Börsenblick

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Aktienanalyse:
Nel: Folgt auf die Explosion noch ein großer Knall?

Nel ASA ist ein weltweit agierendes Unternehmen im Bereich Wasserstoff.

Die Produkte von Nel werden sowohl zur Herstellung als auch Speicherung und Distribution von Wasserstoff genutzt.

Weitere Anwendungsmöglichkeiten umfassen wasserstoffbetriebene Züge, Schiffe, LKW sowie Autos.

Der Markt ist riesig

Wasserstofftechnologie hochinteressant und der Markt ist riesig. Es ist durchaus möglich, sogar wahrscheinlich, dass Wasserstofff-Anwendungen in Zukunft einen maßgeblichen Beitrag im Kampf gegen die Klimaerwärmung und der Abkopplung von fossilen Brennstoffen leisten wird.

Im Vergleich zu Elektro-Fahrzeugen liegen einige Vorteile auf der Hand: Es wird keine Batterie benötigt, die bereits in der Herstellung enormen Rohstoff- und Energieeinsatz fordert. Gleichzeitig kann man Gewicht einsparen, was den Energiebedarf beim Fahren weiter reduziert.

Darüber hinaus können Solar- und Windenergie zur Erzeugung von Wasserstoff genutzt werden, was auch die Probleme bei der Speicherung dieser Energieformen löst. Beim „Verbrennen“ von Wasserstoff entstehen auch keine Abgase.

Ich war immer der Meinung, dass die Vorteile gegenüber Elektrofahrzeugen überwiegen. Wären ähnlich hohe Forschungsmittel in diesen Bereich geflossen, wer weiß, wie weit man schon wäre.

Es besteht aber eine ernstzunehmende Gefahr: Nur weil es die bessere Technologie ist, muss sie sich nicht durchsetzen. Es ist ein plakatives Beispiel, aber Betamax war ebenfalls überlegen, durchgesetzt haben sich aber VHS-Kassetten.

Gibt es erst ausreichend Elektro-Ladestellen und die entsprechende Infrastruktur für die Massenproduktion von Elektro-Fahrzeugen, wird es für Wasserstoff-Autos immer schwerer mitzuhalten.
Die Wechselkosten und Hürden für Konsumenten werden dadurch größer.
Gleiches gilt für die Kosten eines gesellschaftlichen Richtungswechsels.

Es könnte also sein, dass Wasserstoff vor allem die Märkte erobern wird, in denen sich die großen Elektro-Initiativen nicht breit machen.

Ganz am Anfang

Derzeit steckt die Branche noch in den Kinderschuhen, dementsprechend groß ist das Potenzial.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier: Die besten Wasserstoff und Brennstoffzellen Aktien

Bei Nel scheint es jedenfalls zu laufen. Seit 2015 konnte der Umsatz von 89 auf 453 norwegische Kronen gesteigert werden, was rund 46 Mio. Euro entspricht.

Für Hartgesottene

Es geht also mit einer stattlichen Geschwindigkeit aufwärts, Nel ist aber dennoch ein kleines Unternehmen. Es ist nicht so, als hätte sich Nel die Marktführerschaft in einem Milliardenmarkt gesichert.
Dem Umsatz von 46 Mio. Euro steht außerdem ein Börsenwert von derzeit 735 Mio. Euro gegenüber.

Ein KUV von 16 ist ganz offensichtlich problematisch. Um das zu rechtfertigen, müsste das Unternehmen in möglichst naher Zukunft einen Gewinn erwirtschaften, der dem derzeitigen Umsatz entspricht.

Das ist eine Herkulesaufgabe und es ist keinesfalls sicher, ob und wann das gelingen wird. Man ist schließlich nicht der einzige Wettbewerber in diesem Wachstumsmarkt und bisher werden die Unternehmensverluste, trotz stark steigenden Einnahmen, immer größer.

Sie kaufen Nel ohnehin? Dann sparen Sie sich diesen Absatz

Viele Leser werden es nicht hören wollen, doch bisher war das Unternehmen eine regelrechte Geldvernichtungsmaschine.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Unternehmen in Expansionsphasen und mit derart hohem Wachstum keinen Gewinn erwirtschaften.

Als Investor sollte man aber zumindest erwarten, dass ein Unternehmen die eigenen Produkte zu einem Preis herstellen kann, der unter dem Verkaufspreis liegt.
Das ist bei Nel aber leider nicht der Fall.

Schon die Herstellungs- und Personalkosten übersteigen die Einnahmen.

Man ist operativ defizitär und Geld, welches eigentlich in Wachstum und Forschung fließen sollte, versickert stattdessen.

