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S&P 500: Bis morgen bullisch … und dann abwärts?

Die Liste an Argumenten, um auf dem aktuellen Niveau beim marktbreiten US-Index Standard & Poor’s 500 (S&P 500) einzusteigen, ist recht überschaubar. Zyniker mögen sagen: Sie ist leer. Dem gegenüber fänden sich reichlich Gründe, um jede größere Rallye zum Anlass zu nehmen, Positionen zu reduzieren. Gerade für die großen Fonds, die normalerweise nicht imstande wären, ihre gigantischen Portfolios nennenswert zu reduzieren und Barreserven aufzubauen, weil die Volumina zu groß wären, um vom Markt aufgenommen zu werden. Aber nein, der S&P 500 steigt. Wieso?

Nimmt man die Risiken nicht wahr, die der einseitige US-Ausstieg aus dem Iran-Atomabkommen für die Geopolitik und damit auch für die Weltwirtschaft bedeutet? Erkennen die US-Investoren nicht, dass sich die Erwartung, der Rest der Welt werde sich den US-Forderungen im Konflikt um das US-Handelsbilanzdefizit beugen, nicht zu erfüllen scheint? Dass nur noch zwei Wochen bleiben, bis die Strafzölle in Kraft treten und entsprechende, die US-Konjunktur belastende Gegenmaßnahmen auslösen würden? Sorgt sich niemand um die auf mehrjährigen Hochs angekommenen Renditen am US-Anleihemarkt, die gerade in den kurzen Laufzeiten zu einer brisanten Konkurrenz für Aktien werden? Um den wieder steigenden US-Dollar zu den meisten wichtigen Währungen, der die Vorteile, die die US-Unternehmen seit Anfang 2017 im Export hatten, wieder reduziert? Oder um das trotz Steuerreform bislang hinter den Erwartungen zurückgebliebene Wirtschaftswachstum? Die Liste der Punkte, die den Aktienmarkt bedrohen, ist lang. Wie kann der S&P 500 in einem solchen Umfeld steigen?

Diese Frage ist heute berechtigter als noch Mitte April oder Mitte März. Aber die Triebfeder des Anstiegs ist dieselbe wie damals: der morgen anstehende Abrechnungstermin am Optionsmarkt. Optionen haben in den USA als Derivat einen weit höheren Stellenwert als in Europa. Hier geht es um gewaltige Summen, die seitens der großen Akteure an der Terminbörse verdient oder eben verloren werden können. Groß genug, um mit hinreichend großem Hebel dafür zu sorgen, dass selbst ein derartiges Schwergewicht wie der S&P 500 zur Abrechnung am Freitag dorthin läuft, wo er diesen Akteuren den höchsten Gewinn einbringt. Und der wartet dort, wo die meisten Options-Käufer auf dem falschen Fuß erwischt werden, denn die „Big Player“ des Terminmarkts sind tendenziell eher Verkäufer der Optionen, die sogenannten Stillhalter. Sie machen ihren Gewinn, wenn die von ihnen an die anderen Marktteilnehmer verkauften Optionen wertlos verfallen. Und gerade in Phasen wie diesen, in denen es zahlreiche Gründe für fallende Kurse gäbe und daher viele Anleger auf einen Abstieg des Index setzen, lohnt es, den Index in die rational betrachtet „falsche“ Richtung zu ziehen. Was nicht unbedingt so teuer kommt, wie man denken könnte, denn natürlich ziehen die computergesteuerten Handelsprogramme und die Daytrader mit, kaufen den kurzfristigen Trend und werden so zu unbewussten Helfern der großen Akteure am Terminmarkt. Aber:

Chart vom 16.05.2018, Kurs 2.722,46 Punkte, Kürzel SPX

Beim DAX haben wir das Phänomen bereits seit Dezember gesehen, hier, an der Wall Street, immerhin im März und April: Kaum ist diese Abrechnung vorbei, dreht die Tendenz. Dass es diesmal anders kommt, ist zwar nicht auszuschließen. Aber ein erneutes Kippen des S&P 500 würde nicht überraschen. Ob im Chart auf Wochen- oder auf Tagesbasis, Sie sehen: Die entscheidenden Unterstützungen bleiben in Reichweite. Die Argumente für fallende Kurse sind zahlreicher. Und alleine, dass diese Käufe vor Abrechnungsterminen zur Gewohnheit geworden sind bedingt, dass nicht nur diejenigen zusehen dürften, gleich in der kommenden Woche in dieses gestiegene Niveau hin Positionen abzubauen, die unmittelbar an diesen Käufen mit Blick auf den Terminmarkt beteiligt sind. Auch alle anderen Marktteilnehmer sehen diese Divergenz zwischen steigenden Kursen und Rahmenbedingungen. Und sie sehen, dass der S&P 500 am Mittwoch trotz des negativen Signals eines „Abendsterns“ stieg, der genauso kurz vor dem Abrechnungstermin aufgetaucht ist, wie das im April der Fall war. Im April wirkte sich diese bärische Candlestick-Formation unmittelbar aus, drückte den Index noch vor der Abrechnung. Das sollte diesmal verhindert werden, zumal weiter fallende Notierungen bedeutet hätten, dass der Ausbruch über das April-Hoch eine Bullenfalle wird. Das Plus zu halten, gelang am Mittwoch. Aber jeder erfahrene Marktteilnehmer erkennt die Intention dieser Käufe … und das bedeutet, dass man gut beraten wäre, diesem scheinbaren charttechnischen Befreiungsschlag vorsichtig zu begegnen und eventuelle Long-Positionen zumindest knapp unter der bei 2.675 Punkten verlaufenden 20-Tage-Linie abzusichern.

Chart vom 16.05.2018, Kurs 2.722,46 Punkte, Kürzel SPX

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