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Euro Stoxx 50: 6.000 sehen … und drehen?

von Ronald Gehrt
21.01.2026 | 08:11 Uhr

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Hören Sie sich die Audioversion dieses Artikels an (KI-generiert).

Dass der Euro Stoxx 50 nach den Zoll-Drohungen aus den USA zum Wochenstart in die Knie ging, war nicht überraschend, dass erste Akteure schon am Dienstag wieder begannen zu kaufen, schon eher. Denn mit Blick auf den Terminkalender wären Käufe ein riskantes Spiel.

Würde es so kommen, wie Donald Trump am Wochenende androhte, und wichtige Länder der Eurozone würden ab dem 1. Februar einen Einfuhr-Zollaufschlag von 10 und ab dem 1. Juni dann sogar von 25 Prozent verpasst bekommen, falls Dänemark ihm nicht Grönland ausliefert, wäre das für die Wachstumsperspektive der Eurozone und die Gewinnaussichten vieler im Euro Stoxx 50 gelisteter Unternehmen ein Schlag ins Kontor. Aber könnte es nicht sein, dass Trump einmal mehr zurückzieht und die Zölle am Ende doch nicht kommen?

Es könnte sein, keine Frage. Aber viele Politik-Experten warnen seit Längerem davor, einige Rückzieher seinerseits zur Regel zu erheben. In fallende Kurse hinein die Hand aufzuhalten, in der sicheren Erwartung, dass einem hier gerade ideale Einstiegskurse in den Schoss fallen, wäre äusserst riskant. Zumal die aktuelle Runde des Grönland-Händels mit Trumps bisherigen Aussagen ja noch nicht vorbei ist. Sie dürfte heute weitergehen. Denn der US-Präsident besucht das seit Montag laufende Weltwirtschaftsforum in Davos, will dort eine Rede halten und am Rande mit politischen Entscheidern auch über das Grönland-Thema sprechen. Damit haben der heutige und womöglich auch der morgige Handelstag „Pfeffer“.

Den aktuellen Kurs und Chart des EURO STOXX 50 sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Expertenmeinung: Da dann aufgrund des grundsätzlich durchaus beeindruckenden Reduzierens der Verluste am Dienstag zu unterstellen, dass sich der Sturm bereits gelegt hat, wäre gewagt. Je nachdem, was da aus Davos an Meldungen kommt, kann der Euro Stoxx 50 zwar schnell wieder an und ggf. sogar über seine jüngsten Rekordhochs laufen. Aber es könnte eben auch damit enden, dass diese runde Marke von 6.000 Punkten doch nicht zur Etappe auf dem Weg zu immer neuen Rekorden, sondern zur Endstation der Hausse wird.

Da es müssig ist, über die Ergebnisse der Davos-Gespräche zu spekulieren, bietet es sich an, die Sache konsequent anhand der charttechnischen Signallage umzusetzen. Und richtig ist dahingehend durchaus:

Bislang ist noch nichts angebrannt. Die nächstgelegene charttechnische Auffangzone liegt bei 5.795/5.818 Punkten. Die wurde am gestrigen Tagestief (5.836 Punkte) fast erreicht, aber die Käufe Richtung Handelsende sorgten nicht nur dafür, dass diese Zone hielt, sondern auch, dass sich der Euro Stoxx 50 zum Schlusskurs wieder über die 20-Tage-Linie retten konnte.

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 20.01.2026, Kurs 5.892,08 Punkte, Kürzel: SX5E | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 20.01.2026, Kurs 5.892,08 Punkte, Kürzel: SX5E | Quelle: TWS

Es fällt allerdings auf, dass der europäische Leitindex die „magische Marke“ von 6.000 Punkten zwar mit Schwung erreichte, dann aber keine nennenswerten Anschlusskäufe kamen, wie wir im Chart auf Tagesbasis sehen. Der Gedanke drängt sich auf, dass die grossen Akteure am Terminmarkt diese runde Marke zur Abrechnung der Index-Optionen am vergangenen Freitag erreichen wollten, darüber aber keine weiteren Ambitionen hatten. Und sollten die grossen Adressen der Terminbörse diese 6.000 als Ziel sehen, würde es mit einem Ausbruch nach oben schwieriger.

Es fällt zudem auf, dass der Index auf Monatsbasis so überkauft ist wie zuletzt vor Beginn der Baisse 2008/2009. Wer das sieht, könnte in Bezug auf Zukäufe oder sogar den Neueinstieg Long eher zurückhaltend sein, zumal die Wachstumsperspektive der Eurozone und diese Rekordjagd auch ohne neue US-Zölle deutlich auseinandergelaufen sind.

Da wäre also ohnehin Vorsicht geboten. Solange die Unterstützungszone 5.795/5.818 nicht auf Schlusskursbasis unterboten wurde, ist zwar in der Tat noch kein Grund gegeben, hier eilig auszusteigen. Aber die kommenden Tage könnten mit Blick auf Davos hochvolatil werden. Und falls diese Supportzone fiele, könnte der nächste Kurszielbereich zwischen 5.462 und 5.568 Punkten blitzschnell angelaufen werden.

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 20.01.2026, Kurs 5.892,08 Punkte, Kürzel: SX5E | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 20.01.2026, Kurs 5.892,08 Punkte, Kürzel: SX5E

Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 20.01.2026 um 18:51 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

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Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

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