Hören Sie sich die Audioversion dieses Artikels an (KI-generiert).
Die Bank of America stufte adidas deutlich herunter und senkte das Kursziel von 213 auf 160 Euro. Die Aktie geriet daraufhin am Dienstag unter Druck. Aber neben der Problematik, die zur Kurszielsenkung führte, ist die Aktie auch wegen ihres Kursverhaltens an sich interessant.
Dass Analysten ihre Kursziele für die Aktie des Sportartikelherstellers senken, war in den letzten Monaten keine Seltenheit. Aber da ging es um höhere Kurslevels. So nahm z.B. die Deutsche Bank ihr Kursziel im Dezember von 280 auf 230 Euro zurück. Im November hatte HSBC das Ziel von 270 auf 205 nach unten genommen. Aber entweder blieb es bei der Einschätzung „Kaufen“ oder man vergab wenigstens das Urteil „Halten“. Die Bank of America hingegen schätzt adidas jetzt nur noch mit „Underperform“ ein.
Die Begründung verwundert insofern nicht, als man sie eigentlich mit Händen greifen kann, wenn man sich umschaut: Das Konsumumfeld ist ungünstig. Das müsste jedem klar sein, schliesslich schauen immer mehr Menschen in den grösseren Industrieregionen aufs Geld. Und da werden „nice to have“-Produkte eben auch mal im Regal gelassen … zu denen die adidas-Produktpalette grossenteils gehört. Die grosse Erholung der Gewinnmargen und mit ihnen des Gewinns pro Aktie, die man so lange gespielt hat, ist daher kurzfristig nicht wahrscheinlich.
Doch die Analysten sahen das ausserhalb dieser neuen Einschätzung der Bank of America bislang nicht so bzw. bleiben zumindest bei einem neutralen Urteil. Ein Phänomen, das keine Seltenheit darstellt.
Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur adidas Aktie finden Sie hier.
Expertenmeinung: Ein sich eintrübendes Marktumfeld wird gerne am Aktienmarkt ignoriert … und auch Analysten sind nur Menschen. Dass eine fest eingeplante, positive Entwicklung nicht oder nicht im erwarteten Ausmass kommt, nimmt man nur ungern und eher zögerlich zur Kenntnis. Da sitzen Anleger und Analysten, ja oft auch die Entscheider des betroffenen Unternehmens, in einem Boot. Andere Beispiele für solche Fälle wären z.B. Delivery Hero oder HelloFresh sowie eine ganze Reihe von Unternehmen aus den Bereichen Chemie oder Medizintechnik.
Dementsprechend hat sich das durchschnittliche Kursziel für die adidas-Aktie nur zögerlich nach unten bewegt, von 255 Euro vor einem Jahr auf aktuell 226 Euro. Aber es liegt, weil viele eben weiter stur den Daumen heben, dennoch deutlich über dem derzeitigen Kurs. Und das, obgleich das Kurs/Gewinn-Verhältnis auf Basis der 2025er-Gewinnschätzung der Analysten bei einem Kurs von 226 Euro mit 30 für das derzeitige Umfeld klar zu hoch wäre.
Aber auf dem aktuellen Kurslevel, das das jetzt niedrigste Kursziel von 160 Euro der Bank of America ja widerspiegelt, wäre das KGV mit 22 durchaus in Ordnung, vorausgesetzt, die Umsatz- und Gewinnperspektive würde sich nicht noch weiter eintrüben. Könnte man nicht vielleicht jetzt zugreifen und darauf setzen, dass zumindest das Durchschnitts-Kursziel angesteuert wird? Genau diese Gedanken kommen vielen in solchen Abwärtstrends, die bei zugleich gehobenen Daumen der Analysten ablaufen. Der adidas-Chart ist da ein Beispiel wie aus dem Lehrbuch:

Die beiden letzten kräftigen Abverkäufe im Sommer und Herbst waren Reaktionen auf eher enttäuschende Quartalsergebnisse. Aber kaum war die Aktie kräftig abgerutscht, kamen die Käufer zurück und sammelten die Aktie wieder ein, in der Hoffnung, dass genau das passiert: Dass sich der Kurs den viel höheren Kurszielen wieder annähert. Womit die Käufer letzten Endes gegen die eherne Börsenregel verstiessen, nur mit und nie gegen den Trend zu agieren, denn die adidas-Aktie blieb die gesamten Monate über unter der 200-Tage-Linie und wichtigen Widerstandszonen.
Zwar hat diese Entwicklung jetzt dazu geführt, dass die zuvor aufgrund zu hoher Erwartungen überbewertete Aktie eine faire Bewertung aufweist. Aber nicht selten führt ein erster „Abweichler“ bei den Analysten dazu, dass andere folgen und ihre Kursziele ebenfalls nach unten korrigieren. Das würde denen, die zuletzt unverdrossen in jeden Abwärtsruck gekauft und unter dem Strich Verluste erzielt haben, womöglich den Schneid abkaufen, daher:
adidas ist auf diesem Kursniveau langsam interessant, aber das selbst zu realisieren, reicht nicht, die Mehrheit der Akteure müsste das genauso sehen. Zumindest die derzeit um 188 Euro verlaufende 200-Tage-Linie sollte zurückerobert sein und wieder etwas bessere Perspektiven vom Unternehmen kommen, bevor hier ein Einstieg erwägenswert wäre. Wartet man das ab, kauft man zwar nicht am Tief. Aber das erwischt zu haben, dachten in den letzten Quartalen viele und lagen damit schief. Wer eine charttechnisch saubere Wende abwartet, kauft „teurer“, kann aber taugliche Stop Loss setzen, weil die wichtigen Chartmarken dann nicht über, sondern bereits unter dem aktuellen Kurs liegen würden.
--- ---
--- (---%)Displaying the --- chart
Heutigen Chart anzeigen