…diesen auch: Explosion

Schraubt man seine Erwartungen noch etwas herunter, sollte man als Investor zumindest erwarten, dass bei dem hohen Wachstum der Verlust langsam sinkt.
Leider ist auch das nicht der Fall. Während der Umsatz seit 2015 um den Faktor 5 gestiegen ist, ist das Defizit um den Faktor 8,5 gestiegen.

Die ständigen Verluste müssen aber irgendwie finanziert werden. Das hat Nel bisher durch massive Kapitalerhöhungen bewerkstelligt.

Innerhalb weniger Jahre hat sich die Zahl der ausstehenden Aktien dadurch mehr als vervierfacht.

Der Verlust wird also immer größer, gleichzeitig werden die Aktionäre konstant und in erheblichem Umfang verwässert.

Anleger stellen Nel also Geld zur Verfügung und gehen wohl davon aus, dass es in die Zukunft gesteckt wird. Wie wir zuvor gesehen haben, wird ein bedeutender Teil der Erlöse aus den Kapitalerhöhungen aber zum stopfen von Löchern genutzt – sie werden eben nicht in Forschung und Wachstum investiert.

Die Explosion einer Wasserstoff-Station ist in Anbetracht dieser Tatsachen also eher ein kleines Problem. Die Kerntechnologien von Nel scheinen ohnehin nicht betroffen zu sein.

… diesen auch: Zusammenfassung und Q1

Im ersten Quartal 2019 haben sich all die zuvor angesprochenen Trends weiter fortgesetzt.

Leider hat jetzt aber auch noch die Wachstumsdynamik nachgelassen. Der Umsatz kletterte in Q1 nur um 8,8% auf 12,5 Mio Euro. Der Verlust stieg um mehr als 60% auf 5,3 Mio. Euro.

Die Zahl der ausstehenden Aktien ist in der kurzen Zeit seit dem Jahreswechsel von 1,078 auf 1,118 Mrd. gestiegen. Aktuell gibt man schneller Aktien aus, als man den Umsatz steigern würde…
Nel hat binnen weniger Monate drei (!) Kapitalerhöhungen mit einem Volumen von mehr als 55 Mio. Euro durchgeführt. Das übersteigt den Jahresumsatz von 2018.

Millionen von Aktien wurden an Mitarbeiter verschenkt. Ist das wirklich zielführend? Die Zeche zahlen die Anleger.

Bisher spielen die Kapitalgeber (=Aktionäre) mit, doch wie lange kann das in dieser Weise fortgeführt werden?
Im letzten Jahr hat man beispielsweise 24 Mio. Euro verbrannt, um dadurch einen Umsatzanstieg von 17 Mio. Euro zu bewirken.

Zusammenfassend haben wir es also mit einem Unternehmen zu tun, welches einen enormen Kapitalbedarf hat und steigende Verluste generiert.
Im Gegenzug ist das Wachstumspotenzial groß, bei einem KUV von 16 ist Nel aber zweifellos kein konservatives Investment.

Es ist ein Zock mit hohem Risiko und ungewissem Ausgang. Die breite Masse hat das Thema Wasserstoff und Brennstoffzellen für sich entdeckt, doch das kann sich auch wieder ändern.

Ende Dezember 2015 kam es schonmal zu einem Hype und Kursgewinnen von mehreren Hundert Prozent. Anschließend stürzte die Aktie ab, Anleger verloren das Interesse und der Kurs pendelte über Monate seitwärts.

Das muss nicht wieder passieren, doch es zeigt, was möglich ist.

Letzte Worte?

Auftragseingang und -Bestand sehen gut aus. In den kommenden Quartalen dürfte die Auslastung daher hoch sein.

Als Pragmatiker ist die Sache ebenfalls klar: Wenn Sie an eine große Zukunft von Nel glauben, dann ist es besser jetzt einzusteigen, als vor der dem Kurssturz.

All die Daten und Fakten, auf denen meine Warnung basiert, sind für jeden einsehbar. Es lässt sich nicht daran rütteln. Aber das hat Anleger auch bei Aktienkursen von 7 oder 9 NOK nicht abgehalten, vielleicht wird sie es auch in Zukunft nicht abhalten.

Aus charttechnischer Sicht sind die Bullen noch nicht geschlagen. Der Aufwärtstrend ist intakt und solange die Aktie oberhalb von 5 NOK notiert, besteht die berechtigte Hoffnung auf eine Erholung in Richtung 6 NOK. Darüber käme es zu einem Kaufsignal.

Fällt Nel hingegen unter 5 NOK, muss mit einer Ausdehnung der Korrektur bis 4,50 NOK gerechnet werden. Darunter wird es langsam gefährlich. Spätestens unter 4 NOK kippt das Chartbild vollständig.

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Chart vom 19.06.2019 Kurs: 5,39 NOK Kürzel: NEL - Wochenkerzen | LYNX Online Broker

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