Hedging – was genau ist das?

Man hört den Begriff oft im Bereich der Börse. Die Trader „hedgen“ sich gegen dieses oder jenes, heißt es dann. Und ganz grob weiß man: Mit Hedging ist eine Absicherung gemeint. Aber was genau passiert beim Hedging von Positionen? Und vor allem wie? Dieser Artikel bringt Licht ins Dunkel, denn Hedging ist nicht nur etwas für die großen Adressen an der Börse, es ist ein Tool, das für jedermann nützlich ist.

Zunächst einmal muss man festhalten, dass Hedging drei ganz unterschiedliche Zwecke erfüllen kann. Grundsätzlich bedeutet „Hedging“, dass sich ein Marktteilnehmer gegen für ihn negative Kursentwicklungen absichert. Aber da gibt es verschiedene Ausgangspunkte und Beweggründe:

Die grundlegenden Arten des Hedging

Zum einen die Bestandsabsicherung, zum anderen die Zukunftsabsicherung (forward hedging). Und bei der Bestandabsicherung ließe sich zwischen einer unmittelbaren Absicherung gegen eine akut vorliegende Gefahrensituation und einem „pending hedge“ unterscheiden, der zwar vorbereitet ist, aber erst greift, wenn eine vorab fixierte Situation eintritt.

Dazu kommt die Frage der Motivation: Warum will ich mich „hedgen“? Da gibt es wiederum zwei Möglichkeiten: Entweder will ich mich dagegen absichern, dass mir etwas nicht widerfährt oder, das wird oft gar nicht realisiert: Ich kann mich auch nicht gegen, sondern zugunsten von etwas absichern, das ich nicht verpassen will. Dazu gleich mehr. Zunächst zur Absicherung gegen ein akutes „Problem“:

Warum Positionen hedgen?

Warum sollte man eigentlich Bestände im Depot – oder gleich das gesamte Depot absichern, wenn die Kurse fallen? Hedgen bedeutet ja, dass man sich absichert, indem man versucht, die Verluste, die bei fallenden Kursen entstehen, auszugleichen. Was ebenso der Fall wäre, wenn man seine Positionen einfach verkaufen würde.

Wenn ein Anleger z.B. in Futures Short geht, einen Short-ETF auf einen Index, Put-Optionen, Short-Zertifikate oder Put-Optionsscheine kauft, um mit den bei fallenden Kursen dort entstehenden Gewinnen die Verluste seines Depotbestands auszugleichen, hätte er auf den ersten Blick gegenüber einem Depot-Verkauf nichts gewonnen. Früher hätte man noch die Haltefrist ins Spiel bringen können, d.h.: Ein Investor hedgt sich statt zu verkaufen, weil er die Haltedauer bei seinen Aktien noch nicht erreicht hat, nach der Gewinne steuerfrei wären. Was heute so kein Argument mehr ist. Aber:

Zum einen ist es deutlich einfacher, mit einem Short-Derivat ein komplettes Depot abzusichern, statt ein breit gestreutes Depot Stück um Stück zu verkaufen. Zum anderen kann eine wichtige Motivation sein, dass der Marktteilnehmer nicht auf die Dividenden verzichten möchte … die er ja nicht bekäme, würde er das gesamte Depot einfach glattstellen.

Und der Vorteil des Hedgings über Derivate ist, dass man einen relativ geringen Kapitalaufwand betreiben muss, weil man sich für einen Hedge ja ein hoch gehebeltes Derivat oder eine Short-Position im Future beschaffen kann, wodurch man sich bereits mit einem Kapitalaufwand, der unter zehn Prozent des Werts des Depots liegt, absichern kann.

In einem Abwärtstrend wie derzeit am europäischen Markt wäre es also nachvollziehbar, wenn sich manche Investoren lieber hedgen statt zu verkaufen, auch mit Blick auf die im Frühjahr beginnende Dividendensaison.

Für den Fall der Fälle: Pending Hedge

Eine solche Absicherung kann man aber auch nur in Bereitschaft halten. Das heißt: Man platziert eine „Stop In“-Order bzw. „Stop Buy“-Order, die erst dann ein Short-Derivat kauft, wenn z.B. ein für den Investor entscheidender Index einen bestimmten, aus seiner Sicht entscheidenden Punkt unterschreitet, unter dem er mit stark fallenden Kursen rechnet. Am Beispiel des DAX wäre z.B. der Bereich um 11.700 Punkte als Startlinie für eine Hedge-Position definierbar gewesen, wie der folgende Chart zeigt.

