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Sechs Wochenschlusskurse am Stück über dem vorherigen, das könnte dem DAX heute gelingen. Das gab es dieses Jahr noch nie. Aber 2021 auch nicht: So etwas ist selten. Und in einem Umfeld wie diesem ist das mehr „tricky“ als ein Grund, die Füsse hochzulegen. Warum?

Sechs Wochen haben gereicht, um das charttechnische Bild des DAX auf den Kopf zu stellen. Er hat alles bezwungen, was ihm im Weg stand: die mittelfristige Abwärtstrendlinie, die Widerstandszone 13.381/13.566 Punkte, die 200-Tage-Linie und zuletzt auch noch das August-Hoch. Damit hat diese Rallye bereits jetzt die Grössenordnung der Kaufwelle vom März erreicht, nur ohne den damaligen, blitzschnellen Kurseinbruch im Vorfeld. Das ist charttechnisch gesehen ohne Wenn und Aber bullisch. Also, kaufen, was das Zeug hält?

Das sollte man sich besser genau überlegen. Dass der DAX auf Tagesbasis massiv überkauft ist, sollte zur Vorsicht mahnen, der RSI-Indikator ist erstmals überhaupt im Jahr 2022 in die überkaufte Zone gelaufen. Und auch, wenn er auf Wochenbasis noch nicht überhitzt ist: Den höchsten Level dieses Jahres hat er auch auf dieser Zeitebene erreicht. Rücksetzer sollte man also besser einkalkulieren. Aber ein anderer Aspekt bedingt, dass man sich lieber nicht darauf verlassen sollte, dass ein Rücksetzer eine kurze, räumlich begrenzte Episode bleibt. Denn ein Faktor fehlt völlig, um aus dieser so ungewöhnlich starken Kaufwelle eine glaubwürdige Wende zu machen: bullische Rahmenbedingungen.

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Expertenmeinung: Es war nicht unsere Wahl, aufgrund der der DAX im Vorfeld der Midterm Elections zulegte. Und die Wahl ging auch nicht so aus, wie sich die Bullen in den USA das gedacht hatten. Vor allem aber waren es nicht unsere Inflationsdaten, die die Kurse explodieren liessen. Der DAX lief halt mit den US-Indizes mit. Obwohl die heimische und die Eurozone-Inflation auf Rekordniveau liegen. Aber noch schwerer wiegt, dass diese gestern aus den USA gemeldeten Inflationsdaten alles sind, nur kein „Game Changer“, der belegen würde, dass die US-Notenbank ihr Ziel nunmehr erreicht hat und weitere Zinsanhebungen vom Tisch wären. Diese Karte spielte man zwar. Aber sie ist gezinkt.

DAX: Tages-Chart vom 10.11.2022, Kurs 14.146,09 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Denn dass die Jahresrate der Inflation sinkt, mag gut aussehen. Aber was die Wirtschaft braucht und die US-Notenbank mit höheren Zinsen erzwingen will, ist, dass der Preisanstieg an sich stoppt. Und um zu sehen, wie das vorangeht, ist diese Jahresrate wegen des tückischen Basiseffekts nicht besonders geeignet. Wichtiger ist, wie sich die Preise von Monat zu Monat entwickeln, da könnte man sehen, ob der Preisauftrieb gestoppt wurde. Und im Oktober sind die US-Verbraucherpreise um 0,4 Prozent gegenüber September gestiegen. Genau die gleiche Rate wie von August zu September. Zwar hatte man mit einer Monatsveränderung von 0,6 Prozent gerechnet, so dass man festhalten darf: Es hätte schlimmer sein können. Aber es ist eben auch alles andere als gut und kein Argument für die US-Notenbank, ihre Vorgehensweise zu ändern. Was man dort auch schon x-mal klargemacht hatte: Einzeldaten sind nicht entscheidend.

Aber genau darauf setzen diejenigen, die jetzt in diesen ohnehin schon schnell und weit gestiegenen DAX eingestiegen sind oder zugekauft haben. Dünnes Eis, zumal ja auch ansonsten noch genug Risiken existieren. Die deutschen Erzeugerpreise machen klar, dass die Preise hierzulande weiter steigen werden. Und auf unsere Inflation kommt es letztlich eben an, nicht auf die in den USA. Die Energielage ist weiter unsicher. Und von einer Entspannung in Sachen Geopolitik kann man derzeit nicht einmal träumen. Die Rahmenbedingungen passen also nicht zu dieser Super-Rallye. Und das heisst: Hier ist Vorsicht angezeigt.

Sollte der DAX wieder unter dem gestern überwundenen Hoch vom August bei 13.948 Punkten schliessen, wäre das bereits ein Warnsignal. Und sollte die bis Mittwoch noch umkämpfte 200-Tage-Linie bei aktuell 13.600 Zählern auf Schlusskursbasis um mindestens 100 Punkte unterboten werden, dann müsste man hier eine kapitale Bullenfalle konstatieren. Spätestens dann sollte man hier besser nicht mehr Long sein.

DAX: Wochen-Chart vom 10.11.2022, Kurs 14.146,09 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX
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