Am Montag markierte der Silberpreis schon wieder einen neuen Verlaufsrekord. Gegenüber dem Schlusskurs 2025 hat das Edelmetall in diesen wenigen Tagen des neuen Jahres in der Spitze schon wieder fast 20 Prozent zugelegt. Trotzdem ist das keine Blase … oder doch?
Eigentlich verbindet man mit einer „Blase“ eine Übertreibung, die beinhaltet, dass eine Aktie, ein Index, eine Währung oder auch ein Rohstoff weit teurer gehandelt wird, als der realistische Wert das erwarten liesse. Und da es für Gold und Silber keinen klar errechenbaren „fairen“ Wert geben kann, weil hier keine Messgrössen wie KGV, KUV oder KCV anwendbar sind, könnte man einfach sagen: Wir sehen hier keine Blase, weil Silber nie „zu teuer“ sein kann.
Aus dieser Warte heraus hätte man damit zwar recht. Aber „Blase“ kann sich durchaus auch auf das Kursverhalten an sich beziehen. Und ja, dann hätten wir hier eine Spekulationsblase, die, rein vom Chartbild, sehr an die Endphase der Internet-Blase im Jahr 2000 erinnert:

Expertenmeinung: Schon nach dem Ausbruch über das bei 54,49 US-Dollar gelegene Oktober-Hoch Ende November waren die täglichen Handelsspannen des Silberpreises sukzessiv grösser geworden. Aber seit Weihnachten sehen wir hier mehrheitlich Tages-Spannen von fünf bis zehn Prozent. Zugleich ist aus dem „straighten“ Anstieg bis Weihnachten ein immens hektisches Auf und Ab geworden, wobei auffällt, dass es seit Ende November nur ein einziges Mal den Fall gab, dass zwei Tage nacheinander auf Schlusskursbasis ein Minus aufwiesen.
Das deutet an, dass hier immer mehr kurzfristige Trader aktiv werden, die von der immensen Dynamik dieser Kursbewegung angelockt werden. Hier, so scheint es, kann man in kürzester Zeit immens viel verdienen, vor allem, wenn man nicht im Silber selbst tradet, sondern mit Derivaten. Und man darf befürchten, dass der Umkehrschluss, dass man in einem solchen Hexenkessel auch in kürzester Zeit immens viel verlieren könnte, nicht vollzogen wird. Zumindest war das in allen „Blasen-Phasen“ früherer Jahre und in egal welchem Asset so.
Und damit wird die Sache für „normale“ Anleger, die nicht zocken, sondern vernünftig einem lukrativen Trend folgen wollen, problematisch. Das Risiko plötzlicher, sehr weitreichender Kursimpulse in beide Richtungen, bei denen es sich unmöglich abschätzen lässt, wie lange sie dauern und wie weit sie reichen, ist in einem Umfeld wie diesem hoch. Dass die Rohstoff-Terminbörse COMEX Ende Dezember zweimal die Höhe der Sicherheitsleistungen für Silber-Derivate (Margin) nach oben genommen hat und die Volatilität seither keinen Deut geringer wurde, zeigt dabei: Hier geht es gerade extrem zu.
Wer hier mit dabei sein will, sollte daher nicht nur gute Nerven mitbringen, sondern auch die nötige Ruhe, die man nur durch Erfahrung gewinnt. Zudem müsste man absolut konsequent in Bezug auf Money-Management und Absicherungen sein. Aber heisst das, dass die Luft nach oben dünn ist und der grosse Knall unmittelbar bevorsteht?
Das kann so sein, muss es aber nie. Das ist eben die Crux bei Spekulationsblasen: Die Sichtweite beträgt, nüchtern betrachtet, glattweg null. Wir sehen im obigen Chart, dass sich der Silberpreis derzeit an der 10-Tage-Linie und damit an einem ungewöhnlich kurzfristigen gleitenden Durchschnitt nach oben hangelt. Den könnte man daher als „Leitstrahl“ sehen, die darunter verlaufende 20-Tage-Linie als „Sprungtuch“. Aber darauf verlassen kann man sich in einem solch hochkochenden Markt nicht, daher:
Silber ist, wenngleich sicherlich nicht auf alle Zeit, derzeit kein „sicherer Hafen“ für eher konservative Investoren, sondern eine Spielwiese kurzfristiger Trader, die, so muss man annehmen, nicht alle das nötige Rüstzeug eines guten Traders mitbringen. Hier ist Vorsicht geboten!
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