Analyse:
Rohöl-Schock: Löst das eine Rezession aus? Wer profitiert davon?

Am Samstag kam es in Saudi-Arabien zu Drohnenangriffen auf Erdöl-Anlagen des Staatskonzerns Aramco.
Ein Angriff traf die größte Ölraffinerie des Landes.

Dadurch dürfte sich die Tagesproduktion des Landes halbieren, von zehn auf fünf Millionen Barrel pro Tag. Das entspricht rund 5% des weltweiten Ölverbrauchs.

Dass die Kurse auf eine derartige Entwicklung mit einem Kurssprung reagieren, ist also absolut nachvollziehbar.
Von einer Sekunde auf die andere löste sich das weltweite Überangebot an Öl in Luft auf.

Derzeit notieren die Rohölsorten WTI und Brent rund 8% im Plus. Zwischenzeitlich lag das Plus bei rund 20%, de größte Kurssprung seit 1991.

Bedeutet das Krieg?

Derzeit befindet sich Saudi-Arabien bereits in einem illegalen Krieg mit seinem Nachbarn Jemen. Die Vorgänge werden von der Weltöffentlichkeit weitgehend ignoriert und man liefert weiterhin Waffen an das islamistische Regime in Riad.

Mit den USA hatte man erst kürzlich einen Mega-Waffendeal abgeschlossen, Auftragsvolumen mehr als 100 Mrd. USD.

Die saudische Königsfamilie benötigt dringend Panzer, Kampfhubschrauber & Co, um den Jemen abzuriegeln. Selbst Medikamente lässt man nicht mehr ins Land.
Von Lebensmitteln ganz zu schweigen. Die 28 Millionen Einwohner sitzen auf dem Trockenen, zehntausende Menschen sind bereits umgekommen, hunderttausende sind vom Tod bedroht.

Hilfsorganisationen sprechen von einem „Albtraum“ und einer akuten Hungersnot.
Warum sieht die Welt einfach weg?

Die Rebellen im Jemen haben sich jedenfalls zu den Angriffen bekannt. Saudi-Arabien beschuldigt hingegen den Iran.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sprach von einer Bedrohung der Sicherheit in der Region.
Das ist sicherlich nicht untertrieben.

Am Ende könnte es zu einem Krieg führen, in dem sowohl die USA, als auch Saudi-Arabien und der Iran verwickelt werden könnten.

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Ölpreis bald dreistellig?

Die Folgen eines Krieges kann man derzeit kaum abschätzen. Der Rohölpreis dürfte dadurch jedenfalls weiter befeuert werden.

Mit all zu hohen Kurszielen wäre ich dennoch vorsichtig, denn die Saudis werden die Fördermenge so schnell wie möglich wieder hochfahren.

Darüber hinaus steht die US-Fracking-Industrie Gewehr bei Fuß.
Mit jedem Dollar, den der Rohöl-Preis steigt, werden weitere Quellen profitabel und nehmen den Betrieb auf.
Dort dürfte die Fördermenge ebenfalls schnell steigen und den Preis auf der Oberseite eingrenzen.

Doch auch ein Anstieg von 60-65 USD auf 80 oder 90 USD je Barrel haben negative Auswirkungen auf die Wirtschaft.
Vor allem wenn der Preis sehr schnell ansteigt, das könnte einen Schock auslösen.

Als ich von den Angriffen erfahren hatte, hatte ich sofort die Worte von Investorenlegende Bill Miller in den Ohren.
Demnach enden nahezu alle Bullenmärkte entweder durch einen Ölpreis-Schock, steigende Leitzinsen oder eine Rezession.

Im heutigen Handelsverlauf hat Rohöl der Sorte Brent einen Großteil der Gewinne wieder abgegeben.
Die Meldung, dass die USA ihre strategischen Reserven nutzen werden, hat den Markt vorerst beruhigt. Vorerst.

Fällt Brent wieder unter 62,50 USD und somit in den Abwärtstrend zurück, haben die Bullen ihre Chance vertan.

Solange das aber nicht der Fall, ist Brent tendenziell bullisch. Erneute Kursgewinne in Richtung 65 und 67 USD sind jederzeit möglich.
Darüber kommt es zu einem Kaufsignal mit Kurszielen bei 69 sowie 70 und 73 USD.

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Chart vom 16.09.2019 Kurs: 64,40 Kürzel: BZ - Tageskerzen | LYNX Online Broker

Die Profiteure

Selbstverständlich profitieren aber auch viele Unternehmen von einem steigenden Ölpreis.

Darunter die Branchenriesen Royal Dutch Shell oder BP.

Aus meiner Sicht würde es aber vor allem den Fracking-Unternehmen helfen. Da wären zum Beispiel Halliburton, National Oilwell Varco und Schlumberger.
Desweiteren EOG Resources, Continental Resources, Whiting Petroleum, Marathon Oil, QEP Resources und Hess Corp.

Exxon, Chevron und ConocoPhillips sind in diesem Bereich ebenfalls stark engagiert.

Weitere Profiteure wären Zulieferer der Branche, wie der Fracking-Sand-Hersteller US Silica.

Bei viele dieser Aktien könnte es jetzt zu einer Rallye kommen. Der Sektor ist ohnehin „ausgebombt“ und seit Monaten im Sturzflug.

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