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S&P 500: Zögern vor der 7.000er-Marke … ein böses Omen?

von Ronald Gehrt
19.01.2026 | 08:24 Uhr

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Hören Sie sich die Audioversion dieses Artikels an (KI-generiert).

Der S&P 500 läuft seit Tagen direkt unter der runden Marke von 7.000 Punkten seitwärts, beim Dow Jones ist es die 50.000, die einfach nicht erreicht wird. Das wirkt wie ein böses Omen … aber ist es auch wirklich eines?

Die Kursziele der Investmentbanken für den S&P 500 liegen für 2026 alle über dem derzeitigen Stand, einige reichen bis 8.000 Punkte. Da wäre es ein überzeugender Start in das Börsenjahr gewesen, wenn die ohnehin bereits in Reichweite gelegene „magische“ Marke von 7.000 gleich zu Beginn überboten worden wäre. Aber das scheint sich zäher zu gestalten, als von manchem bullischen Trader vermutlich erwartet wurde:

S&P 500: Tages-Chart vom 16.01.2026, Kurs 6.940,01 Punkte, Kürzel: SPX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
S&P 500: Tages-Chart vom 16.01.2026, Kurs 6.940,01 Punkte, Kürzel: SPX | Quelle: TWS

Bis auf 0,2 Prozent war man schon dran. Aber jetzt tritt dieser marktbreite US-Index scheinbar auf der Stelle. Und was das Thema Dynamik angeht, wird es dadurch langsam problematisch. Denn am damaligen Rekordhoch des Oktobers war der S&P 500 bis 6.920 Punkte gelaufen. Jetzt, fast drei Monate später, liegt der Index gerade einmal 20 Punkte höher. Das ist dünn.

Kann es sein, dass diese runde Marke für zu viele Marktteilnehmer ein Ziel ist, eine Marke, bei der man nicht nur darüber nachdenkt, Kasse zu machen, sondern es auch wirklich tut? Liegen da so viele Verkaufsorders im Markt, dass die Käufer nicht durchkommen? Und könnte das dazu führen, dass mehr und mehr bullische Trader aufgeben und der Index dadurch direkt unter dieser runden Marke abdreht und eine grössere Korrektur startet? Sprich: Ist dieses bisherige Unvermögen, nach oben auszubrechen, ein aus Sicht der Bullen böses Omen?

Den aktuellen Kurs und Chart des S&P 500 sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Expertenmeinung: Nein, eher nicht. Es mag zwar sein, dass in diesem Bereich einiges an Verkaufsorders den Anstieg bremst. Aber ob die abgearbeitet werden können oder nicht, lässt sich noch nicht abschätzen. Das liegt auch daran, dass am Freitag eine Abrechnung an der Terminbörse stattfand. Hier liefen Optionen auf Aktien und Indizes mit Laufzeit Januar aus. Und anders als bei uns sind die Optionen in den USA das entscheidende Derivat der Privatanleger – und diese Abrechnung muss nicht, könnte aber als Bremse gewirkt haben.

Es wäre beispielsweise möglich, dass Optionsverkäufer, die in der Regel zu den grossen Adressen zählen, so viele 7.000er Call-Optionen auf den S&P 500 an die Trader verkauft haben, dass sie ein hohes Interesse hatten, diese Optionen nicht zur Abrechnung ins Geld laufen zu lassen, weil das hätte teuer zu stehen kommen können. Ob die 7.000 ein massiver, nicht zu hebender Deckel ist oder eine eher durchlässige Hürde, wird sich daher erst noch herausstellen, zumal es gar nicht unüblich ist, dass die grossen US-Indizes eine Zeitlang unter oder an solchen markanten Chartmarken verharren, bevor klar wird, ob die Reise weitergeht oder, was seltener der Fall ist, eine solche „Big Figure“ nicht bezwungen wird und das dann eine Korrektur einläutet.

Richtig ist natürlich, dass die Rahmenbedingungen problematisch sind. Viele US-Konjunkturdaten der vergangenen Tage waren recht gut, aber keineswegs alle. Die Politik im Weissen Haus wird zunehmend aggressiver und unberechenbarer, das wird auch für die Wirtschaft zum Risiko. Und die offene Gerichtsentscheidung über die Zölle sowie das Sägen an der Unabhängigkeit der US-Notenbank sind Damoklesschwerter, die schärfer kaum sein könnten. Aber all das ist nicht erst seit zwei Wochen so und trotzdem hat sich der S&P 500 immer höher gekämpft. Bislang ignorieren viele Anleger diese Risiken. Daher kann es zwar jederzeit sein, dass diese Aspekte schlagartig zurück ins Rampenlicht gelangen, aber es muss nicht. Fazit:

S&P 500: Monats-Chart vom 16.01.2026, Kurs 6.940,01 Punkte, Kürzel: SPX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
S&P 500: Monats-Chart vom 16.01.2026, Kurs 6.940,01 Punkte, Kürzel: SPX | Quelle: TWS

Dieses Wassertreten des S&P 500 ist noch kein Grund, um mittelfristige Long-Trades glattzustellen und/oder die Seite zu wechseln. Und ob das in Kürze der Fall wäre, ist nicht voraussagbar. Daher wäre es eine sinnvolle Lösung, sich konsequent am Chartbild zu orientieren. Seit Monaten wird der Aufwärtstrend des Index von diesem Dreigestirn aus 20-Tage-, 50-Tage- und 100-Tage-Linie geführt, Letztere bildet aktuell bei 6.742 Punkten das untere Ende dieser mitlaufenden Zone. Sollte diese Zone gebrochen werden, brennt etwas an. Solange das aber nicht der Fall ist, hätte das bullische Lager jederzeit die Chance, kurzfristige Flaute-Phasen wie die derzeitige zu seinen Gunsten nach oben aufzulösen!

Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 16.01.2026 um 22:23 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

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Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

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