Dort etablierte sich über Monate hinweg die Nackenlinie einer potenziellen Schulter-Kopf-Schulter-Trendwendeformation. Deren Unterschreiten bedeutete ein markant bärisches Signal, also hätte man seine Absicherung planen und bereits vorbereiten können, indem man z.B. bei Schlusskursen unter 11.700 Punkten DAX Short-Zertifikate ins Depot genommen hätte. Solange diese Linie nicht gefallen war, blieb diese Order aber in Bereitschaft (pending).

Das ganze Depot hedgen – oder nur die Aktien, die nach unten ausbrechen?

Das ließe sich sogar für jede Aktie eines Depots einzeln machen, indem man bei jeder einzelnen Position den kritischen Punkt definiert und dafür dann speziell auf diese Aktie ausgerichtete Short-Derivate ordert, z.B. Short-Zertifikate, die man für alle Aktien, die in größeren Indizes gelistet sind, bekommen kann. Das ist zwar aufwändig, hätte aber den Vorteil, dass man nur dort wirklich hedgt, wo es auch wirklich zu einem bärischen Impuls gekommen ist. Neben Zertifikaten kann der Hedge auch ganz traditionell über Optionen erfolgen.

Ob man sich für diese komplexere, aber präzisere Variante entscheidet, ist vor allem eine Frage, ob man bereit ist, den damit verbundenen, höheren Aufwand zu betreiben. Je umfangreicher ein Depot ist, je mehr Einzeltitel das Depot umfasst, desto mehr Arbeit macht dieses Vorgehen, zumal es sinnvoll ist, die Stop In-Levels immer mal wieder zu prüfen, um sie entsprechend der Veränderung des Chartbilds ggf. höher anzusiedeln. Aber es ist eben die präzisere Vorgehensweise, weil man damit vermeidet, auch Aktien über die Gegenposition „auszubremsen“, die eigentlich noch in einem Aufwärtstrend laufen.

Forward Hedging

Die relativ wenig bekannte Variante des Hedging ist das Forward Hedging, obwohl genau diese Form diejenige ist, mit der wohl alles begann. Denn die Grundidee des Hedgings ist schon alt:

Händler, deren Ware starken Preisschwankungen unterlag, sichern sich seit langer Zeit gegen diese Schwankungen ab, indem sie die Ware, oft, bevor sie überhaupt in ihrem Besitz ist, zu einem für sie akzeptablen Preis auf Termin verkaufen. Auf der Gegenseite sichern sich die Abnehmer gegen Preissteigerungen ab, indem sie sich bereits weit im Vorfeld der Lieferung der Ware gegen einen steigenden Preis absichern, indem sie die Ware heute auf Termin kaufen, die sie erst in Wochen oder Monaten benötigen. So entstanden die „Futures“ und die anderen Derivate und damit der Terminmarkt. Und man kann sie natürlich immer noch auf diese Weise, und damit in beide Richtungen nutzen, indem man sich nicht nur gegen fallende, sondern auch gegen steigende Preise absichert, wenn man die zwar gerne mitnehmen würde, aber das Kapital fehlt. Ein Beispiel:

Stellen wir uns vor, wir wären im Herbst 2016. Sie können sich zwar vorstellen, dass nach der Wahl Anfang November in den USA eine Hausse startet, aber in diesem Moment fehlt Ihnen das nötige Kapital, um auf breiter Front einzusteigen. Ein „Forward Hedge“ wäre die Lösung:

Sie legen einen Punkt fest, dessen Überschreiten Ihrer Ansicht nach ein klar bullisches Signal wäre, welches weiter steigende Kurse nach sich ziehen dürfte und erwerben in dem Moment, an dem dieser „Punkt X“ überschritten ist, ein Derivat, z.B. ein Long-Zertifikat mit einem Hebel von 10. Damit hätten Sie mit einem Zehntel des Kapitaleinsatzes denselben Gewinn, als wären Sie z.B. in den hier im Chart abgebildeten marktreiten Standard & Poor’s 500-Index eingestiegen. Sobald Sie das eigentlich benötigte Kapital bereit haben, können Sie den Forward Hedge ablösen und z.B. in einen ETF auf den Standard & Poor’s 500 wechseln. Aber Vorsicht:

Dabei darf man nicht übersehen, sich eng abzusichern. Denn natürlich wirkt ein Hedge mit einem Derivat auch in die falsche Richtung mit Hebelkraft. Und da im Fall eines Forward Hedge ja keine Gegenposition existiert, wie das im Fall eines normalen Hedge in Form des Aktiendepots der Fall wäre, müssen Sie umgehend konsequent aussteigen und den Verlust begrenzen, wenn Ihre Erwartung sich nicht bestätigen sollte!

