813, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS
Über den Autor

Der renommierte Börsenjournalist Achim Mautz ist professioneller Day- und Swingtrader mit besonderem Fokus auf die US Märkte. Ausserdem ist er Vorstand des Börsenclubs ratgebergeld.at und gerichtlich beeidigter Sachverständiger für den Bereich Wertpapierdienstleistungen in Österreich. Seit über 10 Jahren ist er für den Online-Broker LYNX als Börsenexperte tätig und wird unter anderem für seine täglichen Wertpapieranalysen in unserem Börsenblick geschätzt.

Analysemethode

Die Analysen von Achim Mautz basieren überwiegend auf der Technischen Analyse. Dabei nutzt der Autor, gestützt auf seine langjährige Handelserfahrung, bewährte Methoden der Chartanalyse. Er untersucht Wertpapiere unter anderem anhand von Chartmustern, Trendsignalen Unterstützungen, Widerständen und gleitenden Durchschnitten.

Chart-Betrachtungszeitraum: 6 Monate
Charttrend: Long / Buy
Gültigkeit der Analyse: 1 Monat
Erwartung: Long / Buy
Wir beabsichtigen nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Beim Euro zum US-Dollar war ich bereits seit geraumer Zeit positiv gestimmt. In zahlreichen LYNX Live-Trading-Webinaren habe ich ein mögliches Kursziel im Bereich von 1.18 bis 1.20 für dieses Jahr in Aussicht gestellt. Die Trendwende begann mit dem Ausbruch im März über den Widerstandsbereich knapp oberhalb der Marke von 1.05. Es folgten zwei weitere technische Kaufsignale, die Anlegern einen vergleichsweise risikoarmen Einstieg ermöglichten. Seit einiger Zeit wird der Euro primär von der 20- und sekundär von der 50-Tage-Linie getragen. Der Trend befindet sich derzeit in einer bullischen Phase.

Expertenmeinung: Zu Beginn der vorigen Woche zeigte sich ein weiteres Kaufsignal, nachdem ein trendbestätigender Wimpel in Richtung Norden verlassen wurde. Die Gemeinschaftswährung befindet sich aktuell in einem sogenannten Powertrend – dieser liegt vor, wenn sich die 20-Tage-Linie konstant oberhalb der 50-Tage-Linie befindet und beide Linien teilweise sogar parallel verlaufen. Derzeit gibt es aus technischer Sicht keine eindeutigen Anzeichen für ein baldiges Ende der laufenden Aufwärtsbewegung. Daher halte ich an meinem übergeordneten Kursziel bei 1.20 vorerst fest. Auf der Unterseite befinden sich die nächsten markanten Unterstützungszonen bei 1.1446 und 1.1375.

EUR.USD Cash: Chart vom 03.07.2025, Kurs: 1.17888, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
EUR.USD Cash: Chart vom 03.07.2025, Kurs: 1.17888, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS
Über den Autor

Der renommierte Börsenjournalist Achim Mautz ist professioneller Day- und Swingtrader mit besonderem Fokus auf die US Märkte. Ausserdem ist er Vorstand des Börsenclubs ratgebergeld.at und gerichtlich beeidigter Sachverständiger für den Bereich Wertpapierdienstleistungen in Österreich. Seit über 10 Jahren ist er für den Online-Broker LYNX als Börsenexperte tätig und wird unter anderem für seine täglichen Wertpapieranalysen in unserem Börsenblick geschätzt.

Analysemethode

Die Analysen von Achim Mautz basieren überwiegend auf der Technischen Analyse. Dabei nutzt der Autor, gestützt auf seine langjährige Handelserfahrung, bewährte Methoden der Chartanalyse. Er untersucht Wertpapiere unter anderem anhand von Chartmustern, Trendsignalen Unterstützungen, Widerständen und gleitenden Durchschnitten.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
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Donald Trump hört nicht damit auf, den Chef der US-Notenbank verbal unter Druck zu setzen. Das wiederum erhöht den Druck auf den US-Dollar, denn daraus leiten die Anleger zum einen bald deutlich sinkende Zinsen, zum anderen eine zukünftig politikhörige Notenbankpolitik ab.

Die Amtszeit von Jerome Powell als Chef der US-Notenbank läuft noch bis Mai 2026. Aber der US-Präsident würde das, wenn es irgendwie möglich wäre, ändern und ihn lieber heute als morgen loswerden. Denn Trump ist der Ansicht, dass niedrige Leitzinsen immer eine gute Sache sind und ein bisschen Inflation nicht schadet, weil dafür stärkeres Wachstum entsteht und das die höheren Preise mehr als aufwiegt. Was Vermögende vielleicht ähnlich sehen, der Rest der Bevölkerung aber, natürlich, nicht.

Euro/US-Dollar: Monats-Chart vom 26.06.2025, Kurs 1,1722 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro/US-Dollar: Monats-Chart vom 26.06.2025, Kurs 1,1722 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS

Seit Wochen kokettiert er mit einem Hintertürchen. Wenn er entgegen der üblichen Vorgehensweise, einen Nachfolger erst vorzuschlagen, wenn die Amtszeit des aktuellen Fed-Chefs fast vorüber ist, bereits jetzt einen oder mehrere potenzielle Nachfolger vorstellt, könnte das wirken, als wäre Powell schon fast weg. Denn natürlich würde ein solcher Nachfolger bzw. eine solche Nachfolgerin bereit sein, zu tun, was Trump erwartet: Zinsen runter, Inflation … schauen wir mal. D.h., der Anleihemarkt könnte sich bereits weit vor Powells Abschied an die kommende Notenbankpolitik anpassen, die Anleiherenditen sinken und so Kredite billiger und die Refinanzierung der stetig steigenden Staatsverschuldung billiger kommen.

Und ganz nebenbei schwächt das den US-Dollar. Denn Investoren erkennen natürlich, dass eine Notenbankpolitik, die einem unsteten und wenig fachkundigen politischen Willen gehorcht, statt unabhängig zu sein, in eine Katastrophe führen kann. Und wer will schon sein Kapital in einer Währung investieren, die immer unsicherer wird?

Expertenmeinung: Man könnte sich die Frage stellen, ob Mr. Trump das nicht womöglich auch so erhofft. Schliesslich führt eine schwache Währung für die US-Unternehmen zu einem Exportvorteil, zugleich werden die Importeure, deren Währung gegenüber dem US-Dollar vice versa teurer wird, schlechter gestellt. Angesichts des Umstands, dass die US-Handelsbilanz im Mai gestern mit -96 Milliarden US-Dollar wieder auf einem Level lag, den man auch vor Trumps Zoll-Kapriolen sah, hätte er allemal Bedarf, noch weitere Hebel zu ziehen. Ein schwacher US-Dollar wäre einer.

Aber mittelfristig wirkt das natürlich fatal. Sicher, kurzfristig kann das den US-Exporteuren helfen. Kurzfristig könnten sinkende Renditen und, wenn der Nachfolger erstmal im Sessel sitzt und genug „Trump-Follower“ Posten im Offenmarktausschuss eingenommen haben, niedrige Leitzinsen die Verbraucher freuen. Zumindest die, die mehr Augenmerk auf billige Kredite als auf gute Zinsen für das Ersparte legen. Aber den kurzfristigen Effekten folgen Inflation, Schuldenberg und Kapitalflucht. Und wenn so etwas erst einmal auf dem Beipackzettel einer Währung steht, ist es schwer, diesen Malus loszuwerden. Zumal die Amtszeit desjenigen, der hier eifrig die eigene Währung demontiert, gerade erst begonnen hat.

Es wundert also nicht, dass der Euro zum US-Dollar gestern ein neues Jahreshoch markierte und damit den höchsten Stand seit September 2021 erreicht hat. Wobei der Euro nicht stark ist, sondern der US-Dollar explizit schwach, aber das ändert an der Bewegung des Währungspaars natürlich nichts. Da der Euro in der Reihenfolge der wichtigsten Weltwährungen auf Platz 2 steht, kann er sich durchaus zum Nachfolger als lukrativste Investmentwährung mausern, falls diese US-Politik so weitergeht. Wonach es derzeit aussieht.

Euro/US-Dollar: Tages-Chart vom 26.06.2025, Kurs 1,1722 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro/US-Dollar: Tages-Chart vom 26.06.2025, Kurs 1,1722 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS

Solange das Währungspaar die aktuell als Leitstrahl dienende Doppel-Unterstützung aus März-Aufwärtstrendlinie und 20-Tage-Linie bei aktuell 1,15 US-Dollar pro Euro hält, kann diese Hausse durchaus zügig weitergehen, immerhin macht Donald Trump immer weiter damit, Scheite in das Feuer zu legen, in dem der US-Dollar langsam verbrennt.

Zwar ist die mittelfristige Kurszielzone, bestehend aus der oberen Begrenzung des 2022er-Aufwärtstrendkanals und den Jahrestiefs 2010 und 2012 zwischen 1,1820 und 1,2042 US-Dollar schon fast erreicht. Aber erst, wenn Euro/US-Dollar mit Schlusskursen klar unter 1,1275 US-Dollar wieder in die Handelsspanne der Jahre 2023/2024 zurückfallen würde, wäre er wieder bärisch … bis dahin haben die Euro-Bären hier eindeutig die schlechteren Karten.

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Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

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Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.