Welche Instrumente sind für das Hedging geeignet?

Grundsätzlich alles, was unter den Überbegriff der Derivate fällt. Sie können im Prinzip über die Futures, über Optionen, Optionsscheine, Zertifikate, ETFs hedgen. Aber achten Sie dabei auf die Laufzeiten und mögliche Aufgelder.

Ein sinnvolles Hedging muss zwei Dinge sicherstellen: Zum einen, dass Ihnen die Laufzeit des Derivats nicht ausgeht, zum anderen, dass die Absicherung nicht an Substanz verliert, weil das Derivat ein hohes Aufgeld hatte, das sich über den Zeitraum der laufenden Absicherung abbaut.

Daher würde es sich anbieten, in Bezug auf Optionen und Optionsscheine nur Laufzeiten über einem Jahr und Basispreise tief „im Geld“ zu wählen, d.h. diese Produkte sollten beim Beginn des Hedgings bereits einen hohen inneren Wert besitzen. Eine recht gute Möglichkeit, ein Depot zu hedgen, sind Short ETFs, die es mittlerweile auch mit Hebel gibt.

Wie berechnet man die richtige Dimension des Hedgings?

Gelingt es, ein Depot gegen fallende Kurse so präzise abzusichern, dass tatsächlich keinerlei Verlust nach Etablierung des Hedges entsteht oder aber ein Forward Hedge genau die Gewinne einbringt, die man erzielt hätte, wenn man ein Depot in geplanter Größe bereits hätte etablieren können, wird das als „perfekter Hedge“ bezeichnet. Aber das ist eine Wunschvorstellung. Gut abgesichert zu sein ist machbar, „perfekt“ eher nicht. Grund:

Man kann bei einem Depot mit zahlreichen verschiedenen Aktien nur dann in Richtung Perfektion gelangen, wenn man die Aktien jeweils einzeln hedgt. Was machbar, aber aufwändig ist. Und dann müsste jedes dabei eingesetzte Derivat tatsächlich genau so berechnet sein, dass es genau so viel zulegt, wie die jeweilige Aktie verliert. Und das auch noch inklusive der An- und Verkaufsgebühr und der Geld-/Brief-Spanne. Aber ein fast völlig deckendes Hedging ist allemal machbar. Wichtig wäre dabei:

Man muss als Absicherung Derivate wählen, die kaum oder kein Aufgeld haben und damit sehr engmaschig mit den Kursbewegungen mitlaufen. Denn dann ist es möglich zu berechnen, wo das Derivat steht, wenn z.B. der DAX um fünf, zehn oder zwanzig Prozent fällt. Sehr praktisch sind da ETFs, die nahezu deckungsgleich mitlaufen. Allerdings können Sie natürlich bei einem Depot mit zwanzig verschiedenen Aktien vorher nicht wissen, wie große Ihre Verluste sein würden, wenn der DAX zehn Prozent fällt. Denn einige Ihrer Aktien werden stärker, andere weniger stark wie der DAX fallen. Am einfachsten fährt man dann, wenn man den aktuellen Gesamtwert des Depots als Basis nimmt und da dann zu rechnen beginnt.

Nehmen wir mal als Beispiel ein Depot im Wert von 20.000 Euro. Wenn der DAX zehn Prozent fällt, wäre es zumindest wahrscheinlich, dass sich ihre Verluste grob im Bereich um 2.000 Euro bewegen könnten.

Würden Sie einen normalen Short ETF als Hedging-Instrument wählen, müssten Sie allerdings 20.000 Euro einsetzen. Denn der Short ETF ohne Hebel würde zehn Prozent zulegen, wenn der DAX zehn Prozent fällt. Das ist ein immenser Kapitalaufwand, denn wer hat schon seinen kompletten Depotbestand als Barreserve. Aber würde man einen DAX Short ETF mit Hebel 2 wählen, halbiert sich der nötige Kapitalaufwand auf 10.000 Euro.

Höhere Hebel bei Short ETFs sind indes selten, wer einen Hebel von fünf oder sogar zehn einsetzen möchte, würde auf Short-Zertifikate mit Laufzeit open end zurückgreifen. Wer genau arbeiten will, sich „perfekt“ hedgen will, muss also auch ein wenig Aufwand betreiben. Aber letzten Endes gilt:

Auch eine gröbere Absicherung ist weit, weit besser als das, was immer noch zu viele Anleger tun, die sich überhaupt nicht absichern und daher einem schwachen Markt hilflos ausgeliefert sind!

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